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Oberbürgermeisterwahl in SachsenFast hätte die Neonazi-Partei gewonnen

In Aue-Bad Schlema hat der CDU-Kandidat Marcus Hoffmann mit einem hauchdünnen Vorsprung die OB-Wahl gewonnen. Sein Rivale, der Neonazi Stefan Hartung, bekam mehr Stimmen als zuvor.

David Muschenich

Aus Leipzig

David Muschenich

Circa 500 Stimmen – größer ist der Vorsprung von Marcus Hoffmann (CDU) am Sonntagabend nicht. Laut dem vorläufigen Ergebnis des zweiten Wahlgangs reicht es für das Amt des Oberbürgermeisters von Aue-Bad Schlema. Doch obwohl der andere Kandidat, Stefan Hartung, als führendes Mitglied der Neonazi-Partei Freie Sachsen bekannt ist, bekam er 47,3 Prozent der Stimmen in der Stadt im Erzgebirge. Das liegt vor allem an seiner Person, sagt aber auch etwas über die politische Entwicklung der Region.

Nachdem die Wahllokale um 18 Uhr geschlossen hatten und die ersten Ergebnisse eingetrudelt waren, lag Hartung sogar noch vorne. Zum Beispiel das Teilergebnis aus Wahlraum 1: 182 Stimmen für den CDU-Kandidaten, 183 Stimmen für den Freien Sachsen. Teilergebnis aus Wahlraum 5: 128 Stimmen für den CDU-Kandidaten, 172 Stimmen für den Freien Sachsen. So las es sich etwa beim Live-Ticker bei der lokalen Freien Presse.

Erst die Briefwahlkreise brachten eindeutige Ergebnisse für Marcus Hoffmann. Am Ende bekam er 52,7 Prozent, so das vorläufige Wahlergebnis. Bei einer Wahlbeteiligung von 61,7 Prozent entspricht das in etwa 5.000 Stimmen, mehr als doppelt so viele wie im ersten Wahlgang vor einem Monat. Allerdings: Auch Stefan Hartung hat rund 1.800 Stimmen hinzugewonnen.

Im ersten Wahlgang hatten noch drei andere Parteien Kandidaten aufgestellt: die Freien Wähler, die Linken und die AfD. Tony Neuß (Linke) hatte nach seinem Rückzug dazu aufgerufen, den CDU-Kandidaten Hoffmann zu wählen. Danny Weber (Freie Wähler) und Lars Bochmann (AfD) gaben keine Wahlempfehlung ab. Jedoch grenzte sich Weber deutlich von Stefan Hartung und dessen Neonazi-Partei ab. Der AfDler Bochmann rief lediglich dazu auf, auch im zweiten Wahlgang zur Urne zu gehen.

Knappes Wahlergebnis in Aue-Bad Schlema

Von welchem der drei zurückgetretenen Kandidaten nun die Stimmen zu Hartung oder Hoffmann gewandert sind, lässt sich nicht sagen. Eine Wahlnachbefragung gibt es nicht. Auffällig ist, dass AfD-Kandidat Bochmann 1.726 Stimmen bekam und Stefan Hartung etwa in dieser Höhe hinzugewonnen hat.

Dass Hartung im ersten Wahlgang mit 29 Prozent den höchsten Stimmanteil bekam, sorgte bundesweit für mediale Aufmerksamkeit. Warum wählen in Aue-Bad Schlema so viele Menschen einen Mann, der seit Jahren bei Neonazi-Parteien aktiv ist?

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In der Erzgebirgsstadt in Sachsen leben keine 20.000 Menschen. Überregional ist sie für ihren Fußballverein Erzgebirge Aue, Schwibbögen und die lange Bergbautradition bekannt. Innerhalb Aue-Bad Schlemas ist Stefan Hartung so etwas wie ein Politik-Promi.

Es war die dritte Bürgermeisterwahl, bei der er angetreten ist. Beim vorherigen Versuch, 2019, bekam er als NPD-Kandidat rund 18 Prozent der Stimmen. Zudem sitzt Hartung seit 2014 im Kreistag und ist seit der Zusammenlegung von Aue und Bad Schlema auch im Stadtrat vertreten. Ein beachtliches Engagement für einen, der die Bundesrepublik für eine „Fassadendemokratie“ hält.

Der 37-Jährige ist heute stellvertretender Vorsitzender bei den Freien Sachsen und gleichzeitig Beisitzer im Landesvorstand der Partei Die Heimat, der umbenannten NPD. Der Verfassungsschutzbericht Sachsen erwähnt Hartung deshalb namentlich. Die Freien Sachsen, heißt es dort, machten Geflüchtete verächtlich und bezeichneten sie pauschal als kriminell. Demokratie sei ihrer Ansicht nach überflüssig. Kurz nach ihrer Gründung 2021 mobilisierte die Partei vor allem zu Protesten gegen die Corona-Politik.

Stefan Hartung erregte schon Jahre zuvor mediale Aufmerksamkeit, als er 2013 im nahegelegenen Ort Schneeberg abendliche Fackelmärsche gegen eine Asylunterkunft organisierte. Mehr als 1.000 Menschen folgten dem Aufruf des NPD-Manns. Den Bürgermeister von damals, Frieder Stimpel (CDU), belagerte Hartung mit 50 Leuten in dessen Privathaus, wie der Spiegel später berichtete.

Dieses Jahr im Wahlkampf bemühte sich Hartung um einen seriösen Auftritt. Keine Springerstiefel, keine Reichsflaggen, keine Fackeln. Immer wieder sagte er in Kameras, er halte sich selbst für keinen Neonazi. Laut der Schweizer Tageszeitung Neue Züricher Zeitung behauptete er sogar, in seiner Zeit in der NPD sei er nie einem Neonazi begegnet.

In der Stadt warb Hartung mit vielen und großen Wahlplakaten. Die Freien Sachsen betreiben zudem zwei Kneipen und luden zum Public Viewing ein, als Erzgebirge Aue spielte. Bei Debatten verwies Hartung immer wieder auf seine jahrelange Erfahrung in der Kommunalpolitik. Gereicht hat es zwar für den ersten Wahlgang, aber am Ende nicht fürs Amt.

Landratswahl im Saalekreis

Die Entwicklung, dass rechtsextreme Parteien trotz Kontroversen bei kommunalen Wahlen viel Zustimmung bekommen, zeigte sich am Sonntag auch bei der Landratswahl im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Dort bekam der Merseburger Polizist und AfD-Kandidat Uwe Arendt im ersten Wahlgang 43 Prozent der Stimmen. Auf dem zweiten Platz landete dort ebenfalls ein CDU-Mann: für Sven Czekalla stimmten 36,6 Prozent.

Ein Erfolg für Arendt, obwohl derzeit gegen ihn ein Disziplinarverfahren läuft. Der 59-jährige Hauptkommissar hatte Wahlkampf betrieben und als DJ aufgelegt, obwohl er krankgeschrieben war. Ob der Kandidat der rechtsextremen Partei im Saalekreis am Ende auch hier verliert, wird sich am 28. Juni zeigen. Dann steht dort eine Stichwahl an.

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66 Kommentare

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  • Vor ungefähr 10 Jahren sagte jemand zu mir, er halte es für ziemlich wahrscheinlich, dass die AfD im Osten nur als Durchlauferhitzer fungiere, um noch radikaleren Kräften die Tür zu öffnen. Ich fand das damals ganz lustig.



    Aber nun gibt es erste harte Belege.

    • @Kaboom:

      Du meinst bis 2030 fällt die brandneuer zur afd, weil die parteien rechts der afd die wahre Bedrohung sind?

      Kann ja was werden

      • @Todesfister:

        Nee, das mein ich nicht.

      • @Todesfister:

        Die Frage wird dann sein, ob die Brandmauer der AfD zu rechtsextremen Gewalttätern hält...ach Moment.

  • Seit 2014 versprechen uns die " etablierten " Parteien etwas gegen die AfD - und zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung im Osten zu unternehmen, damit der Zulauf zu dieser unhumanistischen Partei abnimmt.



    Resultat = 0



    Seit 10 Jahren dürfen wir Westler zusehen wie sich die AfD den Osten zu eigen macht.



    Es ist höchste Zeit für Unternehmer aus dem Westen, in den Ortschaften und Gemeinden im Osten, zumindest Zweigstellen anzusiedeln, um dort die Leute in Beschäftigung zu bekommen. Ein nochmaliges Sofortprogramm von unserer Regierung, muss es da zusätzlich zur aktuellen



    KFW Förderung geben.



    Zudem mehr Fördergelder für Projekte zur Förderung der Demokratie bereitstellen, ansonsten macht sich unsere Regierung immer unglaubwürdiger.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Im Osten haben Sie auch Menschen, die 1991 das erste Mal mit Demokratie und Marktwirtschaft konfrontiert wurden. Jede Menge dieser Menschen wurden vom Systemwechsel völlig überrumpelt und sind schon aufgrund ihrer Vita als "Wendeverlierer" gegenüber dem "System BRD" in hohem Maße skeptisch und frustriert.

      Ob es nun die Partei, die Partei ist, die immer recht hat, oder wie einige Jahrzehnte zuvor, der Führer, ist für die im Zweifel einerlei.

      Der einzige Vorteil der Westdeutschen ist, dass die natürlich nicht minder zahlreichen Altnazis dort im Beispiel des Wirtschaftswunders selbst erlebt haben, dass Freiheit und Wohlstand auch demokratisch und marktwirtschaftlich funktionieren kann.

      Aber auch im Westen ist das staatsbürgerliche Verständnis hin zu einer allgegenwärtigen Staatsmacht, die für den Bürger alles richten soll, inzwischen gefährlich verbreitet.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Anderer Artikel aus der taz von heute:



      Erfurt glücklichste Großstadt.



      Auch Magdeburg noch vor Leipzig und weit weit vor Berlin.



      Dresden? Auch vor Berlin.



      Der Osten ist nicht unglücklich mit seinem Leben, sondern mit den politischen Entscheidungen.



      Die Wessis mögen es gewohnt sein Politiker zu wählen, die die Meinung des Volkes ignorieren und Parteiideologien den Vorzug geben, wir nicht.

      • @Astrid Sehnefeld:

        "Die Wessis mögen es gewohnt sein Politiker zu wählen, die die Meinung des Volkes ignorieren und Parteiideologien den Vorzug geben, wir nicht."

        Schon wieder so ein Quark....

    • @Alex_der_Wunderer:

      "- und zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung im Osten zu unternehmen"

      Seh ich völlig anders. Die Vorzugsbehandlung des Ostens muss endlich und sofort aufhören. Das ständige überquellende Verständnis für Leute, die Verfassungsfeinde und Faschisten wählen, muss aufhören.



      Im Übrigen wurden die Faschos im Osten groß, als beinahe Vollbeschäftigung herrschte.

      "Es ist höchste Zeit für Unternehmer aus dem Westen, in den Ortschaften und Gemeinden im Osten, zumindest Zweigstellen anzusiedeln, um dort die Leute in Beschäftigung zu bekommen"

      Das ist ja spannend. Im Osten gibt es rund 8% Arbeitslose, um Pütt 15 %. Aber weil der Osten braun wählt, belohnen wir diese Leute mit Beschäftigungsprogrammen, Zahlungen und anderer Art von Unterstützung. Damit man dort lernt, dass es sich lohnt, braun zu sein bzw. zu wählen.

      "Es ist höchste Zeit für Unternehmer aus dem Westen, in den Ortschaften und Gemeinden im Osten, zumindest Zweigstellen anzusiedeln, [...]"

      Dies ist nicht die DDR. Eine Firma macht irgendwo eine Niederlassung auf, wenn sich das rechnet. Das Bauchpinseln von Braunen gehört allgemein eher nicht zu den Unternehmenszielen.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Die Lebensqualität im Osten ist SEHR viel besser, als die meisten Ossis glauben.

      Man vergleiche nur mal, wo Ostdeutschland und Andalusien im Jahre 1990 standen und dann den heutigen Stand.

      Wie Kowalczuk sagt: die Ossis leben im Wohlstand und genießen alle Vorteile einer Demokratie, wähnen sich aber in einer Art diktatorischem Armenhaus.

      • @Suryo:

        Ob die Lebenssituation in Ostdeutschland heute SEHR viel besser als im Westen ist, würde ich nun auch nicht behaupten.



        Es gibt mit Sicherheit Regionen im Osten, in denen es sich wesentlich besser leben lässt als in strukturschwachen Regionen im Westen.



        Beispiel: ich weiß nicht wie es heute ist, aber zu Zeiten der DDR hat es auch immer Klagen gegeben, dass das relativ ‚reiche’ NRW im Rahmen des Länderfinanzausgleichs faktisch nicht unerhebliche Zahlungen an das ‚arme‘ Bayern zu leisten hatte. Obwohl der Großraum München damals schon zu den ökonomisch expandierenden Regionen Deutschlands zählte. Es gab zeitgleich dort nur auch auch die besonders strukturschwache Region Oberpfalz.



        Unabhängig von den tatsächlichen ökonomischen und sozialen Verhältnissen zwischen Weat und Ost spielt nun aber leider auch eine Rolle, dass die AfD mit den sich aus diesen Tatsachen ergebenden Unterschieden (in Ressentiments umgewandelt) erfolgreich auf Stimmenfang geht.



        Zuvor hatte das die Linkspartei gemacht, aber irgendwie hat ihr die AfD dabei den Rang ablaufen können. Wahrscheinlich ist es das Thema soziale Schieflage kombiniert mit einer ethnonationalistischen Weltsicht, was hier besser zieht.

        • @Abdurchdiemitte:

          Man lebt im Osten beispielsweise besser als in weiten teilen von Berlin, NRW oder München

          Weniger Kriminalität



          Gute Preise



          Häufig noch sichere Bahnhöfe, kommt allerdings auch fast kein Zug...

      • @Suryo:

        Man muss gar nicht viel wissen, warum da bei Teilen der Bevölkerung so eine Wagenburg-Mentalität entsteht, wenn 65 jahre nach der Wende immer noch ganz selbstverständlich pauschal von "den Ossis" gesprochen wird. Weder wählen dort die Menschen in der Mehrheit AfD, noch leben da alle im "Wohlstand."



        Und dass fast vier Jahrzehnte nach dem Mauerfall immer noch große soziale und ökonomische Unterschiede (Lohn, Rente, Chancengleichheit, Führungspositionen, Abwanderung, Arbeitslosenquote, etc) herrscht und damit abgetan wird, dass es den Menschen jenseits der Mauer ja damals noch viel schlechter ging, ist ebenso bezeichnend. Man stelle sich diese Argumentation nur mal bei Migranten vor, die bereits seit 40 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.



        Das die AfD im Augenblick überall zulegt, vor allem in abgehängten Gebieten, ist kein Ost-Phänomen. Dass sie sich dort als identitätsstiftend für Unzufriedene und Enttäuschte etablierteren konnte, hat aber durchaus auch etwas mit Ignoranz und Geringschätzung zu tun.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Du glaubst wirklich, dass der Erfolg der AFD ein Unfall ist? Du redest von Osten, während es im Westen ebenfalls Enklaven gibt, welche teilweise sogar größere Probleme haben als im Osten, die ebenfalls nach und nach von der AFD dominiert werden. Und ich wiederhole es, wer die ungehörten einfach weiter ignoriert, der hat keine Brandmauer, der hat einen Brandbeschleuniger. Aber die echten Brandstifter werden wie immer profitieren, egal wie es ausgeht.

      • @Wirrwicht:

        @Wirrwicht



        Nein kein Unfall, Helmut Kohl befand sich 1990 mitten im Wahlkampf, die Wahlen hätte er im Westen verloren, da kamen die Ostdeutschen gerade zur rechten Zeit. Die CDU und die CSU haben doch nicht an die Interessen der Bevölkerung igedacht. Was für die Unionsparteien zahlt sind die Interessen der Industrie-,Wirtschafts- & Kapital Profiteure - schon immer war es so und bleibt auch so.

      • @Wirrwicht:

        Es gibt im Westen tatsächlich genau so abgehängte, strukturschwache Regionen wie im Osten. Und hüben wie drüben prosperierende Regionen.



        Von ‚außen‘ betrachtet erscheint es mir nur so, als wenn die AfD bei ihren Zielgruppen in Ostdeutschland neben Ressentiments gegen Migranten schwerpunktmäßig auch das Thema Ost vs. West bespielt. Und damit auch nicht unerheblich Stimmen zieht. Indem Ost-Identität als etwas Bewahrens-/Schützenswertes verkauft wird.



        Meine Meinung; wer so etwas behauptet, sitzt damit schon dem AfD-Narrativ auf.



        Natürlich gibt es auch so etwas wie regionale Identitäten: die mecklenburgische Identität wird sich vermutlich von der sächsischen so unterscheiden wie die saarländische von der bayerischen.



        Und der Blick auf den angeblichen sozialen Zusammenhalt in der DDR ist v.a. ein romantisch-verklärender, der auch nur dem Aufrechterhalten von Ressentiments und Abgrenzung dient. Bezeichnenderweise wird diese Klaviatur heutzutage auch mehr (und erfolgreicher) von der AfD bespielt wie von links

        • @Abdurchdiemitte:

          "...angeblichen sozialen Zusammenhalt in der DDR ist v.a. ein romantisch-verklärender, der auch nur dem Aufrechterhalten von Ressentiments und Abgrenzung dient."



          Waren Sie dereinst DDR-Bürger, dass Sie das so genau beurteilen können? Falls nicht würde ich mich zu diesem Punkt eher nicht äußern wollen.

  • Wenn man sich die Rechtslage bei Volksverhetzung näher betrachtet scheint da für mich persönlich ein gewisses Maß unterschritten. Zu lasch scheinen die Vorgaben um Neonazis von der Politik fern zu halten.

    "Nicht betroffen wäre beispielsweise Björn Höcke, Landesvorsitzender der AfD in Thüringen. Höcke wurde zwar wegen der Verwendung einer NS-Parole verurteilt, jedoch nicht wegen Volksverhetzung.



    Es gab tatsächlich mehrere Verfahren wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung gegen AfD-Politiker. Allerdings endeten einige Verfahren auch mit Freisprüchen oder lediglich Geldstrafen. In diesen Fällen könnten sich die betreffenden Politiker weiterhin zur Wahl stellen."

  • Nur nochmal zur Info: Auch in der BRD ergaben regelmäßig durchgeführte sozialwissenschaftliche Studien, dass durchweg etwa 20 Prozent ein teilweise geschlossenes rechtsextremistisches und antisemitisches Weltbild hatten (und haben). Die fanden ihre politische Heimat seinerzeit überwiegend bei der CDU/CSU, durchaus auch in Teilen bei der SPD (ehemalige Arbeiterpartei) oder bei immer mal wieder mäandernden rechten Parteien (Republikaner, Schill und Konsorten). Oder sie gingen gar nicht wählen.



    Jetzt müssen wir aber von einer neuen Qualität sprechen, die die Demokratie in unserem Land erstmals so richtig bedroht. Und die trifft im Osten offensichtlich auf einen Nährboden, in dem12 Jahre Nazidiktatur und 40 Jahre Stasi-Diktatur gären. Nicht, dass einmal zukünftige Historiker in der Wiedervereinigung den Anfang vom Ende unserer Demokratie sehen. Statt einer Übergangsphase mit allmählicher politischer, sozialer und ökonomischer Annäherung, einer neuen identitätsstiftenden Verfassung, musste alles ja ganz schnell gehen. Und Birne sei Dank waren die Ossis geblendet von D-Mark und "blühenden Landschaften" und verhalfen vielen West-CDUlern zu lukrativen Ministerposten.

    • @Tazacorte:

      "Und Birne sei Dank waren die Ossis geblendet von D-Mark und "blühenden Landschaften""



      Birne sei Dank waren die WESSIS geblendet. Den Wessis wurde von Politikern eingeredet, der Osten ist ein top-ten Industrieland. Daraus resultierte dann hinterher, als die graue Wirklichkeit sich zeigte, das bis heute hartnäckige Vorurteil, dass Ossis nicht genug Biss hätten oder zu faul wären.



      Den Ossis wurde nichts eingeredet, denen wurde einfach alles aufgestülpt.



      Polizeigesetze - aus dem Westen. Jedes Ostbundesland bekam einfach ein Polizeigesetz eines Westbundeslandes, fertig.



      Steuern? Westmodell.



      Führende Politiker? Oftmals Wessis.



      Firmenchefs? Wessis oder abgewickelt.



      Die Ossis wurde bei nichts gefragt. Gefühlt ging es da von einer Diktatur in die nächste was Partizipation betrifft.



      Wiedervereinigung. Ein tolles Wort. Vereinigung heißt aber, dass man von beiden das beste nimmt.



      Es war keine Wiedervereinigung, es war ein Anschluss. Der Osten wurde dem Westen angeschlossen.



      Ich weiß um die negative Belastung dieses Wortes in der deutschen Geschichte, aber genau das war es.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Und jetzt mal zurück in die reale Welt:



        - Der Westen hat Kohl weder 1990 noch 1994 mehrheitlich gewählt. Kohl blieb Kanzler dank der Stimmen aus dem Osten.



        - NIEMAND hier hat geglaubt, dass die DDR ein "top-ten Industrieland" war.

        "Den Ossis wurde nichts eingeredet, denen wurde einfach alles aufgestülpt."

        Die schliche Wahrheit ist: Die Ossis haben 1990 das gewählt, was sie bekommen haben. Und sie haben 1994 diese Politik durch die Wiederwahl Kohls bestätigt. DAS ist Demokratie at its best. Der Wähler trifft eine Wahl und bekommt, was er gewählt hat.

        • @Kaboom:

          Absolut wahr ist, dass der Dicke den Stimmen aus dem Osten seine Wiederwahl verdankte.



          Um dem Vorgang einen Namen zu geben genügt jedoch der leicht abgewandelte Titel eines bekannten Films: "Denn sie wußten nicht was sie tun"



          Bedauerlicherweise war nach jahrzehntelanger Rotlichtberieselung die politische Bildung und das Wissen über die BRD keineswegs durchgängig besonders gut. In weiten Teilen der DDR war West-TV schlecht oder gar nicht empfangbar. Daraus resultierend: Nicht umsonst galt besonders Sachsen als "Tal der Ahnungslosen". "König Kurt" hätte sich dort vielleicht tatsächlich zum König wählen lassen können... (sorry). Der seinerseits attestierte seinem Volk eine Resistenz gegen Rechtsextremismus. - Auch wieder einer, der nicht wusste, was er tat...



          Um zum Kern zu kommen: Ja, der Osten entschied die Wahl. Aber der Wähler bekam nicht, was er gewählt hatte - sondern er hatte ein Traumidol und sein Märchenland gewählt. Als Randharzer haben wir in den Achtzigern erlebt, wie Urlauber aus dem Dresdner Raum, hypnotisiert und mit leuchtenden Augen, jede Sekunde der TV-Werbung anhimmelten - nach dieser ernüchternden Wahl wunderte mich dann gar nichts mehr...

          • @Der olle Onn:

            "Um zum Kern zu kommen: Ja, der Osten entschied die Wahl. Aber der Wähler bekam nicht, was er gewählt hatte"

            Ich konzidiere dies für 1990. 1994 allerdings wusste jeder im Osten, was er bekommt, wenn Kohl weiter regiert. Das "Wirken" der Treuhand war in aller Munde. Die Politik von Kohl spürten die Menschen am eigenen Leibe. Und trotzdem hat man ihn wiedergewählt. Das war eine Bestätigung und Legitimierung der Politik, die er nach 1990 gemacht hat. Und selbstverständlich war das auch eine Aufforderung, genau so weiterzumachen.

            "wie Urlauber aus dem Dresdner Raum, hypnotisiert und mit leuchtenden Augen, jede Sekunde der TV-Werbung anhimmelten - nach dieser ernüchternden Wahl wunderte mich dann gar nichts mehr..."

            Ich war eine Zeitlang überzeugt, dass sich die Bürger im Osten nicht nochmal das Blaue vom Himmel herunter versprechen lassen.



            Das Gefasel von den blühenden Landschaften, dachte ich, kann nur jemand glauben, der nicht tagtäglich in seinem Betrieb mit der Realität konfrontiert ist. Mir war irgendwie einfach nicht klar, dass man beide Seiten kennen muss, um ein Urteil über den eigenen Status quo treffen zu können.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Herrje, sind Sie im Jahre 1990 steckengebliebenes früheres SED-Mitglied?

        Die Ossis wollten Westdeutschland werden.

        • @Suryo:

          So ist es. Die Ossis hatten ihre Sicherheit, aber sonst wenig vom Leben bzw. eben wenig Konsum. Nun kam der Konsum hinzu, reichlich und schnell, für viele zu schnell. Und dann kamen die Wessis, die plötzlich entdeckten, dass sie was geerbt haben, was die Ossis genutzt, aber nicht ihn deren Besitz. So weit, so schlecht. Und dann kam, was Ossis so nicht kannten, dass es keine Sicherheit auf Arbeit gibt, sondern die "Nachfrage nach Arbeitskräften" den Gesetzmäßigkeiten des Kapitals unterliegt. Das war's dann für viele, das Aus auf Konsum, denn mit wenig in der Tasche kann man die Waren eben nicht kaufen die überall groß angeboten wurden.

      • @Astrid Sehnefeld:

        wenn die ossis unzufrieden damit gewesen wären bei nichts gefragt worden zu sein dann wären sie ja einfach wieder auf die straße gegangen. doch das angebot des westens wurde akzeptiert und die ossis haben sich dem westen anschliessen lassen und sich alles aufstülpen lassen. wie kann man da nicht erkennen das uns ossis der biss fehlte

      • @Astrid Sehnefeld:

        @Astrid Sehnefeld



        Ich denke genauso war es nach der Wiedervereinigung gelaufen.



        Wenn jetzt die Ostdeutschen vermehrt die Hoffnung haben, durch die AfD eine Stimme in der Regierung zubekommen, haben die " etablierten Parteien " leider soviel versemmelt wie es nur ging, zudem die Brandmauer wieder eine Mauer für die Ostdeutschen darstellen muss. Hier müssten unsere Politiker Intelligenz unter Beweis stellen, z. B. könnten aktive AfD Parlamentarier auf ihre Demokratischen Werte überprüft werden und diese überprüften Politiker nach bestehen, die jetzt noch zur Zeit in der AfD aktiv sind, nach Austritt aus der AfD und unter Eid den Idologien der AfD abschwören und dann in den " etablierten Parteien " die Möglichkeit eingeräumt bekommen, sich für die Interessen der Bundesländer im Osten einzubringen. Also soll heißen, die Ostdeutschen müssen mehr in die demokratische Politik einbezogen werden. Bedingung wäre zudem die Auflösung der AfD als Partei. Würde bedeuten die Parlamentarier der AfD müssten sich neu zu den " etablierten Parteien " zuordnen, und zur Wahl stellen lassen. Also in der Richung könnte man irgendwie arbeiten. Die jetzigen AfD Politiker waren vorher auch in Parteien.

      • @Astrid Sehnefeld:

        "Birne sei Dank waren die WESSIS geblendet"

        Ohne die Ossis wäre Kohl aber 1991 nicht noch einmal wiedergewählt worden...

        • @FriedrichHecker:

          @FriedrichHecker



          👍👍 & 👍👍

      • @Astrid Sehnefeld:

        Oh doch: "Birne" hat durchaus auch die "Ossis" geblendet. Das Gebrabbel von den blühenden Landschaften hat bei zahllosen Menschen das Denken ausgeschaltet, hat suggeriert, das sei alles ein risikofreies Kinderspiel, aus dem alle in Ost und West glücklich und zufrieden hervorgehen würden. "...niemandem wird es schlechter gehen..." - Wie sonst erklären Sie sich die enttäuschten Protestler nur ein, zwei Jahre später? - Ihre Aufzählung der "Aufstülpungen" trage ich freilich mit - auch das gehört zum Problem dazu.



        Und ja: Für viele ging es dabei "gefühlt von einer Diktatur in die nächste". In die des Kapitals halt.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Ja, laut Beschluss der Volkskammer ist die DDR der Brd beigetreten- da wurde nichts wiedervereinigt.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Danke für die perspektivische Erweiterung! Ich habe bis Ende der 1990er-Jahre längere Zeit mit den Polizeidirektionen in der Gewalt- und Extremismusprävention gearbeitet. Alle leitenden Polizeibeamte stammten seinerzeit aus dem Westen. So wurde auf dem Bautzener Revier geschwäbelt, in Dresden mit bayerischem Einschlag geredet.



        Ich meine aber schon, dass die Mehrheit der Ostdeutschen den schnellen "Anschluss" befürwortete in der Hoffnung auf rasche Besserung. Ich hätte mir eine langsame Annäherung gewünscht - war aber Minderheitenmeinung. Der Soli führte zumindest zu geleckten Hausfassaden, Straßen und Plätzen, während im Ruhrgebiet die Straßen als Teststrecken für die Stoßdämpfer-Industrie dienten.

        • @Tazacorte:

          Der schnelle Anschluss wurde eindeutig auch von einer Mehrheit im Osten mitgetragen, vor allem, weil er die sichere D-Mark im Portemonnaie bedeutete. Und damit das Versprechen des ökonomischen Aufstiegs. Dramatisch unterschätzt hingegen, was daraus zeitnah resultierte: Eigene Produkte, die ebendeshalb nicht mehr marktfähig waren. - Ergo Betriebe ohne Absatz, ohne Geld - und wenig später ohne Arbeiter. - Womit der Traum vom schnellen Aufstieg platzte.



          Ja, das hätte alles deutlich mehr Zeit gebraucht. Schätze, in groben Zügen war das westlichen Wirtschaftsexperten durchaus klar. Aber den Preis der daraus entstehenden Enttäuschungen und Gefühlen des Betrogenwordenseins mussten die damals ja nicht bezahlen. Den zahlen jetzt halt wir - und vor allem die auf uns folgenden Generationen.



          Und daran sind nicht zuletzt auch Ihre erwähnten "geleckten Hausfassaden" schuld. So schön anzusehen sie halt sind - dahinter steckt eben fast immer Kapital, das nicht den ursprünglichen Bewohnern gehörte. - Wie auch? Ich selbst habe damals in all unserem Grau in Grau gestanden und mich gefragt: Ja und? Wer soll das alles bezahlen? Da hätte ich auch gedacht, dass so viel überflüssiges Westgeld Beine hat...

  • "Demokratie sei ihrer Ansicht nach überflüssig."



    Soso - Was wollen die statt dessen? Wie wäre es denn mit: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer". Es ist die Vorstellung, dass die Partei (Sie wissen schon, welche) die Interessen des ganzen Volkes umsetzt. Eine Parteienvielfalt, ein Wettbewerb ist dann nicht mehr notwendig.

  • Es gibt in Frankreich, Italien, Österreich, Niederlande usw. zahlreiche Bürgermeister die weit rechts stehen. Entscheidend ist doch immer wie so eine Person für seine Gemeinde, Stadt etc. sich einsetzt und die Interessen der Mehrheitsbevölkerung vertritt. Wird die nicht oder nur schlecht vertreten, kostet das den Job. Egal, welches Parteibuch die Person hat.

    • @Pico :

      Er muss auch die Interessen von Minderheiten vertreten. Ein Bürgermeister, der Fackelzüge gegen Migranten veranstaltet hat, wird dies nicht leisten können.

      • @Il_Leopardo:

        Dass ein Bürgermeister die Interessen der Mehrheit seiner Gemeinde vertreten soll und wird, ist unabdingbar. Wurde er oder sie, von einer Mehrheit gewählt, NUR NOCH die Interessen der Minderheit vertreten, würde es auf Dauer nicht funktionieren. Und wenn einer Bürgermeister werden sollte, der auch Fackezüge angemeldet hat, wird er oder sie, trotzdem von einer Mehrheit gewählt worden sein.



        Und dann? Bevölkerung austauschen? Nee, abwarten, was diese Person für seine Gemeinde leistet. Daran soll gemessen werden.

        • @Pico :

          Von "NUR NOCH die Interessen der Minderheiten vertreten" war doch gar nicht die Rede, sondern von "auch". So ist es auch korrekt.

          So ist es auch richtig. Ein Bürgermeister muss für alle Mitglieder seiner Gemeinde da sein, egal ob sie ihn gewählt haben und seine Überzeugungen teilen oder nicht.

          • @Waldreamer:

            Nein, ein Bürgermeister wird für die Gemeinde da sein müssen. Er wird immer für die Mehrheit da sein müssen. Wenn zum Beispiel eine Umgehungsstraße gefordert und gewollt ist, wird er das so umsetzen wollen. Da gibt es aber durchaus einige die das nicht wollen. Und wenn das die Minderheit ist, wird ein Bürgermeister sich, sofern er im Amt bleiben möchte, sich der Mehrheit anschließen.

            • @Pico :

              Ein Bürgermeister vertritt zunächst, wie es übrigens mehr oder weniger jeder Politiker macht, seine eigene Überzeugung.



              In welcher Demokratie vertritt ein gewählter Vertreter nur die Mehrheitsmeinung, die im Zweifelsfall gegen seine eigenen Überzeugungen stehen?

              • @MBG:

                Logisch hat ein Bürgermeister eine Überzeugung und in einer Demokratie eben auch die nötige Unterstützung, durch seine Partei oder durch eine Koalition. Denn nur dadurch, kann er die Mehrheit für seine Überzeugung bzw. Ideen erst umsetzen. Das nennt man Mehrheit. Eine Minderheit nützt ihm wenig, wenn dann die Mehrheit gegen seine Ideen stimmen würde. So gesehen sichern nur Mehrheiten eine Umsetzung. Zu was bedarf es sonst Koalitionen?

          • @Waldreamer:

            Danke für die Richtigstellung. Ich bin es manchmal so müde, gegen solche Fehlinterpretationen zu argumentieren.

  • Viele wollen eine konservative Alternative, suchen eine Antwort auf das Machtgeklüngel CDU/SPD/Linke/ BSW ( in vielen Varianten)

    Die sich anbietet CDU/AfD ist medial zur Zeit nicht möglich.

    Das ein " freier Sachse" es fast schafft ist mehr als bedenklich....trotz



    dauer Alarm und Weltuntergangs Szenario.

    Der Wähler ist abgestumpft.....

    Lösung:



    probiert es einfach Aus...gibt der AfD die Chance an der Kluft zwischen Versprechen, Träume zu scheitern.

    Die Realität......da wird sich die AfD umsehen und SCHEITERN.

    Was nicht tröstet .... siehe was für ein Stückwerk unsere CDU/SPD Koalition abliefert.

    • @Fairness85:

      Wie kann CDU / AfD eine "konservative Alternative" sein, wenn die AfD nicht konservativ, sondern rechtsradikal ist? Erklären Sie mal.

      • @Kaboom:

        Rechtsradikal durchaus. Vermutlich auch reaktionär, was das Frauen- und Familienbild angeht.

        Da liegt die wahre Gefahr der AfD. Frauen hört genau hin, was die sagen und tun. Es ist eines, sich freiwillig für ein traditionelles Rollenbild zu entscheiden, aber etwas ganz anderes, wenn einem diese Entscheidung künftig abgenommen wird.

  • Wer Rechtsextremisten wählt, ist selbst Rechtsextremist.

    Jeder Wähler ist erwachsen und für seine Wahl voll verantwortlich.

    Aue-Bad Schlema ist also mindestes zu einem Drittel verseucht mit Rechtsextremisten.

    • @Suryo:

      Sorry, aber das ist doch nicht richtig. Viele Bürger fühlen sich einfach nicht mehr gehört und denken ihre Probleme interessieren die etablierten Parteien nicht. Problem Nummer 1 war mit ca. 35% die Migration, 73-77% wünschen sich schärfere Asylgesetze und mehr Abschiebungen. Der gleiche Prozentsatz Verschärfungen beim Bürgergeld. Wenn hier nichts passiert suchen die Menschen sich Parteien die einfache Lösungen anbieten. Das Ergebnis sieht man momentan fast überall.

      • @AmArschderHeide:

        @ AmArschderHeide



        ...& gibt es schon die ersten Umfragen darüber, wievielen AfD Wählern jetzt schon besser geht, seit den Abschiebungen ?



        Schon mehr Geld auf dem Konto eingegangen ?

        • @Alex_der_Wunderer:

          Geld auf dem Konto ist nicht der Punkt. Es reicht, wenn das Weltbild gerade hängt. Bei manchen, die sich selbst machtlos fühlen, hängt das Weltbild genau dann gerade, wenn auf noch schwächere eingedroschen wird.

      • @AmArschderHeide:

        Man versteht, oder man versteht eben nicht, dass Faschismus keine Meinung ist. Im OSt versteht man das offenkundig eher nicht.

      • @AmArschderHeide:

        Doch, das ist richtig.

        Entweder, die Wähler sind erwachsen und man kann sie ernstnehmen - dann sind sie Rechtsextremisten, denn man kann ihnen ihre Wahl zurechnen.

        Oder es sind kleine Kinder, die offenbar zu dumm sind, zu kapieren, was sie tun. Dann muss man sie nicht ernstnehmen.

        Was unmöglich ist: einen Neonazi zu wählen und gleichzeitig ein aufgeklärter Demokrat und ein guter Mensch zu sein.

        Es gibt keine Entschuldigung für diese Leute. Sie sind schuldig, sie sind rechtsextrem.

      • @AmArschderHeide:

        (Nur Wikipediawissen, bin nicht von dort): Wieso sollte Migration das Problem Nr. 1 der Bevölkerung in Aue/Bad Schlema sein? Gibt es dort besonders viele Ausländer:innen? Mein Tipp: vermutlich nein – wenn Migration, dann Migration weg von der Stadt, Bevölkerungsrückgang, und damit einhergehende Infrastruktur-Probleme. Die wären teils durch Migration sogar lösbar, aber Komfortzone ist natürlich nicht.

        (Sehe ich das richtig?)

        • @derzwerg:

          Die Leute wählen ja nicht solche Leute WEIL es dort viele Ausländer gibt, sondern weil sie wollen, dass es genau so bleibt. Also mit wenigen Ausländern.

        • @derzwerg:

          @ derzwerg



          Gute Antworten auf Ihre ganzen Fragen bekommen Sie auch bei :



          fragdenstaat.de

        • @derzwerg:

          Ich denke, das Problem ist nicht die Migration an sich, sondern das erste Erleben großer Migrationswellen. Das gabs in der BRD eben schon Jahrzehnte eher, eine multikulturelle Bevökerung ist längst Gewohnheit.



          Das kannten die meisten Ostdeutschen bis 2015 nicht. Und während zeitgleich zu den Migrationsschüben in den 70ern der Wirtschaftsboom kam, kamen die aktuellen Flüchtlingsbewegungen in Zeiten ökonomische Krisen und Unsicherheiten.



          Hab mal die Statisktik bemüht. Vor 2025 lag die Migrationsquote in Aue bei etwas 3 Prozent. Heute liegt sie bei 8,9%. Zeitgleich hat die Stadt etwa 10% ihre Einwohner verloren. Und die, die Abwandern sind meist nicht die Unzufriedenenen, sondern die Jungen und Bessergebildeten. Ich denke das führt dazu, dass Migration dort überproportional stark als Problem wahrgenommen wird.

          • @Deep South:

            Das klingt, als sei innerhalb eines Jahres der Anteil Migrant:innen von 3 auf 9% hoch und die Einwohnerzahl um 10% runter gegangen. Die Zahlen kommen mir nicht plausibel vor. Können Sie das genauer erklären?

  • Die Methoden der Faschos im Osten bauen natürlich auf dem Narrativ der 'sogenannten Benachteiligung' der dortigen Einwohner auf. Sicherlich gibt's einiges zu kritisieren, was nach der Wiedervereinigung schief lief. Ich hab aber ein Problem damit, dass sämtliche (gesamtdeutschen) Probleme, von bestimmten Personen, als gegen die Ossis instrumentalisiert, gesehen werden. Das beste Beispiel ist das Buch von Dirk Oschmann. 'Es war nicht alles schlecht' ist der Tenor durch das gesamte Geschreibsel. Das wäre alles nicht so schlimm, weil ein Funken Wahrheit drinsteckt, wenn nicht immer als Lösung irgendwelche 'rechte' (Er)Lösungen propagiert würden. Und die Ergebnisse sehen wir jetzt in Aue und wahrscheinlich im Herbst bei den Landtagswahlen. Noch eines: ich glaube nicht, dass die Menschen im Westen Deutschlands immun sind gegen solche Narrative, auch da wäre wahrscheinlich ähnliches passiert. Und auch hier hat die AFD ja auch schon die 20% fast erreicht.

  • Wenn es schon stimmen der Linken für einen CDU Bürgermeister braucht (der bisher auch eher auf der rechten Spielhäfte der Union auf sich aufmerksam gemacht hat), dann haben die Freien Sachsen nicht "fast" gewonnen, sondern sie haben gewonnen🤷



    Da kann man in der taz noch so oft abfeiern, dass AfD oder wie hier, noch schlimmer, echte Neonazis, knapp verlieren.



    Einzeln kann es schon lange keine Partei mehr im Osten mit der AfD aufnehmen.



    Die Umfragen aus Sachsen-Anhalt sind gerade in aller Munde, aber man schaue mal auf die neuesten Umfragen aus Sachsen (AfD 42%) oder Thüringen (AfD 39%) an.



    Auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern weit über 30%.



    Ja selbst in Berlin liegt die AfD mit 18% mittlerweile 3% vor Die Linke mit 15%...



    Die Partystimmung über Niederlagen der AfD kann ich deshalb hier nicht verstehen.



    Es gibt ja keinen Wettbewerb mehr unter den Demokraten. Da wird einfach der aussichtsreiche Bewerber neben dem AfDler in den Ring geschickt und dann sollen den alle wählen...



    Wer glaubt das so der Verdruss wieder abnimmt oder gar die Stimmung besser wird, puh...



    Ich sehe darin viel eher den letzten Nagel im Sarg ⚰️

    • @Astrid Sehnefeld:

      "Die Umfragen aus Sachsen-Anhalt sind gerade in aller Munde, aber man schaue mal auf die neuesten Umfragen aus Sachsen (AfD 42%) oder Thüringen (AfD 39%) an."

      Nun, wenn eine Mehrheit der Wähler sich dafür entscheidet, Rechtsextremisten und Faschisten zu wählen, dann haben sie eine solche Regierung absolut verdient.

      Nur eines noch: Anschließend weder rumheulen noch darüber fabulieren, man habe nichts gewusst.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Absolute Zustimmung. Dazu noch eine Regierung aus zwei Parteien die kaum miteinander können. Um die Brandmauer aufrecht zu erhalten. Was wiederum dem Land nicht wirklich gut tut. Eigentlich kann sich die AFD zurücklehnen und warten.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Ihren Aussagen kann man zum Teil zustimmen. Nur die Katastrophenstimmung muss man nicht unbedingt teilen. Es braucht bei der politischen Lage eher eine sachliche Analyse. Zuerst müssen die Parteien ganz richtig wieder zu sich selbst finden und Antworten auf Strukturwandel und Probleme der strukturschwachen Regionen finden. Und da braucht es entsprechende Programme und Präsenz vor Ort. Bündnisse aller zusammen gegen die AfD sind zwar für einen Übergang richtig, aber auf Dauer braucht es wieder einen Parteienwettbewerb und Antworten auf Fragen warum der ÖPNV nicht fährt und die Kliniken schließen. Und das sollten die Parteien eben nicht der AfD überlassen. Denn die AfD schlachtet diese Themen für sich aus.

      • @Hamburger in Istanbul:

        Der ÖPNV fährt – verkürzt – nicht mehr, weil der Busfahrer in Rente gegangen ist.

        Ich bin inzwischen überzeugt, dass der Rechtsruck letztlich Folge der Überalterung der Bevölkerung ist. Was kann man da tun?

        • @derzwerg:

          Die Überalterung der Bevölkerung ist schuld?



          Das lässt mich jetzt doch ratlos zurück... Und diese überalterte Bevölkerung orientiert sich tatsächlich an halb so alten Glatzen in Bomberjacken oder geleckten Karriere-Figuren wie dem AfD Hoffnungsträger in Sachsen-Anhalt?

          • @Der olle Onn:

            Was ist es dann? Tiktok usw.?

          • @Der olle Onn:

            Die (ehemaligen) Glatzen in Bomberjacken (das war die Nazimode der 1980/1990er Jahre) sind mittlerweile auch Ü50. Und geleckte Karrierefiguren kommen bei Älteren (Frauen) immer gut weg.

            • @Chris McZott:

              Mag sein, dass die (ehemaligen) Glatzen jetzt Ü50 sind. Ich spiele hier nicht auf die "Kindernazis" der 90er an. Aber dergleichen Gruppierungen treten bei Demos auch heute noch auf, deutlich sichtbar und dann meist recht aggressiv.



              Das Argument, ältere Frauen fänden Karrierefiguren gut, ist genauso schräg. Das dürfte - wenn überhaupt - schon deshalb keine wirkliche Rolle spielen, weil die meisten AfD-Fans bekanntermaßen männlich sind. Und sich zudem laut Statistik noch immer (oder schon wieder?) in erschreckendem Maße aus jüngeren Personenkreisen formieren.