Erhöhung der Rundfunkgebühren : Vertrauen für 86 Cent
Die Erhöhung der Rundfunkgebühren um 86 Cent ist eine gute und preiswerte Investition in Qualitätsmedien – und in den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Foto: Thorsten Jander/NDR
E intausendmal höher. Um diese Rate stieg die Nachfrage nach den Nachrichten des Deutschlandfunks im März dieses Jahres. Die „Tagesschau“ erreicht allabendlich 10, bisweilen fast 15 Millionen Menschen. Das zeigt: Die Nachfrage nach vertrautem und vertrauensvollem Journalismus ist in Deutschland ungebrochen. Schon vor der Coronakrise war das Vertrauen in die öffentlich-rechtlichen Medien gestiegen. Drei Viertel der Deutschen halten sie für glaubwürdig, damit liegen sie deutlich vor den sozialen Medien oder der Boulevardpresse.
Nun führen Politiker von CDU und FDP eine merkwürdige Debatte um die anstehende Erhöhung der Rundfunkgebühr. Warum? Nach zwölf Jahren soll die Gebühr erstmals erhöht werden – um 86 Cent pro Monat. So hat es die zuständige unabhängige Kommission errechnet, die den Anstalten stets kritisch und akribisch auf die Finger schaut.
Fast alles, was wir Bürgerinnen und Bürger über Gesellschaft und Politik wissen, erfahren wir über die Medien. Ohne zuverlässige Informationsvermittlung können wir uns kein Bild machen, kann Demokratie nicht funktionieren. Die Medien sind der Marktplatz, auf dem öffentliche Debatten geführt werden. Klar ist auch: Die Öffentlich-Rechtlichen müssen sich der veränderten Medienwelt schneller anpassen. Denn sie sind besonders geeignet, für Zusammenhalt und Vielfalt im Land zu sorgen. Dafür müssen sie für alle Altersgruppen attraktiv sein, alle Schichten und Regionen ansprechen. Das können sie auch, weil sie nicht primär auf Quoten achten müssen. Zu ihrem Angebot gehören Informationen ebenso wie Sport, Quizsendungen oder gute Unterhaltung.
Öffentlich-Rechtliche müssen Medien für und mit allen sein, ein Hort des Pluralismus und der Demokratie. Gerade angesichts eines weltweit aufstrebenden Populismus sind sie wichtig, um für unabhängige Orientierung in unübersichtlichen Zeiten zu sorgen. Wir brauchen sie heute mehr denn je. 86 Cent mehr im Monat sind dafür gut angelegtes Geld. Und ehrlich gesagt auch ziemlich preiswert.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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