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UNICEF-Studie zum KindeswohlDeutschland wieder weit abgeschlagen

Ralf Pauli

Kommentar von

Ralf Pauli

Die kurze Grundschulzeit ist zentraler Grund für die Diskriminierung im deutschen Bildungsbereich. Diskrepanzen zwischen Arm und Reich sind massiv.

Prüfung nicht bestanden: Im internationalen Vergleich des Kindeswohls bleibt das Ergebnis für die Bundesrepublik ungenügend Foto: Armin Weigel/dpa

W as muss eigentlich noch passieren, damit Deutschland die systematische Diskriminierung benachteiligter Kinder stoppt? In keiner anderen Industrienation hängt der Bildungserfolg so stark vom Einkommen und Bildungsgrad der Eltern ab. Studien wie Pisa, Timss oder Iglu attestieren dem deutschen Schulsystem seit Jahren Totalversagen in seinem zentralen Versprechen – dass die Herkunft für die Bildungskarriere keine Rolle spiele.

Wie wenig das bis heute mit der Realität zu tun hat, prangert das UN-Kinderhilfswerk Unicef an: Deutschland kommt in der Studie zum Kindeswohl nur auf Platz 25 von insgesamt 37 Ländern. Pikant dabei: Hierzulande schneiden die Rich Kids im Lesen und in Mathe doppelt so gut ab wie die 15-Jährigen aus armen Haushalten. Mit jedem Tausender mehr auf dem Konto steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind aufs Gymnasium geht.

Mindestens genauso alarmierend ist die Beratungsresistenz der zuständigen Bundesländer. Dass die anhaltende Bildungsungleichheit vor allem an der frühen Aufteilung in Gymnasien und andere Schulformen liegt, ist nämlich lange bekannt. Es ist kein Zufall, dass außer Deutschland (und Österreich) kein anderes wohlhabendes Land Schü­le­r:in­nen bereits nach der 4. Klasse trennt.

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Wie stark ein längeres gemeinsames Lernen die Bildungschancen für alle stärkt, zeigt bereits eine zwei Jahre längere Grundschule wie in Berlin und Brandenburg. Wie viel mehr noch möglich wäre, kann man der Unicef-Studie entnehmen. Am besten schneiden darin die Niederlande und Dänemark ab: Länder, die auf eine acht- beziehungsweise neunjährige Volksschule setzen.

Protest aus bürgerlichen Reihen

Doch hierzulande traut sich niemand mehr an das Thema ran, seitdem Hamburg 2010 mit seinem Reformeifer den Widerstand des bürgerlichen Lagers provozierte – das im längeren gemeinsamen Lernen offenbar eine Zumutung für das eigene Kind sieht. Stattdessen doktern die Bildungsministerien an vielen verschiedenen Stellen gleichzeitig rum – aktuell sollen verbindliche Sprachtests im Kitaalter, ein verpflichtendes Vorschuljahr und mehr Ressourcen für Brennpunktschulen die Wende bringen.

Dass dies gelingt, muss leider bezweifelt werden. Schließlich hängt auch der Zugang zu Kitas von den familiären Ressourcen ab. Solange es nicht genügend Kitaplätze für alle gibt, werden also vor allem die Kinder das Nachsehen haben, die von der Kita profitieren würden. Die Rückstände, mit denen benachteiligte Kinder in die 1. Klasse starten, können Grundschulen nicht abbauen. Jedenfalls nicht in vier Jahren.

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Ralf Pauli
Redakteur Bildung/taz1
Seit 2013 für die taz tätig, derzeit als Bildungsredakteur sowie Redakteur im Ressort taz.eins. Andere Themen: Lateinamerika, Integration, Populismus.
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80 Kommentare

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  • Die Berliner Bildungspolitik eignet sich ja wohl kaum als Vorbild. Auch ein längeres gemeinsames Lernen wird die bestehenden Probleme nicht lösen. Während die einen Kinder ausgebremst werden, sind die anderen Kinder halt dann noch mehr frustriert. Was uns als Hauptschule tatsächlich helfen würde, wären Maßnahmen wie z.B. der Ausbau der Ganztagsbetreuung, kostenloses Frühstücks- und Mittagessensangebot, mehr Schulsozialarbeit, stärkere Förderung der frühkindlichen Bildung, gezielter Spracherwerb im Kindergarten oder in Kleinstklassen vor der Integration in den Regelunterricht, Sprach- und Integrationskurse für Eltern, zusätzliche Verwaltungsfachkräfte. Auch Sanktionsmöglichkeiten (gegenüber Eltern und Schüler) müssen sinnvoll erweitert werden. Die derzeitige Form der Inklusion an unseren Schulen muss dringend überarbeitet werden.

  • Das ist deutschland im Kleinen hier. Jeder hat eine Meinung woran die Misere liegt. Lauter Widersprüche. National denkt hier freilich jeder im Sinne von: wir sind eine Schicksalsgemeinschaft und müssen einen internationalen Wettbewerb bestehen damit es uns in unserem Land gut geht.

    Was mich persönlich immer wieder irritiert ist der Umstand, dass wir ja bessere Jahrgänge hatten, auch schon PISA-verifiziert. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe Fragen z.B. die, ob die ganze moderne Methodik usw. wirklich etwas (geschweige viel) bringt. Auch die Frage beim Blick auf einige Länder, die 12 Jahre haben und nach 4. Klasse aussortieren wie Sachsen wirft Fragen auf. Die BRD diskutiert Schule zutiefst ideologisch, so mein Eindruck. Der ganze Management-Ansatz imbezug auf Schule, als selbstverständlich betrachtet, ist die nächste Irritation. Dann frage ich mich auch, wie es eigentlich sien konnte, dass eine doch recht gut mit Personal bestückte Institution so ausgelaugt werden konnte. Wer hat da fehlgeplant? Wer hat geschlafen? Wer hat übersehen, dass sich Rahmenbedingungen für Lehrer geändert haben? Wer ist auf junge Absolventen zugegangen?

    Das ist doch eine einzige Bankrotterklärung.

  • Das Bildungssystem in Deutschland ist stark von der kapitalistischen Wirtschaft abhängig, die Kapitalbesitzer und die 'Reichen' haben es geschafft, Bildungschancen so zu manipulieren, das ihr Nachwuchs weniger Konkurrenz erhält.



    Das ist der ganze Kick dieser Statistik.



    Es ist in Deutschland einer Oberschicht sehr wichtig, dass möglichst wenig Menschen aus armen Haushalten am Ende ein Krankenhaus leiten, eine Zahnarztpraxis betreiben oder einen Investmentfonds managen.



    Selbst Lehrer schaffen es in der Oberstufe, ihre eigenen Kinder in die Stipendien zu bringen, die sie beeinflussen können.



    Inzwischen sind die Nachteile dieses Systems aber riesengroß: Viele Schüler geben einfach auf, sie hören auf, zu lernen, verhalten sich in der Schule nicht mehr kooperativ.



    Danach schaffen sie kaum eine Ausbildung, müssen teilweise über das Jobcenter Easy-Qualifizierungen machen, die aber nur den Mindestlohn einbringen.



    2024 sind 62.000 Schulabgängern ohne Abschluss aus der Schule entlassen worden. Das größte Problem ist aber, dass die Zahl sogar steigt. Dazu steigt der Anteil von Schülern mit ESA (wieder), obwohl tendenziell höhere Fähigkeiten verlangt werden.

    • @Andreas_2020:

      Was Die schreiben kann ich überhaupt nicht nachvollziehen!

      Es gibt sicherlich den Punkt, dass Kinder aus wohlhabenden Familien bspw. ein Studium leichter finanzieren und auf dem Weg dorthin auch bessere Möglichkeiten haben.

      Jedoch in der Grundschule und auf dem weiteren Weg bis dorthin sind alle gleich!

      Es liegt viel mehr daran, was einem Kind vorgelebt wird! Wie es motiviert wird!

      Wir haben jedoch unser Schulsystem, auch in der Berufsschule massiv verändert und das nicht zum besseren.

      Ein Beispiel:



      Vor etwa 4 Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem erfahrenen Prüfer der IHK. Dort werden Lehrlinge nicht mehr nach dem geprüft was für den Beruf relevant und notwendig ist, sondern die Schwere der Prüfung wird auf das (niedrigere) Leistungsniveau der Lehrlinge angepasst. Damit wird sichergestellt, dass genügend die Prüfung bestehen!



      -> für mich ein Irrsinn

    • @Andreas_2020:

      Wie erklären sie sich, dass Einwanderer aus China, Vietnam, Korea oder mit die besten Abschlüsse in Deutschland haben? Obwohl ihre Eltern meistens in prekären Arbeitsverhältnissen standen/stehen. Ist es der Ehrgeiz und die Disziplin dieser Kinder? Oder der Druck der Eltern?

      • @Ahnungsloser:

        Das Erziehungsmodell dieser Eltern fusst von vornherein auf Bildung und das Bild von Frauen/Mädchen sieht keine Rolle n u r als Hausfrau/Mutter vor, das vereinfacht eine Erziehung zu Bildung. Es ist übrigend bei Russen/Deutschrussen auch sehr ähnlich, man trifft diese Eltern beim Kindertheater, in der Musikschule, beim Ballet, beim Sport, die halten Bildung auch hoch, es sind nicht nur die Staaten China, Vietnam, Korea. Und man trifft in katholischen Schulen oft auf desorientierte Kinder aus italienischen Familien, die oftmals hart in der Gastronomie arbeiten und das Familienleben nicht stringend auf BIldung ausrichten können. Armut alleine schafft keinen Bildungsabstieg. Da gebe ich Ihnen recht, aber die Kombination aus Wohnviertel, prekärer Arbeit, schlechten Arbeitszeiten, mangelhafter Integration, Erziehungsmodelle für Mädchen zu Hausfrau/Mutter, Erziehung zum Clan bzw. Familienmitglied, schlechte Freizeitgestaltung, mangelhafte Liebe, traumatisierte Eltern (Flucht, Folter, Asyl) das alles kann zum Nachteil beim Bildungswettkampf führen. Das deutsche System ist ja durchlässig, aber die Selektion und das Schulsystem schaffen viele 'Verlierer" - leider.

  • Wir diskutieren uns zu Tode - auch ein schöner Sport!



    Wenn es um das Kindeswohl ginge, gäbe es auch Mittel.

  • Nachdem wir doch alle festgestellt haben, dass Leistung doof ist, müssen wir uns über den Bildungsstand unsere Kinder da keine Gedanken machen.



    Die um sich greifende Ablehnung von Leistung, Disziplin und Fleiß trägt halt irgendwann Früchte.

    • @Herbarius Zunichten:

      Es ist doch genau umgekehrt, durch das System von Gymnasien, früher Auslese, schlechter Didaktiklehre an der Uni und hoher Armut kommt der Leistungsabfall bei Kindern aus armen Haushalten zustande.



      Viele Schulen sind direkt an den Kindern und Eltern vorbei konzipiert, alleine die Ganztagsschulen sind meist räumlich-architektonisch nicht auf einen Verbleib von acht bis neun Stunden konzipiert. Viele Kinder sind dort eher verwahrt, als betreut/gelehrt. Und Disziplinieren tunt die Lehrer ständig, es werden immer Leistungstests abgehalten, die bei vielen Schülern zur nachhaltigen Depression führen, weil deren Eltern keine Nachhilfe bezahlen können und es selber auch nicht können, sie immer miese Noten erhalten.



      Die Menschen in Dänemark oder Finnland sind genetisch nicht klüger oder agiler als die Menschen in Deutschland. Aber in Dänemark sind normale Schulen viel besser ausgestattet und auf Kinder eingestellt. Und Dänemark war auch mal ein Agrarstaat mit einer einzigen Großstadt. Der Wohlstand war dort auch mal extrem hart erwirtschaftet. Aber das Beispiel DK zeigt für mich eben, dass es anders geht. Das müsste es auch in Deutschland.

      • @Andreas_2020:

        Viele Eltern sind auch an den Kindern vorbei konzipiert.

        Die frühe Auslese hatten wir zu meiner Zeit auch. Diese war nicht immer korrekt. Die einen sind früh wieder vom Gymnasium zurück, die anderen von der Realschule wieder hoch.



        Andere haben nach der Hauptschule eine Ausbildung gemacht und sind dann nochmals durchgestartet.



        Andere haben ein super Abi gemacht, jedoch danach daraus beruflich wenig gemacht.

        Wir schreiben hier über Kinder und junge Erwachsene die noch in der Entwicklung sind.

        Motiviert sie! Lebt ihnen selbst ein gutes Beispiel vor!

        Und bringt ihnen nicht von Anfang an bei, dass das System Sie benachteiligt und wenn irgendetwas nicht klappt, Sie nichts dafür können, sondern das System, die Politik und die besser gestellten daran schuld sind!

    • @Herbarius Zunichten:

      Nicht ganz falsch, doch als Ausrede für Verlotternlassen im Bildungssektor und Sozialschwäche des Systems halt nur nicht hinreichend, finden Sie nicht?

  • Wieder so ein Artikel, der den PISA-Absturz in Deutschland mit „Schulsystem“, Geld oder „sozialer Herkunft“ erklärt.

    Komisch nur: Länder mit besseren PISA-Ergebnissen haben weder mehr Geld noch weniger soziale Ungleichheit!

    Der Unterschied ist gesellschaftlich: In erfolgreichen Bildungsländern haben Leistung, Bildung und Eigenverantwortung in allen sozialen Schichten einen hohen Stellenwert.

    Genau diese deutsche Mentalität, die Verantwortung ständig beim "System" statt bei der eigenen Haltung zu Bildung zu suchen, ist das eigentliche Problem.

    • @Benzo:

      In Deutschland spielt das Bildungssystem im Unterricht und im alltäglichen Leben der Kinder und Jugendlichen gar keine Rolle. Aber es ist schon so, dass die meisten Lehrer aus der Mittelklasse stammen und inzwischen (eher) wenig Verständnis für arme Kinder haben. Und in Brennpunktschulen sind bis zu 70 Prozent der Kinder im Bezug von SGB 2. Auf Gymnasien manchmal 0 bis 5 Prozent SGB 2. Selbst beim Abi unterscheiden sich Gymnasien und Gesamt- bzw. Stadtteilschulen erheblich. Es können bis zu zwei Jahre sein, das bedeutet, dass sich die Ungleichheit sogar in die Universitäten überträgt.

    • @Benzo:

      Wir werden uns hier fast alle darauf einigen können, dass Bildung sehr hoch aufs Treppchen gehört.



      Einige werden das woanders verneinen und berufsbezogene Ausbildung ohne Bildungsflausen propagieren, kapitalismuskonform, für die angepassten Karriere. Sonst seien die ja selbst schuld.



      Einige werden auch Selbstverantwortung ganz von sich weisen.

      Die meisten werden aber verstehen, dass Bildung für den Einzelnen und das Gemeinwesen zentral ist, so aushandelbar in den Zeiten von KI der Inhalt davon ist. Ich gehöre womöglich auch zu den Menschen, die, sagen wir, Novalis freiwillig lesen oder die Hauptstadt Bhutans aufzusagen wüssten, doch kann es heute nicht ebenso wichtig sein, der KI oder Social Media nicht alles ungeprüft zu glauben, sondern sich ein eigenes scharfes Bild machen zu können?

      Und wir hätten einen raschen Hebel für mehr gute Ergebnisse in der Breite, wenn wir wie in anderen Ländern nicht schubladisieren, sondern jeden bestmöglich und methodisch kompetent fördern. Nicht nur sortieren, sondern stärkste Bildungsleistung von jedem sollte das Ziel Nr. 1 werden.

    • @Benzo:

      Das stimmt leider. Man hört immer - insbesondere wenn es nicht so gut läuft - dass nicht genug gefördert würde oder auf Schwierigkeiten zu wenig Rücksicht genommen würde.



      Dass man Problemen mit Eigeninitiative oder Fleiss begenet, und versuchen muss sich durchzubeissen hört man immer seltener.



      Davon umbenommen muss man natürlich Fehler im System (wie die nur 4-Jährige Grundschule) beseitigen und Dinge verbessern.

    • @Benzo:

      Vielen Dank! 👍

      Einige Werte, die wir in den letzten 3-4 Jahrzehnten verloren haben, hätten eine Renaissance verdient. Auch in Bezug auf Selbstreflexion, Bildung und Erziehung

  • Mantra der Politik:



    Da wir keine Rohstoffe haben, brauchen wir kluge Köpfe!



    Kein Kind wird zurückgelassen !



    Kinder sind unsere Zukunft!



    Wirklichkeit:



    Bei Kindeswohl und Bildung: ... beinahe Schlußlicht !!!



    Bei uns stehen die Kinder im Mittelpunkt ! ... und damit immer im Weg !! (Satire)

  • Die letzte PISA-Studie hat ja gerade gezeigt, dass die Leistungsunterschiede nach Elternhaus (die übrigens gar nicht vollständig zu vermeiden sind) in Deutschland inzwischen im Schnitt der anderen Länder liegen.



    Und die fallende Entwicklung der PISA-Ergebnisse zeigt, wie man das geschafft hat:



    Man hat den (potentiell) guten Schülern die Leistung abtrainiert.



    Das ist verständlich: Denn das ist pädagogisch leichter umzusetzen, als schlechte Schüler besser zu machen.



    Jedenfalls schaufeln wir uns als Gesellschaft mit dieser Leistungsfeindlichkeit unser wirtschaftliches Grab. Und dann brauchen wir über ehrgeizige Projekte wie Umverteilung, Verteidigungsbereitschaft oder Klimaschutz erst gar nicht mehr nachzudenken.



    Bevor wir also die - im internationalen Vergleich aktuell gar nicht so schlechten - Ergebnisunterschiede beweinen, sollten wir erst einmal schauen, dass sich die Leistungen auf dem Niveau von vor ca. 20 Jahren stabilisieren.



    Das ist kein sonderlich ehrgeiziges Ziel, wie auch unsere Nachbarländer zeigen. Dennoch scheint es für Politik und Schulen völlig außer Reichweite.

    • @Frauke Z:

      Danke für diesen deutlichen Satz:

      "Man hat den (potentiell) guten Schülern die Leistung abtrainiert."

      Das mantraartige „soziale Herkunft“ erklärt die schwachen Leistungen in Deutschland eben nicht. Sonst müssten Länder wie Singapur oder Japan trotz größerer sozialer Unterschiede deutlich schlechter abschneiden. Der entscheidende Unterschied ist eher die Lernkultur: Dort haben Bildung, Disziplin und Leistung einen höheren Stellenwert – unabhängig vom Einkommen. In Deutschland wird dagegen über ungerechte Strukturen diskutiert als über Leistungsanspruch und Eigenverantwortung.

      • @Benzo:

        Disziplin! die gute alte deutsche Tugend!



        ist mE das Gegenteil von Eigenverantwortung.

        Deutschland ist eins der sehr wenigen Länder mit Schul-Anwesenheitspflicht.



        Schaut man sich die Kinder und Jugendlichen heute an, mit all ihren verschiedenen Begabungen, dann wird schnell klar, wie wenig erfolgreich das Disziplinieren durch starres "In der Bank still sitzen und zuhören müssen" zu Eigenverantwortung und Selbstdisziplin führt.

        Das Kind einer Freundin, das regelmäßig aus dem Unterricht flog, wurde (schon 2007) nach dem Umzug in Australien recht bald vom Lehrer gefragt, was es denn brauche, um zu lernen, ob es zu Hause besser ginge als in der Schule... Es ging, u so gab es viele Tage mit Homework. Ebenso bei einer befreundeten finnischen Familie.

        Einer meiner Söhne sollte nach der KiTa auf eine Schule für Lernschwache. Zum Glück fanden wir eine Schule, in der Spiel und echte Arbeit im Vordergrund stand und das Lernen oft wie nebenbei stattfand. Heute ist er Ingenieur mit Promotion.

        Ich plädiere für eine Schule für Alle, bis zum Schulabschluß in der sich die Kinder durch freies Spiel und echte Arbeit entwickeln u den Jugendlichen der Raum gegeben wird, sich auszuprobieren!

  • Ein "Versprechen – dass die Herkunft für die Bildungskarriere keine Rolle spiele" ist groteske Ideologie. Natürlich wird die Herkunft immer eine Rolle spielen. Das zu negieren ist doch schon der Anfang des Problems. Selbst totalitäre Staaten wie die DDR haben das nicht hinbekommen, obwohl zum Beispiel bei mir penibel darauf geachtet wurde mich wegen meiner Eltern nicht zum Studium zuzulassen. Trotzdem wurden auch damals die Kinder von Akademikern meist selber Akademiker. Vielleicht wäre es ja etwas realistischer uns bei Migration auf die bildungsbürgerlichen Eliten der Herkunftsländer zu beschränken? Dann gibt es auch deutlich weniger Probleme mit den Bildungs-Statistiken und der Integration der Kinder. Die Kinder der größten Verliererländer aller internationalen Vergleichsstudien aber im großen Stil in unseren Schulen zu versammeln und dann überrascht Diskriminierung zu rufen, wird in der Praxis katastrophal enden.

    • @Šarru-kīnu:

      Das ist nicht ganz korrekt:



      An den Universitäten und Hochschulen der DDR lag der offizielle Anteil der Akademikerkinder (in der DDR-Statistik meist unter der Gruppe der „Intelligenz“ erfasst) in den ersten Jahrzehnten reguliert bei unter 20 bis maximal 30 Prozent, stieg jedoch bis zum Ende der DDR im Jahr 1989 real auf schätzungsweise über 50 Prozent an.



      BRD: Akademikerkinder sind 56 Prozent der Studenten, aber, das ist viel bedeutsamer: 74 bis 79 Prozent aller Akademikerkinder nehmen nach der Schule ein Studium auf.



      Der Anteil der Akademikerkinder ist nicht der wesentliche Punkt, sondern, dass sich Akademikerfamilien immer wieder an die Uni durchkämpfen. Sie lernen, wie man das macht und wie man dort erfolgreich ist. Dagegen war die DDR am Anfang mit 30 Prozent noch eher harmlos, aber da spielte auch die Zugehörigkeit zur SED, FDJ, das OK der Stasi etc. eine Rolle. Solche Mechanismen gab es in der BRD ja nicht.

    • @Šarru-kīnu:

      Die DDR als Beispiel für sehr große, aber vergebliche Bemühungen um Chancengleichheit?



      Das ist ein beeindruckendes neues Projektionslevel.

    • @Šarru-kīnu:

      Ihnen ist aber klar, dass in der DDR die Herkunft "Arbeiterklasse" ein deutlicher Vorteil bei der Studienzulassung war?

    • @Šarru-kīnu:

      @ Sarru-kinu



      Also da Einschränkungen bezüglich der Herkunftsländer vorzuschlagen, halte ich für zu elitär. Unsere Bildungsministerin Frau Karin Prien, hat es doch auch sehr gut - trotz Herkunftsland Holland und ihres Glaubens sehr gut geschafft sich hier zu integrieren. Ein gutes Beispiel für Migranten - es geht in Deutschland und für die Deutsche Bevölkerung doch auch ein sehr gutes Zeichen.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Frau Prien ist zwar Jüdin weil sie eine jüdische Mutter hat und definiert sich auch selbst als jüdisch, ist aber nicht gläubig! Also ist die Bezeichnung „ihres Glaubens“ so nicht korrekt und reduziert das Jüdischsein wieder allein auf die religiöse Komponente. Und wenn deutsche Juden aus den Niederlanden zurückkehren ist das doch keine Integration in dem Sinne.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Wenn Zuwanderung erfolgreich sein soll kann und darf sie nur nach elitären Gesichtspunkten ausgestattet sein. Und das Zuwanderer aus europäischen Nachbarstaaten deutlich bwaaer in D Anschluss finden ist nun auch eher die Regel als die Ausnahme und daher keiner besonderen Erwähnung wert.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Das ist m.E. kein Gegenargument zu Sargon. Von denen es einige andere gäbe.



        Frau Prien geb. Kraus hatte deutsche Großeltern, hat bereits ihr Abitur in Neuwied abgelegt. Prien bezeichnet sich als jüdisch (ist da auch Vorsitzende der Juden in der CDU), aber nicht religiös-jüdisch. Wobei ja wohl wie Christentum, Islam, Atheismus, ... und Pastafaritum auch Judentum zu Deutschland gehört.

        Ferner können Deutsche rein sprachlich rasch Niederländisch und Niederländer rasch Deutsch lernen, zumindest halbwegs. Das sollte für die meisten einfacher sein als Bairischer Woid, Bäärnerdüütsch o.ä.

    • @Šarru-kīnu:

      Da ist was dran. Bringt hier aber keinen Applaus ein.

    • @Šarru-kīnu:

      Und wenn wir nur Akademiker importieren: Wer putzt Ihr Büro, bringt Ihre Pizza?



      /s

      Um mal einen selbst gehörten Satz eines Professorenkinds zu paraphrasieren "Es kann doch nicht jeder studieren. Wer macht denn den Müll weg", der sich sicher selbst nicht im orangen Anzug sah.

      Nicht auf die DDR-Methode, die damit ja "Klassenfeinde" auch bekämpfen wollte. Sondern gezielt offene Wege für alle, nicht für die mit zufällig Akademikern im Stammbaum. Fände ich gut auch für das Selbstbewusstsein von Akademikerkindern. Die wüssten sicherer, dass es nicht der Habitus des Elternhauses war. Im Westen war ein Satz "Das Kind wird ja von seinen Eltern gefördert werden können". Özdemir hat zuletzt dagegen erzählt, wie es bei ihm als Arbeiterkind türkischer Herkunft war.

      • @Janix:

        Die Frage „Wer putzt dann die Büros, wer bringt die Pizza?“ offenbart bereits das Kernproblem: Sie unterstellt stillschweigend, dass bestimmte Gruppen dauerhaft für bestimmte Tätigkeiten vorgesehen sind. Genau das widerspricht dem Ideal gleicher Chancen.

        Niemand bestreitet ernsthaft, dass Herkunft, soziales Milieu und familiäres Kapital Bildungswege stark prägen. Das war so und bleibt so. Selbst die DDR hat diesen Zusammenhang trotz massiver Eingriffe nicht aufheben können. Die Behauptung, Herkunft spiele keine Rolle, ist daher Ideologie, keine Analyse.

        „Offene Wege für alle“ funktionieren nur, wenn die Startbedingungen halbwegs vergleichbar sind. Wenn jedoch große Teile der Zuwanderung aus Bildungs- und Sozialsystemen stammen, die international schlecht abschneiden, ist es keine Diskriminierung, sondern Realität, dass ihre Kinder im Schnitt größere Probleme haben. Dass sich das später auch im überproportionalen Bezug von Sozialleistungen und Bürgergeld widerspiegelt, ist eine Folge dieser Struktur kein moralisches Urteil.

        Einzelfälle wie Cem Özdemir zeigen, dass Aufstieg möglich ist, ersetzen aber keine Statistik. Politik muss sich an Mehrheiten orientieren, nicht an Ausnahmen.

        • @Zippism:

          Da war ein kleines "Sarkasmus - Ende!"-Zeichen (/s). Daher kein Widerspruch, wir sind zusammen.

          Meine Aussage war tatsächlich das keine deskriptive, sondern eine normative. Reden wir also darüber, wie wir dahin kommen. Wir erinnern uns übrigens auch noch der Aufschreie über die angeblich so integrationsunmöglichen Syrer, die nun unser System gleich an verschiedenen Punkten stützen.



          (Auf pure Nützlichkeit will ich Menschen nie mehr reduzieren, das auch zu sehen ist dabei ja womöglich eine hilfreiche Perspektive)

          • @Janix:

            Mein Punkt bleibt:



            Offene Wege allein reichen nicht. Sie sind notwendig, aber nicht hinreichend. Wenn Startbedingungen massiv auseinanderliegen, reproduziert ein formal offenes System soziale Unterschiede – es legitimiert sie sogar nachträglich („Alle hatten doch die Chance“).

            Trotz großer Integrationsbemühungen zeigt sich in den Zahlen: Ende 2023 lebten knapp 972 000 Syrer:innen in Deutschland, davon rund 712 000 als Schutzsuchende. Nur ein Teil ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt, während viele weiterhin Arbeitsuchend sind und SGB II-Leistungen beziehen. Im August 2024 bezogen etwa 518 000 syrische Staatsangehörige Grundsicherung nach SGB II – das sind über die Hälfte dieser Gruppe und zeigt, wie langwieriger Arbeitsmarktzugang trotz Integrationsprogrammen ist.

            Normative Perspektive ist der entscheidende Punkt. Wenn wir nicht über „Nützlichkeit“ reden wollen (zu Recht), dann müssen wir über Strukturen reden. Über Systeme, die Aufstieg wahrscheinlicher machen, statt ihn nur zuzulassen: Frühere und bessere Förderung vor der Schulentscheidung, Entkopplung von Bildungserfolg und Elternressourcen, realistische Erwartungen an Integrationsverläufe.

            • @Zippism:

              Sie nennen die Kehrseite einer "Meritokratie". Auch da: Ja, daher da strukturell anpacken.



              Zum Nebenthema: Die syrischen Männer sind da inzwischen weitgehend in Arbeit (61,8 % Sep. 25; die Frauen sind es freilich da nur halb so viel). Syrer arbeiten oft in sogenannten Engpassberufen – laut einer Auswertung des Instituts der Deutschen Wirtschaft traf das bereits 2024 auf rund 80.000 Syrer zu. Dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge arbeiten syrische Männer vorwiegend in Verkehrs- und Logistikberufen (22 Prozent), im Lebensmittel- und Gastgewerbe (14 Prozent), im Gesundheitswesen (11 Prozent) oder im Baugewerbe (9 Prozent).

  • Wohlhabende sind oft deshalb wohlhabend, weil sie fleißig sind, Ziele durch Arbeit und Motiviation erreichen. Das muss den Kinder vermittel werden. Von nix kommt nix und dann hängt man sich rein und dann funktioniert es auch. Talent gehört auch dazu, aber wie der Spruch ausm Fußball schon sagt: "Fleiß schlägt Talent". Und wenn mir was an meinen Kinder liegt, dann lern ich mit denen zu hause. Unser Schulsystem ist so durchlässig, dass die Kinder, die später reifen noch alles erreichen können, egal welchen Abschluss sie machen. Man muss es halt wollen

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Das würden Sie gerne glauben. Das glauben - noch - auch noch einige. Ein wenig stimmt es auch. Es ist auch sicher eine hilfreiche Illusion, hier an die eigene Initiative zu glauben, und eine Welt, in der Sie und ich gerne leben würden. Ich mag Engagement (und Talent auch).

      Und jetzt das Aber zugleich: Es ist leider nicht (mehr) so. Elternhaus/Erbe bestimmt mehr als eigenes Einkommen das Vermögen. Was wir wohl beide als Skandal werten.







      Wer Leistung belohnt sehen will, muss wohl sogar eine linke Partei wählen und wieder mehr echte Chancengleichheit anstreben. Sonst rackern die einen und kommen nicht durch (wer arbeitet in Anstrengung gerechnet mehr als ein Paketbote oder eine Unter-Krankenschwester), die anderen bekommen das Geld und die Connections von Papi nicht durchgebracht, so faul oder ungeeignet sie auch wären.

      • @Janix:

        Das glaub ich auch wirklich. Wer es bei uns will, kanns auch schaffen

        • @Klaus Schwarzmüller:

          Der Glaubenssatz vor allem vieler, die es schafften.



          Dass es Verdienst und nicht Herkunft oder Zufall war.



          Frei nach der Bibel: "Danke, dass Du mich Pharisäer so gemacht hast und nicht wie den Zöllner".



          Unter "survivor bias" finden Sie auch Interessantes.

          Wie gesagt, eine wohl auch hilfreiche Illusion, da mensch das Anpacken nicht gleich aufgibt. Dann nicht mehr so hilfreich, wenn mensch sich beim Scheitern des redlichen Bemühens selbst oder "Ausländer" hasst.







          Die Daten setzen jenen Satz halt nur in Zweifel und zunehmend. Der Aufstiegskanal wurde von der SPD ab den späten 1960ern aufgestemmt, aber ab den 1980ern von den bürgerlichen Parteien wieder zugedrückt. Inzwischen haben wir private Schulen, Unis. Reichtum und Bildungszugang vererbt sich in der Regel, da die Maßnahmen zur Fairness-Schaffung von Lobbyistenverbänden mit neoliberalen "Argumenten" zerlegt wurden.

        • @Klaus Schwarzmüller:

          Wenn die materielle Grundlage sehr dünn ist, ist es viel schwerer...

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Und deshalb macht man nix?

            • @Klaus Schwarzmüller:

              Wie kommen Sie auf nix?

      • @Janix:

        Ganz so eindeutig ist die Schuldfrage nicht, wie sie hier dargestellt wird. Es waren gerade linke und links-liberale Reformen, die das Bildungssystem stark verändert haben: Integration und Inklusion ohne ausreichende personelle und finanzielle Ausstattung, Absenkung von Leistungsanforderungen und eine Schulpolitik, die Unterschiede zunehmend nivelliert statt gezielt zu fördern.

        Das war gut gemeint, hat aber vielerorts zu überforderten Schulen, sinkendem Unterrichtsniveau und weniger individueller Förderung geführt. Besonders Kinder aus nicht privilegierten Elternhäusern sind darauf angewiesen, dass Schule verlässlich Leistung vermittelt. Wenn Anforderungen aus ideologischen Gründen gesenkt werden, profitieren davon vor allem diejenigen, die zu Hause ohnehin aufgefangen werden.

        Chancengleichheit entsteht nicht durch das Absenken von Maßstäben oder die Verschiebung aller Verantwortung auf „das System“, sondern durch klare Erwartungen, frühe Förderung, Leistungsorientierung und die Einbindung der Eltern. Leistung und Einsatz sind kein Mythos, sondern für viele der einzige realistische Aufstiegsweg – gerade für diejenigen ohne Vermögen oder Beziehungen.

        • @Zippism:

          Hallo, Zippism, den Beitrag hätte auch ich fast so schreiben können (und geschrieben, wenn hier alle nur linksliberal argumentiert hätten). Zumindest beim Hochhalten von schulischem Fordern, gerade auch zur Förderung aller. Daher ist mein Ideal innerhalb Deutschlands wohl das CDU-Schavansche Baden-Württemberg.



          Ergänzt durch ausreichend und gutes Personal und Ressourcen im Bildungswesen. Lehrers, denen es nicht um die Beamtenunkündbarkeit im Staatsdienst geht, die auch nicht von einem System nur ausgebremst werden.

          Und ja, wir müssen, bevor alle den Stand merken und danach resignieren, die Aufstiegskanäle wieder breit machen, die von gewissen Parteien zugestopft werden. In den 1970ern hat diese Chance für die Vielen ja auch schon mal funktioniert, und es tat der Gesellschaft wohl gut.

      • @Janix:

        Seit wann wollen linke Parteien Leistung belohnen?

        • @Ahnungsloser:

          Seit jeher!

          Lesen und verstehen Sie meinen Beitrag bitte ein zweites Mal. Wenn v.a. der Zufall der Herkunft entscheidet, ist Leistung zweitrangig geworden. Dann sind wir wieder im Feudalismus. Daher wieder mehr Chancengleichheit.

          • @Janix:

            Nach meiner Beobachtung strebt Linke Politik Gleichheit vor unterschiedlichem Wohlstand an. Gleichheit ist auf niedrigem Niveau leichter zu erreichen als auf höherem Niveau.

            • @Strolch:

              Links wäre, sehr locker definiert: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

              Ums mit Lafontaine zu sagen: Bordeaux für alle kann da durchaus das Ziel sein, wieso nicht? Grundsätzliche Gleichheit hilft ja auch bei viel anderem mit: Gesundheitsstand, Ausschöpfen des Bildungspotenzials, Nachhaltigkeit.

  • Vielleicht ist das die Reaktion auf linke Schulmodelle, wo Integration von Migranten,Inklusion und Freiheit der Schulwahl an erster Stelle steht. Dass Sind wünschenswerte Dinge ohne Frage , aber Sie kosten Geld und benötigen sehr viele Lehrkräfte. Beides haben wir zur Zeit nicht zur Verfügung. Aber ohne ausreichend Lehrkräfte bringen die Modelle Integration und Inklusion nur , dass die ganze Klasse weniger lernt und das Niveau absinkt. Das ist Fakt. Jetzt werden die Budgets für die Intensive Schulbegleitung z.B. Inklusion deutlich gesenkt, toll! So wird es ganz sicher besser werden - also entweder mehr Geld ausgeben oder den Wunsch von Inklusion und Integration von Migranten aufgeben , Gesamtschule beerdigen und ein klassische Schulsystem wiedereinführen. Ohne Geld ist das jetzige Schulsystem völlig überfordert und damit leiden alle Schüler!

  • Eine bestandener Sprachtest vor der Einschulung sollte zum Standard für diese werden.



    Das hilft allen Beteiligten. Die Kinder verstehen sich untereinander und die Lehrkraft. Integration und gegenseitiges Verständnis werden dadurch auch einfacher.

    • @Sole Mio:

      Ja, am besten ein Jahr vor der Einschulung, und wer nicht besteht sollte dann eine Kita / Vorschule besuchen müssen. Der Punkt mit der zu kurzen Grundschulzeit ist genauso wichtig, und auch durch Studien hinlänglich bekannt und belegt. 6 Jahre sind besser!

  • Leider geht es hier nicht nur um die staatlich gewollte Verarmung in Deutschland.



    Wenn nur 60% ALLER deutschen 15-jährigen Kinder die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathe erreichen, geht das Problem weit darüber hinaus.



    Es ist die Abkündigung unserer FDG, die Bildung, Gesundheit und ein sozial abgesichertes Leben für alle verspricht.



    Da Bildung ja reine Ländersache ist: Es ist das Scheitern unserer förderalen Demokratie.



    Und es ist das Scheitern der bürgerlichen Parten Union, SPD, Grüne und FDP, die politisch dafür die Verantwortung übernehmen müssen.

    Die Schuldenbremse und die Agenda 2010 wurden schließlich von diesen Parteien beschlossen.



    Die gewollte Umwandlung eines wohlhabenden Industrielandes in den größten europäischen Niedriglohnsektor zeigt jetzt seine böse Wirkung.

    Da soll jetzt bitte niemand aus diesen Vereinen behaupten er/sie hätten es so nicht gewollt.

    • @hsqmyp:

      "Wenn nur 60% ALLER deutschen 15-jährigen Kinder..." die Formulierung trifft nicht zu und Die werden sie in keinem der Texte zum Thema finden. Sachlich richtig wäre "Wenn nur 60% ALLER 15-jährigen Kinder in Deutschland..."



      Kleiner Unterschied.

  • Berlin hat eine Grundschulzeit von sechs Jahren - und ist wohl kaum ein gutes Beispiel dafür, dass dies das Bildungsniveau verbessert 🤣

    • @Emsch:

      Berlin gibt ca. 14.000 € pro Schüler und Jahr aus, Bayern etwa 12.000 €.

      Bayern liegt bei PISA überm Durchschnitt. Berlin gehört zum Schlusslicht.

      Am Geld oder „dem System“ allein kann es also offensichtlich nicht liegen.

    • @Emsch:

      Berlin, dumm aber sexy.

  • Wundert das wirklich jemanden?



    Das klingt immer so überrascht, als hätte irgendjemand etwas anderes erwartet. Wunschdenken!

    Es gab keine Anzeichen, keine Veränderungen, keine Weichenstellung in eine andere Richtung.

    Das Bildungssystem bildet sehr einseitig und bringt passive, unbewusste und Menschen mit schlechtem Selbstwert hervor.

    Kinder brauchen keine Spielplätze!

    Für die Jugend ist nirgends Platz.

    Tja, was wollen wir, das aus unseren Kindern wird? Vielleicht wäre es mal gut, diese Frage zu beantworten.

    In den 70ern gab es Kinderbücher, die voller Fantasie waren. Heute enthält jedes Buch mindestens einen (beschissenen) „Bildungsaspekt.“

    Fragt man einen 7 jährigen Kogi, was er mal werden will (er versteht die Frage gar nicht!), hört man, dass er Verantwortung für die Natur, seine Gruppe und sich übernehmen will.



    DAS… hört man hier noch nichtmal von Erwachsenen… geschweige denn von Politikern. Wo soll es also herkommen?



    Aus einer leeren Erwachsenenwelt wird nichts fruchtbares entstehen können.

  • In Nds. gab es mal die Orientierungsstufe. Dann wurde Christian Wulff dorten Ministerpräsident und Bernd Busemann Kultusminister...



    www.spiegel.de/leb...-weg-a-254677.html

  • 36% der Schüler gehen auf ein Gymnasium, in Baden-Württemberg sind es sogar über 40%. Sind das alles Kinder aus wohlhabenden Familien? Dann geht es Deutschland ja wirklich gut!

    • @FraMa:

      Wir sind in Summe deutlich wohlhabender als früher, und wenn wir nicht so viel für z.B. diverses Fossilraushauen ausgäben und auch noch auf soziale Balance wieder achten würden, wären wir sogar richtig wohlhabend und würden Umweltschutz mit anpacken.



      Geld kann Nachhilfe kaufen, Internate bestücken und später NC-Wartezeiten überbrücken. Wer hatte ihn nicht in der Schule, den netten wie schon beschränkten Sohn m/w aus hohem Hause, der dann irgendwie auch Mediziner wurde?



      Zweiter Faktor neben Geld ist akademische Erfahrung mindestens eines Elternteils. Der Habitus, die Furchtlosigkeit, das selbstverständliche Elternziel Gymnasium.



      Drittens ist die Volksschule nicht mehr, die Hauptschule wurde in vielen Bundesländern mit der Realschule und/oder den Förderschulen zusammengelegt (um es im Westjargon auszudrücken)



      Richtig gut ginge es uns, wenn diejenigen, die ihre Fähigkeiten im Gymnasium am besten entfalten können, das auch tun. Weil wir das Geld wieder angemessen von Erben, Übervermögenden & Co. einfordern und wirklich nur Potenzial und Leistung zählen.

      • @Janix:

        GO Klassenkampf!

      • @Janix:

        Anschließe mich, danke!

    • @FraMa:

      Ja, den Menschen in Baden-Württemberg geht es tatsächlich gut. Den meisten in Bayern auch. Da ist es ähnlich.

      • @Aurego:

        Bayern (CSU) hat traditionell zwar auf dem Papier gut ein Leistungsbewusstsein etabliert, doch viel zu wenig in die Breite gewirkt. Dann ist ein hohes Niveau nur ein statistisches Artefakt, wie man sich rasch herleiten kann.



        Wenn sich die Zahlen nicht zuletzt drastisch geändert hätten, hat Bayern ein Breitenproblem. Geld ist also nicht alles.

        Baden-Württemberg war da schon zu Unionszeiten besser: Schulartwechsel unkompliziert, breite Bildungsanstrengungen etc.

        • @Janix:

          " ...Bayern (CSU) hat traditionell zwar auf dem Papier gut ein Leistungsbewusstsein etabliert, doch viel zu wenig in die Breite gewirkt..."

          Bayern wird oft als Bildungsmeister hochgehalten, wenn es um die Abiturergebnisse geht. Dabei wird gerne übersehen, dass in Bayern das Auslaufmodell des dreigliedrigen Schulsystem mit Gymnasium, Realschule und Gymnasium beibehalten wurde im Gegensatz zu z.B. Berlin. In Bayern bist Du entweder mit 9(!) Jahren gymnasialreif oder eben nicht und am Ende werden Abiturnoten von den 33% Gymnasiasten mit fast 50% aus Berlin verglichen. Nähme man bei den Berlinern nur das obere Drittel der Schüler, stünden selbst die Berliner besser da, als die Bayern. Und die Durchlässigkeit des Systems nach oben ist auch in Berlin besser, weil es neben dem reinen Gymnasium auch breit gefächert andere Wege zum Abitur gibt.







          Was das "höhere Niveau" des bayerischen Abiturs angeht, ist dieses auch nur einigen Fächern der Fall, weil beispielweise Mathe inklusive Abiturprüfung nicht abgewählt werden. Kann man gut finden oder auch nicht. Mir haben Kurvendiskussionen und der ganze Hyperbel-Kram weder beruflich noch privat jemals etwas genutzt, Englisch und Bio dagegen sehr.

        • @Janix:

          Natürlich gibt es innerhalb von Bayern riesige Unterschiede. Das hohe Niveau wird mit Hilfe von Zuwanderung aus anderen Bundesländern und der EU aufrecht erhalten. Die Staatsregierung kümmert sich auch lieber um Oberbayern als um den Rest. Aber dsd mit der Leistung ist nur ein Feigenblatt-Argument. Wenn man hinter die Kulissen schaut, hat wirtschaftlicher Erfolg in Bayern nicht immer etwas mit Leistung, sondern oft mit Herkunft zu tun.

          • @Aurego:

            Ach so.

          • @Aurego:

            Satire?

            • @Klaus Schwarzmüller:

              Ich wollte, es wäre so.

  • Ich wundere mich über die Prioritäten des Autors.



    Das Hauptproblem im deutschen Bildungssystem ist, dass viel zu wenig herauskommt: Viel zu viele Schülerinnen und Schüler können einfach viel zu wenig. Und zwar aus allen Elternhäusern.



    Das muss dringend besser werden. Das ist nicht nur eine staatliche, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe: Denn Eltern, Lehrer, wir alle geben uns mit immer weniger Leistung zufrieden. Und das verschlechtert auch die Chancengleichheit: Natürlich halten Bildungsbürger Ansprüche ein bisschen eher aufrecht.



    Wer Chancen für alle will, muss mehr Leistung fordern.



    Daran führt ohnehin kein Weg vorbei - denn wovon sollen die kommenden Generationen leben wenn nicht von ihrer Leistungsfähigkeit?

    • @Frauke Z:

      Es liegt noch nicht mal besonders am Geld. Es fängt mit den Eltern an, und hört mit den Eltern auf.



      Ohne einen gewissen Druck, von Seiten der Eltern und der Lehrer lernt nun mal kein Kind. Aber Druck und Anstrengung scheinen ja das Böse in Person zu sein. Lieber schickt man möglichst viele Kinder aufs Gymnasium, das irgendwelche Statistiken gut aussehen. Das diese sich dort nicht wohlfühlen ist doch egal. Wenn die Ansprüche zu hoch sind, schrauben wir sie halt noch weiter runter. Hauptsache das Ego der Eltern und der Verweis der Politiker auf einen hohen Akademisierungsgrad werden bedient.



      Und ob ein Kind motiviert ist und den Schulstoff noch einmal nacharbeitet (hieß früher mal Hausaufgaben) liegt zum allergrössten Teil am Willen der Eltern und nicht an der Schule. Und an eben diesen Eltern liegt es auch, ob sich Kinder mit Migrationshintergrund in der neuen Sprache zurechtfinden können/Dürfen.

      • @Oleg Fedotov:

        Das Problem ist nicht, dass die SchülerInnen, die das Gymnasium besuchen, dafür nicht geeignet wären, weil die Ansprüche zu hoch wären. 2-3 Fremdsprachen und das bisschen Mathe und Physik können die alle schon lernen. Das Problem ist langweiliger und uninspirierter Unterricht. Wir müssen bei den Lehrkräften ansetzen und dort die Qualität erhöhen. Das heißt auch, Leute an die Schulen zu holen, die richtig gut sind, es sich bisher aber dreimal überlegen, ob sie an einer Schule unterrichten wollen, sich i. d. R. jedoch dagegen entscheiden, weil woanders bessere Jobs winken.

        • @Aurego:

          Es scheint ja mittlerweile geradezu ungehörig, darauf hinzuweisen, dass es unterschiedliche Begabungen gibt. Wie würden Sie reagieren, wenn ein Handwerksmeister Ihnen sagt, eine Kopfdichtung zu wechseln oder einen freitragenden Bogen zu mauern können auch alle schon lernen? Habe Zweifel!

        • @Aurego:

          „2-3 Fremdsprachen und das bisschen Mathe und Physik können die alle schon lernen“



          Das ist doch nicht richtig, nicht jeder lernt sich leicht und locker und da helfen oft auch die besten Unterstützungsmaßnahmen nichts. Und das ist auch ok, weil wir alle unsere Stärken und Schwächen haben. Jeder Mensch ist anders. So zu tun als könnte ich mit genug Invest jeden zum Abitur bringen, hilft doch auch nichts.



          Ich kenne Leute, die verzweifeln am Einstiegsenglisch, Sprachen liegt ihnen einfach nicht, dafür skizzieren sie mir im Halbschlaf meine neue Gartenhütte. Die Leute sind am Gymnasium verzweifelt, haben aber dann Gott sei Dank über eine andere Schulform ihren Weg gemacht.

          • @kiwitt:

            Fast alle würden es schaffen, 2-3 Fremdsprachen zu lernen. Das ist eher eine Frage der richtigen Methode. Helvetia docet, würde ich sagen.



            Bei Mathe ist es etwas schwieriger, aber auch da ist methodisch viel Luft nach oben. Das beginnt bei gut gemachten Schulbüchern und geht mit geeigneten Lehrkräften weiter. Wenn man mittelmäßige Lehrkräfte produziert, weil die guten Leute nicht auf Lehramt studieren wollen (das war schon zu meiner Studienzeit so), hat man schon verloren.

    • @Frauke Z:

      Noch mehr Leistung? Noch mehr ausquetschen? Alles rausholen was geht?



      Das kenne ich: das haben wir mit unseren Böden bereits gemacht. Da kommt aber nichts mehr raus! Unsere Böden sind tot, leer inhaltslos - wie unsere Kinder.

      Wie wäre es mal mit Liebe? Mit Seele? Mit Verantwortung (Menschen, die Verantwortung für unsere Böden übernehmen)?

      Wo wir durch Leistung hinkommen, erleben wir heute: überall PFAS, Microplastik, Lärm, Luftverschmutzung, CO2 und zu viel Stickstoff (an dem wir hoffentlich bald ersticken werden).

      Bitte nicht noch mehr Leistung! Bitte!

    • @Frauke Z:

      Seit Beginn der PISA-Studie war der Punkt bei Deutschland, dass es zu viele junge Menschen abhängt. Die ohne Akademikerhabituseltern zumeist. Nicht "alle Elternhäuser", oder haben Sie da noch andere Datenquellen?

      Ich bin für Leistung für quasi alle, u.a. weil sie unfassbar erfüllend sein kann, doch wollen wir den Begriff noch mal konkret machen? Was wäre das für Sie, (halbwegs) messbar?

    • @Frauke Z:

      Ja, wir sollten insbesondere darauf achten, dass die Qualität der Lehrkräfte besser wird und diesen Lehrkräften mehr Freiheiten bei der Unterrichtsgestaltung zugestehen. Das "schwedische Experiment" lässt grüßen (www.sueddeutsche.d...periment-1.581380).



      Hätte ich damals einen so langweiligen und uninspirierten Unterricht erhalten, wie er in vielen Gymnasien dank starker Reglementierung durch Mikromanagement mittels detaillierter Lehrpläne üblich geworden ist, wäre ich sicher nicht motiviert gewesen, mich besonders anzustrengen.

  • Die Niederlande ist positiv vorne. Sozial ist die ähnlich gespalten, aber zumindest kommt jedes Kind problemlos und völlig normal eigenständig mit dem Rad zur Schule oder zu den FreundInnen. Bei uns schiebt das Auto Kinder zu Seite. Um eine einfach anzupackende und auf Menschlichkeit zu drehende Schraube auszusprechen. Die viel für Kinder ausmacht.

    • @Janix:

      In den Niederlanden gibt es keine Berge…

      • @Marc Seeger:

        Deutschland ist auch nicht Bhutan.