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Polizeiliche KriminalstatistikWas die Zahlen verschweigen

Die Kriminalität sinkt – zumindest auf dem Papier. Doch während die Politik selektive Zahlen präsentiert, bleibt die Realität für viele unsichtbar.

BKA-Präsident Münch und Innenminister Dobrindt bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik Foto: Bernd Elmenthaler/imago

D ie Presse vermeldet, die Kriminalität sinkt. Aber: Sexualdelikte steigen, mehr Morde und Sexualverbrechen, Zahl der registrierten Ladendiebstähle zurückgegangen, kein Aufatmen beim Einzelhandel. Was steckt dahinter, wenn aus Good News doch wieder Bad News werden? Und was verschweigt die Statistik zu Kriminalität in Deutschland?

Am Montagmorgen war es wieder so weit: Die Polizeiliche Kriminalstatistik, kurz PKS, wurde präsentiert. Dem jährlich gleichen Schauspiel folgend präsentierten der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der Vorsitzende der Innenministerkonferenz Andy Grote und der Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch die Zahlen, die die Polizei im Jahr 2025 zu Ende ermittelt und an die Staatsanwaltschaft übergeben hat. Die Zahlen zum sogenannten Hellfeld der Kriminalität.

Man könnte es also ganz banal sehen: Ein Arbeitsnachweis der Polizei wurde vorgestellt. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn in jedem anderen Betrieb zum Jahresanfang die Zahlen des letzten Jahres vorgestellt werden, ist das kein Staatsakt. Hier aber schon.

Dabei schränkt selbst das Bundeskriminalamt ein und beginnt erst einmal damit, was nicht in der PKS steht: Straßenverkehrsdelikte (etwa durch Verkehrsunfälle bedingte Fahrlässigkeitsdelikte, Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz und Kfz-Steuergesetz), Ordnungswidrigkeiten (etwa Falschparken), Staatsschutzdelikte (sind in einer gesonderten Statistik erfasst), Delikte, die nicht in den Aufgabenbereich der Polizei fallen, nämlich Finanz- und Steuerdelikte.

Und genau hier zeigt sich, was das BKA in der PKS nicht über Kriminalität sagen kann. Es fehlen Delikte, die im Rahmen von Wirtschaftsgeschehen passieren – der Cum-Ex-Fall war nie Teil der PKS, obwohl er die Staatsanwaltschaften und Gerichte seit Jahren beschäftigt und Ressourcen bindet. Warum? Ganz einfach, weil niemand zur Polizei gegangen ist und das angezeigt hat, sondern weil das den Finanzämtern aufgefallen ist und die sich direkt an die Staatsanwaltschaft gewandt haben.

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Die Taten der Un­ter­neh­me­r:in­nen bleiben im Hintergrund

Erst vor wenigen Tagen gab es hierzu wieder eine große Razzia, initiiert durch die Staatsanwaltschaft Köln. Aber entgegen der Zahlen, die die PKS berichtet, fand das keine große mediale Aufmerksamkeit. Während uns die PKS also die angezeigten Taten von Bür­ge­r:in­nen auflistet, bleiben die Taten der mächtigen Un­ter­neh­me­r:in­nen dabei im Hintergrund.

Die mediale Aufbereitung sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit ein Bild von Kriminalität hat, das vor allem von Gewalt geprägt ist. Obwohl es strenggenommen hauptsächlich Eigentums- und Vermögensdelikte sind, die die Polizei festhält. Dazu gehört auch sexualisierte Gewalt. Die steigt in den letzten Jahren, ja. Und als Kriminologinnen möchten wir festhalten: Das ist eine gute Sache.

Bild: Privat
Nicole Bögelein

PD Dr. habil., Soziologin und Wissenschaftlerin am Institut für Kriminologie an der Universität zu Köln. Sie lebt in Köln.

Ja, das meinen wir ernst. Denn die vom BKA gleichzeitig vorgestellte Dunkelfeldstudie hat ergeben, dass gerade einmal sechs Prozent der Fälle sexualisierter Gewalt angezeigt werden. Dass die Polizei mehr Daten erfasst, heißt also überhaupt nicht, dass es mehr Fälle gibt. Im Gegenteil: Es gibt so viele Fälle, dass täglich darüber zu berichten wäre – so viele Menschen werden durch sexualisierte Gewalt geschädigt, dass es alltäglich ist.

Mehr Menschen haben sich entschieden, sexualisierte Gewalt anzuzeigen

Aber in die öffentliche Debatte gelangt das nur, wenn die Zahlen im Hellfeld steigen. Dabei ist die einzige Aussage, die wir daraus ableiten können, eigentlich die: Mehr Menschen haben sich entschieden, sexualisierte Gewalt anzuzeigen. Darauf deutet jedenfalls der hohe Anteil angezeigter Taten hin, die vor dem Jahr 2025 passiert sind.

Trotzdem sind es immer noch erschreckend wenige. Mehr als neun von zehn betroffenen Menschen entscheiden sich gegen eine Anzeige. Weil sie sich schämen, weil sie befürchten, dass ihnen nicht geglaubt wird, weil die Tä­te­r:in­nen ihnen nahestehen und sie kein Fass aufmachen oder die Familie nicht gefährden wollen. Oder weil sie Angst vor dem oder der Tä­te­r:in haben.

Die PKS beantwortet, wer kontrolliert wird

Bild: Privat
Gina Rosa Wollinger

Soziologin und Professorin für Kriminologie und Soziologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW. Sie lebt in Köln.

Die zurückgegangenen Fallzahlen im Ladendiebstahl lassen übrigens genauso wenig auf ein Sinken schließen wie umgekehrt mehr Fälle sexualisierter Gewalt im Hellfeld auf einen Anstieg. Der Einzelhandelsverband geht von 100.000 unentdeckten Fällen pro Tag aus. Diejenigen, die erwischt werden, sind aber häufig – wie bei Verurteilungen an den niedrigen Tagessätzen, die sich am Einkommen orientieren, abzulesen ist – Menschen, die in prekären Umständen leben.

Die PKS beantwortet uns bei diesem Delikt also nicht die Frage, wer im Laden klaut. Sie zeigt uns, welche Gruppe von Menschen kontrolliert wird, wem La­den­de­tek­ti­v:in­nen eher zutrauen, etwas mitgehen zu lassen und diese Personen dann verstärkt beobachten. Das gilt nicht nur für diese Delikte und nicht nur für Ladenpersonal.

Menschen, die im Zusammenhang von Gewaltdelikten als nicht deutsch gelesen werden, werden häufiger angezeigt und auch die Polizei kontrolliert diese Gruppe stärker. Kritische Worte über die Polizei (Stichwort: übermäßige Polizeigewalt, Racial Profiling) fehlte übrigens in der Pressekonferenz naturgemäß auch.

Das BKA hat erstmalig gleichzeitig mit der PKS die Ergebnisse einer repräsentativen Dunkelfeldstudie vorgestellt. Das war wohltuend, da hier viele Aspekte eingeordnet wurden. Dennoch: Auch so werden die Delikte, die die Gemeinschaft als Ganzes schädigen, nicht aufgefunden.

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49 Kommentare

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  • Ja die lieben Statistiken



    Jeder kann es so auslegen wie es gerade am besten passt, erst recht wenn sie nicht vollständig sind.

    Was hilft:



    Alle Fakten unvoreingenommen und ergebnisoffen auf den Tisch. Anschließend rein nach diesen Urteilen.



    Die Wahrheit ist die Wahrheit und so sollte man diese dann auch einzig akzeptieren!

    Unabhängig von Geschlecht, Ethnie oder Gesinnung der verantwortlichen Personen.

    Machen wir uns endlich ehrlich!

  • "Menschen, die im Zusammenhang von Gewaltdelikten als nicht deutsch gelesen werden, werden häufiger angezeigt."



    Soll das jetzt nahelegen, dass ein Großteil der ermittelten Straftäter bei Gewaltdelikten, die deutsche Staatsbürger sind, einen Migrationshintergrund haben? Und zeigen eigentlich nur, oder weit überwiegend, sog. autochtone Deutsche andere Menschen an?

    • @Rohek:

      Genau das

  • Nun mag es ja sein, dass migrantische Täter häufiger angezeigt werden, aber Migranten sind ja auch nicht gleich Migranten, sondern ganz unterschiedlicher Herkunft. Werden zB Amerikaner oder Dänen auch häufiger angezeigt als Deutsche?

    • @Suryo:

      In welchen Situationen / bei welchen Delikten werden denn Migranten häufiger angezeigt als Deutsche?



      Ist das nicht eher ein Trugschluss aus dem Befund, dass man eher Fremde anzeigt während man bei persönlich Bekannten eher Hemmungen hat? Ob der Fremde nun Migrant oder Nichtmigrant ist, dürfte beim Anzeigeverhalten ziemlich unerheblich sein.

      • @Katharina Reichenhall:

        Im Artikel wird zumindest gesagt, dass Migranten häufiger angezeigt werden.

        Jeder hier weiß natürlich genau, warum das gesagt und dann nicht weiter erläutert wird.

        • @Suryo:

          Je fremder der Kulturkreis, desto höher die Bereitschaft zur Anzeige. Das ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis und in zahlreichen Studien der letzten Jahrzehnte nachgewiesen.

          Aktuelle Daten für Deutschland: Opfer und Täter beide deutsch gelesen 7,9% Anzeigen, Opfer deutsch gelesen Täter migrantisch 22, 4% (Niedersachsensurvey 2024). Ein gleiches Bild liefert der BKA Report 2024,der Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2025 und etliche andere mehr aus den letzten Jahren.

          Das Anzeigenverhalten ist übrigens in europäischen Kulturkreisen in diesem Punkt nahezu identisch. Auch hier gibt es genügend europäische Studien die dieses belegen.

          Und da in Deutschland 90% der Straftaten über das Anzeigenverhalten aufgedeckt werden, hat dieses natürlich auch Auswirkungen auf die Statistik.

    • @Suryo:

      Sehr guter Einwurf.

  • Das ist nur eine Statistik. Allerdings gibt es schon eine Abnahme in vielen Bereichen. Das macht Deutschland aber nicht unbedingt zu einem sicheren Land. Ich denke, am Ende geht es um das Sicherheitsgefühl und wie das beeinflusst wird. Rechtsextreme behaupten so oder so, dass die Kriminalität durch Ausländer besonders schlimm ist. Jeder nimmt dann die Zahlen, die er meint, zu benötigen und behauptet was.

  • »Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?«



    Berholt Brecht, Deigroschenoper

    Nun, die ersteren werden statistisch erfasst - die letzteren offensichtlich nicht.

  • "Diejenigen, die erwischt werden, sind aber häufig – wie bei Verurteilungen an den niedrigen Tagessätzen, die sich am Einkommen orientieren, abzulesen ist – Menschen, die in prekären Umständen leben.

    Die PKS beantwortet uns bei diesem Delikt also nicht die Frage, wer im Laden klaut. Sie zeigt uns, welche Gruppe von Menschen kontrolliert wird, wem La­den­de­tek­ti­v:in­nen eher zutrauen, etwas mitgehen zu lassen und diese Personen dann verstärkt beobachten. "

    Das ist eine reine Mutmaßung. Eine lückenlose Überwachung aller sich gleichzeitig im Laden befindlicher Konsumenten ist wohl nahezu unmöglich. Naturgemäß konzentrieren sich Ladendetektive dann auf die "HotSpots", also Artikel die besonders häufig gestohlen werden (z.B. Alkohol) und erwischen dadurch überproportional viele Täter, die solche Artikel konsumieren.

    Ich behaupte aber, das selbst wenn es möglich wäre alle Kunden ununterbrochen zu überwachen und jeden Dieb auf frischer Tat zu ertappen, das Ergebnis hinsichtlich der Täterprofile nicht viel anders aussehen wird.

    • @Tom Tailor:

      Das sehe ich genauso. Warum sollten Personen, denen es finanziell gut geht, genauso häufig so etwa banales wie einen Ladendiebstahl begehen wie Menschen in prekäreren Lebenssituationen?

      • @gyakusou:

        Korrekt Menschen die finanziell gut situiert sind, die begehen keine Ladendiebstähle für Produkte im Euro Bereich. Und wenn es um Kleidung geht, kaufen diese eher bei Läden ein, welche wesentlich teurer sind und wo die Läden aufgrund der teuren Waren nicht viele Kunden gleichzeitig haben.



        Ladendiebstahl ist ein Delikt, welches hauptsächlich in prekären Lagen bis hin zur unteren Mittelschicht begangen wird. Ab dann steht für die meisten Menschen der Kosten Nutzen Faktor in keinem Verhältnis mehr.

  • Die polizeiliche Kriminalstatistik ist nun vorgestellt. Jetzt beginnt die große Zeit der Deutungshoheit. Alle lesen, deuten und interpretieren so wie es ihnen in den Kram passt . Eines aus diesem Artikel ist alles schon widerlegt: Das Migranten eher angezeigt werden. Bestes Beispiel ist der Jugendclub in der Wutzkyallee. Hier wurde versucht die Delinquenten nicht verfolgen zu lassen. Und nun, wo es bekannt ist, da wird relativiert, begründet und alles herangezogen um diesen Täterschutz in ein Licht zu rücken um die Schützenden zu beschützen.

    • @Georg Sonntag:

      Die These, dass Migranten eher angezeigt werden würden, ist ohnehin wenig plausibel. Als wenn sich ein Vergewaltigungsopfer denken würde "ach, der Täter war ein Deutscher, ne, den zeige ich nicht an, aber wenn es ein Ausländer gewesen wäre, ja, dann..."



      Die Hemmschwelle, einen Bekannten/Freund/Verwandten anzuzeigen, ist geringer als einen Fremden anzuzeigen, das mag sein. Ob Migrant oder nicht ist unerheblich.

    • @Georg Sonntag:

      Mit EINEM Beispiel lässt sich eine Statistik nicht widerlegen.

      • @hierbamala:

        Nun, dass Migrantinnen und Migranten häufiger angezeigt werden, als deutsche Staatsbürger ist auch mehr ein Gefühl, als eine Tatsache.

        Es gibt auch innerhalb der Gruppe nichtdeutscher Tatverdächtiger Abweichungen abhängig von der Nationalität, wenn die Delinquenzrate bei der Population der syrischen Staatsbürger ein Vielfaches höher ist, als bei der Population der türkischen Staatsbürger, dann liegt es doch nahe, dass es eben. nicht an der Anzeigebereitschaft liegt, sondern an der Zusammensetzung der Population oder Sozialisation (Fluchterfahrung, Einpferchen in Geflüchtetenunterkünften, Bürgerkrieg usw.) Ich kann den Leuten jedenfalls nicht am Gesicht ansehen, ob sie jetzt aus dem einen Land kommen, oder aus dessen Nachbarland.

  • Wenn von Polizeilicher Kriminalstatistik die Rede ist, dann sind Steuer- und Finanzdelikte natürlich nicht dabei, weil sie nicht in den Aufgabenbereich der Polizei fallen. Hier bräuchte es wohl eine staatsanwaltliche Kriminalstatistik ...

    • @EDL:

      Ich denke das wäre in der Statistik auch nicht angebracht.



      Steuerdelikte sind eine ganz andere Kategorie.



      Gewalt gegen Mitbürger ist viel schlimmer.

  • Als Herr Dobrindt 1986 in die Partei eintrat, war er gerade 16 Jahre alt. Sein Mentor Zimmermann war damals Innenminister und bereits dabei, die Gastarbeiter:innen der ersten Generation abzuschieben – auch mit finanziellem Gewinn: Sie durften lediglich ihre eigenen Beiträge mitnehmen, während die Arbeitgeberanteile in der Staatskasse verblieben. Ein/e durchschnittliche/r Arbeiter/in erhielt vielleicht etwa 50.000 bis 80.000 Mark und hoffte auf eine neue Zukunft in Anatolien.

    Zimmermann und seine Regierung machten damals Kasse, sodass er sich sogar Urlaub in der vom Apartheidregime verwalteten Ex-Kolonie Deutsch-Südwestafrika leisten konnte – als Jäger bei rechtsradikalen Farmern, die am 30. April den Geburtstag des „Führers“ feierten.

    Das heißt: Seine Karriere begann bereits – im Schatten Zimmermanns – mit Abschiebung und Diskriminierung.

    So wird für ihn jede Statistik, die Ausländer betrifft – die für ihn „Illegale, Vergewaltiger und Kriminelle“ sind – zu einem Genuss und wohlklingenden Ereignis, insbesondere wenn auch der BKA-Chef mit seiner Anwesenheit die Präsentation noch „Tatort“-mäßiger inszeniert.

    • @Okay:

      Merkwürdiges Zeug verbreiten Sie. Aber da Sie nicht einmal den korrekten Geburtstag des "Führers" zu kennen scheinen, lohnt es wahrscheinlich nicht, Ihre Angaben haarklein zu prüfen. Offenbar mögen Sie Dobrint nicht. Das ist ja nicht zu beanstanden. Aber wie Sie ihn mit Dreck bewerfen, nunja. Wenn ich bedenke, welche Konsequenzen eine bloße "Schwachkopf-Äußerung" hatte...

      • @Katharina Reichenhall:

        Ich verstehe, dass Sie sich an einzelnen Punkten stoßen, und nehme Ihren Hinweis ernst. Gleichzeitig wäre es hilfreich, die Diskussion auf einer sachlichen Ebene zu führen. Einzelne Fehler oder unterschiedliche Bewertungen sollten kein Anlass sein, die gesamte Argumentation pauschal abzuwerten.



        Was Alexander Dobrindt betrifft: Kritik an politischen Positionen oder öffentlichem Auftreten gehört zu einer offenen Debattenkultur dazu. Sie darf auch deutlich formuliert werden – solange sie nicht beleidigend oder diffamierend wird. Ob eine Formulierung als zu scharf empfunden wird, ist dabei oft eine Frage der Perspektive.



        Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Abend – mit oder ohne Dobrindt-Lektüre.

    • @Okay:

      Sorry, dass ist noch heute so, wenn sie weniger als 5 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, dann können Sie, ob deutscher oder nichtdeutscher, nur den Arbeitnehmeranteil erhalten, der Arbeitgeberanteil bleibt in der Rentenkasse!

    • @Okay:

      Danke! Manchmal ist es sehr hilfreich, sich erinnern zu können ... wie CSU-Traditionspflege tatsächlich aussieht.



      Da ist es nur konsequent, Ilse Aigner als Bundespräsidentin vorzuschlagen ... ( "Dinosaurier des Jahres" 2012 wegen Klientelpolitik, oder 2015 "vom Bund subventionierte Gaskraftwerke" gefordert).

  • Ich kenne einige Unternehmer, die um ihre Unternehmen kämpfen und jeden Tag aufstehen, nur um ihre Mitarbeiter, Steuern und Sozialabgaben zahlen zu können. Die zahlen sich kein Gehalt mehr und kommen nicht dazu, sich irgendwelche Betrügereien auszudenken. Denen geht es um die Existenz, denn eine Insolvenz schlägt voll privat durch. Dagegen kenne ich auch zumindest einen Fall eines aggressiven Ehemannes, bei dem gleich abgewunken wurde - die Staatsanwaltschaft kümmert sich nicht, denn es läge nicht im allgemeinen Interesse. Woher also kommt die Idee der Autorin, dass es nicht mehr Delikte gäbe, sondern nur mehr angezeigt würden?

    • @Angel11:

      Hä? Von 2 persönlichen Beispielen aus lässt sich eine statistische und empirische Erhebung doch gar nicht veri- oder falsifizieren. [Bsp? Nur, weil in meinem Umfeld der Anteil an AfD-Sympathisanten gegen 0 geht, kann ich damit doch nicht gegen Umfragen argumentieren...]

    • @Angel11:

      "Woher also kommt die Idee der Autorin, dass es nicht mehr Delikte gäbe, sondern nur mehr angezeigt würden?"

      Das wird im Artikel erklärt. Stichworte Dunkelfeld, Hellfeld. Müssen Sie ja nicht glauben. Ich dagegen finde die Erklärung völlig plausibel. Sie gehen von Ihrer begrenzten anekdotischen Evidenz ("Ich kenne...") aus. Die Autorinnen dürften über wesentlich mehr Information als Sie verfügen.

    • @Angel11:

      Ich erinnere mich an mehrere Fälle in meinem Umfeld in meiner Jugend, in denen der Ehemann die Ehefrau mehr oder weniger regelmäßig schlug. Gutbürgerliche Haushalte und hinter den stets sauberen Gardinen herrschte reiner Terror. Das war damals Privatsache. Eine Anzeige zog niemand in Erwägung. Und ich behaupte, dass jeder solche Fälle kennt.

  • Mit „PLK“ will die Regierung im Grunde zeigen, dass Randgruppen, die ohnehin schon abgestoßen und benachteiligt sind, die Verantwortung tragen. Dadurch wird alles Negative auf sie projiziert.

    Das NS-Regime machte mit DNV-Plakaten im Kern dasselbe, um Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung zu erzeugen.

    Dann brauchen wir nicht lange um den heißen Brei herumzureden: Wir sprechen hier von faschistoiden Verhältnissen, die viele Regierungsbeamte vertreten und die durch Instrumente wie „PLK“ oder die Abschiebung „krimineller“ Flüchtlinge sichtbar werden. So werden Teile der Bevölkerung gegeneinander aufgehetzt.

    Dabei bleiben Themen wie Lufthansa, die wegen Streiks angeblich Standorte schließen will, oder Ölkonzerne, die weiter hohe Gewinne erzielen, sowie eine Kriegsindustrie, die vom Elend im Nahen Osten profitiert, im Hintergrund.

    Weiter so Deutschland!

    • @Okay:

      Oh, ein Verschwörungstheoretiker...auch hier in der TAZ?

    • @Okay:

      Auf solche Gedankengänge muss man erst mal kommen.



      Sie wissen schon, dass es um tatsächlich begangene Straftaten geht oder?

    • @Okay:

      "Wir sprechen hier von faschistoiden Verhältnissen, die viele Regierungsbeamte vertreten..."



      Wirklich?



      "Das NS-Regime machte mit DNV-Plakaten im Kern dasselbe, ..."



      Eine Nummer kleiner geht es nicht?



      Sie scheinen sich da sehr zu verrennen. Wenn Ihnen die Wahrheit, in dem Fall die Kriminalstatistik, nicht vertragen, dann sollten Sie sich mal Gedanken machen.

  • Dann sollte man sich die Verhältnisse der verurteilen Straftäter in den Gefängnissen anschauen. Dies spiegelt die PKS genau ab, auch wenn es unangenehm ist,

    • @TheoTheo Praktisch:

      Ist leider wirklich so....habe früher mal viel beruflich im Knast zu tun gehabt.....bis vor zwei Jahren in etwa.

    • @TheoTheo Praktisch:

      Wie sollte es denn auch anders sein? Die Menschen, gegen die nie ermittelt wurde, landen grundsätzlich ja auch nicht im Gefängnis. Ihr Argument ist meines Erachtens ein Zirkelschluss.

  • Eine weitere Statistik die nur dazu dient dass Politiker sich ihrer brüsten können.



    Ab damit in die gleiche Ablage wie die Arbeitslosenstatistik, den Armutbericht und nicht zu vergessen die Inflationsstatistik.

  • "Es fehlen Delikte, die im Rahmen von Wirtschaftsgeschehen passieren."



    Ergänzung meinerseits: Und das sind ja wohl die größten Verbrecher überhaupt. Da geht es nicht nur um Millionen, sondern gleich um Milliarden.

    • @Il_Leopardo:

      Ja klar....Mord und Vergewaltigung sind ja nur Peanuts. Manchmal glaubt man es einfach nicht, was hier so rausgehauen wird.

    • @Il_Leopardo:

      Meinen Sie die Cum Ex Banker und ihre Kumpels? Auch wenn Sie es nicht gerne hören möchten. Der absolut überwiegende Steuerschaden wird nicht durch dubiose Bänker und Steuerberater verursacht, sondern durch ohne Rechnung arbeitende Handwerker, Arbeitnehmer die ihr häusliches Arbeitszimmer ganz sicher nur privat nutzen oder vergleichbare Lappalien.



      Beispielsweise sind 5% der Haushaltshilfen angemeldet, d.h. für 95% der Haushaltshilfen werden weder Steuern noch Sozialabgaben abgeführt.

    • @Il_Leopardo:

      "Und das sind ja wohl die größten Verbrecher überhaupt. "

      Im Vergleich zu Mördern, Totschlägern, Menschenhändlern, Vergewaltigern etc.?? Vorsicht mit Superlativen!

      Davon abgesehen wäre die richtige Frage aus meiner Sicht, ob (und falls nein, warum) es keine (separate) Statisitik für Wirtschaftskriminalität gibt. Dass die Polizei keine Strichliste über Straftaten führt, bei denen andere Behörden die Ermittlungen führen, von denen sie selbst also allenfalls rudimentär überhaupt erfährt, ist keine böse Absicht sondern völlig normal. Und dass für Steuerbetrug und andere "White Collar"-Delikte Spezialisten zuständig sind, die nicht die ganze Bandbreite von Kriminalität fachlich abdecken müssen, ist eigentlich ein Zeichen, dass diese Kriminalität ernstgenommen wird.



      Bei den ErmittlungsERFOLGEN ist es natürlich auch deshalb eine etwas andere Welt, weil die Sachverhalte durchweg komplexer und die Täter tendenziell schlicht intelligenter sind. Letzterer Faktor wird übrigens auch bei der Analyse der "einfachen" Kriminalität gern übersehen: Die schlauen, professionellen (und deshalb im Zweifel NICHT prekär lebenden) Kriminellen tauchen auch dort statistisch weniger auf.

      • @Normalo:

        Ausgenommen sind natürlich die sogenannten Kapital*verbrechen, wie z.B. Mord.

        *



        Mit Kapital im Sinne von Geld hat der Begriff hingegen nichts zu tun, er wird also nicht für Wirtschaftskriminalität verwendet.

  • Unzureichend Hr. Dobrint, setzen. Oder bewusst getäuscht?



    Den Herren aus der CSU ist alles zuzutrauen.

    • @Sonnenhaus:

      Wo wird denn bewusst getäuscht?



      Könnten Sie das vielleicht erläutern?

    • @Sonnenhaus:

      Das ist eine gute Frage, vielleicht kann die TAZ Dobrint fragen?

  • Woher nimmt die Autorin die Gewissheit, dass der Anstieg bei bestimmten Gewaltdelikten und insbesondere Sexualdelikten vor allem aufgrund einer höheren Anzeigenbereitschaft erfolgt und es deshalb eine "gute Nachricht" ist? Genauso gut kann es tatsächlich einen Anstieg bei diesen Straftaten gegeben haben. Das wäre eine schlechte Nachricht.

    • @gyakusou:

      Vollkommen richtig. Denn wenn ein großer Teil der Taten nicht angezeigt wird, kann auch keiner wissen, ob dieser Teil 1, 3, 6, 10 oder 50 Prozent beträgt. Mithin eben auch nicht, ob die Anzahl der Straftaten gestiegen oder gesunken ist, genauso wie der Anteil der angezeigten Taten an der Anzahl aller Taten. Daraus eine Beurteilung abzuleiten, ist Kaffeesatzleserei.

    • @gyakusou:

      Wie sagt man überhaupt etwas über die Dunkelziffer aus? Die ist ja ihrem Wesen nach genau NICHT irgendwo verbindlich erfasst.



      Das könnte natürlich Alles bloß geraten sein. Aber es gibt einen Strauß an anonymisierten empirischen Quellen (Umfragen, Opferhilfsorganisationen, medizinische Einrichtungen etc.) die, richtig miteinander verknüpft, durchaus taugen können, um relativ genau zu schätzen, wie hoch diese Ziffer ist. Entsprechend dürfte man da auch Entwicklungen messen können. Und wenn diese Entwicklungen einigermaßen konstant nahelegen, dass die Dunkelziffer sinkt - in gleichem, oder positivenfalls sogar in erhöhtem Maße im Vergleich zum Anstieg der angezeigten Delikte -, dann kann man das auch so konstatieren.

      • @Normalo:

        Das hat die Autorin aber nicht gemacht. Und auch sonst niemand analysiert so weit ich weiß jährlich Umfragen, Opferhilfsorganisationen, medizinische Einrichtungen und setzt alle diese Daten miteinander ins Verhältnis.

    • @gyakusou:

      Wir wissen doch, es kann nicht sein, was nicht sein darf und das gilt für jede Ideologie ob links oder rechts.