Berlinale-Leitung: Zu viel Schlagseite
Kulturstaatsminister Weimer plante, Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle zu entassen. Nicht nur in politisch heiklen Fragen ließ sie die nötige Haltung vermissen.
A nmerkung der Redaktion: Die Trägergesellschaft der Berlinale hat am Donnerstag über Konsequenzen aus israelfeindlichen Äußerungen bei der Filmpreis-Verleihung am Sonntag beraten. Zu einer Ablösung der Intendantin, über die im Vorfeld spekuliert worden war, kam es nach heftigen Protesten nicht. (afp)
Zwei Jahre. Das ist ein Rekord. Die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle wird bis auf Weiteres als die Leiterin mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte des Filmfestivals eingehen. Tuttle war 2024 als Nachfolgerin von Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, der ersten Doppelspitze der Berlinale, angetreten. Schon unter den beiden hatte es am Rande von Berlinale-Galas politische Statements zu Gaza gegeben, abgesetzt wurden sie von der damaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth aber aus internen Gründen. Dass Roths Amtsnachfolger Wolfram Weimer jetzt seinerseits Tricia Tuttle entlassen will, liegt an ihrem Agieren zum Abschluss der 76. Berlinale.
Der vom Festival für sein Spielfilmdebüt „Chronicles From the Siege“ ausgezeichnete palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hatte in seiner Dankesrede am Samstag der Regierung Deutschlands vorgeworfen, „Partner des Völkermords in Gaza“ zu sein, und angekündigt: „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.“ Auch würde man sich an jeden erinnern, „der geschwiegen hat“. Die wenig verhohlene Drohung haben einzelne Kommentatoren ohne nähere Angabe von Gründen als Übertreibung wegzuwischen versucht. In der Politik sah man das anders.
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Israel, das mit bloß einem Film vertreten war, wurde an dem Abend von Rednern zudem in rein kritischer Absicht erwähnt. Bei alledem blieb Tuttle auf der Bühne eine Reaktion schuldig. Eine Woche zuvor hatte sie zur Premiere von Alkhatibs Film für ein Foto inmitten seiner Crew mit vielen Kufiyas und neben einer palästinensischen Flagge posiert.
Dass sie bei dem Termin zugegen war, mag zu ihrem Job gehören. Dass ihrerseits ein Kommentar zu Alkhatibs Worten ausblieb, kann man jedoch kaum als ausgleichende Vermittlung bezeichnen. Eine solche politische Schlagseite, die schon während der Berlinale zu beobachten war, steht dem Festival nicht gut zu Gesicht. Weimer ist ausnahmsweise zuzustimmen.
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