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AfD bei Landtagswahl Rheinland-PfalzRekordergebnis im Westen

Der Rechtsruck befördert die AfD auf 20 Prozent. Sie hat sich damit verdoppelt. Erneut zeigt sich: Rechtsextremismus ist ein gesamtdeutsches Problem.

Jan Bollinger, Spitzenkandidat der AfD Foto: Andreas Arnold/dpa

Konfettiregen, Triumphschreie und Jubeltrauben gab es bei der Wahlparty der AfD Rheinland-Pfalz. Die AfD hat bei der Landtagswahl nach ersten Hochrechnungen erstmals 20 Prozent in einem westdeutschen Flächenland geholt. Die extrem rechte Partei hat sich damit im nächsten Bundesland trotz ihrer fortwährenden Radikalisierung auf einem hohen Niveau etabliert. Spitzenkandidat Jan Bollinger lief vor Jubelschreien rot an und konnte sich vor Umarmungen der Parteichefs kaum retten. Die Jubelszenen bei der AfD in Mainz zeigen einmal mehr, dass Rechtsextremismus ein gesamtdeutsches Problem ist.

Die Partei erreicht damit ihr selbst gestecktes Ziel von 20 Prozent. Wohlgemerkt mit einem nicht gerade charismatischen Spitzenkandidaten Bollinger, der – mal abgesehen von den üblichen rassistischen und sonstigen AfD-Tiefschlägen – einen eher ereignisarmen Wahlkampf geführt hatte.

Die AfD hat sich damit mehr als verdoppelt und ist damit drittstärkste Kraft, eine Regierungsbeteiligung mit den Rechtsextremen haben die übrigen Parteien ausgeschlossen. Parteichef Tino Chrupalla tönte entsprechend breitbeinig kurz nach 18 Uhr im ZDF, dass man am Kurs der Fundamentalopposition festhalten wolle. „Der Wähler will das, was wir gezeigt haben“, so Chrupalla, und freute sich schon mal darüber, dass man nun auch in einem West-Landtag aus eigener Kraft Untersuchungsausschüsse einberufen könne.

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Gerade erst vor zwei Wochen hatte die extrem rechte Partei bei der Baden-Württemberg-Wahl den bisherigen Höchstwert im Westen von 18,8 Prozent erzielt. Die anhaltende Krise um auch in Rheinland-Pfalz grassierende Vetternwirtschaft und Parteifilz hat bei beiden Wahlen das Ergebnis, wenn überhaupt, nur leicht beeinträchtigt.

Bei der letzten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz war die AfD noch auf 8,3 Prozent gekommen. Sie ist damit um fast 12 Prozentpunkte angewachsen. Bei der Landtagswahl 2016 war sie auf 12,6 Prozent gekommen.

Dorfkneipen als Parteistützpunkte

Der Landesverband wollte sich im Wahlkampf bürgerlich und leutselig geben. So richtig glaubwürdig scheint das nicht angesichts von Wahlkampfauftritten von Matthias Helferich (das selbsternannte „freundliche Gesicht des NS“) oder der rechtsextremen Liedermacherin Jule Juls. Man gibt sich bieder und volksnah, will auf dem Land punkten, wo Anti-Eliten-Erzählungen auf konservative Traditionen treffen.

Tatsächlich will die AfD auf dem Land Wahlbüros etablieren, die auch als Dorfkneipen fungieren sollen. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier, ein wegen Beihilfe zu Gewalt verurteilter ehemaliger Kaiserslautern-Hooligan, ist mittlerweile ein wichtiger Strippenzieher innerhalb der Partei und versucht seit Längerem, leerstehende Gaststätten als Wahlkreisbüros anzumieten. Tatsächlich gibt es bereits ein paar dieser Stützpunkte – doch es formiert sich durchaus Widerstand gegen die zunehmende Präsenz der extrem Rechten auf dem Land. Aber rechte Angriffe nehmen auch hier zu.

Auf Social Media wiederum spricht die AfD eine ganz andere Sprache: So war ein KI-generierter Werbespot von rassistischen und antisemitischen Erzählungen gespickt. Hinter den Kulissen finden Funktionäre es dann auch normal, sich in extrem rechten Burschenschaften zu engagieren und die seit der NS-Zeit nicht mehr gebräuchliche erste Strophe des Deutschlandliedes zu singen.

Der Spitzenkandidat Jan Bollinger, Typ BWLer, der Sonnenbrille auf dem Facebook-Profilbild trägt, ist gut vernetzt mit wichtigen Strippenziehern der Partei um Leute wie seinen Vize-Landeschef Münzenmaier, die auch Parteichefin Alice Weidel stützen. Sie sind nicht weniger radikal als der rechtsextreme Thüringer Fraktionschef Björn Höcke, wollen aber professioneller auftreten.

Auch in Rheinland-Pfalz unterlag nach Flügelkämpfen das Lager, das gerne einen weniger radikalen Kurs gefahren wäre. Im Wahlkampfendspurt trat etwa der scheidende Landtagsabgeordnete Michael Frisch (ehemals AfD) noch mal nach: Die AfD Rheinland-Pfalz stehe für ihn für „Vetternwirtschaft, Intriganz und leistungsloses Aufstiegsversprechen für drittklassige Stammtischpolitiker“. Nichts würde diese schräge Bollinger-Truppe regeln, wenn sie an die Regierung käme, ätzte er.

Breitbeinige Kampfansagen

Auf der Wahlparty scheint der landeseigene AfD-Filz längst vergessen, Spitzenkandidat Bollinger versucht sogar, den Spieß umzudrehen, und brüllt doch recht dreist ins deutlich übersteuerte Mikro: „Die CDU hat kein Interesse daran den roten Filz aufzuklären, sie möchte ein Teil davon werden“, rief er und erntete Johlen – im Raum war man offenbar sichtlich zufrieden damit, dass der eigene Parteifilz nur wenig Folgen auf das Wahlergebnis hatte.

Für Demokraten wiederum dürften die Folgesätze wie eine Drohung klingen: „Wir werden in die Fläche des Landes ausschwärmen, um in jedem Kreis präsent zu sein“, rief Bollinger. Er hoffe, dass Schwarz-Rot im Bund nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zusammenbreche und Alice Weidel dann Bundeskanzlerin werde.

Nur will das halt niemand außer der AfD: Interessant mit Blick auf die Brandmauer wiederum war, dass laut Nachwahlbefragung von Infratest Dimap 71 Prozent aller Wäh­le­r*in­nen nicht wollten, dass die AfD an der nächsten Landesregierung beteiligt ist. 26 Prozent sind für eine Beteiligung der AfD. Bei den CDU-Wählern war die Ablehnung sogar noch deutlich höher: 87 Prozent lehnten eine Zusammenarbeit mit der AfD ab.

39 Prozent bei Arbeitern

Auch bei der Wählerwanderung bot sich das gewohnte Bild: Am meisten Zugewinne bekam die AfD von Nicht-Wählern, gefolgt von Wechselwählern von CDU und auch der SPD.

Bei Daten der Nachwahlbefragung ist wiederum vor allem der Blick auf die Altersverteilung alarmierend: Hier war die AfD laut der Forschungsgruppe Wahlen mit 21 Prozent die stärkste Kraft bei 18- bis 24-Jährigen, knapp vor der Linkspartei und SPD (je 19 Prozent). Die stärksten Wählergruppen der AfD sind allerdings weiter zwischen 30 und 44 (26 Prozent) sowie 45 und 59 (24 Prozent) Jahren alt. Bei Frauen erzielte die AfD 16, bei Männern 24 Prozent.

Laut Infratest Dimap sagten 47 Prozent der AfD-Wähler, dass sie CDU wählen würden, wenn die Partei im Bund eine andere Politik machen würde. 31 Prozent der AfD-Wähler würden unter derselben Fragestellung die SPD wählen. Abstiegsängste formulierten 79 Prozent der AfD-Wähler*innen, die ihre wirtschaftliche Situation zu 30 Prozent am häufigsten als „schlecht“ bewerteten.

Und ein besonders für die SPD schmerzhaftes Déjà-vu zu Baden-Württemberg gab es auch mit Blick auf Arbeiter, die auch in Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich häufig, nämlich zu 39 Prozent AfD wählten.

Das bisschen Filz

Die Vetternwirtschaft war den meisten AfD-Wähler*innen eher wurscht. Personalisiert ist die Wahl der extrem Rechten wiederum kein bisschen. Denn starke Beliebtheitswerte weist der AfD-Spitzenkandidat Bollinger nicht gerade auf – im Gegenteil: nur 11 Prozent der Wäh­le­r*in­nen sind zufrieden mit seiner Arbeit und nur 13 Prozent gaben an, die AfD wegen ihres Kandidaten zu wählen.

63 wählten die Partei für ihr Programm und 12 Prozent wegen langfristiger Parteibindung. Direkt nach der Protestwahl gefragt, sagten die AfD-Wähler zu 46 Prozent, dass sie die Partei aus Überzeugung wählten – 41 Prozent aus Enttäuschung über andere Parteien. Bei der letzten Landtagswahl 2021 war die Tendenz noch andersherum mit 40 zu 50 Prozent.

Und noch eine Lehre des Abends: Filz kritisiert man gern bei anderen, aber nicht bei sich selbst: Nur 16 Prozent sagten, dass es sie ärgere, wenn AfD-Politiker Angehörige von Parteifreunden in ihren Büros beschäftigen.

Hinweis, 25.3.: Der Text wurde aktualisiert, d. Red.

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41 Kommentare

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  • Steuern runter, Sozialausgaben radikal zusammen kürzen heißt: nur die Reichen sollen weiter reicher werden. Die Ärmeren sollen weniger Lebenschancen haben und früher sterben. Ist das Konsens?

  • Bericht über die Afd-Kandidaten und über den antisemitischen braunen Werbespot zeigen: die Afd ist erfolgreich im Mobilisieren des rechtsradikalen Mobs. Es wanderten nicht nur Wähler von SPD zu Afd, sondern auch Nichtwähler - wie bei bisher jeder Wahl.



    Was lese ich hier:



    Keine Auseinandersetzung mit dieser zivilisationsfeindlichen Katastrophe, sondern Forderungen von Rechten wie Machiavelli und nachtsonne: "Steuern runter, Sozialausgaben radikal zusammen kürzen, Förderungen und Subventionen streichen", nur noch Machtstaat und autoritäres Vorgehen.



    Nehmen so vollends alle vom humanistischen Zusammenleben Abschied? Nur noch Zerstörungslust?



    Es ging ja darum Putin zu bekämpfen ohne so zu werden wie Putin. Jetzt werden alle so wie Putin und Trump ohne diese zu bekämpfen. Und in der Tat ist das grüne Milieu dankbar für ein paar Spielräume und gibt sich bescheiden.



    RLP: Idar-Oberstein war der Ort, in dem ein junger Jobber an der Tankstelle ermordet wurde, weil er an die Maskenpflicht erinnerte. Im Hunsrück konnten vor 20 Jahren Rieger-Grundstückankäufe verhindert werden.



    Ahrtal-Flut 200 Tote. Nach langer Trockenheit kommen wieder riesige Regenfluten.

  • Das Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz ist ein politischer Offenbarungseid und ein Stich ins Herz der demokratischen Kultur. Dass die AfD ihr Ergebnis auf knapp 20 Prozent verdoppeln konnte und nun als stärkste Oppositionskraft im Mainzer Landtag sitzt, markiert das Ende der vermeintlichen „westdeutschen Immunität“ gegen rechtsextreme Rattenfänger. Es ist niederschmetternd zu sehen, wie eine Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, in einem Land der Vielfalt und des Weins derart massiv Fuß fassen konnte.



    ​Dieser Erfolg ist kein „Denkzettel“, sondern die schleichende Normalisierung des Unbequemen. Wer diese Truppe wählt, nimmt billigend in Kauf, dass das politische Klima vergiftet und die soziale Solidarität zerfressen wird. Rheinland-Pfalz hat am vergangenen Sonntag ein Stück seiner weltoffenen Identität verloren. Wenn der Hass zur legitimen Alternative erklärt wird, ist nicht die Politik gescheitert, sondern das bürgerliche Gewissen. Ein schwarzer Tag für Mainz und ein Warnsignal für die gesamte Republik: Die Brandmauer besteht nur noch aus Papier.

  • Wie üblich wird hier über AFD-Wähler geredet aber nicht mit AFD-Wählen. Warum auch, das sind auch provinzielle Dörfler. Finde den Fehler.

    • @Nachtsonne:

      Ich rede mit vielen, solange Gespräche Sinn ergeben. Ich will ja auch neue Perspektiven kennen lernen, und wenn die andere Person offen ist, warum nicht? Ich habe sogar in der engeren Bekanntschaft Menschen, die mit der AfD liebäugeln (obwohl die aus allen Gründen außer Ausländers SPD o.ä. wählen müssten), und zugleich welche, die sie nie wählen würden ("Nazis raus"), auch wenn die ganze Einstellung dort wohl aufgehoben wäre.



      Man kann sich auch einigen, sich nicht zu einigen.



      Ihre Polemik, das seien "Dörfler", genauer: es würde von irgendwem so zugeschrieben, muss ich gerade nicht verstehen, außer vielleicht biografisch. Im Westen sind es Städte im ökonomischen Niedergang mit höherem AfD-Anteil.

    • @Nachtsonne:

      "Finde den Fehler."



      Erfahrungsgemäß liegt der Fehler darin anzunehmen, dass man mit AfD-Wählern tatsächlich reden kann. Das liegt nicht an deren Bildungsniveau (Dörfler, Städter, Arbeiter, Professoren - wie hier auch immer das Niveau verteilt sein soll, überlasse ich gerne Ihnen), sondern an ihren verfestigten Überzeugungen, die Argumentationen oder Anerkennen von Fakten, die diesen Überzeugungen widersprechen, schlicht nicht möglich machen.



      Nein, wer AfD wählt, wählt sie weil er das will, völlig unabhängig von irgendwelchen Gesprächen.



      Man müsste mir Ex-AfD-Wähler zeigen, die durch Argumente oder Fakten 'bekehrt' wurden. Ich behaupte, außer sehr wenigen Ausnahmen gibt es sie schlicht nicht.

      • @Encantado:

        Ich schaffe es, mit AfD-Wählern zu reden.

        Nun komme ich aber auch nicht mit Bekehrungsversuchen um die Ecke.

        Die dosierte Feststellung, dass dieses oder jenes Quatsch ist - zielgruppenadäquat ggf. diplomatischer formuliert - kann durchaus fruchten.

        Das Nicht-mit-ihnen-Reden macht es ihnen natürlich einfacher, sich nicht mit anderen Meinungen auseinandersetzen zu müssen.

        Davon profitieren sie.

    • @Nachtsonne:

      Ich habs versucht - zwecklos, so lange noch Siewissenschon in unserem Land leben.

  • Ein gute Zusammenfassung der Lage, die nicht schön ist. Bei den kommenden Wahlen in Ostdeutschland ist das Schlimmste zu befürchten.

    Angesichts der Bedrohung unserer Demokratie durch diese AfD kann man nur den Kopf schütteln, wenn es Stimmen (ach in der taz!) gibt, die den Verfassungsschutz abschaffen wollen. Denkt da bitte nochmal drüber nach...

  • Noch besser wäre wohl gewesen, das Endergebnis von 19,5 % dann und damit unter den angepeilten 20 % noch einzufügen, auch wenn es die Story etwas derangiert hätte. Ändert aber nichts am Punkt, dass auch Westlich und Katholisch nicht völlig vor versimpelten Abstiegsängsten und Ausgrenzungsfantasien feit.

    Der Staat braucht wieder ausreichend Handlungsspielraum, das schließt ein: weniger Subvention an absterbende Verbrennerautos und deutlich mehr Geld für Energiewende, Verkehrswende auch in der Fläche, soziale Wohlfahrt, Bildung für Hiesige und Dazukommende, Klimaschutz statt teure Erhitzung.



    Mehr Handlungsspielraum kann heißen, Steuern auch real einzutreiben und auch zu erhöhen.



    Ich vermute, dass selbst die Union da jetzt über ihren stupiden Schatten springen wird, zumindest symbolisch. Besser wäre: richtig

    • @Janix:

      Sie zählen genau die Dinge auf, die die AfD-Wähler ablehnen und weswegen sie die AfD wählen!

    • @Janix:

      Ihre Vorschläge in Ehren, aber die Leute wählen AFD, weil sie all das eben nicht wollen. Auch durch Hochnäsigkeiten ( "versimpelte Abstiegsängste") wird es kaum gelingen, AFD Wähler ins linke Lager zu ziehen.

    • @Janix:

      Mit nur linken Umverteilungsplänen und grünen Klimaschutz und Weltrettungsplänen werden keine Wahlen mehr gewonnen und die AfD bekämpft.



      Es müssen den Sorgen und Forderungen der arbeitenden Menschen in Deutschland von der Politik wieder Priorität eingeräumt werden, sonst wird es mit der AfD weiter aufwärts gehen.

      • @Filou:

        Glauben Sie, arbeitenden Menschen fällt es nicht auf, dass sie ohne die Gnade einer reichen Geburt hier weniger Chancen haben, als das die heutige Rentnergeneration damals hatte? Oder die Klimaerwärmungskosten? Glauben Sie, arbeitende Menschen wären alles frühverhärmte Zyniker, die nur noch an Auto, Haus und Ego dächten? Wohl nicht, und ich auch nicht.



        Verunsicherung kommt u.a, durch einen handlungsschwachen Staat und Wohlfahrtsängste, und das durch Neoliberalismus.



        Das ist der Ansatzpunkt und nicht ein selbstzentriertes Gebölke aus dem Gebiet zwischen Mittelschicht und Oberschicht im Interesse von den Wenigen noch ganz woanders auf der Leiter.



        Solidarität entspannt so viel, wir sollten sie mal wieder ausprobieren. Nicht nur gegen die AfD.

        • @Janix:

          Sie haben sicherlich in einigen Punkt recht, insbesondere aber mit dem Hinweis auf den handlungsschwachen Staat. Dies bezieht sich in der Wahrnehmung vieler Menschen aber auch auf Abschiebungen, Mehrfachidentitäten bei Unterstützungszahlungen und auch beim Grenzschutz. Das gehört auch zur Wahrheit und zur Analyse des Erfolgs der afd.

          • @Bommel:

            So etwas bekam ich im Gespräch tatsächlich mal zu hören: "Es soll sich jeder an die Regeln halten" und "Wen kann ich denn sonst wählen, wenn mir das zu viel ist mit den ganzen anderen hier?".



            Für das Zweite konnte ich noch zögernd BSW antworten, denn jene Person schösse sich mit der Wahl der AfD extrem ins soziale und ökonomische Knie, noch mehr als andere.



            Beim ersten sehe ich das Regeleinhalten bei gewissen Privilegierten mal einzufordern. Doch dass man den Einreisestempel/ die Registrierung 2015 besser zu nahezu 100 % gesetzt hätte, aus solchen auch emotionalen Gründen, sehe ich inzwischen ein wenig, dies anders als damals.

        • @Janix:

          Den arbeitenden Menschen fällt auf, dass das man ohne "Gnade der reichen Geburt" auch "dem Staat ausgeliefert" ist. Gerade am unteren Ende der Lohnskala werden inzwischen Lohnerhöhungen gnadenlos von der Steuerprogression aufgefressen. Wer gerade in die Einkommenssteuer rutscht und eine Lohnerhöhung von 8% bekommt, darf 22% mehr Steuern bezahlen.



          Von den Betroffenen werden die wenigsten benennen können, warum das so ist (die Progressionskurve ist inzwischen sehr steil, weil der Spitzensteuersatz nicht mehr beim 18-fachen des Durchschnittsgehalts anfällt wie zu Adenauers Zeiten sondern beim 1,5-fachen), aber wenn vob Links unreflektiert nach "Steuererhöhungen!!!!" gerufen wird, bekommen die mindestens schlechte Laune

          • @FriedrichHecker:

            Worauf können wir uns vermutlich einigen? Weniger die Arbeit belasten und wieder mehr Erben, Vermögen und sehr hohe Einkommen. Der Spitzensteuersatz muss deutlich mehr greifen, diese einmalige Bauchentscheidung Karlsruhes mit den willkürlichen 50 % sollte da kein Vorwand. Und dann kann er auch deutlich mehr nach oben. Es sind ja die sehr Reichen, die ihn gerne da unten sehen. Er ist, bemerkt, immer noch ein Grenzsteuersatz - der Gesamtsteuersatz ist ein anderer.



            Bei sonstigen Abgaben entsprechend.



            Und noch einmal: Geburt, Beziehungen & Co. haben gerade für eine "Leistungs"-gesellschaft zu viel Einfluss gewonnen. Das Wohlfahrtsnetz wirkt nicht mehr so als gefühlter Schutz. Das macht unsere Gesellschaft gestresster und dysfunktionaler als nötig. Und das ist entgegen aller Parteien- und Medienbeteuerungen durchaus anpackbar.

  • Es scheint ja bisher nichts zu funktionieren, um die braune Truppe zu bremsen.



    Wie wäre es Mal mit einem alten ganz neuen Ansatz:



    Steuern wieder hoch (Vermögen, Erbschaft...), Finanzämter besser personalisieren und die Milliarden und Abermilliarden daraus investieren - in alles, was allen zugute kommt: Infrastruktur, Bildung, Klima, Pflege... bessere Lebensbedingungen insgesamt.

    Okok. Ich Leg mich wieder hin und träume alleine weiter.

    • @Nansen:

      Das ist das Programm der Linkspartei, die landete bei den letzten zwei Wahlen bei unter ferner liefen. Vielleicht wäre der Gegenteilige Ansatz angebracht? Steuern runter, Sozialausgaben radikal zusammen kürzen, Förderungen und Subventionen streichen, statt auf Kernaufgaben fokussieren: -äußere und innere Sicherheit und Infrastruktur.

      • @Machiavelli:

        Wenn Sie also einen Drehschwindel-Anfall haben und plötzlich hilflos werden, wollen Sie den Rettungsdienst selbst bezahlen. Ok das merke ich mir.

        • @Land of plenty:

          Sie wissen schon, dass das in manchen deutschen Landkreisen schon heute diskutiert oder sogar praktiziert wird (u. a. Essen, Lüdenscheid, Bautzen), sobald der Patient nur versorgt, aber nicht ins Krankenhaus gebracht wird?

      • @Machiavelli:

        Haben Sie letzte Woche von der Studie gelesen, die Ihren Vorschlag nahelegt?

      • @Machiavelli:

        Der gegenteilige Ansatz findet bereits statt. Seit Jahren.



        Wohin das führt, konnten Sie ja beobachten:



        In eine entsolidarisierte Gesellschaft, in der ein paar Oligarchen die Richtung - sorry - die Kernaufgaben vorgeben.

        • @Nansen:

          Die Kernaufgaben werden von der Welt vorgegeben, Staaten, die sich nicht verteidigen können, gehen unter, genauso wie Staaten, die die innere Ordnung nicht aufrechterhalten. Staaten ohne funktionierende Infrastruktur auch. Sozialstaaten hatten die wenigsten Staaten. Das ist nicht essentiell.

          "Der gegenteilige Ansatz findet bereits statt. Seit Jahren." Steuern sind gestiegen, Sozialausgaben auch. Ich verstehe ihren Standpunkt, glaube aber das der Großteil der Bevölkerung es exakt gegenteilig sieht. Und darauf kommt es an.

          • @Machiavelli:

            Vor den Sozialstaaten gab es Armenfürsorge.



            Der Sozialstaat, Schulpflicht und Co., die kamen auch aus dem Bedürfnis des Staates, gesunde Rekruten zu haben, klügere Arbeitskräfte und nicht die "Kinder von", sondern wirklich die Besten an den jeweiligen Stellen zu haben. Das können Sie gerne als verzichtbar erachten. Ist aber falsch.

    • @Nansen:

      Sie sind damit nicht alleine, und die Linkspartei will das ja ungefähr. Zerlegt sich leider gerade wieder selbst wg Nahost

  • Danke für diese Aufarbeitung des Rechtsrcks bei den Wahlen in RP. Kleine Anmerkung: Der textlink "und sonstigen AfD-Tiefschlägen" führt zu einem Artikel hinter einer Paywall der Wormser Zeitung, deren Abo nicht viele haben dürften. Nichts für Ungut

    • @tunatuna:

      Dass jemand auch Geld für Inhalt fragt bei den journalistischen Kollegen, kann vorkommen. Oder auch: die Wormser hat den nachträglich in die Paywall geschoben?

  • In den 50er und 60er Jahren stand Josef Bürckel noch in hohem Ansehen bei der pfälzischen Bevölkerung. Und zumindest einmal wurde Anfang der 70er Jahre auf dem Wurstmarkt das Horst-Wessel-Lied angestimmt.

    • @Alberta Cuon:

      Genau: Aus dem Verhalten von Menschen vor 50 bis 70 Jahren, die vermutlich alle längst tot sind, seine Schlüsse auf die Gesinnung der heute dort lebenden Menschen ziehen!

      Mein Opa hätte jetzt gesagt: "Wer so wat tut, der schändet auch kleine Kinder und malt Männekes inne Bibel!"

      Mit solchen "tiefschürfenden" Analysen wird man dem Problem AfD sicher nicht beikommen.

      Ich wurde vor über 50 Jahren mit allen Schülerinnen und Schülern meines Jahrgangs ins Kino geschickt, um sich den völlig falsch konzipierten "Hitler-Film" anzusehen, den Joachim C. Fest von der FAZ aus Original-Propagandafilmen zusammenschneiden ließ.

      Und bei "Bomben auf Engeland" haben wir alle begeistert mitgegrölt. Nicht, weil wir "Jung-Nazis" waren, sondern in der Pubertät, und weil wir genau wussten, dass wir damit unsere überwiegend linken Lehrer ("rotes Hessen") zuverlässig in die "stabile Seitenlage" bringen würden.

      War auch ein "voller Erfolg": Empörung, Aufregung, Sonderkonferenz im Lehrerzimmer, bis einige ältere und erfahrene aus dem Kollegium die Jüngeren wieder auf den Boden brachten.

      Jahre später haben wir Bäume auf dem Schulhof besetzt, die für seltsame "Kunst am Bau" gefällt werden sollten.

  • Das sind sehr interessante Umfragewerte, die uns mitteilen, vielen Dank.



    Mir setzen sich nun folgende Erkenntnisse ins Gehirn:



    Angst vor sozialem Abstieg ist sehr sehr wichtig für die Wahlentscheidung.



    Der Protestparteifaktor verliert zunehmend die Kraft gegen den Überzeugungfaktor.



    Die eigentlichen alternativen der abgewanderten Wähler kommen zu großen Teilen sowohl von leicht links bis leicht rechts (CDU und SPD), was bei genauerem Nachdenken aber auch keine Überraschung ist.



    Skandale sind für diese Wähler eher nicht der eine Grund für eien Wahlentscheidung und umso weniger wichtig, je mehr man schon mit einer Partei verbandelt ist. Spricht also auch dafür, dass der Weg vieler Wähler weg von der AFD eher ein weiter sein wird.



    Der Trend zu Männerunterstützung der AFD hält weiter an, ist auch recht leicht zu erklären denke ich. Denn die haben aufgrund durchschnittlich sozial vorteilhafterer Stellung eben mehr zu verlieren bzw. nehmen ein "Mehr" für sich als "normal" an und sind umso schneller unzufrieden wenn sie etwas verlieren oder etwas zu verlieren drohen.



    Wie volatil ist nun die gemessene breite Abwehrfront (71%) gegen AFD-Regierungsbeteiligung? Das geben die Zahlen nicht her.

  • Wenn, und der Teil zumindest stimmt, "grassierende Vetternwirtschaft und Parteifilz" derzeit wichtige Themen sind, eine Partei gegen der Trend aller anderen auf das Zweieinhalbfache zulegt und mit geringem Abstand dritte Kraft wird -- ist es dann nicht offensichtlich, daß der Wähler dieses Problem keineswegs nur bei einer Partei sieht?



    Als der Satz vom "Staat zur Beute machen" geprägt wurde, gab es die AfD noch gar nicht.

  • Tja....ich könnte heulen, aber es nützt ja nichts. Aber es wird so lange weitergewurschtelt, bis die AFD - auch im Westen - an erster/zweiter Stelle steht. Ergo - wir Dunkeldeutschen sind nicht an allem schuld.

  • Na was ist denn hier los? Wird uns nicht erzählt die AFD ist ein Ost Problem und nur die Ossis sind rechts?

    • @Welt Bürger:

      Ich warte auch noch auf entsprechende Einstufungen. Das gleiche Ergebnis wäre vor wenigen Jahren bei uns noch ausreichend gewesen uns alle zu notorischen Nazis zu erklären.



      Ich warte auch noch auf die Analysen warum Westdeutsche scheinbar nicht in der Lage sind linke Politik zu verstehen. Das notorisch schlechtere Abschneiden der Linkspartei bei Wahlen dort muss ja strukturelle Gründe haben. Vielleicht sollten wir mal einige ostdeutsche Experten entsenden die unterssuchen, wie die jahrzehnntelange amerikanische Indoktrination ihre Spuren hinterlassen hat und der Hyperkonsumerismus jede Spur von Solidarität und Klassenbewusstsein elimiert hat?

      • @Šarru-kīnu:

        Keine Sorge, die kommen spätestens wieder bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland hervor.



        Vielleicht liegt es aber daran, dass wahrscheinlich viele Ostdeutsche nach RLP gezogen sind, um dort AfD zu wählen. Dann passt es doch wieder.



        Ich kann Ihren Sarkasmus nachvollziehen. Die paternalistische Einstellung, die immer noch viele Westdeutsche gegenüber Ostdeutsche pflegen, ist einfach lästig, nervig und inakzeptabel.



        Viele Grüße aus einem AfD-Hotspot in Westdeutschland, auch bekannt als Ruhrgebiet

  • Es ist höchste Zeit, dass bei den etablierten Parteien mal ankommt, dass sie nicht einfach so weiter machen können wie bisher. Das Klischee vom nutzlosen Politiker, der viel redet und wenig liefert, der vor der Wahl alles verschpricht und danach alles bricht, kommt ja nicht von ungefähr. Und zwar in allen Parteien, die regelmäßig an Regierungen beteiligt sind.

    Das ist Angriffsfläche, die die AfD auszunutzen weiß. Dass sie selbst auch nur ein korrupter Haufen sind, ist zwar wahr, aber nebensächlich. Wenn soll die Korruption in der AfD abschrecken, wenn daneben zum Beispiel eine Union steht, in der es zum guten Ton gehört, sich in die eigene Tasche zu wirtschaften, und die die Lobbyisten direkt auf die Ministerposten setzt.

    Der Boden auf dem die AfD gedeiht besteht nicht nur aus rechtsextremen Einstellungen, sondern auch aus gewaltiger Politikverdrossenheit.

    Auch die Aktion mit den Wahlbüros als Dorfkneipe sollte zu denken gehen. Und die im Gegensatz zu allen anderen Parteien überwältigende Präsenz in den sozialen Medien. Die AfD geht da hin, wo sie potentielle Wähler abholen kann. Insbesondere Union und SPD sind nirgendwo, und hoffen, dass sie aus Gewohnheit gewählt werden.

  • Ich bin enttäuscht. Früher hat der eine offensichtliche Dorfnazi allen gereicht. Keiner wollte sich dem Spott aussetzen gefährliche oder schlicht dämliche "Meinungen" zu vertreten. Was ist nur los? Es erinnert mich mit Schmerz daran, warum ich der Heimat den Rücken gekehrt habe.

  • Eine Partei, die mit Mythen kontrafaktisch arbeitet, sich selbst zuerst bedient, die an vielen Stellen an der Verfassungsfeindlichkeit zumindest schrappt, darf sich nicht als die eine Opposition aufspielen können.



    Andere Parteien tun hingegen etwas für ihre Diäten und erarbeiten Konzepte und eignen sich Wissen an.



    Wir brauchen weniger Milliarden für Bonzen und mehr Infrastruktur für alle in der Breite. Niemand in Deutschland soll ein Auto haben "müssen". Schon allein, weil irgendwann im Alter damit ja auch Schluss ist. Dann sollte mehr als einmal pro Woche der Bus am Dorf vorbeikommen.

  • Ergebnisse der übrigen Parteien wären auch sinnvoll