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Energiekrise und KrisenvorsorgeDie Regierung lässt die Dinge einfach laufen

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Statt die Bür­ge­r:in­nen tatsächlich zu entlasten, betreibt die Koalition Klientelpolitik. Die ist dazu noch unökologisch.

Die Drei von der Tankstelle: Friedrich Merz, Katherina Reiche und Lars Klingbeil Foto: imago (4x)/Montage: taz

W as ist es – fehlende Bodenhaftung, ideologiebedingte Beschränktheit oder einfach nur elitäre Arroganz? Mit Ansage rollt ein Ölschock auf Europa, auf Deutschland zu, und die Bundesregierung geht ihren gewohnten Geschäften nach. Krisenvorsorge? Fehlanzeige. Stattdessen beschwören Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Co die vermeintlichen Heilungskräfte ihres geplanten Sozialkahlschlagprogramms in der Gesundheits- und Rentenpolitik. Mit der Präsentation der Ergebnisse ihres Koalitionsausschusses kündigten Union und SPD gleichzeitig neue Belastungen und halbgare Maßnahmen wie die temporäre Senkung der Mineralölsteuer an. Mehr als den vielleicht gar nicht wirkenden zweimonatigen Tankrabatt gibt’s vom Staat nicht, die mögliche sozialversicherungs- und steuerfreie 1.000-Euro-Prämie müssen andere zahlen. Der Staat könne die Bür­ge­r:in­nen nicht vor allem Unbill der Weltmärkte schützen, sagt der Kanzler lapidar.

Dabei kann der Staat das in Maßen sehr wohl. Und er sollte es auch tun. Aber Merz will die Bür­ge­r:in­nen gar nicht schützen, die sollen mal schön selbst sehen, wie sie zurechtkommen. Dass die SPD das zulässt, zeigt ihre dramatische Ermattung. Wenn Manuela Schwesig Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern bleiben und die Landtagswahl im Herbst gewinnen will, muss sie ihren Ge­nos­s:in­nen in Berlin schleunigst in den Arm fallen.

Die Energiekrise wird nicht in einigen Monaten vorbei sein. Die Blockade im Persischen Golf dauert an, es ist ungewiss, wie lange die Ölversorgung gestört ist und damit die Preise weiter steigen. Auch bei einer raschen Entspannung dauert es Jahre, bis sich der Weltmarkt normalisiert. Ohne schnelle Lösung wird das Öl auch in Europa bald knapp.

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Es liegt auf der Hand, was jetzt nötig wäre, um Land und Leute gut durch die kommende Krise zu bekommen: Preiskontrollen für Sprit und andere krisenbedingt teure Produkte, Krisengewinne abschöpfen und das Land auf drohende Engpässe vorbereiten – mit Sprit- und Energiesparen, aber auch einem besseren Recycling und Ersatz für Ölprodukte. Kluge Konzepte gibt es in Hülle und Fülle. Jetzt können Menschen dafür gewonnen werden, mit Rohstoffen und Energie nachhaltiger umzugehen. Das wäre schon aus Klimaschutzgründen geboten. Ein Tempolimit will die Mehrheit ohnehin. Aber die Bundesregierung interessiert sich offensichtlich nicht für so etwas. Sie lässt die Dinge einfach laufen.

Merz will die Bür­ge­r:in­nen nicht schützen, die sollen selbst sehen, wie sie zurechtkommen

Der Markt soll es richten, findet Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Die Christdemokratin treibt lieber Machtspielchen gegen die SPD, als die Krise zu managen. Sie und Merz halten es grundsätzlich für falsch, dass sich der Staat in den Markt einmischt. In einer Lage, in der Kriege Marktregeln außer Kraft setzen, ist diese Haltung fatal, weil sie die Folgen des Nicht-Eingreifens ignoriert. Das sind schlimmstenfalls Inflation, Rezession, steigende Arbeitslosenzahlen. Der Irankrieg setzt der ohnehin geschwächten deutschen Wirtschaft weiter zu. Die Ministerin sieht es offenbar nicht als ihre Aufgabe, sie vor Schaden zu bewahren. Das ist schlecht. In der aktuellen Lage ernsthaft die Erhöhung der Pendlerpauschale zu fordern, von der niemand kurzfristig etwas hat, zeigt das abgehobene Denken der Wirtschaftsministerin. Vielleicht sind sie und Merz einfach zu wohlhabend, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Ängste steigende Preise auch bei Leuten mit mittleren Einkommen auslösen.

Die Bundesregierung unternimmt nichts, aber auch gar nichts, um der drohenden Öl-Knappheit zu begegnen. Es gibt nicht einmal einen Appell, weniger Sprit zu verbrauchen, langsamer auf den Autobahnen zu fahren, öfter auf Bus und Bahn umzusteigen. Möglicherweise fürchten Merz und Co, in den Verdacht zu geraten, Klimaschutz betreiben zu wollen. Mit ihrem zweimonatigen Tankrabatt senden Union und SPD genau das Gegenteil von einem Sparappell. Und sie lassen die Mineralölgesellschaften weiterhin Kun­d:in­nen an den Tankstellen abzocken. Wenn Merz die Kriegsprofite nicht abschöpfen will, wäre es das Mindeste, die Ma­na­ge­r:in­nen ins Kanzleramt vorzuladen und öffentlich eine klare Ansage zu machen, dass er ein Ende der Preistreiberei erwartet. Aber anders als seine Vor­gän­ge­r:in­nen ist der Mann selbst zu einem symbolischen Krisenmanagement nicht willens oder fähig.

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Anja Krüger
Parlamentskorrespondentin
Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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50 Kommentare

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  • "Dass die SPD das zulässt, zeigt ihre dramatische Ermattung."



    Och, ich sehe die SPD und vor allem Klingbeil keineswegs ermattet: Abschaffung der Familienversicherung, Abschaffung des Ehegattensplittings...

  • Er (Merz) scheint mir bisher rein zu gar nix fähig, außer zu Grünen- und Linken-Bashing, total bekloppten Aussagen zur Rückführung von Flüchtigen, hier aktuell insbesondere von Syrer*innen (80% davon, sagt er. Hat ihm das Dobrindt eingeflüstert?), und zu einer verhängnisvoll reaktionären Klima- und Umweltpolitik.



    Passt allerdings ganz gut zu AgD Sprüchen ...

  • Die vermeintlich peinliche Posse um Innenminister Alexander Dobrindt, CSU der im Zuge einer Gehaltsreform Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU eine jährliche Gehaltserhöhung um 65.000 € genehmigen wollte zeigt die ganze Dramatik der Misere des unangemessenen und abgehobenen Wirtschaftens in den Staatshaushalten unseres Landes. Diese doppelte Logik untergräbt Vertrauen. Ein Staat, der seine eigenen Strukturen priorisiert während die finanzielle Zukunft seiner Bürger täglich ungewisser wird, wird unglaubwürdig. Für neue Schulden oder Neusprech „Sondervermögen“ ist es überhaupt kein Problem das Grundgesetz zu ändern, aber zur Anpassung der Beamtenbesoldung und Pensionsgestaltung auf Maßstäbe des 21. Jahrhunderts, die diese Regierung von anderen erwartet, da geht es natürlich nicht.

  • „Jeder Politiker der verspricht, es kann alles so bleiben wie es ist, wird gewählt."

    Volker Pispers vor 10 Jahren

    • @Thomas Böttcher:

      Bei Deutschlands Demografie völlig verständlich...

      • @Chris McZott:

        Das hatte der gute Mann aber schon 30 Jahre vorher schon Mantraartig in seinen Programmen gebracht.

  • Mit Merz und Klingbeil musste man rechnen, andere fallen unter "böse Überraschung".

  • Fast immer verhalten sich Politiker*innen gleich: die nächsten Wahlen interessieren, alles was danach kommt läuft unter "ferner liefen". So auch hier: populistische Scheinlösungen streuen uns Bürger*innen tonnenweise Sand in die Augen. Furcht vor Schelte durch die Faschisten lässt die csdU deren Politik betreiben und - verliert massiv dadurch. Das wird krass deutlich am Umgang mit EE und -na klar- mit der Migrationspolitik.

    • @Perkele:

      Die CDU verliert eher weil sie sich nicht gegen die 14% Partei SPD durchsetzt. Jeweils 63% waren laut Umfragen für eine härtere Migrationspolitik und eine Verschärfung beim Bürgergeld. Wenn man sich durch den Koalitionspartner so aus bremsen lässt, verliert man hat Stimmen.

      • @AmArschderHeide:

        Das diese beiden Parteien koalieren ist ihnen aber bewusst.

      • @AmArschderHeide:

        Härtere Migrationspolitik gibt es und eine Verschärfung beim Bürgergeld ist beschlossen. Wo bitte hat sich die SPD gegen die von der AfD abgeschaute Politik der Union durchgesetzt?

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          @ warum_denkt-keiner_nach?



          Durch die " Politik " der Unionsparteien mit Unterstützung der SPD wird in Deutschland ein unsoziales / asoziales Klima unter der Bevölkerung verbreitet, was Deutschland weder liebenswert noch lebenswert macht.



          So ein unsympathisches Land ist nicht mehr lebenswert und kann kein Mitmensch zum Lebensort wollen,

      • @AmArschderHeide:

        Das bedeutet mit anderen Worten, dass in einer Koalition der jeweils kleinere Partner nichts zu sagen hat und nur die größte Fraktion bestimmt. Merkwürdig, warum geht man dann eine Koalition ein??



        Nein, das ist es nicht warum die csdU verliert. Es ist das Täuschen der Wähler*innen und das geschieht leider viel zu oft. Die Luschigkeit, Inkosequenz in vielen Dingen, die Unterwerfung unter die Lobby aus Industrie und Wirtschaft und die meist grobe Vernachlässigung derjenigen, die keine Lobby haben. Das sind die Gründe....

        • @Perkele:

          Was Sie nennen, wären schon immer Gründe gewesen, nicht Union zu wählen. Ich will Ihnen gerne glauben, dass Sie persönlich die auch für stichhaltig halten. Aber wie die meisten, für die das gilt, haben Sie wahrscheinlich noch nie die Union gewählt und würden das auch nicht tun, bevor die Hölle zufriert. Die eigentliche Frage ist ja, was Leute bewegt, die da anders ticken als Sie.

  • In welchen Bereich wurde es durch Staatliches Eingreifen besser ?



    Ganz egal wo sich der Staat durch Regelungen eingemischt hat, hat er nur durch sinnlose Subventionierung über Steuergelder für Hersteller und Händler, alles immens verteuert und ausgebremst. Die letzten Beispiele hier sind Wärmepumpen, Bauvorschriften, E-Autos, usw. Durch den Wahnsinn einzelner Politiker alles über Subventionen zu regeln, haben sich die Ausgaben dafür in den letzten 10 Jahren von 40 Milliarden auf fast 80 Milliarden fast verdoppelt. Geld das an vielen anderen Stellen besser aufgehoben wäre. Man muss davon wegkommen das der Staat alle Probleme, durch die Ausgabe/Verschwendung von Steuergeldern behebt.

    • @Günter Witte:

      Was ist mit der Landwirtschaft?

      Ohne Subventionen keine konkurrenzfähige Landwirtschaft, also ihren ersten Satz sollten sie nochmal überdenken.

    • @Günter Witte:

      @Günter Witte



      Wenn Sie die Förderung von Wärmepumpenanlagen, PV-Anlagen, Windkraft und E-Mobilität kritisieren, sprechen Sie sich wohl gegen Klimaschutz, gegen die Zukunft unserer Kinder / Nachkommen und für die weitere Förderung der Gas- & Ölmultis aus.



      Man man man - das sehe ich echt noch viel politischen & wissenschaftlichen Lernbedarf- mit ganz viel Luft nach oben, bei Ihnen.

    • @Günter Witte:

      "In welchen Bereich wurde es durch Staatliches Eingreifen besser ?"

      Wärungsreform 1948 😉

    • @Günter Witte:

      Für mich hören sich eigentlich alle bisherigen Kommentare so an, als sollte man sehr dringend eingreifen. Aber mann muss schon genauer,was man da am besten tut, und das fängt sollte wohl auf eine gehaltvollere Analyse stützen als die, die sie da eben abgegeben haben. Und auch mal merken, dass sich eine Menge Leute eben darum bemühen, einschließlich der Autorin des Artikels und der wirklich vielen Menschen, die gestern für die Energiewende auf die Straße gegangen sind.

      • @Christine_Winterabend:

        @Chritine Winterabend

        Nun, unsere Regierung greift doch z. Z. schon sehr, im Sinne der Interessen der Gas- & Ölmultis, ein...

    • @Günter Witte:

      Die Wärmepumpen wurden zum favorisierten Modell, die Bauvorschriften haben geholfen den Klimaschutz ein wenig (viel zu wenig) zu verbessern. Der Absatz von E-Fahrzeugen wurde deutlich höher und damit die Emissionen vermindert. Was ist daran falsch?

    • @Günter Witte:

      Ein Preisdeckel würde jetzt wo genau Steuergelder verschwenden?



      Und gezielte Subventionen, siehe Wärmepumpen, haben die Wirtschaft eher angekurbelt.

      • @Barnie:

        & @Perkele,



        Natürlich haben wir jetzt mehr Wärmepumpen, E-Autos, Klimaschutz beim Bauen, das Entscheidende ist aber das durch die Förderungen alle diese Dinge extrem mehr kosten als im Europäischen Vergleich. Hätte jetzt der Staat nicht eingegriffen, die Preise wären niedriger und viel mehr Personen würden beim Heizen, Wohnen, Fahren auf die E-Alternativen umsteigen. Auch wenn sich Politiker für die Klügsten in unserem Land halten können auch Normalsterbliche Rechnen, man muss nicht immer jeden einzelnen vorkauen was er zu tun hat.

        • @Günter Witte:

          Volle Zustimmung. Dieses Land ist krass überreguliert. Im Grund könnte man alles sofort streichen was in den letzten 30 Jahren dazu gekommen ist und es wäre ein gewaltiger Fortschritt. Für alle von uns.

  • Na ja, ich denke, eine echte Meldung wäre das Gegenteil gewesen. So liest sich der Artikel ja wie "Löwe frisst Antilope" oder "Schreiner baut Schrank".



    Der Markenkern der cdU/csU ist genau das, was sie da gerade tun. Zusammen mit dem menschenverachtenden Rassismus und der beginnenden Demontage der Demokratie, aber die finden sich natürlich in diesem Thema nur indirekt.

    • @Jalella:

      Was die Union gerade an allen Ecken und Enden versucht, ist Trumpismus mit anderen Mitteln. Nicht so obszön und laut wie das Original oder die AfD, aber im Kern nichts anderes und möglicherweise ebenso effizient.

  • Die Regierung: Ich denke, ihre Welt ist einfach eine andere; sie unterscheidet sich von der von Trump gar nicht so wesentlich. Heute demonstrierten 80 000 Menschen wegen der unzureichenden Klimapolitik, aber es interessiert niemanden, und übermorgen ist es schon wieder kein Thema mehr.

    „Spätfaschismus“ mit seinem „Wirtschaftswachstum“ formt sich immer tiefer in die Gesellschaft hinein und ist mittlerweile zu einem großen Bestandteil geworden. Ich glaube nicht mehr daran, dass sich daran durch diverse Aktivitäten noch etwas ändern lässt.

    Eine ressourcenorientierte Wirtschaftspolitik zerstört all das, was noch gerettet werden könnte. Eigentlich beginnt bald eine Art „Palliativzeit“ für Mensch und Natur.

    Alles Gute Deutschland!

  • Von der Antimotivation der Jungs und Mädels in der Regierung sehe ich das ähnlich.



    Merz wollte Kanzler werden. Das hat er geschafft. Er kommt in die Geschichtsbücher. Reicht. Mehr wollte er wohl nicht. Keine seiner Ansagen vor der Kanzlerschaft hat er versucht zu realisieren. AfD halbieren o.ä. vergiss es, DE modernisieren, wo denn? Er ist Kanzler. Reicht ihm. Bei den anderen Protagonisten siehts ähnlich aus.

    • @Tom Farmer:

      Ja - und wie wird man Kanzler? Um jeden Preis! Mit Angst machen, Panik verbreiten, große Klappe haben, auf vermeintlichen Minderheiten herumtrampeln, am ersten Tag Lager anordnen für 40.000 oder 200.000 Menschen. Sich im Bundestag an angeblichen täglichen Massenvergewaltigungen erregen ( das sind die, die nicht in der Ehe verbrochen werden ). Ich möchte bald aufwachen und nur geträumt haben, dass dieses Land nach der Ampel kulturell und ethisch verramscht wurde,

    • @Tom Farmer:

      Merz wollte auch die Steuererklärung auf einem Bierdeckel machen und die FdA halbieren.



      Schade, dass ihm der Kanzlertitel ausreicht, ich persönlich habe ihm seine weiteren Phantastereien nie geglaubt.

  • "Wenn Merz die Kriegsprofite nicht abschöpfen will, wäre es das Mindeste, die Ma­na­ge­r:in­nen ins Kanzleramt vorzuladen und öffentlich eine klare Ansage zu machen, dass er ein Ende der Preistreiberei erwartet.": Ja, und das Ganze live im TV, open end und moderiert von den üblichen Wadlbeissern. Dann würde man sehen, wer sich mehr blamiert: Merz und Reiche oder die Manager der Ölmultis. Im Idealfall würden wahrscheinlich beide Seiten entzaubert.

  • Merz und Reiche werden nichts tun; beide würden, säßen sie an verantwortlicher Stelle bei den Ölmultis, nicht anders handeln. Gehen wir mal davon aus, dass sie nach - dem hoffentlich baldigen - Ende ihrer politischen Karriere, auf die ein oder Weise die Dankbarkeit der Multis zu spüren bekommen werden.



    Klingbeil macht sowieso alles mit, was die Union von ihm verlangt und verkauft irgendwann als staatspolitische Verantwortung.

    • @Flix:

      "Klingbeil macht sowieso alles mit, was die Union von ihm verlangt und verkauft irgendwann als staatspolitische Verantwortung." - Es ist genau umgekehrt. Merz macht alles mit, was die SPD von ihm verlangt.

      • @Wolferich:

        In welcher Welt leben sie denn? Wo hat die spd sich denn in letzter Zeit bei irgendeiner Entscheidung durchgesetzt?

        • @esgibtnureinengott:

          Beispielsweise kürzlich mit der Idee des steuerfreien, freiwillig arbeitgeberfinanzierten 1.000-€-Bonbons? Oder ist da vielleicht doch der CDU-Wirtschaftsrat der Federführung verdächtig?

  • Klientelpolitik?



    Wenn die Linke sagt, dass die Entlastung nur für die unteren Einkommen gelten soll, dann ist das auch Klientelpolitik. Der Familienvater und Pendler mit mittlerem Einkommen leidet aber auch an den hohen Spritpreisen. So hat halt jede Partei ihr "Klientel".

    • @Hans Dampf:

      Oh, bitte!



      Rechnen Sie das doch mal für sich durch.



      Bei mir bedeuten 40 ct mehr für Benzin ganze 24 Euro im Monat. Ärgerlich, sicher - aber deswegen muss ich noch nicht von Butter auf Margarine umsteigen.

      Von Verarmung der Mittelverdiener kann da ja wohl keine Rede sein. Leiden müssen nur die ganz unten, für die 24€ ein erheblicher Teil des monatlichen Budgets sind - und denen wird die CDU schon aus Tradition am wenigsten helfen.

      • @Proletheus:

        "Von Verarmung der Mittelverdiener kann da ja wohl keine Rede sein. "



        Doch! Bekannte von uns haben sich für den Bau eines Hauses entschieden. Ihnen war klar, dass sie sparsam leben müssen um es zu finanzieren. Sie trifft jeder Euro hart. Oder soll man als Mittelverdiener kein Eigentum mehr erwerben, weil die "von oben nach unten verteilen" Maschine nun auch für den Mittelstand kommt.

    • @Hans Dampf:

      Der Schutz der unteren Einkommen kann durchaus aus dem Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes abgeleitet werden. Auch die Menschenwürde nach Artikel 1 ist zu wahren. Beides hat die Union recht selten interessiert, gilt aber dennoch.



      Es ist also eher Auftrag an die Regierung als Klientelpolitik.

      • @Flix:

        Der Schutz der Familie ist auch im GG §6 abgebildet. Wenn aber nur noch die untersten Lohngruppen eine Unterstützung bei steigenden Lebenshaltungskosten, die Mittelverdiener als Familie aber nicht mehr, dann verarmen auch diese.

  • Schlimmstenfalls drohen nicht nur "Inflation, Regression, steigende Arbeitslosenzahlen". Sondern Menschen, die so in ihren Existenzängsten gefangen sind, dass sie durchticken. Mehr Gewalt, mehr Brutalität, mehr Tote.



    Aber na ja, genügend Menschen haben die CDU/CSU gewählt, also auch solche, die damit klar gegen ihre jetzigen Interessen nach einem menschenwürdigen Leben gehandelt haben. Ich habe nie verstanden, wie man so blind sein kann. Es war so offensichtlich wie das, was mit Trump passieren würde. Nicht im Detail, aber von der Richtung.



    Schade ist es um diejenigen, die jetzt um so mehr leiden, obwohl sie gewarnt haben.

  • Danke für diesen Artikel!



    Die Regierung scheint in einer Blase zu leben. Ihre Aufgaben, die extrem vernachlässigte Infrastruktur endlich anfangen zu beheben, Arbeit und Lohnverhältnisse zu verbessern, den Bürokratie Wahnsinn einzudämmen, den sozialen Bereich kräftig unterstützen, damit wieder konsumiert wird, im Wohnungsbau und Mietrecht endlich Ansätze finden ect ect ect- Die Regierung suhlt sich lieber im eigenen Komfort.



    Ihr Blickwinkel auf die schuldigen Ausländer, die mittlerweile an allem schuld sind und dass die Deutschen endlich mehr arbeiten sollen und sie gefälligst ihre Arztbesuche einschränken müssen, unverschämter kann es nicht sein.

    Nur noch absurd, was abgeht.

  • -Die Drei von der Tankstelle: Friedrich Merz, Katherina Reiche und Lars Klingbeil-

    Ich denke, ihre Welt ist einfach eine andere; sie unterscheidet sich von der von Trump gar nicht so wesentlich. Heute demonstrierten 80 000 Menschen wegen der unzureichenden Klimapolitik, aber es interessiert niemanden, und übermorgen ist es schon wieder kein Thema mehr.

    „Spätfaschismus“ mit seinem „Wirtschaftswachstum“ formt sich immer tiefer in die Gesellschaft hinein und ist mittlerweile zu einem großen Bestandteil geworden. Ich glaube nicht mehr daran, dass sich daran durch diverse Aktivitäten noch etwas ändern lässt.

    Eine ressourcenorientierte Wirtschaftspolitik zerstört all das, was noch gerettet werden könnte. Eigentlich beginnt bald eine Art „Palliativzeit“ für Mensch und Natur.

    Weiter so Deutschland!

  • Ich bin jetzt nicht so überrascht von der Tegernseer Hobbyistengruppe . Es ist ja schon lange angekündigt, sobald die Blaunen regieren, verlegen sie halt in die Schweiz.



    Außerdem ist es schöner, Kampfjets zu kaufen und sich damit herumkutschen zu lassen; Sie wissen schon: die Ostsee überwachen und die feinen Aktien von McDonnel-Douglas besitzen! Top Gunk!

  • Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen würde den gesamten Kraftstoffverbrauch des Pkw-Verkehrs auf Autobahnen je nach Rechnung um etwa 1,5 bis 4 % senken.

    Das sind dann 1 bis 2% des Gesamtspritverbrauchs in DE.

    Einfach Shell und Co vergesellschaften (jeder kauft sich ne Aktie, kostet nur soviel wie 3 Packungen Zigaretten) und schon sind alle am Übergewinn beteiligt.

  • Ja, der Markt wird es richten! Allerdings anders, als die Drei von der Tankstelle es sich vorstellen.

  • Ich meine ... was soll man auch sagen ?



    Verschlissen, die besten Köpfe weg, viele korrumpiert und nur auf ihren eigenen Vorteil und bestfalls noch auf den Vorteil der eigenen Partei bedacht. Jede(r) hat allerlei Leichen im Keller bzw Dreck am Stecken und ist erpressabr (bzw seeeeehr kompromissfähig)

    Und das kommt dann dabei raus.

    Rein politikgeschichtlich zu erwarten und überhaupt nicht verwunderlich.



    Frage ist wie es weiter geht. Wird es gelingen das Volksvertrauen wieder zu erlangen?

    Es wäre uns allen zu wünschen.

  • Nur ein Punkt: Fr. Reiche hat es ja nicht für nötig befunden die Gasspeicher im letzten Jahr vollumfänglich zu befüllem..im Gegensatz zu all ihren Vorgängern im Amt.







    Die Rechnung dafür steht noch aus, denn wenn die Gaspreise so hoch bleiben wie Experten erwarten, wird der Zukauf spätestens vor dem nächsten Winter ein ziemlich teures Minusgeschäft.







    Aber macht nix..die Rechnung zahlen am Ende sowieso die jungen Menschen, die mehrheitlich nicht zu den cdU Wählern gehören..Hauptsache also das Geld landet bei den cdU Wählern. Man will ja schließlich im Amt bleiben, dafür verbrennt man dann auch gerne mal ein paar Milliarden..

    • @Wunderwelt:

      Dafür hat die alte Regierung noch gesorgt, die kurz vor ihrem Abgang die Mindestsfüllstände gesenkt hatte.

  • Sehr guter Artikel 👍👍



    Eine gute, kompetente Regierung sollte finanzielle Vorsorge für die Bürger des Landes betrieben.



    Eine Regierung die ein, so durch die Bevölkerung reich gewordenes Land regieren will, muss Rücklagen und Konzepte für Krisenzeiten in der Schublade haben, unabhängig welche Partei sich gerade zur Regierungspartei - durch unsere Parlamentarier machen lassen hat.