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Jugendwort des Jahres 2026 Langenscheidt, leck Eier!

Johannes Drosdowski

Kommentar von

Johannes Drosdowski

Langenscheidt kickt „Mehrzweckeier“ aus den Top 10 für das Jugendwort des Jahres. Denkt der Verlag, Jugendsprache ist nicht politisch? Peinlich.

M ehrzweckeier“, spricht Susanne Daubner trocken und süffisant in die Kamera. Es ist die vielleicht am schönsten vorgetragene Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz und der Wehrpflichtreform, die das deutsche Fernsehen je vorgetragen hat. Halt! Stopp! Alles gar nicht passiert. Das hat Langenscheidt verhindert.

Denn die „Mehrzweckeier“ haben es zwar ganz süper in die Top-10-Vorschläge für das Jugendwort des Jahres geschafft. Doch der Verlag hat sie wieder rausgeschmissen. „Da der Begriff auf eine Kampagne zurückgeht“, heißt es, „und gleichzeitig auf einer persönlichen Beleidigung beruht.“ Schade, dass der Verlag da crashout geht und sich offenbar nur mit angenehm harmloser Jugendkultur schmücken will. Oder ist das alles nur Ragebait, um auf den ohnehin peinlichen Wettbewerb aufmerksam zu machen?

Seit 2008 kürt der Langenscheidt Verlag jährlich das Jugendwort des Jahres. Zuerst war da „Gammelfleischparty“, 2013 kam der „Babo“, zwei Jahre darauf der „Smombi“, bei dem man sich schon fragen kann: Hat das je ein*e Ju­gend­li­che*r unironisch gesagt, Digga? Oder war es doch eher eine Fantasie der Alten? Ganz schön cringe (2021) dieser Wettbewerb.

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Das Jugendwort findet Langenscheidt so: Jugendliche können Vorschläge einreichen. Susanne Daubner liest – so ist es inzwischen geliebte Tradition – für die „Tagesschau“ die Top 10 laut vor, und die Allgemeinheit kann online voten und den Sieger bestimmen. Nur eben bitte keinen aus einer Kampagne.

Politische Eier

Tatsächlich haben Menschen im Internet dazu aufgerufen, „Mehrzweckeier“ beim Wettbewerb einzureichen. Sie haben Memes erstellt, also Jugendkultur genutzt, um auf ein Wort hinzuweisen, das satirisch jene Politik kritisiert, die insbesondere Jugendliche trifft, und darauf gehofft, dass Susanne Daubner es öffentlich ausspricht.

Mit Jugendwörtern stellen Jugendliche ihre Realität dar, prägen sich selbst und das eigene Verständnis von der Wirklichkeit. Manche sind verschlüsselt, sodass Erwachsene sie nicht ohne Weiteres in ihrer Tragweite und Emotionalität verstehen. Viele entstammen Jugendkulturen oder werden von ihnen umgedeutet, gedreht, angeeignet. Sie können ein bestimmtes Lebensgefühl tragen („YOLO“, 2012) oder den eigenen Blick auf und empfundene Verortung in der Welt zeigen („lost“, 2019). Dabei sind sie oft im weiteren Sinne politisch. „Mehrzweckeier“ ist es im engeren.

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Jugendliche selbst, ihre Jugendkulturen und auch ihre Wörter sind im Zeitgeschehen verankert. Zu diesem gehört auch die verpflichtende Musterung, die die aktuelle Bundesregierung beschlossen hat und die bei vielen Menschen die Angst vor dem Eiergriff hervorgerufen hat. Auf die bezog sich der Schüler, der bei einer Anti-Wehrpflicht-Demo im März „Merz leck Eier“ auf sein Plakat schrieb.

Gute Käse! Peak! Doch die Polizei beschlagnahmte es, leitete Ermittlungen ein wegen des Anfangsverdachts der „üblen Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens“.

Wir haben versagt

Ein Jugendlicher setzt sich also mit Politik auseinander, die ihn direkt betrifft, arbeitet damit satirisch, nutzt sein demokratisches Grundrecht, indem er auf eine Demo geht, und wird dann in seiner Meinungsäußerung blockiert. Dabei müssten wir Jugendliche lieben und unterstützen, wenn sie genau das tun. Schere, wir haben als Erwachsene versagt.

Wer sich mit Jugendwörtern schmücken will und sei es nur, wie immer wieder von Kri­ti­ke­r*in­nen des Wettbewerbs gemunkelt, aus PR-Zwecken, der muss auch akzeptieren, dass sie nicht immer und jedem genehm sind. Ohne politische Jugendliche gäbe es etwa keinen HipHop und dadurch auch nicht das schöne „Swag“, das 2011 zum Jugendwort des Jahres ernannt wurde.

Ob der Ursprung der „Mehrzweckeier“ nun eine Beleidigung ist? 67. Vielleicht wenn man es als Erniedrigung begreifen will, jemand anderem die Eier zu lecken.

Ich persönlich würde mich sehr viel stärker angegriffen fühlen, wenn mich jemand als „Macker“ bezeichnet. Der Begriff hat es auch in die Top 10 geschafft. Er wurde nicht nachträglich rausgeschmissen.

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Johannes Drosdowski

Johannes Drosdowski Redakteur Medien/Digitales

Redakteur für Medien und Digitales. Ansonsten freier Journalist und Teamer zum Thema Verschwörungserzählungen und Fake News. Steht auf Comics, Zombies und das Internet. Mastodon: @drosdowski@social.anoxinon.de
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24 Kommentare

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  • Doch ja......ich finde es toll, dass sich jetzt auch die Taz endlich mit den wirklich wichtigen Themen befasst.

    Wie schlicht im Denken und einfallslos waren wir doch früher.

    Als ich jung war einfach zu sagen, dass ich Wehrpflicht, Rüstungswahn und Krieg einfach Scheisse finde, war erstens nicht besonders originell und zweitens hätte Susanne Daubner diese Formulierung nie im Fernsehen verbreitet.



    War ja auch nicht besonders unterhaltsam.

    Da ist doch "Merz leck Eier" viel lustiger und in seiner Konkretheit geradezu aufrüttelnd. Wenn einem dann noch Herr Dosdrowski erklärt, was damit gemeint sein könnte, bekommt der Eierspruch noch mal eine ganz andere Bedeutung und erreicht fast schon eine revolutionäre Ebene.

    Schade nur, dass vermutlich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die an Herrn Merz gerichtete Aufforderung zum Lecken, nicht mit ernsthaftem Protest gegen die Wehrpflicht in Verbindung bringen wird.



    Vielleicht ist die ganze Jugendwort Aktion auch eher etwas für gealterte Journalist*innen und eine willkommene Gelegenheit vom wirklichen Ernst der Lage - nicht nur für junge Menschen - abzulenken.

  • "Mehrzweckeier"? Nun ja, Einzweckeier gibt es ja nicht, aber das wäre auch ein nettes und passendes Jugendwort.

    "Einzweckeier“ = 'Politik nur für die Reichen und Mächtigen', damit die noch reicher werden können.

  • Allein, dass zum Ende der hinkende Vergleich zum Begriff „Macker“ gezogen wird, der sich nicht auf eine konkrete Person bezieht.

    Warum gibt es so häufig den Versuch von links, Beleidigungen zu verteidigen und inhaltl. aufzuladen? Der Schüler bezog sich auf den Eiergriff, und deshalb kam man am Ende des satirischen Prozesses zum Eierlecken, eine klare sexuelle Anspielung mit Bezugnahme auf eine reale Person? Der übrigens ein heterosexueller Mann ist, bei denen genau dies gerne von Menschen mit homophoben Tendenzen als Provokation genutzt wird. Aber das Problem liegt beim Empfänger?

    Das was der Schüler gemacht hat war keine ehrliche Auseinandersetzung mit der Politik. Es ging eher in Richtung Populismus

    • @Mr. Hello:

      „Das was der Schüler gemacht hat war keine ehrliche Auseinandersetzung mit der Politik. Es ging eher in Richtung Populismus“

      🤣

    • @Mr. Hello:

      Das, was Merz und Konsorten machen, hat nichts mit Politik zu tun, sondern ist Populismus in seiner Reinstform. Zu ihren weiteren Ansichten zu Homos und Heteros und das Eierlecken bedarf es keines Kommentars, die sprechen Bände

  • Seit wann ist "Macker" eine Beleidigung? Das säuseln die Ehefrauen gerne ihren Mackern ins Ohr.

    Aber die Eier sind lustig! Schade dass es nicht mehr solcher Demos gegen Wehrpflicht gibt. Auch weil Wehrpflicht sexistisch geprägt ist, eben nur Männer davon betroffen sind.

  • Also ich bin für "Merzweghalle".

  • Gute Käse! Peak! Schere, 67 - ich glaube, ich werde alt. Kann mir das mal einer übersetzen?

    Mehrzweckeier hätte ich ohne Erklärung auch nicht gleich kapiert, zeugt aber meines Erachtens vom Sprachwitz der Schöpfer*in.

    Anmerkung: In den Öffis meiner kleinen Großstadt wurde - zumindest meiner subjektiven Wahrnehmung nach - "Digga" inzwischen von "Bro" abgelöst.

  • Politischer Kontext ist nicht gleich politische Meinungsäußerung. “Mehrzweckeier” klingt absichtlich wie "Merz leck Eier", und das bleibt in der Substanz eine persönliche Beleidigung – egal, ob sie vom Sprecher oder Kommentator als solche aufgefasst wird – die sich lediglich eines politischen Aufhängers bedient. Anders als zum Beispiel "Remigriert euch ins Knie" – vulgäre Sprache, aber klarer Bezug auf die rassistische Ideologie einer Gruppe.

    • @MeinerHeiner:

      Das ist Interpreationsraum:

      "Ein Post mit der Aufschrift „Merz leck Eier“ kann als strafbare Beleidigung oder üble Nachrede gegen eine Person des politischen Lebens eingestuft werden, wobei die endgültige Bewertung im Einzelfall zwischen freier Meinungsäußerung und herabwürdigender Schmähkritik schwankt. Ermittlungsbehörden und Polizeidienststellen leiteten in vergleichbaren Fällen (wie bei Plakaten auf Demonstrationen) bereits Verfahren nach den Paragrafen des Strafgesetzbuches ein" (Quelle. Internet)

      • @AugenhöheStattTribalismus:

        Was ist am Eier lecken beleidigend?

        Und leck Eier ist eine Aufforderung, kann also keine üble Nachrede sein, dazu müsste es leckt Eier heißen

    • @MeinerHeiner:

      Die für mich interessantere Frage ist übrigens nicht “darf man das juristisch?”, sondern “hilft das der Sache?”, beziehungsweise "war es klug, sich öffentlich so zu äußern?"

      • @MeinerHeiner:

        Welcher Sache soll denn geholfen werden?



        Dürfen "dumme Bemerkungen" ihrer Meinung nach dann überhaupt nicht mehr vorgebracht werden?

        • @Barnie:

          Es geht nicht um Erlaubnis, dummes Zeug zu labern, sondern um Wirkung im Kontext. Man darf vieles sagen und sollte sich trotzdem fragen, ob es in einer bestimmten Situation klug wäre. Der Sache – Kritik an der Wehrpflichtreform/Musterung – wäre mit einer pointierten politischen Aussage geholfen, nicht mit einer reinen Personenbeleidigung.

          • @MeinerHeiner:

            Irgendwer hat immer was auszusetzen. Daher sollte man das sagen, was ist und was man denkt, ohne auf Rezipienten zu achten, die eh alles gern falschverstehen wollen

          • @MeinerHeiner:

            „Ihr [Du/Sie] könnt [kannst/können] mich mal..." ist eine sehr „pointierte politische Aussage". An Deutlichkeit kaum zu übertreffen.

  • Ok, fleißig ein paar Jugendwörter untergebracht. Und jetzt soll jede Kampagne einfließen, nur weil sie gegen den Richtigen geht?

    • @Janix:

      Nein nein, das ginge schon zu weit! Ein bisschen Respekt sollte man dieser historisch wie kulturell bedeutsamen Institution des "Jugendwort des Jahres" schon entgegenbringen. Wir sind hier schließlich im Lande der Dichter und Denker, Digga!

    • @Janix:

      Was genau ist diese Kampagne eigentlich?



      Woran macht der Langenscheidt die fest?



      Und woran sie?



      Nur weil einige Leute einen Vorschlag gepusht haben?



      Ziemlich lächerlich, dieser Kampagnen-Vorwurf.



      Und selbst wenn, würde alles gecancelt werden wohinter eine "Kampagne" steckt, wäre die Welt ziemlich leer.

  • Diese Aktion macht Furore u. Publicity.



    Etwas Bemühen um Verständnis u. Entgegenkommen wäre langfristig besser für den Umgang der Interessengruppen u. Generationen.



    br.de:



    "Der Streisand-Effekt: Wie die Polizei den Slogan eskalieren lässt



    Vermutlich sehen auf der Demo nur wenige das Schild des Jungen. Und vermutlich wäre es sofort vergessen worden, hätte die Berliner Polizei das Schild nicht beschlagnahmt und Ermittlungen gegen den Schüler eingeleitet. Wie schon bei Barbara Streisands Versuch, unliebsame Aussagen zu unterdrücken, passiert das Gegenteil des Geplanten: Die Reaktion wird publik. Die Solidarität beginnt. Der Slogan geht viral."



    u. im ÖRR bei BR2 weiter z. kritischen Rapperin Vita u. ihren "Protestnoten":



    "Zurückziehen würde sie ihren Song nie, sagt Vita. Da kann Merz also machen, was er will. Aber wenn sie sich etwas von ihm wünschen dürfte: "Dass einfach mehr Politik für die Unterschicht gemacht wird und nicht nur den Reichen in die Karten gespielt wird. Dass in erster Linie an uns gedacht wird und wir uns nicht überall in der Welt noch an Problemen beteiligen und Waffen schicken."



    Vielleicht diskutieren heute mehr Leute über "§188 StGB gehört abgeschafft” als vorher.

    • @Martin Rees:

      Btw - erinnert dunkel an den Schüler in Berlin post13. August 1961“…keiner hat die Absicht“

      Plakat auf Demo: “Einer dieser Mauerbauer -



      Ist Herr Konrad Adenauer!“



      mW - Relegation Gymnasium … mehr?



      Who know’s?! 🧐🫣🙀🤣

  • Ach was! Loriot



    “ Ich persönlich würde mich sehr viel stärker angegriffen fühlen, wenn mich jemand als „Macker“ bezeichnet. Der Begriff hat es auch in die Top 10 geschafft.“ statt “…leck 🥚 🥚“



    & Däh



    Letzter ☝️ Brilon 🪾🪾🪾🪾🪾📯🦌



    & “Merz du Macker!“ - mit 💨💨💨💨geknatter!

    „Macker“ ist die fachliche Bezeichnung für einen kastrierten Eselhengst (Eselwallach). Wenn du also im Sauerland von einem „Macker“ 🫏 hörst, redet ein CDU -Landwirt wahrscheinlich nicht über einen Macho, sondern über sein Nutztier! 😮🥹🤣



    Denn aufgemerkt 🍺🍺🍺🍺 Veltins am Tresen



    Das heimliche Wappentier von Brilon: much all weesen: 🫏🫏🫏🫏🫏🫏🫏🫏🫏🫏🫏🙀🧐 •

    Die Stadt Brilon im Sauerland trägt historisch den charmanten Uznamen (Spitznamen) „Eselstadt“, und der Esel gilt dort als inoffizielles Wappentier.!“ 🙀🥳🫣🧐



    Jau mir! - Das dacht ich mir!

    Vorweg die Friedrich-Lusche - kommt & kommt allwedder - nie nicht in die Pusche!



    Fürn Autor: “Merz du Macker - Fontanellen-Bürstchen - K(n)acker •



    & Ohho & sowieso=>



    Unbegabt & Unbeleckt - Jugendwortgeseibel:



    Langscheidt Allzeit bereit & too Weimer im 🪣 •

    • @Lowandorder:

      @ Lowandorder



      Ach darum hören alle 🫏 auf Fidi wenn man sie ruft....laaach