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Debatte um Spritpreise Deutschland mietet sich arm

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Bei hohen Spritpreisen wird die Politik sofort aktiv. Doch bei den hohen Mieten wäre ein entschiedenes Vorgehen viel, viel wichtiger.

D ie deutsche Politik ist in Aufruhr. Wegen der hohen Spritpreise. Ex­per­t:in­nen befürchten, dass der Preis für einen Liter Sprit auf über 3 Euro klettern könnte. Forderungen nach einem Spritpreisdeckel wurden längst laut. Am Dienstagmorgen titelte der Spiegel „Deutschland tankt sich arm“. Am Dienstagmittag stellte Bundeskanzler Friedrich Merz bereits Entlastungen in Aussicht, und sogar CSU-Chef Markus Söder ist bereit, über eine Übergewinnsteuer nachzudenken.

Über diesen eiligen Tatendrang lässt sich staunen. Oder auch den Kopf schütteln.

Denn Deutschland mietet sich wesentlich ärmer, als es sich arm tankt. Die hohen Mieten sind hierzulande der zentrale Treiber für den realen Wohlstandsverlust, der seit Jahrzehnten vonstattengeht, und für eine stetig wachsende Vermögensungleichheit.

Laut einer Berechnung des Ifo-Instituts aus dem vergangenen Jahr sind seit 2013 die Neuvertragsmieten in den Großstädten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf um 75 Prozent gestiegen – also dort, wo die Mieten schon damals hoch waren. In den untersuchten Städten müssen einkommensschwächere Haushalte oder Singles inzwischen fast die Hälfte ihres Einkommens für die Miete ausgeben.

Hohe Mieten und Immobilienpreise sind aber längst kein Problem mehr nur der Großstädte, sondern auch der ländlichen Gebiete. Eine Analyse des Bundesbauministeriums bezogen auf Niedersachsen zeigt, dass auch im ländlichen Raum die Angebotsmieten seit 2021 über 10 Prozent angezogen haben. Bezahlbare Mieten sind also bei Weitem keine Klientelpolitik für Großstädter.

taz debatte

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Deutschland hat EU-weit die höchste Mietquote

Zumal sich eine gesamtgesellschaftliche Katastrophe anbahnt. Denn Deutschland ist ein Mieterland, Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte der Deutschen muss Miete zahlen, die Wohneigentumsquote ist mit 43,5 Prozent auf einem historischen Tiefstand, wie eine am Montag veröffentlichte Studie des Pestel-Instituts zeigte. Deutschland, die größte Volkswirtschaft der EU, ist damit der Mitgliedstaat mit der höchsten Mietquote. Bei den 25- bis 45-Jährigen wohnen fast 75 Prozent zur Miete.

Eine hohe Mietquote treibt die Mietpreise zusätzlich nach oben. Gleich aus mehreren Gründen: Wer hohe Mieten zahlen muss, ist eher gewillt, zu kaufen, die Nachfrage für Kaufimmobilien steigt und damit die Preise, ergo sinkt die Möglichkeit für viele, sich etwas zu kaufen, sie bleiben also gezwungen, hohe Mieten zu zahlen. Zugleich können für Immobilien, mit denen hohe Mieten eingenommen werden können, höhere Kaufpreise verlangt werden. Und wer dann einen hohen Kaufpreis für eine Wohnung zahlt, die er vermieten will, verlangt wiederum hohe Mieten, damit es sich rentiert.

All das erhöht also die Mieten. Was Menschen wiederum erschwert oder verunmöglicht, selbst Eigenkapital für einen Immobilienkauf anzusparen oder etwas fürs Alter zurückzulegen. Nur: Das Rentenniveau hierzulande reicht nicht für hohe Mietzahlungen im Alter. Schon heute ist Altersarmut ein großes Problem, bei zukünftigen Generationen wird sie jedoch ins Unermessliche steigen, wenn die Politik das Mietenproblem nicht in den Griff bekommt.

Auch hohe Mieten sind schlecht für die Wirtschaft

Klar, hohe Benzinpreise sind schlecht für die Wirtschaft und treiben die Preise für alles nach oben. Hohe Mieten aber ebenso. Sie gehen mit hohen Gewerbemieten einher, die auf die Preise umgelegt werden. Sie machen Unternehmensgründungen risikoreicher. Der Arbeitsmarkt erlahmt, weil Menschen nicht mehr umziehen können. Und sie haben weniger Geld zur Verfügung, andere Geschäftsfelder können also weniger einnehmen. Der kürzlich veröffentlichte Report des Mieterbundes zeigte, dass viele Mie­te­r:in­nen mittlerweile sogar an Essenziellem, wie gesunde Lebensmittel oder Gesundheitskosten, sparen müssen – eine desaströse Entwicklung.

Warum dann also keinen, analog zum Tankrabatt, bundesweiten Mietpreisdeckel? Warum keine Steuererleichterungen oder Hilfszahlungen für Neupreis-Mietende? Keine Übergewinnsteuer für Vermieter:innen, die mehr kassieren, als die Mietpreisbremse hergeben würde?

Mit dem Blick auf die Debatte um die hohen Benzinpreise zeigt sich: Die Politik könnte einiges tun, wenn sie denn nur wollte.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
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30 Kommentare

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  • Morrad Mo

    Beim Sprit kann der Staat ja auch leicht was machen, weil er durch seine Steuern hauptverantwortlich für den Preis an der Zapfsäule ist.

    Welche Steuern soll der Staat den Senken, damit die Miete günstiger wird?

  • Tom Farmer

    "Eine Analyse des Bundesbauministeriums bezogen auf Niedersachsen zeigt, dass auch im ländlichen Raum die Angebotsmieten seit 2021 über 10 Prozent angezogen haben. Bezahlbare Mieten sind also bei Weitem keine Klientelpolitik für Großstädter."



    Also eine Mietsteigerung von jährlich ca. 2%, die also unter der Inflationsrate liegt , ist jetzt ein Problem!?



    Leute Leute.....

  • Leon Kaz

    Danke für den Beitrag. Als Betroffener kann ich dem nur zustimmen.

    Gewerbemieten werden nur am Rande erwähnt. Dort gelten nur wenige Einschränkungen und Gewerbemieten können scheinbar beliebig erhöht werden. Das führt in Städten regelmäßig dazu, dass kleinere Gewerbe verschwinden. Leerstand führt auch nicht zu sinkenden Gewerbemieten, was die These vom Bauen als alleiniger Lösung in Frage stellt.

  • Frauke Z

    Richtig ist: Wohnen ist wichtiger als Fahren.



    Der offensichtliche große Unterschied:



    Benzin und Diesel verkaufen letztendlich nur eine Handvoll große Konzerne, die schon allein schon aus kartellrechtlichen Gründen stark reguliert werden müssen.



    Vermieter hingegen sind sehr viele, von ein paar ganz großen Firmen über ein Heer von mittelgroßen bis hin zu privaten Einzelvermietern. Daher wiegen die Interessen der Vermieter ungleich schwerer als die der Ölkonzerne - sowohl rechtlich als auch politisch.

    • ToMuch

      @Frauke Z:

      Fahren ist wichtiger als mieten, denn: Auch unsere Lebensmittel werden gefahren.

  • Jalella

    Meine Rede seit Jahren. Der Umfang der Umverteilung von unten nach oben scheint nur immer noch nicht allen klar zu sein. Die viel zu hohen Mieten sind nicht nur schlicht ungerecht. Sie senken die Kaufkraft der BürgerInnen massiv. Kein Posten der Haushaltskosten ist auch nur ansatzweise so hoch wie die Miete, auch bei Gutverdienern. Diese Kaufkraft fehlt der Binnenwirtschaft, was in unserer Nachfragekrise die Wirtschaft empfindlich bremst.



    Selbst soziale Kosten könnten gesenkt werden mit vernünftigen Mieten, denn die Menschen, die auf Wohngeld angewiesen sind, bekommen es ja nie: es landet direkt auf den Konten der Immobilienmafia.



    Zu nicht unerheblichen Teilen mästen wir damit nicht nur die undemokratisch absurd Reichen in unserem Land, sondern auch das Ausland verdient sich dumm und dämlich - fast so dämlich wie die Menschen sind, die Parteien gewählt haben, die an der Mietengesetzgebung Schuld sind. Denn dass dieser eklatante Versstoß gegen Artikel 15 GG so besteht, ist das Verdienst von cd/cs/sPD/fDP. Die Grünen haben meines Wissen auch nie etwas dagegen zu unternehmen versucht. Sie sitzen mehrheitlich in ihren gemütlichen kleinen (mietfinanzierten?) Einfamilienhäuschen?!

  • So,so

    Haus oder Wohnung kaufen (!) können fast nur noch Erbende oder Reiche.



    Für andere sind die Löhne zu gering, da Sozialabgaben zu hoch/ Kredite & Handwerker zu teuer.



    Das liegt an der schlechten Einnahmesituation der Staatsebenen. Folge: Sozialabbau/ kollabierende Sozialsysteme.



    Lösung: Reiche und Multinationale Konzerne müssen mindestens (!) genauso viel Steuern und Abgaben zahlen wie Abhängig Beschäftigte.



    Eine Zumutung?



    Ja, es ist eine Zumutung, dass abh. Beschäftigte fast allein den Staat finanzieren (direkt UND indirekt über Mwst./Spritsteuern/ Stromsteuern!)



    Aber das heisse Eisen Steuergerechtigkeit fasst unser lieber Finanzminister nicht an und die €DU blockiert dies.



    anicht einmal die UN tax convention wird aktiv unterstützt von der merz Regierung (taxjustice.net/pre...to-gain-billions/), obwohl dies viel höhere Einnahmen generieren würde (auch für reiche Länder).



    Niemand berichtet darüber, obwohl die Verhandlungen (und Aufweichungsversuche durch die OECD!) genau jetzt laufen.



    Tagesschau anyone, Spiegel, "bild"(= "Vorkämpfer der Armen")??



    Nein, zu komplex..das versteht ja keiner.

  • hsqmyp

    "Bei hohen Spritpreisen wird die Politik sofort aktiv. "

    Ich finde diese Aussage ist nicht korrekt.



    Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hat die Koalition bisher sehr wenig getan, um die Belastung der Verbraucher durch hohe Energiepreise zu dämpfen.



    Es geht hier am Ende ja nicht nur um Benzin & Diesel, sondern demnächst auch um (Erd)Gas und Heizöl.



    Die Bundesregierung ist hier, wie in fast allen Politikfeldern, mehr oder weniger untätig.



    Man kündigt bestenfalls Initiativen auf europäischer Ebene an, weil man weiß, das dies auf dieser Ebene nicht durchsetzbar sein wird.

    Die einfachste Lösung wäre, ab einer festgelegten Preisobergrenze die Mineralöl- und Mehrwertsteuer zu kappen.

    Die hohen Energiekosten gegen die ebenfalls extrem überhöhten Mieten auszuspielen ist auch nicht sehr sinnvoll.



    Tatsächlich muß es, wie auch in den meisten anderen EU-Ländern, einen funktionierenden Mietpreisdeckel geben.



    Auch leistet sich unsere Regierung Abwarten, Nichtstun, Schönreden.



    Solange, bis dann die ersten Bundesligänder im achso demokratischen Westen an die AfD fallen.

  • aujau

    Das Auto ist nun einmal Deutschlands heilige Kuh.

  • Huber Ursula

    Ein super Artikel!



    Das grundlegende Lebensbedürfnis Nice Wohnen müsste mit aller Kraft , Ideen und Einsatz der Politikfür die Bürger ermöglicht werden! Natürlich ist es ein komplexes, langwieriges Unterfangen den desaströsen Wohnungsnot Stand zu lösen aber es gebe viele Maßnahmen, die einfach umgesetzt werden können bei einem deutlichen und energischen Willen Politik! Aber die Wohnsituation, so krass wie sie sein mag, betrifft eben doch meist den ärmeren Teil der Bevölkerung und da fehlt die Lobby.



    Beim Autos sieht es natürlich anders aus in Deutschland! Das Auto hat eine Riesenlobby in der rückwärtsgewandten Politik. Ohne Rücksicht auf Zukunft werd das Auto, dessen Hersteller und deren Aktionäre immer noch hofiert!



    Die Unterstützung der momentanen Benzinpreise ist aus meiner Sicht nicht nötig. Ich denke jeder Autofahrer kann sich auch einschränken. In meinem Umfeld werden so viele Fahrten mit dem Auto erledigt, die nicht sein müssten. Und die Unterstützung des Benzins hat ja bisher den Ölkonzernen viel Geld in die Tasche gespült!



    Das ist eine verantwortungslose kurzfristige Politik, die aber hoffentlich bei vielen in der Bevölkerung nicht mehr so ankommt.

  • Lindenberg

    Alles richtig. Hinzugefügt sei am Beispiel des rot-grün regierten Hamburg: selbst bei der städtischen Saga - mit dem größten Wohungsbestand bundesweit - sind die Mieten kaum bezahlbar, weil der Mietspiegel kontinuierlich stieg.

    Auch weil SPD-Politik keinen Schritt unternahm, den Mietspiegel gesetzlich zu fixieren oder etwas zu senken, indem z. B. Hunderte Millionen Euro Saga-Gewinn zur Senkung der Saga-Mieten genutzt worden wäre.



    SPD-Bundesbauministerin Geywitz versagte, weil sie Umgehung der Miethöhe durch möblierte Vermietung nicht stoppte, Spekulation mit ausländischen Kapital steuerlich fördert.

    Zwar werden neue Sozialwohungen gebaut, doch viel zu wenig, weil fast ebenso viele aus der Sozialbindung fliegen.



    Folge einer völlig verfehlten SPD-CDU-Wohnungspolitik, die sich mittlerweile bis ins kleinste Dorf bemerkbar macht.

    Einzig ein finanzieller Kraftakt wie bei der Bundeswehr, also eine Wohungsbauwende mit dem staatlichen bundesweiten Bau von massenhaft Sozialwohungen, bzw. bezahlbaren Wohnungen, würde Abhilfe schaffen.



    Stattdessen streicht die Bundesregierung Wohngeld, was Bürger zum Umzug in eiine kleinere zwingt. Kosten: Leicht einige Tausend Euro.

    • whereischesgmt

      @Lindenberg:

      Aber Bürger, die sich z.B. eine große Innenstadtwohnung nicht leisten können, sollten doch gezwungen werden, sich zu verkleinern - Wohngeld muss schon im Verhältnis stehen. Gibt genug Fälle, wo Wohnraum blockiert wird, weil Menschen in staatlich subventionierten und viel zu großen Wohnungen leben, wenn z.B. Kinder ausgezogen sind. Oft finden sie keine, bestimmt - aber auch oft ist das Bequemlichkeit und mangelnde Weitsicht. Das man hier bei der suche entsprechend Unterstützen müsste, ist eine andere Geschichte.



      Geförderte Genossenschaftsmodelle, wie es z.B. in Wien verbreitet sind sollten verbreiteter sein.

  • Strolch

    Das liegt auch daran, dass die Menschen nicht rechnen können, beziehungsweise man ein falsches Gefühl für die Bedeutung von Preiserhöhung hat. Bei 6l auf 100 km und eine Fahrleistung von 10.000 km. Im Jahr entspricht eine Preiserhöhung von 0,40 € 240 €. Das sind 20 €. Im Monat erhöht sich die Miete von 800 um 3 %, sind das 288 Euro. Psychologisch sieht es aber nicht so schlimm aus, wenn sich 800 auf 824 erhöht, wie wenn sich der Spritpreis von 1,90 € auf 2,30 € erhöht.

  • Perkele

    Diese Situation ist kaum überraschend. Während von niedrigen Spritpreisen auch Gutbetuchte bis Superreiche profitieren, ist das bei Mieten das genaue Gegenteil. Die wenigsten der Bessergestellten wohnen zur Miete und wenn, dann macht denen der Mietpreis nichts aus. Eher profitieren diese Leute von hohen Mieten - schließlich sind viele selbst Vermieter. Die derzeitige Regierung wird das niemals wirklich ändern wollen. Niemals.

  • Šarru-kīnu

    Ein 10% Anstieg seit 2021 irgendwo in Niedersachsen, also noch unter der Inflationsrate, ist der Beweis, dass das hier nicht nur Schaufensterpolitik für den inneren S-Bahnring ist? Selten so gelacht. Warum macht die Politik nicht einfach was gegen die hohen Nebenkosten? Darauf haben sie doch im Gegensatz zu den Kaltmieten direkten Zugriff.

  • Duplozug

    Der Befund ist schon richtig. Die Schlussfolgerungen sind allerdings hanebüchen.



    Wenn man hier politisch wollen würde, dass mehr Menschen in ihrem Eigenheim leben. Dann müsste man dafür politisch sorgen. Und eine Mietpreis Bremse, Enteignen oder mehr Wohngeld bringt nicht einen einzigen Mieter dazu in eigenes Wohneigentum zu bringen.



    Es müsste massive Bauprogramme und Kredit Erleichterungen für junge Familien ohne Erbe geben. Z.b. für die erste selbstgenutzte Immobilie zahlt die Familie keine Grundsteuer. Oder ein Kredit von Staat den die Bank als Eigenkapital werten kann. Ausweisung von mehr Bauland extra für junge Familien. Usw. Mehr Eigenheimbewohner, weniger Konkurrenz für mietende.

    Aber die Lösungen die hier im Text genannt werden, führen nur dazu, dass noch mehr zementiert wird mietende in ewiger Abhängigkeit zu subventionieren.

  • Carsten S.

    Wir erleben eine Verlagerung der Einkünfte von Arbeitseinkommen zu Kapitalerträgen - jedenfalls für die, die letztere erzielen.



    Leider ist es Deutschland so, dass Arbeitseinkommen zu hoch belastet werden und tendenziell auch zu niedrig sind.



    Indem man die Erträge einer Anlageform beschränkt, lenkt man das Kapital in andere Anlageformen - es gibt weniger Geld für den Bau.



    Kann man machen. Aber bitte nachher nicht jammern, wenn das vorhersehbare Ergebnis eintritt und der Bau vollends abgewürgt wird.

    Gesamtgesellschaftlich gibt es aus meiner Sicht folgende Ansätze:



    - mehr Leute in Lohn und Brot bringen



    - Berücksichtigung von Kapitalerträgen bei der Krankenversicherung - aber Achtung, viele betroffene liegen bereits oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze (!)



    - Entlastung der Arbeitseinkommen

  • Dr. M.

    Wie hoch ist denn die Wohneigentumsquote unter Politikern? Wie viele Politiker sind selbst Vermieter? Das wäre doch vielleicht mal eine erhellende Statistik zu dem Thema.

  • Hartmut Wolff

    Immer das selbe: natürlich sind die Mieten zu hoch.



    Das ist nicht Schuld der Mieten sondern der Vermieter!



    Mieten sind direkte Transferleistungen an die Besitzenden.



    Wer daran etwas ändern will bekommt es mit der Besitzerlobby zu tun. Die sind besser organisiert als die besitzlosen Mieter.



    Und auch durch die Politiker:innen geschützt.

  • Leo Onlin

    Linke hat richtig erkannt, dass die Wohnraum eine Frage des Eigentums ist.



    Allerdings ist eine Vergesellschaftung eben nicht die Lösung.



    Die Eigentumsquote an Wohnraum ist in Deutschland viel zu niedrig im Vergleich zu anderen Staaten, hier wäre anzusetzen. Es muss wieder die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Menschen Wohneigentum erwerben können. Dafür braucht es Förderung, wie das frühere Baukindergeld und so weiter.

    Eine Vergesellschaftung hält die Menschen trotzdem in der Miete und macht sie damit abhängig.

  • behr Behr

    In den Metropolen sind hohe Mieten ein Thema, aufgrund des gut ausgebauten öffentl. Nahverkehrs der Benzinpreis nicht. Auf dem Land und in den kleineren Städten gibt es billigen Wohnraum ausreichend, aber der Benzinpreis ist aufgrund der weiten Strecken zu Arbeitsplatz und Infrastruktur, die nur mit dem Auto zu erreichen sind. Die TAZ sieht nur das erste Problem.



    relevant.

  • Sonnenhaus

    Mietpreisrabatt statt Spritpreisrabatt ! Der Staat verdient an der Miete mit, durch die Grundsteuer und Grunderwerbssteuer.

  • MK

    Jedes Problem hat seine Lösung. Die Spritpreise resultieren aus einer temporären geopolitischen Krise - hier kann man temporäre Lösungen einsetzen wie eine vorübergehende Steuersenkung.



    Die Mieten sind ein strukturelles Problem, resultierend aus einem Mangel an Wohntaum auch weil der Neubau durch exzessive Anforderungen und Bürokratie fast komplett zum Erliegen gekommen ist. Ein Problem, dass die Bürokratie (mit-) verursacht hat, löst man nicht mit noch mehr Bürokratie wie einen Mietendeckel. Bürokratie ums wohnen ist derart komplex, dass sie nicht mehr beherrschbar ist.



    Bürokratie ist zwar das einzige, was die Politik kann, aber Bürokratie erfidnet, baut und produziert nichts.



    Das Problem wird sich nur lösen, indem die Politik ein neues arbeiten lernt: sinnvoll gestalten, und vor allem die ganze Bürokratie, die für sich vielleicht sinnvoll sein mag, aber in Summe dieses Land zerstört muss weg. Beim Thema Bauen ist der Anfang.

    • Lieblich

      @MK:

      Und bis der Neubau in Gang kommt, kann der Mietpreisdeckel wirken. Die überhohen Mieteinnahmen werden ja nur selten zum Neubau genutzt.

    • Jalella

      @MK:

      Die Spritpreise resultieren aus ausgelebter Geldgier der Erdölkonzerne, bei der alle mitmachen. Preise steigen nicht, sie werden erhöht.

    • Hannah Remark

      @MK:

      Die Mietenkrise ist kein reines Bürokratieproblem, sondern strukturell bedingt: Finanzialisierung: Wohnraum wird global als spekulatives Anlageobjekt für Fonds genutzt, um maximale Renditen statt bezahlbaren Wohnraum zu erzielen. Bodenspekulation: Explodierende Preise für Bauland und das bewusste Brachliegenlassen von Grundstücken durch Investoren treiben die Kosten massiv nach oben. Staatlicher Rückzug: Die großflächige Privatisierung öffentlicher Wohnbestände seit den 1990ern und das Wegfallen von Sozialbindungen haben den Markt dereguliert. Demografie: Der anhaltende Zuzug in urbane Zentren bei gleichzeitigem Boom von Single-Haushalten verschärft die Nachfrage physisch. Das Gegenbeispiel USA: In den USA ist der Wohnungsmarkt extrem liberalisiert und bürokratische Hürden für Vermieter sind minimal. Dennoch erleben die USA eine historische Krise des bezahlbaren Wohnraums (Affordable Housing Crisis). Wall-Street-Fonds kaufen systematisch Wohnraum auf, treiben Mieten ohne wirksamen Mieterschutz um 20–30 % jährlich nach oben und verursachen durch schwachen Kündigungsschutz massive Obdachlosigkeit – selbst unter Vollzeitbeschäftigten. Weniger Bürokratie allein senkt also keine Preise.

    • Montagsdepression

      @MK:

      An der Bürokratie zum Bau liegt es mit Sicherheit nicht, das mag ein Faktor sein, aber kein großer. Denn rein faktisch wird ja gebaut, aber eben genau die falschen Produkte: Mikroappartments, Luxuslofts oder Bürotürme. Es gibt kaum ein Investor der sozial verträgliche Mehrfamilienhäuser hinstellt, weil sie wirtschaftlich nicht attraktiv sind. Hier sind allein die landeseigenen Wohnungsunternehmen tätig und teils die Genossenschaften.

      Genau diese falschen Strukturen, die in die Städte gebaut werden, führen dann dazu, dass sich der Mietspiegel stark nach oben bewegt und damit auch die Miete für alle. Privatisierung von Wohnraum tut dann sein übriges dazu.

    • Astrid Sehnefeld

      @MK:

      Sehr schön erklärt, genau das 👍

    • Okti

      @MK:

      In der BRD waren vielerorts staatliche Wohngesellschaften für den Bau von Mietwohnungen und die Vermietung zuständig. Und gebaut, vor allem soziale Wohnungen, würde damals viel. Dann, ab ca. 1980, wurde diese Aufgabe Schritt für Schritt an den privaten Sektor weitergegeben. Nach dem Fall der Mauer baute dieser zunehmend Eigentumswohnungen oder Bürogebäude, welche jahrelang leer standen aus Steuergründen. Und jetzt klagen alle, wie Sie auch, über zu wenig Bau von Wohnungen.



      Sie haben natürlich Recht. Die Neoliberalisierung des Wohnsektors war ein Fehler. Der Staat sollte diesen wieder komplett in die Hand nehmen. Wohnen ist ein Grundbedürfnis.



      Das wollen die Lobbyaffen in der Union oder SPD aber natürlich nicht, da es arg die Gewinne der reichen Familien, welche sich eine goldene Nase mit Immobilien verdienen, beschneiden würde. 🤷

    • Carsten S.

      @MK:

      Ja, die Bürokratie ist Deutschlands Wachstumsbranche Nummer 1.



      Damit bekommt man auf Dauer keine gesunde Volkswirtschaft.