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Mark Rutte im Weißen HausTrump weiter im Zorn

Andreas Zumach

Kommentar von

Andreas Zumach

Trump wird die Nato und die US-Militärbasen in Deutschland nicht aufgeben. Unabhängig davon, was Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus sagte.

Kein Gespräch unter Freunden: Nato-Generalsekretär Mark Rutte und US-Präsident Donald Trump Foto: Evan Vucci/ap/dpa

K einE PolitikerIn Europas verhält sich so unterwürfig, ja peinlich devot gegenüber der US-Administration wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Völlig vergeblich. Seit Ruttes Amtsantritt haben die Sprüche aus Washington über die „überflüssige Nato“, die Tiraden gegen die angeblich „undankbaren“ und „unzuverlässigen“ Europäer sowie die Drohungen mit einem Austritt der USA aus der Militärallianz an Häufigkeit und Schärfe sogar zugenommen. Daran dürfte auch der Besuch Ruttes am Mittwoch im Weißen Haus kaum etwas ändern.

Von dem Treffen ist nicht viel bekannt, es fand unter Ausschluss der Presse statt. Bislang weiß man nur, dass sich US-Präsident Donald Trump nun noch verärgerter über die Nato zeigte als bislang. Weiter ist man also nicht. Zur Nato äußerte sich Trump erstmals im Präsidentschaftswahlkampf 2016 kritisch mit der Bemerkung, die Allianz sei „obsolet“. Seitdem werden alle diesbezüglichen Äußerungen aus Washington in Europa offenbar für bare Münze genommen, überbewertet und instrumentalisiert, um die miltärische Aufrüstung der EU zu propagieren. Schon 2017 sprach der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter davon, jetzt könne sich „Europa nicht mehr auf den nuklearen Schutzschirm der USA verlassen“.

Natürlich verfolgt die Trump-Administration noch stärker als all ihre Vorgänger und dank Russlands Krieg gegen die Ukraine viel erfolgreicher das Ziel, die finanziellen Lasten in der Nato umzuverteilen und die Europäer zu mehr Militärausgaben zu drängen. Doch abgesehen davon hat sich das grundlegende Interesse der USA an der Nato seit ihrer Gründung 1949 auch unter Trump nicht verändert: Die Militärallianz ist für ihre Führungsmacht das wichtigste Instrument zur Einflussnahme in und Kontrolle über Europa.

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Auch die Existenz von US-Militärbasen in Deutschland und anderen Staaten Europas sowie deren Nutzung für Washingtons Kriege und Drohneneinsätze wären ohne die Nato nicht möglich. All das wird auch Trump nicht aufgeben. Egal wie Rutte jetzt sich verhalten hat.

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Andreas Zumach
Autor
Journalist und Buchautor, Experte für internationale Beziehungen und Konflikte. Von 1988-2020 UNO- und Schweizkorrespondent der taz mit Sitz in Genf und freier Korrespondent für andere Printmedien, Rundfunk-und Fernsehanstalten in Deutschland, Schweiz,Österreich, USA und Großbritannien; zudem tätig als Vortragsreferent, Diskutant und Moderator zu zahlreichen Themen der internationalen Politik, insbesondere:UNO, Menschenrechte, Rüstung und Abrüstung, Kriege, Nahost, Ressourcenkonflikte (Energie, Wasser, Nahrung), Afghanistan... BÜCHER: Reform oder Blockade-welche Zukunft hat die UNO? (2021); Globales Chaos-Machtlose UNO-ist die Weltorganisation überflüssig geworden? (2015), Die kommenden Kriege (2005), Irak-Chronik eines gewollten Krieges (2003); Vereinte Nationen (1995) AUSZEICHNUNGEN: 2009: Göttinger Friedenspreis 2004:Kant-Weltbürgerpreis, Freiburg 1997:Goldpreis "Excellenz im Journalismus" des Verbandes der UNO-KorrespondentInnen in New York (UNCA) für DLF-Radiofeature "UNO: Reform oder Kollaps" geb. 1954 in Köln, nach zweijährigem Zivildienst in den USA 1975-1979 Studium der Sozialarbeit, Volkswirtschaft und Journalismus in Köln; 1979-81 Redakteur bei der 1978 parallel zur taz gegründeten Westberliner Zeitung "Die Neue"; 1981-87 Referent bei der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste, verantwortlich für die Organisation der Bonner Friedensdemonstrationen 1981 ff.; Sprecher des Bonner Koordinationsausschuss der bundesweiten Friedensbewegung.
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68 Kommentare

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  • Demokratische und republikanische Präsidenten haben unisono verkündet, dass sich Europa mehr engagieren muss.



    Das wurde allerdings weitgehend ignoriert.



    Mit trump besteht allerdings die Gefahr, dass sich die USA komplett aus dem Bündnis verabschiedet.



    Die wirtschaftlichen und militärischen Interessen Washingtons wenden sich dem Pazifik zu.



    Wir sind abhängig von den USA, nicht umgekehrt.



    Niemand wird die US Streitkräfte rauswerfen, schließlich ist die Unabhängigkeit der Nato von US Logistik noch mehr Traum als Wirklichkeit.



    "Starke Worte" , egal ob von links, oder aus konservativen Kreisen, ändern nichts an diesen Tatsachen .



    Im kalten Krieg war Deutschland trotz deutlich mehr Soldaten abhängig von den USA.



    Nun glauben weiter einige Traumtänzer*Innen, dass wir uns nicht selbst verteidigen müssten.



    Wie wäre die einfache Überlegung, die Bilder von Gaza, Libanon, Ukraine und Iran mal auf uns zu projizieren?



    Was ist denn, wenn Putin eben doch Europa angreift? Was ist, wenn trump Grönland besetzt ?



    Ein paar Sprüche, auf Pappe aufgemalt, werden das nicht grade biegen.

  • Trump ist in den USA jetzt auch bei rechten Kommentatoren erledigt. Hier hat eine dramatische Wende in den letzten Tagen stattgefunden. Die kommenden Midterms sind verloren und die Republikaner sehen ihre Felle davonschwimmen. Letztendlich wird die Welt Trump nur noch aussitzen. Danach wird man sehen, wie es mit der NATO weiter geht. Da Aufrüstung auf reale militärische Fähigkeiten nicht nur unfassbar teuer ist, sondern auch einige Jahre dauert, gibt es leider keinen Grund zu warten, auch wenn Putin sein Pulver wortwörtlich in der Ukraine verschossen hat. Die Häme gegenüber Rutte ist deutlich fehl am Platz und zeugt von Unkenntnis. Rutte versucht Zeit zu gewinnen - das Beste was man zur Zeit machen kann. Merz nimmt direkte Kontakt zum Iran auf - der neuen theokratischen Großmacht am Ölhals der Welt. Leider ist das wohl auch erforderlich.

  • Ganz egal, ob die USA formal aus der NATO austreten oder nicht, denn bereits jetzt ist es offen (um es vorsichtig zu formulieren), ob die USA im Ernstfall bereit wäre, Europa - etwa im Baltikum - mit zu verteidigen. Und an dieser Unklarheit wird sich auch absehbar nichts ändern, da kann Herr Rutte so viel schleimen wie er will. Für die Europäer*innen heißt das, Strukturen aufzubauen, die es ermöglichen, im Zweifel ohne die US-Soldat*innen In Europa verteidigungsfähig zu sein: Autonome Kommandostrukuren, Aufklärungsfähigkeiten etc. Damit muss jetzt begonnen werden, um nicht am Ende vollends davon abhängig zu sein, ob vollkommen verrückte Narzisten wie DJT oder richtig gefährliche Ideologen wie JD Vance den Daumen heben oder senken.

  • Wer seine Aufmerksamkeit auf die offensichtlichen Symptome einer Demenz richtet, den kranken narzisstischen Größenwahn, die monströsen Drohungen und Ankündigungen eines von seiner Gewalt und historischen Bedeutung überzeugten und unkontrollierbar gewordenen Machthabers sieht, der liegt nicht falsch, aber übersieht leicht, dass dieser Irrationalismus auch eine äußerst brauchbare Funktion für den Militärisch-Industriellen Komplex hat: Wenn Kriege ohne Ziel begonnen werden, und also nur noch weiter (unendlich) eskalieren können!



    Ein paar von Trumps "Drohungen" gegenüber den NATO-"Partnern" hatten doch in Nullkommanix deren Bereitschaft erreicht, die eigenen Rüstungsetats weiter aufzublähen, und somit noch mehr Milliarden mit den Kauf von Rüstungsgütern zu "verpulvern".



    Über Ramstein, was Trump und das US-Militär niemals freiwillig weggeben wird, ist die Bundesrepublik duldend für schlimmste Kriegsverbrechen mitverantwortlich.



    Es wird spannend sein, zu sehen, ob die zwischen Biden und Scholz für dieses Jahr verabredete Stationierung von Mittelstreckenraketen still und heimlich über die Bühne geht (kennt jemand deutsche Medien, die dies beobachten?), oder mit absurden Begründungen?

    • @Hans Steih:

      "Ein paar von Trumps "Drohungen" gegenüber den NATO-"Partnern" hatten doch in Nullkommanix deren Bereitschaft erreicht, die eigenen Rüstungsetats weiter aufzublähen"

      Ohne die Bedeutung des verrückten Königs im Kontext der Aufrüstung in Europa völlig negieren zu wollen, aber da gabs ja doch so ne klitzkleine Nebensächlichkeit im Kontext Russland und Ukraine, nicht?

    • @Hans Steih:

      Sehr gut zusammen gefasst!

      Viele Medien werden den Wahnsinn als notwendiges Übel verkaufen, selbst wenn sie solche Sachen gelesen haben:

      Mittelstreckenraketen| IPPNW.DE share.google/vt9Ja5lLB0D0DkqIM

    • @Hans Steih:

      …anschließe mich

  • Ich bin so frei und lasse einmal meine Phantasie schweifen: Gesetzt den Fall, Trump löst sich - ganz oder teilweise - von der NATO. Wäre es denkbar, dass er nicht nur Europa Putin "zum Fraß vorwirft", sondern vielleicht auch auf die Idee kommen könnte, Europa nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch anzugreifen (zum Beispiel in Bezug auf Grönland)?



    Ich frage das nicht deshalb, weil es rechtlich möglich wäre, aber Trump und Rechtsstaatlichkeit sind zwei nicht miteinander "kompatible" Dinge. Auch muss man ihm zwischenzeitlich alles zutrauen.



    Auf Eure Rückmeldungen dazu bin ich gespannt - vielen Dank an Euch!

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      AFAIK benötigt Trump für einen Austritt aus der NATO eine 2/3-Mehrheit im Kongress. Und davon ist er aktuell weit weg. Und nach den Midterms wird er im Kongress sicher und im Senat wahrscheinlich nicht mal mehr eine einfache Mehrheit haben.



      Und dann ist da ja noch die Frage, ob er in ein paar Monaten noch Präsident sein wird. 70 Kongressabgeordnete haben bisher den Willen bekundet, Zusatz-Art. 25 der US-Verfassung anzuwenden (Absetzung eines Präsidenten wegen der Unfähigkeit, sein Amt auszuüben).

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Zum Beispiel könnten Trump und Putin der Meinung sein, dass deutsche Wahlen bei denen nicht die AfD gewinnt, ungültig seien und handfeste Schritte unternehmen um eine AfD-Regierung einzusetzen....

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Mich beschäftigt dazu die Frage, ob der US-Haushalt mit seinen Shutdowns einen weiteren Krieg und Angriff stemmen kann. Es wäre spannend zu sehen, wie die 80-Wochenstunden-Praktikanten in der Administration rödeln, um das den verarmenden Hillbillies und Trump-Wählern zu verkaufen.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Russland beißt sich gerade bereits an der Ukraine die Zähne aus, eine Gefahr für ganz Europa halte ich für überbewertet.



      .



      Selbst wenn die Ukraine in den nächsten Jahren vollständig kollabieren sollte und Russland das ganze Land einnehmen sollte.



      .



      Denn dann würde ein beachtlicher Teil der kriegserfahrenen Soldat:innen aus dem Land flüchten. Deren Wissen würde bei der Vorbereitung gegen einen weiteren Vormarsch helfen.



      .



      Russland müsste auch im günstigsten Fall erst einmal Wunden lecken und wäre zudem wahrscheinlich weiterhin mit Guerillakämpfer:innen in der Ukraine beschäftigt.



      .



      Wenn Trump Grönland angreifen sollte, wäre ein gemeinsames Bündis von Europa vs USA und damit ein 3ter Weltkrieg denkbar. Oder man entscheidet sich für reine wirtschaftliche Sanktionen. Die Kosten für ein solches Abenteuer würden dadurch alleine vermutlich jedoch zu einem wort wörtlichen Aufstand führen in den USA. Die aktuelle Administration würde gestürzt, oder es kommt zum Bürgerkrieg.



      .



      Es fehlt einfach jegliche Grundlage für wirksame Kriegspropaganda, für einen solchen Angriff.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Ja, diese Option ist denkbar. Ein wenig Hoffnung bleibt jedoch, denn wenn dieser Psychopath nicht mehr im Amt ist und von einem/r Demokraten abgelöst wird, dann könnte !!! es besser werden. Doch sollte ein Typ wie J D Vance sein Nachfolger werden, dann wird es noch gefährlicher. Vance ist Trump intelektuell turmhoch überlegen, doch der gleichen faschistischen Prägung....

      • @Perkele:

        Die Demokraten dort haben es zweimal nicht geschafft, ihn zu verhindern.



        Wenn meine Kenntnisse zutreffen, ist die wirtschaftliche Lage so schlecht geworden dass die Republikaner eher als Lösung angesehen werden - hier läuft es doch ähnlich.

        • @Erfahrungssammler:

          Ja, leider stimmt das so - dennoch, eine Chance besteht, wenn auch gering - noch.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      "Gesetzt den Fall, Trump löst sich - ganz oder teilweise - von der NATO. Wäre es denkbar, dass er nicht nur Europa Putin "zum Fraß vorwirft", sondern vielleicht auch auf die Idee kommen könnte, Europa nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch anzugreifen (zum Beispiel in Bezug auf Grönland)?"



      Das ist eine rhetorische Frage, oder?



      Mit Lösen aller Bindungen sind dem Donald keinerlei Hemmungen mehr auferlegt.



      Die einzige Frage die sich stellt, ob ihm seine Schäfchen da dann doch irgendwann in den Arm fallen. Bislang sieht's ja nicht so aus.

    • @Sabine Hofmann-Stadtländer:

      Ich muss einen Halbsatz korrigieren: es muss richtig lauten, "weil es vielleicht rechtlich nicht möglich wäre"!

  • Man sollte mit Trumps Äusserungen etwas entspannter umgehen. Nicht gleich über jedes Stöckchen springen, einfach mal ein paar Tage abwarten, dann hat sich das meiste von selbst erledigt. Herr Rütte macht sich als "gute Laune Bär" eher lächerlich.

    • @Aymen:

      Wenn ich Rutte sehe und höre, kommen immer Erinnerungen an Hermann von Veen auf - "Ich hab ein zärtliches Gefühl...".



      Das finde ich nicht mal schlecht, hat allerdings auf die Querschläger, unter denen unser Planet dermaßen leidet, keinerlei Einfluss.

  • "Steigbügelhalter" passt kaum mehr, weil er ständig auf allen Vieren kriecht. Dabei nicht nur den Aufstieg ermöglicht, sondern selbst in persona das "Hohe Ross" für Trump darstellt, ist in meinen Augen eine Fehlbesetzung.



    Mag sein, dass Rutte das "Schadensbegrenzung" nennt, aber er betreibt Schadensermöglichung. Wer Trump immer Recht gibt, macht ihn nur noch unberechenbarer. Trump dankt es mit neuen Drohungen.



    Als Mitglied hätte ich ihm für die Fremdscham-Besuche längst die Gerte aus dem Amt gegeben.

  • Trump muss nicht aus der NATO austreten, das kann er alleine auch gar nicht. Aber er kann Zweifel sähen, dass er im Ernstfall vielleicht nur Thoughts und Prayers schickt. Und somit hat er die NATO schon lange beschädigt und wir sind in Europa in Gefahr, dass Putin es mal in Estland versucht. Nur so ein bisschen. Raketen hat die USA eh keine mehr seit kürzlich

    • @Charlie Foxtrot:

      Weil es in der Ukraine ja so toll läuft für Russland ....

      • @sociajizzm:

        "Weil es in der Ukraine ja so toll läuft für Russland ...."



        Stimmt. Eine Ablenkung von diesem Problem wäre Putin vermutlich sehr willkommen.

  • Oh, ich vergaß in meiner Aufzählung die unersättlichen Finanzmanager plus die bigotten Kirchenfundamentalisten plus die unzähligen kleinen rachsüchtigen weißen Rassisten.



    Nochwas vergessen?

  • Trump hat durch eigene Inkompetenz einen Krieg begonnen und verloren und verschlimmert die Lage für die USA nun durch seine Unfähigkeit, die Niederlage zu erklären und selbst ihre Gründe zu erkennen.

    Ich weiß nicht, wie lange die Amerikaner eigentlich dafür brauchen zu erkennen, dass dieser Mann ihrem Land massiv schadet, jedoch denke ich, selbst die eingefleischtesten Maga-Fans müssten sich des Problems mittlerweile bewusst sein.

    Vermutlich werden nun auch wieder Fragen nach den Epstein-Files laut und warum Trump die Ablenkung durch den Krieg eigentlich genutzt hat, um sie wieder nicht zu veröffentlichen.

    Ich gebe ihm daher noch allenfalls Zeit bis nach den Midterms. Die Republikaner werden spätestens dann in Panik verfallen, wir werden plötzlich erfahren, dass Trump nicht nur ein enger Freund von Epstein, sondern auch ein wichtiger Kunde war und weg ist er vom Fenster.

    • @Jarvis:

      Aus den Files werden wir rein gar nix substanziellen erfahren.



      Ich glaube nicht, dass noch groß etwas kommt während dieser Legislatur.



      .



      Und der Großteil der Magas hält zu Trump. Er hat trotzdem für US Verhältnisse massiv an Beliebtheit verloren und die Midterms werden ein Desaster für die Republikaner.



      .



      Wer FOX News schaut lebt in den USA in einer Parallelrealität. Da ist nicht viel mit "Bewusstsein".

  • Ich fürchte, der Autor macht einen beliebten Fehler, und hält D. Trump für einen halbwegs vernünftigen Menschen mit unkonventionellen Strategien.



    Entscheidend ist die Kombination: narzisstischer Psychopath plus Dummheit plus intrigante Berater plus überlegenes Militär plus hyperreiche Unterstützer plus vasallentreue Partei plus gelähmte Opposition plus korrupte Justiz plus gekaufte Medien plus ein Volk, das vom Glauben an die eigene Überlegenheit genau so geblendet ist wie sein(e) Führer.



    Von den Mächtigen der USA ist derzeit ALLES zu erwarten, auch und besonders Verrücktheiten ... wie z.B. der triumphale Ritt in den eigenen Untergang, der alle(s) mitreißt.

  • Trump kann die USA nicht allein aus der NATO führen, dafür bedarf es einer Zwei-Drittel-Mehrheit des Senats oder einen Mehrheitsbeschluss (eines Gesetzes) des Kongresses.



    Er kann auch nicht nennenswert Truppen aus Europa abziehen, der "National Defence Authorization Act" von 2025 legt die Untergrenze für US-Truppen auf 75.000 fest, aktuell sind es etwa 85.000. Dieses Gesetz wurde vom Kongress beschlossen (und von Trump selbst unterzeichnet) aufgehoben kann es nur durch den Kongress.



    Derartige Mehrheiten wird er jetzt schon nicht finden, noch weniger nach den Wahlen im November.



    Man sollte nicht über Trumps wirre, leere Drohungen und beleidigten Vorwürfe diskutieren (er hat ja nach Beginn des Angriffs auf den Iran noch nicht mal eine Beistandsgesuch an die NATO gerichtet), sondern darüber, was die NATO de facto noch wert ist, d.h. was er tun wird, wenn der Beistandsfall tatsächlich eintritt, weil Putin z.B. im Baltikum zu zündeln beginnt und Estland sich an die NATO wendet.



    Ich habe das bislang für sehr unwahrscheinlich gehalten, aber das Iranische Regime macht ja gerade vor, wie man durch Ausweitung des Krieges Zeit schindet und sich (zumindest vorübergehend) Vorteile erarbeitet.

    • @Barbara Falk:

      Ohne funktionierende NATO kann es keine Abschreckung geben. Es ist ziemlich deutlich, dass das Bündnis schon jetzt nicht mehr funktioniert (dazu gehört auch verlässlich funktionierende Solidarität der Bündnispartner, und die gibt es bei keiner der beiden Seiten mehr wirklich).



      Ohne Abschreckung muss man sich überlegen, wozu eine Verteidigungsbereitschaft überhaupt gut sein soll. Mehr als Symbolik kann das ja kaum mehr sein. Das ukrainische Niveau erreicht die Nato selbst nicht, geschweige denn die ehemaligen Partner einzeln ohne USA.

    • @Barbara Falk:

      Nach geltendem US-Recht dürfte Trump auch nicht einfach so nach Belieben Zölle verhängen oder ohne Zustimmung des Kongress Kriege beginnen oder die Justiz gegen politische Gegner instrumentalisieren oder die Nationalgarde gegen demokratisch regierte Städte einsetzen oder ...



      Zumal es den formal erklärten Austritt ja gar nicht braucht um die Abschreckung der NATO zu pulverisieren, seine Erklärung im Bündnisfall keine Unterstützung zu schicken reicht vollkommen.



      Und ob wir im November wirklich freie und faire Mid-Terms sehen werden oder irgendwelche mehr oder eher minder verdeckte Manipulationen würde ich nach allen bisherigen Erfahrungen mit Trump auch noch nicht für gesetzt halten.

  • Puh, wie viele Jahre Trump haben wir denn schon hinter uns? Wann tritt ein Lerneffekt ein? 95% der Ankündigungen des Orangenen sind reine Luftnummern, die ach so böse Drohung des Mafiabosses im Weißen Haus, des Irren.



    Trump ist irre, aber anders. Die Aufmerksamkeitsspanne ist extrem kurz, heute wird das eine gesagt, morgen das andere. Vielleicht sollte man Trump einfach an den konkreten Taten messen, die oft deutlich weniger irre sind als gedacht.

    • @FtznFrtz:

      "Vielleicht sollte man Trump einfach an den konkreten Taten messen, die oft deutlich weniger irre sind als gedacht"

      Ein Krieg im Iran, eine Entführung des Präsidenten Venezuelas, ein Ballsaal im Weißen Haus, ein "Arc de Trump", Milliarden Dollar an Firmen für den Ausstieg aus Windkraft und den Einstieg in Kohle? Eine Pseudo-SA, die US-Bürger abknallt? Eine Verdopplung des Rüstungshaushaltes? Das alles ist nicht irre?

  • Trump ist unberechenbar, seine Administration ein Haufen von unterqualifizierten Losern, die immer nur Ja sagen und hintenrum ihre eigenen Projekte befeuern, sei es persönlicher Reichtum, ein Abbau des Rechtsstaates, insbesondere des Arbeitsschutzes, des Umweltschutzes und der persönlichen Freiheitsrechte im Auftrag ihrer egozentrischen Billionär-Daddies oder die Wiederkehr von Jesus durch einen Flächenbrand im Nahen Osten. Trump selbst will nur angehimmelt und möglichst viel angeschleimt werden, er will so viel Geld wie möglich verdienen/unterschlagen, und am Ende als der beste, tollste, größte Gröfaz aller Zeiten in die amerikanische Geschichte eingehen. Inklusive Goldstatuen und Bilder in allen Haushalten: Washington war gestern, Lincoln ein Verlierer, aber Trump ist der Größte. Was dabei zu Bruch geht, egal. Die USA ohne die NATO ist eine Großmacht ohne Freunde, ohne Reichweite, ohne Machtprojektion. Und mit dem Fortschreiten der erneuerbaren Energien irgendwann auch ein fossiler Energielieferant ohne Markt. China steigt weiter auf, wird Taiwan einnehmen und die USA werden kleinlaut am Katzentisch sitzen und das schlucken müssen. Putin und Xi lachen und lachen und lachen.

  • "KeinE PolitikerIn Europas verhält sich so unterwürfig, ja peinlich devot gegenüber der US-Administration wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte."

    Schon einmal etwas von einem 'Herrn Friedrich Merz' gehört. Oder die Entourage der AFD und sämtlicher anderer Fascho-Parteien Europas?

    • @Luebke:

      "Schon einmal etwas von einem 'Herrn Friedrich Merz' gehört."

      Och, ich fand die Übergabe der Geburtsurkunde von Trumps Großvater durchaus eine Spitze.

    • @Luebke:

      Da Europa oder die Nato ohne USA die Ukraine nicht alleine halten können ist es auch nicht ratsam undiplomatisch bei Trump aufzutreten. Wer das als "unterwürdfig" bezeichnet, sollte in der Lage sein, selbst Lösungen liefern zu können.

    • @Luebke:

      Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was die Rechtsausleger zu dem Krieg sagen, aber ansonsten ist der Ton, den die allermeisten europäischen Regierungschefs angeschlagen haben, ganz klar auf "Absage" getrimmt gewesen. Wer erwartet, dass sich der deutsche Bundeskanzler aufführt wie ien Aktivist am Mikro vor einen tobenen Wut-Demo, der hat vielleicht die unterschiedlichen Jobbeschreibungen nicht verstanden. Aber "Wir sehen keine nennenswerte Strategie, und das ist nicht unser Krieg (geschweige denn ein Bündnisfall" spricht schon eine sehr deutliche, defintiv NICHT "rektal-invasive" Sprache. Ich übersetze es mal: "Kannste machen, Donald - ist dann halt Kacke. Und komm nicht zu uns, dass wir Deinen Mist aufräumen."



      Und das Trump danach immer noch so sauer war, deutet freilich darauf hin, dass auch Rutte ihm auch nicht ausschließlich Honig ums Maul geschmiert hat sondern ihn mindestens daran erinnert hat, dass die NATO kein "Angriffsbündnis" ist.

      • @Normalo:

        "Wer erwartet, dass sich der deutsche Bundeskanzler aufführt wie ein Aktivist am Mikro vor einer tobenden Wut-Demo, der hat vielleicht die unterschiedlichen Jobbeschreibungen nicht verstanden." Diplomatisch auf den Punkt gebracht!

    • @Luebke:

      ""KeinE PolitikerIn Europas verhält sich so unterwürfig, ja peinlich devot gegenüber der US-Administration wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte."



      Schon einmal etwas von einem 'Herrn Friedrich Merz' gehört."



      Ach? Hat der Herr Merz dem Donald deutsche Militäreinheiten angedient?

  • Jetzt rächt es sich, daß Europa die Ukraine hat hängen lassen. Europa wird jetzt von den USA und von Russland bedroht, hätte man die Ukraine entsprechend unterstützt wären nur die USA die Bedrohung.

    • @Alberta Cuon:

      Das sind aus meiner Sicht Märchen. Europa hat die Ukraine doch nicht "hängen lassen", sondern extrem stark unterstützt und tut das weiter. Natürlich gab es dabei auch Pannen und Missgeschicke, aber die Linie war immer gesetzt, und mehr geht in Demokratien eben nicht.

  • Europäische Länder haben sich seit 1949, Westdeutschland ab 1955 Nato Mitglieder im Auge Orkans USA eingerichtet als sei das eine Komfortzone des Habens nicht des Seins mit Erich Fromm (1900-1980) Schrift zu sprechen, von direkten Angriffen der Kriegsnation USA verschont zu bleiben, zu der Ex-US Präsident Jymmy Carter (1924-2024, Amtszeit 1977-1981) 2019 festellte, die USA hätten seit ihrer Gründung 1776 nur 16 Jahre im Frieden gelebt. Wobei im Fall Deutschlands nicht einmal sicher ist, ob Besatzungsrecht der Westalliierten nach 1945 im Fall USA nur ausgetzt nicht durch Zwei plus Vier Gespräche folgend Deutscher Einheit 3. Oktober 1990 abgeschafft wurden, US Präsident Donald Trump bei seiner hyperventilierenden Suche nach brisanten Breaking New Narrativen wie die Aktivierung der USA ihres alliierten Besatzungsrechts im Westteil Deutschlands entlang Auf und Ab Höhen- und Talfahrten oszillierender Kurse an den Weltbörsen, Übergewinn Kurserträge zu generieren durch Insiderwissen, das Trump postfacktisch virtuell selber schafft auf seinem Social Media Kanal Truth mit Hintergrundrauschen explodieren lässt. Demnächst mit Breaking News Iran leider atomar in Erdumlaufbahn blasen zu müssen

  • Natürlich hat Zumach recht: Trump wird von der NATO nicht ablassen. Europa ist vielleicht nicht der postkoloniale Hinterhof der USA - die Rolle bleibt Lateinamerika vorbehalten -, es ist allerdings für die globalen geopolitischen Interessen der USA unerlässlich.



    Von daher wird Trump auf die US-Militärbasen in Europa auch nicht verzichten. Und so weit ist es mit dem Isolationismus der MAGA-Bewegung in den Staaten nun auch nicht her (wie man nach einem Jahr Trump-Administration schon sehen konnte).



    Es ist schon richtig: Trump und die konservativen (inklusive der sozialdemokratischen und grünen) Transatlantiker in Europa bedingen sich gegenseitig. Letztere, um mit dem Menetekel eines amerikanischen NATO-Austritts Hochrüstung, steigende Militärausgaben und eine umfassende gesellschaftliche Militarisierung zu legitimieren.



    So paradox es klingt: für die Transatlantiker und Bellizisten in Europa erscheint Trump mit seinen Drohungen als wahrer Glücksfall - und natürlich Putin mit seinem Krieg in der Ukraine.

  • Auf Ramstein werden die USA kaum verzichten können, eben so wenig wie auf andere europäische Stützpunkte. Das ist so. Nur - sollte Russland die NATO an einer ihrer Grenzen angreifen, heißt das nicht, dass die Amerikaner diese mit verteidigen werden.

    • @shitstormcowboy:

      Das dürfte nicht erst seit Trump so sein.

    • @shitstormcowboy:

      Guter Punkt. Unter Trump kann man allerdings sowieso nie vorhersehen, waa bei Artikel 5 so passiert oder eben nicht. Am Ende wäre es doch besser, wenn man sich auf die eigene Möglichkeiten konzentriert. Und die USA da samt Atomwaffen ganz freundlich und geordnet verabschiedet.

      • @ttronics:

        Das kommt wohl auf die Epstein Files an... wenn da ein erneuter Skandal droht wäre Trump, alleine der Ablenkung wegen voller Eifer den Verteidigungsfall auszurufen.



        .



        Aber vll hat der russische Geheimdienst auch Erpressungsmaterial gegen ihn, wegen genau der selben Thematik....

  • "All das wird auch Trump nicht aufgeben."



    Das Argument, dass so ein Austritt letztlich irrational und gegen amerikanische Interessen wäre, ist nun wirklich kein besonders überzeugendes, schließlich galt das ganz genauso auch schon für die 'reziproken' Zölle, das Anzetteln des Irankrieges, den Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und diversen UN-Organisationen, ...

    • @Ingo Bernable:

      Genau.

    • @Ingo Bernable:

      Dann denken Sie noch mal aus geopolitischer Perspektive über Ihre Aussage nach: warum wäre es für die USA von Vorteil, aus der NATO auszutreten und auf ihre Militärbasen in Europa zu verzichten?



      Trumps Rhetorik dient doch in erster Linie dem Ziel, die NATO-Partner fester an sich zu binden, sie zu höheren Militärausgaben zu zwingen und Europa so zu einem Bollwerk gegen die geopolitische Konkurrenz (na, wer ist das wohl?) auszubauen - und das weniger aus Überlegungen der Partnerschaft (wie noch bei Biden), sondern einer klaren Machthierarchie mit den USA an der Spitze (was der „Denke“ Trumps wohl auch eher entspricht).



      Das war schon das Ziel der US-Administration während der ersten Amtszeit Trumps und die Strategie scheint ja auch gut aufzugehen - unter anderem dank europäischer „Staatsmänner“ wie Rutte oder Merz.



      Man sollte den politischen Irrationalismus des POTUS auch nicht überbewerten.

      • @Abdurchdiemitte:

        Auch aus geopolitischer Perspektive ist die "Strategie" Zweifel an der Bündnistreue zu säen, und Partner zur ökonomischen und militärischen Distanz und Entflechtung zu bewegen (Grönland, Zölle, Mercosur, ...) während er gleichzeitig und zu deren Lasten gemeinsamen Gegnern wie Putin Deals und Annäherung anbietet (Alaska) in jeder Hinsicht irrational und gegen die eigenen Interessen der USA. Der Zusammenhang von NATO-Mitgliedschaft und dem Unterhalt von Militärbasen ist letztlich kein zwingender. Trump, der bei seinen politischen Erpressungen ja ohnehin ständig alles mit allem verknüpft, würde wohl problemlos andere Hebel finden um etwa den Weiterbetrieb von Ramstein durchzusetzen.

        Aber aus psychologischer Perspektive kann ich gut verstehen, dass es sich deutlich beruhigender anfühlt sich einzureden hinter all dem stünde eine letztlich erfolgreiche, hyperkomplexe 4D-Schach-Strategie, als sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass der mächtigste Mann der Welt komplett durchgeknallt ist und all die Checks and Balances die so eine Situation einhegen sollten längst versagt haben. Bislang profitiert von all dem jedenfalls vor Allem die geopolitische Konkurrenz.

        • @Ingo Bernable:

          Auch wenn die Checks-and-Balances in den Staaten nicht mehr funktionieren - und jeder andere US-Präsident VOR Trump hätte sie schon mit nur ein wenig Entschlossenheit oder Skrupellosigkeit aushebeln können (die Schwachstellen liegen in der US-Verfassung!) - gibt es doch gemeinsame Interessen der Eliten in den USA. Demokraten und Republikaner sind da nur die zwei Seiten der einen Medaille.



          Und bis auf kurze Phasen in ihrer Geschichte waren die USA immer auf (wirtschafts)imperialistischen Expansionismus gebürstet, fragen Sie die Lateinamerikaner.



          Schon der Kampf der Nordstaaten gegen die Sklaverei im Süden - Lincoln wollte den Krieg eigentlich vermeiden, scheiterte aber an den radikalen Sezessionisten in den Südstaaten - ging ja primär nicht um die Emanzipation der afroamerikanischen Sklaven, sondern um die Durchsetzung des industriell-kapitalistischen Systems des Nordens (gegen das feudalkapitalistische im Süden). Bis 1890 waren die meisten Afroamerikaner in den Südstaaten schon wieder vom Wahlrecht



          ausgeschlossen.



          Eigentlich hätten die Europäer 1945 ihr „Ding“ (de Gaulle) durchziehen sollen, jetzt fällt ihnen der Transatlantizismus in Gestalt von Trump vor die Füße.

      • @Abdurchdiemitte:

        Sie übersehen, dass die von Merz & Co. "willfährig" befolgte Politik der Autarkisierung der europäischen Sicherheitsapparate gleichzeitig die "Vetomöglichkeiten" der USA erodiert: Wenn Trump erstmal seinen Wunsch erfüllt bekommen hat, dass die "Nato-Schmarotzer" doch bitte ihre Verteidigung selbst bewerkstelligt bekommen, dann ist automatisch auch einer der beiden Haupthebel weg, die er bislang ansetzen kann, um Europa gefügig zu machen.



        Dass Europa jetzt und hier noch lange nicht so weit ist, einem Trump einfach sagen zu können "Dann geh halt! Wir brauchen Dich nicht mehr.", steht nur NEBEN dieser Logik vorerst auch noch im Raum. Bis das sich ändert gilt (in Anlehnung an Teddie Roosevelts außenpolitischen Wahlspruch): "Verhalte Dich ERST RECHT freundlich, solange Du KEINEN großen Knüppel dabeihast." Denn Hunde die nur zahnlos herumkeifen können, WERDEN gebissen.

        • @Normalo:

          Es ist eben die Frage, wie ernst es der POTUS wirklich meint mit seinen NATO-Austrittsdrohungen. Während überzeugte Transatlantiker eher vor Schreck erstarren ob dieser Vorstellung, brechen so manche Linke schon in Jubel aus, weil sie das verhasste Bündnis schon erodieren sehen.



          Und meine Position dazu ist: beide Seiten liegen falsch. Weil es nie und nimmer zu einem NATO-Austritt der USA kommen wird. Weil für die USA die geopolitischen Nachteile die Vorteile überwiegen, sollte es zu diesem Szenario kommen. Und weil die aussenpolitischen Grundlagen und Handlungen der USA nicht von einer einzigen Person, dem Präsidenten, bestimmt werden. Noch dazu, wo jeder, der sich in den Staaten zu den relevanten Entscheidungsträgern zählt (v.a. die Köpfe hinter Project 2025), weiß, dass es sich bei Trump um einen ausgesprochenen Wirrkopf handelt.



          Trump selbst ist wie seine gläubigen Anhänger in der MAGA-Bewegung nur die Kulisse, hinter der die zentralen aussenpolitischen Entscheidungen getroffen werden.



          Die sind aber höchst rational bestimmt. Und ein NATO-Austritt der USA gehört gewiss nicht in dieses Kalkül. Erst recht nicht der Zerfall des Bündnisses.

          • @Abdurchdiemitte:

            Ich selbst schätze Trump tatsächlich ein wenig(!) rationaler ein, als die meisten das tun. Das macht ihn aber nicht weniger gefährlich und immer noch ausreichend impulsiv. Und dass er aus der Nato austritt (und sei es nur, weil er innenpolitisch gerade mal wieder in Klemme steckt und meint irgendwas tun zu müssen, um seine Omnipotenz zu beweisen), halte ich für unwahrscheilich aber ganz und gar nicht ausgeschlossen.



            Was die "Macher hinter den Kulissen" betrifft, wäre ich hingegen äußerst vorsichtig. Das ist eine beliebte VT, aber nur weil jemand die "Trump-Doktrin" differenzierter und stringenter darstellt als der Namensgeber selbst, heißt das nicht, dass er diesen auch überstimmen könnte. Trump hat eine erschreckend gute Bilanz in der Auseinandersetzung mit "vernünftigeren" Mitspielern, die ihn einbremsen wollten - Checks and Balances hin oder her. Darauf zu spekulieren, dass er genau DIESE Machtprobe verlieren würde, halte ich für absolutes Vabanque.



            Von daher: Grönland hat gezeigt, dass es möglich ist, Trump seine Grenzen aufzuzeigen. Aber der Weg dahin ist nicht die moralinsaure Empörung sondern die kalt servierte, angemessene "Rote Linie", wo man sie auch halten kann.

  • Trump wird alles machen, was ihm kurzfristigen Vorteil verspricht. Auch aus der NATO austreten. Seine Basen wird er natürlich nicht aufgeben wollen, aber eine Konsenslösung muss dafür aus seiner Sicht nicht gefunden werden. Zur Not wird er einfach argumentieren, Deutschland sei weiterhin besetzt und nicht souverän, so wie Putin das seinerseits gegenüber der Ukraine tut.

    Wenn Trump aus Polen ein anderes Angebot bekommt, zieht er den ganzen Laden aus Ramstein einfach um und lässt die Tür offen.

    Deutschland wird auch den Wegfall des Wirtschaftsfaktors der US-Streitkräfte im Land nicht einfach so verkraften.

    • @Metallkopf:

      Quatsch. Wir haben angeblich Fachkräftemangel. Da wird dann einfach nach- und umgeschult. Kriegstreiberei darf niemals ernsthaft als nötiger Wirtschaftsfaktor betrachtet werden.

    • @Metallkopf:

      Kann natürlich sein, dass der POTUS die von Ihnen skizzierte Strategie in seinem Kopf bewegt (was auch immer er sonst noch in seinem Kopf bewegt). Zumal Deutschland ihm kaum Widerstand entgegensetzen wird, sollten die USA mit einem NATO-Austritt Ernst machen, die europäischen Militärbasen aber behalten.



      Aber auch an Sie dieselbe Frage wie an @Ingo Bernable: welche Vorteile hätten die USA von einem NATO-Austritt?

      • @Abdurchdiemitte:

        Welche Vorteile haben die USA davon zeitgleich wirklich jeden vormals verbündeten und befreundeten Staat vor den Kopf zu stoßen, zu verprellen und sich als komplett unzuverlässiger Partner zu präsentieren für den selbst gerade eben erst abgeschlossene "Deals" schon nach ein paar Wochen keinerlei Verbindlichkeit mehr haben? Welche von der Einführung einer vormodern merkantilistischen Zollpolitik deren Kosten letztlich die amerikanischen Verbraucher zahlen? Welchen Vorteil haben durch eine radikalen Impfgegner als Gesundheitsminister begünstigte Masernausbrüche? Welchen Massenentlassungen diverser sicherheitsrelevanter Fachleute in Behörden, vom Seuchenschutz, über Cybersicherheit und Wetterdienst bis hin zu Experten für Sicherheit und Wartung von Atomwaffen? Und wie viel Irrsinn bräuchte es noch um ihren Glauben daran, dass das alles letztlich doch rational sei zu erschüttern?

      • @Abdurchdiemitte:

        @Metallkopf hat es schon angedeutet: Trump tut nicht notwendigerweise, was den USA einen Vorteil bringt, sondern was er denkt, das IHM einen Vorteil bringt. Und IHM reicht es, dass seine - zu großen Teilen außenpolitisch recht unbeleckten - hurrapatriotischen Anhänger DENKEN, er erhöhe gerade einmal mehr z. B. Prestige und Unabhängigkeit der USA in der Welt - und sei es nur, indem er einfach tut, was der Rest der Welt für Dummfug hält, weil er es KANN.

        Denn das ist Trumps "Urnen-Mojo": Er ist der wandelnde Stinkefinger in die Gesichter all jener elitären Großkopferten, die seine Wähler verachten und die ihm ständig erklären wollen, was er NICHT kann. Er tut's einfach trotzdem und vermittelt seinen MAGA-Maniacs, das schaffe gleichzeitig all die Gründe aus der Welt, aus denen man ihm davon abgeraten hatte. Und wie eigentlich immer in seinen beiden Amtszeiten braucht er dieses Mojo gerade dringender, als er solide, erst in Jahren spürbare Bündnispolitik brauchen kann.

        • @Normalo:

          Trump kann den Eliten in den Staaten und auch hier in Europa den Stinkefinger zeigen, wie er möchte (und sich dazu von denjenigen bejubeln lassen, die in Bettwäsche mit seinem Konterfei schlafen).



          Entscheidend ist, dass es die selben Eliten sind, die zuvor schon fest im Sattel saßen und deren Einfluss durch die Trump-Administration auch nicht geschmälert wird. Für die wäre ein NATO-Austritt der USA aus verschiedenen Gründen kontraproduktiv - und deshalb, denke ich zumindest, wird es dazu auch nicht kommen.



          Ob ich persönlich das nun begrüße oder eher doof finde, überlasse ich mal Ihrer Spekulation.😉

          • @Abdurchdiemitte:

            Ich denke auch, dass sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch eine ganze Weile mit der Nato werden leben müssen (vgl. oben). Mir gefällt nur das Restrisiko nicht, dass Ihnen das erspart bleiben könnte.😉



            Aber verlassen Sie sich dafür nicht zu sehr auf die "Eliten hinter Trump"! Die eigene Macht des Präsidentenamtes ist sehr real. Schauen sie nur, wie er viel reichere und mächtigere Internet-Oligarchen als Thiel & Co. gefügig gemacht hat! Trump ist auch weit über den Punkt hinaus, wo er immer erstmal seine wichtigsten Spender anruft und um Erlaubnis bittet, bevor er seinen geliebten (dicken, langen 😉) Unterschrifts-Edding rausholt. Bei seinen Tweets hat er erst garnicht damit angefangen. Auch das ist signifikant.

  • Von de Gaulle stammt ja der Spruch "Nationen haben keine Freunde, sie haben nur Interessen."



    In diesem speziellen Fall muss man aber wohl zwischen den Interessen der USA und denen der US-Administration unterscheiden. Die NATO ist zweifellos im Interesse der USA, denn trotz beindruckendem Nukleararsenal und riesigem Rüstungsetat kommt nur so die kritische Masse zusammen, um unangefochtene Weltmacht zu sein. Außerdem dreut ein Krieg mit China.



    Dies interessiert Trump nur nicht, der seit seinem Aufenthalt in Moskau als Immobilienmogul plötzlich sein Interesse an Politik entdeckt hat und bereits einmal in seinem Konkurs durch einen russischen Oligarchen gerettet wurde, der zu einem aberwitzigen Preis sein Haus abgekauft hat. Man muss davon ausgehen, dass Trump auf der Gehaltsliste des Kremls steht, anders lässt sich vieles, was er tut, insbesondere die Grönlandaktion, nicht mehr erklären.



    www.zdf.de/video/d...tten-des-kreml-100



    Das bedeutet, dass wir uns an andere, insbesondere im US-Kongress, wenden müssen, wenn wir irgendetwas erreichen wollen. Mit Trump zu reden ist völlige Zeitverschwendung und zudem noch megapeinlich.

    • @hedele:

      "Von de Gaulle stammt ja der Spruch "Nationen haben keine Freunde, sie haben nur Interessen."







      Oder von Bismarck. Oder von Lord Palmerston. Oder von ...

  • "All das wird auch Trump nicht aufgeben."



    – "Von wannen kommt den Herren diese Wissenschaft?" (Carl v. Ossietzky)

    Das Argument, dass Trump irgendetwas nicht tun wird, weil es schlecht für die strategischen Interessen der USA wäre, darf mittlerweile als widerlegt angesehen werden. Also worauf basiert Herr Zumachs Vorschlag an Rutte, die Schleimerei einfach mal sein zu lassen und dem Kleinkind Trump die Meinung zu sagen?

    Lass den Rutte doch schleimen. Er ist kein Staatsoberhaupt und riskiert damit nicht die Souveränität seines Landes. Er ist der Vorsitzende eines Militärbündnisses, dass durch Trumpsche Kurzschlussreaktionen durchaus dermaßen geschädigt werden kann, dass es auch von eventuellen Nachfolgern nur noch schwer repariert werden könnte. Auch aus ukrainischer Perspektive dürfte Ruttes Schleimerei erheblich gnädiger betrachtet werden.

    • @gelu:

      Aus genau dem Grunde, dass er nicht die Interessen eines einzelnen Landes vertritt, sollte er stabdfest auftreten. Die Mehrheit der NATO-Verbündeten steht dahinter. Doch diese extrem peinliche Ar....kriecherei ist genau das, worauf der Erpresser im Oval Office seine "Deals" basiert. Wer sind wir denn, dass wir uns sowas katzbuckelnd gefallen lassen????

      • @Perkele:

        Ich würde durchaus davon ausgehen, dass Herr Rutte seine ehemaligen Kollegen kennt und die "Arbeitsteilung" abgesprochen ist.



        Mich fasziniert hingegen die Prinzipientreue der linken, speziell, wenn sich dadurch nichts und schon gar nichts besseres erreichen lässt.