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Schützen belästigen PolizistinZwei Bussis zuviel

Nadine Conti

Essay von

Nadine Conti

In Hannover müssen Schützen zahlen, weil sie eine Polizistin geküsst haben. Gut so, denn solche Übergriffe geschehen aus einer gefühlten Machtposition.

Zum Schutz da, nicht zum Küssen: Po­li­zis­t:in­nen beim hannoverschen Schützenausmarsch 2025 Foto: Julian Stratenschulte/dpa

D er Justizwachtmeister am Eingang hat eine klare Meinung zu der ganzen Geschichte: „Da wird ein Aufriss von gemacht! Das war hier früher gang und gäbe, dass die Polizisten geknutscht wurden! Hannover verkommt!“

Das kann ja heiter werden, denke ich. Stecke den Presseausweis wieder ein und laufe zum Saal. Es ist – angeblich – einer der größten im Amtsgericht Hannover, der bietet aber trotzdem nur Platz für rund 20 Zuschauer. Schon der erste Blick in den Gang zeigt, dass der nicht reichen wird.

Der Fall, der hier am Donnerstag verhandelt werden soll – und am Ende doch nicht verhandelt wird –, hat im Sommer 2025 schon für Aufsehen gesorgt und diverse Kommentarspalten gefüllt. Zwei Mitglieder der Hildesheimer Junggesellenkompagnie von 1831 sind beim großen Schützenausmarsch auf eine Polizeikommissarin zugesprungen, die zur Sicherung der Veranstaltung am Rand stand.

Sie haben sie am Oberarm festgehalten und ihr mit den Worten „Alter Brauch, gute Sitten“ von beiden Seiten einen Kuss auf die Wange, nahe den Mundwinkeln, gedrückt. Die Polizeikommissarin habe sich „emotional überrumpelt“ gefühlt. So steht es in der Pressemitteilung des Gerichts.

In letzter Minute akzeptierten sie den Strafbefehl

Während die beiden Männer im Alter von 33 und 43 Jahren fröhlich weitermarschierten, gab die 29-jährige Polizistin ihren Kollegen Bescheid. Die zogen die beiden wenig später aus dem Zug und stellten sie zur Rede. Von einer sexuellen Belästigung wollten die Herren aber genauso wenig wissen wie von einem Alkoholtest.

Es folgten: eine Anzeige, öffentliche Rückendeckung vom Polizeipräsidenten, ein Ermittlungsverfahren und schließlich zwei Strafbefehle. 30 Tagessätze à 70 Euro, 2.100 Euro pro Mann, standen darin. Das war den Herren wohl zu viel. Sie legten Einspruch ein, bestritten die sexuelle Absicht ihrer Handlung.

Das Gericht beraumte also pflichtgemäß eine öffentliche Hauptverhandlung an. Zu der auch gleich noch 14 Zeugen geladen wurden. Erst als sich schon alle in dem zu kleinen Gerichtssaal drängen, wird bekannt: Die Verteidiger der beiden Männer haben ihre Einsprüche in letzter Minute zurückgezogen.

Unklar bleibt leider, ob das jetzt eine späte Einsicht ist, ob ihnen der öffentliche Rummel unheimlich wurde oder ob sie schlicht Angst hatten, dass die Strafe noch höher ausfällt. Der Strafbefehl ist damit jedenfalls rechtskräftig. Sie sind verurteilt und müssen zahlen.

Sind Bussis eine Bagatelle?

Viel Lärm um – tja, was eigentlich? Wenn ich ganz ehrlich bin, war mein erster Impuls bei diesem Fall der Gedanke: Ich hätte das nicht angezeigt. Nicht weil ich es okay finde, wenn besoffene Schützen (oder Karnevalisten) ungefragt alles besabbern, was ihnen vor die Flinte läuft. Sondern weil ich mir den „Aufriss“ und die Debatten für so eine Bagatelle nicht hätte antun mögen.

Aber darf ich das überhaupt sagen? Dass mir ein Bussi wie eine Bagatelle vorkommt? Man gerät da natürlich ganz schnell in komisches Fahrwasser. „Nur ein Bussi“, „gar nichts Sexuelles“ und „Tradition“ lautet ja auch die Verteidigungslinie der Schützen.

Wobei man sich dann vielleicht schon einmal fragen lassen muss, wie oft diese Tradition wohl den stiernackigen Mittfünfziger in Uniform trifft. Der muss sich vermutlich allenfalls von Schützenfrauen busseln lassen. Wenn das gar nichts Sexuelles ist, warum ist es dann so hetero?

Beim Stichwort „Tradition“ wird es noch hakeliger. In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es auch eine Junggesellenkompanie.

Soweit ich mich erinnere, sah die Tradition da ungefähr folgendermaßen aus: sehr viel Schnaps trinken, durchs Dorf marschieren und „Oh Helene – du hast so schöne Beene – aber Titten haste keene“ singen, der Bedienung im Festzelt an den Arsch – besser noch unter den Rock – fassen, betrunken über die Tanzfläche torkeln und „aus Versehen“ fremden Frauen ins Dekolleté fallen, im Rausgehen eine andere Frau umklammern und ihr ins Ohr lallen, wie schön sie sei, vom Freund einer dieser Frauen aufs Maul kriegen, Filmriss. Am nächsten Tag Frühschoppen.

Ist das wieder so ein Generationending?

Vielleicht kommt mir der Bussi auch deshalb wie eine Bagatelle vor. Vielleicht ist das aber auch so ein Generationending. Wie die meisten Frauen, die ein gewisses Alter erreicht haben, habe ich eine ganze Reihe von Übergriffen erlebt.

Hände auf meinen Brüsten, meinem Hintern und zwischen meinen Beinen, die ich da nicht haben wollte. Männer, die in öffentlichen Verkehrsmitteln neben mir masturbieren. Obzöne Gesten und ekelige Sprüche aus vorbeifahrenden Autos. Johlende Rudel, die meinen Weg blockieren. Angezeigt habe ich nichts davon. Bringt doch eh nichts. Du musst dich vorsehen, nicht die. So war das halt.

Wie die meisten Frauen kenne ich diese Momente, in denen man sich darüber ärgert, nicht besser reagiert zu haben. Die Insta-/Tiktok-Psychobubble ist voll von klugen Erklärungen dafür.

Da ist entweder der verdammte Instinkt schuld, der nur fight, flight or freeze – also: kämpfen, flüchten oder totstellen – kennt. Wobei selten plausibel erklärt wird, warum freeze so viel häufiger vorkommt. Oder diese verdammte weibliche Sozialisation ist schuld, die uns darauf gedrillt hat, gefällig und leise zu sein, die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen – also auf keinen Fall „einen Aufriss“ zu machen.

Dazu kommt, dass du in solchen Situationen ja auch immer eine blitzschnelle Gefahrenabschätzung vornehmen musst: Wie groß, kräftig, betrunken ist der Vogel denn jetzt? Wie aggressiv wird der wohl? Wie viele potenzielle Unterstützer hat der hier rumstehen? Was ist meine Position in dieser Gruppe und wie ändert sie sich, wenn ich jetzt den Lauten mache? Gibt es freie Fluchtwege?

Hier wär ein bisschen Polizeigewalt doch schön gewesen

Es braucht eine Menge mieser Erfahrungen, ein gewachsenes Selbstvertrauen und viel Training, um sich dagegen zu wappnen. Wenn du den Bogen raushast, bist du so alt, dass du eh kaum noch ins Beuteschema fällst.

Ist es unredlich, sich von einer jungen Polizistin – quasi stellvertretend – etwas anderes zu erhoffen? Nur ein klitzekleines bisschen Polizeigewalt im richtigen Moment? Einen kräftigen Stoß, eine wohldossierte Maulschelle, einen raffinierten Schmerzgriff?

Elegant wäre ein sehr großer, kräftiger, möglichst schwuler Polizeikollege, der die beiden Junggesellen mal ganz energisch zurückknutscht

Aber gut, man möchte sich ja auch nicht ausmalen, wie die öffentliche Diskussion dann ausgefallen wäre. Und natürlich ändert so eine Reaktion gar nichts daran, dass ein Übergriff eben ein Übergriff ist.

Eleganter wäre natürlich ein sehr großer, kräftiger, möglichst schwuler Polizeikollege, der die beiden Junggesellen mal ganz energisch zurückknutscht. Denn das ist ja der Denkfehler, den Männer oft machen, die sagen: „Ich hätte kein Problem damit, wenn eine Frau so was bei mir macht.“ Sie können sich nicht vorstellen, wie sich das anfühlt, wenn einem jemand kräftemäßig überlegen und die Zuwendung wirklich unerwünscht ist.

Aber so kleinliche Rachefantasien und das alte Hätte-hätte-Fahrradkette-Spielchen helfen natürlich am Ende überhaupt niemandem weiter. Vielleicht war es doch ganz gut, dass sich da mal eine getraut hat, ein Exempel zu statuieren. Irgendetwas hat sich anscheinend doch geändert.

Bleibt nur eine Frage übrig: Zählt das Ganze jetzt eigentlich in der Statistik der zunehmenden Angriffe gegen Einsatzkräfte, die das Innenministerium führt? Oder braucht es dafür zwingend Migranten mit Silvesterraketen?

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Nadine Conti
Niedersachsen-Korrespondentin der taz in Hannover seit 2020
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33 Kommentare

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  • Zitat: "... Ist es unredlich, sich von einer jungen Polizistin – quasi stellvertretend – etwas anderes zu erhoffen? ..."

    Es ist zumindest unredlich, als Journalistin wohl zwar schon mal etwas von Recherche gehört, aber dann trotzdem nichts über die Diskrepanz zwischen solchen Erwartungen und denen der Vorgesetzten sexuell belästigter Polizeibeamtinnen in Erfahrung gebracht zu haben.

  • "Das war hier früher gang und gäbe, dass die Polizisten geknutscht wurden! "

    Und?

    Es ist immer dieselbe "Begründung": "Tradition",



    sei es, dass bei den Jungschützen keine Mädchen aufgenommen werden,



    sei es Klaasohm,



    was-auch-immer

    Es war auch mal "Tradition", dass die Frau in der Ehe jederzeit für Sex zur Verfügung zu stehen habe. Hexenverbrennung war auch mal Tradition.

    Kommt endlich mal in diesem Jahrtausend an. Ich (48) habe es auch halbwegs geschafft (es geht immer besser)...

  • Mensch, da bin ich als Kölner ja schonmal gespannt auf die Anzeigen- und Verurteilungswelle nach der Bützje-Tradition zu Weiberfastnacht!

    • @Jan Breuing:

      Naja, ist es im Kölner Zug nicht so, dass (wie im Zug Strüüßjer-jejen-Bützjer) aber erst kurz mit Augenkontakt abgecheckt wird?



      Die Anzeigenwelle zu Wieverfastelovend wäre wohl eher die ganze Sachbeschädigung der Krawatten.

  • "Eleganter wäre natürlich ein sehr großer, kräftiger, möglichst schwuler Polizeikollege, der die beiden Junggesellen mal ganz energisch zurückknutscht." Mein Lieblingssatz des Artikels. Vielleicht auch, wenn es keine Polizeikommissarin war.

  • Übergriffigkeit ist sch...



    Karneval und hannöversches Schützenfest sind Brauchtumspflege. Da wird mit Bützen der Ordnungsmacht die Dankbarkeit bezeuget für die gute Wacht. In Kölle (s. @LOVANDO) geht das kreuz und qu(e)er. Die Schützinnen in H müssen noch üben. (scnr)

  • „Wie die meisten Frauen, die ein gewisses Alter erreicht haben, habe ich eine ganze Reihe von Übergriffen erlebt.“

    Tja, vielleicht wird das mal thematisiert, denn da liegt doch der Hase im Pfeffer. Bei der Selbstverständlichkeit mit der offenbar auch ganz junge Täter (ein Schütze war 33) der Ansicht sind, Frauen seien jederzeit und für jeden verfügbar. Bei der Selbstverständlichkeit mit der Männer schwankend zwischen selbstHERRlichen Allerweltsphantasien und Ableugnung von Täterschaft, mit Empörung reagieren, wenn Frauen von Übergriffen berichten. Wenn die Empörten polizeiliche Ermittlung und Aktenzeichen von Frauen fordern, weil nicht sein kann was nicht sein darf und dabei im selben Atemzug… den nächsten Übergriff fabrizieren. Denn mit welchen Recht fordert man(N) denn sowas, zumal in öffentlichen Kommentarspalten 😉Männer sind sich übergriffigen Verhaltens nicht bewusst, weil Sie auch noch immer überhaupt nicht gesund in den Diskurs gehen (sieht frau hier so oft in den Kommentaren) und der beginnt mit Akzeptanz, Respekt und Zuhören, ohne Whataboutism, Victim Blaming oder verzweifelter Beweisforderungen.

  • Ich finde niemand muss sich sowas bieten lassen - egal ob Mann oder Frau, Polizist oder Passant. Wenn jemand nicht bei dem Umzug mitmacht und freiwillig sich unter Besoffene begibt, dann ist derjenige oder diejenige einfach in Ruhe zu lassen. Das ist einfach normaler Anstand.

    Ich fand es auch auf Konzerten unangenehm, wenn irgendwelche schwitze de Partydudes ihren Arm um meine Schulter legen, damit ich „mittanze“. Oder mit jemand ins Gesicht gröhlt.

    Als Mann fände ich im übrigen auch einen Kuss einer fremden Frau unangemessen. Egal ob Omas Bussi oder wenn es eine junge Polizistin wäre.

    Es gehört sich nicht. Andererseits weiß ich aber auch nicht, ob man so einen Fall halt einfach den Gerichten überlässt - das ist kein MeToo-Thema, sondern allgemeiner Anstand.

    • @Sebomark:

      Sowas ist mir auf Konzerten noch nie passiert - vielleicht liegts an der Art der Konzerte...

      • @Erfahrungssammler:

        @Erfahrungssammler;



        ich gehöre nun, lt. mancher Männer, zum dankbaren Alter (59).



        Auch ich habe die beschriebenen Übergriffe erfahren. Alles unter dem Thema Tradition, ob ich es möchte oder nicht, es ward nur die männl. Sicht relevant. Wenn ich es mir verbaut, war ich entweder frigide, eine Zicke oder Lesbe (da sollte ich meine Freundin für mehr Spaß mitbringen) usw.! Die Sicht eines Mannes auf die Abweisung seines "Charmes" ist irgendwie gruselig, denn vom Blick im Spiegel, bzw. Atemkontrolle oder Duschen, hielten 100% der Charmeure wenig.



        Ich war u.a. 20 J. in der Gastronomie tätig und hatte dort schöne und willkommene Momente, da ich vorab um Erlaubnis gebeten wurde. Ab zu über 80 % waren die Herren der Meinung, daß im Bierpreis die Bedienung inbegriffen ist.

  • Mich hätte mehr interessiert ob das wirklich eine Tradition ist, und falls ja, wie diese ursprünglich praktiziert wurde.



    Wieviel Bereitschaft/Interesse seitens der Frau musste da sein um ein ,wahrscheinlich dezentes, Küsschen zu bekommen?



    Als Schwarzwälder denke ich da an so etwas wie den roten und den schwarzen Bollenhut.

  • Gesellschaftliche Realität, Alltagskriminalität. Befindlichkeit der Täter, das Umfeld in dem die Kriminellen Zustimmung oder Nachsicht erfahren. Selbstverständnis der Kriminellen...Alltagsgegenwart.



    Getragen, getrieben von vielschichtigen Traditionen, Machtbehauptung, Selbstverständlichkeit.

    Der traditionsbewusst-unbewusste Justizwachtmeister, ganz in der Anwendung der informellen Männerquote. Verbrüderung mit den Tätern, wonach der "Aufriss" selbstverständlich von der klagenden Frau ausgeht. Ansonsten affektiv wirksamer Korpsgeist gilt natürlich nur begrenzt für Frauen im Korps. Täter, die partout nicht aufhören wollen einen "Aufriss" zu machen. Nachdem weder unmittelbare Ansprache vor Ort, noch erstes Strafurteil ihren Aufriss, ihre Berechtigungsbehauptung beenden konnten. Weiterer Prozesszug nötig wurde. Freilich ohne das der die "Meinung", die schützenfest-schwitzige, gewichtig medial verbreitete Behauptung beenden könnte, es werde ein "Aufriss" gemacht. Der natürlich von einer dazu unberechtigten Frau.

    Man kommt gar nicht erst zum Aspekt, wie sehr ein Frau ohne Uniform und hoheitliche Rechte eine Chance gehabt hätte, die Täter dingfest gemacht und verurteilt zu sehen.

  • Toller Artikel, der die kleinen Nadelstiche, denen Frauen tagtäglich schutzlos ausgesetzt sind, gut auf den Punkt bringt. Ich habe auch das Gefühl, eine Anzeige, mit der sich Polizei, Gericht und Presse beschäftigen, ist für zwei Wangenküsse etwas viel. Aber irgendetwas muss Frau doch tun und so eine Anzeige mit Zeugen... In Schweden wird das auch so gehandhabt. Ob sich die Frauen damit besser fühlen und die Männer weniger übergriffich sind, wird sich zeigen. In diesem Fall kam noch dazu, dass es eine Polizistin war und die Chance auf mediale Breitenwirkung bestand. Die Schützen werden die Lachnummer im Dorf sein und vielleicht auf Gegenwehr bei der nächsten Aktion treffen.



    Plus ich muss ehrlich sagen in den neuen Bundesländern ist so eine dörfiches Übergriffigkeit auf Frauen undenkbar. Dafür haben die natürlich andere Problemchen...

  • Danke für den Artikel.



    Eine Nachricht, die mir bisher entgangen war.



    Nun was ist das - "Kulturkampf" oder schlicht "schlechtes Benehmen"?



    Wer merken ja, dass die Rechte von Frauen und Queers von den Konservativen wieder zurück geschraubt werden.



    Eine Bundestagspräsidentin, die Regenbogenflaggen verbietet, ein Kulturstaatsminister, der das Gendern verbietet:



    Menschen, die aus der Zeit gefallen sind!



    Dazu zählen für mich auch"Traditionsvereine", wie Schützen, das ist allerdings meine persönliche Geschmacksrichtung.



    Das es jemals "gute Sitte" gewesen sein soll, fremde Frauen zu knutschen, ist allerdings fraglich.



    Ich habe sowas stets als übergriffig verstanden.



    Hier, im Land des Karnevals, dürften nun auch Veränderungen anstehen.



    Ein schnauzbärtiger Gardeoffizier wäre letztlich aber auch übergriffig.



    Gut gefällt mir weiterhin der Slogan der Polizei:" it's a dress, not a yes!".



    Alkohol ist sicher Teil des Problems, aber keine Entschuldigung.



    Die Übergriffe gegenüber den Ordnungskräften und Helfer*Innen nehmen zu.



    Das ist in jeglicher Form zu verurteilen. Und genau das ist die elegante Lösung: nämlich juristisch dagegen vorgehen.

  • Obwohl mich sexistisches Verhalten anwidert, Küsschen auf die Wange von eher harmlosen angetrunkenen Jungens bei einem Schützenmarsch, sorry, es gibt Schlimmeres.

    Z. B. Gewalttaten gegen Polizist:innen in 2023 in Deutschland: 46.218 Fälle mit 105.708 Opfern.

    Oder Leute im Bundestag, die die Polizei als Bastarde bezeichnen. Oder das allgegenwärtig an Hauswände geschmierte ACAB.

    Für die Autorin könnte es spannend sein die kürzlich von der Bundestagspräsidentin mit dem Paul-Spiegel-Preis für ihren Einsatz für Demokratie, Weltoffenheit und Menschenwürde ausgezeichnete supermutige und großartig integere Karoline Preisler auf gewisse Demonstrationen zu begleiten. Da lernt sie ganz andere Dimensionen kennen.

    • @shantivanille:

      Niemand hat das Recht, einen anderen Menschen ungefragt anzutatschen. Das ist nicht harmlos. Es ist sogar sehr schlimm, wenn das jemand harmlos findet.

    • @shantivanille:

      Woher wollen Sie wissen, dass die Junggesellen harmlos waren?

      "Es gibt schlimmeres". Ja, das gibt es meistens. So kann man auch den größten Schund relativieren.



      Der Rest des Kommentars ist Whataboutism in Reinform.

    • @shantivanille:

      Gestehen Sie es von solchen Übergriffen betroffenen Frauen nicht zu, selbst zu entscheiden ob das etwas "Schlimmes" ist?



      Es ist die alte Leier: Männer bestimmen, was Frauen empfinden sollen.....

    • @shantivanille:

      Zahlen aus der Polizeistatiatik sind ,vor allem, wenn sie sich auf Polizisten beziehen, mit Vorsicht zu geniessen.



      Beim einschlagen auf Demonstranten Hand gebrochen =Gewalt gegen Polizisten.



      Gerade bei Demonstrationen, werden Vorfälle im Nachhinein fingiert und Verletztenzahlen inflationiert um das eigene brutale Vorgehen zu rechtfertigen.



      Interessant finde ich zudem, dass früher in Mediendarstellungen auch Zahlen zi verletzten Demonstranten genannt wurden, heute nur noch die der verletzten Polizisten. Das hat wahrscheinlich zwar eher mit der Medienlandschaft zu tun, als mit der Polizei selbst, dient aber wunderbar der Täter-Opfer-Umkehr, da aus meiner Erfahrung, ob auf Demo oder Alltag, es die Polizei ist die eskaliert. Ich selbst wurde vor Gericht gezerrt, weil von Bullen auf die Fresse bekommen und das ja an meinem "Widerstand", gelegen haben muss. Nach Ansicht des Videomaterials endete die Verhandlung sehr schnell mit Freispruch und der Aufforderung des Richters an den Staatsanwalt, doch bitte das nächste mal das Beweismaterial vor Anklageerhebung zu sichten und sich nicht auf die Polizeidarstellung zu verlassen. Ich soll angeblich auch drei Polizisten verletzt haben.

  • Seltsamer Artikel Frau Conti.



    In der Sache bin ich zunächst mal zu 100% bei ihnen.



    Das Verhalten der Junggesellen ist unmöglich und wurde zu Recht bestraft.



    Befremdlich sind dann aber Aussagen wie „Hier wär ein bisschen Polizeigewalt doch schön gewesen“ - Witze über Gewalt, im Ernst ?



    Soll das lustig sein ?



    Und dann der letzte Absatz - was soll denn das, was hat das mit dem Artikel zu tun ?Angriffe von Migranten auf Einsatzkräfte sind in ihren Augen überbewertet oder harmlos ? Wissen sie von was sie sprechen, waren sie mal dabei ?



    Ich schon, wenn auch nicht bei der bösen Polizei sondern nur beim Rettungsdienst. Journalismus war schon mal besser, sorry.

    • @M_Kli:

      Man darf also nicht auf die schlichte Tatsache hinweisen, dass es einen sehr deutlichen Unterschied macht, ob ein Täter Deutscher oder Migrant ist; dass ein deutscher Täter sogar gefeiert wird; auch von staatlichen Akteuren?

    • @M_Kli:

      "Angriffe von Migranten auf Einsatzkräfte sind in ihren Augen überbewertet oder harmlos ? "

      Arbeiten Sie an Ihren Affekten und Reflexen. Statt sie der Autorin zu unterstellen.

      Offenbar sind "Angriffe von Migranten auf Einsatzkräfte" eine eigene Kategorie für Sie.



      In einer Tradition, die einmal Angriffe auf "Einsatzkräfte", Verstöße gegen die herbeiphantasierte "Volksgemeinschaft" als besonders niederträchtig, wie auch als Bestätigung nahmen, was man vorher schon zu wissen glaubte: "Der Jude" und "Der Judenfreund" sind zusammen sowohl das "Judenproblem", als auch Bestreiter der "Judenfrage" , die doch unbedingt eine "Judenpolitik" erfordere, die sich einer zweifelsfrei doch notwendigen "Lösung" entgegenstellen.

      Kennen Sie eigentlich die über die Jahrzehnte am häufigsten auftauchenden Familiennamen in der deutschen Kriminalstatistik?



      Es sind mit grosser Sicherheit: Schmidt, Schmitt, Müller, Maier, Meier, Schulze und Schultze.



      In Frankreich: Martin, Bernard, Thomas, Petit, Robert, Richard, Durand und Dubois.

      • @Elise Hampel:

        Das ist in Bezug auf die absolute Statistik, falls überhaupt. In Bezug auf den relativen Bevölkerungsanteil ist die Überrepresentierung bei Straftaten ein ganzzahliger Faktor. Ihr Vergleich mit der Judenverfolgung ist infam und nicht zu entschuldigen. Die Flüchtlinge sind zu uns gekommen um Schutz zu suchen. Wer diesen Schutz für Gewalttaten missbraucht, hat wohl kaum etwas zu tun mit den Juden in Deutschland und Europa, die hier verfolgt umd ermordet wurden, sondern gehört selbst zu den Tätern.

  • Manchmal geschehen solche Dinge einfach, wei die Täter betrunken sind und Schützenfest ist. Deswegen ist es natürlich nicht in Ordnung und eine Geldstrafe sowie eine Entschuldigung sind sicher angebracht. Hier eine gefühlte Machtposition gegenüber einer bewaffneten Polizistin zu sehen kann man machen, kann man aber auch lassen.

    • @Nachtsonne:

      Was ist es denn Ihrer Ansicht nach, was ein Mann ausdrückt, der sexuell übergriffig wird, wenn ihn nicht das Gefühl der Macht und Überlegenheit triggert?

  • Na dann mal genderneutral - Kölle Alaaf!



    Schlug “…der widerborstige linke Kollege aus dem Sauerland…“ (O-Ton Weinachtsfeier;)



    …und sehen wie zurecht kommen - Januar 88 rechtzeitig in Kölle auf & als ich dann zeitlich passend die erste Kölsch-Kneipe enterte &



    Däh hatte sofort tanzend ein deutlich graues Weiblein im Arm & Bützje Bützke etc die ganze Palette & das nahm & nahm bei wechselnder Körpergröße & Gewicht schlicht kein Ende.



    Die Tochter eines stadtbekannten Loddels 🙀 bei der ich Domicil genommen hatte -



    klärte mich auf“ Och - das sind - da die mit dem Zigärchen?! is meine Oma! Alles noch Trümmerfrauen - die lassen nix stehn - oder anbrennen! Da mußte in Ihrrrenfeld als Mann durch. Und das hat wahrlich viele Kneipen.



    (Das war damals noch eher selten - Nunbbelverbrennung zum Aschermittwoch!



    Echt beeindruckend wie die dicke Trum & Heulgesang die ganze Stadt in ein gespenstisches Schweigen - was eine Stille -



    legte. Alaaf

  • Annette Hauschild , Autor*in ,

    Zwischen fight flight und freeze gibt es noch was: Furcht, wenn Frau sich wehrt, den Angreifer doch nicht bezwingen zu können und von ihm mit noch mehr Gewalt behandelt zu werden.

    • @Annette Hauschild:

      Freeze wird gewählt, wenn die Situation so aussieht, als ob frau/man ohne fight oder flight überleben wird. Das ist eine simple Abwägung, die auf irgendeiner atavistischen Bewusstseinsebene stattfindet.



      Furcht ist ein Bestandteil der Situation, oder?

    • @Annette Hauschild:

      Ich korrigiere das nochmal schnelle: Furcht / Angst / Panik aufgrund bedrohlicher Situation sind Auslöser für die 3 F’s welche als Reaktion idR erfolgen. Bekannt als fight (Gegenwehr bzw. Angriff), flight (flüchten) und freeze (Schock also erstarren). Diese drei, noch von der Amygdala gesteuerten Impulse geschehen meist ohne Überlegung, da sie als Instinkte dem Überleben dienen. In der Traumatherapie arbeiten wir mittlerweile mit dem 4. F „fawn“ (engl. Rehkitz) übertragen also der Bami-Reflex, bei uns besser bekannt unter katzbuckeln. Es handelt sich in dem Fall um überlegtes Handeln und bedeutet sich anbiedern, mit dem Feind gemein machen. Eine Reaktion die sicher auch vielen tausenden Frauen bekannt ist, wenn sie allein, unterwegs eine übergriffige Situation meistern müssen und dem busselnden Mann nicht sofort eine scheuern, sondern nett weglächeln, weil sie sonst Ärgeres befürchten müssen. Ja ja, so befinden sich vermutlich Millionen von Übergriffen in der Dunkelzone, weil Männer aufs Sich-ungefragt-nehmen und Frauen aufs sich-stumm-gefallen-lassen sozialisiert sind bzw. auch einfach Schlimmeres befürchten müssen, wenn sie die Grenzüberschreitung adressieren.

  • Wobei es hier im Urteil eher um die Infragestellung der staatlichen Autorität (in Form von Polizistinnen) geht, als um die Überlegenheitsdemonstration gegenüber einer Frau.



    Diese Überlegenheitsdemonstration gegenüber einer Frau ist zwar real gegeben, geahndet wird aber der Übergriff auf die Staatsgewalt.

    • @nutzer:

      Guten Tag, nutzer

      Aus dem Text lässt sich schließen, dass es bei der Anzeige um die sexuelle Belästigung ging.



      Vielleicht wollten diese beiden Männer der Frau gar keine Autorität, welcher Art auch immer, zugestehen.



      Es gibt Männer die alleine oder in Gruppen selbst unter Alkoholeinfluss noch über Anstand und Respekt verfügen.



      Die anderen müssen noch lernen nämlich unter anderem:



      Es gibt einfache Kommunikationsmittel, die einem anderen Menschen die Möglichkeit geben, Zustimmung oder Ablehnung zu signalisieren.



      Wenn Menschen das gleichgültig ist, oder ihnen die Kommunikationsmittel fehlen, dann müssen sie eben auf dem juristischen Weg überzeugt werden. Ob dann eine Geldstrafe folgen muss, oder besser ein von Ihnen bezahlter Verhaltens-Workshop lässt sich diskutieren.

      Und zu Ihnen, M-KLi

      Frau Conti hält nicht Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte von Migranten für überbewertet, sondern Angriffe auf Frauen für unterbewertet.

  • dabei ist es noch Winter draussen.

    • @Newjoerg:

      Da bin ich ganz bei Ihnen. Was wird das erst wenn der Frühling erwacht?