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Logik des Krieges Verkehrtes Image

Tsafrir Cohen

Gastkommentar von

Tsafrir Cohen

Krieg wird in unserem heutigen Bewusstsein mehr und mehr zu einem sinnigen, legitimen Mittel. Damit einher geht auch eine Verengung unseres Diskurses.

D er Krieg in Europa beschränkt sich nicht allein auf die Schlachtfelder in der Ukraine. Als Logik hat er sich auch hier eingenistet, ist Teil unserer Normalität geworden. Krieg ist nicht mehr das letzte verzweifelte und eigentlich verabscheute, sondern scheint für viele plötzlich das sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten.

Einher geht dieser Wandel mit einer Verengung gesellschaftlicher Debattenräume. Eine Grenze wird gezogen, die das vermeintlich Gute – das deutsche und europäische Wir – vom bösen russischen Gegenüber trennt. Stimmen, die diese vereinfachende Vereindeutigung hinterfragen oder vor der beidseitig angetriebenen Eskalation warnen, werden als naiv diffamiert. Aus der Unterstützung für die Ukraine indes die Aufrüstung Deutschlands abzuleiten und andere Wege zur Sicherung von Frieden auszuschlagen, ist keine Realpolitik.

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Es ist das Einknicken vor dem Krieg unter dem Deckmantel einer imaginierten moralischen Überlegenheit. Kriegslogik imaginiert Sicherheit und Orientierung. In einer Welt voller Umbrüche und Unklarheiten liegt im Vorrang des Militärischen gegenüber dem Politischen sodann auch eine tröstende Behaglichkeit. Wer den Krieg im Kopf hat, kann nicht aus ihm ausscheren – und ihn noch weniger beenden.

Tsafrir Cohen

ist Geschäftsführer der Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international.

Die deutsche Debatte spaltet derweil den Krieg vom Krieg ab, indem die hiesige Aufrüstung von den dortigen Folgen des Krieges getrennt wird. Über diese gefährliche Trennung müssen wir als Gesellschaft sprechen – das ist auch die Aufgabe von Hilfsorganisationen wie medico international, die seit Jahrzehnten mit lokalen Partnerorganisationen unter Kriegsbedingungen zusammenarbeitet. Deren Erfahrungen in der Ukraine, in Israel und Palästina, aber auch in Guatemala oder Angola lehren uns: Krieg ist größer, als die Für­spre­che­r:in­nen der Aufrüstung ihn sich vorstellen, und größer als jede Kriegspartei. Er ist in seinen Folgen nicht bestimmbar und nicht vorhersehbar.

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52 Kommentare

  • Braini

    Vielen Dank für die Gedanken. Wer Krieg ständig im Mund führt, wird wohl eher darin enden.



    Ich sehe in den Medienportalen massiv Beiträge zu Kriegsausrüstungen, Waffenherstellern, Schwarz-Weiß-malen von Gut und Böse. Das alles bringt die Gesellschaft in die Kriegsrichtung. Ist das schon Kriegsvorbereitung?



    Ja, wer versucht denn noch zu deeskalieren? Die Konzerne am wenigsten.



    Weder Sozialismus noch Kapitalismus bringen die Welt voran. Es sind immer die Zwischenlösungen, Kompromisse, gemeinsamen Nenner, Teilhabe, die Frieden und Wohlstand ermöglichen.

  • K. Rauschenbach

    Aus echtem Interesse und aber einer gewissen Bequemlichkeit frage ich einfach in die Runde:

    was macht eigentlich ein "Direktor RLS-Büro London"? Noch dazu in Doppelfunktion als Leiter der Israel-Abteilung der Rosa-Luxemburg-Stiftung? Geht es da um eine Art Gesinnungs-Lobbyismus - als dessen Ausdruck man diesen seinen Text dann durchaus verstehen könnte?

  • metalhead86

    Wenn jemand anders Krieg bereits aktiv als legitimes Mittel der Interessendurchsetzung nutzt sind Sie schon mittendrin in der Kriegslogik. Ob ihnen das passt oder nicht.

    • Elite123

      @metalhead86:

      Ob sie es glauben oder nicht, die gab es schon immer.



      Nur haben die vorherigen Politiker der BRD nicht direkt Schaum vorm Mund gehabt, sondern besonnen sondiert, wie man die Lage ohne weiteres Blutvergießen lösen kann.



      Das heißt Diplomatie und wir waren sogar mal richtig gut darin - und dann kamen Baerbock und Wadephul...

      • metalhead86

        @Elite123:

        Wo sehen sie bitte "Schaum vorm Mund?".

        Frühere Regierungen haben Desert Storm/Desert Shield mit finanziert und sind zusammen mit dem Rest der NATO den Serben beim Völkermorden in den Arm gefallen.



        Und falls sie auf Brand anspielen: Der hatte mit der Bundeswehr erhebliches militärisches Gewicht für seine Ostpolitik.

        Die russischen Angriffskriege gegen Georgien und Ukraine begannen übrigens 2007 und 2014. In beiden Fällen hieß der deutsche Außenminister Steinmeier. Die Regierung davor hatte unter anderem über Gasverträge mit Russland Wandel durch Handel versucht.

      • Machiavelli

        @Elite123:

        Welchen Krieg haben den deutsche Diplomaten erfolgreich beendet, bei der die eine Seite das Existenzrecht der anderen nicht anerkannte?

        • Elite123

          @Machiavelli:

          @Machiavelli: das Ende der DDR zum Beispiel. Da wurden die Sowjets überzeugt.

          Und das obwohl der Kapitalismus der Todfeind war.

          • Machiavelli

            @Elite123:

            Da war kein Krieg. Die Soviets waren Pleite und wollten soviel von ihrem Imperium retten wie sie konnten. Das lässt sich null vergleichen. Und Kapitalismus war nur noch rhetorisch der Todfeind.

      • Michael M

        @Elite123:

        Ich seh keinen Schaum. Bei niemandem. Und Diplomatie funktioniert NUR aus einer Position der milit. Stärke heraus. Oder wenn man berwit ist, alle Forderungen der Gegenseite zu erfüllen, das heißt dan Kapitulation

  • Wanderin

    Die USA ist die stärkste Militärmacht der Welt- Sie wurde nicht militärisch besiegt, sondern von innen zersetzt. Frau Clinton warnte, dass Trump bereits in den 80ern vom damaligen KGB angeworben wurde. (Codename Krasnov)



    -



    Im Vergleich zum Thema Aufrüstung werden folgende Bedrohungen für die innere Zersetzung nur lapidar aufgenommen: 1. Der ehem. Kopf des BND wurde wegen Verdacht auf Landesverrat festgenommen. Es gab auch einen Vorfall 2023, wo jemand aus dem BND (Carsten L) Informationen nach Russland verkaufte. In Konsequenz bleiben andere ausl. Geheimdienste auf Distanz, da diese fürchten, dass Informationen für den BND nach Russland durchgestochen werden. Und- nach der Wiedervereinigung kam auch Ex SED Personal in den BND. Durchaus relevant, da Putin KGB Agent in der DDR war. 2. Die Putin-nahe AfD hat in SA nun Zugriff auf Daten des Verfassungsschutz. 3. Die Befugnisse für BND und Verfassungsschutz sollen trotz dieser Lage ausgeweitet werden.



    -



    Da wir in volatilen innenpolitischen Zeiten leben, stellt sich die Frage, in wessen Hände die erweiterten Befugnisse sowie die zukünftig “größte Armee Europas” fallen könnte. Eine Putin-freundliche AfD-CDU Regierung?

  • Agarack

    Krieg ist beschissen. Er ist mit das schlimmste, was passieren kann. Ein großer Krieg zwischen Supermächten würde das Überleben der Menschheit an sich gefährden.

    Ich halte es aber für völlig verfehlt, denjenigen, die jetzt Deutschland aufrüsten, zu unterstellen, sie sähen das anders. Fast niemand in Deutschland will Krieg. Die Ukraine wollte diesen auch nicht, aber das Problem ist ganz schlicht: Wenn man sich der Verteidigung verweigert, dann kommt der Krieg ganz schnell zu einem. Es handelt sich hierbei übrigens auch nicht um eine Absage an "andere Methoden, Krieg zu verhindern" - vielmehr sind gerade diese Methoden wesentlich effektiver, wenn die kriegerische Option mutmaßlich kostspieliger und weniger erfolgversprechend sind. Der NATO-Doppelbeschluss z.B. hat damals funktioniert, weil es gerade die Nachrüstung der NATO-Mittelstreckenraketen war, die zu einem sowjetischen Umdenken und letztlich zu Abrüstungsabkommen führte - hätte man, wie damals durch die Friedensbewegung gefordert, einseitig abgerüstet, wäre das wahrscheinlich nie passiert.

    Man muss sich von der Schwarzweißlogik "Aufrüstung oder Diplomatie" trennen - diese funktionieren am Besten gemeinsam.

  • Vigoleis

    "Si vis pacem, para bellum." Kein relevanter Politiker in Deutschland sagt, will oder behauptet etwas anderes. Leider ist dieser Satz auch eine politische Lehre aus der Geschichte (wenn es so etwas überhaupt gibt).



    Was einen Angriffskrieg von einem Verteidigungskrieg unterscheidet, ist relativ klar zu definieren. Komplizierter, d.h. außer in Einzelfällen, wird dieser Unterschied (strategisch und taktisch) bei den konkreten Waffen und Techniken aller Art.

    • Francesco

      @Vigoleis:

      »"Si vis pacem, para bellum."«



      Der Satz war schon immer nur eine unbelegte Behauptung. Dass er alt ist, bedeutet nicht, dass er richtig ist. Das Römische Reich, aus dem er stammt, hat immer zum Krieg gerüstet, aber nie in Frieden gelebt.

      • Machiavelli

        @Francesco:

        Der durchschnittliche Römer lebte aber in relativem Frieden.

        • Francesco

          @Machiavelli:

          Der durchschnittliche Russe heutzutage auch.

          • Machiavelli

            @Francesco:

            Nicht auf vergleichbarem Niveau.

  • Strolch

    Krieg ist nicht mehr das letzte verzweifelte und eigentlich verabscheute, sondern scheint für viele plötzlich das sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten.

    Da hat der Autor mal was treffendes über Putin gesagt.

  • nihilist

    Neville Chamberlain wäre entzückt gewesen.

    • Schleicher

      @nihilist:

      Wieso?

  • Machiavelli

    Niemand in Deutschland außer ganz rechts und einige Spinner links sehen Krieg als sinnhaft oder legitimes Mittel an. ABER bisher hat noch niemand ein effektives Mittel gegen jene erfunden, die Krieg führen wollen, außer ihnen mit Gewalt entgegenzutreten. Ziviler Widerstand funktioniert gegen Staaten mit moralischem Selbstanspruch nicht gegen genozidale Faschos.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Machiavelli:

      "Niemand in Deutschland außer ganz rechts und einige Spinner links sehen Krieg als sinnhaft oder legitimes Mittel an."

      Und dann kommt die Begründung, warum Krieg doch irgendwie legitim ist 😉

      • Machiavelli

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Verteidigung und Angriff sind nicht das gleiche.

      • Agarack

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Würden Sie sagen, es gibt keinerlei legitimen/gerechten Krieg? Beachten Sie, dass, wenn man das so sieht, daraus folgt, dass z.B. der Widerstand Polens oder Großbritanniens im zweiten Weltkrieg genausowenig gerechtfertigt wäre wie die deutsche Aggression selbst.

    • T-Rom

      @Machiavelli:

      Das effektivste Mittel gegen Krieg ist, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Da gibt es auch verschiedenste Mittel im Vorwege gegenüber Staaten, die eher imperialistisch gesinnt sind. Das nennt sich Diplomatie, ist aber in letzer Zeit offenbar etwas ausser Mode gekommen.



      Übrigens funktionieren Dinge wie die Blockade von wichtigen Handelswegen (zB Hormuz) offenbar auch gegenüber Staaten ohne grossen moralischen Selbstanspruch.

      • Machiavelli

        @T-Rom:

        Diplomatie gegenüber Imperalisten findet nur auf den Schultern von Soldaten statt. Ohne schlagfertige Armee läuft da gar nichts. Und wenn Russland die Ukraine oder china Taiwan will kommen sie mit Diplomatie nicht weit.

        Die Straße von Hormuz wird mit gewalt blockiert weiß nicht was ihr Punkt hier ist?

  • Bürger L.

    Die völkerrechtswidrige Aggression Russlands gegen die Ukraine ist unbestritten. Die Frage ist nur, welche Schlüsse man in Deutschland daraus zieht.



    Mit starker medialer Unterstützung wird propagiert, dass Deutschland endlich kriegstauglich werden müsse.



    Die immer gleichen Militär-Expert*innen erklären, dass Russland in absehbaren Zeiträumen angrenzende Natostaten angreifen wolle.



    Einzelne nenne sogar konkrete Jahreszahlen.



    Die Reaktion: Aufrüstung um jeden Preis, massive Werbung fürs Militär.

    Das ausschließlich Denken in militärischen Kategorien macht blind für die Gefahren die daraus entstehen. Es verhindert keine Krieg, sondern macht ihn wahrscheinlicher.

    Deutschland sollte nicht kriegstüchtig werden, wohl aber die eigene VERTEIDIGUNGSbereitschaft im Verbund mit anderen EU-Ländern stärken.



    Das hieße, verstärkt in defensiven Schutz zur Raketen- und Drohnen-Abwehr zu investieren. Das hieße auch bauliche Vorkehrungen zum Schutz der Zivilbevölkerung schaffen.

    Klar, Deutschland muss auf die aggresive Haltung der Russischen Führung reagieren.



    Es geht nicht um das "ob", sondern um das "wie". Das Schüren von Angst in der Bevölkerung und Hass gegen Russland ist der falsche Weg.

    • metalhead86

      @Bürger L.:

      Bunker helfen nichts wenn Infanteristen Handgranaten in die Belüftungssysteme werfen können.

    • gyakusou

      @Bürger L.:

      Diese klare Unterscheidung zwischen Kriegstüchtigkeit und Verteidigungsbereitsschaft gibt es nicht. Um sich richtig zu verteidigen muss man auch "Offensivwaffen" haben, um Ziele direkt beim Gegner zu zerstören, von denen man aus angegriffen wird.

    • K. Rauschenbach

      @Bürger L.:

      So ganz ohne "Angst schüren" wird es wohl nicht gehen, wenn ein Großteil der Bevölkerung denkt, das ganze Thema Landesverteidigung (Militär, resiliente zivile Strukturen im Katastrophenschutz, medizinische Versorgung etc.) kann so komfortabel angegangen werden, wie seit Jahrzehnten gewohnt.



      Da haben sich viele in die Tasche gelogen und tun es noch - von Politikern in höchsten Ämtern bis zu Heranwachsenden, die sich gegen ein Dienstjahr stemmen.

    • Machiavelli

      @Bürger L.:

      "Deutschland sollte nicht kriegstüchtig werden, wohl aber die eigene VERTEIDIGUNGSbereitschaft im Verbund mit anderen EU-Ländern stärken. " das macht Deutschland, Verteidigung funktioniert auch nur mit Waffen. Ob kriegstüchtig oder verteidigungsbereit, das ist Wortklauberei. Bedeutet beides das gleiche Krieg führen zu können und zwar so dass man den anderen besiegen kann

      "Das hieße, verstärkt in defensiven Schutz zur Raketen- und Drohnen-Abwehr zu investieren. Das hieße auch bauliche Vorkehrungen zum Schutz der Zivilbevölkerung schaffen.

      Klar, Deutschland muss auf die aggresive Haltung der Russischen Führung reagieren." Der einzig zuverlässige schutz liegt in der Zerstörung russischer Basen und Fabriken, die Drohnen und Raketen produzieren.

      • Bürger L.

        @Machiavelli:

        "Der einzig zuverlässige schutz liegt in der Zerstörung russischer Basen und Fabriken, die Drohnen und Raketen produzieren."

        Da wollen wir doch mal hoffen, dass niemand auf die glorreiche Idee kommt, die russischen Basen und Fabriken vorsorglich zu zerstören, bevor das Land daran denkt, uns anzugreifen.

        "Verteidigung funktioniert auch nur mit Waffen. "

        Ich denke mal, ihnen als "Militärexperten" muss ich nicht erklären, dass es unterschiedliche Arten der Bewaffnung gibt.



        So wäre die Ukrainische Zivilbevölkerung vermutlich froh, wenn es im Land genügend Systeme gäbe, die russische Raketen und Drohnen schon im Anflug abfangen können, bevor sie am Boden töten und zerstören.

        Die weit nach Russland reichenden Gegenschläge der Ukraine bleiben im doppelten Sinn nicht ohne Folgen.

        "Der wirtschaftliche und logistische Druck auf Moskau ist messbar gestiegen, führt jedoch spiegelbildlich zu einer brutalen Eskalation der russischen Luftangriffe auf ukrainische Städte." (BR 24 / 05.26)

        So einfach, wie das vom bequemen, heimischen Sessel aussieht, scheint es nicht zu sein.

        Wie "einfach" ein Aggressor mit militärischen Mitteln zu "entwaffnen" ist, führt uns gerade Herr Trump im Iran vor.

        • Machiavelli

          @Bürger L.:

          Jede Abwehr kann überwunden werden aber tote russische Soldaten töten niemanden mehr deswegen ist die einzzog effektive weg der Verteidigung der Angriff und Russland greift seit tag 1 zivile Ziele in der Ukraine an jetzt schlägt die Ukraine halt zurück. Wir sollten so gut bewaffnet sein das wir an Tag 1 eines krieges in Russland die Wirtschaft und Infrastruktur zerstören und gleichzeitig den Großteil aller Angriffe abwehren.

        • marilyn.hanson

          @Bürger L.:

          Nur sind da die USA ja die "moralisch verwerflichen" Agressor*innen, die einen bei unseren Leitmedien rätselhaft selten als solchen bezeichneten Angriffskrieg führen. Ja jetzt auch nicht zum ersten Mal in den letzten 80 Jahren.



          Aber die US-amerikanische, europäische und v. a. deutsche Öffentlichkeit findet auch westliche Angriffskriege, deren Initiator*innen noch leben (Irak, Libyen, Jugoslawien, Afghanistan - was für eine Erfolgsgeschichte! Und finanziell so günstig!) ja "nicht so schlimm", "für das Hier-und-Heute nicht so relevant" und denkt auch nicht daran, mal im Sinne der offensiv gegenüber anderen vertretenen universellen Moral und Menschenrechte hier im Westen, vor der eigenen Haustür, anzufangen, Glaubwürdigkeit herzustellen, wo man ja wohl eine direktere Durchgriffsmöglichkeit gegen die Kriegsverbrecher*innen und Lügner*innen hätte ("Hufeisenplan" "Massenvernichtungswaffen im Irak").



          Lieber ist man gekränkt & beleidigt, dass Südafrika, Brasilien und Indien irgendwie wenig mitziehen beim moralischen Furor.

  • Deep South

    Ich wäre ja dafür, so eine Art Murmeltiertag Rubrik einzuführen. Denn Artikel, die sich völlig losgelöst von der brutalen Realität in der Ukraine und der immer wieder offenkundig zur Schau gestellten Nichtbereitschaft Russlands für Verhandlungen behauptet, eine wirksame Verteidigungsfähigkeit wäre eine Art von Kriegslogik, lese ich hier in regelmäßigen Abständen immer wieser. Realitsich umsetzbare Lösungsansätze, die Aggressoren davon abhalten, sich mit dem Recht des stärkeren zu nehemen, was sie wollen kann ich auch diesmal nicht erkennen. Ein Pazifismus, der sich nur selbst gefällt und keine Antworten auf die Realität hat, hat für niemanden einen Mehrwert.

  • Nick765

    Ich ziehe diese Linie aber auch sehr deutlich. Wer einen Angriffskrieg führt, ist "Böse", wer sich -bewaffnet- verteidigt, gerade nicht. Ausgerechnet hier in Deutschland haben wir diese Lektion gut gelernt - und es wichtig dass nicht durch Argumente wie von dem Autor des Artikels das -sehr gut begründbare - Recht auch Sicherheit und die Eigenverteidigung mit dem leider bei fehlender Auseinandersetzung mit dem Thema Recht leicht aufkommenden Wohlheissen von Gewalt vermischt wird. Krieg ist entsetzlich, sich dagegen auch abschreckend zu positionieren gerade eben nicht!

  • Mr. Hello

    Was genau ist jetzt die Quintessenz dieses Artikels?

    Welche „andere Wege zur Sicherung von Frieden“ werden oder wurden ausgeschlagen?

    Wo genau wird deutlich, dass Krieg als das „sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten“ angesehen wird, und nicht als das letzte?

    Und zu betonen, dass „Stimmen, die […] vor der beidseitig angetriebenen Eskalation warnen, als naiv diffamiert [werden]“ hat eben auch wieder etwas von beide-sind-doch-Schuld.

    • PepperA

      @Mr. Hello:

      Sie fassen all meine Gedanken zu diesem Artikel perfekt zusammen.

  • FtznFrtz

    Die Auffassung von Herrn Cohen kann ich nicht teilen.

    Der Ukrainekrieg ist klar von einer Seite ausgegangen wird von dieser immer weiter angetrieben und am Laufen gehalten. Der Irrglaube Putins, man könne dauerhaft politische Ziele militärisch erreichen wird doch jeden Tag in diesem Konflikt widerlegt.



    Ohne ein russisches Interesse am Frieden wird der Krieg weitergehen. Wie weit auf Seiten des Westens die militärische Logik mitgegangen werden sollte ist eine andere Frage. Bereits jetzt ist die NATO den Russen militärisch überlegen, inwieweit eine weitergehende massive Aufrüstung erfoderlich ist, dazu Maßnahmen wie die Reaktivierung der Wehrpflicht ist zu diskutieren. Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, die NATO anzugreifen. Das hat man vor dem Krieg aber auch bei der Ukraine gesagt.

    • marilyn.hanson

      @FtznFrtz:

      Russland unter Putin strebt wohl die Wiederherstellung einer ex-sowjetischen geografischen Einflusszone mit Garantien der Nichtreinmischung westlicher Akteur*innen an, und die USA scheinen zu schwach, unter Trump nicht willens und durch den Aufstieg Chinas abgelenkt und ressourcenmäßig gebunden zu sein, um (weiter, wie sonst seit Jahrzehnten andauernd) dagegen anzugehen.



      Abschreckung für die NATO ist schon gegeben. Abnutzung auf allen Seiten. Profitieren wird wohl China.

  • derzwerg

    Der Kommentar ist zu kurz, die einzelnen Punkte hätten schon etwas ausführlicher dargestellt werden können. Was für eine Schlussfolgerung soll ich aus dem Abschnitt ziehen: „Eine Grenze wird gezogen, die das vermeintlich Gute – das deutsche und europäische Wir – vom bösen russischen Gegenüber trennt. Stimmen, die diese vereinfachende Vereindeutigung hinterfragen oder vor der beidseitig angetriebenen Eskalation warnen, werden als naiv diffamiert.“







    Anders gefragt: welcher Aspekt des Verhaltens Russlands im russischen Angriffskrieg ist nicht „böse“?

    • marilyn.hanson

      @derzwerg:

      Nur, weil der vielleicht zweitschlimmste Bully jetzt mal die Muskeln spielen lässt, sollte man sich als Teil des schlimmsten Bullys der letzten 80 Jahre (globaler Norden, Westen) vielleicht mit der moralischen und geostrategisch bequemen Empörung etwas zurückhalten, wenn man weltweit und vorrangig im globalen Süden nicht als Lachnummer rezipiert werden will. Das kostet einen dann nämlich so Sachen wie den UN-Sicherheitsrats-Sitz. Wenn Sachen von vor 80 Jahren nicht ausreichend aufgearbeitet und in messbare Politik und ausreichende Entschädigungen oder zumindest Schuldenrückzahlungen (Griechenland unter der Wehrmachtsbesatzung) erfolgen, kann man ja den heutigen offiziösen Verlautbarungen und Darstellungen noch viel weniger vertrauen. Eine von möglichst vielen Seiten und Akteur*innen als genuin glaubwürdig eingeschätzte Suche nach einem Interessensaugleich, wo man die Interessen der anderen mitdenkt, könnte ein Anfang sein.

      • derzwerg

        @marilyn.hanson:

        Dann bleibt eigentlich nur der Whataboutismus übrig, „weil D‘land keine Reparaturen an Griechenland gezahlt hat, soll ich es irgendwie schon in Ordnung finden, wenn Russland Kiew zerbombt.“ Oder so ähnlich.

        Ich glaube, damit kommt man nicht weit, und es wundert mich, wie weit man damit bei Medico kommt.

  • hsqmyp

    Ich fühle mich beim Lesen mitten in die Friedensbewegung zurückversetzt, die mal ein Gemeinplatz für eine Mehrheit in Deutschland, darunter viele Bis, die GAL, die SPD und die Gewerkschaften, KünstlerInnen…



    Ich freue mich über solche Beiträge, auch wenn sie bald von Bellizisten aus og Gruppierungen verächtlich gemacht werden.

    Die Deutschen haben eben doch nicht genug gelernt. Und vieles vergessen.



    Zum Glück auch, wie man eine bedrohliche Armee aufbaut, die Millionen Menschen ermorden kann und Weltkriege auslöst.

    Schade nur, das der Ruf Deutschlands als diplomatische, geschichtsbewusste Nation so geschunden wurde, das eine Mehrheit der Länder uns nicht mehr im Sicherheitsrat sehen will.

    • Encantado

      @hsqmyp:

      "...auch wenn sie bald von Bellizisten aus og Gruppierungen verächtlich gemacht werden."



      Wenn Sie Menschen mit Ihnen nicht genehmer Meinung derart verächtlich machen, dürfen Sie sich über gleichartige Retourkutschen allerdings weder ärgern noch wundern.

    • Katharina Reichenhall

      @hsqmyp:

      Wo sind den diese "Bellizisten" in Deutschland?



      Es ist eine reine Strohmann-Debatte.



      "sondern scheint für viele plötzlich das sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten."



      Wer sind diese "Viele"?



      Es gibt diese "vielen" nicht.



      Außer vielleicht in Russland.

  • PepperA

    Ich versuche diese Position in Bezug auf und angesichts des (Ausmaßes des) Angriffskireges Russlands gegen die Ukraine zu verstehen, aber finde außer Phrasen keine überzeugenden Argumente.

    Auch hier bleibt der Agressor unbenannt bzw. es wird eine westliche Verantwortung, Angriffs- und Verteidigungskrieg werden gleichgesetzt und die Opfer in der Ukraine für die eigene Botschaft instrumentalisiert anstatt deren Stimmen auch nur zu benennen.

    Der Text krankt daran, dass die Ukrainer*innen zwischen Deutschland und Russland nicht gesehen werden.

    Hier einmal für etwas Perspektive das Plädoyer für einen solidarischen Antiimperialismus der ukrainischen Sozialist*innen Olena Tkalich und Oleksandr Kyselov: emanzipation.org/2...antiimperialismus/

  • K. Rauschenbach

    "Krieg (...) scheint für viele plötzlich das sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten." - Wer sind diese "vielen"? Die Befürworter der Aufrüstung (abgesehen von den wirklich wenigen Profiteuren) haben eine - berechtigte - Angst vor militärischen Angriffen, denen die Bundeswehr und ihre Partner in Europa derzeit nicht standhalten könnte. Finden Sie diese Angst unberechtigt?

    "Aus der Unterstützung für die Ukraine indes die Aufrüstung Deutschlands abzuleiten und andere Wege zur Sicherung von Frieden auszuschlagen, ist keine Realpolitik.



    Es ist das Einknicken vor dem Krieg unter dem Deckmantel einer imaginierten moralischen Überlegenheit." - können Sie bitte benennen, welche anderen "realpolitischen" Wege im Umgang mit dem System Putin heute(!) zu wählen wären?

    "Krieg ist größer, als die Für­spre­che­r:in­nen der Aufrüstung ihn sich vorstellen, und größer als jede Kriegspartei. Er ist in seinen Folgen nicht bestimmbar und nicht vorhersehbar." - Da gebe ich Ihnen recht. Und es gibt einen Mann der zumindest in der Ukraine mit einem einzigen Wort den Krieg beenden kann. Er scheint das aber noch nicht verstanden zu haben.

  • Tom Meier

    „(Krieg) scheint für viele plötzlich das sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten.“ - Wer im demokratischen Spektrum behauptet das bitte ernsthaft? Quelle bitte.

    • marilyn.hanson

      @Tom Meier:

      Siwhw Antwort auf @



      Lothar Heusch, so denn freigeschaltet.

  • Lothar Heusch

    Im letzten Medicoheft ist mir achon aufgefallen, wie naiv und tendenziell einseitig der Autor und Chef von medico argumentiert. Er stört sich an der Weltordnung, die vom hegemonialen Westen geprägt wurde. Keine Frage, dass dadurch lange Zeit viel Unrecht geschah. Aber nicht nur. Immerhin sind wir in Europa daher eher kriegsentwöhnt. Nun wird diese Weltordnung ja gerade durch Russland und China in Frage gestellt, beginnt zu bröckeln. Und meint der Autor nun, die Zeiten werden besser? Mir scheint, der Autor reiht sich ein in die Weitsicht derer, die wieder russisches Gas wollen, egal was das für die Ukraine und andere Völker im Machtbereich Russlands bedeutet. Nicht die Aufrüstung Deztschlands ist verantwortlich für den Vernichtungskrieg Putins gegen die Ukraine. Und auch nicht die USA, deren Weltbedeutung offensichtlich sinkt, was durch den wahnsinnigen Krieg gegen Iran umso deutlicher wird. Allein Russland u d seine Unterstützung ist verantwortlich für den Krieg gegen die Ukraine und Europa insgesamt.

  • Encantado

    "Krieg ist nicht mehr das letzte verzweifelte und eigentlich verabscheute, sondern scheint für viele plötzlich das sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten."



    Der Punkt ist ja: es gibt Menschen, die den Krieg als taugliches Mittel zur Umsetzung ihrer Ziele betrachten. Wie geht man nun damit um? Richtig: man bezieht Krieg als Möglichkeit in seine Handlungsoptionen ein. Das heißt nun nicht einen Krieg anzustreben (hier liegen dann viele Kriegsgegner falsch), sondern seine (mögliche) Existenz anzuerkennen. Nicht mehr, nicht weniger.

  • gyakusou

    Für wen ist Krieg das sinnigste und legitimste Mittel zur Beendigung von Konflikten? Wer behauptet das hier bei uns?

    So weit ich das beurteilen kann wünscht sich jeder ein Ende des Krieges in der Ukraine. Der einzige, der nicht daran interessiert ist, ist Putin.

    Und die Aufrüstung in Europa erfolgt, um einen Angriff und damit einen Krieg zu verhindern.