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VerfassungsschutzGefährlich und überflüssig

In den letzten Jahren inszenierte sich der Verfassungsschutz angesichts der AfD als unverzichtbar. Heute hat er jegliches Vertrauen verspielt.

Protest gegen den Verfassungssschutz in Hamburg 2025 Foto: Breuel-Bild/imago

E inmal lernte ich den Verfassungsschutz persönlich kennen, und das kam so: 2022 war die taz zu einer Veranstaltung in Bremen eingeladen. Es ging um „Politische Gewalt damals und heute“. Ich sollte von unseren Recherchen erzählen, zu Rechtsextremen bei Polizei und Bundeswehr.

Auf dem Podium saß auch eine Vertreterin des Bremer Verfassungsschutzes. Von dem, was sie erzählte, ist wenig hängen geblieben. Es waren Allgemeinplätze zur Gefahr durch Extremisten, und wenn es konkret wurde, antwortete sie: dazu könne sie nichts sagen, man müsse verstehen, Geheimhaltung.

Der Auftritt war Teil einer Strategie der Behörde, die Öffnung in Richtung der Zivilgesellschaft. Und sie funktionierte, zumindest bei mir. Aus Berlin kommend, sah ich Bremen durch eine rot-rot-grüne Brille und dachte: Toll, die sind alle so nett hier, sogar der Verfassungsschutz!

Mit meiner Naivität war ich zuletzt nicht allein. Nach dem Auffliegen des NSU war es lange ein linker Allgemeinplatz, die Abschaffung des Geheimdienstes zu fordern. Doch nun hat der Verfassungsschutz es geschafft, sich als unverzichtbar zu inszenieren. Schuld ist die AfD. Selbst Menschen, die skeptisch auf Geheimdienste schauen, warteten darauf, dass der Geheimdienst die Partei als „gesichert rechtsextrem“ einstuft – als sei der Verfassungsschutz ein TÜV-Siegel für Demokratiefeindlichkeit. Dann, so die Hoffnung, würden auch SPD und CDU ein Verbotsverfahren unterstützen.

Zerstörtes Vertrauen

Der Verfassungsschutz wurde mit mehr Finanzen und Personal ausgestattet. Es schien glaubhaft, dass er sich vor allem auf die Bekämpfung von Islamismus und Rechtsextremismus konzentrierte. Und dieses Ziel teilte man doch, oder?

Nun ist es mit der Naivität vorbei. Aktuell ist der Verfassungsschutz in mehrere Skandale verwickelt. Und zeigt, dass mit ihm kein liberaler Staat zu machen ist.

Die AfD lässt den Geheimdienst unverzichtbar wirken

Am erschütterndsten ist der Skandal in Bremen, ausgerechnet. Über Jahre hat der Geheimdienst die Interventionistische Linke ausspioniert. Er bezahlte einen psychisch labilen Aktivisten, der mit anderen Mitgliedern befreundet war und sexuelle Beziehungen führte. Er zerstörte das Vertrauen von Menschen, die nichts Schlimmeres getan hatten, als sich gegen Faschismus zu engagieren.

Als die Gruppe den Spitzel enttarnte, rächte sich offenbar der Verfassungsschutz. Als hätte man noch nicht genug kaputt gemacht, diskreditierte der Geheimdienst mutmaßlich einen Richter des Bremer Verfassungsgerichts, der der Gruppe nahe gestanden haben soll. Und der Spiegel ließ sich dabei willfährig vor den Karren des Geheimdienstes spannen.

Autoritäre Versuchungen

Nicht nur die Vorgänge in Bremen, auch die Absage des Preises für linke Buchhandlungen zeigt: Je autoritärer Teile des Staates werden, je größer die Versuchung des Autoritarismus für Konservative wie Wolfram Weimer werden, desto gefährlicher wird der Geheimdienst.

Der Verfassungsschutz musste nicht einmal transparent machen, was er vorliegen hat, um die Auszeichnung der Buchläden zu verhindern. Und in Rheinland-Pfalz, wo am Sonntag gewählt wird, nennt der Verfassungsschutzbericht einige „offene antifaschistische Treffen“. Die kurze Erwähnung reichte aus, dass lokale Antifas ihren Treffpunkt im Jugendzentrum verloren – zu groß die Angst der Betreiber, sonst Fördergelder zu verlieren.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

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So skandalös diese Skandale für die demokratische Kultur sind, ist eines zumindest wieder klargestellt: Der Verfassungsschutz ist gefährlich und überflüssig. Für Bekämpfung von Terrorismus gibt es die Polizei, die reformbedürftig ist, aber zumindest nicht im Dunkeln arbeitet. Und für Aufklärung über extreme Rechte braucht man keinen Geheimdienst – da reicht ein taz-Abo.

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Kersten Augustin
Ressortleiter Inland
Kersten Augustin leitet das innenpolitische Ressort der taz. Geboren 1988 in Hamburg. Er studierte in Berlin, Jerusalem und Ramallah und wurde an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ausgebildet. 2015 wurde er Redakteur der taz.am wochenende. 2022 wurde er stellvertretender Ressortleiter der neu gegründeten wochentaz und leitete das Politikteam der Wochenzeitung. In der wochentaz schreibt er die Kolumne „Materie“. Seine Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.
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45 Kommentare

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  • Steinke, Ronen, 2024, Wehrhafte Demokratie? Wie der deutsche Verfassungsschutz definiert, welche politischen Meinungen er ausgrenzt und bekämpft. S. 43-52



    In: Zadoff, Mirjam; Paul-Moritz Rabe, Denis Heuring Hg., Fragile Demokratien: Was freie Gesellschaften bedroht – und was sie zusammenhält. Göttingen, Wallstein Verlag

  • Tja. Nun ist es eben auch die Aufgabe des Verfassungsschutzes sich mit Linksextremismus auseinanderzusetzen. Dass sich Extremisten aller couleur garnicht selbst als solche wahrnehmen ist Teil der Krankheit. Die höchste Form des Wahnsinns ist es allerdings, im Irrenhaus zu glauben, man wäre der Arzt. Gratulation

    • @Samvim:

      Wie nennt, dass Sie andere Menschen als krank bezeichnen, ohne sie zu kennen. Es gibt politische Ideen.

  • Welche Garantie geben Sie mir jetzt, dass der Geh-heim!dienst nicht die Afd mehr stützt und mit Informationen und Ressourcen versorgt, für die Putschvorbereitung, als dass er umgekehrt den Rechtsstaat informiert über die neonazistischen Umtriebe in der Afd?



    "Verfassungsschutz" war bisher mediale Rhetorik, oder Illusion?

  • Bitte noch mal genau durchdenken:



    der Geh-heim!dienst wirbt Nazis / Faschisten an, damit diese gegen ihre eigenen Kameraden Informationen geben, damit die Behörde informiert bleibt, was die so treiben. Kann das zuverlässig sein?



    Die Medien sind jahrelang voller "Hochstufung"sberichte zur Afd, weil es trendet, nicht weil Linke das wollen. Grüne stützen das. Das gehört zum Governance-Denken mit Häkchen machen an Kennzahlen.



    Wie kann Terrorismus verhindert werden? Nehmen wir dazu das Beispiel der Anschläge auf die Stromversorgung in Berlin 2025 und Januar 2026 von antimodernen Insurrektionalisten.



    Wie geht der Staatsschutz vor? Was unterscheidet ihn vom Geheimdienst? Ursprünglich sollte aufgrund des Trennungsgebots der VS bei drohenden Gefahren dann die Polizei informieren. Der Staatsschutz kann aber auch ausgebildete Polizistinnen einschleusen, die so tun als wären sie Genossinnen.



    Beide Firmen arbeiten mit psychischem Druck und Drohungen. Nach 35 Jahren Enttarnungen von VS-Angeworbenen und StSch-Eingeschleusten wird klar: nur wenn diese Personen auch intime Beziehungen eingehen, gelten sie als glatt eingebettet. Was juristisch als rechtswidrig gilt, ist praktisches Arbeitsprinzip.

  • – da reicht ein taz-Abo ... geniale Werbung. Chapeau.

  • Wie kommt es eigentlich, dass Begriffe, die eigentlich rundum positiv belegt sein müssten, regelmäßig so stark ins Negative rutschen.



    Das betrifft hier sowohl das Wort Verfassungsschutz als auch Antifaschismus.



    Leute, es ist unsere Verfassung, und die muss geschützt werden und zwar in erster Linie gegen den Faschismus.



    Die beiden sollten auf der selben Seite stehen. Jeder Antifaschist, der gegen einen Verfassungsschutz ist und jeder Verfassungsschützer, der gegen einen Antifaschismus ist, zeigt damit deutlich, dass auf mindestens einer Seite, vermutlich sogar auf beiden etwas gründlich schief läuft.

    • @Herma Huhn:

      Wie man sieht, ist der Vorwurf nie weit, der jeweils Andere sei eben doch eher Teil des Problems als der Lösung - wobei: (a) der Verfassungsschutz natürlich nicht exklusiv gegen speziell faschistische Verfassungsfeinde ermittelt (und nunmal nicht alle selbsterklärten Antifaschisten auch eine mit der Verfassung vereinbare Zielvorstellung von einer Gesellschaft haben, die vor dem Faschismus sicher wäre) und (b) aktive Antifaschisten besonders vor einer Unterwanderung des Verfassungsschutzes durch rechte Verfassungsfeinde warnen - und das nicht zu Unrecht: Zumindest ein paar von den hiesigen Rechten bekommen augenscheinlich viel Geld und hilfreiche Tipps aus Moskau, und "Infilitriere immer zuerst den Inlandsgeheimdienst!" ist eine der ältesten und weisesten Weisheit aus dem Handbuch des dortigen Geheimdienste. Die Kunst wäre zu differenzieren und auf diese Weise Maß zu halten. Nur fällt das halt schwer, wenn man selbst betroffen ist (die Antifa vom vermeintlich ÜBERwachen Blick des Verfassungsschutzes und der umgekehrt vom vermeintlich selbstgerechten Misstrauen der Antifa).

    • @Herma Huhn:

      Es geht nicht um den Begriff Verfassungsschutz, sondern um die Institution, die sich so nennt.

      • @Francesco:

        Richtig - und Gleiches gilt umgekehrt für die Aktivistengruppen, die den Antifaschismus als ihre Domäne reklamieren.

  • Es stimmt schon, die AfD lässt sich auch ohne die Expertise eines Geheimdienstes verbieten. In Bayern haben die Grünen mal zusammen getragen, was Rechtsextremistem im Landtag so machen. Ich muss sagen, dass ich einen Inlandsgeheimdienst eigentlich für sinnvoll halte, aber wenn ich mir dann ansehe, was der Verfassungsschutz alles so macht und eben nicht macht, wäre mir ein Staatsschutz über BKA und LKA lieber. Dazu bitte dann aber eine Bildungsstruktur, wo jedes Kind echten Geschichtsunterricht und wenigstens in der 9. und 10. Klasse auch Politikunterricht hat.



    Ohne politische Bildung geht es nicht!



    In allen Berufsschulen sollte Politikunterricht stattfinden. Ja, das kostet Zeit und es ist nicht leicht, aber darum kann es doch nicht gehen.



    Wir können uns nicht auf Geheimdienste verlassen. Die arbeiten im Dunkeln, sind intransparent und schnell außer Rand und Band.



    Aktion Rennsteig, bevor einer sich das genauer anschaut, hat man den Schredder angeworfen, inzwischen haben Journalisten das nachgewiesen, die NSU war umringt von Spitzeln, dennoch kam es zum Terror und zu Banküberfällen durch Neonazis.

  • Gerade der Komplex AfD zeigt doch, wie überflüssig der Verfassungsschutz ist. Die AfD ist kein klandestiner Club, den es mit Schlapphutmethoden auszuspionieren gilt, die Blauen röhren ihren wahlweise rechtsextremen, faschistischen oder „nur“ rechtspopulistisch-widerlichen Müll durch alle Kanäle, es liegt alles auf dem Tisch für ein Verbotsverfahren. Das einzige was fehlt, ist der politische Wille der Union, dann würde Karlsruhe prüfen und (hoffentlich) verbieten. Und das ginge, ohne dass auch nur ein Bericht des Verfassungsschutz vorzulegen wäre.



    Ansonsten ist das Problem der Geheimdienste, dass sie grundsätzlich nicht mit einem modernen Rechtsstaat kompatibel sind. Transparenz, Kontrolle, Rechtmäßigkeit, all das wird bei Geheimdiensten nicht oder nur sehr eingeschränkt geprüft und ggf. auch angeordnet.



    Die Frage ist schon, wozu das Ganze? Eine überzeugende Antwort steht aus.

    • @FtznFrtz:

      Hat ihnen noch niemand erklärt das das Quatsch ist und alles darauf hindeutet, dass Zitate eben nicht reichen und dass das in der Konsequenz heißen würde, dass auch linke staatsablehnende oder Parteien infrage stellende Akteure trifft?

  • Eine Institution, deren Aufgabe es ist der politischen Gesinnung der Bürger hinterherzuschnüffeln und dazu noch (in erheblichem Maße) von den aktuellen Bundes- und LandesRegierungen gesteuert wird, hat ganz grundsätzlich das Mißtrauen der Bürger verdient. Man muss ja nur mal sehen, wozu die Erkenntnisse verwendet werden - zB um einen Preis an einen kleinen Buchladen zu verhindern. Wollen wir das?

  • Wie absurd das ganze System Verfassungsschutz ist, sieht man ja daran, daß es neben dem Bundesamt noch 16 Landesämter gibt.



    17 Inlandsgeheimdienste, so etwas ist fast einmalig auf der Welt und gibt es sonst nur in Diktaturen, in denen die Dienste sich gegenseitig bespitzeln.



    Wobei das bei uns ja ähnlich läuft. In der NPD gab es ja deshalb so viele Verfassungsschutzspitzel, die das Verbotsverfahren gekippt haben, weil jeder der 17 Geheimdienste seine eigenen Leute in der Spitze lanzierte.

    Und könnte sich irgendjemand vorstellen, daß die Oberbürgermeister von München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart, Leipzig, Dortmund eigenen Geheimdienste haben ?



    All diese Städte sind größer als Bremen, dessen Geheimdienst immer wieder verhaltensauffällig wird.

    Herr Augustin hat recht, das kann weg.

    • @Don Geraldo:

      Weil diese Behörden Ländersache sind. Aufteilung nach 1945. Bremen ist ein Stadtstaat. Freie Hansestadt schon lange vor 1945.

  • Was ich bei der Aufregung um den Preis für die Buchhandlungen nicht ganz verstehe: keiner hat diesen Buchhandlungen etwas getan. Die Frage ist aber, ob Staatsgelder an Einrichtungen fließen müssen, die diesen Staat ablehnen. Das müsste doch eigentlich dem Selbstverständnis dieser Buchhandlungen widersprechen, oder? - Zum Verfassungsschutz selber: man kann durchaus feststellen, dass so eine Behörde in demokratischen Ländern der absolute Ausnahmefall ist und über seine Abschaffung diskutieren. Man sollte das dann aber grundsätzlich tun und nicht nur, wenn die eigene politische Richtung betroffen ist.

    • @Tazilo:

      Danke.

    • @Tazilo:

      Sehr guter Kommentar.

    • @Tazilo:

      Was soll "den Staat ablehnen" bedeuten? Verbreiten diese Buchhandlungen radikallibertäre Thesen?

      • @nihilist:

        Es geht um Parolen wie "Deutschland verrecke" etc.. Und jeder der behauptet, in der Linken gäbe es keine erhebliche Anzahl an Menschen, die die Revolution regelmäßig als letztlich einzige Lösung ins Spiel bringen, weiß, dass er lügt. Also verstehe ich die Aufregung, aber das Kasperletheater finde ich anstrengend... Rechtsstaat = gleiches Recht für alle.

  • Die Misere war auch länger schon bestens bekannt in NRW



    "Reform des Verfassungsschutzgesetzes: Neues Fundament für heutige Sicherheitslage



    Minister Herbert Reul: Mit diesem Gesetz stellen wir den Verfassungsschutz auf ein neues Fundament"



    2025 bei land.nrw



    "Mit dieser können Netzwerke von Extremisten und Terroristen besser aufgedeckt werden. Mit der neuen Möglichkeit zur Kontostammdatenanfrage werden Finanzermittlungen erleichtert und mit der Befugnis zur Anfrage bei Verkehrsunternehmen wird ermöglicht, Reisewege von Extremisten, Terroristen und Agenten fremder Mächte besser nachzuverfolgen.



    Die präventive Spionageabwehr wird gestärkt, indem die wichtige Aufgabe des Wirtschafts- und Wissenschaftsschutzes eindeutig im Gesetz benannt wird. Ebenso wie Zuverlässigkeitsüberprüfungen von Personen, denen Zugang zu nicht allgemein zugänglichen Bereichen gewährt wird, etwa bei Großveranstaltungen, die nun auf einer bestimmteren rechtlichen Grundlage erfolgen."



    Wenn wir uns fragen, wie Terror nach wie vor aus Deutschland finanziert werden kann, dann liegt es auch an einem Gesetz aus den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts.



    Hier liegt offensichtlich nun d. Fokus, aber: Fachkräftemangel

  • Na klar, eine der größten Quellen für verfassungswidriges Handeln und Denken ist der Verfassungsschutz. Und wenn man sowieso schon von ihm beobachtet wird, kann man das auch schreiben. Werden wir aber vermutlich alle. Wissen wir ja nicht. Demokratie ist transparent, d.h. man sieht sie bei uns nicht.



    So, wie die momentane politische Stimmung in Deutschland ist, wird das Grundgesetz wie ein linksradikales Manifest betrachtet. Und in diesem Sinne bin ich als Verfassungspatriot linksradikal.



    Das hat der Test schön rausgearbeitet.



    Mein Ergebnis? Na ja, können wir morgen drüber reden, wenn ihr vorbeikommt.

  • Sehr cooler Bericht!



    Hat mich krass zum Nachdenken gebracht!



    Mit der Keule " ist vom Verfassungsschutz beobachtet" konnte man alles willkürlich diskreditieren.

    Ab jetzt wird mir bewusst, dass ich in Zukunft darauf antworte:



    "Und jetzt?"

    Danke.

  • Wenn man (ganz) Rechts und (ganz) Links Angst vor dem VS hat und dessen Auflösung fordert, macht er doch einiges richtig ...

    • @Günter Witte:

      Es soll auch Menschen geben, die Angst vor dem Teufel haben. Was macht der richtig?

      • @Mondschaf26:

        "Was macht der richtig?"



        - er treibt sich mit dem Belzebub aus -

    • @Günter Witte:

      Guten Tag Günter Witte.



      Wer Angst vor einer Institution hat, die im Geheimen, oft ohne Rechtsgrundlage und manchmal durch gezielte Rechtbrechung agiert, der muss nicht ganz rechts oder links sein sondern wird wohl einen klaren Blick für die Gefährdung der Demokratie haben.



      Darüberhinaus: Leute ganz rechts haben gar keine Angst vor dem Verfassungsschutz. Da gibt es personelle Überschneidungen jenseits von V-Personen.



      Angst ist letztlich aber kein guter Ratgeber in allen Lebenslagen.



      Sie kann kurzfristig vor Schäden bewahren. Langfristig lähmt sie.



      Also gilt es jetzt die Angst vor dem Verlust der Demokratie zu überwinden und sich mutig für sie einzusetzen. Der beste Verfassungsschutz sind wir Bürger, denen die freiheitliche Gesellschaft am Herzen liegt.

      • @Christian Götz:

        Danke für die gute, ausführliche Antwort auf meinen Beitrag, aber ihnen ist schon klar das die AfD die selben Argumente benutzt um den VS die Rechtfertigung abzusprechen ??

    • @Günter Witte:

      Tja, diese Angst haben aber nicht nur die "Ganz" extremen, die haben inzwischen alle, die irgendwelche Jobs haben wollen oder an irgendwelchen Demos teillgenommen haben.... Ist das richtig????

      • @Perkele:

        & Jalella, im besten Fall ist der VS (bildlich) so blind wie Justitia, also nimmt er Strömungen gegen unsere Demokratie aus jeder Richtung war. Von daher kann man nicht den VS nicht wie eine Monstranz vor sich hertragen wenn es um das AfD Verbot geht, gleichzeitig aber ihn schwächen weil er auch auf die Linke Seite schaut !!

    • @Günter Witte:

      Ganz rechts muss bei uns niemand Angst vor dem Verfassungsschutz haben. Gibt es eine Berufsverbot für den Faschisten Höcke? Oder entzieht man ihm wenigstens seine Beamtenprivilegien? Sind die menschenverachtenden PolizistInnen des NSU2.0 Komplexes auch nur angeklagt, oder hat man ihnen ihren Beamtenstatus entzogen? Nein.



      Angst vor dem Verfassungsschutz muss hier nur haben, wer das Grundgesetz achtet. Denn der ist auffällig. Und Berufsverbote drohen ihm in genau dieser Ecke. Siehe den Fall der Polizistin, die angekackt wurde wegen eines Posts.



      Na ja , ich möchte ihre Illusion nicht zerstören. So lebt's sich schon leichter. Verstehe ich ehrlich.

      • @Jalella:

        Irgendwie scheint es da eine Verwechslung zwischen Verfassungsschutz und Stasi zu geben: Der Verfassungsschutz hat weder die Aufgabe noch die Mittel, (z. B. beamtenrechtliche) Sanktionen gegen Einzelpersonen zu verhängen. Er kann und soll nur ermitteln und berichten. Verdikte wie "extremistischer Verdachtsfall" oder "gesichert rechtsextrem" dienen nur der Frage, wie tiefgehend weitere Ermittlungen erfolgen dürfen.

        Was die zuständigen Behörden dann aus den Ermittlungsergebnissen machen, ist ihnen überlassen und natürlich gerichtlich überprüfbar. Um festzustellen, dass da ein (beurlaubter) Geschichtslehrer sein Unwesen treibt, der wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen vorbestraft ist und rechtmäßig als "Faschist" tituliert werden darf, braucht man auch keinen Geheimdienst. Freilich sind diese Verurteilungen und andere Erkenntnisse erst disziplinarrechtlich verwertbar, wenn er seine politischen Ämter los ist und wieder in den aktiven Dienst zurückkehren möchte. Einstweilen ist er Landtagsabgeordneter vor disziplinarrechtlichen Sanktionen geschützt.

  • Sind wir jetzt endlich wieder in der Realität angekommen, ja? Ich erzähl das hier seit dem ersten mal wo Grüne angefangen haben, den Verfassungsschutz gegen die AfD in Stellung zu bringen. Und das BfV hat dahingehend sogar noch underperformed. Und alle hanen auf einmal so getan als wäre jede verfassungsfeindlich interpretierbare Aussage Beweis für Willen zum Systemumsturz. Ja dann gilt das auch für "Deutschland verrecke", genau.

    Was können wir Weimer dankbar sein, dass er das so schonungslos offengelegt hat, das wird viel zu wenig gewürdigt. Strategisch war das ein Volltreffer. Aber sorry, ich bin vermutlich im falschen Forum.

  • Hmm, eigentlich bin ich doch eher froh, den Verfassungsschutz zu haben. Die Alternative wäre keinerlei echter Einblick in links- und rechtsradikale Strukturen. Das Beide den Verfassungsschutz nicht mögen, ist aus deren Sicht verständlich.

  • Laut Umfragen sieht die Mehrheit der Deutschen das Geschehen rund um diese Buchläden allerdings nicht als Skandal und wer deshalb das Vertrauen in den VS verloren hat, sagt damit mehr über sich als über den VS. Anhänger der AfD zählen sicher auch nicht zu den größten Fans des VS und das aus Gründen...

  • Ja logisch, offene Antifaschisten sind nun einmal eine Gefahr für einen aufkeimenden Mainstreamfaschismus. Was mal "das wird man ja wohl noch sagen dürfen" war, ist jetzt Grenzkontrollen und Abschiebung nach Afghanistan. Die Verfassung dient nun mal in erster Linie den Herrschenden, wenn sie allzu lang verstaubt und jedes Wort verdreht wird. Da hilft nur weiter antifaschistische Arbeit zu machen - zur Not im Untergrund.

  • Für mich hat die Linke (nicht die Partei, das Spektrum) viel an Legitimierung verspielt.

    Was Sie nicht alles bei Rechten fordert: Debanking, Parteienverbote, Deplatforming etc.

    Aber kaum trifft es die Eigenen, dann sind diese Instrumente auf einmal illegitim.

    • @Tim Hartmann:

      Nach meinem Einsruck kommen diese Forderungen eher aus der Mitte.

  • Wegen ein paar linker Buchläden, die zur politischen Folklore Deutschlands gehören, von zerstörtem Vertrauen durch die Bank zu reden, klingt mir dann dach arg nach Schnappatmung und Erregungsdemokratie.

    Dass die linken Buchläden durchleuchtet werden, ist jedem ihrer Kunden in traditionell linken Uni-Städten wie Tübingen, Freiburg, Münster und Göttingen klar. Das gehört auch zur Foklore. Darum geht es aber nicht.

    Man sollte so klar sein und die Täter-Frage wieder auf die Füße stellen und kein alternatives Agenda-Framing aufmachen, und das ist die Instrumentalisierung der Erkenntnisse der Geheimen durch den Kulturstaatsminister.

    Es ist richtig den Verfassungsschutz kritisch zu begleiten, um ihm auch klar zu machen, dass er der demokratischen Kontrolle der vierten Gewalt unterliegt. Aber bitte nicht überziehen. Für ein AfD-Verbotsverfahren bleibt er vorerst einfach wichtig und fast alternativlos.

    Das mag sich vielleicht irgendwann mit einer Geheimdienstreform mal ändern. Aber das ist Zukunftsmusik und in keiner Weise spruchreif.

    • @rakader:

      Erinnern Sie sich: Das NPD-Verbotsverfahren ist genau daran gescheitert, dass def Verfassungsschutz zu sehr involviert war.

    • @rakader:

      "Es ist richtig den Verfassungsschutz kritisch zu begleiten, um ihm auch klar zu machen, dass er der demokratischen Kontrolle der vierten Gewalt unterliegt."



      Wie denn, wenn er im Geheimen agiert?

  • Wirkt arg konstruiert die These des Autors, zumal ihm anscheinend nicht einmal der Unterschied zwischen einem Nachrichtendienst und einem Geheimdienst geläufig zu sein scheint.

    Auch sonst hapert es anscheinend an fachbezogenen Kenntnissen. Die Terrorismusabwehr ist bereits beim BKA angesiedelt, dafür wurde extra das BKA Gesetz geändert, auch wenn das BVerfG im Jahr 2024 das Gesetz in Teilen als nicht verfassungskonform beanstandete und Nachbesserungen verlangte, ändert sich an den Zuständigkeiten vorerst nichts.

    Zudem ist der Verfassungsschutz als Dienst auch lediglich Zuträger von Informationen, die von den Innenbehörden ausgewertet werden. Die Entscheidungen, welche aufgrund der Verfassungsschutzberichte getroffen werden, obliegen nicht dem Verfassungsschutz zumal er nicht über die exekutive Gewalt verfügt, Massnahmen durchzusetzen.

    Die nachrichtendienstlichen Mittel sind zudem im BVerfSchG sowie in den LVSG klar definiert, darunter fällt auch der Einsatz von Vertrauens- und Gewährspersonen.

    At last: der Verfassungsschutz darf seine Informationen gegenüber staatlichen Stellen nicht transparent machen. Rechenschaftspflichtig ist er nur den Innenbehörden von Bund und Ländern

    • @Sam Spade:

      Sie haben quasi gerade erklärt, dass der BfV ein politisches Instrumemt ist. Ich wüsste nicht inwiefern das im Widerpruch zu den Thesen des Verfassers steht.

  • Der Verfassungsschutz ist eine bedenkliche Einrichtung ganz unabhängig davon, dass er für die eine Seite Mal gefährlich und dann wieder nützlich ist. Die Demokratievereinbarkeit einer Behörde/eines Geheimdienstes daran zu messen, ob sie meinen politischen Überzeugungen entspricht oder nicht, zeigt, dass es weniger um Strukturen als um taktische Vorteile geht. Das ist an sich noch nicht gefährlich, aber doch etwas kurzsichtig.