Gottesdienste an Ostern: Beten geht doch auch im Netz

Der Kirche Wille geschehe: Präsenzgottesdienste an Ostern. Was man als Gläubige aber vermisst, ist nicht der Kirchgang, sondern echte Solidarität.

Eine Frau sitzt allein in einer kirchenbank

Die Kirchen haben sich durchgesetzt: Ostern könnte sich die Kirche mit Gläubigen füllen Foto: Peter Kneffel/dpa

Lobbyarbeit lohnt sich. Vor allem, wenn es quasi eine Standleitung zur Bundesregierung gibt. Nur knapp 24 Stunden hielt die zaghafte Bitte aus der Bund-Länder-Runde an die Kirchen, auf Präsenzgottesdienste an Ostern zu verzichten. Nach ordentlichem Getrommel wurde selbst dieser zarte Wunsch von den politisch Verantwortlichen zurückgenommen. Die Macht der Kirchen wirkt. Glückwunsch!, mag man bitter rufen. Oder schreien.

Denn damit nicht genug. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, lobt die Einsicht der Kanzlerin, die Osterruhe zurückzunehmen, ihr „starkes Zeichen“, einen Fehler einzugestehen. Die Menschen könnten sich sicher sein, dass die Gemeinden Hygienekonzepte entwickelt hätten und alles dafür täten, dass sich im Gottesdienst niemand ansteckt. Das ist sicher wahr, zumindest der Teil, dass man sich bemüht.

Eine Anmaßung sind solche Aussagen trotzdem. Denn Bedford-Strohm spricht auch von Solidarität mit den Schwachen, vom „Ruin der Seele“ in der Pandemie, von erschöpften Menschen. Mitten in einer dritten Welle, von der niemand weiß, wie diese zu brechen ist, braucht mensch keine Sonderregeln, sondern ein bisschen mehr Demut seitens derer mit Privilegien. Natürlich gilt die Religionsfreiheit, sie steht schließlich im Grundgesetz. Darauf können sich Theater, Kinos oder Kneipen nicht berufen, die sich auch um Abstandsregeln, Desinfektionsspender und Kontaktverfolgung bemühen könnten. Sie müssen geschlossen bleiben.

Wer die frohe Botschaft verkünden will, findet einen virtuellen Weg. Sogar Bedford-Strohm rühmt die digitalen Formate in den Gemeinden, die eigens installierte Webseite zu den Angeboten an Ostern. Beten geht also auch im Netz. Und die viel erwähnten Musiker:innen, die ohne Kirchenjobs noch ärmer wären, werden bestimmt auch für ihren Auftritt im Messe-Livestream bezahlt.

Solidarität geht anders

Die Essenz der Osterbotschaft lautet: „Der Tod hat nicht das letzte Wort“. Gerade deshalb wäre seitens Bedford-Strohm nur eine Ansage angemessen gewesen: Bleibt daheim!

Aus Solidarität mit denen, die seit Monaten auf Nähe verzichten, mit den Kulturschaffenden, die vor dem Existenz-Aus stehen. Mit dem Pflegepersonal, das am Limit weiterarbeitet, mit den Eltern und Kindern, die am Ende ihrer Kräfte sind. Solidarität und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sorgen, ist auch Aufgabe der Kirchen, wenn nicht die wichtigste.

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Schreibt seit 2016 für die taz. Themen: Digitalisierung, Datenschutz, Entwicklungszusammenarbeit

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