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„Frühstartrente“ der Bundesregierung Kapitalmarktschulung für Kleinkinder

Gastkommentar von

Frank Hoffer

Die Kapitalrentenpläne der Bundesregierung sind sozialpolitisch unsinnig. Wieder einmal werden jene gefördert, die es auch ohne den Staat könnten.

S chon bei den Kindern will die Bundesregierung mit der sogenannten Frühstartrente das Interesse am Kapitalmarkt wecken. Wenn sie bereits in der Grundschule lernen, wie schön sich die monatlichen 10 Euro vermehren, die die Bundesregierung für sie anlegt, werden sie – so hoffen Bundesregierung und Versicherungswirtschaft – als Volljährige die nächsten 47 Jahre weiter in eine private Rente investieren. Durch das frühe „Anfüttern“ und individuelle Verträge, die einen nahtlosen Anschluss an die steuerlich geförderte private Altersvorsorge ab der Volljährigkeit des Kindes ermöglichen sollen, werden ganze Jahrgänge der privaten Versicherungswirtschaft zugeführt.

Die Bundesregierung wird nicht müde zu betonen, dass mit der „Frühstartrente“ nicht nur eine materielle Förderung verbunden ist, sondern auch ein spezifischer Bildungsauftrag: Junge Menschen sollen vom scheinbar mühelosen Einkommen am Kapitalmarkt als Zukunftsinvestition überzeugt werden.

Hohe Renditen werden in Aussicht gestellt, um Kinder und Eltern für die private Rente zu begeistern. Aus den 1.440 Euro Förderung sollen bei einer Nettorendite von 7 Prozent bis zum 65. Lebensjahr 53.000 Euro werden. Darüber hinaus soll die staatlich geförderte private Vorsorge bereits vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter ausgezahlt werden. Während die CDU gegen die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren Sturm läuft und das Renteneintrittsalter künftig mit steigender Lebenserwartung noch über 67 hinaus steigen soll, gibt es die private Vorsorgerente bereits mit 65.

Frank Hoffer

ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und war viele Jahre bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) für den Bereich Soziale Sicherung zuständig.

Um die angestrebte hohe Rendite zu erzielen, soll das Geld laut Gesetz „ausschließlich in breit diversifizierte globale Aktien oder Aktienfonds“ angelegt werden. Auf Garantien wird bewusst verzichtet, damit das Geld ungebremst und mit vollem Risiko gewinnbringend angelegt werden kann. Doch eine Nettorendite von 7 Prozent ist riskant und ambitioniert. Läuft es am Kapitalmarkt schief, ist das allerdings nicht das Problem der Bundesregierung oder des Versicherers, sondern das Pech der Versicherten.

Damit die Fördergelder nicht wie bei Riester überwiegend bei den Versicherern landen, beschränkt das Gesetz die zulässigen Effektivkosten auf 1 Prozent – was immer noch das Zehnfache des schwedischen Staatsfonds ist. Neukunden mit Monatsbeiträgen von nur 10 Euro sind für Versicherer allerdings nicht sonderlich attraktiv.

Lohnender wird es durch die gesetzlich geförderten privaten Zuzahlungen: Betuchte Eltern oder Großeltern können bis zu 6.800 Euro jährlich zusätzlich einzahlen. Bis zum Renteneintritt werden 59 Jahre lang auf die Kapitalerträge keine Steuern erhoben. Das ist eine sozialpolitisch unsinnige Förderung der Besserverdiener. Wie viele Eltern und Großeltern darauf einsteigen, ist unklar. So mancher dürfte Ausbildungsversicherungen, ETFs oder Weihnachtsgeschenken den Vorzug gegenüber Anlagen geben, von denen die lieben Kleinen erst in 60 Jahren etwas haben.

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Der Gesetzgeber macht daher sicherheitshalber die staatliche (!) Förderung zwingend vom Abschluss eines privaten (!) Vorsorgevertrags abhängig. Für Kinder, deren Eltern keinen Versicherungsvertrag abschließen, legt der Staat das Geld kollektiv an. Die bis zum 18. Lebensjahr angesparten rund 2.000 Euro bekommt jedoch nur, wer spätestens bis zum 35. Lebensjahr einen privaten Vorsorgevertrag abgeschlossen hat; andernfalls fällt das Geld an den Staat zurück. Im Klartext: Nur wer es sich leisten kann, über die gesetzliche Sozialversicherung hinaus private Versicherungsverträge abzuschließen, kommt überhaupt in den Genuss der staatlichen Förderung.

Ein Zehntel aller in Deutschland lebenden Menschen ist verschuldet und kämpft mit Ratenzahlungen. Ein Viertel hat keine Ersparnisse. Diese Menschen können sich eine private Vorsorge nicht leisten. Viele der ärmsten Kinder dürften daher bei der Frühstartrente leer ausgehen. Für Niedriglohnbezieher oder Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien gibt es noch einen weiteren Haken: Sollten sie es schaffen, sich die Beiträge für die private Vorsorge ein Leben lang vom Munde abzusparen, im Alter aber aufgrund der niedrigen gesetzlichen Rente auf die Grundsicherung angewiesen sein, wird die private Zusatzrente teilweise auf die Sozialhilfeleistung angerechnet.

Arme Menschen können sich eine private Vorsorge überhaupt nicht leisten

Zur Finanzierung der Frühstartrente verschuldet sich der Staat. Er wird 60 Jahre lang Zinsen zahlen, bevor die erste Rente ausgezahlt wird. Dem unsicheren Zinsgewinn der Bürger von 7 Prozent stehen garantierte Schuldzinsen des Staates von 3 bis 4 Prozent gegenüber. Der Staat verschuldet sich, um jene zu fördern, die sich private Vorsorge sowieso leisten können. Darüber hinaus ist es ein schönes Förderprogramm für die Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Dass der Bundeskanzler als ehemaliger BlackRock-Lobbyist dies gut findet, überrascht nicht. Warum Sozialdemokraten darauf stolz sind, ist unverständlich.

Lieber ein besseres Einkommen

Es gibt weit bessere Möglichkeiten, der jungen Generation zu helfen. Die beste Garantie gegen Altersarmut und für eine gute Rente ist ein gutes Einkommen während der Beschäftigungszeit. Dafür ist eine gute Ausbildung unerlässlich. Gerade wieder hat die Pisa-Studie bestätigt, dass Deutschland bei der Bildung weiter zurückgefallen ist und dass in kaum einem anderen Land die soziale Herkunft so stark über den Bildungserfolg entscheidet wie bei uns. Für einen fairen Start ins Leben braucht es frühzeitige Förderung.

Besser als eine Kapitalmarktschulung für Kleinkinder sind Sprachförderung und Grundschulen, die allen Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen. Und das Geld für die Frühstartrente sollte wahlweise auch als Ausbildungsunterstützungsfonds zur Verfügung stehen und jedem jungen Menschen bei Aufnahme einer Berufsausbildung eine einmalige Starthilfe von 2.200 Euro auszahlen. Denn nichts macht Altersarmut wahrscheinlicher als eine fehlende Berufsausbildung.

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69 Kommentare

  • Tom Tailor

    " Doch eine Nettorendite von 7 Prozent ist riskant und ambitioniert. Läuft es am Kapitalmarkt schief, ist das allerdings nicht das Problem der Bundesregierung oder des Versicherers, sondern das Pech der Versicherten."

    Ambitioniert ja, riskant nein. 7 Prozent p.a. sind bei einem global anlegenden Fonds in Zeiträumen von mind. 10 Jahren keine außergewöhnliche Rendite. Die skizzierte Schieflage würde eine globale Rezession mit entsprechende mehrjährigen Index-Abstürzen voraussetzen die genau dann eintritt wenn der Auszahlungszeitpunkt näher rückt. Und auch jedwedes aktives Fondsmanagement ausschließen, dass alle diese Sparprodukte immer mit integriert haben (eine sukzessive Umschichtung des Aktienanteils im Portfolio hin zu festverzinslichen Wertpapieren, angefangen 5 Jahre vor Ablauftermin. Damit genau ein solches Szenario vermieden wird).

  • Hans - Friedrich Bär

    Der Kommentar ist ganz richtig .

    Eine drastische Folge der Agenda 2010 ist, dass Eltern und Großeltern Rentenansprüche vorenthalten und geschmälert, somit das Erbe der Kinder und Enkel geschmälert wurde.



    Deswegen, das war eine Frage des Kommentars, sind Sozialdemokraten nun darauf stolz, dass sie ein bisschen von dem Schaden, den sie seit 30 Jahren angerichtet haben "wieder gut machen".

    Kinder lernen, dass nicht lebende Menschen , sondern ein anonymes Guthaben am besten für sie sorgt (weil eine Regierung die Versicherungsbedingungen einer gesetzlichen Versicherung über Nacht ändern kann und geändert hat).

    Eine soziale Bankrotterklärung.

    "Aus einem Almosenempfänger muss ein Steuerzahler werden" meinte Konrad Biesalski 1909.

    Die Bundesregierung kann für sich in Anspruch nehmen im Jahr 2026 mit der Frühstartrente kommende Generationen zu Almosenempfängern gemacht zu haben , dazu wie der Kommentar vorgerechnet hat, zu Almosenempfägern auf eigene Kosten.

  • Duplozug

    Hier wird wieder einmal extrem gegen Anlageformen im Kapitalmarkt geschossen. Egal, das Schweden, Norwegen und weitere zeigen, dass dies ein erfolgreiches Modell ist. Hauptsache das gleiche immer wieder wiederholen, wie toll ein Umlagefinanziertes System ist. Wenn die Wirtschaft auf Jahre mies läuft, dann merkt das nicht nur der Kapitalmarkt, sondern auch die Umlagefinanzierte Rente.



    In Deutschland ist genau das ein Problem, das selbst gut verdienende Leute viel zu oft ihr Geld auf dem Girokonto parken und von der Inflation fressen lassen, als es anzulegen. Und wenn dieses Depot hilft die Angst vor Aktien gerade mit ETFs zu mildern. Ist das definitiv positiv. Und es wäre wirklich gut, wenn es in der Schule Finanzunterricht gäbe.

    • nihilist

      @Duplozug:

      Das Tolle an der Umlage ist ja, dass die sogar dann nicht funktioniert, wenn die Wirtschaft läuft. Die hängt nämlich nur an den Löhnen und muss dann mit Steuern (ebenfalls vor allem aus abhängiger Beschäftigung) aufgemöbelt werden. Ein stabiles Verlustgeschäft für alle, die so unvernünftig waren, nach 1965 geboren zu sein.

  • Joachim Petrick

    10 € Frühstartrente ab Jahrgang 2020 klingen nett, sind ohne Inflationsausgleich aber schlechter Scherz. Bei 3,5 % Teuerung schrumpft Kaufkraft bis zum 18. Geburtstag auf die Hälfte. Während Deutschland Sachwerte im ETF-Prinzip Hoffnung parkt, schützt Belgien seine Bürger gesetzlich: Steigt Inflation, klettern Löhne, Renten automatisch mit. Dank hoher Tarifbindung herrscht dort Entspannung, während hierzulande seit Agenda 2010 der Niedriglohnsektor boomt Reallöhne schwinden. Wahre Systemfehler liegt im Streikrecht. In Belgien ist Generalstreik Grundrecht, Mietenstopps oder Sozialreformen zu erzwingen. In Deutschland ist politischer Streik seitGG 1949 No Go. Gestreikt wird brav für 3 % mehr Lohn, aber bei gesellschaftlichen Fragen verordnet Justiz Friedenspflicht. Dabei rettete 1920 erst der Generalstreik von 12 Millionen Arbeitern die Weimarer Republik. 1948 erstreikten Millionen in Westzone Preisstopp für Alltagsgüter.



    Heute erleben wir historische Bruchlinie durch AfD Machtgewinn. Wenn AfD Sozialstaat demontiert, nützen bunte Luftballons nichts. Gewerkschaften müssen politisches Streikrecht als demokratisches Notwehrrecht einfordern. Unser Land stoppen ist die Rückversicherung

    • Joachim Petrick

      @Joachim Petrick:

      Staatlich kreditfinanzierte 10 € Kinderfrühstartrente treibt ab 2030 gewaltige Kapitalbugwelle vor sich her. Weil deutscher Markt zu eng ist, schwappt das frische Geld in internationale Finanzplätze. Regierungsamtliche Folge: Der Zugang zu Vermögenswerten Aktien, Grund, Boden Immobilien wird für Bevölkerungsmehrheit unerschwinglich.



      Das System erinnert an die Sozialpolitik. Während bei der Grundsicherung das Abstandsgebot zum Lohnniveau scheinbar gewahrt ist, ungeachtet pfändungsfreiem Existenzminimum 1.587,40 €/Monat (seit 1. Juli 2026), gilt beim Vermögen offenbar das Gegenteil: Der Abstand zwischen Reich und Arm wird nicht nur gehalten, sondern politisch dynamisiert vergrößert.



      Es ist das bewährte Rezept der Fiskal- und Notenbankpolitik. Im ewigen Geleitzug aus „Whatever it takes“ und Quantitative Easing wird die reale Inflation kurzerhand in gigantische Vermögensblasen umgeleitet und in den Börsenkursen geparkt. Den gigantischen Geldmengenüberhang zurückzuführen, ist dabei weder gewollt noch überhaupt möglich. Stattdessen regiert das permanente „Immer weiter so“ auf Kosten derer, die ohnehin nichts besitzen. Das System füttert die Blase, während die Mittelschicht leer ausgeht.

    • uwe

      @Joachim Petrick:

      Eine praktische Übung zum Erwerb von Finanzwissen wäre eine bessere Beschreibung. Und ja, 10.- pro Monat ist wenig. Zu Zeiten von Nullzinsen wäre mehr möglich gewesen. Nur wurde damals die FDP in der Koalition blockiert. Nun, besser spät als nie.

      Bzgl. Belgien als "Vorbild" hinsichtlich Rentenanpassung nach Inflationsrate: Fände ich sinnvoll. Rentenkommission auch. Gewerkschaften, SPD, Linke nicht. Überraschung.

  • Residente

    "Wenn sie bereits in der Grundschule lernen, wie schön sich die monatlichen 10 Euro vermehren, die die Bundesregierung für sie anlegt,"



    dann müssten sie ebenfalls in der Grundschule lernen, dass Geld sich nicht fortpflanzt und es so etwas wie leistungsloses Einkommen nicht gibt. Irgend jemand muss immer dafür arbeiten, auch wenn es als Rendite bei Aktionären ankommt. Man müsste den Kindern dann beibringen, dass für die Rendite ihrer Anlagen andere Menschen, im Zweifel gleichaltrige Kinder, ausgebeutet werden.

    • Ricky-13

      @Residente:

      *Irgend jemand muss immer dafür arbeiten, ...*

      Der Kabarettist Volker Pispers sagte schon vor vielen Jahren so treffend: "Geld arbeitet nicht. Versuchen Sie mal einem 50 € Schein eine Schaufel in die Hand zu drücken."

      Arbeiten müssen immer nur die kleinen Leute, die oftmals nur einen Hungerlohn bekommen, während die Aktionäre sehr gut von der Rendite leben können. So etwas hört man aber nie von unseren Regierungen - egal ob nun die CDU/CSU oder die SPD am Ruder steht.

      *... im Zweifel gleichaltrige Kinder, ausgebeutet werden.*

      "Kinderarbeit bleibt für 138 Millionen Kinder weltweit Realität. Rund 54 Millionen von ihnen gehen sogar einer gefährlichen Form von Kinderarbeit nach, die ihre Gesundheit und Sicherheit gefährden.", schreibt UNICEF.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Residente:

      Müsste man. Wird man aber mit Sicherheit nicht.

    • nihilist

      @Residente:

      Dann wär's doch gut, nicht immer nur auf der gleichen Seite dieses Ungleichgewichts zu bleiben.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @nihilist:

        Um wirklich die Seite zu wechseln, muss man mit großen Summen hantieren.

        • nihilist

          @warum_denkt_keiner_nach?:

          Es ist keine binäre Entscheidung, auf welcher Seite man steht. Auch Kapitalerträge, die an Arbeitnehmer fließen, erhöhen deren Vermögen.

    • T-Rom

      @Residente:

      Das wäre ja nur der Fall, falls die Wirtschaft ein Nullsummenspiel wäre.



      Ist aber nicht so, wenn es Wirtschaftswachstum gibt. Dann wird ja gerade durch Einsatz von Kapital Wachstum und damit grösserer Wohlstand geschaffen.



      Inflation einmal aussenvor gelassen, die führt ja zusätzlich noch zur Geld- (aber nicht zu Wohlstandsvermehrung).

      • Residente

        @T-Rom:

        Wirtschaftswachstum, selbst mehr als die 0,2%, die wir aktuell bestenfalls haben, ändert nichts daran, dass der Ertrag der Arbeit über Renditen von den Arbeitenden weg zu leistungslosen Aktionären geleitet wird. Das Wachstum und der erhöhte Wohlstand kommen also nicht bei den Menschen, die ihn erarbeitet, also verdient haben, an, sondern bei denen die reich genug sind Akkumulation zu betreiben. Das ist einer der großen Treiber der wachsenden Ungleichheit bei steigender Produktivität.

        • Weiterdenken3

          @Residente:

          so sieht's aus, Außerdem kann die Wirtschaft (und Bevölkerung) nicht unendlich weiter wachsen bei den endlichen Ressourcen der Erde.

  • ImNetz

    Nicht ist so robust wie der globale Kapitalismus. Warum sollten unsere Kinder nicht wenigstens davon profitieren? Wenn Sie mich fragen, was sicherer ist: Eine vom Staat verwaltete Rente, die auf einem Pyramidensystem aufbaut und die nicht vor Raub durch versicherungsfremde Leistungen geschützt ist oder eine Rente, die von der Wertschöpfung des globalen Kapitalismus profitiert, dann ist meine Antwort klar. Und kann man nicht einerseits die Gewinnmaximierung der globalen Unternehmen und den Profit von deren Aktionäre kritisieren und andererseits bezweifeln, dass es diesen gibt.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @ImNetz:

      "Nicht ist so robust wie der globale Kapitalismus."

      Ersetzen Sie "Kapitalismus" durch "Absolutismus" und Sie haben einen europäischen Glaubenssatz von 1788 😁

      • Machiavelli

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Der Kapitalismus ist aber deutlich älter und immer noch da. Egal ob Diktatur oder Demokratie Kapitalismus selbst der Sozialismus wandelte sich dann zum Kapitalismus zurück.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Machiavelli:

          Nach 1815 gab es auch eine Restauration.



          Und den Feudalismus gab es ca. 1000 Jahre.

  • Deep South

    Die fast phobische Abwehrhaltung gegen "den Kapitalmarkt" ist nicht nachvollziehbar. Viele Staaten, die eine vergleichbare Alterstruktur und vorbildliches Rentenniveau haben setzen in ihrem System in einer von mehrereren Säulen auf Anlagen. Die Sakndinavier, die Niederlande, die Schweiz, Kanada, alle haben das begriffen.

    Und wir reden uns die Folgen des seit Jahrzehnten absehbaren demografischen Wandels immer noch klein. Wir betreiben kurzfristige Flickschusterei, mit neuen Steuern, mit Verlängerung der Lebensarbeitszeit und wir glauben, dass uns es uns retten könnte Beamte und Selbständige einzahlen zu lassen. Nur um in paar Jahren festzustellen, dass die Gesellschaft immer noch altert.

    Wir hinken überall hinterher. Bei der Digitalisierung, bei der Transformation des Arbeitsmarktes, bei Bildung und modernen Verwaltungsstrukturen. Bei erneuerebaren Energie werden wir überholt, unsere Industrie ist kaum noch wettbewerbsfähig.

    Und der Hauptgrund ist, dass wir immer noch im Gestern leben, Angst vor der Zukunft haben und glauben alles besser zu wissen. Wir sind sind im Grunde konservativ von links bis rechts. Und das fällt uns überall auf die Füße.

    • Hans - Friedrich Bär

      @Deep South:

      "Die fast phobische Abwehrhaltung gegen "den Kapitalmarkt" ist nicht nachvollziehbar. "

      Doch, selbstsverständlich ist die Angst begründbar.

      Zwei Beispiele :

      1)



      Es ist noch nicht lange her, aber scheinbar, trotz dieser kurzen Zeit und der enormen Summen, schon wieder vergessen, dass die gesetzlichen Krankenkassen ca. 1 Mrd. € aus den Rücklagen für ihre Versicherten veruntreut haben. Triebfeder war eine Privatbank , die die von den Versicherten gewählten Aufsichtsorgane der gesetzlichen Krankenkassen außer Kraft gesetzt hat. Mit welchen Mitteln wird sich vielleicht zeigen.

      2)



      Die EnronPleite ist schon länger her (2001).

      An beiden Beispielen kann man sehen, wie schnell und wie dauerhaft die Geschädigten die "Gefährlichkeit des Kapitalmarktes" vergessen und übersehen, weil sie die Gefährlichkeit übersehen wollen.

      Das ist das psychologische daran, das Sie ansprechen. Von manchen als Angst erlebt, weil Gefahr , wenn sie z.B. aus Machtlosigkeit oder z.B. fehlenden Kenntnissen nicht bewusst zugeordnet werden kann Angst (= phobisches Erleben und Verhalten) erzeugt.

    • nihilist

      @Deep South:

      Amen!

  • uwe

    Zitat: Besser als eine Kapitalmarktschulung für Kleinkinder sind Sprachförderung und Grundschulen, die allen Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen.

    Besser? Warum als Alternative formuliert?

    • Francesco

      @uwe:

      Weil man das Geld nur einmal ausgeben kann.

    • Evi Holtendorp

      @uwe:

      Wenn unser Bundeskanzler sagt, daß wir "über unsere Verhältnisse leben", und daß wir uns dieses Sozialstaats-"System nicht mehr leisten können", muß man sich eben entscheiden, wo das zu knappe Geld hinsoll.



      Die Prioritäten der aktuellen Regierung sind klar.

      • Hans - Friedrich Bär

        @Evi Holtendorp:

        Das kann ich Ihnen ganz klar sagen : das "zu knappe Geld" wurde z.B. erst kürzlich in der höhe von 1 Mrd. von einer Gruppe ( nicht von einer Einelnen) gesetzlicher Krankenkassen veruntreut. D.H. es muss ein System der organisierten Kriminalität zu Lasten der gesetzlichen Versicherung geben. Dieses System wurde kürzlich erst aufgedeckt. Der Rechtsanwalt der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe wollte 40 Mio zurückholen, das wird absehbar schwer weil organisierte Kriminalität deswegen organisiert ist, weil sei auch Vorsorge trifft, dass sie behalten kann , was ihr eigentlich nicht gehört.

        So knapp ist das Geld, das Sie einzahlen nicht, lassen Sie sich nichts erzählen. Wenn Sie gesetzlich versichert sind gehören Sie zu den Geschädigten, kümmern Sie sich drum, dass das Geld zurückkommt.

      • rero

        @Evi Holtendorp:

        Die Prioritäten der Bundesregierung sind definitiv nicht bei den Grundschulen.

        Die sind nämlich Ländersache.

        Da muss sich eher die neue Berliner Landesregierung "entscheiden, wo das zu knappe Geld hinsoll."

        Ob in die Grundschulen, um den Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.

        Ober ob es in die Vergesellschaftung fließen soll.

        Vermutlich werden die meisten Wähler erwarten, dass beides geht.

  • uwe

    Zitat "die es auch ohne den Staat könnten. "

    Das "könnten" ist das Schlüsselwort.



    Denn "die" tun es ja nicht bzw. viel zu wenig.

    Angesicht der vielen Milliarden, die spätestens nach Steuern unter Inflationsrate rentieren, tut etwas gelebte Finanzbildung Not. Somit ein Schritt in die richtige Richtung.

  • UB Setala

    Ich halte allgemein nichts von Aktien & Co. Es wird also die große Freiheit angepriesen, tatsächlich ist man aber zu 200% davon abhängig, dass andere keinen Schmuh betreiben.



    Ich halte nichts davon Unternehmen zu viel Einfluss zu geben.

    • uwe

      @UB Setala:

      "tatsächlich ist man aber zu 200% davon abhängig, dass andere keinen Schmuh betreiben."

      100%. Die gesetzliche Umlagerente und die anderen Sozialsysteme sind massiv von den Taten unserer Politiker abhängig. Die Paniktöne in letzter Zeit sind ein starker Indikator für viel Schmuh.

      Bzgl. Einfluß einzelner Unternehmen auf den Anlageerfolg empfehle ich ETFs als Anlageform. Gerne als ETF-Mischung von Aktien- und Zinsanlage. Da hat das Minderperformerunternehmen nicht so viel Einfluß. Der Hochperformer allerdings auch nicht. Dafür billich und immer noch Ertrag über Inflation.

    • Jens Köster

      @UB Setala:

      Wenn man selber nichts investiert und Risiken eingeht, warum sollten Andere das für einen tun?

      • nihilist

        @Jens Köster:

        Weil die Anderen sonst am Ende mitbezahlen, wenn das weginflationierte Sparbuch nicht fürs Pflegeheim ausreicht.

      • Comerade Aardvark

        @Jens Köster:

        "Solidarität".

        • Jens Köster

          @Comerade Aardvark:

          Was Sie meinen ist Mildtätigkeit.



          Solidarität ist etwas komplett anderes, denn es fußt auf Gegenseitigkeit: Beide gehen Risiken ein und strengen sich an. Sollte einer runterfallen, hilft ihm der andere.



          Wenn jemand also nichts riskiert und sich nicht anstrengt, und dennoch Hilfe erwartet, dann hofft er auf Mildtätigkeit.

      • makei1200

        @Jens Köster:

        Ich würde hier nicht das Wort "investieren" benutzen. Investieren bedeutet Geldvermögen in Sachvermögen zu überführen, um die Produktion zu erhöhen.

        Ich würde es "Umbuchung" nennen. Sie können mir, glaube ich, niemals ausrechnen, wieviel ihr Sparen die Produktion erhöht, zumal die Produktion sehr viel weniger wächst als die Renditen.

        Ich denke, sie werden damit die Staatsverschuldung in die höhe treiben. Sie Sparen (konsumieren weniger als das was produziert wird) und die daraus entstehende Nachfragelücke muss jemand schließen, sonst sinkt die Produktion. Das wird dann wohl der Staat sein müssen.

        • Jens Köster

          @makei1200:

          Sparen und Investieren sind unterschiedliche Dinge. Beim Sparen legt man Geld zurück, anstatt es auszugeben. Indem man es der Bank leiht, erhält man eine kleine, sichere Verzinsung, wenn man Glück hat, in Höhe der Inflation.



          Wenn man investiert, kauft man Anteile einer Firma, die mit einem Geschäftsmodell versucht, Gewinne zu erwirtschaften. Mit höherem Risiko, aber auch höherem Ertrag. Breit angelegt, definitiv besser als Sparen.

  • Jens Köster

    Es wird so viel Geld für Konsum über die Sozialkassen rausgespült. Da finde ich es eine gute Idee, Kindern zu zeigen, wie man investiert. Der Autor hat natürlich sehr recht, dass Bildung für ein gutes Auskommen unerlässlich ist. Finanzbildung gehört meiner Meinung nach aber auch dazu und wird bisher komplett vernachlässigt. Und ein gutes Arbeitseinkommen ist noch keine Garantie für Wohlstand im Alter. Mit hohem Einkommen wird man leicht für einen Reichen gehalten, ergo durch Steuern und Abgaben geschöpft, so daß man gar nicht erst reich werden kann. Hat man neben einem hohen Einkommen mehrere Kinder, ist es mit Wohlstand im Alter nichts, wenn man das bisschen was zum Sparen bleibt, falsch anlegt.

    • Francesco

      @Jens Köster:

      Diese sogenannte Finanzbildung blendet aber die Volkswirtschaft völlig aus.

    • Aurego

      @Jens Köster:

      Ohne ein gutes Arbeitseinkommen kann man auch mit Finanzbildung aus eigener Kraft kein Vermögen aufbauen. Darauf, reich zu heiraten oder ein Vermögen zu erben, sollte man sich nicht verlassen. Dass man durch Steuern und Abgaben so geschröpft werde, dass man kein Vermögen aufbauen könne, ist natürlich Unsinn. Natürlich geht das, wenn man ein ausreichend hohes Arbeitseinkommen hat. So ab 100.000€ Jahreseinkommen bleibt auf jeden Fall genug zum Sparen übrig, auch mit Kindern, für die man auf jeden Fall bei Geburt ein Depot anlegen sollte, in dem ein oder zwei hochwertige ETF-Sparpläne z. B. mit 10% des Kindergeldes bespart werden.

  • Frauke Z

    Stellen wir die Sache vom Kopf auf die Füße:



    - Wer sich selbst keine Vorsorge leisten kann, hat oft Berührungsängste mit Finanzprodukten. Dieses Programm baut die Scham ab. Es wird dann normal sein, so ein Konto zu haben.



    - Private Beiträge sind laut Entwurf keine Voraussetzung für die Förderung. Nur muss man sich bis Alter 35 für eine Anlage entscheiden. Eine minimale Mitwirkung, die absolut sinnvoll ist.



    - Alter 65 ist zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze - also genau das Alter, für das laut Rentenkommission der früheste Bezug gesetzlicher Rente ohne Sondervoraussetzungen möglich sein soll. Nichts ungewöhnliches also.



    - Der Autor möge sich entscheiden: Wenn die private Aufstockung unattraktiv ist und wenig genutzt wird, dann kann es auch keine relevante Förderung von Besserverdienenden sein. Die Vorwürfe entkräften sich gegenseitig.



    - Ja, die Finanzwirtschaft wird ein solches Programm freuen. Die Alternative wäre Verwaltung durch von der Regierung bestimmte Beamte - das kann keiner wollen.



    Wo ich dem Autor Recht geben: Nicht alles ist ausgegoren, und es gäbe sicher wichtigere Projekte. Dennoch ist das auf die letzten Jahre gesehen ungewöhnlich sinnvolles Vorhaben.

    • Herma Huhn

      @Frauke Z:

      "die Alternative wäre die Verwaltung durch von der Regierung bestimmte Beamte"



      Falsch.



      Sie starten mit der Prämisse, dass Geldanlagen im Kapitalmarkt notwendige Bedingung für eine funktionierende Rente sind. Das sind sie nicht.



      Der Kapitalmarkt bringt nur so lange Rendite, solange die Wirtschaft floriert. Und wenn die Wirtschaft floriert, dann kann auch eine umlagefinanzierte Rente, wie wir sie seit Jahrzehnten haben, gut funktionieren.



      Beide Systeme sind also im Grunde gleichwertig, solnage man nur darauf schaut, ob es funktionieren kann.



      Bei der Kapitalmarktrente gibt es zwingend aber auch wertschöpfende Dritte, durch welche das Verhältnis zwischen eingezahlten Beiträgen und ausgezahlten Renten zwingend leiden wird.

      • Machiavelli

        @Herma Huhn:

        Bei der gesetzlichen Rente sind sie von einer florierenden Wirtschaft in Deutschland abhängig. Bei Aktien kann die Wirtschaft auch woanders wachsen. Das macht es wesentlich sicherer.

      • Jens Köster

        @Herma Huhn:

        Die Systeme unterscheidet, dass man bei der gesetzlichen Rente von der künftigen deutschen Wirtschaftsleistung abhängig ist und dabei zusätzlich vom Einkommen von Arbeitnehmern. Beides kann man am Finanzmarkt umgehen. Für eine Gesellschaft, die kaum in die künftige Volkswirtschaft investiert, weil sie zu wenig Kinder zeugt und noch weniger Kinder zu Trägern der Gesellschaft ausbildet, ist es nur logisch und sogar notwendig, Altereinnahmen zu generieren, die nicht auf dem Einkommen von Arbeitnehmern basieren. Da unsere Volkswirtschaft schrumpfen wird, kann man zudem in fremde Volkswirtschaften investieren, um im Alter leben zu können.

        • Francesco

          @Jens Köster:

          Wer soll denn bei der Finanzwirtschaft die Einnahmen generieren, wenn nicht zukünftige Arbeitnehmer?

          • Jens Köster

            @Francesco:

            Arbeitnehmer anderswo als in Deutschland, Gewinne aus automatisierte Prozessen, Wertsteigerungen von Gütern,...

      • Jens Köster

        @Herma Huhn:

        Die Systeme unterscheidet, dass man bei der gesetzlichen Rente von der künftigen deutschen Wirtschaftsleistung abhängig ist und dabei zusätzlich vom Einkommen von Arbeitnehmern. Beides kann man am Finanzmarkt umgehen. Für eine Gesellschaft, die kaum in die künftige Volkswirtschaft investiert, weil sie zu wenig Kinder zeugt und noch weniger Kinder zu Trägern der Gesellschaft ausbildet, ist es nur logisch und sogar notwendig, Altereinnahmen zu generieren, die nicht auf dem Einkommen von Arbeitnehmern basieren. Da unsere Volkswirtschaft schrumpfen wird, kann man zudem in fremde Volkswirtschaften investieren, um im Alter leben zu können.

        • Herma Huhn

          @Jens Köster:

          Mit Ihrer Logik wäre es ja sogar sinnvoll, die deutsche Wirtschaft den Bach runtergehen zu lassen, in der Hoffnung, dass die negative Lohnentwicklung die Inflation aufhalten wird.



          Je größer der Unterschied zwischen Weltwirtschaft und nationaler Wirtschaft, desto erfolgreicher das Anlageprodukt, das sich auf die Weltwirtschaft konzentriert.



          (Achja: niedrige Geburtenrate kann man durch Einwanderung kompensieren)

      • Aurego

        @Herma Huhn:

        Die jährliche Anstieg des Dow Jones 30 lag in den letzten 110 Jahren bei ca. 6-7%. Auf meinen eigenen Depots erreiche ich in den letzten Jahren jährliche Steigerungen von über 10%. Ich kenne auch wertstabile Papiere mit mehr als 6% Dividendenrendite nach Steuern. Klar ist, dass solche Renditen mit einer umlagefinanzierten Altersrente bei schrumpfender Bevölkerung nicht zu erreichen ist. Sollte jedoch die Wirtschaft so stark einbrechen, dass wir über längere Zeit Negativrenditen bekommen, ist die Art der Geldanlage egal. Dann helfen nur noch reale Werte wie Rohstoffe, Grundstücke und Ackerflächen. Wir sollten, um das zu verhindern, Kriege vermeiden.

        • Herma Huhn

          @Aurego:

          Sie gehen jetzt vermutlich davon aus, dass die Steigerung der ausgezahlten Rente in etwa der Inflationsrate entspricht. Da würden 6-7% Rendite tatsächlich drüberliegen.



          Individuell ist es damit für jemanden, der es sich leisten kann, tatsächlich besser, auf Renditebasierte Anlageprodukte zu setzen, statt die gesetzliche Rente zu stärken.



          Maßnahmen der Regierung betrachten aber nicht das Individuum, sondern das ganze Land. Und hier dreht sich das Bild eben.



          Gesetzliche Rente reicht auch für diejenigen, die 120 werden, sie reicht für diejenigen, die ihr Leben lang Mindestlohn bekommen haben, sie funktioniert mit denen, die Lückenhaft einbezahlen. Sie ist auch dann sicher, wenn ein Trickbetrüger Sie an einem schlechten Tag am Telefon erwischt und sie läst Sie nicht im Regen stehen, wenn in dem Jahr, in dem Sie ihren Renteneintritt geplant haben, ein singuläres Ereignis ihre Pläne über den Haufen wirft. Und für den Staat ist diese Form der Altersvorsorge billiger als Sozialhilfe für alle, bei denen die Rechnung halt nicht aufgegangen ist, aus welchen Gründen auch immer.

          • Aurego

            @Herma Huhn:

            O.k., ich ersehe Ihrem Beitrag, dass Sie selbst eine auskömmliche private Vorsorge noch nicht mit Hilfe von z. B. Excel-Tabellen modelliert haben. Das sollten Sie jedoch tun, um zu verstehen, warum eine kapitalgestützte private Vorsorge keine schlechte Sache ist.



            Das Problem der gesetzlichen Rente ist, dass sie ganz einfach zu niedrig ist und einige Berufsgruppen nichts einzahlen, weil sie z. B. über private Vorsorgeinstitutionen (vulgo "Versorgungswerke") verfügen. Jetzt wissen wir aufgrund einiger Skandälchen um verzocktes Geld, dass diese Versorgungswerke ihr Geld durchaus in renditeträchtige Anlageformen (Aktien, Immobilien etc.) stecken und damit durchaus erfolgreich sind.



            Was spräche also dagegen, einen Teil der Altersvorsorge institutionell ähnlich anzulegen wie z. B. der norwegische Staatsfonds? Gut, als Deutschland werden wir nicht wie Norwegen schaffen, pro Bürger eine Summe von ca. 390.000€ an den weltweiten Börsen anzulegen, denn das wären in der Summe ja etwas mehr als 32 Billionen Euro, aber vielleicht sollten wir das Konzept mal mit einer oder zwei Billionen Euro austesten.

            • Herma Huhn

              @Aurego:

              Ich habe doch zugestimmt, dass es für den Einzelnen durchaus sinnvoll wäre, Geld anzulegen.



              Ich habe allerdings auch darauf hingewiesen, dass es Menschen gibt, die schlicht nicht genug Geld übrig haben, um genau dies zu tun. (Nein, auch nicht, wenn es die gesetzliche Rente nicht gäbe)



              Für den Staat ergibt es aber schlicht keinen Sinn, die Einnahmen von heute erstmal 50 Jahre anzulegen, weil dann für die Ausgaben von heute kein Geld da wäre.



              Norwegen hat mit Einführung der Sozialversicherung einen Fonds angelegt, der Überschüsse auffangen soll. Zusätzliche Überschüsse entstanden durch Ölverkäufe. Beides ist in Deutschland nicht vorhanden.



              Es ist unmöglich eine defizitär finanzierte Versicherung in ein Fondssystem zu überführen.

              Übrigens: Die Skandale über verzockte Beitragsgelder sprechen eigentlich gerade gegen eine renditeträchtige Anlage von Altersvorsorgevermögen.

          • nihilist

            @Herma Huhn:

            Das alles funktioniert, weil die gesetzliche Rente am Ende der Steuerzahler und mittelbar der, bei dem gekürzt wird, garantiert. Jedes Jahr fließt ein Drittel des Bundeshaushalts als Zuschuss da rein, ums Zigfache mehr als für die Frühstartdepots geplant sind.

            Es ist keine Alchemie, Renten zu sichern, wenn man dafür alle anderen ausquetscht.

        • Francesco

          @Aurego:

          Diese Renditen sind nurcdurch Ausbeutung zu erreichen. Oder wer erarbeitet diese?

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Aurego:

          Da er mehrmals erwähnt wird. Den Dow Jones 30 gibt es in dieser Form seit Oktober 1928. Wie kann man da Werte der letzten 110 Jahre berechnen?

          • Aurego

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Bei macrotrends findet man die Daten bis Dezember 1914. Natürlich kann man das ausrechnen. Das Jahr 1928 ist für Vergleiche nicht sehr repräsentativ.

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @Aurego:

              In meinem Fachgebiet kann ich auch den Strombedarf von Rom im Jahr 100 ausrechnen. Das wäre aber unseriös.



              Genau so unseriös ist es, theoretische Indexe vor ihrer Existenz zu berechnen.

              Leider sind solche Methoden in der Werbung erlaubt.

          • TheBox

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Die Komponenten des Dow Jones sind ja nicht willkürlich gewählt, sondern er setzt sich nach einer bekannten Formel aus den größten Firmen des Wirtschaftsraums zusammen. Natürlich kann man durch Zugriff auf die historischen Wirtschaftsdaten auch rückwärts über den Starttermin hinaus zurückrechnen, wie er ausgesehen hätte und was sein Stand gewesen wäre, wenn er schon existiert hätte.

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @TheBox:

              "Natürlich kann man durch Zugriff auf die historischen Wirtschaftsdaten auch rückwärts über den Starttermin hinaus zurückrechnen, wie er ausgesehen hätte und was sein Stand gewesen wäre, wenn er schon existiert hätte."

              Nein. Es ist unseriös, solche Rechnungen anzustellen. Überhaupt sind solche Betrachtungen mit Vorsicht zu genießen. Im Vorliegenden Fall nimmt man die Aktien eines Landes und einen Zeitraum, der zum größten Teil den Aufstieg des Landes zur Weltmacht umfasst. Ja. Da steigen auch die Aktien.

              Das ganze Vorgehen illustriert aber die Methoden der Finanzwirtschaft. Mit zielgenau ausgesuchten und frisierten Daten auf Kundengang zu gehen.

            • Comerade Aardvark

              @TheBox:

              Richtig. Dennoch würde ich den DJIA nicht als Referenzindex nutzen (ebenso wenig Dax30), wegen fehlender Breite und den Folgeeffekten daraus.

              • Aurego

                @Comerade Aardvark:

                Die "fehlende Breite" ist völlig egal. Sie können ja einmal S&P 500 mit DJ 30 und Nasdaq 100 seit 2013 vergleichen. Sie werden erstaunt feststellen, dass der Verlauf aller drei Indizes sehr ähnlich ist und sich diese Indizes fast nur in der Steigung unterscheiden.



                Wenn Sie besonders mutig sind, beziehen Sie auch den DAX in diesen Vergleich ein. Sie stellen dann fest, dass der DAX von Ende 2017 bis Ende 2019 deutlich nach unten abgesackt ist. Wer war da wohl an der Regierung?

  • Aurego

    Die Frühstartrente ist sogar sehr gut!

    Allerdings hätte die Bundesregierung sich von Experten etwas besser beraten lassen sollen.

    Würde man nämlich dieselben 10€ ab Geburt und nicht erst ab dem 6. Geburtstag 12 Jahre lang ansparen und das Kapital bei 7% Zinsen liegenlassen, kämen zum 65. Geburtstag ca. 30.000€ mehr heraus.

    Noch besser: würde man 10% des Kindergeldes (25,90€) ab Geburt 25 Jahre lang ansparen und das Kapital bei 7% jährlicher Wertsteigerung liegenlassen, hätte man am 65. Geburtstag mehr als 300.000€.

    Das Wichtige ist also, möglichst früh mit der Geldanlage zu beginnen, am besten sofort nach Geburt des Nachwuchses. Der ETF-Sparplan sollte das neue Sparbuch sein.

    Der Wertzuwachs von 7% pro Jahr ist durchaus plausibel und entspricht ungefähr dem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs des Dow Jones 30 über die letzten 110 Jahre.

    • sailaway

      @Aurego:

      Ein Durchschnitt von 7 % kann nur leider auch bedeutet, dass der Markt genau zum 65. Geburtstag einbricht (man denke nur mal an Corona mit knapp 30% Einbruch zum Peak). Das sog. Sequence-of-Return-Risiko.

      Dazu kommt noch 25 % Kapitalertragssteuer plus der Kaufkraftverlust durch Inflation.

      • Aurego

        @sailaway:

        Ein Durchschnitt von 7% bedeutet, dass sich das Kapital ungefähr alle 10 Jahre fast verdoppelt. Nach 40 Jahren hat sich das Kapital rein rechnerisch ungefähr verfünfzehnfacht. Wenn die Börsenkurse dann plötzlich um 50% einbrechen und Sie genau in diesem Moment alles verkaufen müssen, haben Sie noch ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 5,16%. Nach Abgeltungssteuer, Soli und Kirchensteuer wären es immer noch 4,3%. Sie lägen damit höchstwahrscheinlich weit über der durchschnittlichen Inflationsrate und möglicherweise über dem durchschnittlichen jährlichen Anstieg der gesetzlichen Rente.

      • TheBox

        @sailaway:

        Und genau deshalb ist es eine vernünftige Strategie, mit dem Näherkommen des 65ten gleitend immer weniger Aktien und immer mehr Zinsanlagen zu halten. Meine private Rentenversicherung macht das so.

        • Aurego

          @TheBox:

          Nein, es ist rein rechnerisch relativ egal, ob Sie regelmäßig Anteile verkaufen (der Rest steigt ja weiter) oder Ausschüttungen / Dividenden kassieren.



          Wichtig ist nur, so früh wie möglich mit der Geldanlage zu beginnen.

        • sailaway

          @TheBox:

          Da geh ich vollkommen mit. Ist aber auch wieder ein Argument mehr das gegen die Frühstartrente spricht.

          • Aurego

            @sailaway:

            Nein, es spricht eher für die Frühstartrente.

          • nihilist

            @sailaway:

            Warum? Es wird doch niemandem verboten, das Depot entsprechend zu managen.