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Bulgarien hat den EuroKein Weg zurück

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Der Euro ist nicht nur eine Währung, sondern ein Kitt. Bulgarien hat sich mit dem Euro dauerhaft für Europa, die EU und den Binnenmarkt entschieden.

So sieht der Euro aus, schalalala-la! Foto: Valentina Petrova/AP/dpa

E s ist historisch: Bulgarien ist als 21. EU-Staat dem Euro beigetreten. Dies ist ein Sieg der Pro-Europäer im Land, denn es gibt kein Zurück. Die prorussischen Kräfte haben verloren, denn die Bulgaren können den Euro nicht wieder verlassen und sich dem Kreml annähern.

Der Euro zwingt die Länder zur Kooperation und verhindert nationalistische Eskapaden. Diese Mechanismen wurden erstmals in der Eurokrise ab 2010 sichtbar, die für alle EU-Staaten ein Schock und zugleich ein Lernprozess war. Hinterher hatte jeder verstanden, dass es keine Option ist, einzelne Mitglieder aus dem Euro zu werfen. Zwar träumte der damalige CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble anhaltend von einem „Grexit“ und wollte die verschuldeten Griechen aus dem Euro entfernen, aber am Ende musste selbst der Machtmensch Schäuble erkennen, dass er nicht nur den Griechen schaden würde – sondern auch Deutschland. Schließlich ist die Bundesrepublik eine Exportnation und Europa ihr bester Kunde.

Man stelle sich einmal vor, die Griechen wären aus dem Euro geworfen worden: Die Eurozone wäre von innen zerfressen worden, weil sich Investoren, Banken und Spekulanten gefragt hätten, wer als Nächstes gehen muss. Portugal? Spanien? Italien? Es wäre ein heilloses Wirtschaftschaos ausgebrochen.

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Die Eurozone verlangt Kooperation, was niemand besser weiß als Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Sie ist Nationalistin, verhält sich in der EU aber konziliant – weil sie nicht erleben möchte, dass die „Risikoaufschläge“ und damit die Zinsen für italienische Staatsanleihen nach oben schießen. Meloni achtet sorgsam darauf, Investoren und Banken nicht zu verschrecken. Ähnlich würde es in Frankreich Marine Le Pen ergehen, falls sie zur Präsidentin gewählt würde. Auch sie müsste sich kooperativ verhalten, wenn sie nicht scheitern will.

Die Gemeinschaftswährung ist keine Drehtür in einem Kaufhaus, das man betreten und wieder verlassen kann. Wer drin ist, ist drin. Genau deswegen haben sich die Bulgaren für den Euro entschieden.

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Ulrike Herrmann
Wirtschaftsredakteurin
Der Kapitalismus fasziniert Ulrike schon seit der Schulzeit, als sie kurz vor dem Abitur in Gemeinschaftskunde mit dem Streit zwischen Angebots- und Nachfragetheorie konfrontiert wurde. Der weitere Weg wirkt nur von außen zufällig: Zunächst machte Ulrike eine Banklehre, absolvierte dann die Henri-Nannen-Schule für Journalismus, um anschließend an der FU Berlin Geschichte und Philosophie zu studieren. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin der Körber-Stiftung in Hamburg und Pressesprecherin der Hamburger Gleichstellungssenatorin Krista Sager (Grüne). Seit 2000 ist sie bei der taz und schreibt nebenher Bücher. Ihr neuester Bestseller heißt: "Das Ende des Kapitalismus. Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind - und wie wir in Zukunft leben werden". Von ihr stammen auch die Bestseller „Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht“ (Piper 2012), „Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen“ (Piper 2015), "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie - oder was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können" (Piper 2018) sowie "Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen. Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind" (Piper 2022).
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17 Kommentare

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  • " Die prorussischen Kräfte haben verloren, denn die Bulgaren können den Euro nicht wieder verlassen und sich dem Kreml annähern."

    Ach ist das so? Gibt es diesbezügliche Rechtsvorschriften, die darüber hinaus auch nicht änderbar sind?

  • Die Frage ist, ob das UK aus der EU ausgeschieden wäre, wenn es damals den Euro gehabt hätte?

  • Geschätzte - DAS =>



    “Zwar träumte der damalige CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble anhaltend von einem „Grexit“ und wollte die verschuldeten Griechen aus dem Euro entfernen, aber am Ende musste selbst der Machtmensch Schäuble erkennen, dass er nicht nur den Griechen schaden würde – sondern auch Deutschland.“

    Schonn - ist aber nur die halbe Wahrheit - allenfalls! Gell - zB Pireus et al. an 🇨🇳 verkaufen i



    Die zwei Gesichter - Angies & Wölfchens - drückten es 📺 unmittelbar aus - wa



    Und Mielke auf Rädern Schäuble machte den Sack against Angie zu “…wer anderes von mir verlangt. Dann tret ich zurück!“



    Schäuble - nicht Angie als Kanzlerin - hatte die Hausmacht vs Art 65 GG - Wolfgang Briefumschläge Schäuble vor de Tür zu setzen •

    unterm



    Bonmot zum 🎆 - get the chance -



    Diesen brutalstmöglichen Antidemokraten



    Läd dieses selbsternannte linke Bllatt zu -



    hol wiss - Demokratie ein! Gell



    Rein tonn katolsch warrn. Newahr



    Normal

  • "Der Euro zwingt die Länder zur Kooperation und verhindert nationalistische Eskapaden."

    So der Wunschtraum. Natürlich können Nationalisten den Euro auch wieder abschaffen. Die interessieren nämlich die negativen Auswirkungen nicht. Vor dem Brexit dachten auch viele, dass er nicht passiert, weil ein Austritt aus der EU GB massiv schaden würde. Der Brexit ist trotzdem passiert.



    Dazu kommt, dass der klügere und damit gefährlichere Teil der Nationalisten die EU längst nicht mehr abschaffen, sondern im seinem Sinne umgestalten will. Dazu gehören mit Melloni und Le Pen zwei Schwergewichte.





    Was mir übrigens im Kommentar total fehlt, ist wie sich der Euro auf die einfachen Menschen in Bulgarien auswirken wird. Oder spielen die bei allen "großen" Überlegungen keine Rolle mehr?

  • Nicht nur die Stabilität in Europa ist ein Faktor, auch d. Bedeutung als Ersatz-Weltwährung wurde unter Ökonom*innen in d. letzten Jahren immer wieder unterschiedlich diskutiert.



    Im Mai 2025 stand bei derstandard.at



    "Die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme, die Trump in den USA ausgelöst hat, bieten der Eurozone – die die zweitwichtigste internationale Währung der Welt emittiert – die Möglichkeit, etwas von dem exorbitanten Privileg, das die USA lange Zeit genossen, zu vereinnahmen. Dies schließt die Verbilligung von Kapital für die Regierungen und Unternehmen der Eurozone – die die fiskalische Nachhaltigkeit unterstützen könnte – und eine einfachere Refinanzierung in Krisenzeiten ein, da die Nachfrage nach "sicheren" Euroanlagen steigen würde. Es schließt außerdem ein größeres geopolitisches Gewicht ein – ein entscheidender Faktor in einer Zeit, in der die EU nach strategischer Autonomie strebt."



    Das internationale Gefüge bleibt spannend, auch wegen der Bemühungen zur Entdollarisierung durch die BRICS-STAATEN.



    Hinzu kommt die Unsicherheit der Aktionen des POTUS in Beziehung zu seinem Notenbankchef Jerome Powell.



    Fokus bleibt die geopolitische Bedeutung föderaler Bündnisse.

  • Die Bulgarische Bevölkerung scheint überwiegend dagegen zu sein:

    bnrnews.bg/de/post...es-euro-informiert

    Daraufhin scheinen nun immer mehr bulgarische Europäer die Sache mit der EU immer skeptischer zu sehen; die dortigen EU-skeptischen Kräfte wirken ganz ähnlich wie unsere, die ja ursprünglich auch nur wegen dem Euro gegründet worden waren.

    Aber wie der Artikel es ja treffend bemerkt: Die Bulgaren kommen da jetzt nicht mehr so leicht raus.

  • Bei dem Korruptionsindex von www.transparency.de steht Bulgarien an 67. Stelle (zum Vergleich: Deutschland 9.Stelle, Ungarn 76. Stelle). Bulgarien dürfte nicht mal in der EU sein. Die herrschende Clique freut das natürlich, kann sie doch EU-Mittel in quasi unerschöpflichen Mengen für sich abgreifen. Und hat auch noch Ungarn als leuchtendes Beispiel.

  • Wäre schön wenn sich Deutschland endlich fair innerhalb der Währung verhalten und eine ausgeglichene Handelsbilanz anstreben würde.



    Seit Anbeginn der Währung einen derart extremes Ungleichgewicht auf Kosten der Nachbarn zu forcieren ist Wahnsinn.

    • @SPD-Versteher:

      Darauf hat aber "Deutschland" nur bedingt Einfluss:



      Wenn sich ein Bulgare einen Mercedes kaufen möchte, kann man schlecht sagen: "Nein, bekommst Du nicht. Erst wenn ein Deutscher drei GWM (werden in Bulgarien produziert) kauft, bekommst Du den Benz."

  • Die Griechenlandtragödie kann man auch anders beschreiben. Allen war bewußt, dass ein Grexit der Untergang des Euros wäre, weshalb ein Exempel statuiert wurde, um eine ähnlich abschreckende Wirkung zu erzielen, wie die weltfremde Träumerei eines Grexit.



    Wie das als Kooperation umgedeutet werden kann, ist schwer nachzuvollziehen, sicher müssen alle irgendwie zusammenbleiben, dies folgt aber nicht der Logik der Kooperation, sondern der Logik der Macht.

    • @nutzer:

      Danke. Shure



      & nicht vergessen - Grexit -



      “Das anschließende Verhalten der Südschiene betreffend Flüchtlinge ist dem Grexit geschuldet. Denn damit war denen klar:



      Wenn uns das Wasser bis zum Hals steht!



      Läßt uns die Nordschiene im Regen stehn!“



      Friedrich Küppersbusch s.o.ä.

  • "Auch sie müsste sich kooperativ verhalten, wenn sie nicht scheitern will."

    Gilt das nur für Frauen? Orban und noch ein paar anderen war/ist das egal und zeitigt auch keine irgendwie gearteten ernsthaften Folgen.

    • @Josef 123:

      Bei der Währungspolitik und Kooperation von und mit Banken ist ein spezieller Sektor angesprochen.



      Hier gibt es schon Konsequenzen:



      "Europäische Union



      Ungarn verliert erneut Anspruch auf EU-Milliardenhilfe



      Ungarn hat den Anspruch auf EU-Hilfen in Milliardenhöhe verloren, da es geforderte Rechtsstaatsreformen nicht bis Ende 2025 umgesetzt hat."



      Bei deutschlandfunk.de

      • @Martin Rees:

        Das sind endlich erste Schritte, die Orban aber noch nicht wehtun. Deshalb wird er sich nicht "kooperativ verhalten". Mir ging es bei meinem Kommentar darum, daß nicht-kooperatives Verhalten nicht unbedingt zum Scheitern führen muss wie von Frau Hermann impliziert.

    • @Josef 123:

      U Garn verzichtet wohl auch aus diesem Grund bisher auf den Euro.

    • @Josef 123:

      In Ungarn gibt's ja auch den Forint und nicht den Euro.



      Bitte Äpfel mit Äpfel vergleichen.

      • @MednaGora:

        Ich habe weder etwas von Forint noch von Euro geschrieben. Insofern ist mir rätselhaft was Sie meinen.