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Teuer, unökologisch und krankmachend?Sind Klimaanlagen böse?

Über Klimaanlagen gibt es viele Vorurteile. Wie schlimm ihr Einsatz wirklich ist, warum Kriminelle sie lieben und was eine Physiotherapeutin rät.

Mythos 1: Der Betrieb von Klimaanlagen ist eine Ökosauerei

Klar: Kein Stromverbrauch ist besser als Stromverbrauch. Wer eine 24 Grad warme Wohnung auf 19 Grad kühlen will, sollte sich den Einbau also besser noch mal überlegen. Anders sieht es aus, wenn eine Wohnung mit 38 Grad Innentemperatur über sommerliche Wochen unbewohnbar wird. Laut ADAC benötigt eine Anlage mit der besten Effizienzklasse A+++ rund 0,3 bis 0,5 Kilowattstunden pro Stunde. Zum Vergleich, was man mit 0,5 Kilowattstunden noch machen kann: eine halbe Stunde Haare föhnen oder die Waschmaschine einmal bei 40 Grad laufen lassen. Entscheidend für den Gesamtverbrauch ist aber auch das Verhalten der Bewohner:innen: Die üblichen Hitzeschutzmaßnahmen – von nachts lüften bis Sonneneinstrahlung abschirmen – sollten auch mit Klimaanlage umgesetzt werden. Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben und die Innentemperatur nicht mehr als 8 Grad unter der Außentemperatur liegen. Das ist auch aus Gesundheitsgründen sinnvoll. Die klimaschädliche Wirkung lässt sich zudem deutlich verringern, wenn die Wohnung mit Ökostrom versorgt wird – oder gleich mit der Energie von einer Solaranlage auf Dach oder Balkon. Laut Stiftung Warentest arbeiten erste Modelle bereits mit Propan als Kältemittel. Andere Mittel, die im Einsatz sind, wirken, falls sie versehentlich austreten, extrem klimaschädlich. Propan nicht.

Mythos 2: Klimaanlagenluft macht krank

Eine Klimaanlage macht einen Raum nicht nur kühler. Sie verursacht auch einen Luftzug und tendenziell trockenere Luft. Darauf reagieren Menschen unterschiedlich sensibel. Wer etwa Asthma hat oder eine andere chronische Lungenkrankheit, kann unter stärkeren Symptomen leiden. Wenn eine Person sich bereits einen Virus eingefangen hat, können Kälte und Zugluft den Ausbruch eines Infekts begünstigen, unter anderem weil bei Kälte die Durchblutung der Schleimhäute und damit die Immunabwehr in der Nase abnimmt. Manche Menschen klagen nach einem Tag im klimatisierten Büro, Zug oder Auto auch über Verspannungen. Der Mechanismus dahinter: Zugluft kühlt die Körperstelle aus, die Gefäße ziehen sich zusammen, und durch die mangelnde Durchblutung der Muskeln ist ihre Funktion eingeschränkt, erklärt Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten. „Am häufigsten ist von diesem Prozess die Schulter- und Nackenmuskulatur betroffen“, sagt sie. Als Vorbeugung empfiehlt sie, sich regelmäßig zu bewegen. Und wenn es doch passiert ist: Wärme, sanfte Dehn- und Bewegungsübungen.

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Mythos 3: Klimaanlagen sind heute schon billig zu haben

Sie heißen „Cooler“ oder „Breeze“ und werden gern mit dem Schlagwort „Nasa-Technologie“ beworben oder damit, dass hier eine neuartige Entwicklung dahinterstecke, die die Industrie geheim halten wolle. Und dann dieser wahnsinnig günstige Preis! Mit zwei- bis maximal dreistelligen Summen sind sie so billig, dass der hitzegeplagte Kopf allzu gern das Kaufen-Signal sendet. Aber Achtung! Das ist höchstwahrscheinlich ein Fake. Anbieter solcher Fakeshops passen ihr Angebot perfekt saisonal an: Im Winter Heizlüfter und Heizöl, vor Silvester Feuerwerk, im Frühjahr Gartenzubehör – und wenn es heiß wird, Klimaanlagen. Gerade bei erstaunlich günstigen Preisen gilt: Seriosität der Seite überprüfen, zum Beispiel anhand von Impressum, Siegeln wie Trusted Shops und dem Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen.

Mythos 4: Klimaanlagen sind teuer

Die Verbraucherzentralen beziffern die Kosten für ein Splitgerät, bei dem sich ein Teil der Klimaanlage im Raum befindet und ein großes, eckiges Gerät außen am Gebäude, auf bis zu 2.600 Euro. Wer ein Gerät in der Energieeffizienzklasse A+++ haben will – das ist die derzeit beste Klasse –, zahlt meist über 2.000 Euro. Gerade in den schlechteren Klassen geht es deutlich günstiger, aber dann leidet das Verhältnis von Kühlleistung zu Stromverbrauch. Achtung! Wer mit Preisvergleichsportalen nach einem Gerät sucht, sollte immer genau hinschauen. Nicht nur im Hinblick auf eventuelle Fakeshops. Sondern auch, weil bei einem besonders günstigen Angebot vielleicht nicht die ganze Anlage verkauft wird, sondern nur das Innenteil. Zu den Anschaffungskosten kommen noch die für die Installation. Der ADAC rechnet für Anschaffung und Installation zusammen zwischen 2.000 und 8.000 Euro. Je mehr Innengeräte angebracht werden sollen, desto teurer wird es. Mal schnell selbst bohren, anschrauben und anschließen ist nicht erlaubt. Bei Splitgeräten muss ein Fachbetrieb die Montage übernehmen. Dazu kommt die Wartung, die in der Regel einmal im Jahr dran ist.

Mythos 5: Ein Monoblockgerät mit Schlauch tut’s auch

Gerade in Mietwohnungen kann es schwierig werden mit der Installation eines Splitgeräts – denn da muss der:­die Ei­gen­tü­me­r:in zustimmen. Als Alternative bewirbt der Handel Monoblockgeräte. Sie bestehen nur aus einer Gerätekomponente, von der ein Schlauch durch ein angekipptes Fenster nach draußen gelegt wird. Schon das verringert die Effizienz, weil durch den Fensterspalt wieder warme Luft nach innen strömt. Aber auch sonst schneiden die Anlagen so schlecht ab, dass etwa die Stiftung Warentest seit 2021 keine Monoblöcke mehr testet. Wegen ihrer geringen Kühlleistung im Verhältnis zum Stromverbrauch seien die Geräte nicht über die Note ausreichend hinausgekommen. Die französische Verbraucherorganisation Que Choisir kommt nach einem aktuellen Test zu dem Schluss, dass Monoblöcke aber dann helfen können, wenn bei einer Hitzewelle eine Wohnung nur wenige Tage im Jahr etwas gekühlt werden soll.

Mythos 6: Man braucht sie nur ein paar Wochen im Jahr

Klimaanlagen sind im Prinzip Wärmepumpen. Und genau wie Wärmepumpen Wohnungen in einem gewissen Rahmen kühlen können, lassen sich Klimaanlagen zum Heizen nutzen. „Das Heizen mit einer effizienten Splitklimaanlage ist deutlich umweltfreundlicher als eine Gas- oder Ölheizung“, sagt Peter Schick, der bei der Stiftung Warentest eine aktuelle Untersuchung von Klimageräten geleitet hat. Beim Heizen mit der Klimaanlage entstünden kaum mehr als halb so viele Treibhausgase wie beim Heizen nur mit Gas. Berechnungsgrundlage war ein mäßig gedämmtes Haus und der deutsche Durchschnittsstrommix. Mit besserer Dämmung und/oder Ökostrom oder einer eigenen Solaranlage würde sich die Ökobilanz also weiter verbessern. „Die Ersparnis beim Treibhausgasausstoß im Winter überwiegt die zusätzliche Belastung durch den Stromverbrauch beim Kühlen im Sommer deutlich“, erklärt Schick. Auch finanziell lohne sich die Nutzung der Klimaanlage zum Heizen in der Regel. In einer Beispielrechnung für ein südlich ausgerichtetes 25-Quadratmeter-Zimmer kommt die Stiftung zu dem Ergebnis, dass die jährliche Ersparnis beim Heizen die Stromkosten fürs Kühlen im Sommer übersteige. Aber: Für Haushalte, deren Hauptheizung bereits eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ist, lohne das Heizen mit einer Klimaanlage eher nicht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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34 Kommentare

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  • Thomas Zwarkat

    Wir können uns jetzt alle wünschen, dass die Städte wieder grüner werden, und die Fassaden begrünt werden - aber das wird nicht kommen - weil dem Staat einfach das Geld fehlt und weil es momentan in Politikerkreisen WOK ist Nachverdichtung statt zersiedlung zu fordern. Denn Deutschland braucht mehr Wohnungen und für einen "Grünen" ist die Zersiedlung also zerstören von Feldern,Wiesen und Wald die grösste Sünde..... Also verdichten wir weiter und erhöhen die Temperatur in den Städten immer mehr - die Folge ist wir brauchen Klimaanlagen. so einfach kann man das Beschreiben... und eine Klimaanlage ist nichtsanderes als eine Wärmepumpe betrieben wird.

  • Rojas

    Klimaanlagen sind so wenig "böse" wie Heizungen "böse" sind, sondern vielmehr inzwischen auch in Mitteleuropa sinnvoll und notwendig.

    Vermutlich werden hierzulande mittelfristig bei Wohnungen von vornherein eingebaute Klimaanlagen genau so zum Standard gehören, wie ja heute schon Heizungen i.d.R. von vornherein standardmäßig eingebaut sind, denn das eine ist inzwischen so notwendig im Sommer wie das andere im Winter.

  • Achso...

    Klimanalagen sind super. Ihr schlechter Ruf kommt daher, dass sie meist nur falsch genutzt werden. Erfrischung kommt nur wenn, man auf der schwitzenden Haut einen leichten Windzug spürt. Und nicht dadurch dass man fast friert. Die Kür on Top ist dann die Entfeuchtung. Ich kenne klimatisierte Räume im Sommer von 23° und auch mehr, in denen man sich sehr wohlfühlt... Achso. Billig heizen kann man mit den Geräten auch. In der Übergangszeit holt man so locker aus 1 kWh PV-Strom locker 5kWh Heizleistung. Wärmepumpe eingebaut....

  • Volker Scheunert

    Nein, Klimaanlagen sind nicht böse - sie können kurzfristige Linderung der Probleme (speziell in Krankenhäusern und Altenheimen) bringen. Aber sie behandeln letztlich nur Symptome, tun nichts gegen das eigentliche Problem und heizen Im Gegenteil die Außentemperatur weiter auf.



    Wichtiger: Begrünung und Entsiegelung - und der richtige Umgang mit der Hitze (Schatten suchen, viel trinken, körperliche Anstrengung vermeiden)...

    • Martin Rees

      @Volker Scheunert:

      Anschließe mich, der Umbau der Städte ist dringlich, dazu braucht es Pläne und eine Finanzierung.



      Eine Priorisierung tut not.



      www.tagesschau.de/...imaschutz-100.html



      Die bereits bestehenden Regelungen und Vorschriften müssen auch kontrolliert werden.

  • mwinkl02

    Eine prima Zusammenfassung! Glückwunsch. Alles Richtig. Als ehemaliger Energieberater rate ich zu Modellen mit Propan als Kältemittel. Alles andere ist aus heutiger Sicht einfach Mist. Besonders, sollte in 10 Jahren Mal einmal Kältemittel nachgefüllt werden müssen.

  • Sisone

    Ich habe mal die KI rechnen lassen:







    Die jährliche CO2-Verursachung einer Heizung für eine 70m2-Wohnung liegt bei rund 1.680 kg CO₂.

    Die jährliche CO2-Verursachung einer Klimaanlage für eine 70m2-Wohnung, die natürlich nur im Sommer läuft (Zeit des besten Strommixes mit rund 70% erneuerbarer Energie!) und bei Hitzewellen (großzügig: 30 Tage im Jahr) die Wohnung um 5 Grad abkühlt, liegt bei rund 62 kg CO₂.







    Im Winter konsequent um 1 Grad weniger heizen, spart übrigens rund 120 kg CO₂.







    Also ja, Klimaanlagen haben natürlich auch eine CO2-Bilanz.



    Aber komplett verteufeln muss man Sie nicht.

  • Martin Rees

    Technikanlage und 'böse'?



    Das benutze ich allenfalls im Zusammenhang mit einem Krieg und seiner Planung!



    Morgen ist Gedenktag Nagasaki, da wäre "böse" eine denkbare Kategorie für die Plutonium-Bombe im Einsatz für Imperialismus.



    Ansonsten ist nicht die Technik das Problem...



    Die Anwender:innen schaffen die Schieflagen und die Fehlnutzung der Technik.

  • Axel Schäfer

    Das mit der niedrigen Luftfeuchtigkeit ist doch der Clou daran, wenn hier nach einem der Sommergewitter oder einfach so nachts noch eine Luftfeuchtigkeit von 80+% herrscht bei Temperaturen von 25-30 Grad, da kann man kaum schlafen, aber wenn man mit der Klimaanlage auch nur ein zwei Grad runterkühlt und dabei die Luftfeuchtigkeit auf 30-40 % runtergeht ist das schon viel angenehmer und gesünder.

    Das mit den Installationskosten kann man bei seriösen Firmen auch durch Eigenleistung reduzieren, Löcher bohren, Konsolen anschrauben, Kabel und Kabelkanäle (auch als Rohrtrasse) kann man auch schon selbst vorbereiten.

  • Griffendorff

    Aufpassen: Bei mobilen Klimaanlagen ist das Heizen - wenn überhaupt möglich - entweder nur per Heizwendel realisiert, oder nur bis zum Gefrierpunkt möglich.

  • Wasser

    Warum werden Geräte wie die midea Portasplit nicht erwähnt? Man braucht keinen Techniker etc.

    • Momo33

      @Wasser:

      Weil das wirklich Verschwendung ist.

  • Momo33

    Punkt 6 ist der wichtigste. Klimaanlagen sind Wärmepumpen. Kosten nicht 20.000 mit Förderung und können viel, eben auch mal kühlen. Auf Wärmepumpen soll umgestellt werden und die laufen dann hocheffiziente immer durch, während Klimaanlagen ganz schlimm sein sollen. Ganz schlimm ist ja auch zu viel PVStrom, wenn die Sonne scheint.

  • Ricky-13

    Klimaanlagen sind ja ganz hilfreich bei Hitze, sie erhöhen die Außentemperatur in Städten aber spürbar. Klimaanlagen erzeugen keine Kälte, sie verschieben Wärme nur von innen nach außen. Der Strom für den Kompressor wird ebenfalls in Abwärme umgewandelt und nach draußen abgegeben. Je heißer es draußen wird, desto härter müssen Klimaanlagen auch arbeiten, was noch mehr Abwärme erzeugt – also ein Teufelskreis. Klimaanlagen gehören nur in Krankenhäuser, Züge und Busse, aber nicht in jede Wohnung und jedes Haus.

    Fassadenbegrünung in Städten wäre gut, denn Pflanzen kühlen die Umgebung durch natürliche Verdunstung ab. Außerdem brauchen wir Mini-Parks, also winzige, öffentlich zugängliche Grünflächen mitten in dicht bebauten Innenstädten. Solche sogenannten "Pocket Parks" entstehen oft auf ungenutzten Restflächen, wie ehemaligen Baulücken oder ehemalige oberirdische Parkplätzen (irgendwann muss man ohnehin über ein Autoverbot in Städten nachdenken). Schon wenige Bäume und unversiegelter Boden senken die Temperatur in der direkten Umgebung spürbar.

    Die taz sollte also nicht über Klimaanlagen schreiben, sondern sich mal mehr für Fassadenbegrünung in Städten und Mini-Parks stark machen.

    • Sisone

      @Ricky-13:

      Klimaanlagen sind im Prinzip nur Wärmetauscher, was bedeutet, das keine Wärme erzeugt, sondern nur verschoben wird. Heißt, dass die Wärme aus der Wohnung in die Umgebung abgegeben wird.

      Das gleiche passiert aber auch in der nächsten Nacht beim Lüften der Wohnung: die Wärme wird nach außen abgegeben.

      Es ist also in der Bilanz egal, ob die Wärme tagsüber durch die Klimaanlage nach außen geleitet wird (also wenn man es braucht) oder erst in der Nacht, wenn man das Fenster aufmacht.

      Tatsächlich Wärme erzeugt wird dagegen durch eine Heizung. Wollen Sie da auch sagen, dass die nur in Krankenhäuser und Busse, nicht aber in Wohnungen gehören?







      Alles was Sie an sonstigen Maßnahme aufzählen, ist gut und richtig. Das eine schließt das andere aber nicht aus. Viele von den 10.000 Hitzetoten in diesem Jahr wären wahrscheinlich noch am Leben, wenn Sie sich in einer klimatisierten Umgebung hätten aufhalten können! Wie kann man da Klimaanlagen verteufeln?







      Pocket-Parks in Baulücken, der Traum vom Autoverbot und Fassadenbegrünung in 10 Jahren (kommt vielleicht, vielleicht auch nicht) hilft den jetzt und heute gefährdeten Menschen nichts!

      • Oma

        @Sisone:

        Gerade weil die Begrünung so lange braucht, sollte man sofort damit anfangen. Und nicht darauf verzichten oder auf die lange Bank schieben, weil Klimaanlagen schneller bereitgestellt werden können. Die sind nur ein Notbehelf, idealerweise nur solange im Gebrauch, bis ausreichend Grün vorhanden ist.



        Ich wohne im Grünen, vor jedem Fenster Bäume. Perfekt, ich brauche definitiv keine Klimaanlage. Und ich kann auch den täglichen Einkauf im Supermarkt und Drogeriemarkt bei 35 Grad gut zu Fuß erledigen, weil die Straßen in meiner Gegend links und rechts Bäume haben. Privilegierte Idylle. Für die Menschen, die nicht so viel Glück haben, wäre eine vernünftige Stadtplanung wirklich wichtig .

        • Sisone

          @Oma:

          "...Gerade weil die Begrünung so lange braucht, sollte man sofort damit anfangen..."







          Na dann haben Sie ja am 20.09. die Möglichkeit, genau die Partei zu wählen, die schon seit Jahren dafür eintritt.







          Aber selbst wenn (ganz großes wenn) die Grünen dann in Berlin mitregieren sollten, wird die Innenstadt nicht über Nacht zu einem begrünten Paradies. Und ob das am Ende wirklich ausreicht, dass die Mietswohnungen (nicht die Bürgersteige) sich nicht mehr so extrem aufheizen bei immer heftigeren Hitzewellen, sei ganz leise mal angezweifelt.







          Und solange Sie (und ich) in "priviligierter Idylle" leben und Stadt-Begrünung bisher nur eine Idee in weiter Ferne ist, möchte ich eigentlich nicht zu hören bekommen, dass meine alten und nicht mehr fitten Eltern die über 30 Grad (nachts) in Ihrer Wohnung in der 7. Etage unterm Dach bei Hitzewellen wie der letzten einfach hinnehmen müssen, bis sie eingehen.







          Erträgliche Temperaturen in der Wohnung sind existentiell! Im Gegensatz zu Autos mit 12-Liter-Verbrauch, Urlaubs-Flugreisen, Golfplätze, Swimmingpools mit Gegenstromanlage, Osterfeuer, Selbstfindung auf Bali und Nordkap-Kreuzfahrt usw.







          Nur wer da ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein...

    • Axel Berger

      @Ricky-13:

      Verschieben von innen nach außen macht keine zusätzliche Wärme. Es wird genau das nach außen geschafft, was auf anderem Weg von außen nach innen zurückströmt. Der Stromverbrauch wird vollständig in Wärme gewandelt, das stimmt. Er soll aber ohnehin bei guten Anlagen möglichst kein bleiben. Ein Solarpanel absorbiert fast genau gleich viel Einstrahlung wie ein Dach ohne. Der in Strom umgewandelte Anteil wird im Panel nicht in Wärme gewandelt. Bei Solarstrom ist die Summe der Erwärmung demnach nahe null.

      • Ricky-13

        @Axel Berger:

        Das mag alles richtig sein - auch das was Sisone schreibt - die Begrünung von Städten ist langfristig aber dennoch der deutlich bessere und nachhaltigere Weg. Mir kommt es auch wieder so vor, als ob man den Klimawandel mit noch mehr Technik bekämpfen will, aber das Problem damit nur noch verschlimmert.

        Obwohl die Begrünung oberste Priorität haben sollte, weiß ich natürlich auch, dass sich der urbane Raum nicht von heute auf morgen komplett in "grüne Oasen" umbauen lässt. Vor allem bei extremen, tagelangen Hitzewellen kühlen ein paar Pflanzen kaum noch die Umgebung ab, besonders wenn die Böden ausgetrocknet sind. Für vulnerable Gruppen wie ältere Leute, Kranke oder Menschen in Pflegeheimen und Krankenhäusern bleiben deshalb hocheffiziente Klimaanlagen natürlich lebensnotwendig.

        Wie sich das alles entwickeln wird, kann ja noch keiner vorhersagen, dass es aber nicht einfach wird, ist jetzt schon abzusehen. Ich wollte die Klimaanlagen auch nicht verteufeln, sondern mit der Fassaden- und Dachbegrünung und den "Pocket Parks" (mit Bäumen) nur einen kurzen Denkanstoß geben, dass flächendeckende Klimaanlagen den Klimawandel - der immer mehr Hitze bringt - auf Dauer nicht besiegen werden.

        • Axel Berger

          @Ricky-13:

          Ihre Sicht auf die Mehrheit teile ich mit großem Bedauern. Hier in Köln wird schleichend der Adenauersche Grüngürtel versiegelt. Was mir auffällt ist auch der Vergleich dieses Jahres mit den zehn Jahren davor. Ja, es ist heiß. An der Wetterstation im weitläufigen und unveränderten Umfeld des Flughafens war 2026 aber nicht außergewöhnlich und ohne die besonders belastenden Nächte ohne Abkühlung. Die besondere Spitze tritt hier in der bebauten Stadt auf. (Meine eigene Meßreihe umfaßt hier bisher nur wenige Jahre.) Das ist lokaler Klimawandel und der ist ganz ohne jeden Zweifel und ohne Einschränkung menschengemacht. Ihre Ziele teile und vertrete ich uneingeschränkt. Dazu gehören auch die rücksichtslos zertrampelten kleinen Grünflächen, die nichts als nackten Erde und Schotter zeigen. Sind etwas Anstand und drei Meter "Umweg" wirklich unzumutbar? Dazu kommt der hier zum Modehype gewordene Baumfrevel aus blinder Zerstörungswut. Pocket Parks in Köln wären, fürchte ich, zum Scheitern verurteilt.

      • Gerald Müller

        @Axel Berger:

        Stimmt nicht ganz. Die vom Wärmetauscher abgegebene thermische Energie muss natürlich eine höhere Temperatur haben als die Aussenluft um einen Wärmeübergang zu erlauben. Das heisst, die Umgebung wird aufgeheizt.



        Ein Solarpanel absorbiert 80 bis 90% der Sonennergie, davon werden 15 - 20% in Strom umgewandelt, der Rest wird als Wärme auf der anderen Seite des Panels wieder abegeben, was die Umgebung erhitzt. Und durch die Erhitzung sinkt der Wirkungsgard des Solarpanel. Wenn man sein Dach (ohne solarpanels) weiss streichen würde, würden 90% der Sonnenenergie reflektiert und zurück ins All gehen und die Umgebung also weniger erhitzt werden.



        Abgesehen davon bin ich absolut für mehr Bäume, Miniparks und Begrünung. "Nachverdichtung" was ja jetzt oft gemacht wird erhöht dagegen die Innenstadttemperaturen und sollte nicht erlaubt werden. Am Ende sollte auch die Stadtplanung Schneisen für die Belüftung der Innenstädte schaffen. Das war Ende des 19. Jhdts üblich, scheint aber vergessen worden zu sein.

        • Axel Berger

          @Gerald Müller:

          Temperatur ist keine Erhaltungsgröße, Wärme (= Energie) aber schon. Natürlich wird es da, wo Wärme hingeschafft wird, punktuell heißer. Die Bilanz bleibt.



          Ihre anderen Zahlen scheinen mir etwas übertrieben, aber die Tendenz stimmt. Warum dann schimpfen über Klimaanlagen alle und über Solarpanels niemand? Die vorurteilsgetriebene Aufteilung der Welt und der Technik in gut und böse funktioniert so einfach nicht. Man muß, wie Sie, genauer hinsehen.

  • Sisone

    Klimaanlage sind technische Geräte und daher weder gut noch böse.







    Seit ich während der letzten Hitzewelle meine alten Eltern aus Ihrer Hochhauswohnung (oberstes Stockwerk) evakuiert habe, weil es in deren Wohnung nicht mehr auszuhalten war, um Sie bei mir im Haus im Keller übernachten zu lassen, weiß ich, dass Klimaanlagen manchmal vor allen Dingen eins sind: notwendig!







    Und ja, unter Umweltaspekten betrachtet, haben Klimaanlagen ganz klar Ihre Nachteile. Aber niemand würde auf die Idee kommen, Wohnungen ohne Heizungen zu bauen, weil auch die klimaschädlich sind.

    • Ohne_Mitte_geht_nix

      @Sisone:

      Kann ich nur bestätigen....und wir sind mit unserer mobilen Klimaanlage auch sehr zufrieden.

  • Axel Berger

    Klimaanlagen machen Luft nicht per se trocken. Im Gegenteil. Durch Abkühlen steigt die relative Feuchte stark an bis über 100 % mit Kondenswasser und Schimmel. Das Problem ist aus kühlen Kellern wohlbekannt. Deshalb haben Klimaanlagen eine zusätzliche Trocknung integriert, Bei deren Einstellung und Auslegung kann man es übertreiben -- trockene Luft steigert die Wirksamkeit des Schwitzens und der Körperregulation sehr -- man muß aber nicht.



    Billige Primitivgeräte mit Verdunstung können wirksam sein. In den heißen Tagen nach der Geburt meiner Tochter habe ich feuchte Lappen aufgehängt und mit einem Ventilator angeblasen. In Schlagzimmer wurde es für Mutter und Kind sehr viel angenehmer dadurch. Die Luft sollte natürlich nicht schön vorher feucht sein.

  • Deep South

    Mal ein Mythencheck zum Mythencheck.

    "Ein Monoblockgerät mit Schlauch tut’s auch"

    Natürlich tuts das auch. Was die Stift. Warentest da raushaut ist Unsinn, die Franzosen haben Recht. Es gibt Geräte, die haben eine Dichtung um den Schlauch. Reicht völlig aus, um einen Raum gerade zum Schlafen um 10 Grad runterzukühlen. Ein paar Stunden vor dem Schlafen einschalten. Das Ergebnis ist absolut ausreichend. Es sei denn ,man will das Vollprogramm, eine komplett klimatiserte Wohnung, auch tagsüber. Aber braucht das jeder, unbedingt?

    " Klimaanlagen sind heute schon billig zu haben"

    Natürlich sind sie das. Unsere hat etwa 500 Euro gekostet. Macht absolut was sie soll, das Schlafzimmer abkühlen. Okay, sie könnte leiser sein. Aber für wenig Geld kann man nicht alles haben. Meine Eltern haben sich vor ein paar Jahren eins für 350 bei OBI (!) gekauft. Ich war mehr als skeptisch, aber auch das Ding funktioniert.

    "Man braucht sie nur ein paar Wochen im Jahr"

    Stimmt. Man brauchts meist sogar nur ein paar Tage im Jahr. Im Schnitt gibt es 12 Tage im Jahr mit über 30 Grad. Sicher ist eine solarbetriebene, festverbaute KA besser. Mit Einbau aber für viele nicht bezahlbar oder umsetzber.

  • fly

    Ach, die Kriminellen sind die Anbieter in Nepp-shops, aka Fake-shops. Immerhin bekommt man ein Gerät, welches auch etwas kühlt durch Ventilator und Feuchtigkeit.



    Bei dem Aufmacher „Kriminelle“ hätte es auch sein können, das Einbrecher Splitanlagen begrüßen, weil man darüber hoch klettern kann oder Saboteure, die die Leitungen kappen damit es außen nicht wärmer wird.

  • Troll Eulenspiegel

    Habt ihr schonmal was von der Kühlgrenztemperatur gehört? Ne irrsinnig komplizierte Formel,aber im Grunde eine Funktion in Abhängigkeit der Außentemperatur und der Luftfeuchtigkeit. Kurz: 45°C 5% Luftfeuchtigkeit, aushaltbar; 45°C und 90% Luftfeuchtigkeit, maximal eine halbe Stunde wie im Dampfbad. Wird eine Kühlgrenztemperatur von 37°C überschritten,kann der Körper sich nicht mehr über den Schweiß abkühlen.Die Folge: Hitzestau in Körper, im schlimmsten Fall Ohnmacht und Tod.

    Was das nun mit Klimaanlagen zu tun hat? Wenn jeder Einwohner der ersten Welt vor lauter Wohlstand eine Klimaanlage zulegen will, wird jedes Gerät im Prinzip des Wärmetauschers Wärme an die Umgebung abgeben. Das erhöht dem CO2-Gehalt und die Außentemperatur. Wir sehen derzeit in Indien,Bangladesh und Indonesien,was passiert,wenn jeder in der 2. Welt, also nicht so wohlhabend, eine Klimaanlage besitzen muss: Außentemperaturen von weit über 40°C die Luftfeuchtigkeit weit über 50 bis zu nahezu 100%,wodurch Klimaanlagen nicht mehr ordentlich kühlen können.Die Kühlgrenztemperatur steigt so unweigerlich über 37°C.

    Wenn wir also weitermachen (WIRTSCHAFT!!) wird uns dasselbe Schiksal ereilen. Daher: Klimaanlage NEIN

    • Oma

      @Troll Eulenspiegel:

      Internet belastet das Klima auch. Verzichten Sie darauf?

    • Furth im Wald

      @Troll Eulenspiegel:

      hilft aber alles nix wenn die leute einen zufluchtsort brauchen an dem es für sie erträglich ist. Denen dürfte die Kühlgrenztemperatur schnuppe sein.



      Wir heizen im Winter trotz CO2 ja auch um es erträglich zu haben.

      • Troll Eulenspiegel

        @Furth im Wald:

        Wenn es denen Schnuppe sein soll, tja... dann werden wir alle leiden.

        Irgendwann kommt einfach eine Temperatur und eine Luftfeuchtigkeit in Kombination, in der eine Klimaanlage nicht mehr kühlen kann. Wie soll das auch funktionieren bei nahezu 100% Luftfeuchtigkeit, wie in den Tropen? Super, der Raum wurde von 90% auf 80% gesenkt, die Luft außerhalb der Klimaanlage ist übersättigt mit Wasser. Super.

        Der beste Weg ist es gewesen, einfach niemals ökonomisch zu wachsen. Der Club of Rome wusste das damals schon. Nun brauchen wir die Klimatisierung nahezu überall, zu Lasten des Klimas.

        • maestroblanco

          @Troll Eulenspiegel:

          Klimaanlagen: unbedingt. Wir müssen uns daran gewöhnen, neben Heizen im Winter nun im Sommer zu kühlen. Sei´s drum. 38 Grad in der Wohnung oder im Haus sind keine Alternative!

          Seit wir eine Klimaanlage haben geht es uns allen gut, wir können gut arbeiten im Homeoffice und die Kinder sind nicht zu schlapp für Hausaufgaben. Und meine betagte Mutter kommt zu uns und fühlt sich wohl.

    • Thomas Westhoff

      @Troll Eulenspiegel:

      Ach so, das Klima in den Tropen liegt an der Nutzung von Klimaanlagen in den Industrieländern. Da wird dann aber doch einiges außer Acht gelassen.



      Was mir fehlt, ist die Nutzung von Klimaanlagen möglichst mit PV zu verbinden, auch ein Balkonkraftwerk unterstützt hier schon ganz ordentlich.

    • Sisone

      @Troll Eulenspiegel:

      Zum einen kann also die Anschaffung einer Klimaanlage hier in der Wohlstandswelt nicht unerschwinglich sein, wenn selbst in der "2. Welt" sich jeder zweite eine leisten kann.

      Zum anderen kann den Slogan "Klimaanlage: Nein!" nur jemand raushauen, der nicht gefährdet ist, bei der nächsten Hitzewelle bei 32° in der Wohnung (nachts!) einzugehen; und zwar genau so, wie Sie es beschrieben haben: " Hitzestau in Körper, im schlimmsten Fall Ohnmacht und Tod."

      Zum dritten bin ich mir sicher, dass in Deutschland um den Faktor zig mehr CO2 produziert und Wärme an die Umgebung abgegeben wird durch stinknormale Heizungen.



      Unterstützen Sie auch die Kampagne "Heizungen: Nein!"?



      Ist der Hitzetod weniger schlimm als Erfrieren?







      Auch wenn man natürlich alles menschenmögliche gegen den Klimawandel einsetzen muss, kann man auf dem Weg dahin nicht einfach die schwächten Menschen sterben lassen.







      Erzählen Sie doch mal der 80jährigen herzinsuffizienten Diabetikerin, dass Sie sich keine Klimaanlage einbauen lassen darf aus Umweltschutzgründen, während sich 22 Millionen Deutsche jedes Jahr in ein CO2-Flugzeug setzen, um eine Woche Malle oder Malediven zu genießen.



      Klimatisiertes Hotel natürlich.