Klima und Ableismus : Nicht alle trifft die Hitze gleich
Bei der Debatte um Schutzmaßnahmen bleiben Menschen mit Behinderungen oft außen vor. Dabei sind gerade sie auf barrierefreie Kühlräume angewiesen.
Foto: Paco Freire/Zuma Wire/imago
H itzewellen wirken sich nicht auf alle behinderten Menschen gleich aus. Bei Menschen mit Multipler Sklerose kann die Wärmeregulation des Körpers gestört sein. Menschen mit Gehbehinderungen müssen im Alltag mehr Kraft aufwenden, um sich im öffentlichen Raum zu bewegen. Das erhöht das Risiko, einen Hitzschlag zu bekommen. Oder Informationen sind nicht barrierefrei verfügbar und Schutzmaßnahmen können deshalb nicht ergriffen werden.
Allgemein sind die Kenntnisse über die Lebenswelten behinderter Menschen eher dürftig. Und doch gibt es Ansätze für effektiven Hitzeschutz. In vielen Ländern werden insbesondere in Großstädten vermehrt Kühlräume angeboten. In Spanien oder Italien werden die Räume auch von kulturellen Angeboten wie einem Museumsbesuch oder Kinovorstellungen begleitet. Bologna bietet auf vorherige Nachfrage auch Assistenz vor Ort an.
All das bringt allerdings nur kurzfristig Abhilfe, da die Menschen spätestens abends wieder in ihre überhitzten Wohnungen zurückkehren. Die Anforderungen an Barrierefreiheit müssen hoch sein, um möglichst allen Menschen mit verschiedenen Behinderungen gerecht zu werden. Oft wird schon der Weg zum Kühlraum für Menschen mit Körperbehinderung zur Hürde. Das wirft die Frage nach Verteilungsgerechtigkeit auf: Wer muss unbedingt Kühlung in den eigenen vier Wänden erhalten?
Nicht alle Menschen mit Behinderungen haben die Möglichkeit, ihre Wohnungen zu verlassen, um einen Kühlraum aufzusuchen. Eine Klimaanlage ist hier unumgänglich. Wir müssen gemeinsam diskutieren, wie inklusive Stadtplanung mit Grünanlagen und Wasserflächen stets mit Barrierefreiheit verbunden werden kann, um ein Leben für alle zu ermöglichen.
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Derartige Debatten werden überwiegend ohne Input von den Menschen geführt, die es betrifft. Sie reden nicht mit, wenn über ihre Lebenswelten entschieden wird. Dabei wäre der effektivste Schutz für sie, wenn die Menschen mit Behinderungen Teil der politischen Debatte über Hitzeschutz wären und ihre Ideen aktiv einbringen könnten.
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