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Nach Schüssen in StadeMehr Schutz für So­zi­al­ar­bei­te­r:in­nen gefordert

Nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendeinrichtung: Gewerkschaften fordern Debatte über bessere Schutzkonzepte in der sozialen Arbeit.

Dass ein Hilfeplangespräch wie in Stade in der Einrichtung und nicht auf einer Polizeiwache oder bei einem Gericht stattfindet, ist laut niedersächsischem Sozialministerium gängig. „Es gab vereinzelt Fälle in der Vergangenheit, wo auch die Polizei dazugeholt wurde von der Kommune, vom Jugendamt, wenn die Gefahrenlage so eingeschätzt wurde, dass das nötig ist“, sagte Ministeriumssprecherin Lea Karrasch. Dies sei hier nicht der Fall gewesen.

Wenn es beim Jugendamt Kenntnisse über Gefährdungen gebe, dann werde das natürlich berücksichtigt und es gebe Ratgeber dafür, sagte Karrasch. „Ob es darüber hinaus noch weitere Vorgaben geben muss über Sicherheitsvorkehrungen, darüber wird auf jeden Fall zu sprechen sein.“ In welcher Form und in welchem Ausmaß, ließe sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen.

Bei einer Attacke in einer Mutter-Kind-Wohngruppe im niedersächsischen Stade wurden am Montag Beschäftigte der Einrichtung und Mitarbeitende eines Jugendamtes getötet. Nach bisherigen Erkenntnissen hatten die Opfer einen Termin mit dem mutmaßlichen Täter, bei dem es ums Sorgerecht für dessen drei Monate alte Tochter gehen sollte. Der 45 Jahre alte Verdächtige war polizeilich bekannt. Laut Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol galt er aber nicht als „absolut gewalttätig“.

Tatbeteiligung der Mutter wird geprüft

Man werde über weiter reichende Sicherheitsvorkehrungen reden müssen, so eine Sprecherin des niedersächsischen Sozialministeriums

Der Sorgerechtsstreit liegt beim Oberlandesgericht Celle, das noch über den Fall entscheiden muss. Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG. In dem Eilverfahren hatte das Amtsgericht verfügt, Mutter und Kind in einer Einrichtung unterzubringen. Außerdem wurde beiden Elternteilen die Gesundheitssorge für ihr Kind aberkannt. Mehr Details wollte das Gericht am Mittwoch nicht nennen. Inzwischen ermittelt eine Mordkommission, der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Eine mögliche Tatbeteiligung der Mutter werde noch geprüft.

Gewerkschaften mahnen indessen einen besseren Schutz Beschäftigter in sozialen Hilfeeinrichtungen an. Für Mitarbeiter des Jugendamtes entstehen regelmäßig Situationen, bei denen es Kontakt mit Tätern gebe, sagt die Verdi-Landesbezirksleiterin für Niedersachsen-Bremen, Andrea Wemheuer. „Dem stehen mangelhafte Schutzkonzepte und fehlende Ressourcen gegenüber, um die Beschäftigten bestmöglich abzusichern.“

Soziale Arbeit chronisch unterfinanziert

Ähnlich kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, dass soziale Arbeit chronisch unterfinanziert und überlastet sei. Mutter-Kind-Einrichtungen gelten aber aus Sicht der Gewerkschaft im gesellschaftlichen Konsens als Schutzräume. „Dass hier ein Täter mit Waffengewalt in so ein Haus eingedrungen ist und Beschäftigte getötet hat, nimmt vielen Mitarbeitenden das grundlegende Gefühl von Sicherheit am Arbeitsplatz“, sagt Doreen Siebernik für die Gewerkschaft.

Es brauche Deeskalationstrainings, Doppelbesetzungen und bauliche Schutzmaßnahmen. Information über gewaltbereite Menschen müssten erfasst und zur Warnung weitergegeben werden. Als ein Beispiel nennt Siebernik die Installation von „stillen Alarmen“ an Schreibtischen, damit Betroffene sich unbemerkt verständigen können. (dpa, taz)

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