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Abgesagte Lesung von Arne Semsrott„Ein Lehrstück rechten Kulturkampfs“

Der Autor Arne Semsrott wurde von der Stadtbibliothek Magdeburg ausgeladen. Der Fall wirft Fragen nach dem Umgang mit rechter Einschüchterung auf.

Der Politikwissenschaftler, Autor und Aktivist Arne Semsrott ist nach eigenen Angaben von einer Veranstaltung in der Stadtbibliothek Magdeburg ausgeladen worden. Geplant war eine Lesung zu seinem neuen Buch „Gegenmacht: Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“. Darin beschreibt Semsrott, mit welchen Strategien sich die Zivilgesellschaft dem politischen Rechtsruck widersetzen und zu einer demokratischen Gegenoffensive ausholen könne.

Die Stadt Magdeburg hatte gegenüber dem MDR offiziell erklärt, die Veranstaltung sei nicht abgesagt, sondern lediglich verlegt worden. Eine Anfrage der taz blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) wies die Vorwürfe in einer Stadtratssitzung am Mittwoch abermals zurück: „Eine Entscheidung oder Weisung, die Lesung abzusagen, hat es von meiner Seite nie gegeben“, erklärte sie. Sie räumt jedoch ein, intern um eine „Prüfung des Sachverhalts bezüglich der politischen Neutralität“ des Autors gebeten zu haben.

Rebecca Plassa von der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, die die Lesung organisiert hat, widerspricht der Darstellung der Stadt. Erst nach der telefonischen Ausladung habe die Stiftung die Lesung gemeinsam mit dem Demokratieverein Miteinander e. V. und dem Literaturhaus Magdeburg in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt.

Als Grund nannte die Stadtbibliothek interne Gespräche mit der Stadtverwaltung, in denen Buch und Autor wenige Monate vor der Landtagswahl als „zu provokant“ eingeschätzt worden seien. Plassa bedauert die Ausladung sehr, die Heinrich-Böll-Stiftung arbeite seit Jahren immer wieder mit der Stadtbibliothek zusammen, eine Absage habe es bislang noch nie gegeben.

Macht die AfD Druck?

Semsrott selbst vermutet in diesem Zusammenhang politischen Druck aus dem Umfeld der AfD. Hintergrund könnte die Debatte um eine frühere Veranstaltung im Magdeburger Kinder- und Jugendclub Alte Bude gewesen sein, bei der Semsrott aus seinem Buch „Machtübernahme: Was passiert, wenn Rechtsextremisten regieren“ gelesen hatte. Im Anschluss stellte die AfD-Landtagsfraktion eine Kleine Anfrage zum sogenannten Neutralitätsgebot in staatlich geförderten Einrichtungen.

Ähnliche Erfahrungen machte auch der Autor und Aktivist Jakob Springfeld. Nach Lesungen an Schulen und in öffentlichen Einrichtungen gab es wiederholt parlamentarische Anfragen der AfD – nach einer Veranstaltung an der Sekundarschule Mieste im vergangenen Jahr auch in Sachsen-Anhalt. Solche Anfragen seien ein beliebtes Mittel der parlamentarischen Rechten und würden zunehmend eingesetzt, um an Informationen zu gelangen und die Ver­an­stal­te­r*in­nen einzuschüchtern, erklärt Springfeld.

Er kritisiert in diesem Zusammenhang den „vorauseilenden Gehorsam“ mancher Verwaltungen. Oft reiche bereits die Angst vor rechter Empörung aus, damit Veranstaltungen in städtischen Räumen gar nicht erst stattfänden. Stattdessen müsse er immer wieder auf private Räumlichkeiten ausweichen. Zwar würden bereits geplante Lesungen nur selten wieder abgesagt, der Druck auf die Ver­an­stal­te­r*in­nen nehme jedoch spürbar zu.

Konflikt mit AfD?

„Grundsätzlich zeigt das die große Gefahr, dass es für rechtsextreme Politik noch nicht einmal eine Regierungsbeteiligung der AfD braucht“, bestätigt auch Semsrott. Er vermutet, die Stadtverwaltung habe in seinem Fall ebenfalls einen Konflikt mit der AfD vermeiden wollen.

Die Stadtbibliothek selbst nimmt Semsrott ausdrücklich von seiner Kritik aus. Die Einrichtung hätte die Lesung „sehr gerne“ durchgeführt und verstehe sich seit Jahren als Ort des demokratischen Austauschs. Dass kurzfristig ein neuer Veranstaltungsort gefunden worden sei, stimme ihn aber optimistisch und zeige, dass es auch in Sachsen-Anhalt noch eine funktionierende Zivilgesellschaft gebe.

Der Rechtsextremismusexperte David Begrich von Miteinander e. V. bezeichnet die Ausladung als „Lehrstück rechten Kulturkampfs“. Die AfD versuche vor der Wahl im Herbst landesweit ein Klima der Angst zu erzeugen, um kritische Stimmen verstummen zu lassen. „In einem Land, in dem der AfD 40 Prozent prognostiziert werden, ist nicht zu unterschätzen, was das für einen Druck entfaltet“, sagt Begrich.

Der Bibliothek selbst macht er keinen Vorwurf. Sie müsse sich an Weisungen der Stadt halten und trage Verantwortung für die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden. Dass die Stadt auf den Druck der AfD reagiere, sei jedoch ein „fataler Vorgeschmack“ auf die Zeit nach der Wahl. „Jetzt trifft es die Bibliothek, aber gemeint ist die gesamte Kulturlandschaft.“

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45 Kommentare

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  • Gute und mutige Entscheidung der Stadt Magdeburg.

    Kurz vor der Wahl eine politische Veranstaltung bzw. Lesung mit einer klaren politischen Botschaft durchzuführen halte ich für unklug, egal von und für welcher politischen Richtung. Deshalb ist meiner Meinung nach die Entscheidung die Lesung zu verlegen nachvollziehbar und richtig. Es gibt aus gutem Grund ein Neutralitätsgebot.

    Demokratische Regeln sollten für alle Parteien gelten, unabhängig ob man sie befürwortet oder ablehnt.

    • @Black & White:

      Neutralitätsgebot bedeutet nicht, dass man sich undemokratischen Parteien und Entwicklungen nicht offensiv entgegenstellen soll, und genau das tut Arne Semsrott.

    • @Black & White:

      @Black & White



      Im Gegenteil, politische Aufklärungsarbeit ist immer sehr gut und sogar erforderlich. Wie deuten Sie eigentlich die nicht seltene Aussage von christlichen Priestern / Pastoren am Wahlsonntag zum Schluss des Gottesdienst - vor dem anschließenden Gand zum Wahllokal :



      " Und nun liebe Gemeinde gehen wir alle christlich wählen ! " ? ? ?

      • @Alex_der_Wunderer:

        Nun denn, nach dieser überdeutlichen Aufforderung des Schwarzeocks am Ende des Gottesdienstes weiß ich als frommes Schäfchen ja, dass ich nicht die CDU und erst recht nicht AfD wähle.😉



        Obwohl es dazu überhaupt nicht des göttlichen Fingerzeigs bzw. dem seines Bodenpersonals bedürfte.



        Denn ich wurde politisch wie spirituell noch folgendermaßen sozialisiert: alle wahren Christen wählen Sozialisten!

  • Ich kann's nicht besser sagen als das Zentrum für politische Schönheit:



    "Demokratien werden nicht gestürzt. Sie werden verraten. Der Weg des Faschismus an die Macht führt über die Konservativen. So war es 1933. So könnte es wieder kommen. Die Gefahr einer faschistischen Machtaushändigung ist heute so real wie nie. [...] Es gibt keine Machtoption für die AfD ohne CDU.
 .[.. ] die Geschichte ist eindeutig: Konservative Parteien überleben nur dort, wo sie sich den Extremisten in den Weg stellen, Sympathisanten für extremistische Ansichten aus den eigenen Reihen entfernen und Extremisten von der Macht fernhalten."



    In der taz sagte mal Moshe Zimmermann, als wärs ein Kommentar zu diesem Artikel: "Der Versuch, neutral zu sein, ist eine Haltung, die mir suspekt ist."



    Das ganze GG ist nicht neutral, sondern entschieden demokratisch. Schon in der französischen Nationalversammlung saßen die Demokraten und ihre Sympathisanten LINKS vom König, und NICHT in der Mitte.

    • @Selbstauslöser:

      "Es gibt keine Machtoption für die AfD ohne CDU."



      Das stimmt einfach nicht.



      Das BSW hat mehrfach bekundet, eine AfD-Regierung zumindest zu tolerieren und Frau Wagenknecht hat oft genug betont, dass sie von Denkverboten gar nichts hält und mit jeder Partei reden würde.



      Ich finde es überhaupt nicht zielführend die Union immer wieder an die Seite der AfD zu reden - das mag einem vielleicht für einen Moment den Frust von der Seele nehmen, es hilft aber garantiert keinen Millimeter weiter.



      Wir brauchen die Union im Kampf gegen die AfD.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Bei allem Respekt vor den Stehaufmännchen-Qualitäten von Frau Wagenknecht: Die Ausgangsthese bleibt vorerst bestehen, denn das BSW bietet KEINE ausreichende Basis für eine Reguierungsperspektive. Sie mögen dort der AfD gegenüber vielleicht offener sein als in der Union, aber dass sie je die für einen Mehrheitsbeschaffer nötige Stimmgewalt (mindestens mal >5%) mitbringen werden, ist doch höchst zweifelhaft.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Wir BRÄUCHTEN die Union im Kampf gegen den FASCHISMUS. Aber die Union manövriert sich tatsächlich selbst immer wieder an die Seite der AfD (länder-, bundes- europaweit) zum eigenen Machterhalt und in der GEMEINSAMEN Bekämpfung all dessen, was als links / grün gilt. Sie sperrt sich sogar gegen eine Prüfung der GG-Treue, überläßt das den anderen, um dann die Ex-AfD-Wähler für sich gewinnen zu können.



        In den Zitaten geht es nicht explizit um die AfD, sondern um Faschismus in seinen Varianten und Vorformen, wie sie sich schon in der Weimarer Republik entfaltet haben, z.B. in einer zutiefst autoritären Gesinnung. Haben sie neulich Jens Spahn bei Maischberger erlebt? Da bleibt einem das Herz stehen ...



        Die Union (wie die FDP u.a.) zu sehen, wie sie ist, hilft, sie nicht mehr zu wählen. Weniger Korruption, Ignoranz, gebrochene Wahlversprechen, soziale Spaltung, Ausbeutung und Verachtung der Schwachen, usw. wären weniger Frust im Volk und damit weniger Argumente für die AfD.



        So verstehe ich das.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Dann sollten die Wähler an Saale und in der Magdeburger Börde aber vor allem dafür sorgen, dass nicht das BSW, sondern stattdessen SPD und Grüne in den sachsen-anhaltinischen Landtag einziehen werden.



        BSW? Wer braucht denn sowas? Die Stiefellecker Putins sind doch schon alle in der AfD versammelt.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Wir bräuchten eine Union die wieder eine wählbare Alternative wäre für die jetzigen AfD-Wähler. Eine CDU die wie wir gegen die AfD kämpft, ist dagegen kontraproduktiv leider.

  • Ohne ein konkretes Wort darüber, was tatsächlich an den Positionen, die Herr Semsrott da vortragen wollte, für das Neutralitätdsgebot verletzend erachtet wurde, ist es natürlich schwierig, den Skandal nachzuvollziehen.



    Druckausübung über Anfragen oder auch gleich direkte Aufforderungen sind kein exklusives Werkzeug der Rechten. Ich hatte selbst schon mal den Fraktionsvorsitzenden der Linken in einem der bedeutenderen Stadträte Deutschlands am Telefon, der von mir den (rechtswidrigen) Sofort-Rausschmiss eines von der Antifa als rechtsradikal identifizierten Psychologen aus dem Verband verlangte, in dessen Geschäftsstelle ich gerade saß - und Konsequenzen androhte, als er seinen Willen nicht stante pede bekam. Der nächste Anruf kam dann von der Lokalpresse, warum wir den Typen denn NICHT rauschschmeißen würden...



    Das ist das Handwerk der Macht, so sehr man es bedauern mag. Die entscheidende Frage ist, wie es bei staatlichen Stellen mit dem beschaffen ist, was wir im bürgerlichen Leben "Zivilcourage" nennen - also NICHT einzuknicken, nur weil da Einer zetert und droht, sondern gemessen und objektiv zu reagieren.

    • @Normalo:

      Es gibt kein "Neutralitätsgebot ". Was es hinggen gibt, ist Meinungsfreiheit.

  • Arne hat einen superstarken Vortrag als Abschluss der re:publica26 gehalten. Auch die Vorträge davor waren klasse. Sehr zu empfehlen! Und trotz der Vorkomnisse macht er Mut.

    youtu.be/7waHkzEHcuw



    youtu.be/-dgKKrGmbkM

  • Es ist ein Offenbarungseid unserer Demokratie, das der Auftritt kritischer Stimmen immer wieder verhindert wird.



    Aber nicht nur von Rechts sondern auch von Links - ich erinnere nur an die Lesung von Alice Schwarzer.



    Früher durfte Vorgetragen werden und dann wurde darüber gestritten heute wird darüber gestritten wer überhaupt noch das Recht zum Vortrag hat.



    Schade!

  • Liebe Mitforisten, würde es sich um einen der AfD nahen Autoren handeln, dann würde dies hier als Zivilcourage gefeiert.



    Da halte ich es mit der Aussage: Ich teile zwar nicht ihre Meinung, aber ich würde alles tun, damit Sie sie äußern können und dies haben wir an beiden Rändern verlernt.

    Klaro muss Semsrott lesen können.

    • @Reinero66:

      Wenn jemand verfassungswidrige und volksverhetzende Dinge äußert, ist das keine Meinung!



      Insofern hinkt ihr Vergleich im Hinblick auf "Meinungsfreiheit" heftig.



      Es geht eben nicht darum wer etwas äußert, sondern was geäußert wird.



      Erschütternd wenn dieser Unterschied zunehmend nicht mehr verstanden wir.

    • @Reinero66:

      Irgendwo müssen Sie schon Ihren Standpunkt deutlich machen.



      Ich weiß nicht, wie man auf die Idee kommen kann, der demokratische Rechtsstaat müsse sich neutral verhalten gegenüber politischen Parteien, die diesen Rechtsstaat entschieden ablehnen und auch keinen Zweifel daran lassen, ihn abschaffen zu wollen, sobald sie die Macht dazu haben.



      Im Fall von Linksextremisten und gewaltbereiten Antifas greift der Staat doch auch durch und lässt sich nicht ‚die Butter vom Brot‘ nehmen.



      Schlimm genug, dass es die AfD mit ihrer Hetze schaffen konnte, 40% Wählerzustimmung zu generieren - ein Grund mehr, JETZT entschieden gegen diese verfassungsfeindliche Partei vorzugehen und nicht noch zu warten, bis es dazu zu spät ist.



      Es kann doch nicht sein, dass ein Autor aus dem öffentlichen Raum gedrängt wird, der vor einem Erstarken dieser Rechtsextremisten warnt.

    • @Reinero66:

      "Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher!"

    • @Reinero66:

      Anders als mancher offenbar denkt, ist Faschismus keine Meinung.

  • Vorauseilender Gehorsam ist hierzulande weit verbreitet. Und in Magdeburg offenbar auch.

  • Offensichtlich ist Magdeburg schon an die Faschisten verloren. Einfach nur erbärmlich. Vor allem immer dieses herbeiphantasierte "Neutralitätsgebot" als Begründung.

    Deutschland - Ein Land kotzt sich aus



    Einen alten braunen Brei ...

    • @Matt Olie:

      Ihr habt euch nie die Mühe gemacht zu verstehen warum diese Neutralität hier im Osten Vielen sehr wichtig ist. Als jemand der noch mit Staatsbürgerkunde und Co indoktriniert wurde, kann ich den Wunsch nach staatlicher Neutralität meiner Mitbürger hier sehr gut verstehen. Ich nehme Ihnen die guten Absichten durchaus ab, aber der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten und deshalb wünsche ich aus der eigenen Erfahrung hinaus einen maximal neutralen Staat. Betreutes Denken hatten wir hier schon mehr als genug.

    • @Matt Olie:

      Dieses Neutralitätsgebot ist kein Phantasiegebilde sondern wird häufig bei politisch explosiven Veranstaltungen zitiert, die öffentliche Ressorurcen nutzen - AUCH als Teil der Brandmauer gegen die AfD. Die hat sich schon häufiger gerichtlich gegen entsprechende Raum-Verweigerungen gewehrt - manchmal mit Erfolg, aber oft genug auch vergeblich, so dass ich das Konzept jetzt nicht pauschal desavouieren wollen würde.



      Es kommt halt darauf an, wie extrem eine Veranstaltung Position bezieht. Wenn z. B. einem NUR- "...-Wissenschaftler und Autor" eher ein Raum gegeben wird als einem, bei dem mit Fug und Recht da auch noch "Aktivist" in der Beschreibung steht, ist durchaus keine schlechte Sache, wenn man bedenkt, dass es dem Staat schon mal GARNICHT zusteht, Aktivisten nach politischem gusto die Bühne zu verweigern.

  • ⛔️ Als einen Angriff auf unsere Demokratie darf man diesen ungeheuerlichen Vorfall werten.



    In erster Konsequenz, bis zur Aufklärung und einer Stellungnahme der Verantwortlichen dieser Entscheidung bezüglich der Lesung - eine Info Email an alle Reiseveranstallter in Deutschland, die Stadt Magdeburg aus ihrem Reiseprogrammen zu nehmen und nicht mehr anzubieten. ⛔️

    • @Alex_der_Wunderer:

      Halten sie uns bitte über die Antworten auf ihre Rundmail auf dem Laufenden.

  • Aber das kann einen doch nicht (mehr) wundern🤷



    Die Umfragewerte prognostizieren der AfD 40% und mehr in Sachsen-Anhalt.



    Dazu kommen 25% für die CDU - und es gibt leider genügend Beispiele, auch immer wieder hier in der taz nachzulesen, von Unionspolitikern aus Sachsen-Anhalt (und dem Osten generell), die für eine Öffnung zur AfD plädieren.



    Dazu noch +-10% für BSW, FDP und ultrarechte Splitterparteien.



    Heißt unter Strich stehen bis zu 75% der Wähler in Sachsen-Anhalt Herr Semsrott und seiner Botschaft mindestens skeptisch bis offen ablehnend gegenüber.



    SPD, Grüne und Linke werden zusammen nur knapp über 20% prognostiziert.



    Die vielbeschworene stille Mehrheit aka Zivilgesellschaft sehe ich einfach nicht mehr in weiten Teilen des Ostens.



    Ich fürchte Herr Semsrott und viele andere sehen und sehnen sich da eine Mehrheit herbei, die es schlicht nicht mehr gibt.



    Die nackten Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 75% werden ihr Kreuz bei Rechtsradikalen, (Erz-) Konservativen, ultra Rechten, Russlandfanatikern oder Neoliberalen machen.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Ist halt mal schlecht, wenn Linke sich nur in Berlin und Leipzig tummeln wollen.

      Die PDS hatte lange in Sachsen-Anhalt um die 20% und mehr eingefahren.

      Die Verachtung der Provinz hat nun mal folgen.

      • @rero:

        Verachtung für die Provinz? Vielleicht. Sicher auch manchmal Sorge um Leib und Leben, mittlerweile.

  • "Solche Anfragen seien ein beliebtes Mittel der parlamentarischen Rechten und würden zunehmend eingesetzt, um an Informationen zu gelangen und die Ver­an­stal­te­r*in­nen einzuschüchtern"

    Dass die AfD gerne Druck macht und versucht ein Klima der Angst zu verbreiten, glaube ich sofort.



    Aber die Wirkung des Instrument der Kleinen Anfrage wird hier doch etwas übertrieben. Wenn überhaupt setzt man dadurch die Regierung und die Ministerialverwaltungen unter Druck. Die eigentlich Betroffenen bekommen von solchem Tagesgeschäft der Verwaltung meist nichts mit. Es ist ein (begrenztes!) Auskunftsrecht der Fraktionen zum Handeln und Wissen der Exekutive, nicht mehr und nicht weniger.

    Übrigens hat sich in dieser Sache die AfD anscheinend die Linke zum Vorbild genommen, die für ihre vielen Kleinen Anfragen regelmäßig gefeiert wird/wurde.

  • ​Die Ausladung des Autors Arne Semsrott bei seiner Lesereise im Nordosten ist ein verheerender Offenbarungseid für unsere Demokratie. Wenn öffentliche Bibliotheken und Kulturstätten aus vorauseilendem Gehorsam und Angst vor der AfD kritische Stimmen aussperren, hat der rechte Kulturkampf bereits gesiegt.



    ​Die Parallelen in der deutschen Geschichte sind unübersehbar und erschreckend: Wer heute Lesungen verbietet und unliebsame Autoren mundtot macht, steht in der geistigen Tradition derer, die 1933 mit der Nazi-Bücherverbrennung den freien Geist dieses Landes auslöschen wollten. Die Methoden mögen subtiler sein, das Ziel ist dasselbe: die Zerstörung der kritischen Öffentlichkeit.



    ​Mecklenburg-Vorpommern darf nicht zum Spielfeld für diese völkische Zensur werden. Wer jetzt kuscht, ebnet den Weg in die Autokratie. Kulturräume müssen Orte des streitbaren Diskurses bleiben. Demokratie verteidigt man nicht durch feiges Wegducken, sondern durch Haltung!

    • @amigo:

      "Mecklenburg-Vorpommern" ist ein Fehler der Autokorrektur, oder?

    • @amigo:

      Magdeburg liegt gar nicht in Mecklenburg-Vorpommern und auch nicht im Nordosten. Kannste schon am hier zuständigen MDR erkennen.

    • @amigo:

      Das Anliegen ist ja verständlich, dennoch verstößt es eindeutig gegen das Neutralitätsgebot, wenn sich eine Veranstaltung zielgerichtet gegen eine parlamentarisch vertretene Partei richtet.



      Das wäre genauso zu verurteilen als wenn auf dieser Veranstaltung die Politik der Grünen aufs Korn genommen werden würde. Einzelne Meinungen oder Befürchtungen sind dafür nicht ausschlaggebend.

      • @ocs:

        Guten Tag ocs

        Grund- und Menschenrechte geben wesentliche Inhalte und Maßstäbe für politische Bildung vor. Dabei gehört zum Auftrag schulischer und außerschulischer Bildung in Deutschland auch, rassistische und rechtsextreme Positionen von Parteien kritisch zu thematisieren und ihre Auswirkungen aufzuzeigen.



        Die parlamentarisch vertretene Partei, die völkische, rassistische, Menschenrechte verletzende Positionen vertritt, wird nicht dadurch benachteiligt, dass genau auf diese Inhalte ihres Programmes hingewiesen wird, die in den Programmen der anderen Parteien nicht vorkommen. Die Kritik richtet sich auf diese politischen, in Teilen verfassungswidrigen Vorstellungen, nicht auf eine Partei.

        Wenn ein Thilo Sarrazin (ganz zu rechts, aus der SPD ausgeschlossen) seit Jahren mit seiner als kontrovers verharmlosten, rassistischen Weltsicht Leseabende auch in öffentlichen Räumen wie Stadthallen veranstalten darf, dann gehört jemand wie Arne Semsrott erst recht in Bibliotheken, Schulen und Stadthallen, um wirklich ein Gleichgewicht wiederherzustellen.



        Das Neutralitätsgebot ist zum rechtsextremen Kampfbegriff geworden, der Kritik am Rechtsextremismus unmöglich machen soll.

      • @ocs:

        Was denn für ein Neutralitätsgebot?



        Wo steht geschrieben, eine Institution müsse sich gegenüber Antidemokraten selbst neutralisieren?

      • @ocs:

        Es gehört sogar explizit zum Bildungsauftrag einer Stadtbibliothek Veranstaltungen zu fördern, die sich mit antidemokratischen Tendenzen auseinandersetzen.

        Ein Buch dessen Inhalt es darstellt Strategien aufzuzeigen wie sich die Zivilgesellschaft dem politischen Rechtsruck widersetzen kann, fällt zweifellos darunter.

        Wenn sich eine Partei von dem Inhalt angesprochen fühlt, dann ist es ihr hausgemachtes Problem, hat nur rein gar nichts mit dem parteipolitischen Neutralitätsgebot für öffentliche Einrichtungen zu tun.

        Sie können übrigens auf einer Veranstaltung auch die Politik der Grünen kritisieren. Das fällt unter die Meinungsfreiheit. Anders verhält es sich, wenn sie aktive Parteienwerbung für die Grünen betreiben, das fällt unter das Neutralitätsgebot.

  • Wo soll das alles enden?

    Parallele Frankreich/Bolloré:

    taz.de/Medienmogul...ontrolle/!6180474/

    • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Ein Großteil der bekannten Milliardäre haben Rechtes oder Libertäres Gedankengut, keine guten Aussichten für freiheitsliebende Menschen.



      Ich habe fast den Eindruck wir befinden uns im Endstadium



      der freien Menschheit.

  • Leider passt das zur Politik in Magdeburg. Soweit ich mich erinnere, waren sich FDP und CDU nicht zu schade mit Stimmen der AfD den Klimaschutz in der Stadt massiv zurückzufahren.

    • @Henne Solo:

      Es wurde beschlossen, dass Magdeburg nicht schon 2035 klimaneutral sein muss, sondern erst 2045 so wie der Rest von Deutschland und immer noch 5 Jahre bevor das in der EU geplant ist. Diese Ansicht ist in Deutschland mehrheitsfähig. Blöd das die AFD nötig war um den Antrag durchzubringen, aber ihn deshalb erst gar nicht zu stellen, wäre nicht besser gewesen.

    • @Henne Solo:

      Das stimmt und es wird noch viel schlimmer. Wir stehen am Anfang eines demokratischen Niedergangs unter Mithilfe von cdU und der Expartei fdP.

      • @Perkele:

        Jetzt mal nicht übertreiben. Außerdem würde ein Höcke da auch nicht reden dürfen

        • @AllesWirdGuter:

          Es würde mich freuen, sollte meine Bemerkung übertrieben sein. . .