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Was bringt eine Klimaanlage?Uncool

Wegen der Hitze denken gerade viele über die Anschaffung einer Klimaanlage nach. Wir denken die Idee mal zu Ende.

Es gibt immer noch Leute, die sich ein Dachgeschoss kaufen, um darin ihr Leben zu verbringen. Wenn sie in 20 Jahren den Kredit abgezahlt haben, wird ihre Immobilie nur noch halb so viel wert sein. Die Wissenschaft warnt, ohne wirksamen Klimaschutz wird Mitte des Jahrhunderts das, was uns heute extrem erscheint, das neue Normal. Im Dachgeschoss ist es aber jetzt schon oft unerträglich. Und Klimaschutz, dem man das Prädikat „bemüht“ verleihen könnte, ist bei dieser Regierung nicht zu erkennen.

Im Mai 34 Grad im Schatten, das war hierzulande lange so undenkbar wie tropische Nächte in Bremen. Als „Tropennächte“ werden solche bezeichnet, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad fällt. Voriges Wochenende wurden 41,7 Grad in Ostbrandenburg gemessen – ein neuer Rekord. Weil der Begriff „heißer Tag“ nicht mehr ausreicht, haben Meteorologen den Terminus „Wüstentag“ eingeführt. Heiße Tage sind solche, an denen die Temperatur die 30-Grad-Marke überschreitet, als Wüstentag werden die bezeichnet, die wärmer als 35 Grad werden.

Bauvorschriften kennen weder Tropennächte noch Wüstentage. Die alten Vorgaben zu Dämmmaterial, Dämmstärke oder Fußbodenisolation sehen noch keinen Klimawandel vor. Gab es in den 1950er Jahren im Schnitt 3 „heiße Tage“ pro Jahr, sind es inzwischen 12, im Rekordjahr 2018 waren es sogar 20. Kleine Fenster, Fensterläden, viel Schatten – Städte, die mit Hitzeerfahrungen gebaut wurden, sehen anders aus.

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Natürlich könnte sich jemand, der sich ein Dachgeschoss leisten kann, auch eine Klimaanlage anschaffen. Sogenannte Split-Anlagen, die außen am Haus montiert werden, gibt es mit Montage ab 10.000 Euro. Allerdings mindert die gekühlte Luft den Wohnkomfort, wie Studien ergaben. Büroangestellte, die in Gebäuden mit Klimaanlagen arbeiten, berichten häufiger von Beschwerden als jene, die in Gebäuden mit natürlicher Lüftung arbeiten. Zu den Symptomen zählen Reizungen der Schleimhäute, Kopfschmerzen und Müdigkeit.

Es gibt klimafreundliche Alternativen

Zudem müssen die Klimaanlagen richtig ausgelegt sein, wie das Beispiel Bahn zeigt: Während der Hitzewelle im Juli 2010 schalteten sich die Anlagen in Dutzenden ICEs und ICs wegen Überlastung ab, teils in einzelnen Wagen, teils im ganzen Zug. Fahrgäste kollabierten. Mit viel Aufwand wurden danach die Klimaanlagen gewartet und nachgerüstet. Dennoch gab es wieder Ausfälle. Als Reaktion – und Vorsorge für künftige Hitzewellen – legte die Bahn die Klimaanlagen ihrer ICE 4 neu aus. Waren sie bis dahin gemäß der Bahn-Norm für Mitteleuropa konstruiert, also für Spitzentemperaturen von 32 Grad, galt nun die Norm für Südeuropa, bei der Temperaturen von 40 Grad im Schatten einkalkuliert sind.

Bislang sind Kühl- und Klimaanlagen vor allem in der Wirtschaft, in Bürogebäuden oder Einkaufszentren verbreitet, aber kaum im privaten Bereich. In ganz Europa, inklusive der heißen Mittelmeerländer, verfügen 5 Prozent aller Privathaushalte über eine Klimaanlage. In den USA sind es 65 Prozent, in Japan 85. Auch bei Gewerbebauten liegt der Anteil in Europa mit 27 Prozent weit unter dem der USA oder Japans. Europa wird sicherlich nachrüsten, in Krankenhäusern und Altenheimen, auch in Schulen, Kitas und mehr Büros.

Und wohl auch in Wohnungen. „Bisher sind private Klimaanlagen in Deutschland ja fast ein ökologisches No-No“, sagt Almut Kirchner, Direktorin beim Beratungsunternehmen Prognos in Basel. „Aber das wird sich deutlich ändern, gerade angesichts der alternden Bevölkerung.“ Sie rechnet damit, dass in Deutschland 2050 bereits 20 Prozent der Wohnflächen klimatisiert sind.

Andererseits verschärft das Kühlen von Gebäuden das Klimaproblem: 6 Prozent des gesamten erzeugten Stroms werden in den USA für Klimaanlagen verbraucht. So lange der Strom fossil erzeugt wird, heizt die Kühlung die Erderwärmung weiter an. Das wird auch hierzulande Thema: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will neue Gaskraftwerke bauen, die wenigstens 20 Jahre Fossilstrom liefern.

Dabei gibt es klimafreundliche Alternativen. Die einfachste: eine Klimaanlage mit Strom aus einer Photovoltaikanlage betreiben, zum Beispiel mit einem Balkonkraftwerk. Mittlerweile gibt es aber auch Solarthermie-Anlagen und Wärmepumpen, die kühlen können.

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