Zweites Ostern in der Pandemie: Digitale Andacht und Hostien to go

Trotz steigender Coronazahlen bleiben Präsenzgottesdienste an Ostern erlaubt. Gemeinden setzen dennoch vor allem auf digitale Formate.

Ein Mann schaut sich einen Online Gottesdienst auf Youtube an - auf dem Laptopmonitor sieht man eine Pastorin

So sicher wie das Amen in der Kirche: Gottesdienste werden auch an Ostern 2021 vielerorts gestreamt Foto: Björn Hake/imago

BERLIN taz | Die Aufregung war groß, als Bund und Länder in der vergangenen Woche den Wunsch äußerten, die Kirchen mögen an Ostern auf Präsenzgottesdienste verzichten. Nur einen Tag später wurde diese Bitte wieder zurückgezogen. Trotz stark steigender Infektionszahlen dürfen die diesjährigen Ostergottesdienste also vor Ort stattfinden. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche wollen auf eine Mischung aus Online- und Präsenzformaten setzen.

Wie genau das aussieht, wird vor Ort entschieden. Im Falle der katholischen Kirche liegt die Verantwortung bei den Bistümern, in der evangelischen Kirche geben die Landeskirchen Empfehlungen an ihre Gemeinden, in denen sie meist dazu raten, ab einem Inzidenzwert von 200 auf Präsenzveranstaltungen zu verzichten.

Tatsächlich setzen zahlreiche Gemeinden bereits von sich aus an den Feiertagen verstärkt auf digitale Formate: „Es gibt schon auch viele, die sagen: ‚Wir persönlich können das nicht verantworten, wir machen das in einer anderen Form‘ “, erklärt Anna Neumaier, Religionssoziologin an der Ruhr-Universität Bochum, gegenüber der dpa. Und ein Blick in die Kalender der Kirchen zeigt: Zahlreiche Gemeinden planen ihre Ostergottesdienste auf Youtube oder Andachten bei Zoom. Für Menschen ohne Internetzugang gibt es oft die Möglichkeit, per Telefon teilzunehmen.

Die digitalen Formate seien bereits im vergangenen Jahr sehr gut angenommen worden, berichten Ver­tre­te­r*in­nen der katholischen und der evangelischen Kirche. Neben den Onlineveranstaltungen organisieren viele Gemeinden kleinere Aktionen vor Ort – etwa Stationswege, Ostergärten oder ein Abendmahl „to go“. Die katholischen Bistümer und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) stellen auf ihren Internetseiten zudem Materialien zur Verfügung, mit denen die Gläubigen Gottesdienste und Andachten zu Hause gestalten können. Und natürlich werden wieder zahlreiche Gottesdienste in Fernsehen und Radio übertragen.

Bewährte Schutzkonzepte

Bleibt die Frage: Braucht es dann angesichts steigender Infektionszahlen wirklich noch Präsenzgottesdienste? Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, argumentiert im Deutschlandfunk, die Präsenzgottesdienste seien vor allem deshalb wichtig, weil manche Menschen online nicht erreicht würden. Das betreffe viele ältere und einsame Menschen, die „den persönlichen Zuspruch und die Spiritualität des Kirchenraumes“ bräuchten, sagt der Pressesprecher der EKD, Carsten Splitt.

Auch Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), erklärt, man habe eine Verpflichtung, „dem religiösen Grundbedürfnis der Menschen gerecht zu werden, gerade am höchsten christlichen Fest“. Dies geschehe „mit Vorsicht und unter höchster Verantwortung“.

Die Schutzkonzepte beinhalten Voranmeldungen, Abstandsregeln und Maskenpflicht. Auf Gesang wird verzichtet. Diese Konzepte hätten sich bereits im vergangenen Jahr bewährt, sagen die Kirchen. Um das Infektionsrisiko gering zu halten, planen einige Gemeinden zudem Open-Air-Gottesdienste.

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