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Ungleichheit im GesundheitssystemPa­ti­en­t*in dritter Klasse

Zahlst du schon, oder wartest du noch? Warum die Terminvergabe für gesetzlich Versicherte künftig noch ungerechter zu werden droht.

Seit dem 1. Oktober ist die Gemeinschaftspraxis, in der Verena Trumm arbeitet, nicht mehr die, die sie vorher war. Trumm ist Radiologin in Nordrhein-Westfalen. Ihr Name ist ein Pseudonym, weil sie als angestellte Ärztin negative Konsequenzen befürchtet.

Bis Ende September stand ihre Praxis täglich von 7 bis 19 Uhr auch für gesetzlich Versicherte offen. Aber nun seien die Termine ab 13 Uhr für Privatversicherte und Selbst­zah­le­r*in­nen reserviert. Selbst­zah­le­r*in­nen meint hier gesetzlich Versicherte, die Leistungen des Gesundheitssystems aus eigener Tasche bezahlen.

Erst jüngst kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das Nebeneinander von besser versorgten Pri­vat­pa­ti­en­t*in­nen und gesetzlich Versicherten, die teils monatelang auf Termine warten, als ungerecht. Das im Sommer verabschiedete Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist nun aber offenbar Anlass für eine weitere Verschärfung dieser Zweiklassenmedizin. Die niedergelassenen Kas­sen­ärz­t*in­nen fürchten deutliche Verluste, weil unter anderem Sondervergütungen für Dringlichkeitstermine und offene Sprechstunden wegfallen.

Ihre Vertretung, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), hat unmittelbar nach Verabschiedung des Sparpakets eine Information für die Praxen veröffentlicht. Darin finden sich Empfehlungen, wie sie ihre Strukturen an die „gesetzlich herbeigeführten betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten“ anpassen und künftig mehr Selbstzahlerleistungen erbringen könnten.

Tipps für mehr Selbstzahlerleistungen

Neu ist es nicht, dass gesetzlich Versicherte Leistungen von Kas­sen­ärz­t*in­nen privat bezahlen. Bisher konzentrierte sich dies aber auf Behandlungen außerhalb des Leistungskatalogs der Krankenkassen (sogenannte Igel-Leistungen). Darüber hinaus sind die gesetzlichen Regelungen streng.

Das Bundesgesundheitsministerium betont in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage aus dem Juli, dass „jede Beeinflussung von Versicherten mit dem Ziel, diese zum Verzicht auf die ihnen zustehende Leistung der GKV und zur Inanspruchnahme einer privatärztlichen Leistung zu bewegen, einen Verstoß gegen die vertragsärztlichen Pflichten darstellt“.

Eine solche „unzulässige Beeinflussung“ liege auch dann vor, wenn die Vergabe eines zeitnahen Termins von der Inanspruchnahme einer Selbstzahlersprechstunde abhängig gemacht werde. Verantwortlich für die Kontrolle und Ahndung solcher Verstöße seien die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Doch genau deren Dachverband, die KBV, gibt nun Tipps, wie trotzdem Selbstzahlerleistungen unter die Leute gebracht werden können: Sprechzeiten für gesetzlich Versicherte ließen sich auf das für den Kassensitz nötige Mindestmaß begrenzen, ansonsten könnten separate Privatsprechstunden angeboten werden.

Durch die Nutzung von Onlineterminportalen, auf denen gesetzlich Versicherte „eigeninitiativ“ Selbstzahlertermine buchten, könne der Verdacht der Beeinflussung vermieden werden. Und die für die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen nötige Genehmigung etwa für MRT-Geräte müsse ja nicht eingeholt oder erneuert werden. Dann steht diese Leistung nur noch Privatversicherten oder Selbstzahlenden offen.

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Die KBV äußert sich nur sehr knapp auf die Nachfrage, inwiefern sie eine Zunahme solcher Selbstzahlerleistungen beobachte, selbst empfehle und für bedenklich halte. Dies suggeriere etwas, „das wir weder bestätigen können und erst recht nicht so sehen“, so ein Sprecher. Und weiter: „Wir decken den vertragsärztlichen Bereich ab, Selbstzahlerleistungen werden bei uns nicht verzeichnet.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Janosch ­Dahmen, zeigt sich alarmiert: Die stark wachsende Verschiebung zur Selbstzahlermedizin „kommt einer Erosion des Systems der kassenärztlichen Medizin gleich“. Dies passiere vor dem Hintergrund der Verknappung von Arzt- und vor allem Facharztterminen.

Das bestätigt auch Radiologin Verena Trumm, deren Praxis ihr System bereits umgestellt hat. „Die Selbstzahler werden kommen, wir hatten ja schon vorher immer Anfragen.“ Auch auf den Onlineterminportalen erscheint die Kategorie Selbstzahler inzwischen ganz selbstverständlich neben privat und gesetzlich versichert.

Die, die es sich nicht leisten können, für eine zeitnahe MRT-Untersuchung, eine Magenspiegelung oder einen Hautarzttermin zu zahlen, würden zu Pa­ti­en­t*in­nen dritter Klasse. „Ich hoffe“, sagt Trumm, „dass diese soziale Ungerechtigkeit nicht einfach still ertragen wird.“

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54 Kommentare

  • Gerhard Krause

    Beim Radiologen läuft's, soviel ist sicher. Naja, wie dem auch sei, nun werden jedenfalls die üblichen Sau-Schweinderls durchs Dorf getrieben. Weil wir denken, wir sind auf die Eigentümer angewiesen, trauen wir uns nicht, diese auf politischem Wege so zu verurteilen, wie es angemessen wäre. Bei Ärzten befinden wir uns einem ähnlichen Stockholm-Syndrom. Anstatt die zu kritisieren, denen wir die Ausbildung bezahlt haben, nehmen wir sie womöglich noch in Schutz. Es ist weder Zauberei, noch anderweitig unmöglich, Gerechtigkeit in der Gesundheitsversorgung herzustellen, ohne Wut auf Privatversicherungen zu konzentrieren. Jedoch Hauptsache beim "Ausländer" und "Regieren im Heizungskeller" bekommen wir den Stoff, den wir brauchen. Applaus.

    • Altlinker_Realo

      @Gerhard Krause:

      Da „Ausländer“ einen überproportionalen Anteil der Bürgergeld-Empfänger darstellen, und deren medizinische Kosten - ca. 12 Milliarden Euro/Jahr - absurderweise von den GKV-Versicherten mitbezahlt werden, ist Unmut an dieser Stelle mehr als berechtigt.

      Das ist lächerlich.

      Wenn Sie eine Haftpflichtversicherung bei der Allianz haben, und Ihr Nachbarn fährt bei der Schwiegermutter durch Vorgarten und ruiniert diesen - zahlen Sie dann mit Ihren Beiträgen an die Allianz den Schaden Ihres Nachbarn?



      Natürlich nicht!

      Es ist eine absolute Dreistigkeit, dass GKV-Versicherte mit ihren Versicherungsbeiträgen auch Leistungen bezahlen für Menschen, die selber niemals in diese Versicherung eingezahlt haben.

      Das ist Aufgabe des Bundes aus Steuermitteln, aber nicht der GKV Patienten.

  • Eva37

    Ärzte verdienen zu viel.

    • Janix

      @Eva37:

      Pharma- und Geräte-Vertreterinnen vielleicht als erste nennen.

      Arzt/Ärztin ist ein verdienstvoller Beruf. Wer das Glück hat, nicht nur Bürokratie machen zu müssen, wird Erfüllung und Wirksamkeit finden können und Nutzen stiften.



      Krankenpflege ist übrigens auch ein verdienstvoller Beruf.

      Geld ist nicht das einzig Wichtige, auch wenn manche uns das einreden sollen. Fair darf es dennoch zugehen. Wobei eine angemessene Besteuerung auch eine Lösung ist und eben auch die oben genannten "Tätigkeiten" beträfe.

    • Machiavelli

      @Eva37:

      Sie können gerne für niedrigere Ärzte Gehälter eintreten nicht wundern wenn die sich jedoch vom acker machen.

      • T-Rom

        @Machiavelli:

        Wenn es denn so viele Länder gibt, wo noch Ärzte gesucht werden und diese dort auch noch mehr verdienen als hier....



        Das Problem vieler Ärzte ist nicht die Vergütung. Das Problem ist Bürokratie und überlaufene Praxen, zB weil bei jedem Atemwegsinfekt eine AU hermuss.

  • Michael Fischer

    es wurde in unzahlichen Aufsätze und Talkshows die Thematik gedreht und gewendet bis zum "geht nicht mehr". Geld ist im europäischen Vergleich genug vorhanden, sofern man das Sparpotential nutzt. Tatsache ist, dass unsere Bevölkerung, besonders die Älteren ein Teil ihrer Zeit in den Wartezimmern verbringt. Auch hier sehr viel häufiger wie in anderen Ländern.



    Die Komödie " der eingebildete Kranke" ist unverändert aktuell.



    Mehr Eigenverantwortung, ansonsten laufen wir auf die Unfinanzierbarkeit zu.

    • Gerhard Krause

      @Michael Fischer:

      Bei 12 Billionen Euro Barvermögen in Deutschland bei den Privaten eine steile These.

  • AuchNeMeinung

    Ein Ärzteehepar aus unserem Bekanntenkreis mit eigener Praxis im Speckgürtel einer deutschen Großstadt hat vor zwei Jahren ihre Kassenzulassung zurückgegeben und sich verkleinert. Bietet jetzt nur noch private bzw Selbstzahler Behandlung an.



    Der Mann hat in die Pharmaindustrie gewechselt und seine Frau führt mit zwei Mitarbeitern die Praxis alleine weiter.

    Der Grund für diesen drastischen Schritt waren die Schließungen zweier Hausarztpraxen im Umkreis und damit verbunden ein erheblicher zusätzlicher Andrang neuer Patienten.



    Der Druck diese Aufzunehmen war von Seiten der Politik, der Verbände und der Kassen enorm.



    Die Praxis hätte erweitert werden müssen und auch sonst viel investiert werden müssen.



    Die GKV hätte dabei nur ein Bruchteil mehr vergütet mit dem Verweis auf Deckelungen.

    Also der Schritt, Praxis verkleinern incl drei Teilzeitkräften.



    In der Summe hat sich es finanziell und vor allem zeitlich gelohnt.



    Zwischenzeitlich kommen wohl auch immer mehr Kassenpatienten da die gesamtversorgung nun sehr schlecht ist.

    • Janix

      @AuchNeMeinung:

      Ist diese Deckelung denn noch so? Kann eine Praxis gar nicht abweisen? Haben Ärzte nach ihrem staatlich bezahlten sehr teuren Studium nicht auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber?

      Es ist eher die Kombination aus wuchernder Misstrauens-Bürokratie und Arzt-Ärztin-Sozialinzest - da hält eben niemand mehr mit einem anderen Stundenlohn mehr dem Arzt, der Ärztin den Rücken frei.

      • Hans Dampf

        @Janix:

        " Haben Ärzte nach ihrem staatlich bezahlten sehr teuren Studium nicht auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber?"



        Hätten ihrer Aussage folgend dann nicht alle Studierten Berufe nicht auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber?"



        Der Architekt, der bei Familien weniger berechnet, der Ingenieur der für öffentliche Aufträge weniger berechnet, ...

        • Janix

          @Hans Dampf:

          Verschiedene Studiengänge kosten sehr verschieden. Die Germanistin braucht ein Promille einer Bibliothek. Die Kosten eines Arztstudiums m/w/d für die öffentliche Hand können Sie selbst mal in einer ruhigen Minute recherchieren.



          Eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft haben wir ansonsten alle, Sie, ich, Familie Eichhörnchen. Legal hierbei kaum.



          Doch damit zurück zu meinen Thesen. Natürlich geht eine Praxis. Um es Mediziners aber leichter zu machen, sollte wohl zuerst Privat-Gesetzlich abgelöst werden, denn eine Praxis ist derzeit auf Privat angewiesen, was eine m.E. perverse Fehlsteuerung im System ist. Die Reichen genau herausnehmen, wer kommt auf solche Ideen?

  • Altlinker_Realo

    Das Problem ist auch ganz einfach: man hat zugelassen, das rein Investor-getriebene Konstrukte wie MVZ das System - zu Lasten der meisten Ärzte und Patienten! - ausbluten!

    Ich kenne viele Fälle, in denen sind MVZs reine Gelddruck-Maschinen, weil dort zB entgegen der Bedarfsplanung fachfremde Ärzte auf Sitzen angestellt werden - oft sogar ohne, dass sie physisch an dem gemeldeten Ort uberhaupt KV-ärztlich arbeiten - um dann über hohe Labor-Umsätze im Unternehmen angegliederte Gross-Labore mit Umsatz zu füttern.

    Ein völlig pervertiertes System, wo dann natürlich auch eine Menge Leute von den KV Beiträgen der Patienten bezahlt werden, die aber 0,0 für die Gesundheitsversorgung eine Relevanz haben.



    Irgendwelche Geschäftsführer, Marketing-Heinis und sonstige.

    Die Ärzte haben leider im Gegensatz zu Anwälten und Notaren zugelassen, dass „fremde“ Kassensitze erwerben können und dann Ärzte darauf anstellen.

    An sich war das nie so gedacht!

    KV-Sitz = Niederlassung desjenigen Arztes der diesen Sitz bekleidet.

    Absurd ist das geworden. Dass man ferner 12 Mrd. € Kosten für Bürgergeld-Empfänger den GKV-Patienten auflastet, ist eine weitere dreiste Frechheit.

  • Machiavelli

    Man könnte einfach sagen, jeder Arzt wird für die erbrachte Leistung bezahlt. Patienten gehen in Vorkasse und kriegen das Geld von der GKV zurück. Wenn Ärzte sicher ihr Geld kriegen, vergeben die auch Termine.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Machiavelli:

      "Patienten gehen in Vorkasse und kriegen das Geld von der GKV zurück."

      Große Teile der Bevölkerung können das schlicht nicht. Oder welche Vorstellung haben Sie vom Mindestlohn?

      • Machiavelli

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Funktioniert in Holland auch. Solidarität zügig läuft kein Problem.

    • marilyn.hanson

      @Machiavelli:

      Ich gebe zu: interessant. Würde wieder Bewusstsein & einen gewissen Respekt für viele Arztleistungen befördern -& vielleicht übertrieben schlechte Preis-Leistungs-Gefälle auch ein Stück weit durch Transparenz via Rechnung skandalisierbar machen.



      Ob man dann aber ewig mit der GKV ringen muss, am besten als chronisch Kranker gegen deren Buchhaltung und Anwält*innen, um das Geld auch wirklich wieder erstattet zu bekommen - so wie in den USA oft? Bisher läuft es immerhin für tatsächlich erbrachte GKV-Leistungen ziemlich reibungslos. Wenn die denn halbwegs zeitnah überhaupt erbracht werden ... mich nervt es als angestellter Arzt im Krankenhaus, der freiwillig mehr als 1000 Euro monatlich in die GKV einzahlt, jedenfalls kolossal, dass ich seit Monaten auf einen Hautarzttermin warten muss, sodass die hausärztliche Überweisung immer wieder erneuert werden muss. Für sowas hab ich eigentlich keine Zeit, dann sieht meine Haut mit Schuppenflechte halt scheiße aus. Tolles System.



      Über Zahnarzt-Kostenvoranschläge für eine nach 35 Jahren abgebrochene Krone eines Schneidezahns (damals Unfallfolge) würde ich lieber schweigen: mittlerer 4stelliger Bereich. Sieht mein Mund dann halt auch scheiße aus.

    • Astrid Sehnefeld

      @Machiavelli:

      Das wäre ja Kapitalismus - Leistung gegen Bezahlung... Wo kämen wir denn da hin 🤭

  • Minderleister

    Bei meinem alten Hausarzt ist der Katalog der kostenpflichtigen IGe-Leistungen im Laufe der Zeit ständig gewachsen, darunter nicht nur „alternativmedizinische“ Therapien wie Kinesio-Taping. Auch einen Langzeitblutzuckertest (HbA1c) sollte ich selbst bezahlen. Bei meinem neuen Hausarzt war der Bestandteil des von der Kasse übernommenen allgemeinen Blutbildes, welches ich einmal pro Jahr machen lasse.

    #

    Als ich meinem neuen Hausarzt davon erzählt habe, meinte der: „Das kann man natürlich nicht alle drei Monate machen, dann würde es die Kasse nicht mehr bezahlen“, aber davon war auch nie die Rede gewesen. Es hängt also anscheinend auch davon ab, mit welchem Arzt man es zu tun hat.

  • Agarack

    Das ist eben das, was passiert, wenn man das Gesundheitsministerium mit Personen besetzt, die nichts von der Materie verstehen. Das weitere Kürzungen bei Maßnahmen, die hauptsächlich Kassenpatient*innen zugute kommen, zu deren Schlechterstellung führt, war doch absehbar. Und wenn man den ökonomischen Druck auf Arztpraxen immer weiter erhöht, dann werden irgendwann Leistungen immer weiter priorisiert, die sich rechnen. Wer es sich im fachärztlichen Bereich leisten kann, gibt vielfach bereits seine Kassenzulassung zurück (besonders häufig Hautärzt*innen und Augenärzt*innen), weil sie genug Privatpatient*innen und Selbstzahler*innen finden und sich auf die Weise jede Menge Arbeit sparen.

    Langfristig hilft da nur eine ausreichend finanzierte Bürgerversicherung - die dann allerdings auch für die durchschnittlichen Beitragszahler*innen teurer sein muss. Kurz- und mittelfristig würde es massiv helfen, nicht noch bei Regelungen zu sparen, die Kassenpatient*innen zugute kommen.

  • Dr. McSchreck

    Das Problem ist aber auch wieder ein typisches der gesetzlichen Kassen, die eben ein großer Topf sind, aus dem jeder möglichst viel entnehmen möchte (anders als bei den Privaten, die sich rechnen müssen). So hat man die Sondervergütung für kurzfristige Termine ja erst vor kurzem eingeführt - was aber zur Folge hatte, die einige (vielleicht sogar viele, aber ich will meine Erfahrungen nicht verallgemeinern) an gesetzlich Versicherte Termine in den nächsten Wochen nur noch unter der Prämisse vergeben haben, es sei ein "Dringlichkeitstermin" - obwohl es auch reguläre Termine gab.

    Jeder Topf, aus dem leistungsunabhänig nach bürokratischen (schwer prüfbaren) Kriterien verteilt wird, lädt zum Missbrauch ein.

  • Hans - Friedrich Bär

    Wie leben ja nicht in der eurasischen Sumpfebene , sondern wir haben ein ärztliches Berufsrecht und ein ärztliches Haftungsrecht.



    Das ärztliche Berufsrecht wird durch die Bundes- und Landesärzteordnungen bestimmt. Dort steht verbindlich für alle Ärzte : Der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe. Das bedeutet, dass der Beruf nicht mit primärer Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden darf. Aufsichtsbehörden sind die jeweiligen Landesärztekammern. Diese sind mit Disziplinargewalt ausgestattet und machen davon auch Gebrauch bis zum Entzug der Erlaubnis den Beruf auszuüben.

    Die Terminvergabe nach Kassenzugehörigkeit scheitert am ärztlichen Haftungsrecht. Ein verspätet erhobener Befund ist ggf. ein (erheblicher) Befunderhebungsfehler nach §630a BGB. Wer als Patient meint dadurch zu Schaden zu kommen oder gekommen zu sein kann sich (kostenlos) an die Gutachterkommission der Landesärztekammer seines Wohnsitzes wenden. Die Gutachterkommissionen urteilen objektiv (zum einem Drittel zu ungunsten des beklagten Arztes). Sie sind ein scharfes Schwert.

    Das EBM Problem ist bekannt. Das ist Sache der KVen (Arzt-) und Vertreterversammlungen (Versichertenseite) , m.a.W. der Selbstverwaltungen.

    • Agarack

      @Hans - Friedrich Bär:

      "Die Terminvergabe nach Kassenzugehörigkeit scheitert am ärztlichen Haftungsrecht. Ein verspätet erhobener Befund ist ggf. ein (erheblicher) Befunderhebungsfehler nach §630a BGB."



      Ärzt*innen sind aber nicht haftbar für Personen, die gar nicht ihre Patient*innen sind. Sie können nicht einfach einen beliebigen Arzt belangen, bei dem Sie keinen Termin bekommen haben, auch wenn Ihnen dadurch ein Schaden entstanden ist. Und das ärztliche Berufsrecht ist an der Stelle auch nicht entscheidend - schon gar nicht dann, wenn, was immer häufiger der Fall ist, die Besitzer*innen der Arztpraxen gar keine Ärzt*innen sind, sondern Unternehmen, die Ärzt*innen anstellen und ihnen sagen, wie sie zu arbeiten haben. Aber selbst, wenn das nicht so ist, ist eine Arztpraxis immer noch ein Betrieb, der sich rechnen muss, weil niemand umsonst arbeitet und laufende Kosten bezahlt werden müssen.

  • Minderleister

    Bei meinem alten Hausarzt ist der Katalog der IGe-Leistungen im Laufe der Zeit ständig gewachsen, darunter nicht nur alternativmedizinischer Quatsch wie Kinesio-Taping. Auch einen Langzeitblutzuckertest (HbA1c) sollte ich selbst bezahlen. Bei meinem neuen Hausarzt war der Bestandteil des von der Kasse übernommenen allgemeinen Blutbildes, welches ich einmal pro Jahr machen lasse.



    #



    Als ich meinem neuen Hausarzt davon erzählt habe, meinte der: „Das kann man natürlich nicht alle drei Monate machen, dann würde es die Kasse nicht mehr bezahlen“, aber davon war auch nie die Rede gewesen. Es hängt also anscheinend auch davon ab, mit welchem Arzt man es zu tun hat.

  • Comerade Aardvark

    Die Regierung erlässt Gesetze, die eine Kürzung des Einkommens für niedergelassene Ärzt_innen bedeutet.



    Die Betroffenen reagieren mit Umgehungs- und Vermeidungsstrategien, statt sich unterwürfig zu fügen wir brave Untertanen.



    Und alle sind völlig überrascht, ja, schockiert.



    Es ist inzwischen schwer zu glauben, für wie blöd man gehalten wird... und dann kommt noch so ein "wir haben das nicht ausreichend gut kommuniziert" hinterher.

  • Wolfgang Laux

    Ich habe schon oft an anderer Stelle ein Ende der Zweiklassen Medizin gefordert, obwohl ich privat versichert bin. Wir leben leider in einem Staat in dem die Lobbypolitik regiert. Da ist mit einer Veränderung, obwohl dringend notwendig, nicht zu rechnen.

    • economista

      @Wolfgang Laux:

      Wer in Kanada medizinische Leistungen nicht, oder nur mit unzumutbarer Wartezeit bekommt, geht in die USA oder anderswo ins Ausland. Ein Ende der Zweiklassenmedizin gibt es nicht durch Druck auf Ärzte, sondern Leistungen der gesetzlichen Kassen, die denen der Privaten entsprechen und es überflüssig machen, gff. selbst zu zahlen.

    • Hans - Friedrich Bär

      @Wolfgang Laux:

      X-Klassen Medizin gibt es schon immer.



      Lesenswert ist die Biographie von Gerolamo Cardano, der nach erfolgreicher Behandlung nicht Leibarzt (des schottischen Königs, des französischen Königs Heinrich II., des deutschen Kaisers Karl V. und des Herzogs von Mantua...) werden sondern wieder nach Hause in die italienische Provinz wollte.

      Wenn man Lobby als Handeln aus trivialen Motiven sieht, wird daraus nix besseres, das stimmt.

  • Huber Ursula

    Es gibt unter den Orthopäden bereits viele Praxen, die die DXA Messung der Knochendichte



    Nur für Selbstzahler anbieten. Nach den gesetzlichen Vorgaben ist diese Messung bei vorliegen von Wirbelbrüchen auf jeden Fall eine Kassenleistung. Auf Nachfrage bei der Kasse wurde mir mitgeteilt, dass einige Ärzte ihre Messgeräte bei der Kasse nicht mehr melden und dadurch einen höheren Ertrag durch die Selbstzahler erwirtschaften einige wenige Praxen bieten die DXA Messung noch auf Rezept an.



    Ich habe den Eindruck, die Kasse findet das zwar nicht richtig, aber wirklich stört es sie nicht, denn sie ersparen sich damit ja auch die Kosten, die sie ansonsten bei Messung auf Rezept tragen müssten. Hier, denke ich muss eine klare Regelung erfolgen. Es geht nicht an, dass den kranken notwendige Behandlungen nicht mehr über die Krankenkassen erstattet werden.

    • christiane krause

      @Huber Ursula:

      Das habe ich sogar im Krankenhaus erlebt

    • Brigitte Frank

      @Huber Ursula:

      Ich habe mich in der Sache DXA Messung als IGeL bei der Kassenärztlichen Vereinigung über die einen Orthopäden an meinem Wohnort beschwert. Strenggenommen müsste darüber aufgeklärt werden, wenn es sich eine Kassenleistung handeln sollte. Wird aber nicht so gehandhabt. Mir wurde von der KV schlussendlich mitgeteilt, ich könne ja privatrechtlich gegen diesen Arzt vorgehen. Da geht's wirklich drunter und drüber.

  • Nanuni

    Und doch ist es schier unmöglich ohne eine Gewisse Zahl von Privat Patient*innen kostendeckend zu arbeiten in diesem System. Als angestellte Ärztin in einer Frauenarztpraxis kann ich einer Rentnerin auch mal einen Ultraschall machen ohne dass sie ihn gleich iGelt weil ich weiß dass später eine Privatpatientin kommt die querfinanziert. Viel schlimmer aber noch: hat man nur gesetzlich Versicherte in der Praxis und kaum bis keine iGeL-Leistungen, dann kann man davon die laufenden Kosten i.d.R. gerade so decken - das eigene Gehalt bleibt dann aber bei 0. Und jetzt bin ich die erste die weiß dass sie zu den oberen 10% gehört - aber auf mein Gehalt vollständig verzichten kann ich als Hauptverdienerin dann eben auch nicht.



    Kurzum: das ach so gepriesene dt. Gesundheitssystem spart sich so lange kaputt bis es kollabiert

    • Dr. McSchreck

      @Nanuni:

      Das Problem ist auch, dass Einnahmen und Ausgaben nicht im richtigen Verhältnis stehen. Wenn die Leute Uber statt Taxi fahren, Handwerker lieber schwarz bezahlen, selbst der Meinung sind, sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten seien ihnen unzumutbar - aber trotdem sämtliche Leistungen des Systems erhalten, dann kann ein System das bis zu einem gewissen Grad verkraften.

      Dieser ist aber weit überschritten.

    • T-Rom

      @Nanuni:

      Es mag sicher solche Fälle geben, dennoch ist es schwer das so allgemein stehen zu lassen. Es gibt ja auch viele Praxen, in den entsprechenden Wohngegenden, die sich trotz ganz überwiegend GKV Patientenstamm gut tragen.

      Wenn man es insgesamt betrachtet ist das deustche System eines der teuersten überhaupt (Ausgaben pro Kopf). Selbst wenn man da den PKV Anteil abzieht (d.h. alle PKV Patienten stattdessen mit dem entsprechenden GKV Beitrag einrechnet) haben wir eines der Finanzstärksten Gesundheitssysteme.



      Offenbar ist es also ein systematsiches Problem, dass die vielen Beiträge dort ankommen, wo es notwendig wäre.

      • Agarack

        @T-Rom:

        "Es gibt ja auch viele Praxen, in den entsprechenden Wohngegenden, die sich trotz ganz überwiegend GKV Patientenstamm gut tragen."



        Naja, "gut tragen" ist halt relativ. Klar, eine Landarztpraxis kann so funktionieren - das läuft aber nur, wenn die zuständigen Ärzt*innen zu einer gewissen Selbstausbeutung bereit sind. Die Budgetierungsregeln bedeuten nämlich, dass Sie ab einem gewissen Patient*innenstamm in der GKV mit Verlauf des Quartals praktisch für immer weniger Geld arbeiten, wenn Sie "zu viele" Patient*innen behandeln. Und das System trägt sich zumindest zum Teil nach wie vor durch Idealist*innen, die das trotzdem tun - und viele von diesen werden bald in Rente gehen.

        • T-Rom

          @Agarack:

          Diese Aussage ist so nicht richtig. ("Landarztpraxis" soll wohl eine Hausarztpraxis meinen):

          Die Budgetierung für Hausärzte wurde in Deutschland zum 1. Oktober 2025 im Zuge des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes (GVSG) weitgehend aufgehoben.

          Merkwürdig, dass das immer noch so häufig als Argument ins Feld geführt wird.

  • Carolin Rudolf

    Vielleicht sollten die gesetzlichen Krankenkassen die Leistungserbringer endlich ordentlich bezahlen und nicht billig abspeisen. Aber die GKV nebst ihren Versicherten sind ja nicht bereit, Leistungen angemessen zu bezahlen. Da wird dann lieber budgetiert und gedeckelt, aber trotzdem frech Leistung verlangt. Und sich dann gewundert, dass der Leistungserbringer da nicht mitspielen will sondern seine Leistungen lieber dort erbringt, wo sie auch honoriert werden.

    • Leo Onlin

      @Carolin Rudolf:

      Ja, die Kassen können nur das Geld ausgeben, das vorher eingenommen wurde. Dazu müssten die Beiträge steigen, gerade für gering und wenig verdienende Menschen sind die Beiträge zu niedrig. Trotzdem sollen sie weiterhin volle Leistungen erhalten. Bei fehlender Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben entsteht genau das beschriebene Problem.

    • Budzylein

      @Carolin Rudolf:

      Vielleicht sollte man nicht jede Propaganda der Ärztelobby glauben. Die verdienen auch mit ihren GKV-Patienten deutlich überdurchschnittlich. Und die Einkommen der Versicherten, die das Ganze mit ihren Beiträgen finanzieren, steigen auch nicht automatisch, wenn die Kassenärztliche Bundesvereinigung mal wieder quengelt.

      • Minderleister

        @Budzylein:

        »Die verdienen auch mit ihren GKV-Patienten deutlich überdurchschnittlich.«



        #



        Allerdings! Aber jeder vergleicht sich nur mit denen, die noch mehr haben. Und dann fühlt sich der Hausarzt, der vielleicht 150 k€ vor Steuern jährlich raushat, gegenüber dem Facharzt mit 250 k€ als Geringverdiener.

        • Altlinker_Realo

          @Minderleister:

          Ist ja auch nicht zu begründen!

          Aus welchem Grund sollen Hausärzte, die ebenfalls FACH-Ärzte sind (es sei denn solche aussterbenden Relikte der früheren „Praktischen Ärzte“) soviel weniger verdienen als zB Radiologen oder Augenärzte?

          Weder von der inhaltlichen Breite noch der Verantwortung sind diese teils extremen Vergütungssprünge zwischen Kinderärzten, Allgemeinärzten oder Gynis und anderen Gruppen wie Radio, Auge, Ortho, argumentativ darstellbar.

      • Machiavelli

        @Budzylein:

        Dann halt nicht wundern wenn Ärzte abwandern.

        • Minderleister

          @Machiavelli:

          Mein Neffe ist nach seinem Humanmedizinstudium in Deutschland in die Schweiz gegangen, um dort seine Facharztausbildung zu machen, und ist dann dort geblieben. Hauptmotivation waren die besseren Arbeitsbedingungen. Das höhere Einkommen wird weitgehend durch die auch deutlich höheren Lebenshaltungskosten kompensiert.

        • Budzylein

          @Machiavelli:

          Kassenzulassungen sind weiterhin sehr begehrt, wie zahlreiche Konkurrentenklagen um Vertragsarztsitze zeigen. Und auch fürs Medizinstudium gibt es nach wie vor weit mehr Bewerber als Medizinstudienplätze.

          • Altlinker_Realo

            @Budzylein:

            FAKT ist, dass bei inflationsbereinigt sinkender Vergütung das Patientenaufkommen seit 2015 im Schnitt um ca. 20% gestiegen ist !

            FAKT ist, dass die Gehälter von MFA/Arzthelferinnen, Mietkosten, Energiekosten, IT-Kosten für den Betrieb einer Praxis massivst gestiegen sind.

            Ohne dass man akademische höhere Mathematikkünste beherrschen muss kann man also leicht feststellen, dass die meisten Ärzte:

            massiv weniger verdienen, bei gestiegenem Arbeitsaufkommen.

            Sie sollten sich weniger von Bildzeitungsberichten oder Instagram-Gehabe über Schönheits-Chirurgie und diesen ganzen - im Übrigen Selbstzahler! - Schönheits-Wahn - beeinflussen lassen.

            Und was ist denn Ihrer Meinung nach angemessen für einen Mediziner nach 6,5 Jahren Studium plus min. 5-6, teils 7-8 jähriger Facharztausbildung?

            Ich kann Ihnen konkret sagen, dass wohl KEIN Fach-Jurist für einen Stundenlohn von 40-70€ Brutto auch nur einen Stift zur Hand nehmen würde!



            Denn das verdient man zumindest als angestellter Facharzt idR.

            Juristen liegen gerne bei 200-400€. Also finde den Fehler!

            Das GKV System ist eine absolute Frechheit geworden - für Patienten wie Ärzte.

            • Minderleister

              @Altlinker_Realo:

              FAKT ist, dass die Mediziner in meiner Familie (ein Hausarzt, zwei Fachärzte) auf einem finanziellen Niveau jammern, von dem viel andere, die mit ihren Steuern das besonders teure Medizinstudium bezahlen, nur träumen können. Und wenn Sie angestellte Fachärzte mit Juristen vergleichen, dann bitte auch mit angestellten, die garantiert nicht 200 - 400 € pro Stunde verdienen. Aber jede Berufsgruppe rechnet sich arm, so gut sie kann.

              • Altlinker_Realo

                @Minderleister:

                Ich hab Ihnen klar nachprüfbare und objektive FAKTEN genannt, und Sie hingegen nennen Ihre anekdotischen Berichte aus Ihrer Familie ebenfalls „Fakten“ ? :D



                Das ist ja grotesk!

                Und diese Mär mit den Steuergeldern für das Studium immer!

                Das gilt für JEDES staatliche Studium an einer staatlich finanzierten Hochschule!

                Machen Sie Psychologen, Ingenieuren, Biologen oder Juristen die gleichen Vorhaltungen???

                Im Übrigen habe ICH die glorreiche Zeit der STUDIEN-Gebühren in NRW nahezu vollumfänglich abbekommen!

                Also halten Sie mal den Ball flach mit Ihrem rein anekdotischen Wissen!

                Es gibt gute Gründe, warum viele ihre Kassenzulassung zurückgeben!

                FAKT bleibt, dass die Real-Erträge inflationsbereinigt seit Jahren sinken, weil die Kostenpunkte alle stärker gestiegen sind.

                Arbeiten Sie als Selbstständiger gerne jahrelang mehr für weniger Geld?

                • Minderleister

                  @Altlinker_Realo:

                  Falls es Ihnen nicht aufgefallen sein sollte: Ich hatte den Einwand der anekdotischen Evidenz bereits vor Ihrer Antwort vorweggenommen (siehe weiter unten), weil mir klar war, dass so etwas kommen würde.

              • Minderleister

                @Minderleister:

                Nachtrag – bevor dieser Einwand kommt: Ich weiß, dass das anekdotische Evidenz ist, aber ich kenne keine statistisch validen Studien zum Jammerverhalten von Medizinern.

            • Hans - Friedrich Bär

              @Altlinker_Realo:

              Das GKV System hat so viel Geld , dass es kürzlich 1 Mrd. Euro in unzulässige Anlagen gesteckt hat. Das Problem am GKV System ist , dass die Selbstverwaltung von Kräften unterwandert ist, die es auf die enormen Geldbeträge dort abgesehen haben. Die aufgeblähte Wartezeitendiskussion ist ja nur Ablenkung. Ich schätze , dass das noch mehr als 1 Mrd. war, und dass das System der organisierten Kriminaliät dahinter, versteckt beiben soll.

            • Budzylein

              @Altlinker_Realo:

              Der von Ihnen genannte Stundenlohn von 70 Euro brutto entspricht bei einer 38,5-Stunden-Woche einem Bruttomonatseinkommen von über 11.500 Euro. Das liegt deutlich über dem, was angestellte Juristen durchschnittlich verdienen, und ist auch für einen Arzt als Einkommen aus der solidarisch finanzierten gesetzlichen Krankenversicherung nicht zu wenig.

              Weswegen Sie die Bildzeitung ins Spiel bringen, erschließt sich nicht. Was die Boulevardmedien über das Einkommen niedergelassener und/oder angestellter Ärzte schreiben, ist mir unbekannt und interessiert mich nicht. Und was mit privatärztlichen Schönheitsoperationen verdient wird, spielt in der gesetzlichen Krankenversicherung ebensowenig Rolle wie in meinem Kommentar.

              • Altlinker_Realo

                @Budzylein:

                Was bitte vergleichen Sie denn jetzt???



                Sie vergleichen ernsthaft den oberen Grenzbetrag der Gehalts-Spanne mit dem DURCHSCHNITTS-Gehalt eines Juristen???

                Was genau soll das für einen Sinn ergeben???

                Die 70€ betreffen idR nur hochspezialisierte Kräfte mit besonderen Qualifikationen und zB Oberärzte in Kliniken!



                Und das soll dann besonders viel sein?

                Wollen Sie gerne von einem weniger qualifizierten Assistenzarzt eine Herzkatheter-Untersuchung bekommen oder eine komplexe Therapie Ihrer Rheumatoiden Arthritis?

                Absurd, wirklich.

                Und ich kenne jetzt nicht so viele Selbstständige Fachärzte, die regelmässig einen Stundenlohn von 150€ oder mehr Brutto erzielen !



                Radiologen, Augenärzte und Laborärzte sowie tw. Orthopäden mal ausgenommen.

          • Machiavelli

            @Budzylein:

            Ärzte sind aber auch einer Hauptexpertengruppen die auswandern.

  • fly

    Schöne Erklärung der Situation und der sich entwickelnden Situation. Sonst wird häufig nur mit den unterschiedlichen Versicherungen, GKV und PV, bzw. den Versicherten argumentiert. Es sind die Ärzte, besonders die investorgetragenen Gemeinschaftspraxen bzw. Ärztehäuser, die die Termine vergeben. Und den Profit maximieren möchten. Das wird sich leider auch mit einer Bürgerversicherung nicht ändern, es sei denn man verbietet Zusatzversicherungen und Zusatzgebühren.

    PS es gibt durchaus (kleinere) Praxen, die die Terminvergabe nicht von dem Versicherungstyp abhängig machen.