piwik no script img

Krieg in IranIsrael nutzt Gaza-Taktik im Libanon

Julia Neumann

Kommentar von

Julia Neumann

Israels Kriegsführung im Libanon ist völkerrechtswidrig – und knüpft an die in Gaza an. Durch Waffenlieferungen macht sich Deutschland mitschuldig.

Vom israelischen Militär zerstörte Häuser in der südlibanesischen Stadt Tyros Foto: Murat Sengul/Anadolu Agency/imago

G ezielte Angriffe auf Krankenwagen, 118 getötete Kinder, 40 getötete Rettungskräfte. Israels Regierung zieht beim Krieg im Libanon offen Parallelen zur völkerrechtswidrigen Kriegsführung in Gaza. So befahl Verteidigungsminister Israel Katz der Armee am Sonntag, die Zerstörung von Häusern in Grenzdörfern im Südlibanon zu beschleunigen – „nach dem Vorbild von Beit Hanun und Rafah“. Finanzminister Bezalel Smotrich drohte, Südbeirut werde „sehr bald“ aussehen wie Chan Yunis.

Menschenrechtsorganisationen und internationale Hilfsorganisationen haben in Gaza israelische Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit dokumentiert. Vor dem Internationalen Gerichtshof läuft ein Genozid-Verfahren. Im Libanon hat Israels Armee den kompletten Süden zur „Roten Zone“ deklariert und Zi­vi­lis­t*in­nen in Vertreibungsanordnungen gewarnt, sie könnten getötet werden, falls sie ihre Häuser nicht verlassen. Mitte März erklärte Katz, Hunderttausende schiitische Ein­woh­ne­r*in­nen würden nicht in ihre Häuser zurückkehren. Angeblich, bis Sicherheit in Nordisrael gewährleistet sei.

Katz hat angeordnet, alle Übergänge über den Fluss Litani zu zerstören. Am Sonntag wurde eine strategische Brücke gesprengt. Südlibanon wird vom Rest des Landes abgeschnitten. Vieles deutet auf eine permanente militärische Besatzung hin. Grenzdörfer liegen bereits in Schutt durch den Einmarsch 2024. Erneut gibt es Attacken auf Ersthelfer, Krankenwagen, einen Journalisten, der über die Brückensprengung berichtet hatte. Zwangsvertreibung, mutwillige Zerstörung, gezielte Angriffe gegen Zi­vi­lis­t*in­nen sind Kriegsverbrechen. Das geschah im Libanon bereits 2024 mit kompletter Straflosigkeit.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Die israelische Armee marschiert im Südlibanon mit Merkava-Panzern ein. Motoren dafür kommen aus Deutschland. Die Bundesregierung muss die Waffenlieferungen an Israel stoppen und Druck erhöhen, damit garantiert wird, dass Vertriebene zurück in ihre Häuser können. Deutschland macht sich sonst weiter schuldig.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Julia Neumann
Korrespondentin Libanon
Auslandskorrespondentin für Westasien mit Sitz in Beirut. Hat 2013/14 bei der taz volontiert, Journalismus sowie Geschichte und Soziologie Westasiens studiert. Sie berichtet aus dem Libanon, Syrien, Iran und Irak, vor allem über Kultur und Gesellschaft, Gender und Fragen der sozialen Gerechtigkeit. Für das taz Wasserprojekt recherchierte sie im Libanon, Jordanien und Ägypten zu Entwicklungsgeldern.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Danke. Da liest man sonst recht wenig drüber. So erweitert Israel sein Staatsgebiet einfach mal um große Sicherheitszonen. Es nutzt gnadenlos die Gunst der Stunde, da alle anderen arabischen Staaten mit sich selbst beschäftigt sind bzw. Zu schwach sind. Und sonst regt sich kaum jemand auf.

    Nebenbei. Warum wird eigentlich noch der Iran bombardiert? Was sind da die Ziele? Weil man s kann?

    Menschen oder Völkerrecht? Egal.

    Ob aber Motoren aus D wirklich zu einer Schuldfrage führen, sei dahingestellt.