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Trendstudie „Jugend in Deutschland“Die Gen Z ist abgefuckt

Unter-30-Jährige fühlen sich nicht mehr wohl im Land, ein Fünftel denkt ans Auswandern. Ein ungewöhnliches Duo aus dem Bundestag schlägt Lösungen vor.

Was bleibt für die Jungen übrig? Nicht viel mehr als ein Beutel mit lustiger Aufschrift Foto: Stefan Boness/Ipon

Die Trendstudie „Jugend in Deutschland“ sorgte in dieser Woche für düstere Schlagzeilen. Von den 14- bis 29-Jährigen in Deutschland gibt demnach ein Drittel an, psychologische Behandlungen zu benötigen. Ein Fünftel denkt ans Auswandern. Nur eine Minderheit vertraut noch politischen Institutionen, und abgesehen von AfD und Linken verlieren alle Parteien an Zustimmung.

Wenn der Staat nicht radikal lokal denkt und sich aus der Fläche zurückzieht, entsteht ein Vakuum, das von Rechtsextremisten besetzt wird

Mayra Vriesema und Nora Zabel

„Kein Grund zur Resignation“, schreibt jetzt ein schwarz-grünes Autorinnenduo. Die Politik müsse aber umdenken. „Alle demokratischen Parteien sollten sich fragen, wann sie zuletzt was für die Jugend in diesem Land gemacht haben. Ein Reel aus den Parteizentralen mit Floskeln wie ‚wir nehmen Euch ernst‘ reicht nicht mehr“, heißt es in einem Debattenbeitrag von Mayra Vriesema und Nora Zabel, der der taz vorab vorliegt.

Vriesema zog vergangenes Jahr als Nachrückerin für Robert Habeck in den Bundestag ein und ist mit 26 Jahren das jüngste Fraktionsmitglied der Grünen. Zabel, 29, ist CDU-Mitglied und arbeitet für eine Abgeordnete; als Buchautorin hat sie 2025 über die Gen Z im Osten geschrieben.

In ihrem Beitrag zeigen die beiden Verständnis für die Sorgen ihrer Generation. „Das frühere Aufstiegsversprechen trägt heute nicht mehr“, schreiben sie. Fleiß reiche nicht mehr, um sich einmal Wohneigentum leisten zu können. Leistungsdruck treffe auf immer schlechtere Zukunftsaussichten. Und auf den Generationenvertrag könne man nicht mehr vertrauen: „Man muss keine Mathematikerin sein, um zu verstehen, dass für die Jungen wenig übrigbleiben wird.“

Allerdings sei es auch falsch, die Zahlen aus der Studie „als Zeichen einer unpolitischen, desinteressierten Generation zu lesen“. Die Abwendung von der politischen Mitte entstehe nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus dem Eindruck, „dass die etablierten Parteien die Bedürfnisse der jungen Generation schlicht nicht sehen“. Wer enttäuscht sei, suche sich andere Angebote und finde sie unter anderem bei rechten Kräften. Diese sprächen „gezielt Identität und Anerkennung an, während andere Parteien oft zu technokratisch erscheinen und zu weit vom Alltag junger Menschen entfernt sind“.

9-Euro-Ticket und Jugendzentren

Gegenmaßnahmen schlagen Vriesema und Zabel auf drei Ebenen vor. Erstens bei den politischen Verfahren: Es brauche „echte Beteiligung“, etwa durch „institutionalisierte Jugendparlamente, verbindliche Beteiligungsverfahren, Dialogformate auf Augenhöhe“.

Zweitens fordern die Autorinnen einen „neuen Generationenvertrag, der Geld in die Köpfe und Herzen unserer Jugend investiert“. Dazu gehöre ein einfacher Zugang zu Kultur und Teilhabe: „Es klingt banal, aber ein Kulturpass oder das 9-Euro-Ticket ermöglichen Ausflüge und Aktivitäten, die die mentale Gesundheit erheblich fördern und gleichzeitig denen hilft, für die am Ende des Monats kein Kinobesuch oder eine Bahnfahrt mehr drin ist.“

Drittens müsse ein Fokus auf den ostdeutschen Bundesländern und strukturschwachen ländlichen Regionen liegen. Dort würden Kaufhäuser, Buchläden, Cafés und Kneipen aussterben. „Das, und mangelnde berufliche Aussichten führen dazu, dass viele kluge Köpfe abwandern, insbesondere junge Frauen.“

Konkret schlagen Vriesema und Zabel hier vor, ungenutzte Gebäude in Jugendhäuser umzubauen. Um ländliche Räume für junge Menschen attraktiv zu halten, brauche es aber auch eine pünktliche Bahn, Ärzte und Kindergärten mit genügend Erzieherinnen. „Wenn der Staat nicht radikal lokal denkt und sich aus der Fläche zurückzieht, entsteht ein Vakuum, das von Rechtsextremisten besetzt wird“, schreiben die Autorinnen.

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79 Kommentare

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  • GenZ ist die erste Generation die vollumfänglich saß digitale Zeitalter genießen konnte, hieraus resultieren gewisse Eigenschaften, die dazu führen daß es den meisten nur darum geht ihre eigene Hybris zu nähren. Eine andere Welt kennen sie womöglich kaum noch. Kann dann die Hybris nicht mehr dementsprechend genährt werden, ist die Unzufriedenheit am wachsen.

  • Ja, alles ist schlimm, immer. Ich wollte auch mal auswandern. Nach Schweden. Dann hab ich nochmal auf den Wetterbericht geschaut und habs gelassen.

  • Ich kann den Impetus verstehen. Als Anwalt erlebe ich es täglich, wie die Sozialträger und Ausländerbehörden trotz Eratungspflicht nicht mehr für die Menschen, die "Bürger", arbeiten, sondern sie nach Strich und Faden übers Ohr hauen, auf den Sanktnimmerleinstag vertrösten, massivst drangsalieren. Alles folgt dabei Sparzwängen. Da wird Jugendlichen beschieden, sie bräuchten doch eigentlich keine Hilfe und sollten bloß mal keinen Antrag stellen. Tun sie es doch, werden sie erstmal mit 15 Formularen zugeschmissen, bei denen ihnen niemand hilft. Keiner ist erreichbar, man muss Onlinetermine selbst für bloße Telefonate einen Monat im Voraus buchen. Digitalisierung findet meist nur in Form von Abschottung, also nur gegen, nicht für den Bürger statt. Ausländer bekommen aus Angst vor der AfD fast nie mehr einen Aufenthaltstitel im ersten Anlauf verlängert, sondern werden mit Fiktionsbescheinigungen alle drei Monate wieder vorgeladen. Gleichzeitig jammert dieselbe Ausländerbehörde über Arbeitsbelastung, die sie sich damit gerade selbst geschaffen hat. Einbürgerungen benötigen in meiner Stadt mittlerweile 36 Monate, weil der konservative OB es gar nicht einsah Personal dafür einzustellen.

    • @hedele:

      Ich glaube gerne, dass es so ist. Habe ich vor Jahren am Beispiel der Hamburger Ausländerbehörde mitgekriegt. Das was Sie beschreiben, ist aber in erster Linie kein Jugend-, sondern ein Ausländer*innen, z. T. ein Rassismus-Thema. Und eines von Bürokratie und Sozialkürzung. Für die, die mit Mitte 50 aus dem Arbeitsleben fallen und Sozialhilfe (ich lehne es ab, die wechselnden blumigen wohlklingenden Bezeichnungen zu nutzen) brauchen und in den Mülleimern nach Pfandflaschen wühlen, ist es auch nicht schön - aber kein Jugend-Thema.

  • Auswandern. Wir im deutschen Osten haben diesen Exodus ja bereits hinter uns. Oder besser: Unsere Töchter, die in den frühen 90ern "ausgewandert" sind. Allerdings nur innerhalb Deutschlands - go West. Aufgrund nicht vorhandener Chancen auf einen guten Arbeitsplatz. Bzw. überhaupt einen...



    Freilich eine ganz andere Sache als ins "gelobte Land" zu ziehen, welches auch immer das im Einzelfall sein mag. Während unsere gut ausgebildeten, strebsamen Osttöchter in der Westwirtschaft auf offene Arme stießen, dürfte das weltweit oft recht anders sein. Wie unten schon von anderen erwähnt: Wer fremder Sprache nicht bestens mächtig ist, keine Kenntnis von Land und Sitten hat, wird meist Außenseiter bleiben und sehr schnell am Boden der Tatsachen landen. Grade im gern erwähnten Glitzer-Dubai ist doch jeder, der finanziell nicht überall mitspielen kann, nicht mehr als ein Kuli. Habe das im "eigentlich humaneren" Oman erlebt, wo die typische Landestracht nur dem geborenen Omani zugestanden wird, um unterscheidbar zu bleiben...



    Zudem: Über Auswandern nachdenken oder das zu wirklich vorzuhaben ist ganz schön zweierlei...

  • Erst einmal muss man diese Generation verstehen lernen. Mehr Jugendzentren, Tickets für 9 € oder kostenlose PS5 ab 16 Jahren reichen nicht aus, trifft nicht den Kern, lockt keinen hintern Ofen hervor, wir das Engagement für diesen Staat nicht fördern. Und der Frust wird immer größer, weil aus deren Ansprüche und Forderungen zu Änderungen gleich immer vermarktbare Trends gemacht werden. Sie können sich eben nicht oder nur schwer von und alten Säcken absetzen. Da hatten wir es, in der 68er Zeit um ein vielfaches einfacher. Da waren die Fronten klar und wir konnten nach und nach noch maßgebliches in den Köpfen bewegen und sogar ändern.

    • @Alter Oppa:

      Fehlt es vielen aus der jungen Generation an Visionen? Die Frage ist ernst gemeint.

    • @Alter Oppa:

      Nicht gegen "diese" Generation gerichtet - ich habe bis vor kurzem einige Zeit für ein Ehrenamt aufgewendet, das Kinder und Jugendliche betrifft:



      Bei einem großen Teil dieser Generation werden erfüllte Ansprüche immer schneller durch die Daumentrainer höher geschraubt, dieser Einfluss macht mit mittlerweile wirklich ratlos.

  • Der Artikel lässt mich (Mitte 60) etwas ratlos zurück. Radikale Ansichten und sich in der Welt umschauen gehörten schon immer zur Jugend.



    "Das frühere Aufstiegsversprechen trägt heute nicht mehr" irritiert. Ist es wirklich das Bedürfnis junger Menschen, aufzusteigen? In unserer Generation war es eher, für eine gerechte Welt zu kämpfen und nicht durch Teilhabe am System schuldig zu werden, was Sinnvolles zu arbeiten.



    Geht es nicht viel mehr um Selbstwirksamkeit, Zugehörigkeit, Gemeinschaft? Das wären Ziele für alle Generationen.



    "Zweitens fordern die Autorinnen einen „neuen Generationenvertrag, der Geld in die Köpfe und Herzen unserer Jugend investiert“. Da fiel mir ein, wie leicht ein Ausbildungs- oder Studienplatz erreichbar ist; ohne Lehrgeld, ohne Studiums-Finanzierung durch reiche Eltern. Das war/ist nicht immer und überall selbstverständlich.



    Die "Bedürfnisse" junger Menschen bleiben mir nach der Lektüre unklar und die genannten sind mir z. T. fremd.



    Zugleich würde ich künftigen Generationen gerne eine ökologisch und sozial intakte Welt hinterlassen. Davon sind wir weit entfernt, sehr weit.

    • @Brombeertee:

      Ich möchte mit dem verbitterten Gesicht eines 17-jährigen schwarzen Mandanten und Gymnasiasten mit tollen Noten antworten, dessen Mutter das Jugendamt über 7 Jahre drangsaliert hat, weil man einer schwarzen Mutter nicht zutraut allein auf 5 Kinder aufzupassen, und der nun seit 3 Jahren auf seine Einbürgerung wartet. Sein jüngerer Bruder ist übrigens U15-Spieler beim BVB. Hier greift nicht nur das Aufstiegsversprechen nicht, sondern die Jugendlichen fühlen sich schon ganz und gar nicht erwünscht. Der Kampf für eine gerechtere Welt findet auch bei ihnen statt, aber jetzt nicht für einen besseren Staat, sondern gegen den Staat an sich und die als feindlich empfundene Mehrheitsgesellschaft - in privaten Bubbles.

      • @hedele:

        Da gibt es sicher viele Teile der Gesellschaft, die sich "schon ganz und gar nicht erwünscht" fühlen.



        Beispiel, ca. 40 Jahre alt, VDI-Nachrichten, eine Zeitung, die sich an Ingenieur*innen und die technisch basierten Unternehmen richtet. Dort wurde in einem Artikel geklagt, welch ein schlechtes Image die Technik und das Ingenieurwesen hat - so als wenn die ganze Gesellschaft dagegen wäre. Für Beamte, Ärzte (ich lasse das *innen mal weg, weil es um die Klischees geht) und viele andere gilt das gleiche. Alle haben ihre Probleme, real oder in der Wahrnehmung übertrieben, und empfinden, dass die anderen gegen sie sind.

      • @hedele:

        Als Immigranten Kind kann ich diese Art und Weise der Behandlung die sie schildern gut nachvollziehen.

        Leider hat sich in den letzten 30 Jahren eigentlich kaum was verändert, die hässliche Fratze die ihnen entgegschlägt sollte niemals zu einer Verbitterung ihrerseits führen, denn somit erreichen die Verursacher dessen ihr Ziel. Bleiben sie stark und strahlen sie bitte Freude aus!

  • Man muss doch nicht auswandern um den ganzen Tag ins Handy zu starren!

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Man muss auch nicht Tausende von Kilometern fliegen, um Schnitzel zu essen und sich die Kanne zu geben.



      Diese Art von Vorbild wird durchaus wahrgenommen und nachgeahmt, wenn auch auf andere Art und Weise.

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Vielleicht fliehen sie ja vor einer realen Welt, die sie nicht ernst nimmt und in der sie keine Zukunft sehen?

      Allerdings verstärkt dann das Smartphone solche Gefühle...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Das könnte mittlerweile tatsächlich eine Hauptwurzel des Übels sein. Und leider fehlt es an Vorbildern. Heidi und Carmen z. B. sind wirklich nicht dazu geeignet, Jane Godall und Claudia Kempert sind bei TikTok und Genossen wohl nicht die am meisten Gefragten.

  • "Das frühere Aufstiegsversprechen trägt heute nicht mehr“, schreiben sie. Fleiß reiche nicht mehr, um sich einmal Wohneigentum leisten zu können. Leistungsdruck treffe auf immer schlechtere Zukunftsaussichten."



    Rein demographisch ist das Gegenteil richtig! Es gibt doch weitaus mehr Möglichkeiten sich den Job der Wahl zu suchen als noch vor 30 Jahren. Wie überhaupt kann ein GenZ-ler mit 25 oder so, feststellen, dass er sich kein Wohneigentum mehr leisten können kann?



    Was richtig ist: Die Alten tun so, als gehe sie das alles nix an und fahren lieber frühverrentet in den Urlaub... und die Politik geht aktuell auch klar gegen die Jungen. Mütterrente, Ehegattensplitting, gebrochenes KITA-Platz Versprechen usw.... das ist massiv ätzend. Ich kann mir daher nur erklären, dass diese Ätzpunkte von "Alt" und "Politik" die Jungen in eine Falschwahrnehmung treiben. Wahr ist: Bisserl geduldig sein, denn ohne eure Bereitschaft Leistung zu bringen geht uns Alten Betonköpfen inkl. Politik rasch die Luft aus.

    • @Tom Farmer:

      > Wie überhaupt kann ein GenZ-ler



      > mit 25 oder so, feststellen, dass er



      > sich kein Wohneigentum mehr



      > leisten können kann?

      Na dass ist doch nicht schwer: Man hat studiert, einen guten Abschluss sagen wir mal in einem MINT Fach.



      Dann liest man sich ein, was man da als brutto Jahreslohn zu erwarten hat; dann schaut man, was von dem Brutto so übrig bleibt und was man da so sparen kann; sagen wir mal jemand ist wirklich sparsam und schafft 1000 EUR im Monat sparquote (halte ich für ziemlich ambitioniert).



      Eigentumswohnung in München 400000 EUR +. Dh ca 40 Jahre wenn man KEINE Kreditzinsen bedienen muss; also das gesamte Arbeitsleben...



      Klingt unrealistisch, nicht?

      Ist natürlich viel einfacher, wenn man sich in Nordbayern ein Haus kaufen will; das ist weniger ein Problem.



      Nur gibt's da auch kaum Jobs für Absolventen eines MINT Studiums...

    • @Tom Farmer:

      München Randgebiet 2-Zimmer-ETW 550.000€ bis 750.000€.

      Wie soll das noch jemand, der keinen Beamten oder Managerjob hat bezahlen?

      Wenn Sie 2000€ im Monat zahlen könnten, sind das 20 Jahre. Ohne jegliche Gebühren oder Zinsen, mit denen eher 30 bis 40. Und das, für eine 2 Zimmer Wohnung.

      Die Zeiten, dass es den Kindern besser geht, als den Eltern sind rum.

      • @Donni:

        Ich wüsste jetzt nicht wo da der große Unterschied ist. Die Eigenheimquote in München liegt bei ca. 22-23%, sie war in den 90ern niedriger bei ca. 17%. D.h. ein Handwerker konnte sich auch damals sehr wahrscheinlich kein Eigentum leisten. Das war politisch auch so gewünscht. Deswegen haben wir ja so ein stringentes Mietrecht. Und all diese alten Eigentumskäufer haben das nicht in 20 Jahren abgestottert, sondern 30+ bis kurz vor der Rente. Dabei hat man verzichtet. Es gab keine Handys für 1000€, keinen TV in jedem Zimmer, keinen Mittelklassewagen. Was es aber auch gab waren Menschen die es mit Volksschule+Lehre bis in die Chefetage geschafft haben. In den 70ern war die Akademikerquote irgendwo bei 5%, heute rund 20%. Mit dem Gehalt eines Lehrberufs stehst Du heute oft am unteren Ende der Nahrungskette. D.h. auch die Konkurrenzsituation ist heute anders. Die nahezu Verdoppelung der Singlehaushalte über die Zeit tut sein Übriges bei den Preisen.

      • @Donni:

        Wie das 90 Prozent der Beamten schaffen sollen, bleibt mir auch ein Rätsel. Haben Sie mal nachgeschlagen, was ein Beamter im mittleren oder gehobenen Dienst Netto übrig verdient?

      • @Donni:

        Naja, Extrembeispiel raussuchen, aufs Großeganze schließen und dann als Fakt darstellen. So geht das natürlich schief mit der Motivation....und Sie bestätigen meine Hauptaussage.

        • @Tom Farmer:

          Das ist kein Extrembeispiel.

  • Ohne Vergleichwerte ist die Studie witzlos.

    In Vergleich zu älteren Personen können die Jüngeren außergewöhnlich vertrauensvoll sein.

    • @rero:

      Erfahrungen sind manchmal schwer zu verdrängen.

  • Denen geht es schlecht wg. Smartphone & Corona. Und es wird auch nicht besser wg. Demographie, Klima-/Polykrise.

    • @derzwerg:

      Tschuldigung, bitte nicht persönlich nehmen, aber ich sehe keine Klima-/PolyKRISE, sondern eine Klima-/PolyWENDE.



      Nach einer Krise könnte der vorherige Zustand wieder hergestellt werden, nach einer Wende eher nicht - und ich möchte das auch gar nicht.

  • Die Vorschläge der jungen Politiker in allen Ehren, aber die Kneipen, Cafés, Kaufhäuser etc sterben aus, weil es auf dem Land nicht genügend Nachfrage danach gibt. Es ist doch unrealistisch, dass alles aus öffentlicher Hand am Leben zu erhalten.



    Nicht falsch verstehen, ich habe großen Respekt vor Leuten, die im ländlichen Raum aktiv sind und die bewirken bestimmt auch etwas.



    Nur bei Bevölkerungsrückgang gibt es auch einen Rückgang der Infrastruktur vor Ort, da kann die Politik und Zivilgesellschaft auch nichts grundsätzlich dran ändern. Wenn keine Kinder da sind, wird die Kita eben geschlossen.

    • @Sebastian Heinz:

      Ich habe als Jugendlicher in einem Ort mit 2500 Einwohnern gelebt. Großes Jugendzentrum mit mehreren Räumen, Theke, Kicker, Billiardtisch. Wir konnten sogar kleine Bands 1-2 mal im Jahr einladen.

      Nun lebe ich in einem Ort (ca.2000 Einwohner) mit einem Jugendzentrum das aus einem Raum besteht, der kleiner ist als mein Wohnzimmer.



      PC der älter ist als ich, ein Sofa, ein paar Regale mit Gesellschaftsspielen die ebenso alt sind. Ein Billiardtisch, bei dem der Lauf einer Kugel unter das Glücksspielgesetzt fallen müsste.



      Die Investitionen in die Jugend haben sich verteilt. Und jetzt ist die Frage: erst mehr Investitionen in die Jugend oder einfach erst sparen und darauf warten, dass mehr Jugendliche entstehen?

    • @Sebastian Heinz:

      Ist es nicht die Aufgabe der Politik, das gesamte Land für die gesamte Bevölkerung einigermaßen attraktiv zu gestalten?



      Darauf folgt dann weniger Abzug von Menschen. An vielen kleinen Stellen gibt es Menschen, die sich inzwischen selbst organisieren, eine attraktive Gemeinschaft herzustellen. Ohne Förderung.

  • Nicht nur die Jugend u30 denkt ans Auswandern.

    • @Max Rosen:

      Richtig. Die Frage bleibt: was hält mich hier?

    • @Max Rosen:

      Was Herr Schulze nicht erwähnt, ist, dass in der Studie am meisten die AfD-Wähler an das Auswandern denken.

      Das ist schon spannend.

      Recht haben Sie natürlich auch. An Auswandern denken viele.

      • @rero:

        Dann wärs doch schön, wenn die erwähnten AfD- Wähler sich ihre Ziele auch verwirklichen würden...

        Bedauerlicherweise gibt es darunter vermutlich sehr viele, die sich anderswo auch nicht verstandener fühlen würden. Vielleicht auch gar nicht zum Arbeitsmarkt passen. Und das ist ihnen sicher genauso klar.

        Um nicht missverstanden zu werden: Ich selbst bin auch nicht restlos glücklich mit den heimischen Zuständen...

        • 2G
          20080 (Profil gelöscht)

          @Der olle Onn:

          Auch aus dem Ausland heraus kann man wählen. Ist einfach - würde also den 20% der aktuellen Wählern, viele von denen auch ex-SPD Wähler aus der Arbeiterschaft welche sie anscheinend gerne im Ausland sähen, dennoch Einfluss wie bisher gewähren.

          & wer zahlt dann hier Steuern um den Laden am laufen zu halten?

    • 2G
      20080 (Profil gelöscht)

      @Max Rosen:

      Nicht denken: Machen!

      • @20080 (Profil gelöscht):

        Ohne Rückkehroption ins soziale Netz, wenns schiefgeht???

        • 2G
          20080 (Profil gelöscht)

          @Erfahrungssammler:

          Ich hab nicht vor Bürger Deutschland in 2 Klassen einzuteilen oder sollen die, wenn ich sie richtig verstehe, ausgebürgert werden? Das hatten wir schon 2x in der Vergangenheit in diesem merkwürdigen Landstrich.

  • Tja, Auswandern fällt mir auch immer schnell ein. Aber in Krisen rücken viele Nationen nach innen, also häufig rechts-gefärbt, da lebt es sich im Ausland, als Ausländer, teils schlechter.



    Es braucht öffentliche Räume auch für den öffentlichen Diskurs, Austausch usw. Für Jugendliche erst Recht! Für Erwachsene ebenso! Wir müssen wieder von Angesicht zu Angesicht unsere Meinungen, Erfahrung reg n und so wertvollen Innenwelten, das Subjektive, nach außen tragen, sonst kippt es. Algorithmen gesteuert, von bubbles eingenommene Aufmerksamkeit und KI noch das Denken abgenommen, steuern wir Kopf- und herzlos in die Bedeutungslosigkeit und merkens nichtmal, weil die digitalen Welten weiter laufen. Einfach so, ohne es zu merken hat sich da bereits einiges verselbständigt.



    Geht die Öffentlichkeit verloren, hat die Demokratie einen massiven Knacks.

    Entscheidende Veränderungen kommen immer von Rändern der Gesellschaft, nie der Mitte. Die will ja immer so weiter machen. Und die öffentlichen Räume zum Austausch und für Begegnung (was erst wieder gelernt werden muss) sind der Nährboden für demokratische Prozesse, dessen Räume sind besetzt von jungen Erwachsenen.

  • Normalerweise bin ich beim Generationenbashing immer gerne dabei, aber irgendwie hab ich eher Mitgefühl mit dieser Generation.



    Wenn ich heute wieder so jung wäre, wüsste ich absolut nicht mehr welche Wege man im Leben einschlagen könnte oder sollte. Was lohnt sich noch zu studieren, was wird ganz sicher nicht überflüssig oder weniger gebraucht? Selbe Problematik bei der Ausbildung, und dann musste da auch noch drauf achten das nicht zu viele das selbe machen, 1 Mio Tischler zu haben bringt ja auch nix.



    Wohnungsmarkt sieht mau aus, bist verdammt dazu lange bei den Eltern zu bleiben. Jederzeit könnte theoretisch ein Krieg ausbrechen, und aus dem selben Grund könnte jederzeit ein Einberufungsbescheid bei einem eingehen. Ständig bist du sozialen Druck ausgesetzt weil ja alle mit allen Verbunden sind (Sozialmedia), musst also dauernd allen zeigen du kein looser bist, wärend es gleichzeitig kaum noch Möglichkeiten dazu gibt.

    Das gerede alla "die haben es so gut wie keine Generation vor ihr" ist wirklich unangebracht. Das gilt nur solange sie noch Kind sind, danach das Erwachsen werden, ist sehr viel schwieriger geworden...

  • Hier ein Schlüssel zum besseren Verständnis der Jugend von heute: YouTube hat mir vor ein paar Tagen ein Cover von Dylans "The Times They Are a Changin'" zugespielt (Alyssa Hankey). Als das Lied zum ersten Mal gesungen wurde, war darin ein leuchtendes Versprechen. Im heutigen Kontext fühlt es sich hingegen wie eine dunkle, apokalyptische Prophezeiung an. Das Versprechen hat sich als hohl erwiesen. So haben die Zeiten sich also tatsächlich geändert. Nun müsste man sich dazu bequemen, ihnen in die Speichen greifen, sie anzuhalten. Auswandern kann man aus den Zeiten nämlich nicht.

  • Das Aufstiegsversprechen wird vielerorts durch die Politik ausgehebelt und falsch verstanden Gerechtigkeit.

    Wir müssen uns entscheiden. Wenn fleißige Leistung sich auszahlen sollen, dann muss das auch das System hergeben!

    Wie soll ich meinen Kindern erklären, dass sich Leistung lohnt , wenn der Zugang zum Gymnasium !verlost! wird? Und die Leistungen vorher vollkommen egal sind. Einzige was zählt: Geschwister auf der Schule.

    Wenn dann das fleißige intelligente Kind keinen Platz bekommt, aber der sitznachbar weil sein großer Bruder dort ist?

    Und wir wundern uns dann darüber, dass Leistungen abfallen….

    Und am Ende st dann das Abitur eben kein Maßstab mehr für Leistung!

    Regel gilt so in NRW

    • @Lio:

      Deswegen gehen ja auch die Kinder unseres Ex-Vizekanzler in Dänemark in die Schule..

      • @Donni:

        Ich gönne es ihnen, und Sippenhaftung lehne ich ab.

    • @Lio:

      Integrierte Gesamtschule, also im Prinzip, was die meisten vernünftigen Länder so in der Art praktizieren?

      • @Axel Schäfer:

        Die integrierten Sekundarschulen sind in Berlin die, die am stärksten nachgefragt sind.

        Gerade da brauchen Sie also Geschwister.

      • @Axel Schäfer:

        Netter Vorschlag, nur leider genauso nutzlos und am Problem vorbei . Wenn das das System ist, ist es okay. Ist es aber eben nicht, und dann muss es fair bleiben.

        Übrigens : auch an den GS werden die Plätze verlost und letztes Jahr hatte die hier nebenan 200 Absagen!

        Kenne leider Kinder die trotz Gymnasialempfehlung an die Realschule mussten, weil sie an der GS und am Gymnamsium kenne Glück hatten.



        Und so ist es halt echt voll daneben.

        Kind strengt sich an, bringt Leistung. Und die mit schlechteren Noten kommen auf die Schule, die einen Weg zum Abi öffnet.

        Klar geht’s auf dem 2ten Bildungsweg. Aber ganz im



        Ernst? Welche Message ist DAS an die Kinder? Bist zwar gut, aber Pech. Und ob du eine Chance bekommst entscheidet alleine ein los

        • @Lio:

          Bildung für die nachwachsende Generation ist essentiell für die Zukunft eines Landes. Mir stösst immer wieder auf, wie wenig Bildungspolitik in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern diskutiert wird und dass man sie der Kulturhoheit der Länder samt der schläfrigen Kultusministerkonferenz überlässt.



          Begabten, lernwilligen Kindern die Chance auf Abitur und Studium zu nehmen, bringt unsere Gesellschaft nicht weiter und ist ausserdem den Kindern gegenüber gemein.



          Ich halte nichts davon, Kinder, die sich in der Schule schwer tun, zum Abitur zu quälen. Aber wenn Ihre Kinder gerne zur Schule gehen und Freude am Lernen haben, sollten Sie über den Umzug in ein anderes Bundesland wie z.B. Bayern nachdenken. Die TU München ist ausserdem so ziemlich die einzige deutsche Uni, die im internationalen Vergleich noch nicht völlig abgeschmiert ist.

        • @Lio:

          Da hab ich noch nie gehört, ist das wirklich wahr? Das wäre mE der grösste Bildungsskandal seit Bestehen der BR Deutschland.

          • @YeahYeah:

            Einfach mal Googlen.

            NRW, Gymnasium, los.

            Da findet man Berichte aus diversen Städten.

            www.stadt-kultur-f...enden-schulen/9292

            Und ja.



            Wir legen jetzt schon Geld zur Seite für den Fall, dass die Kids eine entsprechende Eignung haben und kein Glück. Damit haben wir 4 Jahre mehr zum Sparen für die private Schule….

  • Das ganze Schönreden hilft nichts: Unsere Konsumgier hat die Zukunft unserer Jugend verkauft. Umweltschäden, Schulden, Zwänge, seltsame Gesetze, Überwachung, Platikmüll...



    Was helfen da noch "echte Beteiligung" und ernst nehmen?

    Unsere Jugend hat es gut erkannt, dass wir auf ihre Kosten leben, weil wir zuviel konsumieren und zuwenig an unsere Kinder und Enkel denken dabei.



    DAS sollte mal angesprochen werden und natürlich auch so gut es geht ausgeglichen!

    • @realnessuno:

      Einspruch!



      Es ist nicht unsere(!?) Konsumgier, welche die Zukunft unserer Jugend verkauft. Die Jugend selber ist dabei kein Deut besser. Nach der Schule braucht die Gen Z erst mal ein Jahr zum Ausspannen und Reisen.

      Und was haben Umweltschäden und Plastikmüll damit zu tun? Ist das nicht sehr, sehr weit hergeholt?

      Die Erfolge der vielen (A)sozialen Medien wie Insta oder Tiktok sind zum Problem ihrer Nutzer geworden. Mit dem Doom-Scrooling leidet die Aufmerksamkeit, die vielen Health-Life-Schönheits-Tipps vergiften die persönliche Psyche und am Ende geht es nur um Konsum.

      Und dann haben wir noch das allgemeine wirtschaftliche Umfeld . Deutschland war über Jahrzehnte wirtschaftlich ganz vorne mit dabei. Gut bezahlte Jobs gab es genügend, und selbst bei stets hohen Abgaben und Steuern prosperierte es ganz gut. Seit Corona jagt nun eine Krise die nächste und allen - nicht nur der Jugend - wird die Luft zum Atmen immer dünner. Null-Wachstum wird eher als Rückschritt angesehen und führt immer zu Frust und zunehmend auch zu (massiven) Sorgen.

      • @Mopsfidel:

        Jugend lernt normalerweise von den Vorgängern. Und die unterstützen das Konsumverhalten, so gut es eben geht - man muss ja mit den Nachbarn mithalten oder sie sogar noch übertreffen.



        Junge Leute, die dagegen steuern, werden ignoriert, ausgelacht, diffamiert, beleidigt und bekämpft. Wenn sie z. B. mal einen Stau verursachen, wiegt der tausendfach stärker als die 1400 Staus pro Tag, in den "WIR!" die Luft verpesten.

    • @realnessuno:

      Und „die Jugend“ konsumiert weniger und verantwortungsvoller? Eher nicht.

  • In der Jugend will jeder immer auswandern, Zuhause ist immer spießig.



    Und trotzdem feiern wir dieses Jahr Abitreffen nach 25 Jahren und bis auf 3 leben alle noch in Deutschland, der überwiegende Teil in der Nähe oder direkt in ihren Heimatorten.



    Welches Land ist denn besser? Wo gibt es denn gratis Geld für Nichtstun über Jahre? Krankenversicherung? Teilweise kostenlose Kits und definitiv kostenlose Schulen?

    Ich habe im Ausland gelebt und wenn man mal das trendige Dubai für Influencer rausnimmt, war es alles in allem nirgends wirklich besser. Außer, man hat natürlich deutlich mehr Geld als die Einheimischen.

  • Ich will auch auswandern. Am liebsten nach Neuseeland.

    Bei uns hat der Landkreis einfach allen in der Sek I eine Busfahrkarte gegeben, egal ob man die braucht, um zur Schule zu kommen, oder nicht. Kostet jetzt nicht so mega viel, war also eine gute Lösung, um Leuten Mobilität zu verleihen.

    Kulturpass klingt auch teurer, als es letztendlich sein wird.

    Hilft aber nicht bei den wirklichen Problemen wie Wohnen und Arbeit.

    Und ja, ich habe der (lokalen) SPD schon vor 30 Jahren gesagt, dass sie Probleme bekommen, weil ihnen die Wähler weglaufen mangels passendem Programm. Haben die abgetan. Ich hätte keine Ahnung. 🤷🏻‍♀️

    Wenn im Osten keiner mehr wohnt, wird die AgD auch nicht gewählt. Wölfe haben ja kein Wahlrecht, und die würden eh nicht AgD wählen. Die wählen Tierschutzpartei.

    • @Cededa Trpimirović:

      Mein Sohn hat sich nach Abitur, Lehre, Studium und einigen Berufsjahren Neuseeland genau angeschaut. Ich vertraue ihm und seiner Wahrnehmungsfähigkeit sowie seinen Rückschlüssen, wenn er mir sagt: "Finger weg!!!"



      Aber ich spreche von einem Einzelfall, jeder ist seines Glückes Schmied.

  • "Mentale Gesundheit" - die Vorschläge charakterisieren eine verwöhnte Jugend und ihr Anspruchsdenken. Sie lassen sich zusammenfassen als "Welt, lasst uns mit euren Problem in Ruh."

    Hinzu kommen in der Zeit von Cocooning noch aus der Zeit gefallene Konzepte wie Jugendhäuser, die nur eine sehr begrenzte Klientel adressieren. Das ist einfach nur weltfremd und in der eigenen Blase gedacht, als wären Jugendliche durch die Bank bedürftig.

    In keinem der Vorschläge steht etwas von besserer Bildung, Qualifikation, Sprachen - aber Freizeit und Reisen. Vor nicht allzulanger Zeit stand man dafür in den Ferien am Band und jobbte, um sich in den nächsten Ferien die Reise leisten zu können.

    Dieses Anspruchsdenken, dass die Nachrückerin da formuliert, ist genauso populistisch, weil es Herausforderungen vollständig ignoriert und Probleme mit Geld zuschütten will, statt an die Wurzel zu gehen.

    • @rakader:

      Für mich waren die Ferienjobs extrem wichtig, um mich am Ende des Studiums schnell im Erwerbsleben zurechtzufinden. Ich wäre sonst im harten beruflichen Alltag sehr unsanft aufgeschlagen. Zwischen Theorie und Praxis liegen nunmal Welten. Immer wieder raus aus der abgehobenen akademischen Blase und rein ins pralle Leben war für mich eine ganz wesentliche Erfahrung.

    • @rakader:

      "Vor nicht allzulanger Zeit stand man dafür in den Ferien am Band und jobbte, um sich in den nächsten Ferien die Reise leisten zu können."

      An welches Band wollen Sie sich denn heute noch stellen?

      • @Kawabunga:

        Amazon- oder Lieferantofahrer!



        Auf dem Bau ist/war es auch nicht so toll.

        • @Donni:

          Werden denn keine Influenzer mehr in Dubai gesucht??

  • Es gibt keine einfachen Lösungen für eine heterogene, individualisierte Gesellschaft. Aber gerade deshalb ist es wichtig einfach mal reden, denken und machen zu lassen, statt anderen immer nur eigene Interessen vor- oder nachzuwerfen. Also ran an „die Buletten“: Was brauchen die beiden Autorinnen konkret, um sich persönlich im strukturschwachen Ostdeutschland für eine bessere Zukunft zu engagieren? Wo würde ihr Leuchtturmprojekt mit Breitenwirkung entstehen? Wie stellen sie sich ganz praktisch das Fördern nach dem Fordern vor? Ich habe in meinem Leben immer wieder erlebt, dass wenige charismatische Persönlichkeiten mehr voran bringen, als hunderte Verwaltungsvorschriftler. Aber ohne die zweite Gruppe, geht der Elan des Aufbruchs oftmals schneller zu Ende, als es gelingt weitere Mitstreiter zu gewinnen. Das Problem waren übrigens schon immer die stürmische, Jugend und die alten Bremser. Je nach eigener Zugehörigkeit. Das sich das nicht geändert hat, beruhigt mich eher.

  • "...Duo aus dem Bundestag schlägt Lösungen vor. "

    Das Studienergebnis ist vielleicht beunruhigend, aber die Lösungen sind sowas von Standard, die hätten auch von älteren Politikerinnen kommen können.

    In der Studie geht es immerhin um die bis 29 Jährigen. Klar, dass die Zukunftsangst haben. Da hilft doch kein Jugendtreff. Und wie soll der Staat Kaufhäuser oder Kneipen in ländlichen Gebieten betreiben?

    In der verlinkten Pressemitteilung der Studie steht: " dass 60



    Prozent der jungen Menschen eine suchtähnliche Smartphonenutzung aufweisen" -- Dafür eine Lösung zu finden, wäre innovativ und vielleicht auch hilfreich für alle Generationen.

    Weiter "Junge Menschen wünschen sich neben finanzieller Bildung [ ] stabile Zukunftsperspektiven, um sich langfristig abzusichern." Woher kommt eigentlich diese, doch eher konservative, Einstellung? Wenn man Biografien liest, ist das eher die Zeit des Aufbruchs, der Veränderung, ohne zuviel Gedanken an die Rente.

    PS Dubai ist nur toll zum Auswandern, wenn man richtig viel Geld hat.

    • @fly:

      "PS Dubai ist nur toll zum Auswandern, wenn man richtig viel Geld hat."



      ... und wenn nicht gerade ein Krieg in der Gegend stattfindet.

    • @fly:

      "Woher kommt eigentlich diese, doch eher konservative, Einstellung? Wenn man Biografien liest, ist das eher die Zeit des Aufbruchs, der Veränderung, ohne zuviel Gedanken an die Rente."

      Nur, wenn man sich um Lebensunterhalt und Rente eben nicht zu viel Gedanken machen muss!

      Mich würde der Altersdurchschnitt der Kommentierenden hier mal interessieren.

  • Nur zu, Migrationserfahrung machen und feststellen, auf welch hohem Niveau gejammert wird.

    • @Momo33:

      Einer der besten Beiträge bisher!

  • Doppelt so alt wie die Gen Z, möchte auch ich auswandern. Der politischen Situation in Deutschland noch etwas Positives abzugewinnen, ist schwer. "Oben", im BT, sitzen fast überwiegend Schrachsäcke, deren Versäumnisse sind nnicht akut, sondern haben schon vor >20 Jahren begonnen. Digitalisierung, Familien-freundliche Politik, Umbau der fossil gegründeten Wirtschaft, Erfüllen der gesellschaftlichen Grundbedürfnisse WOHNEN, öffentlicher Verkehr, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen (keine Gifte in den Boden, weg von industrieller Land-Un-Wirtschaft) - all das haben sie über ihren Identitätsdebatten und Schaufensterreden verschlafen, von Tobin-Steuer, gesetzliches Verunmöglichen von Cum Cum und Cum Ex ganz zu schweigen. Kommunen wurden kaputt gespart. Wozu sitzen diese Abgeordneten überhaupt da? Jeder will dahin und gründet noch ne Partei und noch ne Partei, weil da die Fleischtöpfe locken.

    • @ja wirklich?:

      Der Deutsche jammert nicht, weil es ihm schlecht geht, sondern weil es ihm nicht noch besser geht.

    • @ja wirklich?:

      Und jetzt finde mal ein Land in dem es nicht genauso oder sogar noch schlimmer ist....ich glaub uns geht es schon sehr gut hier, wir haben nur leider eine Kultur des meckerns und unzufrieden seins.....

  • „Ein Fünftel denkt ans Auswandern.“

    Ich bin Teenagerin der 1980er und damals wollten gefühlt die Hälfte der Jugendlichen auswandern. Und was bedeutet „Auswandern“ überhaupt in diesem Kontext?



    Hätte mich damals jmd gefragt, wo ich gerne leben würde, hätte ich London, Paris und New York gesagt, und am besten überall gleichzeitig. Nichts ist für eine Jugendliche spießiger als die eigene Stadt. Ich halte es für völlig normal, wenn Jugendliche den Wunsch äußern auszuwandern.



    In meiner Jugend gab es so wenig psychologische Behandlungsmöglichkeiten, dass ich froh darüber bin, dass es heutzutage möglich ist einer größeren Gruppe eine Behandlung zu ermöglichen.



    Ich finde die Medien übertreiben es langsam mit diesen Jugendbefragungen und den Schlüssen daraus.

    • @TaAl:

      Ich sehe das ähnlich.



      Ein wesentlicher Unterschied zwischen unserer Generation und der Gen Z sind die technischen Möglichkeiten der globalen Kommunikation. Hinzu kommt die gut gemeinte Haltung vieler, man wolle die Sorgen der Jugend ernst nehmen, die aber zu einer Verschiebung der Wahrnehmung und dem falschen Schluss führt, die heutige Jugend habe es so schwer wie keine vor ihr. Das ist natürlich Unsinn, selbst wenn man es auf die Generationen der in der BRD Aufgewachsenen begrenzt.



      Letztendlich ist es, wie Sie sagen: Alles, was in dem Artikel steht, lässt sich genau so auf unsere Generation beziehen.

    • @TaAl:

      Eben. Als ich jünger war, dachte ich das selbe, auswandern auf jeden Fall und am besten in die USA. Heute weiß ich, dass ohne Plan irgendwohin auszuwandern einfach nur eine extrem dumme Idee ist und es kaum irgendwo besser wird.

      Im Gegenteil, auswandern entwertet oft das Bildungskapital das man schon hat; man spricht die Sprache nicht und ist plötzlich selbst Migrant und wird als solcher fast überall auf der Welt schlechter behandelt als bei uns.

      Das wusste ich als Jugendlicher natürlich alles nicht, aber es zeigt meines Erachtens auch deutlich das Problem: "Den Jugendlichen zuzuhören" ist generell eine gute Idee, aber ihre Vorschläge 1:1 umzusetzen leider nicht.

    • @TaAl:

      Bei uns ebenfalls, bloß weg.

      Bis man dann festgestellt hat, dass in Berlin die Oma nicht mal schnell auf die Enkel aufpassen kann und der Opa auch nicht mal schnell ein Regal o.ä. Reparieren kann. Die meisten kamen direkt nach dem Studium zurück, haben neben den Eltern oder in der Nähe gebaut und genießen den Vorteil von funktionierenden sozialen Beziehungen auf dem Land.

    • @TaAl:

      Sehe ich anders, denn damals schien das "Aufstiegsversprechen", das im Text erwähnt wird, durchaus noch glaubhaft.

      Der Eindruck einer Zeitenwende, einer Umwälzung, ist stark und verunsichert. Dazu kommt, dass von der Jugend zwar viel gefordert wird, sie aber politisch so stark marginalisiert wird wie nie - was vermutlich daran liegt, dass es verhältnismäßig wenige junge Wähler gibt. Es lohnt sich daher kaum, sie zu adressieren.

      • @Warim Wilke:

        Damals, Warim Wilke, hat sich die nonkonformistische, nicht-spiessige Jugend - die Hälfte, von der TaAI spricht - nicht für irgendein Aufstiegsversprechen interessiert. Vielemehr waren Punk und "no future" angesagt (aber eben auch deshalb, weil das eine stark entpflichtende Nebenwirkung hatte).

        • @Uhl Christian:

          Ja, was aus dieser ganzen Hälfte (ich lachte) der damaligen Jugend geworden ist, sieht man ja heute.

  • "Ein Fünftel denkt ans Auswandern."



    Fragt sich wohin. Wo ist es denn so rundheraus besser? Ich käme u. U. mit.



    "Nur eine Minderheit vertraut noch in politische Institutionen und abgesehen von AfD und Linken verlieren alle Parteien an Zustimmung."



    Das wiederum ist - abgesehen von dem Faible für die politischen Aussenpositionen - kein Privileg der Jugend. Man muss nicht jung sein, um die gebotenen Parteialternativen nicht wirklich haben zu wollen...



    Wenn ich wählen gehe, ist das mittlerweile ein 'Eigentlich willst du keine der Pappnasen, aber extrem ist nicht und Nichtwählen auch nicht'. Das ist zunehmend ein echtes Problem.