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Männergewalt in Stade„Hunde, die bellen, beißen oft“

Ein Vater tötete sechs Menschen. Dass er gefährlich ist, war bekannt. Wie Prävention aussehen müsste, erklärt die Expertin für Familienrecht Christina Mundlos.

Interview von

Amelie Sittenauer

taz: Frau Mundlos, in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade wurden sechs Menschen getötet. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) bezeichnet die Gewalttat als singulären Fall. Sehen Sie das auch so?

Christina Mundlos: Der Fall ist natürlich schockierend, aber singulär ist er ganz und gar nicht. Ich war überrascht, dass sich Kanzler Friedrich Merz „schwer erschüttert“ gezeigt hat. Ich frage mich, wo diese Erschütterung bei Hunderten von Femiziden ist, die es jedes Jahr in Deutschland gibt.

taz: Die Tat soll sich während eines Termins in einem Sorgerechtsfall ereignet haben. Der Vater war bereits durch Bedrohungen aufgefallen, wurde von der Polizei aber nicht als gewalttätig eingestuft. Warum wurden die Drohungen nicht ernster genommen?

Mundlos: Dass Bedrohungen als unbedeutend abgetan werden, erleben wir im Familienrecht, im Jugendamt und bei der Polizei oft. Und das, obwohl es bereits eine Studie der Bundesregierung gab, die belegt, dass die Hälfte solcher Drohungen in Taten münden. Hunde, die bellen, beißen oft, und das wird nicht erkannt.

Im Interview: Christina Mundlos

Christina Mundlos ist Soziologin und Expertin für Familienrecht. Sie berät Mütter, die Gewalt erlebt haben. Sie ist Initiatorin einer Petition für Gewaltschutz, die 120.000 Unterschriften bekommen hat und im Mai an das Bundesjustizministerium übergeben wurde.

taz: Sie arbeiten als Coachin für Konflikte beim Sorge- und Umgangsrecht. Gibt es wiederkehrende Muster im Umgang mit Männergewalt, die Sie aus Ihrer Arbeit kennen?

Mundlos: Gewaltbereite Männer fallen im Familiengericht und Jugendamt eigentlich schon früh auf. Durch das, was sie tun oder sagen, durch psychische Gewalt, durch Morddrohungen, durch sexuelle, finanzielle oder körperliche Gewalt. Aber in den Behörden haben Täter drei Vorteile.

taz: Welche?

Mundlos: Zum einen fehlt dem Personal im Familiengericht und im Jugendamt oft das Wissen über Tätertechniken.

taz: Was verstehen Sie unter Tätertechniken?

Mundlos: Die kann man sich wie ein Trojanisches Pferd vorstellen. Vor dem Amt und den Gerichten wird alles für eine Täter-Opfer-Umkehr getan, um so den Rechtsstreit zu gewinnen. Die Täter verlagern die Verantwortung auf das Opfer, sie sagen dann Dinge wie: „Seht, wozu sie mich gebracht hat.“ Wenn die Verfahrensbeteiligten richtig geschult wären, müssten sie das eigentlich erkennen, das tun sie aber oft nicht.

taz: Und die anderen zwei Vorteile?

Mundlos: Der zweite Vorteil, den Täter haben, ist, dass dem Grundsatz der Amtsermittlung im Familiengericht nicht gefolgt wird. Behauptungen werden nicht überprüft. Weder werden Beweise und Belege berücksichtigt, noch werden Zeu­g:in­nen angehört. Wer also besser lügen kann, gewinnt. Und narzisstische, gewaltbereite Männer können großartig lügen, sonst hätten diese Frauen ja oft gar keine Beziehung mit ihnen geführt. Und der dritte Vorteil: Es mangelt am institutionellen Willen, diese Täter zu bremsen oder einzugrenzen.

taz: Wie bereiten Sie Ihre Mandantinnen denn auf das vor, was in Familiengerichten und Jugendämtern passiert?

Mundlos: Grundsätzlich rate ich dazu, jegliche Gewalt und Bedrohungen zu dokumentieren und im Zweifelsfall auch heimlich Mitschnitte zu machen. Auch wenn diese vor Gericht aktuell wenig Gewicht haben, hat man wenigstens Belege. Und sie sollten sich frühestmöglich Geld zur Seite schaffen, denn ein juristischer Kampf gegen diese Gewalt kostet viel Geld. Wenn die Frauen erst während des laufenden Verfahrens zu mir kommen, ist die Situation oft noch schwieriger. Wenn sie keine Belege für die Gewalt haben, muss ich in Sorgerechtsfällen sogar dazu raten, nicht mehr über Gewalt in der Beziehung zu sprechen. Denn wenn Mütter Gewalt anprangern, führt das oft dazu, dass Gerichte für den Täter entscheiden und Mütter ihre Kinder gar nicht mehr sehen können.

Wenn da ein Vater sitzt, der nach der Trennung bestimmen will, wohin die Mutter in den Urlaub fahren darf, ist das ein Warnsignal

Christina Mundlos, Coachin

taz: Wie kann das sein?

Mundlos: Das ist das Ergebnis erfolgreicher Täter-Opfer-Umkehr: Wenn Fachkräfte Beweise nicht prüfen, glauben sie oft dem charmanten Täter und platzieren die Kinder zu ihm um. Ganz aktuell erhielt zum Beispiel sogar ein Mann unter Mordverdacht die Kinder.

taz: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte diesbezüglich eine Änderung im Sorge- und Umgangsrecht angekündigt. Familiengerichte sollen Gewalt gegen Mütter stärker berücksichtigen. Sehen Sie denn, dass sich in Zukunft etwas ändert?

Mundlos: Nein. Was aktuell versucht wird, ist vor allem Kosmetik. Wir brauchen einen kompletten Systemwandel, und das heißt: Die Istanbul-Konvention muss endlich konsequent umgesetzt werden. Das fängt in den Behörden an. Oft genug erlebe ich, dass sich Mitarbeitende vom Jugendamt oder im Gericht nicht schützend vor Mutter und Kind stellen, weil sie selbst befürchten müssen, Ziel der Wut und der Aggression des Vaters zu werden. Ich habe schon mit Verfahrensbeiständen gesprochen, die von Tätern bedroht und getrackt worden sind.

taz: Im Fall von Stade waren offenbar extra viele Mitarbeitende vor Ort, weil der Kindsvater zuvor bereits als auffällig galt. Man wollte Mutter und Kind sehr wohl schützen.

Mundlos: Es gab also schon ein Bewusstsein dafür, dass dieser Mann gefährlich ist. Nur traurigerweise hat die Menge an Menschen den Täter nicht stoppen können, gewalttätig zu werden.

taz: Wie lassen sich diese Risiken besser vorhersagen?

Mundlos: Es gibt verschiedene Modelle zur Risikoanalyse, zum Beispiel das Acht-Stufen-Modell bis zum Femizid der britischen Kriminologin Jane Monckton Smith. Die können vorab durchgeführt und gegebenenfalls können bestimmte Schutzmechanismen eingerichtet werden, zum Beispiel, dass bei einem Treffen auch Polizeibeamte anwesend sind. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Mitarbeitende vom Jugendamt sind nicht auf eine potenzielle Gewaltsituation vorbereitet, sie sind nicht im Nahkampf erprobt und können gewaltbereite Männer auch nicht in Handschellen legen.

taz: In Stade hat der Täter nicht seine Partnerin getötet, deren Rolle in dem Fall ist derzeit noch unklar, und auch nicht sein Kind, sondern die Mitarbeitenden des Jugendamtes. Trotzdem steht die Femizid-Frage im Raum. Wie sehen Sie das?

Mundlos: Im Englischen wird dieses Muster Coercive Control genannt, Zwangskontrolle. Wir haben es mit Männern zu tun, die die Kontrolle über die Frau und das Kind beanspruchen und bereit sind, alles zu tun, um sie zu unterwerfen, über sie zu bestimmen und sie zu besitzen. Das beinhaltet jegliche Formen von Gewalt – von finanzieller, sexueller und psychischer Gewalt über körperliche Gewalt bis hin zu Mord. Der Fall in Stade zeigt sehr deutlich, dass sie auch bereit sind, Personen umzubringen, die ihnen beim Zugriff auf Kind und Frau vermeintlich im Weg stehen. Es ist natürlich wichtig, wie wir diese Gewalttaten nennen. Aber solange klar wird, dass sie alle demselben Muster folgen, ist für mich zweitrangig, ob wir sie „Femizid“, „erweiterter Femizid“ oder „Mord in Folge von Zwangskontrolle“ nennen.

taz: Wie wird Zwangskontrolle konkret sichtbar?

Mundlos: Beispielsweise will der Täter bestimmen, was die Frau essen, welche Kleidung sie tragen oder wen sie treffen darf. Oder es wird IT-Technik genutzt, um sie zu überwachen. Im Familiengericht müssten solche Dinge eigentlich erkannt werden. Wenn da ein Vater sitzt, der nach der Trennung bestimmen will, wohin die Mutter in den Urlaub fahren darf, ist das ein Warnsignal. Doch psychische Gewalt und Zwangskontrolle – als systematische Form psychischer Gewalt – bleibt flächendeckend unberücksichtigt. Es gibt in Jugendämtern und Familiengerichten höchstens einzelne Personen, die sich bei dem Thema zufälligerweise auskennen.

taz: In der öffentlichen Debatte wird stark auf die Staatsbürgerschaft des Täters Bezug genommen. Gibt es da Ihrer Erfahrung nach irgendeinen Zusammenhang?

Mundlos: In meiner Praxis habe ich sowohl Fälle von Männern mit deutscher Staatsbürgerschaft als auch von Männern, die in einem anderen Land aufgewachsen sind oder eine andere Staatsbürgerschaft besitzen. Auf die Staatsbürgerschaft abzuheben, dient ausschließlich dem Zweck, die deutschen Täter unsichtbar zu machen. Es mag ja sein, dass im Fall von Stade die Kultur und Sozialisierung des Täters mit hineingespielt hat. Das heißt aber nicht, dass jemand, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat, nicht ganz genauso zu Zwangskontrolle neigt, gewalttätig ist oder sogar Femizide begeht.

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40 Kommentare

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  • ACHTUNG! Fehler in Teil 1 meines Beitrags, der Trennungsgrund war natürlich 2015. Sonst ergibt es ha keinen Sinn. Trennung 2016, noch vor der Einschulung der Kinder.

  • Ich würde Frau Mundlos mal gerne meine Erfahrungen mit dem System schildern. Aber vermutlich stempelt sie mich dann als "charmanten Täter" ab. Ende 2025 hat meine Ex-Partnerin den Trennungsgrund herbei geführt. Nicht nur, dass ich danach vor den Kindern weiterhin gute Mine zum bösen Spiel machen sollte, meine Ex hat mir damit gedroht, mich von meinen Kindern entfernen zu lassen, wenn ich nicht alles tue was sie will. Eine kurze Beratung durch einen Anwalt für Familienrecht hat dann ergeben, dass allein die Behauptung häuslicher Gewalt ausreicht, um auf der Straße zu enden. Dabei war ich derjenige der in der Beziehung immer wieder Schläge eingesteckt hat wenn sie frustriert war, oft über Dinge die sie selbst angerichtet hat. Nur, ein Mann kann mit dem Thema praktisch nirgendwo hin. Beratungs und Unterstützungsangebote sind ausschließlich auf Mütter ausgelegt. Ich hatte versucht mir in meiner Verzweiflung Rat zu holen, dass habe ich gelassen, als allein meine Anwesenheit vor Ort alle so nervös gemacht hat, man konnte deren Ängste fast greifen. Bin dann einfach gegangen. Die Kinder sind übrigens dann bei mir geblieben. Zwillinge, eines davon schwerbehindert. (Ende Teil 1)

  • Was hier geschildert wird, entspricht exakt dem, was meiner Freundin derzeit mit ihrem Ex-Mann passiert. Ich dachte, ich lese ihren Fall. Jugendamt, Familiengericht- alle vom Täter beeinflusst und gegen die Frau. Mir ist es eiskalt den Rücken runter gelaufen. Ich traue mich gar nicht, ihr das zu zeigen. Ich hätte nicht gedacht, dass das ganze System hat. Ich dachte einfach nur, bei ihr ist vieles schief gelaufen. Da muss ganz dringend und sehr schnell sehr viel passieren. Um ein Leben zu zerstören, muss man es der Person nicht nehmen. Der Femizid fängt viel früher an.

  • Erstaunlich was die Expertin jetzt schon alles über Stade weiß oder zu wissen meint. Offenbar war die Gefährlichkeit des Täters gerade nicht bekannt, sonst hätte man das angebliche Hilfeplangespräch (= gerade nicht Krisengespräch, sondern ein regelhafter Austausch über den Hilfeverlauf incl. Zielevereinbarung) nicht in den Räumen der Mutter-Kind-Einrichtung geführt. Die Helferrunde war auch nicht ungewöhnlich groß, 4 - 6 Personen neben d. Klienten (Kind, Jugendl., Mutter) ist durchaus üblich (Jugendamt: ASD, Vormund/Pfleger, ggf Praktikant, tlw Wirtschaftl. Jugendhilfe ; Einrichtung: Bezugsbetreuung, Gruppenleitung, tlw Bereichsleitung, evtl. psychol. Fachdienst; Elternteile des Kindes). Ich habe an weit über 100 von solchen Gesprächen als Vormund teilgenommen, weiß wovon ich rede. Ein krisenhaftes Elterngespräch (zB vor/nach Inobhutnahme eines Kindes) wird i.d.R. anders organisiert, im Jugendamt, ggf sogar mit Security. Ein Femizid ist im Stade-Fall bislang nicht erkennbar, Frau Mundlos spricht am Fall vorbei.

    • @Eule4:

      Sie haben zu dem Fall nicht gut recherchiert und stellen noch dazu Ihre Ieen als Fakten dar. Eigenartige Herangehensweise für einen Vormund.

    • @Eule4:

      Jetzt übertreiben Sie aber maßlos - ich war 30 Jahre in der Jugendhilfe tätig. Meist waren neben mir und dem Klienten nur noch ein Vertreter des Jugendamtes anwesend.

  • Als erste Konsequenz dürfte solche Termine eigentlich nur noch in Gerichts- oder Polizeigebäuden stattfinden wo beim Betreten alle vorher auf Waffen untersucht werden und im Zweifel auch immer geschultes und bewaffnetes Personal vor Ort ist und wenn einer da schon einen Deckel offen hat den Termin begleitet. Ich glaube jeder kennt wen, der schon mal leicht aufbraust und eskaliert und bei dem man nie wissen kann, was passiert wenn es um solche emotionale Themen geht.

    • @Axel Schäfer:

      Solch eine Tat ist aber schon die große Ausnahme. Tun Sie doch nicht so, als wenn jede Woche ein "verrückter" Vater um sich schießt.

      • @Il_Leopardo:

        Täglich - nicht wöchentlich - versucht ein solcher Mann eine Frau zu ermorden!

      • @Il_Leopardo:

        Nein, das passiert natürlich nicht. Aber so lange es gewalttätigen (männlichen) Narzissten gelingt, ‚Amtspersonen‘ derart um den Finger zu wickeln und für sich einzunehmen, benötigt es diese Gewalt auch überhaupt nicht. Schon gar nicht vor Gericht, wo es gilt, die Richter davon zu überzeugen, dass Sorgerecht für die Kinder zugesprochen zu bekommen. Und wenn die Mutter dazu noch offensichtlich Probleme hat, sich überzeugend zu präsentieren …



        Das schildert ja auch Frau Mundlos aus ihrer Praxis. Das Problem sind dann Jugendhilfe- und Jugendamtsmitarbeiter, Lehrer, Familenrichter sowie andere hinzugezogene ‚Experten‘, die psychologisch nicht ausreichend geschult sind, die narzisstischen Manipulationsstrategien überhaupt zu durchschauen.



        Und natürlich ist Narzissmus nicht ausschließlich männlich, überwiegend aber doch.

  • Die Situation wird ja auch durch Projekte u. Schulungen weiter ergründet bzw begleitet:



    "Diese Kriterien fließen in „GaTe-RAI“, ein neues Instrument für die Risikoanalyse. Nach Aussage von Rebecca Bondü könne so gut unterschieden werden, ob ein potenzieller Täter die Tat nur androht oder die Gefahr groß ist, dass er sie umsetzt.



    Hilfestellung für Jugendämter, Frauenhäuser und Kliniken



    GaTe-Rai soll aber nicht nur der Polizei nutzen, sondern auch Mitarbeitern in Jugendämtern, Frauenhäusern oder in Kliniken. „Nur in knapp 25 Prozent der analysierten Tötungsdelikte kam es zuvor zu einem Polizeieinsatz und nur 17 Prozent der Leakings in der vorliegenden Stichprobe wurden den Strafverfolgungsbehörden gemeldet“, erklärt Uwe Stürmer, dass auch solche Zeugen für die Warnsignale eines Intimizids sensibilisiert werden müssen. Ein Flyer mit entsprechenden Informationen liegt bereits vor. Schulungen bietet die Psychologische Hochschule Berlin an"



    Quelle:



    www.staatsanzeiger...ide-zu-verhindern/



    "Die häufigsten Zeugen von Leaking sind das Opfer selbst, Freunde, Familie und Kinder, bestätigt Uwe Stürmer"

    • @Martin Rees:

      Genau, GaTe-Rai habe ich ebenfalls im Interview genannt - wurde leider von der Redaktion rausgekürzt.

  • Christina Mundlos zeigt sehr deutlich auf dass die Antworten fachlich schon alle da sind, lediglich der Wille das vorhandene Wissen ins Systhem Familien/ Jugendhilfe, Sozialgericht, Polizei einfließen zu lassen nicht. Dies Kostet Geld und stärkt die Bevölkerung. Scheint nicht das Interesse der Regierenden zu sein. Auch in den wenigen Kommentaren wird deutlich dass die Antworten noch zu unverständlich sind für die internalisierten patriarchalen Denkmuster, denn Konkreter und ungeschminkter kann Mensch den aktuellen Fall und den epidemisch falschen Umgang mit Männergewalt nicht analysieren. Also, viel Kraft für die weitere Arbeit Frau Mundlos.

    • @Weller:

      Die Theorie der imaginierten Femizide, die hier stattgefunden haben sollen, lässt völlig außer Acht, dass auch zwei Männer ermordet wurden. Von Mitgefühl für diese lese ich (hier) nichts.



      Was, wenn dem Mörder das Geschlecht der Opfer völlig schnuppe war? Was, wenn er aus Verzweiflung ausgetickt ist, weil ein als feindselig erlebter Staat, ihm, dem diskriminierten Türken, sein Kind wegnehmen wollte? Und er sich in ohnmächtiger Wut an den Akteuren dieses Staates rächen wollte. Von denen zufällig vier Frauen waren.



      Es gibt noch andere Perspektiven auf die Tat und die Welt, nicht nur die geschlechtliche!

      • @Phandersaa:

        Erlebte Diskriminierungs-/Zurückweisungerfahrungen in der (deutschen) Mehrheitsgesellschaft als Motiv für sechsfachen geplanten Mord?



        Na, wenn das mal keine Täter-Opfer-Umkehr ist …

      • @Phandersaa:

        Ja es gibt viele Möglichkeiten der Interpreteation.

        Was wenn der Türke meinte dass es Deutschen nicht zusteht über Türken zu entscheiden?

  • Gute Väter, gute Eltern brauchen keine Ämter, keine Polizei, keine Gerichte um sich um das Wohl ihrer Kinder zu kümmern. In meinem Umfeld wurde fast jede zweite Ehe wieder geschieden und die Eltern haben immer zu Regelungen im Sinne des Kindeswohls auch ohne Behörden und Gerichte gefunden.



    Beim obigen Täter handelt es sich meiner Meinung nach um eine narzistische Persönlichkeit, einen toxischen Mann, dem es nicht um das Kind geht, sondern der sich in seiner Ehre verletzt sieht.



    Er brachte eine Knarre mit in die Verhandlung, wollte also gar nichts klären, sondern über die Tat seine schwache Männlichkeit wiederaufrichten.



    Solche Männer trifft man überall auf der Welt - nicht nur unter Mirgranten, die hier in Deutschland leben.

    • @Il_Leopardo:

      Ob eine narzistische Persönlichkeitsstörung vorliegt, kann man anhand der bisher öffentlich bekannten Informationen gar nicht seriös abschätzen.

      Dass es toxische Männer überall gibt, steht auch nicht zur Frage.



      Die Frage ist eher, in welchen gesellschaftlichen Bereichen ein vulnerables Ehrgefühl und patriarchale Männlichkeitsvorstellungen gefördert werden - z.B. ob die Überzeugung besteht, Gewalt sei legitim um “Zucht und Ordnung” herzustellen oder auch ein adäquates Erziehungsmittel (häufig der Grund für Zwist mit dem Jugendamt). Da fallen mir z.B. rechtsextreme Gruppen ein. Auch in vielen Interpretationen des christlichen Glaubens finden wir das - denken wir an die Gewalt in der katholischen Kirche, aber auch evangelikale Gruppen. Und in dem Zuge muss man auch fragen dürfen, ob bestimmte Interpretationen des Islam, vermehrte und unbehandelte Traumaerfahrungen von Migranten, fehlende Integration oder oder oder solche Denkmuster fördern OHNE dass man sich von links diese Fragen selbst verbietet um ja nicht rassistisch zu wirken. Sonst überlässt man diese Fragen und deren Beantwortung den Rechten anstatt eine sachliche Debatte zu führen.

      • @Nick riviera:

        Nein, das darf man nicht fragen..weil hier keinerlei religiöser Hintergrund besteht. Wir brauchen keine konstruierten Zusammenhänge. Das fördert nur die falschen Leute.

  • Ich schätze Christina Mundlos sehr und bin Unterzeichner ihrer Petition - aber das hier ist ein Fall von "Für einen Hammer sieht jedes Problem wie ein Nagel aus".

    Der Täter im vorliegenden Fall hatte gerade nicht die Mutter im Visier, sondern es handelte es sich um einen gezielten, geplanten Mordanschlag auf Vertreter des Jugendamtes und Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung. Er hatte nach den u.a. auf tagesschau.de nachzulesenden bisherigen Erkenntnissen außerdem mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mitwisserin und Komplizin - was auf eine Übereinkunft bzgl der Richtigkeit seines Tuns schließen lässt und für den typischen Mike-Müller-Fall sehr ungewöhhlich sein dürfte.

  • Vor dem Hintergrund dieses Interviews werden die unglaublichen Äußerungen eines prominenten "Komikers" erst recht bedeutsam. Wie kann man "Witze" über solche Dinge auch nur denken, geschweige denn sie öffentlich verbreiten? Das führt zur Verharmlosung in den wirren Köpfen vieler potentieller Täter und zu noch mehr Femiziden.

    • @Perkele:

      Sie meinen sicher den sehr einfühlsamen Herrn Nuhr: "Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einmal kennenlernt." Ob er diesen Satz hat gerade angesichts der Tragödie in Stade wohl jemals wiederholen wird?

      • @Il_Leopardo:

        Der kennt doch keine Grenzen!

  • Sozialarbeiter hier, Tätigkeit z.b. Begleiteter Umgang, bei in Obhutnahmen dabei, oder aufsuchende Arbeit:



    Die Mütter sind leider oft auch sehr kaputt. Es ist sehr schwer raus zu finden wie die Familiensituation wirklich ist. Wie im Artikel erwähnt, trifft man ab und an auf Meister der Manipulation. Beide Geschlechter.

    • @anoldfriend:

      Tatsächlich kann man es ganz gut rausfinden, wenn man sich mit Tätertechniken und Trauma-Symptomen auskennt. Andere Länder schaffen das auch. Und leider sind es gerade gut ausgebildete, selbstbewusste Frauen mit viel pädagogischen Gespür, denen die Kinder entzogen und zum Täter umplatziert werden. Häufig sind auch Ihre Kolleginnen betroffen: Sozialarbeiterinnen, Erzieherinnen, Pädagoginnen... Die Fälle sind bekannt und öffentlich zugänglich.

    • @anoldfriend:

      "kaum"

    • @anoldfriend:

      Selbst wenn die Mutter "auch sehr kaputt " war, wie sie es nennen, so rechtfertigt dies ja wohl keim die Tat.

  • Vielleicht sollte man mit derartigen Interviews zuwarten, bis alle Fakten bekannt sind. Nach den neuesten Informationen (Stichwort "Patentante") war es definitiv kein Femizid, auch kein "indirekter". Der Konflikt fand nicht zwischen der Frau und dem Mann statt, sondern zwischen der Familie und dem Jugendamt statt.

    • @ORothe:

      Wenn es keinen Konflikt zwischen Mann und Frau gab - wieso war sie dann in der Einrichtung?

      • @Il_Leopardo:

        Kindesmißhandlung durch beide Eltern?

      • @Il_Leopardo:

        Weil Ärzte den Verdacht hatten, das Baby sei geschüttelt worden. Das Kind sollte geschützt werden, nicht die Frau.

  • "Trotzdem steht die Femizid-Frage im Raum."

    Der Fall zeigt deutlich auf, dass die Debatte um "Femizid" falsch läuft. War es eine Partnerschafts- und/oder Beziehungstat, ja. War es Totschlag oder Mord, ja. War es ein Femizid, nein.

    "Das heißt aber nicht, dass jemand, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat, nicht ganz genauso zu Zwangskontrolle neigt, gewalttätig ist oder sogar Femizide begeht."

    Diese Aussage lässt sich leider überhaupt nicht überprüfen, da Kultur und Sozialisierung des Täters überhaupt nicht erfasst werden und es daher keinerlei statistische Erhebungen darüber gibt.

    • @DiMa:

      Einem anderen Artikel der TAZ kann man entnehmen, dass es sich nicht um eine Partnerschafts- oder Beziehungstat gehandelt hat, sondern der Verdacht der Misshandlung des Kindes im Raum stand.

  • Wenn "die Kultur und Sozialisierung des Täters" bei der Tat eine Rolle gespielt hat, sollte das auch thematisiert und von Journalisten aufgegriffen werden. Und nicht ignoriert werden, nur weil Rechtsextreme das dann instrumentalisieren und/oder es auch Täter mit deutscher Staatsbürgerschaft gibt.

    • @gyakusou:

      Auch biodeutsche Männer töten ihre Partnerinnen wegen Besitzansprüchen.



      Ein Fokus auf die Herkunft ist daher kontraproduktiv. Toxische Männlichkeit muss in der gesamten Gesellschaft bekämpft werden.



      .



      Toxische Männlichkeit ist gerade in der rechten Szene weit verbreitet. Rein statistisch sind Männern, die Frauen vor Ausländern schützen möchten, oft selbst gewalttätig gegenüber ihren Partnerinnen.

  • Wann kommt der Tag, an dem Männer begreifen, dass die Frauen nicht ihre Mütter sind und der Verfügungsanspruch kein Bedürfnis erfüllt?

    • @aujau:

      Diese Frage kann man stellen, sie hat aber mit dem vorliegenden Fall nichts zu tun, wie man mittlerweile weiß. Es bestand der dringende Verdacht, das Baby hätte ein Schütteltrauma erlitten. Das begründet natürlich eine Inobhutnahme, gegen die aber beide (!) Eltern gerichtlich vorgegangen sind.



      Ob es wirklich ein Schütteltrauma war, wissen wir nicht 100%ig - es kommt hier ab und zu auch zu Fehldiagnosen. Und - ohne die schreckliche Tat in irgendeiner Weise entschuldigen zu wollen - ich frage mich, ob die Herkunft des Vaters und sein "nicht situationsadäquates Verhalten" vielleicht dazu beigetragen haben, dass man ihm nicht geglaubt hat.

    • @aujau:

      Kennen Sie nicht die witzige Werbung, ich glaube für irgendeinen Erkältungsbalsam - da liegt der Mann schniefend auf dem Sofa oder Bett und sagt zu seiner Frau: Ruf bitte Mutti an, die soll gleich kommen!

    • @aujau:

      Der Täter hat zusammen mit weiblichen Mittätern 6 Mitarbeitende des Jugendamts erschossen, NICHT seine Frau oder sein Kind. Es dürfte sich also eher um eine Abrechnung mit den Behörden handeln. Jeder Behördenangehörige wird sich in Zukunft gut überlegen, ob er Maßnahmen gegen jemand einleitet.