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Sexualisierte GewaltMachos auf dem Vormarsch

Breiten sich in Männerkulturen wieder mehr Rücksichtslosigkeit und Frauenverachtung aus? Oder erleben wir aktuell die zufällige Häufung von Skandalen?

Demonstration gegen digitale sexuelle Gewalt in Berlin am 22. März Foto: Fritz Engel/Agentur Zenit

I ch bilde mir ein, ein wacher Zeitgenosse zu sein, und halte mich für weitgehend informiert über das, was so da draußen in der Welt vorgeht. Aber manchmal überfällt mich die Frage: Verstehst du die Welt noch richtig? Die Fälle von Gewalt an Frauen der letzten Zeit erschüttern ein bisschen mein Weltbild. Natürlich bin ich nicht naiv und wusste, dass es das alles gibt – aber ich möchte Ihnen erzählen, warum es mein Weltbild erschüttert.

Es häuft sich ziemlich krass: die irrsinnige Erfahrung, die Collien Fernandes machen musste; ein Musiker, der mutmaßlich mit Gewalt einer jungen Frau Kokain in den Mund schmierte; der österreichische ORF-Generaldirektor, der zurücktrat, weil er mutmaßlich eine Kollegin auf verschiedenen Kanälen bedrängt haben soll; die Causa Gisèle Pelicot; die ganzen Epstein-Enthüllungen; alle paar Tage Femizide in den Nachrichten; dazu fast schon routinemäßige Prozesswellen gegen junge Männer und Jungs, die ihre Schulkolleginnen nötigen, zu Sex erpressen, sie verhöhnen, davon Bilder weiterschicken. Es ist endlos.

Die Nachrichten sind ein einziger Strom der Amoralität und des offensichtlichen Fehlens von jedem Mitgefühl und Unrechtsbewusstsein, Dokumente einer Verwahrlosung. Mal erfährt man von Taten, die wenig verwundern, weil man die Kultur kennt, in denen sie gedeihen, und dann aber auch von Handlungen, die einfach sprachlos machen, im Sinne von: What the fuck? Warum tut jemand so etwas? Welchen Kick gibt einem das? Man ist mit krasser Scheiße konfrontiert, die man noch nicht einmal versteht. Aber auch das ist es nicht, was mein Weltbild erschüttert.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der alles immer allmählich besser wurde. Und dieses erlernte Zeitempfinden nährt bis heute das Restgefühl an Optimismus, das ich mir auch in eher weniger erfreulichen Zeiten bewahrt habe. In dieser Vergangenheit dominierten konservative Geschlechterbilder. In der Welt der männlichen Erwachsenen machte man sexistische Witze und redete höhnisch über „die Emanzen“, aber der Zeitgeist, der alle um mich herum prägte, war einer von Alternativkultur, Liberalisierung, Postachtundsechzigertum und Wertewandel.

Bekloppte Neomaskulinität

Der ganze konventionelle Mist – da waren wir sicher – schleift sich so langsam aus. Das Empfinden war: Es wird immer Idioten geben, aber sie werden weniger. Es wird auch immer Gestörte geben, die verabscheuungswürdige Dinge tun, aber das wird weniger. Manchmal genügt man seinen eigenen Werten nicht, manchmal tut man vielleicht sogar selbst Dinge, die einem peinlich sind, aber für die schämt man sich wenigstens. In meiner ganzen Schulzeit bin ich keinem Jungen begegnet, der ein neomaskulinisches Weltbild verfochten hätte.

Schon deshalb, weil jeder gewusst hätte, dass er sich damit lächerlich macht. Er hätte wie ein bekloppter Kaspar aus einem anderen Jahrhundert gewirkt. Kurzum: Der Fortschritt mag zwar im Krebsgang seinen Weg gehen, aber er schlägt sich den Pfad frei. Und das war ja auch keine Einbildung. In den Chefetagen zogen im Zuge meines Berufslebens immer mehr Frauen ein und das änderte wenigstens ein bisschen den Ton, weg von dieser Jungmänner-Kameraderie.

Auch in anderer Hinsicht, etwa was die Akzeptanz von Lesben, Schwulen und so weiter anlangt, verwandelte sich das Klima. Alle Umfragen zeigten es, sogar global, wie etwa die World Values Surveys. Und #MeToo änderte auch etwas – dass gewohnheitsmäßiger Machtmissbrauch, blöde Sprüche, Übergriffigkeiten, Genie-Gigantomanie ihre Akzeptanz verloren. Aber jetzt? Ich bin auch heute kein Apokalyptiker und bin mir daher nicht sicher, dass neuerdings alles schlechter wird.

Aber ich bin plötzlich auch nicht mehr sicher, dass das nicht der Fall ist. Wir erleben schließlich in so vielen Hinsichten politische und gesellschaftliche Regressionen, man denke nur an den Aufstieg des Autoritären und des neuen Faschismus. Wir machen die Erfahrung, dass dieser Aufstieg mit dem Schüren von Aggression verbunden ist, mit der Verbreitung rassistischer Weltbilder, mit einem Kult der Härte, mit Gehirnwäsche, einer Erziehung zur Grausamkeit.

Prozess der Faschisierung

In den verschiedenen digitalen Subkulturen der Mannosphäre wird eine starke Männlichkeit gegen vermeintlich schwache Männlichkeit beschworen. Influencer predigen die Verachtung von Frauen als minderwertige Geschöpfe, die vor allem dem Mann zu Diensten zu sein haben, denn dieser repräsentiere das Prinzip Stärke und Leistung. Wer unter der Identitätsverwirrung verunsicherter Männlichkeit leidet, ist dafür ansprechbar. Gekränkt-aggressive Männlichkeit wird in Stolz verwandelt.

Wenn das in Subkulturen kursiert, wird es allmählich auf perverse Weise „hip“, brutal, empathielos und egoistisch-selbstsüchtig zu sein. Dann breiten sich Narzissmus und Sadismus aus. Es fügt sich in die emphatische Feier einer Freiheit, andere zu beherrschen, herabzusetzen und zu beleidigen, was den Kern zeitgenössischer Prozesse der Faschisierung darstellt.

In der schwächeren Ausprägung macht dieser Neomaskulinismus Angebote für eine Identitätspolitik weißer Männlichkeit, in einer krasseren Form wird den jungen Männern eingeredet, sie stünden in einem regelrechten Krieg gegen die Frauen. Dieser Irrwitz wirkt heute sogar rebellisch, weil er sich als Kontrast zu woker Empfindlichkeit darstellt oder als Gegenmodell zum Wertekanon der Elterngeneration und politischer Sonntagsredner. Das macht ihn womöglich noch attraktiver.

All das kreuzt sich auch noch mit den Menschenbenutzungs-Clips der Pornos, jedenfalls bei jenen, die nicht zwischen Video und Wirklichkeit unterscheiden können. Alles zusammen verrührt sich zu etwas, was oft schwächer ist als Ideologie, eher ein Nebel von Haltungen, der aber vielleicht umso infektiöser ist, je unideologischer er daherkommt.

Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich mit all dem total recht habe. Aber es hat mich eine gewisse Unruhe erfasst. Womöglich erleben wir etwas Tiefergehendes als die zufällige Häufung von Skandalen oder die Restmisogynie im Rahmen der Fortschrittsgeschichte, nämlich einen Rückschritt. Verbrechen kommt nicht aus dem Nichts.

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63 Kommentare

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  • Der Epsteinskandal ist jetzt wirklich kein Problem der Moderne.

    • @Joe Schmoe:

      Allerdings nicht.

  • Es ist beschämend für alle Männer und kaum zu ertragen, dass so viele Frauen Opfer von brutaler männlicher Gewalt werden.

    Misogynie ist ein größeres Problem als Misandrie, weil Männer weiterhin an der Macht sind, Frauen immer noch unterdrücken können und weil sie physisch gewalttätiger sind als Frauen.

    Viele fürchten jetzt um ihre Vorherrschaft, weil sie immer öfter ihre Macht mit Frauen teilen müssen (auch im privaten). Ich hoffe, es ist ein letztes Aufbäumen des Patriarchats, bevor es, zusammen mit dem Kapitalismus, untergeht.

    Wenn wir die Ursachen der Gewalt gegen Frauen verstehen wollen, müssen wir auf beide Geschlechter schauen, auf den Unfrieden zwischen ihnen, die destruktive Dynamik in den Beziehungen. Männer und Frauen verletzen sich gegenseitig - Väter und Mütter ihre Töchter und Söhne. Und die später ihre Partnerinnen und Partner. An der Entstehung von Wut und Hass auf das je andere Geschlecht, sind Männer wie Frauen beteiligt.

    Ich verstehe jede Frau, die ein generelles Mißtrauen, Ablehnung und Wut gegenüber Männern entwickelt. Nur hilft das nicht weiter, sondern trägt zum Fortbestand der destruktiven Dynamik bei.

    • @Peta Parka:

      Ja ist schlimm, aber das sehe ich als Mensch so, nicht speziell weil ich ein Mann bin.

      Ich denke nicht das es wirklich klappen wird uns Männer dazu zu bewegen uns für die Taten anderer Männer wirklich Verantwortlich zu fühlen, also wirklich zu fühlen, statt nur allgemein genauso erschrocken zu sein wie alle.

      Das könnte klappen wenn es Freunde sind die zu Tätern werden, da haben wir ja eine Verbindung und folglich einen Konflikt mit der Tat. Aber Fremde Männer sind nur Fremde, im Prinzip also Konkurenten im Leben, und für seine Konkurenz wirklich Verantwortung zu empfinden, also mehr als nur die Worte zu sagen sondern wirklich so zu empfinden, kann ich mir ehrlich gesagt schwer vorstellen.

  • Ich glaube, wir sind in einer Zeit, in der sowohl die Wahrnehmung und Benennung von Machtmissbrauch auf der einen Seite als auch die üblichen Verfahren von Lüge, Manipulation, Gewaltandrohung und -anwendung u.s.w., (mit denen Machtmissbrauch schon immer durchgesetzt und gerechtfertigt wurden) auf der anderen Seite durch global wachsenden Informationsausbreitung pro und contra Emanzipationsbestrebungen konkurrierend begünstigt werden. Es geht hier nicht darum, bestimmte Gruppen entweder zu beschützen oder zu verurteilen (wie es z.B. Herr Merz es zur Stunde in seinem Bundestagsauftritt propagiert), sondern das Ziel sollte sein, sowohl den Missbrauch von Informationspotential als auch den allgegenwärtigen Machtmissbrauch selbst und seine Ursachen zu beseitigen (was Herr Merz gerade anscheinend eher nicht so wichtig findet).



    Was die Benachteiligung von Frauen angeht, sind wir bei der gegenwärtigen Eskalation der Ablehnung der schlimmsten Blüten gerade erst am Anfang eines Weges, der auf so Dauer unvermeidbar ist wie die Stabilisierung aller natürlichen Lebensbedingungen auf der Erde. Mit dem Unterschied, dass dabei der Umzug auf den Mars ganz offensichtlich nicht helfen wird.

  • Das sind zwei unterschiedliche Phänomene.



    Einerseits gibt es offensichtlich in bestimmten Social Media Blasen ein Roll-back in konservatives, auch sexistisches Denken -



    andererseits wird von Mitte-Links sexistisches Verhalten mittlerweile viel heftiger skandalisiert als noch vor ein paar Jahren. Das hat mit Umdenken zu tun, aber auch mit Aufmerksamkeitsökonomie (Klicks, Aufrufe). Manuel Hagels Worte waren vor 8 Jahren nur cringe und wurden wenig beachtet. Jetzt haben sie zu einem ordentlichen Shit-Storm geführt.

  • Ich glaube, dass alles im Leben in Wellen abläuft. Und nach Jahrzehnten von Liberaliserung und Progression erlebt die Menscheit gerade einen Abfall ins Tal der Rückwärtsgewandten. Begünstigt durch einen digitalen Raum, in dem die zivilisatorischen Errungenschaften und Regeln nicht viel gelten und das ungehinderte Ausleben niederer Instinkte wieder möglich ist. Wie lange diese Phase anhält und wie nachhaltig sie wirkt, wird davon abhängen, welche Schlüsse und Strategien demokratische und progressive Menschen dagegen finden und wi man es schafft die Mehrheit der Menschen auf diesem Weg mitzunehmen.



    Denn auch wenn es in erster Linie Rechtskonservative, Autokraten, Machos, etc. sind, die für diesen "Backroll" sorgen, findet man autoritäre Ansichten und Weltbilder auch in anderen Lagern und in der allgemeinen Debattenkultur. Das digitale Zeitalter entwächst den Kinderschuhen es zeigt sich, dass sich alte Probleme nicht aufgelöst, sondern nur verlagert haben. Die aktuelle Phase wird auch überwunden werden, dauerhaft lässt sich die Zeit nunmal nicht zurückdrehen. Der Prozess diese Verhaltensweisen und Strukturen zu bekämpfen, wird allerdings niemals ganz enden.

    • @Deep South:

      👍

  • Das war doch alles nie weg (jedenfalls in meiner Jugend, Jahrgang 77, nicht).



    Hat sich nur über die Jahre dann besser versteckt, weil weniger salonfähig. Und jetzt darf es halt wieder rauskriechen, nachdem es lange genug heulend in der Ecke saß.



    Schade.



    Heißt aber für Feninist*innen nur: weiterkämpfen wie gehabt.



    Ist halt kein Sprint, sondern Marathon.

  • "Die Fälle an Gewalt an Frauen der letzten Zeit erschüttern ein bisschen mein Weltbild."

    Das kann aber nur jemand sagen, der den Rest seines Lebens weggeschaut hat. Früher war das noch viel verbreiteter, viel normaler. Der Fakt, dass wir das überhaupt heute als einen solchen Skandal sehen zeigt ja schon, dass wir weit gekommen sind, weg von einer Normalisierung. Insofern muss man sagen, obwohl noch viel zu tun ist, haben wir auch schon viel erreicht.

  • Ich kann gut nachvollziehen, was der Autor meint. Jahrgang 60 und Opfer von sexuellem Missbrauch im Krankenhaus mit 4 Jahren, war der Feminismus der 80er Jahre für mich befreiend. Auch ich habe mich immer daran gehalten, dass alles trotz allem immer besser wird, egal wie langsam. Kulturelle Unterschiede waren auch zu ertragen, immer mit dem Gefühl, dass sich auch da was tut. Nehmen wir zum Beispiel die Beschneidung.



    Aber inzwischen habe ich resigniert. Ich habe zu viel in den Abgrund gesehen und die technischen Möglichkeiten scheinen zwar viele Segnungen zu beinhalten, aber eben auch die Schattenseiten der menschlichen Psyche zu befördern.



    Ich glaube nicht, dass die Menschen es schaffen, sich moralisch-ethisch wirklich weiterzuentwickeln - und dabei den Möglichkeiten kollektiver Selbstzerstörug zuvorzukommen.

  • Zunächst gebe ich dem Autor Recht, diese krassen Fälle sind einfach krank. Und es macht einen krank zu lesen und zu hören, dass es Menschen gibt die zu solchen Taten fähig sind. Nur einem Satz möchte ich ein wenig einordnen:

    "vor allem dem Mann zu Diensten zu sein haben, denn dieser repräsentiere das Prinzip Stärke und Leistung"

    Nun wird dieses Prinzip gerade von jungen Frauen gefordert. Ich erlebe es immer wieder bei jungen Arbeitskollegen die Doppelschichten machen, damit sie sich dieses oder jenes Auto leisten können, oder dieses oder jenes Handy. Provider muss man sein. Auf meine Rückfrage haben mir die Jungs unzählige Videos von Frauen gezeigt. Von "Ick"-Listen und "maskulin und femininer Energie" war die Rede. Kein IPhone, kein Date. Kein Führerschein, kein Date. Keine 1,85m, genau, kein Date usw.

    Und es waren durch die Bank junge Frauen die dies gefordert haben. Keine Kerle.

    Die jungen Männer stehen unter einem großen Druck diesen Ansprüchen gerecht zu werden, und wer es nicht schafft, entwickelt Frust.

    Das soll keine Entschuldigung sein, aber es ist ein Grund. Und um Missstände zu überwinden muss man die Gründe verstehen.

    • @Pawel_ko:

      Das fällt dir auf die Füsse, wenn du nicht zuerst überlegst, was Ursache und Wirkung ist.



      Die Mädchen/Frauen, die sowas fordern, sind nämlich nicht der Ausgangspunkt, sondern die unwissenden Opfer der Maschinerie der Tradwives und der Manfluencer. Die sind halt in dieser Welt aufgeweachsen und wissen gar nicht, dass es auch anders geht, weil es ihnen niemand bewusst vorlebt.

      • @petermeier:

        Ich bin kein Freund davon, Menschen, die anders denken, als man selbst in ihren Schuhen denken würde, gleich verbal zu entmüdigen bzw. als fremdgesteuert darzustellen. Zum Einen KANN das gar nicht in dem Maße berechtigt sein, wie dolches Andersdenken vorkommt, zum Zweiten sollte sich Jeder, der solcheFremdsteuerung unterstellt , fragen, warum dann gerede er selbst dagegen immun ist.



        Das stimmt was nicht im Menschenbild.

    • @Pawel_ko:

      Erinnere mich, dass wir als Zehntklässler in den späten Sechzigern sämtlich von langen Mädchenhaaren geschwärmt haben. Natürlich auch von anderen Attributen. Letztendlich war wohl nichts davon für einen meiner Mitschüler am Ende ein Ausschlußkriterium... Um den Besitz irgendwelcher Güter drehte sich da gar nichts. Auf beiden Seiten, denken ich. - "Oh - der muss einen Trabant haben..."



      Die Zeiten mögen andere gewesen sein, der oben behauptete Druck auf jeden Fall. Schätze aber, dass das nur auf einen begrenzten Teil der Nachwachsenden so heftig zutrifft. Sehr viele junge Herren sollten über ein gesünderes Selbstvertrauen verfügen und sich ein "Anderssein" erlauben.



      Bin da ansonsten ganz bei Sam Spade unten...

    • @Pawel_ko:

      Selbstgemachte Leiden der "jungen Männer". Einfach andere Kriterien anlegen und statt Frauen die rein nach Status auswählen, sich denen zuwenden, die nach Persönlichkeitskriterien gehen. Wird es wohl auch noch geben.

      Diese Form von Statusdenken befällt meist ein ganz bestimmtes Klientel, männlich wie weiblich, die sich durch den Status eine Aufwertung der eigenen Persönlichkeit versprechen und von der Angst bestimmt sind nicht mehr dazuzugehören. Das ist auch eine Frage der Reife bei jungen Menschen.

      Wie sie schon erwähnten, entschuldigt dieses in dem hier dargelegten Kontext rein gar nichts und als Grund würde ich persönlich das eher auch nicht bezeichnen.

      • @Sam Spade:

        Nuja, wenn der prospektive Partner finanziell potent ist, muss das nicht unbedingt über andere Schwächen hinwegtäuschen. Es ist im Zweifel einfach angenehmer (ergo attraktiver), als wenn er es NICHT ist. Und ja, es gibt "Marktsegmente", wo das nicht relevant ist, aber die sind VIEL kleiner, als das Vielen in den gesellschaftspolitischen Kram passt.

        Nach meiner Erfahrung haben gerade Frauen bei der Beziehung häufig mehr das große Ganze im Blick als nur die unmittelbaren Persönlichkeitsmerkmale des Gegenübers: Nicht nur der Mensch muss passen, das Leben in der Beziehung mit ihm muss ihre Wünsche erfüllen. Da rutschen dann eben solche Sekundärtugenden wie "kann sich ein schönes Leben auch finanziell leisten" gerne mal unter die primären Auswahlkriterien.

      • @Sam Spade:

        Danke für den Gedanken.



        In den mitunter grausamen und deprimierenden Gefillden von Dating-Apps unterwegs, sind Muckibudenmänner und Autoposer direkt raus bei mir. Ich glaube, mensch kann da relativ schnell erkennen, wie wer drauf ist und für sich entsprechend entscheiden.



        Ob jetzt der perfekte Body oder der witzige Typ die bessere Wahl ist.

    • @Pawel_ko:

      Man sollte auch nicht vergessen, dass viele junge Männer nicht (individuellen) Frauen gefallen wollen - sondern anderen Männern! Und dafür gerne auch Frauen nutzen. Wenn die Rollenregeln (Wangenknochen & Provider sein; bzw. Gymmie & skinny) wichtiger sind als das Gegenüber - das ist doch irgendwie entmenschlichend, und passt damit gut in die Zeit.

    • @Pawel_ko:

      "Die Frauen sind der Grund"? So einfach ist es nicht. Sie haben aber Recht, dass Sexismus nicht Männern vorbehalten ist und genauso problematisch ist, wenn sie von Frauen kommt. Der Tradwife Humbug, die Esoterik Maschinerie von weiblicher und männlicher Energie, die Körper-, Familien und Berufsvorstellungen aus den 50ern sind bei vielen wieder voll drin. Unterstützt von allen, die damit Geld verdienen können. Das Attraktive an ultrakonservativen bis faschistoiden Rollenbildern sind die klaren Verhaltensregeln. Man weiß vermeintlich, was man machen muss, um zu gefallen und alles "richtig" zu machen. Dass es eine Falle ist, wird vielen zu spät auffallen.

    • @Pawel_ko:

      Ich finde Ihren Beitrag gut und in diesen Tagen auch mutig.

      • @Dr. McSchreck:

        Echt? Täter - Opfer Umkehr ist mutig?

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Wenn Sie das so lesen, ist das eher ein Punkt, wo Sie sich fragen sollten, was an Ihrer Wahrnehmung nicht stimmt. Es wird nichts umgekehrt, sondern es wird eine Mitverantwortung benannt - die natürlich nicht alle Frauen betrifft, aber aber bekanntlich sind ja auch nicht alle Männer so schlimm, wie es angeblich wieder normaler wird.

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Sich mit strukturellen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen, ist keine Täter-Opfer-Umkehr.

          Zudem würde das bedeuten, dass Sie junge Männer pauschal als Täter betrachten.

          Ihr Ernst?

    • @Pawel_ko:

      Incelgewäsch: Der Frau die Schuld geben, dass der Mann mannshaft sein muss. 1,85m gilt auch bereits unter Incels als zu klein.

      • @Troll Eulenspiegel:

        "1,85m gilt auch bereits unter Incels als zu klein."

        Wenn Blinde über Farben reden...

        Nichtsdestotrotz sind 1,85m+ ein klarer Wettbewerbsvorteil - nicht nur bei der Partnersuche. Nach meiner Erinnerung ist das bereinigte "pay gap" zwischen Männern unter 1,75 m und solchen ab 1,85 m eher größer als das zwischen Frauen und Männern insgesamt.

        Und wer als "Gewäsch" abtut, dass sich auch Männer nicht unwesentlich den (zugegeben: empfundenen) Partnersuche-Kriterien des anderen Geschlechts unterwerfen, sollte sich überlegen, was er/sie damit über die Zurechnungsfähigkeit besagten anderen Geschlechts sagt: So Chauvi muss man erstmal sein, dass man Frauen für derart unselbständig hält, dass sie sich nach der männlichen Vorstellung davon richten, wen oder was an einem Mann sie attraktiv finden! (Wäre dem so, hätte nicht "das Patriarchat" längst Bierbauch und Fußballexpertentum als Top-Merkmale eines attraktiven Mannes durchgesetzt? ;-)). Da gibt es sicher Wechselwirkungen zwischen männlich dominierter Welt und der Vorstellung, wie frau sich darin bestmöglich einrichtet. Aber wie genau diese Vorstellung - gerade in Sachen Partnerwahl - aussieht, bleibt die Entscheidung der jeweiligen Frau.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Wann kommt der Tag, an dem Männer begreifen, dass Patriarchat und Incel-Ideologie mit Freiheit nichts zu tun haben?

        • @aujau:

          Wann kommt der Tag, an dem der Feminismus erkennt, dass die Welt - auch die mit Patriarchat - nicht schwarz-weiß ist (...und das Patriarchat eben doch nicht so allmächtig, wie es gern dargestellt wird)?



          Es gibt Graubereiche, "soft power" und viele andere frauengemachte Einflüsse, die vom feministischen Narrativ gerne ignoriert werden, um nur ja nicht die eigenen Ansprüche zu entkräften. Das ist verständlich, wird aber teilweise absurd: Wer meint, dass Frauen historisch wie gegenwärtig so generell unfähig wären, ihre Rollen als Objekt der Begierde, biologisches Nadelör der Fortpflanzung und nicht zuletzt intellektuelles Gegenstück in normative Macht umzusetzen, der traut ihnen einfach zu wenig zu (und verschließt die Augen vor einer Unzahl an sozialen Normen und Idealvorstellungen, die einem wirklich so absolut herrschenden Patriarchat realistisch betrachtet VIEL zu unbequem wären).



          Ich bin auch sehr für den Aufbruch hergebrachter patriarchaler Rollenverständnisse. Aber das wird nicht funktionieren, wenn man jene Beharrungskräfte dieser Verständnisse ignoriert, die von Frauen ausgehen - und zwar nicht nur von irgendwelchen Tradwife-Bloggerinnen, sondern breiten Bevölkerungsteilen.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Strukturelle Gegebenheiten analysiert man nicht über Schuldzuweisungen.

        Natürlich wollen gerade junge Männer den Erwartungen junger Frauen bzw. Mädchen genügen, um für sie attraktiv zu sein.

  • Wir erleben seit 89 einen stetigen Rollback bei den Frauenrechten. Der krasseste Fall ist da wahrscheinlich Russland. Die Rolle der Frau dort in der Sowjetunion war aus feministischer Sicht dem Westen hoch überlegen. Heute dagegen wird dort der gleiche Tradwife-Unsinn gepusht wie bei den Evangelikalen in den USA. In den sozialen Medien gibt es eine ganze Beschallungsindustrie die diese Narrative pusht ohne Ende. Hier wäre ganz entschiedenes Gegenhalten angesagt. Allerdings bräuchten wir dazu ein positives Narrativ als Ansprache für junge Männer und da wird es leider für uns ideologisch schwierig, weil nicht sein kann was nicht sein darf.

    • @Šarru-kīnu:

      Ja. Was in Russland passiert ist schlimm.

      In Deutschland gab es aber seit 1989 auch Fortschritte bei Frauenrechten. Vor allem im Westen. Das ist jetzt bedroht. Und darum müssen und können wir uns hier kümmern.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Nennen Sie mal einen Fortschritt der auch aus ostdeutscher Perspektive einer ist? Frauen dürfen jetzt Frauen heiraten wäre das Einzige was mir einfällt.

  • Sucht mal im Internet den Namen "Taylor Paul" und "violence".

    • @Kelkin:

      Naja, das scheint dann am Ende doch vielleicht eine beidseitig toxische Beziehung zu sein.

      Was aber interessant an TP ist, ist das typische Abwiegelungsmuster. Anstatt sich der Verantwortung für eigenes Verhalten zu stellen, dass man gewalttätig geworden ist, wird sofort blame-shifting betrieben und sie stellt sich selbst als das Opfer dar. Sie habe jahrelang still gelitten, etc. etc.

      Nein. Wenn man Mist baut, steht man dazu, ungeachtet des Geschlechts.

  • Naja heutzutage trauen sich auch (zum Glück) mehr Frauen an die Öffentlichkeit und auch die Berichterstattung zu dem Thema ist eine andere, als das noch vor sagen wir 20 Jahren der Fall war. Damit kommt es natürlich auch zu einer "Häufung" der Skandale. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass es mehr Skandale gibt, nur, dass mehr aufgedeckt werden und an die Öffentlich keit gelangen als früher. Das könnte sogar ein Hinweis auf eine leicht positive Entwicklung sein. An einen Zufall glaube ich hier in der Tat nicht

    • @PartyChampignons:

      Gleichzeitig gibt es aber auch viel mehr Wege, Gewalt auszuüben. Gerade digitale Gewalt, Deep Fakes und so was. Nein, ich glaube, wir erleben gerade schon die zunehmende Enthemmung. Außerdem ist nicht zu vergessen, dass Frauen bereits den Gegenweg zur Selbstbehauptung einschlagen - TradWifes und vieles mehr. Das ist keine gesunde Reaktion auf die Rückkehr von aggressivem Maskulinem.

    • @PartyChampignons:

      Bezüglich "zum Glück": Reiche, Weidel, v. Storch.....

      • @Erfahrungssammler:

        Im Negativen sind Frauen schneller gleichberechtigt.

      • @Erfahrungssammler:

        Ich hätte mich genauer ausdrücken müssen: zum Glück trauen sich Frauen heutzutage häufiger Verbrechen an ihnen zu benennen und damit an die Öffentlichkeit zu gehen

      • @Erfahrungssammler:

        Entsprechend der Teilhabe am öffentlichen Leben fallen wir aus dem Stehgreif reihenweise männliche Vollpfosten ein: Merz, Spahn, Söder, Scheuer, eigentlich eine ganze Galerie von CSU-Verkehrsministern, Altmeier, Lindner, Trump, Hegseth, Kennedy Jr.., etc. pp. Die Liste läßt sich unendlich fortsetzen. Da schenken sich die Geschlechter wirklich nichts.

        • @Oma:

          Wenn die Pferde durchgehen, kommt Robert Misiks Spanische Hofreitschule aus Wien gerade recht...



          de.wikipedia.org/wiki/Stegreif



          Zurück zum Thema: „Im September 2008 begannen erstmals Elevinnen, nebst männlichen Eleven, ihre Ausbildung an der Spanischen Hofreitschule." de.wikipedia.org/w...eiter_und_Reitbahn

          • @Mondschaf26:

            Abgesehen von den Pferden, sind Elevinnen erst mal nichts anderes als Schülerinnen, zumindest in francophonen Ländern

            • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

              War das jetzt aus dem Steg Reif? 🦄

  • Wir befinden uns einfach nur gerade mitten in einer moralischen Panik. Was man auch sehr gut daran erkennen kann, das aktionistisch versucht wird Gesetze einzuführen, welche keine Rücksicht auf z.b. die Kunstfreiheit nehmen oder an der unreflektierten Verwendung von Kampfbegriffen wie „Schutzlücke“.

    • @Mendou:

      Naja, mit "Kunst" hat abwertende Deepfake-Pornografie mit dem Zweck der Herabwürdigung dargestellter Personen wohl eher nichts zu tun.

      Das ist eine ganz andere Kategorie als beispielsweise Satireclips von Schlantologie, in denen deutsche Celebrities und Politiker als Darsteller von bspw. "Breaking Bad" dargestellt werden.

    • @Mendou:

      Klar kochen grade die Emotionen hoch, aber verharmlosen Sie da nicht etwas?

    • @Mendou:

      Zustimmen ich muss, große Panik breitet sich aus und im nacheilendem Gehorsam werden Abwehrmechanismen und Bagatellisierungen aktiv, die in fester Überzeugung der eigenen kognitiven Dissonanz und flankiert von Kampfbegriffen wie „Unschuldsvermutung“ nur umso augenscheinlicher die Bro-Culture ans Licht zerren, und so ziemlich jede*n Kommentierende*n entlarven: wessen Geistes Kind er * sie ist. Digitales Sperma auf dem Gesicht eines von Grok entkleideten Kindes ist keine Kunst!!!

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Was sie nicht sagen. Trotzdem sollte man Gesetze ordentlich durchdenken und deren Auswirkung auf z.b. die Kunstfreiheit berücksichtigen. Ich rede z.b. von Chilling Effekten die der aktuelle Entwurf ganz sicher nach sich ziehen wird, wenn er so umgesetzt wird. Nicht davon das solche Bilder Kunst sind.

        • @Mendou:

          Mendou, es ist einfach unsäglich von Ihnen, diese Debatte um Gewalt gegen Frauen( und Kinder und auch als unterlegen erkannte Männer) auch nur irgendwie mit irgendeiner Kunstfreiheit in Verbindung zu bringen. Auch der Künstler muss sich einfach Gedanken machen, ob er nicht absichtlich oder unabsichtlich gewaltvolle Einstellungen in seiner Kunst verarbeitet, und wenn er das tut, hat er auch mit stärkeren Gesetzen keine Probleme. Und eine Kunst, die zwar provozieren soll, aber auch nur in irgendeiner Art und Weise von den Tätern in ihrem Sinne als Zustimmung verstanden werden könnte, ist einfach nur kontraproduktiv und damit mehr als entbehrlich angesichts des gesellschaftlichen Gesamtzustandes.

        • @Mendou:

          Am besten wägen wir die nächsten 20 Jahre ab. Was macht es schon, wenn in der Zwischenzeit Frauen massiv gedemütigt werden? Hauptsache kein einziger "Künstler" fühlt sich auch nur ein wenig eingeschränkt...

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Ganz genau.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            💯👍👍🏻👍🏽👍🏿

  • Auch wenn das die Gegenwart nicht besser macht: Ich hoffe und glaube, dass wir hier ein letztes Aufbäumen des misogynen Patriarchats erleben, bevor es überwunden sein wird.

    Danke für den klugen, nachdenklichen Kommentar, der nicht oberschlau und selbstgerecht daher kommt, sondern Zweifel und Unsicherheit zulässt.

    • @Peta Parka:

      Ihren Optimismus hätte ich gerne.

    • @Peta Parka:

      Dem Dank schließe ich mich an.



      Ich teile aber die Hoffnung nicht, "dass wir hier ein letztes Aufbäumen des misogynen Patriarchats erleben,".



      Ich glaube nicht mehr an eine lineare Entwicklung zum Besseren. Das kapitalistische System lebt vom Versprechen der überbordenden Bedürfnisbefriedigung und vom ständigen Erfinden neuer Bedürfnisse. Die Erfüllung der Bedürfnisse wird nicht geschenkt. Sie hat einen Preis. Der heißt Wettbewerb und Kampf - bis zur Vernichtung.

  • "Verbrechen kommt nicht aus dem Nichts."

    Und Gewaltfreiheit ist ein Menschenrecht.

    Im WPS Index Frauensicherheit 25/26 belegt Deutschland Platz 21 und steht damit im unteren Drittel der EU.

    Die ersten fünf Plätze werden von Dänemark, Island, Norwegen, Schweden und Finnland belegt. In diesen Ländern liegt auch das Anzeigenverhalten um ein vielfaches höher als in Deutschland.

    Laut Dunkelfeldstudie werden in Deutschland gerade einmal 5-10% der Fälle von häuslicher Gewalt zur Anzeige gebracht.

    Nur 13% aller angezeigten Vergewaltigungen führen in Deutschland zu Verurteilungen. Damit rangiert Deutschland unter den letzten zehn der EU (Quelle Who).

    Vertrauen in den Rechtsstaat wirkt sich auch auf das Anzeigenverhalten aus. Dazu gehört eine sensibilisierte Justiz und aufgeklärte Strafverfolgungsbehörden, wie auch entsprechende Schutzmaßnahmen.

    Die Motive hinter Frauenhass zu hintergründen, wie derzeit überall in Deutschland zu lesen, lassen aus dem Blick geraten, das Strafe die bewährteste Form der Abschreckung darstellt, die kann aber nur erfolgen, wenn vertrauensbildende Maßnahmen zu einem erhöhtem Anzeigenverhalten führen. Kurz: Täter dürfen sich nicht mehr sicher fühlen.

    • @Sam Spade:

      Vorweg - …anschließe mich - Robert Misik



      &



      ”…lassen aus dem Blick geraten, das Strafe die bewährteste Form der Abschreckung darstellt…“



      Mit Verlaub - wie kommse denn auf das schmale Brett?!



      Tucho - Nicht gelesen? Sollten‘s aber •



      www.textlog.de/tuc...t-fuer-geschworene



      “Du bist nur Geschworener: strafe nicht – sondern schütze die Gesellschaft vor Rechtsbrechern.“



      & zu ehna - Generalprävention -



      “Glaub nicht an die abschreckende Wirkung eures Spruchs; eine solche Abschreckung gibt es nicht. Noch niemals hat sich ein Täter durch angedrohte Strafen abhalten lassen, etwas auszufressen.…“ usw usf



      (In Hessen: ehrenamtlichen Richtern at hand!)



      &



      (Reminiszenz: als ich im VG Arnsberg an Schützenfest Montag aufschlug!



      Die Kammerkollegen:“Schon wieder einer der die Generalprävention im AuslR ablehnt!“



      🙀🧐

      • @Lowandorder:

        Einmal nachschlagen "Generalprävention" und "Normvertrauen".

        Studien die belegen, das eine hohe Wahrscheinlichkeit der Entdeckung sowie Aufklärung und Verurteilung eine abschreckende Wirkung haben gibt es nun wahrlich genug, nicht nur in Deutschland.

        Das die Höhe des Strafmaß nicht immer einen Abschreckungseffekt darstellt und Intensivtäter nicht von ihren Taten abhält, steht auf einem anderen Blatt. Nur es ging mir in dem Kommentar nicht um die Strafe mit Bezug auf das Strafmaß sondern um die Strafverfolgung.

        In Norwegen ist die Rückfallquote wesentlich geringer als in Deutschland, weil hier das nordische Modell des humanen Strafvollzugs praktiziert und auf Präventivmassnahmen hinsichtlich der Täterbetreuung gesetzt wird.

        Zu den strukturellen Maßnahmen gehört aber auch, das z. B. jede Form der sexuellen Belästigung konsequent verfolgt wird. Das wiederum trägt zu einer kritischen Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft bei und fördert das Vertrauen in die Behörden.

        Oder anders ausgedrückt, was bei sexueller Belästigung häufig in Deutschland noch als "Kavaliersdelikt" betrachtet wird, stellt bei uns eine Straftat dar und wird auch als solche angesehen und behandelt.

        • @Sam Spade:

          Generalprävention schützt vor dem an sich rechtsfürchtigen Gelegenheitstäter. Den fest zur Begehung von Taten entschlossenen Berufsverbrecher schreckt die Strafe nicht ab. Der geht zur Not auch für Komplizen in den Knast und hält die Klappe.

          Ist ein bißchen wie mit Schlössern zur Sicherung von Eigentum. Die schützen letztlich nur vor ehrlichen Menschen. Der sachkundige Kriminelle weiß, wie man ein Schloss binnen kürzester Zeit überwindet.

          • @Metallkopf:

            Stimmt. Trotzdem wäre viel geholfen, wenn auch der kleine Gelegenheitstäter angesichts konsequenter Verfolgung und deutlich höherer Strafmaße als in Deutschland üblich ein bisschen zu sich käme und sich von seiner Tat abschrecken ließe.

        • @Sam Spade:

          Geh weiter mit Tucho einig - wa!



          🤖Ein Kritikpunkt an der negativen Generalprävention ist, dass trotz Strafandrohung Straftaten begangen werden, oft in der Hoffnung, nicht entdeckt zu werden.“

          So geht das ©️Kurt Vonnegut



          (Traue keiner Statistik - die du nicht selbst gefälscht hast!)



          KV: „Versuchen, sich anständig zu verhalten, ohne die Erwartung von Belohnung oder Bestrafung nach dem Tod“. Für ihn war moralisches Handeln eine Pflicht gegenüber den Mitmenschen, nicht das Ergebnis von Angst vor Strafe.

          • @Lowandorder:

            @Lowandorder



            ...und sollten nicht alle zivilisierten Menschen, nicht nur die Pflicht - sondern auch den humanistischen Anspruch an sich selbst - für moralisches Handeln stellen ? Für, als wie wertvoll können sich unmoralische, gewaltvolle Menschen vor sich selbst fühlen.



            Als verlorene Seelen, könnte man diese Menschen bezeichnen, denn diese Menschen haben nicht gelernt, oder verlernt - wie wertvoll alle Menschen von Natur aus sind, es ebend nicht nur auf Anerkennung von außen, sondern die Akzeptanz seiner selbst und die Eigenliebe zu sich als Individuum, bestimmen wer wir sind. Wer sich selbst liebt und seine Mitmenschen so wie sich selbst mag, übt ja letztendlich gegen sich selbst Gewalt aus, wenn Mensch anderen Menschen Leid zufügt.



            Abgesehen von den medizinischen Kranken im Kopf.

        • @Sam Spade:

          Und wie verständlich, auf Anzeigen zu verzichten, wenn man doch weiß, wie wenig man voraussichtlich ernst genommen wird auf der Wache - bzw. wie marginal wenige Fälle überhaupt weiter verfolgt werden. Es muss sich endlich ändern!