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Linken-Politikerin von Angern zur Rente„Dem Kanzler ist der Osten egal“

Die Renten-Pläne der Bundesregierung treffen Ostdeutsche in besonderem Maße, sagt die sachsen-anhaltische Spitzenkandidatin der Linken, Eva von Angern.

Lotte Laloire

Interview von

Lotte Laloire

taz: Frau von Angern, finden auch Sie, das Rentenpaket sollte noch einmal aufgeschnürt werden?

Eva von Angern: Auf jeden Fall. Die Rentenkommission hat ein Kürzungsprogramm vorgelegt. Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und die Einschränkungen bei der Altersteilzeit bedeuten massive Einschnitte für viele hart arbeitende Menschen.

taz: Sind das die größten Probleme?

von Angern: Nein, der größte Paradigmenwechsel ist die vorgeschlagene Kapitalrente. Damit bricht die Regierung ihr Versprechen einer sicheren Rente, wenn diese von den Entwicklungen der Finanzmärkte abhängen. Außerdem steigt so wiederum der Druck auf Mieten und Pflegekosten. Das halte ich für grundlegend falsch.

Im Interview: Eva von Angern

ist Spitzenkandidatin der Linkspartei in Sachsen-Anhalt bei der Landtagswahl am 6. September. Sie ist seit 2002 Mitglied des sachsen-anhaltischen Landtags und seit 2021 Fraktionsvorsitzende. Die Rechtsanwältin gilt in ihrer Partei als Reformerin.

taz: Die gesetzliche Rente allein reicht ja oft nicht …

von Angern: Stimmt, die Kapitalrente soll die Schwächung der gesetzlichen Rente ausgleichen. Aber das ist eine Mogelpackung! Denn mit steigendem Alter steigt ebenfalls das Armutsrisiko – ganz besonders in Ostdeutschland, wo sehr viele Menschen nur die gesetzliche Rente haben.

taz: Was stört Sie an dem Paket noch?

von Angern: Auch die weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters gehört unbedingt auf den Prüfstand. Sie würde Menschen in Ostdeutschland besonders hart treffen. Insbesondere in Sachsen-Anhalt bekommen die Menschen sowieso schon wenig Rente. 60 Prozent haben für ihren Ruhestand weniger als 1.400 Euro zur Verfügung. Weder diese Höhe der Rente noch das geplante Vorhaben schützen vor Altersarmut – und sie kostet den Sozialstaat letztlich viel mehr, als sie einsparen.

taz: Wieso das?

von Angern: Ganz einfach: Armut kostet. Wer arm ist, ist in einem schlechteren gesundheitlichen Zustand, ist auf familiäre Unterstützung angewiesen oder muss weitere Leistungen des Sozialstaates in Anspruch nehmen. Allein beim Wohngeld sehen wir einen massiven Anstieg: Im Jahr 2016 haben in Sachsen-Anhalt 9.116 Rentnerinnen und Rentner Wohngeld bezogen. 2024 waren schon 33.723 dazu gezwungen, weil ihre Rente für die Wohnkosten einfach nicht ausreicht. Auch bei der Grundsicherung im Alter klettern die Zahlen seit Jahren weiter in die Höhe. Hinzu kommt: Wer keine finanziellen Mittel hat, geht wahrscheinlich nicht ins Theater, besucht keine Sportprogramme oder geht mal auf einen Kaffee aus. All das würde unsere regionale Wirtschaft und damit auch unsere Steuereinnahmen stabilisieren.

taz: Das heißt, Sie stimmen als Linke der SPD-Politikerin Manuela Schwesig und ausnahmsweise auch den CDU-Politikern zu?

von Angern: Ja, jedenfalls in der Kritik, dass die ostdeutsche Perspektive außen vor gelassen wurde. Nur wenige hier hatten in der DDR die Möglichkeit, ein Vermögen aufzubauen oder Vorsorgeleistungen in Anspruch zu nehmen. Hinzu kommt, dass die Erwerbsbiografien im Osten durch Umbrüche, Arbeitslosigkeit und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geprägt sind. All das bestraft der Reformvorschlag noch.

taz: Ist es nicht etwas wohlfeil, dass Mitglieder der kapitalistischen Partei, die für die ungerechte Wende zur Zeit von Helmut Kohl und die Verarmung vieler Ostdeutschen verantwortlich ist, nun behaupten, etwas für Rentner in Ostdeutschland tun zu wollen?

von Angern: Dass sich die CDU-Ministerpräsidenten kurz vor den Wahlen als Kämpfer für die Beschäftigten aufspielen, ist an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Es würde mir dennoch zu denken geben, wenn sie dieses Rentenpaket einfach so hingenommen hätten. Schließlich würde es zu großen Verschlechterungen und Unsicherheiten in der Bevölkerung führen. Sie machen ihren Job nicht gut, aber immerhin regt sich in ihnen überhaupt etwas. Dem Bundeskanzler ist der Osten egal.

taz: Gewisse Einsparungen gebietet der demografische Wandel aber schon, oder? Immerhin gibt es immer weniger einzahlende Junge als rentenberechtigte Alte …

von Angern: Das sehen wir als Linke anders. Bei der Rente haben wir – wie in vielen anderen Bereichen auch – ein Einnahmeproblem. Unser Konzept sieht mehr Solidarität vor. Wir wollen, dass alle in die Rentenkassen einzahlen; also auch Beamtinnen und Beamte, Abgeordnete und Ministerpräsidentinnen und -präsidenten. Mit einer solidarischen Erwerbstätigenversicherung können wir die Rentenversicherung finanziell auf sehr viel stabilere Beine stellen. Außerdem müssen wir an die Beitragsbemessungsgrenze ran.

taz: Was wollen Sie daran ändern?

von Angern: Die muss mindestens verdoppelt werden, damit sich Menschen mit hohen Einkommen gerechter beteiligen. Ein Beispiel: Wer 10.000 Euro im Monat verdient, sollte auch auf 10.000 Euro Rentenbeiträge zahlen. Gleichzeitig wollen wir besonders hohe Rentenansprüche abflachen, die sich dadurch ergeben würden. Wir wollen sozusagen eine Maximalrente festlegen, damit sich das im Alter ausgleicht.

taz: Fehlt in dieser Debatte die Geschlechterdimension?

von Angern: Frauen erhalten nicht nur niedrigere Löhne, sondern damit verbunden auch eine niedrigere Rente. Bei uns in Sachsen-Anhalt beziehen Männer durchschnittlich 1.457 Euro, Frauen nur von 1.250 Euro, wie eine Kleine Anfrage der Linken im Landtag gezeigt hat. Trotzdem leisten Frauen nach der Lohnarbeit unbezahlte Sorgearbeit für ihre Familie. Der Vorschlag der Bundesregierung bedeutet für Frauen noch längeres Arbeiten bei durchschnittlich schlechterem Lohn und weniger Freizeit.

taz: Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Frauen in Ost- und Westdeutschland?

von Angern: In Ost und West galten früher andere Vorstellungen von Familie und Arbeit. In der DDR sollten Frauen auch im Alter eigenständig sein können und haben andere Ansprüche gehabt als ihre Schwestern im Westen. Bei der Rentenüberleitung im Zuge der Wiedervereinigung wurde das jedoch nicht berücksichtigt. Die Folge: Frauen, die wenig oder gar nicht arbeiten konnten, sind heute im besonderen Maße von Armut betroffen. Ein Gerechtigkeitsfonds, der regelmäßige Ausgleichszahlungen zwischen den Rentenmodellen der DDR und der heutigen BRD schafft, wäre eine echte Verbesserung gewesen. Doch die Bundesregierung hat leider versäumt, sich mit diesen Problemen zu beschäftigen.

taz: Jetzt, wo Kritik am Rentenpaket tatsächlich von allen politischen Seiten und sogar aus den eigenen Reihen kommt: Wird die Bundesregierung es aufschnüren – was ist Ihre Prognose?

von Angern: Der Bundeskanzler hat es bisher immer wieder geschafft, groß angekündigte Reformen zu vermasseln, und er hat es immer wieder geschafft, uns mit seinen Fehltritten zu überraschen. Ihm fehlt der Rückhalt in der Union, und gerade die Ostlandesverbände, die letztes Jahr klar hinter ihm standen, drehen ihm jetzt den Rücken zu. Das zeigt nicht nur, wie zerstritten die Union intern ist, sondern auch dass sie es nicht schaffen, die Interessen Ostdeutscher zu berücksichtigen. Ich kann nur hoffen, dass die Bundesregierung die massive Kritik an den Kürzungsvorschlägen ernst nimmt und beim Rentenpaket eine Kehrtwende einleitet.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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38 Kommentare

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  • Bluewater

    Dem Kanzler ist auch der Westen egal. Und die "unten" auch. Merz kümmmert nur der "gehobene Mittelstand", also die Leute die Flugzeuge besitzen, keine Jets.

  • Kriebs

    „ Gleichzeitig wollen wir besonders hohe Rentenansprüche abflachen, die sich dadurch ergeben würden. Wir wollen sozusagen eine Maximalrente festlegen, damit sich das im Alter ausgleicht.“ —> Mit anderen Worten: „Wir als Linke fordern eine verfassungswidrige Umgestaltung der Rentenversicherung.“

    Kann man machen, sollte man dann aber auch genau so sagen.

    Davon abgesehen ist Einbeziehung der Beamten in die Rentenversicherung bestenfalls ein Nullsummenspiel schlimmstenfalls ein Kostengrab.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Kriebs:

      Warum sollte eine solche Umgestaltung verfassungswidrig sein? Mit anderen Änderungen, die ungünstig für die Versicherten sind, hatte das BVG doch auch kein Problem.

      • Kriebs

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Weil das BVerfG bereits entschieden hat, dass die Rentenversicherung eine Versicherung und keine Sozialleistung des Staates ist und dass das sogenannte Äquivalenzprinzip für Sozialversicherungen gilt.

        Das heißt jeder eingezahlte Euro muss berücksichtigt werden (Versicherungsprinzip). Das bedeutet, eine Deckelung ist verfassungswidrig.

        Und jeder eingezahlte Euro muss gleich viel wert sein (Äquivalenzprinzip). Das heißt, wer hohe Beträge einzahlt muss auch eine entsprechende (äquivalente) hohe Rente erhalten. Ein abschmelzen hoher Einzahlungen dahingehend, dass die Rente mit hohen Einzahlungen weniger stark steigt (degressive Rente) ist ebenfalls verfassungswidrig.

        Sämtliche Forderungen der Linke sind bereits aufgrund der bestehenden Urteile des BVerfG klar verfassungswidrig.

    • Christine_Winterabend

      @Kriebs:

      Das könnte man behaupten, aber das nachzuweisen, wäre unter anderm die Aufgabe der sogenannten "Rentenkommision" gewesen, um zu begründen, warum diese Alternative abgewählt wurde. Ich denke, wir alle hätten einen Anspruch darauf, zu verstehen, warum es keine Alternative zu dem jetzt vorgelegten Rentanpaket genen sollte. Vor allem, nach dem jetzt zugegeben und dann offensichtlich wieder verboten wurde zu erwähnen, dass die tragende Geldquelle für das vorgeschlagene Modell die Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren ist. Und das auch noch unter Behauptung der Gleichbedeutung mit der Rente mit 63 - was gut ausgedacht war, um die eigentliche Bedeutung zu verdecken.

      • Altbayer

        @Christine_Winterabend:

        Die Alternative, dass die Beamten einbezahlen, wurde deshalb abgewählt, weil zweimal der Pensionsfonds komplett für die Rente geleert wurde, es zwei Null-Runden gab, (minus 8%) die Pension von 75% auf 66,75% Max gesenkt wurde. Pro Jahr früher gehen verliert man nicht 1,875% Anwartschaft, sondern 3,6% - aber höchstens 10,8% - also mindestens drei Jahre.

        • Christine_Winterabend

          @Altbayer:

          Was mich besonders interessiert: Hat die fleißige Rentenkommission das herausgefunden, und hat sie das dann gleich gebrauchsfertig so formuliert, das jeder sagt - ach so, ja klar, ja wenn dass so ist, dann geht es wohl leider gar nicht anders. Diese für mich überrachende Information sagt mir vor allem, dass zwischen Rente und Pension noch viel mehr Inakzeptables existiert, als die meisten glauben. Haben die Schweizer ein Glück, das dieses geheimnisvolle Ungemach sie bei der Umstellung verschont hat!

          • Christine_Winterabend

            @Christine_Winterabend:

            für den Fall, dass ich mich etwas unverständlich ausgedrückt habe: Ich habe auch noch nie etwas über zwei darbende Generationen von frisch pensionierten Beamten gehört, für deren Pension leider kein Geld übrig war. Die Informationen über Versorgungsleistungen, die mir zu Ohren gekommen sind, gehen vor allem in die andere Richtung.

            • Kriebs

              @Christine_Winterabend:

              Ihr Problem scheint hauptsächlich die Pension zu sein, was angesichts der Berichterstattung hierüber nicht verwunderlich ist. Interessant ist, dass sich hier alle Medien einig sind, dass die Beamten (vermeintlich) ungerecht behandelt werden, von ganz rechts bis ganz links. Das liegt (leider) an der Komplexität des Themas und den Zahlen dazu, aus denen sich leicht Polemik machen lässt (z.B. „die durchschnittliche Pension liegt bei 3.000 €, die durchschnittliche Rente bei 1.500 €. Unfair!“).

              Es fängt schon damit an, dass der durchschnittliche Pensionär nicht mit durchschnittlich Rentner vergleichbar ist. Beamte sind weit überdurchschnittlich Akademiker, die Akademikerquote liegt bei ca. 80 %, bei der gesamten Bevölkerung liegt sie bei 15-20 %. Um realistisch zu vergleichen, müsste man also die Akademikerrenten mit der durchschnittlichen Pension vergleichen. Diese Erhebungen gibt es, damit lässt sich aber deutlich weniger Stimmung erzeugen, denn der Abstand von tausenden Euro schrumpft auf wenige hundert Euro zusammen. Rechnet man hier noch die betriebliche Altersvorsorge hinzu (die zumindest öffentliche Arbeitgeber zahlen) ist der Unterschied fast weg.

              Das ist nur Thema.

  • Ludowig

    Warum sind Frauen im Osten bei der Rente schlechter gestellt, wenn doch deutlich mehr Frauen im Osten als im Westen erwerbstätig waren? Sind dann nicht die Frauen im Westen schlechter gestellt?

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Ludowig:

      Das traf in gewisser Weise in den Jahren nach 1990 zu.

      Jetzt gehen die Frauen im Osten in Rente, die nach 1990 häufig eine chaotische Erwerbsbiografie hatten. Sie wurden Jahre lang zwischen schlecht bezahlten Jobs und ABM hin und her geschubst. Da kommt keine gute Rente raus. Und häufig ging es ihren Männern nicht besser. Auch von dort ist nicht viel zu erwarten.

    • Romilia

      @Ludowig:

      Hier ging es um die Frauen, die eine eigene Rente beziehen und da ist doch einfach klar, die Verdienste waren deutlich geringer.



      Meine Mutter war Kindergartenleiterin, ihr DDR-Schlusslohn lag bei knapp 700 Mark, 1990 war sie 48.



      Danach folgten noch ein paar besser bezahlte Jahre - aber 100% Westlohn waren im öffentlichen Dienst auch lange nicht erreicht.



      Ihre Rente betrug 2020 1800 Euro - inkludiert Witwenrente und Intelligenzrente aus der FZR der DDR.



      Gearbeitet hat meine Mutter dafür übrigens, seit sie 16 Jahre alt war.



      Als ich geboren wurde, gab es in der DDR noch kein Mütterjahr - nach 12 Wochen verschwand das Kind in der Krippe und die Mutti auf Arbeit.



      Und da man ohne Arbeit nicht krankenversichert war, gab es auch keine Auszeiten, Einkehr, Selbsstbesinnung etc.



      Ganz abgesehen davon, dass das noch niedrige Einkommen meine Vater nicht gereicht hätte, eine Familie zu ernähren.

  • Dietmar Rauter

    Das Problem, dass die ökonomische Entwicklung es mit sich gebracht hat, dass zu wenige junge Menschen zu viele Ältere jetzt mitversorgen müssen und das in Zeiten, in denen die Jüngeren eben nicht mehr in Zeiten eines Wirtschaftswunders mit entsprechendem Aufschwung genügend Auskommen und Wohlstand erwerben können, wird auch hier nicht verstanden . Sowohl die gesetztliche, aber noch mehr die Kapital-gedeckte Altersversorgung gehen von einem immerwährenden, fast unbegrenzt möglichen Aufschwung aus, der im fortgeschrittenen Kapitalismus, dessen Produktivitätsfortschritt menschliche Arbeit eher überflüssig macht, nicht mehr erreicht werden kann. Der einzig mögliche Ausweg ist, die Verteilung des zweifellos riesigen Reichtum anders als über (Raubtier-) Märkte zu organisieren, sondern Wirtschaft und menschliche Fähigkeiten nach den Bedürfnissen einer Mehrheit demokratisch zu auszurichten. Kapitalismus hat zwar die demokratische Mitwirkung erst möglich gemacht, aber -inzwischen- auch seine Grenzen deutlich werden lassen, wenn Reiche sich -nur vorübergehend, sie brauchen auch die anderen- bereichern und Ärmere quasi bedeutungslos werden, gerade auch im Alter!

    • Christine_Winterabend

      @Dietmar Rauter:

      Was hier vor allem nicht vestanden wird, ist dass bisher nicht nachgewiesen ist, dass das bisherige Rentensystem den Anforderungen nicht mehr genügt und dass der angebliche Gegenbeweis immer noch regelmässig mit falschen Zahlen belegt ist. Vor allem wird regelmäßig unterschlagen, dass die BIP-Entwicklung bei der Einschätzung des staatlichen Aufwandes für die gesetzliche Rente nicht berücksichtigt wird, obwohl das zu dem Ergebis fürhten würde, dass das bisherige Rentenmodell durchaus lebensfähig wäre. Die "Rentenkkommission" hat daran überhaupt kein Interesse gezeigt, woraus man Schlüsse ziehen sollte, zu welchem ERgebnis ihre Arbeit auftragsgemäß führen sollte. Auch zu alternativen Modellen, z.B. dazu, welche Konsequenzen die Einführung des Schweizer Modells letztendilich wirklich häzzr, wurden keine Ergebnisse vorgelegt. Und das sind nur die beiden drastischsten Beispiele. Was hat diese Kommission eigentlich mit für von uns Steuerzahlern finanzierten Arbeitsautrag getan, außer jeden von Merz ausnutzbaren Aberglauben der Bevölkerung zu unterstützen?

      • Altbayer

        @Christine_Winterabend:

        Frau Winterabend - genau was Sie im letzten Absatz beschrieben haben. Reicht Ihnen dies etwa nicht?!?

        Eine Kommision zur Bildung eines Arbeitskreises zur Erschaffung eines Arbeitskreises zur Bildung einer Kommision ( oder wie der Sketch geht ) - treibt leider



        auch in den höchsten Akademiker-Kreisen immer wieder



        unnötig teure Stilblüten!

        Vor Urzeiten wurde über die Statik, zur Rückgabe eines angemieteten Amtes, von fünf Architekten diskutiert.



        ( Planung, Arbeitszeit locker drei Wochen, wohl jeweils 4000 DM netto... )

        Die zu entfernende Wand, war von mir und, zwei Kollegen, unter Einsatz eines Wacker-Hammers, in 6 Stunden Geschichte. Fahrzeit, Klein-Transporter, Brotzeit - Aufwand ca. 500,-- DM... wie von der Vermieterin gewünscht.

        Das Volk bekommt immer die Regierung die es verdient.



        Joseph de Maistre 1811

  • Il_Leopardo

    1



    Ich habe andere Zahlen gefunden: Laut Deutscher Rentenversicherung beträgt der monatliche Zahlbetrag für alle Altersrenten 2026 rund 1.180 Euro. Männer erhalten im Schnitt höhere Renten (ca. 1.374 Euro), Frauen im Schnitt niedrigere (ca. 1.000 Euro), was auf Teilzeitarbeit und Care-Arbeit zurückzuführen ist. Danach wären die Rentner in Sachen-Anhalt also gut bedient.



    2



    Wenn alle in die Rentenkasse einzahlen, dann erhalten später auch alle eine Rente. Hinzu kommt, dass Beamte und Selbständige nach meinen Zahlen älter werden als z.B. Arbeiter, die körperlich anstrengende Arbeiten verrichten. Und wer älter wird, erhält auch länger Rente.



    3



    Die ganze Sache ist durchschaubar. Jetzt stehen Wahlen im Osten an und man trägt nochmal ein paar Scheingefechte aus, um den Wählern zu suggerieren, dass man doch bereit ist, etwas für sie zu tun.

  • Bauer Gerry

    Wenn die Rente für besonders langjährig Versicherte abgeschafft wird und alle Anspruchsberechtigten zwei Jahre länger arbeiten, dann erhöht sich die Rente für die Betroffenen durch zwei weitere Beitragsjahre.

    Man geht jedoch davon aus, dass im Durchschnitt nur 10 Monate länger gearbeitet wird und viele dann mit Abschlägen in Rente gehen. Nur diese kalkulierten Abschläge sind die "Einsparung".

    Ich kann bei Abschaffung nur jedem raten, irgendwie zwei Jahre noch durchzuhalten.

    Jeder der Abschläge bei der Rente in Kauf nimmt, wird sich bis an sein Lebensende darüber ärgern. Die meisten sind leider zu kurzsichtig und wollen nur schnell in Rente, ohne die Konsequenzen langfristig zu beachten. In einigen Jahren sind 10% von einer zwischenzeitlich gestiegenen Rente auch deutlich höhere Abzüge und niemand kennt die Preissteigerung in den nächsten Jahren.

    • Christine_Winterabend

      @Bauer Gerry:

      Was mir als Alternative für die Rente mit 63 geboten wurde, war keineswwegs lukrativ: Aufhebungsvertrag mit lächerlicher Abfindung, die auch noch wegen meines Einverständnisses verrechnet werden würde, wenn ich keine neue Stelle finde, was mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit so gewesen wäre. Altersteilzeit ist immer noch die Gelegen heit für Firmen, die Älteren mit ihren hart erarbeiteten Gehaltsansprüchen einfach abzuschieben in eine Situation, in der sie die Rentenkürzung nicht mehr kompensieren können. Bei mir ist das ein Viertel des Rentenanspruchs. Und dazu kommt noch, dass mir für meine kleine weit überwiegend nach staatlichem Verlangen privat finanzierte zusätzliche Vorsorge jetzt noch zum zweitenmal alle Kassenbeiträge abgezogen werden, weil die Kassen zu faul sind, den nach Steuer und Beiträgen finanzierten Anteil zu berechnen. Wenn man dann noch die Doppelbesteuerung berücksichtigt, werden eigentlich alle, die auf eine Rente aus Erwerbstätigkeit angewiesen sind, schon jetzt durch die Behauptung eines solidarischen Systems einfach nur verhöhnt. Danke dafür, dass einem dann noch unterstellt wird, man hätte die Wahl gehabt und sei kurzsichtig gewesen.

    • Il_Leopardo

      @Bauer Gerry:

      Das ist doch der Sinn der Übung: Man erhöht das Renteneintrittsalter und weis gleichzeitig, dass viele nicht so lange arbeiten können. Jeder, der dann früher geht, erhält halt eine Rente mit Abschlägen.

    • Der olle Onn

      @Bauer Gerry:

      "Ich kann bei Abschaffung nur jedem raten, irgendwie zwei Jahre noch durchzuhalten."



      Und was möchten Sie meinen früheren Kollegen raten, die monate- teils jahrelang im Krankenstand waren, weil sie unter der Dauerbelastung von Leistungsdruck, Schicht- und Wochenendarbeit eingeknickt sind? Jedesmal wieder nervlich zusammenbrachen, wenn ihnen jemand attestierte "leistungsfähig" zu sein? Die dann doch mit Ende 50 aussortiert wurden, weil auch im Unternehmen niemand mehr daran interessiert war sie zu integrieren? Ich habe davon mehrere erlebt in meinen letzten zehn Arbeitsjahren...



      Nein. Niemand sollte sich über ein paar Dutzend fehlende Euro im Monat lebenslang ärgern, wenn er dadurch wieder echte Lebensqualität gewinnt...

      • Bauer Gerry

        @Der olle Onn:

        Tja, dann warten Sie mal ab. Die paar Monate oder maximal 4 Jahre früher sind schneller vorbei als man denkt. Und dann bleiben nur noch die Abzüge.

        Ich kenne viele, die deswegen im Alter unzufrieden sind und ständig über Staat und Gesellschaft meckern. Da mache ich lieber meinen Job mit möglichst viel Freude zu Ende und bleibe auch danach dauerhaft glücklich und zufrieden.

        • Der olle Onn

          @Bauer Gerry:

          Nun - ich selbst bin in der glücklichen Lage nicht abwarten zu müssen. Weil bereits seit 8 Jahren Rentner.



          Aber ich bleibe dennoch dabei, dass man sehr gut abwägen sollte, zwischen einem relativ gesunden rechtzeitigen Ausstieg und einem in köperlich oder geistig ruiniertem Zustand...



          Was das Meckern betrifft: Da braucht's die paar fehlenden Euronen nun wirklich nicht. Die zusätzlich zu besitzen verhilft niemandem auf die eigene Segelyacht. Hier in Sachsen-Anhalt wird mitunter auf viel niedrigerem Niveau gemeckert.



          Und zugegeben: Gelegentlich auch von mir. Nur eben nicht des Geldes wegen...

  • Hammann

    Ein Teil der RentnerInnen hat vor der Wende gar nicht in die Versicherung eingezahlt, bezieht aber sozusagen beitragsfreie Versicherungsleistungen....

    • Christine_Winterabend

      @Hammann:

      Diese Menschen beziehen vor allem Sozialhilfe, oder nach neuerer Bezeichnung "Bürgergeld", das sich vor allem auch dadurch auszeichnet, dass ihnen Verbesserungen sofort auf die aktuallen Bezüge angerechnet werden und nie zum Tragen kommen.

    • Romilia

      @Hammann:

      Belegen Sie das!



      Sie werden den Beleg nicht finden, da Arbeit in der DDR nun mal rentenversicherungspflichtig war.



      Ausnahme: Ferienjobs für Kinder und Studenten

  • Astrid Sehnefeld

    Ach, gestern wars noch "Passgenauer Populismus", aber wenn eine Politikerin von Die Linke die gleiche These vertritt, dann ist es plötzlich ein legitimes Thema und wird sachlich analysiert.



    Das ist nun wirklich passgenauer Populismus...



    taz.de/Streit-um-Rente-mit-63/!6202331/

  • Johannes Korner

    Dem Kanzler ist auch der Westen egal.

  • So,so

    Gute Frau.



    Ganz meine Meinung.

  • Der Cleo Patra

    // ganz besonders in Ostdeutschland, wo sehr viele Menschen nur die gesetzliche Rente haben //



    .



    Welcher Statistik kann man das entnehmen? Immer wieder wird diese Behauptung geäußert nachdem der „hart arbeitende Dachdecker“ irgendwie aus der Mode gekommen ist.



    Und das 35 Jahre nach der so genannten Wiedervereinigung. Es wurde auch schon vor 30 Jahren gesagt, dass es besser ist zur staatlichen Rente auch irgendwie privat vorzusorgen.

    • Der olle Onn

      @Der Cleo Patra:

      "Es wurde auch schon vor 30 Jahren gesagt, dass es besser ist zur staatlichen Rente auch irgendwie privat vorzusorgen."



      Ja, wurde gesagt. Und wer das konnte und dennoch nicht tat war nicht wirklich clever. Aber es gab - und das eben ganz besonders in Ostdeutschland - jede Menge Menschen, die, beginnend in den Neunzigern, viele Jahre lang keinen Job hatten, der ihnen viel mehr als das Lebensnotwendige in die Taschen brachte. Und wenn doch, dann war das häufig jedenfalls nicht annähernd sicher planbar, weil viele Betriebe quf tönernen Füßen standen. - Wie bitte wollen Sie unter diesen Umständen dauerhaft ausreichend Geld ansparen? In den frühen Neunzigern gingen häufig erst mal die Ersparnisse der Leute drauf - statt größer zu werden. - Und dass es im östlichen Teil Deutschlands noch immer viel weniger tarifgebundene Unternehmen gibt, dementsprechend deutlich seltener Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gezahlt wird, es häufig keinerlei Betriebsrenten gibt, muss nun wirklich nicht gesondert nachgewiesen werden. Das ist seit vielen Jahren bekannt.

    • EffeJoSiebenZwo

      @Der Cleo Patra:

      Vieles, was in dem Interview gesagt wird, kann ich unterschreiben, aber bei dem Ost/West Rentendivide gehe auch nicht mit und würde wirklich gerne mal ein paar statistische Daten dazu sehen (und nicht nur irgendeinen Durchschnitt Ost vs West).

      Meine These ist nämlich, dass mit der damaligen Übernahme der Ostdeutschen in das Rentensystem der BRD die tendenziell die ostdeutschen Rentner und Retterinnen-Familien - beide Ehepartner im Arbeiterstand idR arbeitend - im Aggregat eher bevorteilt wurden, während in Westdeutschland zumindest am Land bis in die 90er noch das traditionelle Alleinverdienermodell vorherrschte. Dazu mag man jetzt stehen wie man will, im Ergebnis für das aber dazu, dass es jetzt viel mehr Rentnerinnen im Westen mit Kleinstrente gibt.

      • Christine_Winterabend

        @EffeJoSiebenZwo:

        Warum halten Sien eigentlich die gerechte Berentung von Frauen, die gleichzeitig gearbeitet, Kinder erzogen und auch von den allen weitern gesellschaftliche Pflichten nicht an andere delegieren konnten, für eine Bevorteilung? Einfach nur, weil Frauen im Westen in größerer Anzahl ihr Leben "nur" mit alldem außer Erwerbsarbeit verbracht haben, egal, ob sie konnten, oder wollten, oder die Falle darin schon gesehen haben? Die Lebensläufe von Frauen in beiden Staaten müssen meiner Ansicht nach angemessene Berücksichtigung finden.

        • EffeJoSiebenZwo

          @Christine_Winterabend:

          ‚Die Lebensläufe von Frauen in beiden Staaten müssen meiner Ansicht nach angemessene Berücksichtigung finden‘

          Ja, aber tun Sie eben nicht. Mein Punkt.

      • Der olle Onn

        @EffeJoSiebenZwo:

        Ja. Und was sagt uns das jetzt?



        Zwei Einzahler=Zwei Rentenempfangsberechtigte



        Ein Einzahler= Ein Rentenempfangsberechtigter



        Wo ist da das Unrecht?

        • EffeJoSiebenZwo

          @Der olle Onn:

          Rentner + Rentnerin-Familie:



          2 x Rente (eher im ‚armen Osten‘)



          1 x Rente (eher im ‚reichen Westen‘)

          Und eingezahlt wurde ‚im Osten’ max ab 1990, btw.

    • Hugo

      @Der Cleo Patra:

      Da rächt sich u.a. der damals ned existierende Mindestlohn. Weniger eingezahlter Umlagebetrag und keine Kohle für "private" Vorsorge. Und sowas wie Betriebsrente, die weitertransportiert wird, hab ich als mittelalter Osii heutzutage auch ned. Bin mir so global gesehen haha ned ganz so sicher, ob mer da auf Grund der 36 Jahre nach Beitritt noch regionalisieren muß, da geh ich mit@Petra.



      Von der Logik her müssen mit Renteneintrittslimit auch die "Pflichtjahre" steigen, also auch die 35 für die Grundrente.



      Ich hab jetzt auch ned DEN Plan *lol*; jedenfalls wenn die ihren mehrheitsfähigen Arbeitsfetischismus wirklich ernst meinen würden, würde der alte krummgearbeitete Dachdecker sich ned krummarbeiten können und die alleinerziehende Krankenschwester im Hochsauerland ned ihre Arbeit aufgeben müssen!

  • Fckafd Somuch

    Beitragsbemessungsgrenzen aufheben (oder meinetwegen auf 100.000+- pro Monat setzen) und alle Einnahmen zu einem globalen Jahreseinkommen zusammenfassen. Darauf werden dann Steuern, Rentenbeiträge, Kranken- und Pflegeversicherung berechnet. Wenn dann noch private Stiftungen abgeschafft werden, könnte die Welt (oder erstmal Deutschland) gerechter werden und oh Wunder, es wäre auch noch ausreichend Geld da für Bildung und Infrastruktur. Und meinetwegen auch für die Bundeswehr.

    Es könnte alles so einfach sein, wenn der Steuerbescheid auf einen Bierdeckel passen würde

    • Astrid Sehnefeld

      @Fckafd Somuch:

      Schweizer Modell.



      Es wäre so einfach.