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Desaster der KrankenkassenVersprechen gebrochen

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Vor kurzem hieß es: Krankenkassenbeiträge bleiben stabil – jetzt steigen sie. Eine solche Fehlkommunikation fördert Misstrauen gegenüber Politik.

Ich weiß es doch auch nicht – Nina Warken versagt als Gesundheitsministerin Foto: Soeren Stache/dpa

W er das Gesundheitsministerium führt, muss nicht nur übermäßig klug und mit dem Gesundheitssystem bestens vertraut sein, sie oder er muss auch drahtseilstarke Nerven haben. Denn kaum ein Ressort ist so kompliziert wie jenes, das sich um die sensibelsten Belange der Bevölkerung kümmert. Die Leitung des Hauses steht immer in der Kritik – egal, was sie sagt, verändert, reformiert. Jetzt ist Nina Warken dran. Noch vor kurzem sagte sie zu, dass die Krankenkassenbeiträge nicht steigen werden. Kaum ausgesprochen, ist das Versprechen gebrochen: Viele Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge zum Jahresanfang.

Wer Vertrauen in politisches Handeln verspielen will, macht es genau so. Und schiebt nebenbei den schwarzen Peter auch noch „den anderen“ zu, in diesem Fall den Krankenkassen. Man kann Krankenkassen alles Mögliche vorwerfen – beispielsweise medizinische Qualitätsminderung durch Sparen an der falschen Stelle, Verweigerung nötiger Leistungen und gleichzeitig Zusagen für unnötige Leistungen –, aber dadurch werden die Finanzprobleme der Krankenkassen auch nicht gelöst. Es braucht tatsächlich eine Reform, die umfassender ist. Die Eine-Million-Dollar-Frage ist nur: Wie kann die aussehen?

Ministerin Warken hat darauf bislang keine Antwort gegeben. Nun könnte man dafür schon mal in die nordischen Länder schauen, so gilt die Gesundheitsfürsorge in Norwegen als vorbildhaft: Der Staat organisiert die Versorgung, geringe Selbstbeteiligung bei Medikamenten, Überweisung vom Hausarzt zum Spezialisten, geringe Wartezeiten in der Notaufnahme.

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Das klingt zu gut – und die Wahrheit dahinter ist eben auch: Das Land ist klein und die Menschen gehen dort seltener zum Arzt. Vielleicht liegt das Geheimnis für die geringere Anzahl der Arztbesuche – eine Möglichkeit, Gesundheitskosten zu reduzieren – schlicht im Verständnis der Menschen dort, dass nicht jeder Schnupfen medizinisch abgeklärt werden muss – und vor allem daran, wie das kommuniziert wird. Aber dazu muss man Kommunikationsprofi sein, erst recht als Ministerin im kompliziertesten Ressort.

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Simone Schmollack
Ressortleiterin Meinung
Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalist:innen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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48 Kommentare

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  • "Eine solche Fehlkommunikation fördert Misstrauen gegenüber Politik."



    Das Wort Fehlkommunikation beinhaltet für mich den Begriff Fehler. Ein Fehler ist etwas Unabsichtliches. Mit Absicht etwas falsch zu kommunizieren ist keine Fehlkommunikation, das ist eine Lüge.



    Die Krankenkassen werden nicht spontan beschlossen haben ihre Beiträge zu erhöhen. Das hat schon etwas planerischen Vorlauf. Und das die Kassen leer sind und Milliarden fehlen, ist auch seit langem bekannt und wurde immer wieder thematisiert.



    Insofern war das keine Fehlkommunikation, Frau Warken - als Ministerin ganz nah dran an den Zahlen - hat somit wissentlich gelogen.



    Absolute Fehlbesetzung.

  • Das norwegische System funktioniert nur weil hier ein positives Verständnis von Staatlichkeit herrscht. Wir pflegen hier eine grundsätzliche Vertraulichkeit in den Staat und sehen daher staatliche Eingriffe auch eher als legitim an. Und ein staatliches Gesundheitsmonopol stellt zweifellos einen Eingriff dar.

    Nur in einer politischen Konsenskultur ist das Zusammenfallen von Versorgungsauftrag und Leistungserbringung in staatlicher Hand überhaupt erst möglich. Birgt ja auch etliche Risiken.

    Bei der Staatsskepsis, wie sie mir in Deutschland begegnet ist und einer derartigen konfliktgesteuerten politischen Kultur, wäre ein solches Modell von vornherein zum Scheitern verurteilt.

    Ein solcher Vergleich sollte daher immer im Kontext der gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen betrachtet werden. Nur die jeweiligen Ist Zustände gegenüber zu stellen ergibt wenig Sinn.

    Und natürlich gehen wir hier auch seltener zum Arzt. Kostet mich bei jedem Besuch 30 €. Es bedarf schon etlicher Besuche um die Zuzahlungsgrenze zu erreichen. Gleiches gilt für Medikamente. Im Schnitt zahle ich 30% als Eigenbeitrag. Günstig ist hier in Norwegen rein gar nichts.

  • Das Problem im Gesundheitssystem ist sicher nicht, wo man (noch mehr) Geld herbekommt,



    Das Problem im deutschen Gesundheitssystem ist, wo und wie das Geld ausgegeben wird. Vielleicht sollte man einfach mal versuchen, von den Ländern zu lernen, wo es pro ausgegebenen Euro bessere / effizienterere / zielfürhrendere Gesundheitsleistungen gibt.

  • Ich hätte Lauterbach auf dem Posten behalten als CDU. Aber die SPD wollte den ungeliebten Posten wohl an die CDU loswerden.



    Auf die private Krankenversicherung zu Schimpfen lohnt sich nicht, deren Mitglieder zahlen mehr beim Arzt und bekommen mehr, sie quersubventionueren das System.



    Die Technik wird immer besser und kann Kranke heilen, die vor 30 Jahren noch preisgünstig gestorben sind. Die Gewerkschaften erstreiten immer teurere Tarifverträge. Das kostet alles.



    Länder und Gemeinden müssen immer mehr für regionale Krankenhäuser bezahlen, der Bund immer mehr Steuern zuschiessen, die Mitglieder immer höhere Beiträge zahlen.



    Man könnte politisch steuern, aber nicht ohne den einen oder anderen zu verärgern: die Beitragszahler, die Mitarbeiter, die Kranken, indem nicht jede technisch durchführbare Heilbehandlung noch gemacht wird.

  • Man sollte auch mal das Positive erwähnen: Die Krankenkassenbeiträge bleiben stabil - nur die Zusatzbeiträge steigen. Es ist also nicht alles schlecht in Deutschland.

  • Wie wäre es mal mit dem Rest der Regelung der skandinavischen Länder, hier Norwegen (mit einem historisch hohen Krankenstand): Krankmeldung ohne Attest 3-8 Tage bis zu 4 mal im Jahr, während man hier je nach Firma gedrängt wird, ab dem ersten Tag ein Attest einzureichen. Allein dies erklärt, warum die Leute weniger zum Arzt gehen. Warum wird beim Vergleich mit dem Ausland immer die Hälfte weggelassen?

  • Das Problem der Krankenkassen ist doch nicht wie oft jemand zu Arzt geht, das hatten wir doch immer schon. Das Problem ist Millionen Menschen aus diesem System Leistung erhalten die hier noch nie einbezahlt haben. Es sind jedes Jahr über 10 Milliarden Euro die man sich hier einfach von den Beitragszahlern der Allgemeinen Krankenkassen durch höhere Beiträge bezahlen lässt.



    Diese Lücke müsste aber von der Allgemeinheit, also über Steuergelder, bezahlt werden. Der Schuldige ist also der Finanzminister, der sich hier einen schmalen Fuß auf Kosten der Normalversicherten macht.

  • In Norwegen gibt es auch kein zweiklassiges Gesundheitssystem. Die PKK muessen abgeschafft werden und die undurchsichtigen Beihilfen der Beamten und Pensionäre offengelegt werden. Denn diese müssen wir über die Steuern finanzieren!

    • @Gerhard Vogt:

      Was ist denn an den Beihilfen undurchsichtig? Die BeamtInnen bekommen i.d.R. 50%, so wie Angestellte bei der GKV, wo der Arbeitgeber auch knapp 50% trägt. Für Kinder gibt es 70% Beihilfe zur PKV, da zahlt die GKV sogar 100%. Kinder sind also bei der GKV kostenlos mitversichert. Nicht erwerbtätige EhepartnerInnen übrigens auch. Kostet in der PKV alles extra.



      Ich kenne mehrere BeamtInnen, die sich aus Kostengründen einen Wechsel in die GKV wünschen würden. Zumal die GKV über Steuern subventioniert wird, die auch von BeamtInnen gezahlt werden.



      Mein "Erweckungserlebnis" zum Thema PKV war die Aussage meines Arztes: "Ein Viertel sind Privatpatienten, die bringen aber drei Viertel des Umsatzes. Ohne die könnten wir die Praxis dichtmachen."

    • @Gerhard Vogt:

      Welch Erkenntnis - selbstverständlich werden Beamte und Pensionäre aus dem Bundeshaushalt finaniert.



      Es steht Ihnen doch völlig frei, sich auch privat zu versichern.



      Auch Zusatzversicherungen zur gesetzlichen Krankenversicherung werden angeboten.

    • @Gerhard Vogt:

      Genau, die sollten auch in die GKV. Dann muss der Staat einfach die Löhne für die Beamten entsprechend höher ansetzen und zusätzlich Krankenkassenbeiträge als Arbeitgeber zahlen. Das ist dann viel besser, als wenn wir das mit Steuergeldern bezahlen und... Ups?!

  • Um hier beim Artikel zu bleiben: Dass die aktuelle Ministerin nicht das Zeug zur Führung des Gesundheitsministerium hat wurde hier gleich an zwei Beispielen deutlich. Meiner Meinung nach eine klare Fehlbesetzung, die das Vertrauen in die Politik verspielt.

    Wer hier jetzt schon weiß wie es geht, sollte von Daiffamierungen anderer absehen und seine Energie in die Bewerbung auf ebendieses Ministerium investieren.

    Haben Sie alle einen guten Start im neuen Jahr!

  • Freizeitgestaltung alter, einsamer Menschen einerseits andererseits sind die alten Menschen die Goldesel für Ärzte und Krankenhäuser

    • @Oliver Wagner:

      Nicht zu vergessen die Rekordkrankmeldungen, die meisten ärztlich bescheinigt, der jüngeren Angestelltinnen und Arbeiter.

  • Naja die Ampel hat versprochen, dass die Krankenkassen für die Versicherung der BG Empfänger angemessen bezahlt werden. Ist nie passiert. Private Krankenversicherung. Darf weiter bestehen. Sonst sind die Beamten unglücklich. Deren System ist noch viel ineffizienter. Alles wird 2mal geprüft. Von der Versicherung. Und der Beihilfestelle. Die es im Föderalismus dann 17mal gibt. Meine Schwiegerfamilie sind alle Beamte. Das Selbstverständnis und die Anspruchshaltung, die dort besteht - Wahnsinn. Und nun erwarten wir von solchen Beamten in den Ministerien gute Ideen für ein System, das sie nicht betrifft? Ist wie bei der Rente! Da haben die überhaupt keinen Bock drauf! Interessiert sie auch nicht! Da fangen die Probleme an! Soziale Systeme müssen alle betreffen, insbesondere auch die, die für sie verantwortlich sind. Wenn die Verantwortlichen keine Konsequenzen ihres Handelns spüren können - weil es sie persönlich nicht betrifft und ansonsten auch sowieso unkündbar sind... klar, warum soll man dann...

    • @Stubentiger:

      Das mit den Beamten ist die deutsche Antwort auf das Klische das wir Humorlos wären.



      Wir schreiben überall in unsere Regeln und Leittexte das alle gleich wären, sogar unsere Nationalhymne fängt mit dem Wort "Einigkeit" an, aber in der Realität schaffen wir dann Systeme wo Einigkeit überhaupt nicht vorkommen kann weil die Vorraussetzungen bzgl essentieller Teile des Lebens komplett unterschiedlich sind.

      Ein Land das die Gleichheit und Einigkeit hochhält aber dann schon beim Thema Arbeit und allem was dazu gehört 2 komplett unterschiedliche Systeme fährt, -das kann nur ein Witz sein...

  • Für viele Menschen wieder ein Grund mehr die AfD zu wählen. Denn sie wissen nicht was sie tun, der AfD Wähler vorneweg. Der lässt seinen Pitbull (AfD) von der Leine, weil er nur noch Rache ersehnt. Soll doch alles vor die Hunde gehen.

    • @Andreas Flaig:

      Wie sieht denn Modell Krankenversicherung bei der AfD aus ? Die Altersversorgung soll ja unter der AfD auch weitgehend privatisiert werden. Die Schulen wohl auch, wenn die Schulpflicht abgeschafft werden soll, geht's auch auf die Privatschule.

    • @Andreas Flaig:

      Ja, ein insgesamt perspektivloser und destruktiver Ansatz, der aber leider funktioniert.



      Die handwerklichen, teilweise sehr anfängerhaften, Fehler der Regierung Merz tun ihr Übriges.



      Es ist schwierig und kompliziert, das muss man sagen, einfach rausposaunte Versprechen ohne reale Grundlage können die Nazis besser. Aber zumindest mittelfristig muss man dann auch mal liefern, zum Beispiel stabile Beiträge ohne dass am Ende die Armen aus Kostengründen nicht mehr zum Arzt gehen.

      • @FtznFrtz:

        Das Problem ist eher, dass zu oft und oft grundlos ein Arzt konsultiert wird.



        Ein fairer Fokus wäre also: Das alles zu optimieren, oft reduzieren, um Wartezeiten und unfaire Vorfahrten zu verhindern. Hier sind Vorschläge willkommen.

  • Ja, das denke ich mittlerweile auch: Die Mentalität.... 'geh doch zum Arzt' , 'ich will aber eine Zweitmeinung' bis zu 'das steht mir zu' ist einer der Hauptkostentreiber. Lösung: Eigenbeiteiligung hoch, Gesundheitslotsen statt Ärzten. Neulich in der TAZ, Prinzip Schweden.

    • @Tom Farmer:

      Bin ich ganz bei Ihnen, erschreckend wer mit was überall zum Arzt geht. Auch in meinem Umfeld. Einfach mal nen Tag im Bett bleiben und Tee trinken ersetzt oft stundenlange warterei in der Praxis. Und am Ende ist die Diagnose eben doch nur ne Erkältung.



      Wäre auch hilfreich, wenn die Leute sich mal selbst einfach zu helfen wüssten.

  • Auf der KH-Fachtagung vor kurzem in Berlin wurde mitgeteilt daß 75% der KH aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich defizitär sind die privaten Klinikkonzerne aber alle Gewinne erwirtschaften. Diese Verlagerung setzt ein klares Signal : Der Staat kann es nicht. Die Privatisierung der KH wird zunehmen 1/3 der Häuser werden schließen. Der Umbau zu einem auf Ambulanzen basierenden System wird aber nicht unbedingt die Kosten reduzieren. Das Gesundheitssystem wird auch ausgeplündert. Ärzte verdienen gutes Geld haben letztes Jahr geräuschlos einen sehr guten Tarifvertrag erhalten. Als Arzt inn Europa ist man Spitzenverdiener. Man muß massiv bei der Pflege sparen hier wird der Schwerpunkt der Auseinandersetzung liegen. Sei es das man sie verweigert über bürokratische Hindernisse sei es über Tarifdumping. Das geht aber kaum in KH dort gibt es noch Verdi und Betriebsräte. Angesichts der Debatte über das Interview mit Julia Zeh rate ich den bürgerlichen Parteien, die Dynamik nicht zu unterschätzen. Der Deutsche erwartet immer noch ein „Paket“ : Das wird es nicht mehr geben. Trotz Digitalisierung, Prozessoptimierung. Die Beitragszahler werden dann an der Wahlurne abstimmen.

    • @Hildebrand Felixflash:

      @Tom Farmer und Hildebrand Felixflash: die überbordende Anspruchshaltung ist sicher ein Problem. Die Defizite im öffentlichen Kh-bereich liegen aber auch mit daran, dass die Privaten Rosinenpickerei betreiben. Hinzu kommen auch noch die für die Allgemeinheit völlig überflüssigen Eingriffe wie Brustvergrößerung in Tschechien und Gesichtsmodellierung in der Türkei. Die Komplikationen und Folgeschäden müssen dann hier möglichst auf KK-Kosten behandelt werden.

    • @Hildebrand Felixflash:

      "Der Staat kann es nicht."

      ...ist eine Parole, die immer aufkommt, wenn es darum geht, noch mehr Geld in private Taschen zu schaufeln. Der Staat konnte durchaus 100 Jahre lang Krankenhäuser so führen, dass die Gesundheitsversorgung gut war. Erst als die verrückte Idee aufkam, dass man mit Krankenhäusern so richtig Kohle machen sollte, waren die "staatlichen" im Weg. Heute zahlen unsere Kassen den privaten, die sich die Rosinen rauspicken, zusätzlich zu den eigentlichen Kosten noch das Geld, um Dividenden auszuschütten. Die "staatlichen" Krankenhäuser werden derweil absichtlich runtergewirtschaftet, bis diese komplett verschwunden sind. Endziel: Den Teil der Kassenbeiträge, der in die Taschen von "Investoren" fließt, maximieren.



      So funktioniert "Marktwirtschaft", wenn sie nicht gebändigt wird. Und wer erwartet schon ausgerechnet vom Fritze, dass er Gier bändigt?

  • Fehlkommunikation finde ich das falsche Wort. Es war eine Lüge.



    Und nicht ich will, dass jeder Schnupfen medizinisch abgeklärt wird, sondern mein Chef. Der von meiner Frau will das sogar ab dem ersten Tag.



    Ich würde mich gar nicht wundern, wenn das allein schon 25% der Besuche beim Hausarzt ausmacht.

  • Das grundsätzliche Problem bei der Krankenversicherung ist doch, dass es zwei Klassen gibt: gesetzlich und privat! Das müsste schnellstens zusammengeführt werden.



    Und die Beiträge für die Empfänger von Bürgergeld müssten vom Staat übernommen werden und nicht von den gesetzlich Versicherten! Dann bräuchte man auch keine Erhöhung der Beiträge.

    • @Brigitte Dost-Tauschl:

      Die Beiträge von Bürgergeldempfängern werden schon durch den Zuschuss vom Bund ausgeglichen.

      Und dass durch den Zusammenschluss von gesetzlicher und privater Versicherung die Beiträge stabil bleiben würden, ist Wunschdenken. Z.B. meine Beiträge an die Barmenia steigen zum neuen Jahr um über 20%. Ich gehe davon aus, dass das bei anderen Kassen nicht groß anders aussieht. Das Problem ist tatsächlich die Ausgabenseite.

    • @Brigitte Dost-Tauschl:

      Und woher nimmt der Staat sein Geld?

    • @Brigitte Dost-Tauschl:

      Sie haben die kostenlose Mitversicherung füe Ehepartner und Kinder vergessen. Privat versicherte genießen nicht das Privileg.

  • Korrekturen fördern mE nicht (per se) das Misstrauen in die Politik. Sie stellen auch keine Fehlkommunikation i.e.S. dar. Es kommt vielmehr auf das Thema und die persönliche Betroffenheit an (weshalb 'wir' besonders an dieser Stelle gern manipuliert werden). Wenn, wie hier, immer Otto Normalo das Nachsehen hat (auch als Buhmann in der Figur des Patienten = moralischer Verschleiß), denn der Kampf um Leistung des Gesundheitswesens und die eigene finanzielle Beteiligung scheint nicht an seinem Ende angekommen zu sein, dann wird das Misstrauen bestärkt.

  • "Nina Warken versagt als Gesundheitsministerin"



    ... und reiht sich damit nahtlos ein in die Riege der aktuel Regierenden.

    Leute! Tut was! Tut was!



    Wenn das so weiter geht kann man nurnoch auswandern !

  • Gründe für die geringere Anzahl an Arztbesuchen dürften aber auch in den Arbeitsbedingungen Norwegens liegen - hohe Sozialstandards, 5 Wochen Urlaub, Teilzeit, in der Regel 34 Stunden/Woche ...

  • Norwegen ist gut.



    Durch die Öleinnahmen schwimmt der Staat im Geld.



    Deutschland ist pleite, will es nicht wahrhaben "Deutschland ist ein reiches Land!" und will die Welt retten. Kein Wunder, dass für die Einwohner nur wenig übrig bleibt.

    Aus Schweizer Sicht kann ich nur sagen, dass der deutsche Staat erschreckend teuer ist für das, was er seinen Einwohnern und Steuerzahlern bietet.



    Selbst Feldwege sind dort besser gepflegt als innerstädtische Strassen in Deutschland. Von maroden Schulgebäuden usw. nicht zu reden...

    • @Carsten S.:

      "Deutschland ist pleite...."



      Das ist nicht wahr.

      "...dass der deutsche Staat erschreckend teuer ist für das, was er seinen Einwohnern und Steuerzahlern bietet."



      Das hingegen ist wahr.

      Die Schweiz ist in vielerlei Hinsicht besser aufgestellt als Deutschland, dies ist allerdings auch einigen schweizer "Besonderheiten" geschuldet, die nicht auf D übertragbar sind.

      Allerdings ist der Leidensdruck für mich noch nicht so hoch als das ich mein Domizil auf die andere Seite des Rheins verlegen werde.

  • Die Antwort mit Lösungsvorschlag "2.0" (reloaded) der Ärzteschaft lässt nicht lange auf sich warten:



    "Der Verband der Kassenärzte fordert neue Einnahmequellen für das Gesundheitssystem. Vorstellbar sei „eine Art Praxisgebühr 2.0, bei der die Kassen das Geld bei den Patienten einziehen“, wie Andreas Gassen der Rheinischen Post sagte. „Zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal sind zumutbar, das ist der Preis eines Döners“, so der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)."



    Bei fr.de



    Aber dort steht auch:



    "Eine Praxisgebühr gab es bereits von 2004 bis 2012. Nun fordert KBV-Chef Gassen, erneut daraufzusetzen. Die GKV ist anderer Meinung."



    Was wohl die "Buchmacher" der Politik sagen?

    • @Martin Rees:

      Man möchte ja weniger Arztbesuche erreichen. Wenn man nun 1mal pro Quartal zahlen soll... hat man für das restliche Quartal wieder Flatrate...

      • @Stubentiger:

        Nix Flatrate, eher das Gegenteil.



        "Andreas Gassen:



        Kassenärzte-Chef fordert Gebühr für Patienten bei Arztbesuch



        Kassenärzte-Chef



        Gassen will "Kontaktgebühr" bei jedem Arztbesuch



        Im Detail:



        "Drei oder vier Euro" pro Arztbesuch? Kassenärzte-Chef Gassen setzt sich für eine "Kontaktgebühr" ein, um die Krankenkassen zu unterstützen. Auch die Krankenhäuser wollen, dass Patienten viel mehr selbst zahlen.



        Die Kassenärztinnen und -ärzte schlagen die Einführung einer neuen Gebühr für Patienten bei jedem Arztbesuch vor. "Statt einer Praxisgebühr könnte es künftig als Eigenbeteiligung bei Arztbesuchen eine Kontaktgebühr geben", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, der Bild-Zeitung."



        Quelle tagesschau.de



        Weiter dort:



        "(...)"Sie könnte, wie zum Beispiel in Japan, bei drei oder vier Euro liegen und sollte von den Krankenkassen eingezogen werden." Auf diese Weise könne die Einnahmebasis der Kassen erhöht werden. Gassen betonte, die Gebühren müsse "sozial verträglich gestaltet werden, damit niemand überfordert wird"



        Das wird interessant werden!



        In der Diskussion!

  • Die USA haben gerade die Preise für Arzneimittel bei sich massiv gedeckelt. Bei uns ist das natürlich unmöglich - das wäre ja quasi Sozialismus, wenn die Pharmaindustrie keine Mondpreise mehr für Produkte verlangen kann, deren Herstellung ein paar Euro kostet.

    • @TeeTS:

      Haha! Was ist denn das für ein Witz? Bei uns ist das nicht unmöglich, sondern schon lange Realität! In den USA hat der Staat die Arzneimittel lange praktisch gar nicht kontrolliert. Und das zu korrigieren ist ausnahmsweise eine gute Idee von Trump.



      Die absolut astronomischen US-amerikanischen Preise zahlt man sonst nirgends auf der Welt. Und was genau Trump und sein Stümperkabinett dann wie umsetzen, das bleibt mal noch abzuwarten. Noch ist gar nichts gesenkt.



      Profite mit Gesundheit, ich bin dagegen. Und das ist auch bei uns zu oft der Fall, aber im Vergleich zu den USA sind wir da blendend unterwegs.

    • @TeeTS:

      Ein bißchen zu kurz gesprungen. Bis zur Marktreife eines neuen Medikamentes sind zig Versuche notwendig, danach beginnt die Testphase an Tieren und hernach an Menschen. Von Dutzenden Produkten die in der Pipeline sind ist am Ende nur eines übrig, welches wirkt und zugelassen wird. Manchmal kommt keines jemals in den Handel. Diese Kosten müssen irgendwie wieder reinkommen, daher sind die Preise häufig hoch und das Patent ist 20 Jahre geschützt. Danach können Generika für dieses Produkt von anderen Anbietern an den Markt gebracht werden, diese kosten dann tatsächlich nur wenig mehr als die Rohstoffkosten, da keinerlei Forschung im Vorwege betrieben werden musste.

    • @TeeTS:

      Schon mal nachgedacht wer bei Arzneimitteln das volle milliardenschwere Risiko der Entwicklung und Zulassung trägt? Kleiner Top es sind nicht Universitäten oder der Staat.

    • @TeeTS:

      Die Herstellung ist ja auch nicht der Kostenfaktor sondern Forschung und Entwicklung.

  • Braucht man wirklich zig Krankenkassen.



    Würde nicht eine genügen , in die alle einzahlen ?



    Muss das Gesundheitssystem profitorientiert arbeiten oder wäre es nicht besser es am Gemeinwohl zu orientieren , dann würde der Patient Gesundheitsdystem auch wieder genesen .

    • @Worgt Michael:

      Das werden Die Krankenkassen Verbände nie zulassen. Wäre jedoch der erste richtige Ansatz die vielen Boni für Vorstände fressen auch einiges auf.

      • @Welt Bürger:

        Wenn nicht bestimmte Ärzte dank Teilanonymisierung von Rechnungsdaten via Kassenärztliche Vereinigung nicht 80 Stunden pro Woche abrechnen und damit die GKV ausnehmen könnten wie eine Weihnachtsgans (mit 20% Provision an die KV), könnten wir uns noch ein paar Krankenkassen mehr leisten.

        Ironischerweise hat da außer der bayrischen CSU bis jetzt niemand dran gerührt - und auch die nicht wirklich erfolgreich angefangen tätig zu werden (den Staatskommissar bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigungen Bayern gibt es jedenfalls nicht mehr)...

        • @FriedrichHecker:

          Wie überall gibt es auch unter den Ärzten schwarze Schafe. Aber über die Hälfte der Ärzte in Deutschland arbeiten in Kliniken und rechnen selbst überhaupt gar nichts direkt ab. Zwar keine 80 Stunden pro Woche (mehr), aber deutlich über den inzwischen üblichen 37/38 Stunden arbeiten Ärzte auch. Es liegt nicht an den Ärzten, wenn die Gesundheitskosten immer weiter steigen.







          Eher folgende Punkte:



          Private Klinikkonzerne haben wie VW und Mercedes ein Renditeziel, das gerne mal bei 25% liegt, was bedeutet, dass deren Umsatz zu einem Viertel zu verteiltem Gewinn wird, der aus Krankenkassenbeiträgen (!) bezahlt wird. Wenn das Zeil nicht erreicht wird, ist der Chefarzt ganz schnell seinen Job los.







          Ja, Ärzte gehören zu den Besserverdienern. Aber deren wirklich anstrengende und zeitintensive Arbeit zu diskreditieren, weil es auch ein paar Abrechnungsbetrüger gibt, ist nicht fair. Und die hohen Gesundheitskosten verantworten sie mit Sicherheit nicht. Der Anteil der Arztgehälter (2023: 43 Milliarden Euro) an den Gesamtausgaben im Gesundheitswesen (2023: ca. 500 Milliarden) beträgt nicht einmal 10 %.

      • @Welt Bürger:

        Gesetzliche Krankenkassen sind Körperschaften öffentlichen Rechts. Die machen keine Gewinne sondern ziehen im Umlageverfahren Beiträge bei ihren Mitgliedern ein um deren medizinische Versorgung zu bezahlen. Ergo git es auch keine Boni für Vorstände. Die werden im Übrigen auch von ihren Mitgliedern gewählt. Stichwort Sozialwahlen. Sollte eigentlich jeder, der hier eine Schule besucht hat, dort gelernt haben.