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Neue Studie zur GrundsicherungDie Fehler aus der Bürgergeld-Debatte

Arbeiten lohnt sich. Das galt für das Bürgergeld genauso wie für die neue Grundsicherung. Das zeigt eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung.

Wenn der Staat Langzeitarbeitslosen zu viel Geld gebe, verhindere er, dass sie sich eine neue Arbeit suchen. Unter anderem mit diesem Argument begründete die Union 2025 die damals emotional diskutierte Einschränkung des Bürgergelds. Daraufhin führte die Bundesregierung die neue, knappere Grundsicherung ein. Doch nun zeigt eine Studie, dass die materielle Motivation für eigene Arbeit durchaus gegeben ist – und zwar überall in Deutschland.

Wer zum Mindestlohn arbeitet, hat deutlich mehr Geld zur Verfügung als Leute, die nur Grundsicherung beziehen. Das ist das Ergebnis der neuen Untersuchung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung unter dem Titel „Lohnt sich Arbeit in Deutschland auch 2026 noch?“. Im deutschen Durchschnitt „liegt der Einkommensvorteil bei rund 623 Euro monatlich im Falle einer alleinstehenden Person, die Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet“, schreiben die Fachleute der Stiftung. An diesem Vergleich habe sich durch den Wechsel von Bürgergeld zu Grundsicherung grundsätzlich nichts geändert.

Mehr Geld haben dabei auch Alleinerziehende zur Verfügung: So hat eine alleinerziehende Person „mit einem Kind von fünf Jahren bei Vollzeitbeschäftigung zum Mindestlohn im Bundesdurchschnitt rund 757 Euro mehr zur Verfügung als bei Grundsicherungsbezug.“ Ein ähnlicher Vorteil ergebe sich für ein Paar mit zwei minderjährigen Kindern, heißt es in der Untersuchung. Außerdem wächst der finanzielle Vorteil eigener Arbeit mit der Zahl der Kinder. Eine Erklärung hierfür: Die Kinderfreibeträge reduzieren die Steuer. Die Ergebnisse hat die Stiftung für alle deutschen Stadt- und Landkreise aufgearbeitet.

Die Daten zeigen den Lohnabstand zwischen der niedrigen, staatlichen Sozialleistung, die das Existenzminimum sichern soll, und der Untergrenze der Löhne, die Ar­beit­neh­me­r:in­nen selbst erwirtschaften können. Ist dieser Lohnabstand zu klein, sei die Grundsicherung zu großzügig, lautet oft das Argument von konservativer und rechter Seite. Die Mitte-links-orientierte Gewerkschaftsstiftung betont dagegen: Wer arbeitet, erwirtschaftet erheblich mehr. In dieser Logik gibt es keinen Grund, die Sozialleistung zu drücken.

Hohe Mieten beeinflussen die Grundsicherung

„Der Streit um das Bürgergeld im vergangenen Jahr war ein eindrückliches Beispiel dafür, wie Sozialdebatten nicht geführt werden sollten“, sagt Bettina Kohlrausch, die wissenschaftliche Direktorin des Böckler-Instituts WSI. „Vielfach wogen Vorurteile schwerer als Fakten.“

Wobei der Lohnabstand regional schwankt. Eher niedrig liegt er zum Beispiel in Großstädten wie Frankfurt am Main und München. Das hat etwas mit den dort sehr hohen Mieten zu tun. Die Kosten der Unterkunft übernimmt die jeweilige Stadt in gewissem Rahmen für diejenigen, die Grundsicherung beziehen – was das Niveau der Sozialleistung anhebt.

Mit Mindestlohn bekommt man auch deshalb mehr als mit der Grundsicherung, weil die Beschäftigten zusätzliche Sozialleistungen beantragen können, etwa das staatliche Wohngeld, das die hohen Wohnungskosten bezuschusst. Hinzu kommen Kindergeld, Kinderzuschlag und der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende. Das alles sind Leistungen, die verhindern sollen, dass Beschäftigte mit niedrigen Einkommen auf die Grundsicherung angewiesen sind. Eine Rolle spielen zusätzlich die Regelungen für sogenannte Aufstocker: Wer noch Grundsicherung erhält, parallel aber schon arbeitet, kann einen Teil des selbst verdienten Lohns behalten. Auch das soll dazu motivieren, sich aus der Sozialleistung herauszuarbeiten.

Negativ könnte sich es auswirken, warnt Kohlrausch, wenn die Union-SPD-Regierung wie geplant aus Spargründen das Wohngeld kürze: „Das würde den Lohnabstand insbesondere bei Familien tendenziell reduzieren.“

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60 Kommentare

  • Gideon ,

    Vielen Dank für eure Beiträge, wir haben die Kommentarfunktion geschlossen. Die Moderation

  • Duplozug

    Äh, ich glaube so gut wie niemand (vllt Merz) hat behauptet, dass man mit Arbeit weniger hat. Was viele monieren, ist durch die Transferentzugsrate, dass sich MEHRArbeit gerade mit Kindern kaum lohnt weil dadurch bestimmte Transferleistungen wegfallen.



    Bestes Beispiel, Wohngeld und Kinderzuschlag. Einerseits fällt die Förderung weg, andererseits die Vergünstigungen.



    Wenn auf der einen Seite bei 2 kleinen Kindern 200€ Wohngeld wegfällt, 300€ Kinderzuschlag und zusätzlich man auf einmal die Kita Kosten von 300€ bezahlen muss. Ja, da müsste die Familie gut 800€ Netto mehr verdienen, was wahrscheinlich um die 1400€ Brutto sind um auf +- 0 zu kommen.



    Unwahrscheinlich, da können die Eltern lieber Teilzeit arbeiten und sind auf dem gleichen Niveau. Und ja, genau das sind die Fehlanreize.

  • Gerhard Krause

    Ist mir völlig wurscht, ob jemand Sozialhilfe bezieht, selbst wenn er nicht arbeiten, sondern täglich faulenzen möchte. Was machen die Nieten in Nadelstreifen, sind die besser, weil sie selbst jeden Tag Büro und Arbeit schauspielern?! Ich find's schon noch gut, wenn dieser 🤡faule Typus noch zwei oder drei Assistenten benötigt; dann haben andere Leute wenigstens noch etwas von dieser Faulheit. Vor Menschen, die mit dem Bezug von Sozialleistungen ein politisches Statement gegen das "althergebrachte" Leben abgeben und aussteigen, habe ich sogar Achtung.

    • Dr. McSchreck

      @Gerhard Krause:

      Ich habe dagegen Null Achtung für Leute, die sich für ihre "Statement" von ihren Mitbürgern das Leben finanzieren lassen. Diese sinkt dann unter Null, wenn man auch noch alle Tricks nutzt, die Leistungen zu maximieren, im Schlimmsten Fall durch Schwarzarbeit.

  • Comerade Aardvark

    "eine alleinerziehende Person mit einem Kind von fünf Jahren bei Vollzeitbeschäftigung..."

    Mhmh... und wo ist der Kindergarten und im Jahr darauf die Grundschule zuverlässig weit über 40h/Woche (Wegzeiten!) verfügbar? Einer weitere optimistische Annahme unter vielen.

  • Alex_der_Wunderer

    Wenn ich als Mitarbeiter in Wissenschaft & Forschung, Fachbereich Immunologie, tätig bin und künstlerisch als Bildhauer tätig bin, lohnt sich für mich schon meine Arbeit für mich persönlich bezüglich meiner fortlaufenden Ergebnisse und meinem Weiterkommen, in meinen für mich essentiell überlebenswichtigen geistigen und künstlerischen Entwicklungen.



    Wenn ich dabei noch zur Sicherung meiner Familie und mich, auch noch verwalterische, administritative Aufgaben in unserem Familienunternehmen, im Immobilienbereich nachgehen muss, kann ich ehrlich gesagt, die ganze Basis diese ewig schon leidlich geführten Debatten



    " unserer " Parlamentarier in " unserem " Bundestag in keinster Weise, auch nur im geringsten nachvollziehen.



    Tut mir leid, da bin ich echt raus aus der Diskussion.

  • *Sabine*

    "Arbeiten lohnt sich."

    Es geht hier jetzt erst einmal nur um die monetäre Betrachtung. Ob sich sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit lohnt, kann "man" insofern leicht ausrechnen, indem Miete, Heizkosten, Differenz zu reduzierten Eintrittspreisen, Fahrkosten, Gebührenfreistellung Rundfunkbeitrag, Zuzahlungsbefreiung im Gesundheitswesen usw. vom Gehalt abgezogen werden. Dann durch ca. 160 teilen (bei 40h Wochenarbeitszeit), vielleicht auch einen Teil der berufsbedingten Fahrzeit berücksichtigen. So wird ersichtlich, für welchen Stundenlohn jemand m/w/d arbeitet und ob es sich finanziell lohnt.

    • nihilist

      @*Sabine*:

      Diese ganze hässliche Kopfrechnerei ist für Arme. Die Leistungsträger wissen auch so ganz genau, wer faul ist.

  • Andreas_2020

    Eigentlich soll das SGB 2 Menschen unterstützen, eine Arbeit aufzunehmen oder beizubehalten / Defizite aus familiären oder sozialen Gründen sollen dabei bearbeitet werden können.



    In der Praxis rankt sich eine sehr merkwürdige Debatte um die SGB-2-Leistungen: Viele rufen sehr laut, es sei zu viel, zu wenig Anreiz bestehe, tatsächlich zu arbeiten.



    Das ist alles eine Lüge.



    Aber es gibt Städte mit hohen Mieten, wo die Grundsicherung im Grunde genommen den Arbeitsmarkt bezuschusst, weil das SGB 2 die Möglichkeit zum Aufstocken bringt.



    Es lohnt sich sehr, arbeiten zu gehen.



    Warum das medienwirksam ständig hinterfragt wird, wurde hier in der Studie anscheinend nicht ausführlich bearbeitet, das wäre wahrscheinlich eher etwas für die Medienwissenschaft.



    Am Ende geht es darum, was eine Gesellschaft mit armen Menschen macht, was die bekommen, was sie haben dürfen und sollen.



    Früher gab es so eine Armut nicht, deswegen hat das heute einen anderen Stellenwert.



    Die jetzige Regierung feiert sich fürs Sparen bei diesen armen Leuten. Das halte ich für einen Fehler.



    Und die Vorurteile und Diskussionen werden auch weiter gehen. Egal, wie die Memschen mit SGB 2 leben.

    • Wirrwicht

      @Andreas_2020:

      "Früher gab es so eine Armut nicht,..."

      Als jemand der aus dieser "nicht existenten" Armut kommt und dann nochmal weit unter der Grundsicherung, ohne Krankenversicherung, für ein staatliches Institut gearbeitet hat... könnte ich Sie dahingehend vielleicht fortbilden...

      • Andreas_2020

        @Wirrwicht:

        Die Arbeit unter SGB-2, Sozialamt, Asylbewerberleistung meine ich, die konnte es ja gar nicht geben. Vor 2003 gab es auch Armut, die war m.M. anders.

  • e2h

    Die einfachste Methode, den Abstand zu erhöhen ist die Erhöhung des Mindestlohns. Der sollte so hoch sein, dass man mit Vollzeitarbeit auch als Rentner über dem Niveau der Grundsicherung liegt.



    Und dann gibt es noch die "Flucht" aus Tarifverträgen:



    Bei uns vor Ort werden 70 % der Beschäftigten in der Gastronomie mit Mindestlohn bezahlt. Wo die überwältigende Mehrheit weniger als Tariflohn erhält, sollte man über die Allgemeinverbindlicherklärung des Tarifvertrags zur Abwehr wirtschaftlicher Fehlentwicklungen nachdenken.

    • Walterismus

      @e2h:

      Wenn sich der Mindestlohn erhöht, dann haben wir 6 Monate später die Debatte, dass die Grundsicherung steigen müsse, weil der höhere Mindestlohn ja auch Preise anheben wird. Um dann wieder eine Mindestlohnerhöhung zu fordern, weil der Lohnabstand zu gering ist. Ein Teufelskreis...

    • Günter Witte

      @e2h:

      Die Erhöhung des Mindestlohnes führt nur zu allgemein höheren Kosten die dann wieder an die Verbraucher weitergegeben werden. Unter dem Strich hat dann keiner mehr im Geldbeutel und das Spiel beginnt von vorne. Arbeiter müssen bei den Lohnnebenkosten entlastet werden, das berühmte mehr Netto vom Brutto. Eine der gerechtesten Möglichkeiten währe hier z.B. Kapitalerträge genauso wie Arbeit zu besteuern und diese Erträge zur Entlastung kleiner/mittlerer Gehälter zu Nutzen.

      • Alex_der_Wunderer

        @Günter Witte:

        @ Günter Witte



        Die Produktiven müssen endlich berechtigter Weise und schon längst überfällig an den Gewinnen ihrer Produktion beteiligt werden und nicht nur einen, durch Löhne entlohnt werden, der nach Tarif geregelt ist, der übrigens völlig fiktiv festgelegt wird und nicht vom Nutzen für die Gesellschaft.



        Mindestlöhne ob ein Brötchen geschmiert wird, ein Bett bezogen wird, der Gärtner den Rasen mähen soll oder ein Sozialpädagoge im Schuldienst für die Schüler mitverantwortlich ist, ob ein Arbeiter in der Produktionskette am Band steht - wer denkt sich diesen Mist denn aus ?

        • Günter Witte

          @Alex_der_Wunderer:

          Also diese Diskussion, wenn festgelegt wird welche Arbeit der Gesellschaft einen Nutzen bringt und welche nicht, würde ich mich freuen. Wer soll das festlegen ? Ganz egal wer das macht kann nur verlieren. Selbst wenn alle gleich eingestuft werden sind sicherlich viele der Überzeugung das sie "wertvoller" als andere Gruppen sind und daher zu wenig bekommen.

  • PeterArt

    Manches hier in dieser Diskussion klingt so, als gäbe es eine Wahlfreiheit zwischen Arbeit und Grundsicherung. Vielleicht ist es notwendig, darauf hinzuweisen, dass es mitnichten so ist. Grundsicherung ist allein für den Fall gedacht, dass Arbeiten nicht möglich ist.

    • Walterismus

      @PeterArt:

      Das mag sein, dass die Grundsicherung dafür gedacht ist, aber de Facto stellt sich trotzdem jeder im Niedriglohnsektor die Frage, weil sie eben nicht nur dann gezahlt wird wenn Arbeit nicht möglich ist, sondern ein einfaches keine Arbeit haben reicht, auch wenn Arbeiten möglich wäre.

      • PeterArt

        @Walterismus:

        Genau das ist das Problem.

  • Ricky-13

    taz: *Arbeiten lohnt sich. Das galt für das Bürgergeld genauso wie für die neue Grundsicherung. Das zeigt eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung.*

    Darum geht es doch gar nicht. Bei dieser ganzen "Debatte", die jetzt seit über 20 Jahren geführt wird und Arbeitslose zu Bürgern zweiter Klasse macht, geht es primär um die Noch-Arbeitnehmer (und den Abbau des Sozialstaats) - und auch darum, dass man davon ablenken will, dass wir in einer hochtechnisierten Welt leben, wo menschliche Arbeit immer überflüssiger wird.

    Der Abbau des Sozialstaats fing 2005 mit Gerhard Schröder (SPD) an, als er in Davos (Weltwirtschaftsforum) sagte: "Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt."

    Anstatt das Ausbeutersystem ('Menschen und Natur werden weltweit immer noch für hohe Gewinne der Wirtschaft ausgebeutet' und das Klima wird auch gleich noch zerstört) endlich mal zu hinterfragen, haben die Bürger in Deutschland aber lieber auf Hartz IV/Bürgergeldempfänger und Flüchtlinge eingeprügelt und sie machen es jetzt mit BlackRock-Merz sogar immer noch - anstatt ihr Hirn endlich mal einzuschalten.

  • Corina Strößner

    Ich finde es bedenklich wie viele der Kommentare die Ergebnisse der Studie schlichtweg ignorieren. Ausschlaggebend für den Lohnabstand bei Kinderreichen ist zwar tatsächlich nicht der Freibetrag, sondern die niedrigere Pflegeversicherung, die Kinderzuschläge und der Unterhaltsvorschuss (bei Alleinerziehenden). Ab 3 Kindern ist der Lohnabstand laut Studie schon deutlich über 1000 Euro. Und wer Kinderzuschläge bekommt, hat dann auch meist gleichen Anspruch auf Unterstützung (wie Klassenfahrten). Ja, wer arbeitet hat auch mehr Kosten, oft aber auch einige Vorteile, z.B. Mitarbeiterrabatte, gegebenenfalls Hilfen bei NV-Tickets. Und auch Arbeitslose sind nicht im Urlaub: Sie müssen sich regelmäßig bewerben, das nachweisen, ständige Absagen verkraften, umziehen, wenn die Wohnung zu teuer wird, und dann diese gesellschaftliche Verachtung. Wenn Sie alle hier glauben, es sei so paradisisch einfach mit Bürgergeld zu leben, probieren sie es doch mal aus. Und ich hoffe für Sie inständig, dass Sie da wieder rauskommen. So einfach ist das nämlich gar nicht.

    • FtznFrtz

      @Corina Strößner:

      Völlig richtig, ich weiß wie es ist, der Einstieg in meine Berufslaufbahn war holprig, schon ein sehr niedriges ALG I war nicht ohne, der teilweise hasserfüllte und völlig unsachliche Umgang mit Grundsicherungsempfängern ist beschämend. Es ist ein bodenloser Unsinn, dass ein Leben als Grundsicherungsempfänger die berühmte Hängematte sein soll. Das Geld reicht gerade so zum (Über)Leben, die kleinen Nettigkeiten des Lebens, Ausgehen, Urlaub usw. fallen flach.



      Man ist der Antragsteller bei der Behörde, gerne werden Anträge auch mal abgelehnt, kafkaesker Bürokratismus neben offener Willkür der Sachbearbeiter.



      Was hier Unionspolitiker und konservative Pressevertrter reitet ist mir völlig unverständlich, es ist ebenso verantwortungslos wie pauschale Urteile über Flüchtlinge.



      Mit Entspanntheit und Spaß hat es nichts zu tun, wenn man Grundsicherung erhält. Wenn man über den Abstand zu den unteren Lohngruppen reden will kann man über die Höhe des Mindestlohns reden, nicht über die zu üppigen Leistungen unseres Sozialstaates.

    • Dr. McSchreck

      @Corina Strößner:

      Die Studie kommt mir für Kinderreiche aber wenig substantiell vor, wie weiter unten ausgeführt. Bei Geringverdienern spielen Freibeträge keine Rolle und ein Netto-Einkommen ohne Miete von 2200 Euro (bei 3 Kindern der Regelsatz ohne Zuschläge) muss man schon reichlich verdienen, um netto das gleiche heraus zu bekommen, zumal die Miete ja noch dazu kommt, incl. Heizkosten.



      Ein "Kinderfreibetrag" hilft da wenig, allein dass das Kindergeld dazu kommt, während es beim Bürgergeld angerechnet wird, gleicht die Sache etwas aus.

      Die ganzen angeblichen Vergünstigungen zahlt mein Arbeitgeber nicht und die meisten kleinen Firmen auch nicht.

      PS: die Pflicht, sich bewerben zu müssen, zeugt schon von einem völlig falschen Denkansatz (heute "mindset"). Es sollte keine Pflicht sein, sich bewerben zu müssen, sondern es sollte der selbstverständliche Wunsch sein, von eigener Arbeit zu leben und nicht von dem, was die Mitbürger einzahlen.

    • Ricky-13

      @Corina Strößner:

      **..., umziehen, wenn die Wohnung zu teuer wird, ...**

      In eine günstigere Wohnung kann man allerdings nur umziehen, wenn es davon noch genügend geben würde. Das Verhältnis zwischen günstigen Wohnungen (Sozialwohnraum) und den sogenannten "Normalmieten" (also die 'ortsübliche Vergleichsmiete') läuft in deutschen Städten allerdings extrem stark auseinander. In fast allen deutschen Städten fallen jedes Jahr mehr Wohnungen aus der staatlichen Preisbindung heraus, als neue Sozialwohnungen gebaut werden.

      Und wie es ausschaut will die Merz/Söder/Klingbeil-Regierung sogar noch kräftig dabei mithelfen, damit die Obdachlosigkeit in Deutschland weiter ansteigt. Wir haben jetzt schon ca. 470.000 Wohnungslose und mehr als 50.000 Obdachlose in Deutschland. Aber zum Glück gibt es ja (noch) genügend Parkbänke, wo der wohnungslos gewordene Bürger dann 'nächtigen' kann, wenn die "Sozialbehörde" ihn/sie aus der Wohnung 'hinauskomplimentiert' hat.

      Wer am Ende davon profitiert sind die Rechten, denn der frustrierte kleine Bürger wird nicht sein Hirn einschalten und endlich mal eine linke soziale Partei wählen, sondern 'nach rechts abbiegen'.

    • Life is Life

      @Corina Strößner:

      Danke!



      Diese Gedanken gingen mir auch durch den Kopf beim Lesen der bisherigen Kommentare. Ich nehme mal an, dass keiner der bisher Kommentierenden jemals von Grundsicherung hat leben müssen. Ich übrigens auch nicht, aber ich hatte immer genug Fantasie, mir das vorzustellen - mit der Konsequenz: Niemals, wenn es irgend anders geht.

  • Günter Witte

    Um behaupten zu können das Arbeit sich lohnt müsste jeder der sich täglich aufmacht und buckelt seinen Nettolohn für jede geleistete Arbeitsstunde über dem Niveau der Grundsicherung zusätzlich erhalten. Die Spanne ob jemand arbeitet oder nicht muss viel größer sein als ein paar Euros. Hier könnte der Staat sehr schnell entlasten wenn er endlich die Sozialkosten für nicht versicherte Personen aus den allgemeinen Steuereinnahmen finanziert und nicht auf die abwälzt die Arbeiten gehen.

    • nihilist

      @Günter Witte:

      Das wäre dann ein bedingungsloses Grundeinkommen.

  • Walterismus

    Auf dem Papier stimmt das zwar, dass man mehr Geld hat, wenn man arbeitet, als wenn man Grundsicherung / Bürgergeld kassiert. Nur sind dabei auch alle Ausgaben dagegen gerechnet worden? Wir Kosten für den Arbeitsweg, Kleidung für die Arbeit etc. mal ganz zu schweigen von der Physischen und psychischen Belastung?

    Und wie sie auch schreiben, in Großstädten ist die Kluft wegen der Miete deutlich kleiner. Aber genau das ist auch eines der Probleme, denn damit wird die Kritik vollständig bestätigt. Das kann so nicht bleiben. Da macht es dann halt wirklich kaum noch Sinn zu arbeiten, wenn man in einer Großstadt wohnt mit Mietübernahme...

    Bürgergeld- / Grundsicherungsempfänger müssen hinsichtlich der Miete mit den gleichen Struggles belastet werden, wie Personen die im Niedriglohnsektor arbeiten. Was dann auch bedeuten kann, dass man aus der Stadt ausziehen muss. Das ist eine Sache die den größten Frust verursacht, insbesondere bei denen die täglich pendeln müssen, weil die Miete in der Stadt zu teuer ist für den Niedriglohnsektor...

    • sociajizzm

      @Walterismus:

      Bürgergeldempfänger:innen werden längst mit den gleichen Struggles belastet.

      Ist die Miete zu hoch, muss ein Teil des Existenzminimums dran glauben, oder man zieht in die Peripherie.

      Arbeitslosigkeit ist auch sowohl physisch in und psychisch belastend, letzteres stärker als die meisten Jobs.



      Arbeit ist nicht nur "Belastung".

      Arbeitskleidung stellt der AG, oder es ist Alltagskleidung, die auch Menschen ohne Arbeit brauchen.

      Kosten für den Arbeitsweg... ist das Ihr Ernst?

      Die Differenz ist selbst beim Mindestlohn schon ziemlich groß.

      Aber sicher BGE für alle würde einen noch besseren Anreiz schaffen.😉

  • elektrozwerg

    "Außerdem wächst der finanzielle Vorteil eigener Arbeit mit der Zahl der Kinder. Eine Erklärung hierfür: Die Kinderfreibeträge reduzieren die Steuer."

    Soso. Wenn man bedenkt, dass jemand ohne Kinder bei Vollzeit zum Mindeslohn ganze 170 Euro Lohnsteuer zahlt, der Regelsatz pro Kind aber mindestens 357 Euro betraegt, halte ich diese Behauptung fuer sehr gewagt.

    • Dr. McSchreck

      @elektrozwerg:

      Sie ist sogar völlig falsch - um es klar zu sagen.

      Kein Geringverdiener hat irgendeinen Vorteil durch den Kinderfreibetrag, weil das Kindergeld dann immer höher ist als der Vorteil aus dem Freibetrag. Dies wird bei allen Steuerpflichtigen individuell ermittelt.

      Der Freibetrag wirkt sich erst bei sehr hohen Einkommen aus, weil der Steuervorteil ja über 260 Euro im Monat (ungefähr) liegen muss.

      • Zange

        @Dr. McSchreck:

        Der Part mit dem Kinderfreibetrag ist mit Abstand der schwächste im Artikel. Aber auch an anderen Stellen hat man das Gefühl: Hier schreibt ein Blinder von der Farbe. Die Studie ist hoffentlich nicht so substanzlos wie dieses Geschreibsel. Schlimm, dass es einer Zeitung wie der taz nicht gelingt da mehr rauszuholen. "Die Welt" spricht von steuerlichen Anreizen. Da weiß man anscheinend um die Funktionsweise des Kinderfreibetrag und verwendet das Wort bewusst nicht.

  • Dr. McSchreck

    Zur Frage, ob Arbeiten lohnt, gehören ja auch weitere Faktoren. 650 Euro pro Monat sind dafür, dass man morgens früh aufstehen muss, Arbeit durchaus anstrengend sein kann und man abends k.o ist, nicht so super viel. Noch viel kleiner ist der Unterschied, wenn man beispielsweise 4 Kinder hat, es also um 4200 oder 3600 Euro im Monat geht incl. Miete, wobei gerade die Miete eben ein Faktor ist, der bei Arbeit nur durch Wohngeld abgefedert wird, während das Amt sie zahlt.

    • *Sabine*

      @Dr. McSchreck:

      Nur als Ergänzung:



      Meiner Meinung nach sind auch die übernommenen Heizkosten (in angemessener Höhe, wie auch bei der Miete), die Gebührenbefreiung Rundfunkbeitrag, die Zuzahlungsbefreiung im Gesundheitswesen u.v.m. bei der Aufstellung zu berücksichtigen.

    • Moon

      @Dr. McSchreck:

      Nein Dr. Mc. Schreck, das Amt zahlt „die Miete“ eben nicht. Das war „in Hartz IV so, im Bürgergeld und jetzt im neuen Grundsicherungsgeld. „Die Miete“, das ist so einfach falsch. Das Amt übernahm und übernimmt allein die jeweils als gesetzl. gültig festgelegten angemessenen Kosten der Unterkunft mit als ebenfalls angemessen festgelegten Nebenkosten ohne Strom. Wurden, bzw. werden diese Kosten überschritten übernahm, bzw. übernimmt sie das Amt nach wie vor nicht und es erfolgte, bzw. erfolgt die Aufforderung, die Wohnkosten zu senken – bedeutet Wohnungssuche. Für diese galten unterschiedliche Fristen, bis deren Ende die Wohnkosten in Gänze weiter übernommen wurden. Dann mussten überschreitende Mietkosten vom Regelsatz selbst getragen werden. Wurde im BG die Angemessenheit nach Ablauf eines Jahres geprüft, erfolgt sie jetzt sofort. Jetzt wird höchstens das 1,5-fache der örtlichen Angemessenheitsgrenze der Miete übernommen. Für ein Jahr gilt bei Überschreitung die Aufforderung, die Mietkosten zu senken. Erfolgt das nicht, muss der Grundsicherungsbezieher den überschreitenden Betrag aus dem Regelsatz selbst tragen. Schon mal als Arbeitsloser eine Wohnung gesucht? Sehr schwierig.

      • Dr. McSchreck

        @Moon:

        Was glauben Sie, wie viele Geringverdiener (die sind hier der Vergleichsmaßstab) sich eine Miete leisten können, die deutlich höher ist als das, was das Jobcenter übernimmt? Insoweit stimmt mein Satz eben und da ich im Familienrecht arbeite weiß ich auch, dass mit Kindern recht große Wohnungen vom Amt bezahlt werden, sogar wenn die Kinder beim anderen Elternteil leben, um den Umgang zu ermöglichen.

        • Moon

          @Dr. McSchreck:

          Ja ich war bewusst „spitzfindig“ um bei der Mietkostenübernahme exakter zu werden. Die Intention ihrer Anmerkung habe ich aber nicht übersehen. Selbst wenn ich wollte (nein) komme ich nicht am wohl gesicherten Fakt nicht vorbei, dass der „Mindestlohner“ im gleichen Preissegment mieten muss wie der Grundsicherungsbezieher. Und der steht wenn seine Wohnung zu teuer wird genauso vor der Frage: Wie umziehen wenn solche Wohnung überhaupt vorhanden? Gelingt das nicht, zahlt er aus den anderen Lebenshaltungskosten „drauf“ und hat bei denen (noch) weniger. Denn „GE“ muss auch umziehen. Gelingt das nicht, zahlt er aus dem Regelsatz von 563 Euro drauf. Die Frage ist dann, hat der Mindestlohner am Ende für seine übrigen Lebenshaltungskosten trotz Arbeit nur noch den Regelsatz des „GE“? Oder hat er bei 623 Euro als Single gegenüber dem GE noch Spielraum, welcher einen etwas besseren Lebensstandart ermöglicht? Aber der Gerechtigkeitskonflikt: „Wenn es dich arbeitsunwilligen BE nicht gäbe wären meine Steuern u. Abgaben niedriger“, so einfach ist der dann trotzdem nicht. So wie man "KEINE Wohnung finden KANN", "KANN man nämlich auch KEINE Arbeit finden".

          • Dr. McSchreck

            @Moon:

            Das sind alles berechtigte Fragen - allerdings behauptet der Artikel bzw. die Studie, dass sie sich für den Geringverdiener weniger stellen als für den Bürgergeldempfänger und das halte (nicht nur) ich für falsch. Man muss jedem Geringverdiener mit Kindern dankbar sein, dass er arbeiten geht.

            Wie gesagt, vor allem als Vorbild für die Kinder.

  • PeterArt

    "Wer zum Mindestlohn arbeitet, hat deutlich mehr Geld zur Verfügung als Leute, die nur Grundsicherung beziehen." Ja meinetwegen, aber wer Grundsicherung bezieht und nebenbei schwarz arbeitet, hat noch mehr. Und das ist ja wohl das erfolgreichere Geschäftsmodell.

    • nihilist

      @PeterArt:

      Am Gesetz und am Finanzamt vorbei lassen sich viele gute Geschäfte machen. Sollte man dann Grundsicherung reduzieren mit dem Hinweis, man könne ja schwarz arbeiten gehen?

    • Moon

      @PeterArt:

      Ich kann nicht abstreiten, dass Grundsicherungsempfänger schwarz arbeiten. Halte aber Ihre Vorstellung vom „erfolgreichen Geschäftsmodell“ für fragwürdig. Die Studie beziffert den Einkommensvorteil eines alleinstehenden Mindestlohnbeziehers in Vollzeit gegenüber einem Grundsicherungsempfänger bei 623 Euro mtl. Gleich 7.476 Euro im Jahr. Die muss der Grundsicherungsempfänger erst mal „erwirtschaften“. Bei Ausfällen seitens seiner oft wechselnden Auftraggeber z. B. Der Mindestlohn wird auch in Urlaubszeiten gezahlt. Wenn der Schwarzarbeiter beim Jobcenter nicht auffallen will, tut er gut daran, pflichtgemäß an Maßnahmen teilzunehmen, AgH´s anzunehmen, die Termine beim JC einzuhalten, Bewerbungspflichten nachzukommen. Erst dann kann er in den verbleibenden Zeiten mtl. 623 Euro durch Schwarzarbeit erzielen.



      Ich schreibe das allein, um zu verdeutlichen, dass man hinsichtlich des Geschäftsmodells näher empirisch drauf sehen müsste. Was natürlich schwierig ist: Die im Dunkel sieht man nicht. Im Ernst. Wissen Sie so ausreichend viel über die Einkommensverhältnisse in der Schwarzarbeit um zumindest plausibel anhand von Indizien sagen zu können, wie lukrativ das Geschäftsmodell ist?

      • Dr. McSchreck

        @Moon:

        Sollten Sie jemals eine Putzhilfe gesucht haben, werden Sie wissen, wie verbreitet das Geschäftsmodell ist. Anmelden ist das schwierig, "das würde ja angerechnet".

        Von Uber und Teilen der Gastronomie oder des Baus ganz zu schweigen, wo bei Kontrollen ständig Leute "am ersten Tag" an der Baustelle sind, um "probe zu arbeiten".

  • Donald Duck

    Steuerabzüge sind in der Berechnung anscheinend enthalten.

    Sind auch Fahrkosten, das Essen in einer Kantine sowie Kleidung abgezogen?

    Auf der einen Seite haben die Arbeitenden mehr Geld, auf der anderen Seite aber auch mehr Aufwand. Vor allem Zeit.

    Wenn man etwa 625 EUR monatlich durch 170 Arbeitsstunden teilt, sind das für den Arbeitenden - ohne oben genannte Abzüge - etwa 3,70 EUR, die er im Ergebnis als effektiven Stundensatz seiner Arbeitsleistung betrachten kann. Immerhin.

    Das erfordert mehr als 1 Tag Arbeit für 1 Konzertkarte oder 1 x Essen gehen.

    Das gleiche Ergebnis bekommt man mit Nachbarschaftshilfe und evtl. Trinkgeld auch mit nur 40 bis 60 Stunden hin.

    Auch Betteln kann mehr als 3,70 EUR die Stunde einbringen. Das ist natürlich Standort-, Wetter und Sympathieabhängig.

    • nihilist

      @Donald Duck:

      Sie haben natürlich vollkommen Recht. Es ist im Grunde völlig unvernünftig, dass bei all dem Aufwand Geringverdiener überhaupt arbeiten gehen anstatt zu betteln.

  • Šarru-kīnu

    Die Studie ignoriert völlig die Kosten die durch Arbeit erst entstehen. Außerdem spätestens ab dem zweiten Kind ist es im Bürgergeld besser als im Mindestlohn. Bei mir liegen gerade eine Rechnung für eine Zahnspange und 2 Klassenfahrten auf dem Tisch. Müsste ich im Bürgergeld alles nicht selbst bezahlen. Am meisten betrogen wird in unserem Land immer der, der so ehrlich ist noch knapp über der Armutsgrenze legal arbeiten zu gehen. Immer hat man ein paar Euro über irgendeiner Bemessungsgrenze. Das sorgt in unserer Region mit der deutschlandweit höchsten Quote an Beschäftigten im Niedriglohnsektor für sehr viel Verdruss bei den Betroffenen.

    • nihilist

      @Šarru-kīnu:

      Gibt es eigentlich irgendeinen Negativrekord, den Ihre Region nicht hält und wieso sind immer die anderen dran schuld?

      • Moon

        @nihilist:

        Ich weiß über solche Regionen im „Osten“ zwar kaum etwas. Was aber vor langer Zeit als Studi u. danach mit der regionalen Entwicklung strukturschwacher Räume/West beschäftigt. Nach dem was Šarru-kīnu in Kommentaren schildert trügt meine Ahnung wohl nicht: Diese Räume sind der schreckliche Negativ-Rekord. Lassen sie mal das VW-Werk Emden schließen, was dann dort oben (wieder) los ist. Vor mehr als 40 J. sagte ein Professor an der Uni: „Warum soll man diese Räume sich eigentlich nicht entleeren lassen?“ Der Nordwestraum hat sich bis heute nicht entleert, entleeren lassen. 36 J. nach der Wende „entleeren“ sich die östlichen Regionen immer noch weil dort die Zweigwerke erst gar nicht kamen. Und die Menschen, die dort „komischer Weise“ immer noch leben – wollen – werden zunehmend „ausgeleerter“, ausgebrannter. Die AfD will u. a. „sanften regionalen Tourismus“. Und übertreibt dessen Entwicklungswirkungen schamlos u. gibt sich so sanft dass es schon „woke“ ist. Weis darüber ein bisschen. Wie „völkisch“ deren regionaler Tourismus dann von ihnen erklärter maßen sein wird, wenn die dann in den Landkreisen UND den Fremdenverkehrsvereinen usw. drin sitzen? Denn darum geht es denen.

    • AndreasM

      @Šarru-kīnu:

      Genau, mich würde auch mal eine Modellrechnung interessieren, wo man eben nicht nur Mindestlohn verdient, sondern etwas mehr und dann alle Sonstigen Benefits verliert. Meine Frau (mobile Sozialarbeit in einer Gemeinde) hat so einen Fall grad bei sich: Alleinstehend, ohne Kinder. Die Dame hatte eine Vollzeitstelle und hat auf Teilzeit reduziert, da sie dadurch nun Wohngeld bekommt. Weniger Arbeit, annähernd gleiches Geld. Ist ja jetzt auch nicht so der Sinn der Sache.

    • Moon

      @Šarru-kīnu:

      „Die Studie ignoriert völlig die Kosten die durch Arbeit erst entstehen.“



      Ja, da gehe ich mit. Grundsicherung (Existenzminimum) und Mindestlohn folgen zwei verschiedenen Regelwerken, die nicht auf einander bezogen sind. Die Grundsicherung gewährt das Existenzminimum bei Notlage u. gesetzl. Auflage diese zu beheben durch eine gesetzl. geregelte Berechnungsgrundlage. (Welche übrigens vom Verfassungsgericht als „noch“ Verfassungskonform benannt wurde.) Der Mindestlohn gründet in der Freiheit der Tarifpartner, institutionalisiert in einer dementsprechenden Kommission mit bindender Wirkung des Gesetzgebers. Der Mindestlohn darf tatsächlich unter die Höhe des Existenzminimums fallen. „Er regelt die Untergrenze für den wirtschaftlichen Austausch von Arbeit gegen. Er ist kein verfassungsrechtlich garantiertes „Mindesteinkommen“, sondern ein Mindestpreis für Arbeit.“ (KI) Würde dies auch in Vollzeitarbeit geschehen, gewährt der Staat die Grundsicherung bis zur Höhe des Existenzminimums. Was für die Mindestlöhner die Sache nicht besser macht.



      Ich sähe die Diskussion gern an diesem Sachverhalt der getrennten Regelwerke festgemacht. Man sieht oft rüde "diskutierte Mißverständlichkeiten"

  • DiMa

    Die Tatsache, dass sich Arbeit merkbar lohnt (im Vergleich zum Bürgergeldbezug) ist doch das Ergebnis des geringen Bürgergeldes.

  • Martin Sauer

    Es kommt drauf an ob eine Einzelperson Bürgergeld bekommt, dann löhnt sich arbeiten, oder ein Paar mit 3 oder mehr Kindern. Dann "lohnt" sich arbeiten zum Mindestlohn nicht.

    • Dr. McSchreck

      @Martin Sauer:

      Das stimmt, der einzige Grund mit mehreren Kindern trotzdem zu geringerem Geld zu arbeiten ist, ein gutes Vorbild zu sein, damit sie sehen, dass Geld nicht einfach da ist, sondern erarbeitet werden muss.

      • Machiavelli

        @Dr. McSchreck:

        Das ist aber eine kulturelle Norm die sie bei vielen in struktureller Armut nicht finden.

        • Dr. McSchreck

          @Machiavelli:

          Weshalb sich Armut ja auch "vererbt" - und der Staat versagt, diese Tradition zu durchbrechen.

          • Machiavelli

            @Dr. McSchreck:

            Hat bisher kein Staat systematisch geschafft.

  • mm83

    623€ Einkommensvorteil bei Vollzeitarbeit. Anders ausgedrückt: man macht sich für 3,70€/Stunde den Buckel krumm. Da braucht es schon Charakterstärke um sich morgens aus dem Bett zu quälen.

    • PeWi

      @mm83:

      Wie wäre es statt "Charakterstärke" mit "Anstand"? Denn der würde es eigentlich gebieten, sich auch für nur 3,70 € mehr morgens aus dem Bett zu quälen.

      Das Bürgergeld wächst nicht auf Bäumen oder fällt vom Himmel. Wer meint, er sehe nicht ein, wegen einer so geringen Differenz zum Bürgergeld arbeiten zu gehen, lebt auf Kosten anderer. Von denen einige auch für nicht gerade üppige Entlohnung morgens früh aufstehen. Eventuell sogar sehr früh, weil ihr Weg zur Arbeit lang ist.

      So verständlich die Unlust ist, man sollte dieses Verhalten nicht irgendwie schönreden oder gar als "Widerstand" gegen ein ungerechtes System heroisieren.

      Und wenn ich heute lese, dass in Estland rund 70% der dort lebenden ukrainischen Flüchtlinge arbeiten, in Deutschland aber nur knapp über 37%, dann kann man schon die Frage stellen, ob das in dem Fall nicht doch mit der Höhe des Bürgergeldes zu tun hat.

      • nihilist

        @ PeWi:

        Wie niedrig ist denn das Bürgergeld in Estland?

      • e2h

        @ PeWi:

        Der Zusammenhang mit der Höhe des Bürgergelds dürfte so evident wie der Zusammenhang der Anzahl der Störche mit der Geburtenrate sein - eine Scheinkorrelation.



        Da dürften eher die unzureichenden Kinderbetreuungsangeboten in Deutschland eine Rolle spielen. Die ukrainischen Flüchtlinge sind größtenteils Frauen mit Kindern.



        Und dann haben wir noch das Elend mit der Nichtanerkennung ausländischer Ausbildungen.



        Statt Arbeitsaufnahme zu fördern, wird sie in Deutschland durch vieles be- und verhindert.

        • Walterismus

          @e2h:

          Damit machen Sie es sich zu leicht. Da besteht schon eine Kausalität.



          Denn die Ukrainischen Flüchtlinge können auch in der Kinderbetreuung arbeiten, womit dieses Problem von sich selbst heraus gelöst wird. Übrigens in Polen, Estland und Dänemark ist genau das der Fall.

          Nein der Bürgergeldanreiz ist dahingehend schon ein starker Anreiz!