Geplante Extra-Abgabe auf Softdrinks : Zuckersteuer auf Limonaden ist nicht unsozial – im Gegenteil
Wer armen Menschen helfen will, sollte gezuckerte Getränke nicht künstlich billig halten. Die Abgabe kann gesundheitliche Ungleichheit verringern.
Foto: Bernd Feil/imago
D ie nun vom Bundeskabinett auf den Weg gebrachte Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke treffe besonders Menschen mit wenig Geld, sagen Kritiker. Das Argument gegen die Abgabe klingt sozial – ist es aber nicht.
Tatsächlich nehmen sozial benachteiligte Gruppen im Mittel mehr mit Zucker gesüßte Getränke zu sich als besser gestellte. Das trägt dazu bei, dass gerade Menschen mit niedrigem Bildungsstatus überdurchschnittlich häufig von Adipositas und Typ-2-Diabetes betroffen sind. Eine Zuckersteuer auf Softdrinks kann helfen, diese gesundheitliche Ungleichheit zu verringern.
Die Steuer wirkt dabei auf zwei Wegen: Wenn mit Zucker gesüßte Limonaden teurer werden, kaufen die Menschen tendenziell weniger davon. Davon kann ihre Gesundheit profitieren.
Außerdem ist die Abgabe nach den Plänen der Bundesregierung gestaffelt: Unter 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter fällt sie gar nicht an, ab 5 Gramm sind es 26 Cent je Liter, ab 8 Gramm 32 Cent. Das gibt den Herstellern einen Anreiz, den Zuckeranteil zu senken, und die Verbraucher zahlen dann oft kaum mehr. In Großbritannien, wo die Industrie seit 2018 eine ähnlich gestaffelte Abgabe entrichten muss, sank der Zuckergehalt der betroffenen Getränke bis 2024 im Schnitt um fast die Hälfte. Der größte Teil der Umstellung geschah schon nach der Ankündigung.
Getränke ohne Nutzen für die Ernährung
Davon profitieren auch Menschen, die ihren Zuckerkonsum bisher nicht bewusst reduzieren. Das ist sozialer, als ungesunde Produkte billig zu halten, die aus medizinischer Sicht niemand für die Ernährung braucht. Kein Mensch ist auf diese Zuckerbomben angewiesen, um seinen Durst zu löschen oder sich mit notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Wasser und ungesüßter Tee erfüllen diese Funktionen genauso gut oder besser – ohne die zusätzliche, oft schädliche Kalorienzufuhr.
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