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Spanien plant Social-Media-MindestalterSchutz gegen Manipulation und Verrohung

Reiner Wandler

Kommentar von

Reiner Wandler

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will ein Social-Media-Verbot für alle unter 16 Jahren einführen – ein notwendiger Schritt.

Ein 12-jähriger Junge spielt vor einer Schule in Barcelona mit seinem Handy Foto: Emilio Morenatti/associated press/picture alliance

D er spanische Premier Pedro Sánchez will ein Mindestalter für soziale Medien einführen, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der Plattformen zu schützen. Tech-Bros wie der X-Besitzer Elon Musk und Telegram-Gründer Pavel Durov reagierten prompt, nannten den Spanier einen „Tyrannen“, „Faschisten“, „Verräter“ und sein Vorhaben eine „Gefahr für die Freiheit“.

Es mutet schon eigenartig an, wenn solche Vorwürfe von den Besitzern der sozialen Netzwerke und Plattformen kommen und sich gegen diejenigen richten, die überlegen, wie Minderjährige vor der Manipulation durch Algorithmen geschützt werden können. Menschen wie Musk oder Durov geben vor, zum Wohle eines hehren Zieles – der Freiheit aller – zu handeln. Sie benutzen Begriffe wie Freiheit und geben ihnen eine ganz neue Bedeutung. Neusprech würde dies bei George Orwell heißen.

Netzwerken ausgesetzt zu sein, die bereits von Kindesbeinen an ein genaues Profil von jedem erstellen, per Algorithmen Vorurteile bestätigen, politische Meinungen durch erfundene „Wahrheiten“ bilden, Hass verstärken sowie Depressionen und andere psychologische Probleme vertiefen – das ist keine Freiheit. Das mag gut sein fürs Geschäft der Herren Musk und Co. Für die persönliche Entwicklung hin zum kritischen, toleranten, demokratisch denkenden Bürger ist es das sicher nicht.

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Nicht umsonst unterstützen die Besitzer der großen Plattformen autoritäre Politiker wie Donald Trump und protegieren Parteien wie Vox oder die AfD. Die Tech-Bros glauben sich so mächtig, dass sie gewählte Politiker beleidigen und ihre Nutzer gegen demokratische Regierungen aufbringen können.

Dieser nur durch den eigenen Reichtum und die Kontrolle über das Internet legitimierte Machtanspruch muss gestoppt werden. Australien, Frankreich und jetzt auch Spanien sind auf dem richtigen Weg. Den Plattformen und Netzwerken müssen gesetzliche Grenzen gesetzt werden, wenn wir nicht wollen, dass unsere Gesellschaften völlig verrohen, vollständig manipuliert werden und der Wunsch nach gleichen Rechten für alle bald Geschichte ist. Das schwächste Glied in der Kette sind die Kinder und Jugendlichen. Deshalb brauchen sie ganz besonderen Schutz.

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Reiner Wandler
Auslandskorrespondent Spanien
Reiner Wandler wurde 1963 in Haueneberstein, einem Dorf, das heute zum "heilen Weltstädtchen" Baden-Baden gehört, geboren. Dort machte er während der Gymnasialzeit seine ersten Gehversuche im Journalismus als Redakteur einer alternativen Stadtzeitung, sowie als freier Autor verschiedener alternativen Publikationen. Nach dem Abitur zog es ihn in eine rauere aber auch ehrlichere Stadt, nach Mannheim. Hier machte er eine Lehre als Maschinenschlosser, bevor er ein Studium in Spanisch und Politikwissenschaften aufnahm. 1992 kam er mit einem Stipendium nach Madrid. Ein halbes Jahr später schickte er seinen ersten Korrespondentenbericht nach Berlin. 1996 weitete sich das Berichtsgebiet auf die Länder Nordafrikas sowie Richtung Portugal aus.
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10 Kommentare

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  • Ok, also anstelle gegen die Musks & Co vorzugehen nimmt man also Kindern und Jugendlichen Vernetzungsmöglichkeiten in der Peergruppe. Kann man so machen, da weiß man aber auch wo diejenigen stehen.

    Übrigens, wie will man sicher 15 von 16 Jährige unterscheiden? Na mit elektronischer ID. Wird dann für Alle eingeführt (in Australien wird genau das gerade gepusht & die EU hat da auch mehrere Dinge in Vorbereitung). Da kann nach ein paar Jahren (wenn es alle aus Gewohnheit nutzen / Alternativen verboten sind) die Regierung schön automatisiert nachverfolgen wer abweichende Meinung hat und nicht sofort jubelt wenn unsere Vordenker sich mal wieder was ausgedacht haben, bewährte Salamitaktik.

    BTW Spanien und Internet ist jetzt auch nicht soo eine Erfolgsgeschichte. Von merkwürdiger Linkgesetzgebung / "Leistungsschutz"recht:



    taz.de/Leistungssc...-Spanien/!5036700/

    bis hin zu im Internet (nicht so bei Regierung und König) beliebten Musikschaffenden - ohne Internet wäre er nicht so bekannt worden (Thema regierungsfreundlicher / Jugend ignorierender Rundfunk vs. Meinungsfreiheit via Internet): taz.de/Inhaftierun...-Rappers/!5750181/

  • Aus Australien ist zu hören, daß seit dem Social Media Verbot wieder mehr Kids Bücher lesen..sich also wieder viel intensiver in Thematiken aller art hinein denken, als es Social Media "erlaubt".







    Was ein Hinweis auf die grundsätzliche Bedeutung dieses Themas darstellt. Denn wer sich nur noch mit kurzen "Informationsschnipseln" beschäftigt verliert die *Tiefe des Denkens*.



    Und das ist ein geradezu existenzielles Problem aller modernen sog. "Informationsgesellschaften", die uns mit immer mehr "Information" von außen überfluten und dabei teilweise manipulieren. Besonders wenn dann auch noch KI ins Spiel kommt und einem das eigene Denken teilweise abnimmt.



    Ein Weiser Ausspruch lautet: "Cogito ergo sum" - "ich denke also bin ich". Wenn wir also der KI erlauben für uns zu denken..wer sind wir dann noch.??







    Offensichtlich ist dasThema noch weit größer und betrifft auch keineswegs nur Heranwachsende. Von daher kann ein Social Media Verbot für Schutzbedürftige Kids auch nur der Anfang sein.



    Wir alle sind heraus gefordert uns zu wappnen und einen sinnvollen Umgang mit den neuen Medien zu finden..was auch eine ganze Reihe sinnvoller Regularien beinhalten muss..

  • Langfristig werden die Plattform-Betreiber sich die Hände reiben, dass sie von ihren (erwachsenen) Kunden auch noch staatlich zertifizierte Identifikationen bekommen.

  • Alle unter 16 und alle über 65 bitte, ich hab genug von Boomern die mir irgendwelchen Blödsinn erzählen weil sie ein KI generiertes Video über Außerirdische, Israel, Ukraine, Trump oder sonst was gesehen haben.

  • Yep.! ..es funktioniert in Australien..es wird auch Spanien und Frankreich funktionieren.







    Wie siehts hier zu Lande aus.? Wann kommt das Social Media Verbot für unter 16 jährige in D-Land.??

  • Ich freue mich immer wieder, wenn in unseren europäischen Nachbarländern fortschrittliche Politik gemacht wird.



    Wärmewende in Dänemark, Tempo 30 in Paris, Gleichberechtigung in Schweden und nun dieser mutige Schritt in Spanien, uvam. Gerne mehr davon!



    Schade das Deutschland hier nicht nur nicht vorangeht, sondern immer wieder gemeinsam mit anderen reaktionären Staaten ein starkes, lebenswertes und liberales Europa verhindern will.

    Aber selbst wenn Deutschland viele EU-Reformen und fortschrittliche EU-Regulierungen zT erst mit jahrzehntelanger Verzögerung umsetzt: Die EU wirkt am Ende belebend auf unser rückständiges Land.

  • Sehr guter Kommentar, meiner Meinung nach.



    Was ist denn hierzulande politisch angedacht? Vermutlich nix, oder?

  • Wundert es wirklich jemanden, dass die Tech-Bros Zeter und Modio schreien ?



    Haben es doch eben diese Schreihälse jahrelang vermieden Hetze, Lug und Trug einzudämmen.

    Ganz im Gegenteil: Da gerade Hetze und hochkochende Emotionen den Umsatz auf den Plattformen beflügeln ist das wichtiger Teil des Geschäftsmodells !

  • Die über 65 Jährigen sind hier auch sehr anfällig für Fake News und Informationen die aus nur einer Blase kommen. Die sollten gleich beim Verbot berücksichtigt werden

  • Die über 65 Jährigen sind hier auch stark gefährdet, für die sollten wir das Verbot gleich mitumsetzen!