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Sexualisierte GewaltDas Patriarchat schlägt brutaler denn je zurück

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

In den Jahren vermeintlicher Gleichstellung schien die Maskulinistenszene an den Rand gedrängt. Aber sie war nie weg, agierte nur weniger öffentlich.

Antifeminismus und Kampf gegen Minderheitenrechte: Die Präsidenten Milei und Trump im Oval Office Foto: Daniel Torok/White House/imago

D as Entsetzen über die Causa Fernandes-Ulmen ist übermächtig. Manche Menschen argwöhnen sogar, der Schauspieler und Moderator Christian Ulmen habe 2013 in seiner satirischen Reality-Show „Who wants to fuck my girlfriend“ die „digitale Vergewaltigung“ seiner Ex-Frau, der Schauspielerin Collien Fernandes, vorweggenommen. In der Show moderierte Ulmen als Kunstfigur Uwe Wöllner einen Wettbewerb, bei dem Männer darum wetteifern, welche Frau der Kontrahenten „die geilste“ sei, mit der nun alle Männer Sex haben wollen.

Schon möglich, dass die These der Vorwegnahme stimmt. Möglich ist aber auch, dass es sich tatsächlich um Satire und damit Kunst handelte. Die Show hatte man damals als Ulmens Antwort auf die Brüderle-Affäre verstanden. Der frühere FDP-Politiker Rainer Brüderle hatte sich der Stern-Journalistin Laura Himmelreich gegenüber unter anderem mit dem Satz geäußert: „Sie können ein Dirndl auch gut ausfüllen.“

Die machte das öffentlich und löste damit die Sexismus-Debatte #aufschrei aus. Wenige Jahre später folgte #metoo, diesmal global – und es hatte den Anschein, als würden Männer Sexismus, Misogynie und Gewalt gegen Frauen besser verstehen. Auf einmal war von neuer Männlichkeit die Rede, von moderner Vaterschaft, männlicher Verwundbarkeit. Männer präsentierten sich als Feministen, darunter auch Christian Ulmen, sie wurden dafür gefeiert.

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Die antifeministische Männerrechtsbewegung schien an den Rand gedrängt. Allein in Deutschland hatten Maskulinisten jahrelang versucht, in großen Medien ihre Behauptung zu platzieren, sie seien Opfer einer feminisierten Gesellschaft und systematisch benachteiligt. Wer sich kritisch über Maskulinisten äußerte, wurde von ihnen verklagt. Mit #aufschei und #metoo glaubte man nun, die Szene niedergerungen zu haben.

Doch die Frauenhasser waren niemals weg, sie haben weitergemacht – in rechten Foren wie „eigentümlich frei“, „Achse des Guten“, „Die freie Welt“. Global agierende sogenannte Pick-up Artists lernten in Gruppenseminaren, wie man Frauen für Sex gefügig macht, gern mit Gewalt. In sozialen Netzwerken verbreiten „Menfluencer“ ihre frauenverachtende Ideologie. In dieser Manosphäre geht es um „echte Männer“, Muskelkraft, Unterwerfung von Frauen.

Schützt Spanien seine Frauen besser?

In der aktuellen Folge der Fernverbindung spricht Redakteurin Tanja Tricarico mit Spanien-Korrespondent Reiner Wandler über den Schutz vor digitaler Gewalt in Spanien.

Hegemoniale Männlichkeit ist verwoben mit Kontrolle

Maskulinisten nehmen sich das Recht heraus, Gesetze nach ihrem Sinne zu ändern

Nach einer vermeintlich geschlechtergerechten Phase schlägt das Patriarchat brutaler denn je zurück. Seit der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump machtvoller denn je auf die politische Weltbühne getreten sind, breiten sich Antifeminismus und der Kampf gegen Minderheitenrechte ungezügelt global aus.

Diese Omnipräsenz von Misogynie findet Anschluss bei autoritären Staatsoberhäuptern wie Ungarns Präsidenten Viktor Orbán, Javier Milei in Argentinien, Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei, nicht zuletzt bei extrem rechten Bewegungen. Zu deren Ideologie gehören unter anderem ein antiquiertes Familienbild: maskuline, bestimmende Männer und treusorgende Frauen mit der Zuständigkeit für Kinder, Haushalt, Garten.

Hegemoniale Männlichkeit ist verwoben mit männlicher Kontrolle des weiblichen Körpers. In seiner ersten Präsidentschaft stoppte Trump die staatliche Förderung von Hilfsprojekten für Opfer von häuslicher Gewalt und änderte die Definition von Partnerschaftsgewalt. Seitdem taucht psychische Gewalt als Angriff gegen Frauen nicht mehr im US-Strafrecht auf. Dabei ist diese Gewaltform ein wesentlicher Bestandteil männlicher Angriffe und der Beginn einer Gewaltspirale, die für 50.000 Frauen jedes Jahr weltweit mit dem Tod endet. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit räumte Trump häusliche Gewalt als Straftatbestand ab. „Dinge, die zu Hause passieren“, sollen nicht mehr strafbar sein.

In Russland gibt es erst gar keine Rechtsdefinition von Partnerschaftsgewalt. Im Gesetz ist von „Gewalt im häuslichen Umfeld“ die Rede, gemeint sind damit Nachbarschaftsstreite. Seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine rückt die reproduktive Rolle von Frauen stärker in den Fokus. Um die Geburtenrate zu erhöhen, gibt es Sozialleistungen für minderjährige Schwangere und deutliche Einschnitte beim Abtreibungsrecht. Weltweit erstarkt eine pronatalistische Bewegung, die „Lebensschutz“ predigt, aber Abtreibungsverbot meint, die gegen Homosexualität zu Felde zieht und einen heteronormativen Familismus propagiert.

Maskulinisten nehmen sich das Recht heraus, Gesetze nach ihrem Sinne zu ändern und regelbasierte Werte umzuschreiben – mit dem Ziel, Freiheiten einzuschränken und andere, insbesondere Frauen, zu überwachen. Der Fall Fernandes ist nur ein Sinnbild dafür. Es ist ein regelrechter Feldzug gegen Frauen, Migrant:innen, Transpersonen. Für Frauen geht es um nichts Geringeres als „um „unseren Wert als Frauen in der Welt“, wie die einstige First Lady Michelle Obama es formuliert.

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Simone Schmollack
Ressortleiterin Meinung
Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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50 Kommentare

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  • Jenseits von Anlässen, Schandtaten und Inhalten: ich habe noch nie die Logik kapiert. Maskulinismus weg und durch Feminismus ersetzen.



    Wo ist da Transformation? Wo sollen bei solcher kommunizierter Strategie die Follower von Seiten der Männer kommen? Das ist doch fast eine Gleichsetzung von feminin und gut.



    Nein, wirklich, logisch ist das Thema verfehlt nach meinem Weltverständnis.

  • Bin ich eigentlich die einzige, die beim Lesen des Titels "who wants to f*** my girlfriend" und angesichts des Falles Pelicot einfach nur noch Entsetzen empfindet? Dicht gefolgt von massivem Ekel.



    Zumal es auch in deutschsprachigen Ländern Herren mit dem "Hobby Pelicot" gab, und wahrscheinlich weiterhin gibt, von denen einige inzwischen erfolgreich der Justiz zugeführt wurden.



    Es sind keine Einzelfälle, und es sind keine Witze. Es ist die virtuelle oder tätliche Rache des sich Angesichts (s)einer starken Frau klein fühlenden Mannes. Da geht es ihm gleich besser!



    Aber ist das sich klein fühlen des Mannes tatsächlich die Schuld der Frau? Oder hat sich der Mann zu arg im Patriarchat mit all seinen Bevorzugungen für die Männer eingerichtet und fühlt sich nun heutzutage von einer Frau mit gleichen Rechten, die diese Rechte auch noch einfordert und zu nutzen weiß, massiv bedroht?



    Hat er sich an all die gratis-Dienstleistungen, zu denen Frauen seit Jahrhunderten im Patriarchat gezwungen waren, gewöhnt und mag sie nicht missen? Notfalls dann halt sich schadlos halten, heimlich und mit Gewalt.



    Hier nutzt keine gesellschaftliche Belehrung mehr, hier fehlen deutlich härtere Gesetze.

    • @Lotte Huber:

      Ihr Ekelempfinden in derartigen Angelegenheiten ist gottseidank noch kein Alleinstellungsmerkmal.



      Leider brüllen die anderen, die ohne Empathie und Anstand, mit ihrer ordinären Lautstärke den Teil der Menschen, die noch die Bezeichnung Homo sapiens verdienen, gnadenlos nieder und ziehen im Sog der Gemeinheit und Ignoranz immer mehr mit, die noch nicht wissen, das sich gehört und was nicht.



      Und mit noch größerem Bedauern befürchte ich, dass die, welche mit deutlich härteren Gesetzen und deren Durchsetzung den verfahrenen Karren wieder in die richtige Richtung bringen könnten, sich von den Wohlstandsverwahrlosten mehr Vorteile erhoffen.

    • @Lotte Huber:

      Liebe Lotte 💗 i mog di 🫶 ganz im Ernst, ich schätze Ihre beherzten verständigen Beiträge, so vielen Homos hier fehlt das sapiens. Und ja, auch mich peitscht der Ekel denn leider gibt es ganze Netzwerke in D die eifrig einem Pelicot nacheifern und dabei so gut wie nicht von der Justiz verfolgt werden.

      www.youtube.com/watch?v=GLrzyOLJUtk

      www.youtube.com/watch?v=khz9WR_gKwQ

      Definitiv ist der sich klein fühlende Mann nicht die Schuld der Frau, Virgina Wolff hat es treffend benannt: Frauen dienten jahrhundertelang als Lupe, die es den Männern ermöglichte, sich selbst als doppelt so groß wahrzunehmen, als sie eigentlich sind. Diese „Funktion“ lehnen Frauen heutzutage größtenteils ab und das, nun ja… zahlt der Mann vielfältig heim. Ich glaube, das männliche Ego erträgt den Realismus nicht, die Gleichstellung mißhagt, denn das würde die eigene Großartigkeit unterminieren. Darum bedient er sich vielfältig vor allem demütigender Instrumente weil er sich von autarken Frauen – die, MANN mag es gar nicht glauben sich selbst Versorgen und auf den Mann verzichten können – gedemütigt fühlt.

    • @Lotte Huber:

      Leider gehörst du zu den wenigen, die Ekel empfinden, und auch ich finde es erschreckend. Sogar der Großteil der taz-Kommentatoren relativiert oder verharmlost die Gewalt gegen Frauen.

      Die einzige, richtige Reaktion die folgen muss, ist die Zerschlagung des Patriarchats. Doch 90% finden das übertrieben. Kein Wunder, dass wir uns angeekelt fühlen, noch in 100 Jahren.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Danke, Erfahrungssammler, Lou, Troll, für eure Antworten. Mir fehlen angesichts der schieren Größe (und all der Verflechtungen in die verschiedensten Lebens-/Weltbereiche) dieses gesellschaftlichen Phänomens tatsächlich die Worte, und ihr habt wunderbar ergänzt und verfeinert. Wie auch noch einige andere Kommentatoren. Danke.



        Und ja, die vielen relativierenden Kommentare ansonsten hier- oh Schreck, beachte man, wir sind bei der taz! Nicht auszudenken was an Kommentaren bei Focus Online oder dergleichen zu finden wäre-(noch schlimmere Abgründe lese ich nicht). Nämlich das realistische Bild einer sozial schrecklichen Welt. Mit-Menschen(???)



        Das Patriarchat lebt, der Krieg lebt, die Gewalt lebt, die Zerstörung jeder Lebensgrundlage und die hirnlose Ausbeutung blühen, Tiere quält man, und was man dergleichen noch nennen könnte, und es bleibt die tägliche Bürgerpflicht, gegen all das aufzustehen, die Stimme zu erheben, nicht zu schweigen, Stellung zu beziehen und Zeugnis abzulegen, auch wenn es zum eigenen Schaden gereichen möchte.



        DAS ist die Aufforderung an alle Männer, die die Bezeichnung Mann mit Ehre tragen möchten, und an ausnahmslos alle Frauen.



        Mein Traum.

  • "Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit räumte Trump häusliche Gewalt als Straftatbestand ab. „Dinge, die zu Hause passieren“, sollen nicht mehr strafbar sein."

    Ein US-Präsident hat keine Befugnis, Straftatbestände wie häusliche Gewalt „abzuräumen“. Das sind State Crimes (Landesrechte). Selbst wenn er wollte, könnte er das nicht per Dekret entscheiden.

    "In seiner ersten Präsidentschaft [...] änderte Trump die Definition von Partnerschaftsgewalt. Seitdem taucht psychische Gewalt als Angriff gegen Frauen nicht mehr im US-Strafrecht auf."

    Auch hier dasselbe.

  • Danke für den maßvollen, nachdenklichen Kommentar. Das ganze wirkt, letzten Endes, in vieler Hinsicht wie ein Krieg gegen die gesamte moderne Zeit: Wissenschaft, objektiv überprüfbare Fakten, Minderheitenrechte, einfach alles, was irgendwelchen irren Macho-Selbstdarstellern nicht in den Kram passt, wird einfach abgeräumt - und immer mehr Leute machen den Unsinn mit. Es ist mir z.B. völlig unverständlich, wie in Baden-Württemberg 18% der Leute eine Partei gewählt haben, deren Spitzenkandidat von seiner persönlichen Integrität her mit "fragwürdig" deutlich zu freundlich umschrieben ist. Letzten Endes liegt meine Hoffnung darin, dass unsere liberale demokratische Kultur mit allen unseren verteidigungswürdigen Werten - wie den Rechten der Frau - noch existiert, wenn das Pendel wieder in vernünftigere Richtungen umschlägt. Ich hoffe, das tut es bald - denn das Beispiel USA zeigt, dass sowohl unsere Weltordnung als auch unsere Demokratie instabiler sind, als es die meisten dachten.

    • @Agarack:

      Das haben Sie sehr schön formuliert, jeder Beitrag der vertieft und verdeutlicht ist wertvoll. Danke.

  • Das Problem heißt eben nicht hehemoniale Männlichkeit - sondern unkontrollierte Macht über Medien, Wirtschaft und den Politikbetrieb. Das Problem heißt auch Desinteresse an politischer Beteiligung - aber auch schlechte Rahmenbedingungen in der Politik. Es ist auch ein gewaltiges Bildungsproblem. Und ja - natürlich auch Machotum usw..

    Leute wie Trump sind nicht trotz, sondern auch durch Metoo an die Macht gekommen: Weil zu sehr die demokratische Kräfte sich an diesen Themen abgearbeitet haben, während man sich einen feuchten Kehricht um die einfachen Leute gekümmert hat - und diese Leute der AfD und MAGA überlassen hat, während man arrogant über das rückständige Erzgebirge oder die Hillbillies im Flyover-Country geredet hat.

    (Im übrigen wird hier Frau Le Pen, Frau Weidel, Frau Melloni und Frau Taichi erstaunlich gut vergessen…)

  • Ein Missverständnis des alten Feminismus: Frauen dürfen tun, was Männer tun. Das sind dann auch die schlimmen und dummen Dinge, die sie vorher kritisiert haben.



    Aufmerksamkeit lenken wir besser auf die Verherrlichung der männlichen Werte, deren positive Bedeutung allzu selbstverständlich hingenommen wird.



    Die weiblichen Werte zu erkennen und zu stärken ist der Weg zur Veränderung. Eine weibliche Welt! Wir stecken doch Alle so fest in der Welt wie sie ist, daß wir uns eine andere kaum vorstellen können. Alle spielen mit - auch die Frauen. Deshalb ist Veränderung so mühsam. JedeR Einzelne muss sich überlegen, was sie/er im Alltag anders machen könnte. Ein schönes Stück Arbeit!



    Einfacher ist es, Männer ganz allgemein zu verurteilen. Aber auch Männer leiden unter den patriarchalischen Strukturen, aber sie wollen es nicht sehen, denn sie können sich ja immer noch zum "starken Geschlecht" zählen. Wie kann man damit aufräumen?



    Wer Frauen verachtet, verachtet die Menschen. Frau Leben Freiheit! Ich sehe die Frauen im Iran, die nicht aufgeben und Hoffnung haben, dass das Regime die Macht verliert. Mehr Männlichkeit als Gegner geht ja kaum! Wir geben nicht auf.

    • @Cordula Lippke:

      Cordula, ihr Beitrag ist zutreffend. Bezüglich des von Ihnen angeführten "alten Feminismus" gilt wohl leider der Spruch, man wird zu dem was man bekämpft. Immer eine reale Gefahr in Auseinandersetzungen.



      Auch an die Situation des Iran insgesamt dachte ich schon angesichts der aktuellen "toxischen Männlichkeit-affäre" in Deutschland.



      Ein Kommentator befand, es müsse reichen, wenn Frauen, die ja 50% der Menschheit ausmachen, alleine aufstehen und die Sache in die Hand nehmen, der Beitrag der ordentlichen, friedlichen Männer werde gar nicht gebraucht.(Um es anders zu sagen, diese können sich in ihrer bräsigen Bevorzugungsumgebung häuslich einrichten und brauchen sich keinerlei Gegenwind auszusetzen, indem sie Stellung beziehen). Ein fataler Trugschluss dieses Kommentators. Es braucht überall die dringende Mithilfe derer, denen es besser geht und die scheinbar nicht betroffen sind.

  • Bei all der Düsternis möchte ich von einer positiven, wenn auch nur fiktiven Geschichte erzählen.



    Vorgestern gab die Wiederholung eines Filmes, der zu den 30 berühmtesten zu zählen ist:



    Portrait einer jungen Frau in Flammen.



    Was mich mehr als das zarte Liebesverhältnis der "jungen Frau" mit ihrer Portraitistin beeindruckte, war das Verhältnis zwischen der jungen Adeligen, der Malerin (Dienstleisterin) und dem Dienstmädchen. Alle erfüllten ihre Aufgaben entsprechend ihrer Stellung - der Umgang untereinander war jedoch zwanglos, angstfrei und gleichberechtigt. Nein, es gab da überhaupt keine Gefühlsduselei, sondern viele Konflikte, die aber nicht zu Zerwürfnissen und Abwendungen führten.



    Diese Utopie, vielleicht nur unter Frauen möglich, hat mich sehr beeindruckt.



    Wetten, dass diesen Film die wenigsten Männer kennen.

    • @Il_Leopardo:

      Da müsste ich mal meine Frau fragen.

  • Ich denke in dem Artikel stehen sehr viele richtige Einschätzungen. Und Trump ist da ja nur ein prominentes Beispiel, da draußen gibt es so viele Komplexler zusätzlich mit narzistischen Attitüden das sie sich einbilden ihr handeln bestimmten Personen gegenüber (manchmal Ausländer, diesmal Frauen) würde doch tatsächlich die Welt ändern, ja sogar "retten".



    Von diesen Leuten gibt es so viele und ja die meisten sind Männlich.

    Macht mir schon Sorgen wenn ich ehrlich bin, denen ist alles zu zu trauen. Im großen die miesen Gesetze die sie erlassen können, und im kleinen bei den Einzelnen auch schlimmste Straftaten. Die reden sich dann ja auch immer so einen Schwachsinn ein, alla "eine Frau hat mich verletzt also haben es alle verdient" und so ein Kram, also leben auch noch in ihrer eigenen Welt und glauben allen ernstes sie wären mit ihrem Verhalten im Recht.

    • @Rikard Dobos:

      Danke. Genau so.

  • Man gewinnt langsam den Eindruck, dass Maskulinität nur noch negativ verstanden wird. Männlichkeit hat (wenn auch bisweilen stereotyp) durchaus positive Seiten.

    • @FraMa:

      Viele typisch männliche Verhaltensweisen werden allzu positiv gesehen, und im Gegenzug weibliche Eigenschaften belächelt oder sogar als Beleidigung betrachtet. Da müsste sich was ändern!

  • Die Entwicklung ist beängstigend und es muss Widerstand geben.

    Wichtig dafür sind meiner Meinung nach zwei Dinge. Wir dürfen die vielen Männer, die auch nicht zurück zu den alten Verhältnissen wollen, nicht mit pauschalen "die (Cis) Männer" Attacken vor den Kopf stoßen, sondern müssen sie als Verbündete gewinnen. Zusammen sind wir nämlich in der Überzahl.



    Und es ist auch wichtig, am eigenen Selbstbewusstsein zu arbeiten. Noch viel zu viele Frauen rennen Machos hinterher. Die beste Methode, diese Typen Aussterben zu lassen, wäre, wenn sie sich nicht mehr fortpflanzen können.

    Übrigens:

    "Global agierende sogenannte Pick-up Artists lernten in Gruppenseminaren, wie man Frauen für Sex gefügig macht, gern mit Gewalt."

    Warum gibt es keine Justiz, die solche Typen wegsperrt? Schließlich lehren sie, wie man Straftaten begeht!

    Hier gibt es offensichtlich viel zu tun...

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Da bin ich dabei! Und sehe doch, wie schwer es ist, die Verhältnisse zu ändern. Typisch männliche Verhaltensweisen werden oft allzu positiv gesehen, und im Gegenzug weibliche Eigenschaften belächelt oder sogar als Beleidigung betrachtet. Da müsste sich was ändern!

      • @Cordula Lippke:

        Ja natürlich. Allerdings ist das ein langwieriger Prozess, der in den Köpfen passieren muss. Man kann ihn nur unterstützen und nicht anordnen.

        Um so wichtiger ist es, "Manfulenzern" und anderen rückständigen Gestallten entgegenzutreten.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Auch wenn Sie mir in einem anderen Beitrag „Täter-Opfer-Umkehr“ vorgeworfen haben, was ich klar zurückweise, weil ich mich nur auf einen einzelnen, konkret zitierten Satz bezogen habe und dem Rest des Artikels zustimme, gebe ich Ihnen mit diesem Kommentar vollkommen Recht.

      Gerade junge Menschen brauchen gute Vorbilder. Wenn sie nach Orientierung suchen und dabei widersprüchliche Botschaften bekommen, sorgt das für Verwirrung und Frust. Zum Beispiel: Die einen Feministen sagen, cis Männer sollen sich raushalten und lieber schweigen. Andere wiederum kritisieren, dass Männer nicht laut genug sind.

      Wenn man gleichzeitig hört, man sei pauschal Täter oder zumindest Mitschuldiger, fühlt man sich schnell abgestempelt.

      Wenn dann noch die „Manosphere“ diese jungen Menschen mit einfachen Antworten und einem Gefühl von Zugehörigkeit aufnimmt, ist es kein Wunder, dass viele in die falsche Richtung abdriften. So entstehen am Ende genau die problematischen Vorbilder, die man eigentlich vermeiden wollte.

      • @Pawel_ko:

        Sie haben nicht unrecht, trotzdem gefällt mir die Gleichstellung in der Schwere der Problematik nicht.



        Die Machenschaften der sogenannten Manosphere gehören durch entsprechende Gesetze unzweideutig justiziabel gemacht. Und genauso eindeutig, energisch und konsequent mit passendem Strafmaß und nicht nur mit dududu und ein bisschen Bewährung geahndet. Das wäre ein starkes Zeichen, dass es sich nicht nur um eine Meinung handelt sondern um ein Verbrechen, wenn man Anhänger dieser Machenschaften ist. Und, wie schon anderen Orts hier von mir geschrieben, von den wohlmeinenden, anständigen, Gleichberechtigung lebenden cis-Männern erwarte ich nicht nur Schweigen oder Rückzug, sondern deutliche, sichtbare Stellungnahme. Damit würden diese cis-Männer ein gutes Vorbild für die vielleicht wankelmütigen und beeinflussbaren jungen Männer geben.

  • Es ist kein Zufall, dass der globale Vormarsch neofaschistischer Bewegungen – von Trumps MAGA-Kult über die AfD bis hin zu den Autokraten in Osteuropa – Hand in Hand mit einem rabiaten Hass auf Frauen und Minderheiten geht. Diese Ideologien brauchen den Sündenbock, um von ihrer eigenen programmatischen Leere abzulenken.



    ​Frauenrechte werden als „linksideologische Experimente“ diffamiert, während gleichzeitig ein toxisches Männlichkeitsideal propagiert wird, das Stärke durch Unterdrückung definiert. Ob es um die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, die Hetze gegen queere Menschen oder die rassistische Markierung ganzer Bevölkerungsgruppen geht: Das Ziel ist immer die Destabilisierung der Gleichwertigkeit. Diese modernen Faschisten wollen keine Sicherheit, sie wollen Hierarchie. Sie träumen von einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt und Vielfalt als Bedrohung ausgemerzt wird. Wer Minderheiten die Würde abspricht, bereitet den Boden für die totale Entmenschlichung. Widerstand gegen diesen Rollback ist kein „Woke-Thema“, sondern die Verteidigung unserer Zivilisation!

    • @amigo:

      Wunderbar. Ganz genau so. Danke.

    • @amigo:

      💯👏🏿👏🏽👏🏻👏

    • @amigo:

      Das sehe ich sehr ähnlich. Ich fürchte, es ist ein unverzeihlicher Irrtum, dass es sich um ein "letztes Aufbäumen" handelt. Das Erstarken der AfD ist auch kein letztes Aufbäumen des Faschismus. Tatsächlich war dieses Männlichkeitsbild nie verschwunden, wahrscheinlich nicht einmal geschwächt, nur eben ein bisschen zurückgezogen. Jetzt kriecht es Hand in Hand mit dem Faschismus zurück auf die öffentliche Bühne. Körperliche Gewalt gegen Frauen, auch und gerade die eigene, die als Eigentum gesehen wird, hat nie aufgehört. Ich weiß, wovon ich rede. Im Grunde leben wir noch immer in der Steinzeit.

      Ja, es gibt einige Ausnahmen bei den Männern. Mein Sohn gehört dazu, bei dessen Erziehung ich sehr großen Wert darauf gelegt habe, dass er mit patriarchalem Gedankengut nicht in Berührung kommt. Die Mühe machen sich leider nicht viele Eltern, schon gar nicht heute, wo sie lieber in ihr Handy gucken, um in irgendwelchen "sozialen" Netzwerken aktiv zu sein oder blöde Videos anzugucken. Wir gehen bösen Zeiten entgegen...

    • @amigo:

      Das interessante dabei: Auch in sozialistischen Ländern werden Aspekte der Vergangenheit als Fehler bezeichnet. In vielen sozialistischen Ländern wurden Frauenrechte gestärkt, das Wahlrecht zugunsten von Frauen verändert, sowie andere Aspekte wie Alphabetisierung / Generelle Bildung und die medizinische Versorgung. Vieles wird zunichte gemacht.

      Als Anarchist sehe ich dieser Entwicklung sehr enttäuschend entgegen.

      Doch erstmal sind die rechten Akteure dabei, die Frauenrechte dieser Welt auszuradieren. Die Islamfaschisten der Taliban machen bereits gute Arbeit und es wird mich nicht wundern, wenn andere Autokraten das als Beispiel nehmen.

  • Es bleibt eine spannende Frage, warum sich das Patriarchat quasi weltweit so erfolgreich entwickeln und durchsetzen konnte und jetzt natürlich nicht klein beigeben will. Obwohl diese Art der Organisation unserer Gesellschaften auch für Männer so oft nur nach Außen erfüllend ist und nur für wenige zufriedenstellend, sprich im Großen und Ganzen für die meisten nur so ... mähhh

    • @Otto Buchmeier:

      Eine einfach zu beantwortende Frage, selbst der unterdrückteste Mann, genoss seit Jahrhunderten Ansehen und Deutungshoheit zumindest in seiner Peergroup, sein Wort war nicht in Abrede zu stellen… das galt sogar für den Sklaven in der Baracke die ihm der Plantagenbesitzer für sich und seine Familie zugestanden hat. Er kann immer noch nach Hause gehen und seine Frau dominieren. Nicht alle Männer sind Alphas aber zu Hause können Sie noch immer Macht beanspruchen und Druck / Frust auf andere ausüben… ein verführerisches Konzept dessen sich seit Jahrhunderten nur die wenigsten Männer entziehen konnten. Und selbst wenn kein Zuhause, keine Frau zur Verfügung stand wurde die Müllerstochter entführt und im Wald vergewaltigt, schließlich oblag ihm das WORT und war sie die Hexe die ihn verführt hat. Heutzutage gehen junge Männer ja lieber auf die Straße und schütten Frauen Säure ins Gesicht oder Needlespiken Frauen in Clubs. Die Ideologie dahinter, das männliche Selbstverständnis ist immer dasselbe geblieben: Die Verfügbarkeit der Frau, und ist sie nicht verfügbar gehört sie bestraft.

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Es gab in der Geschichte unterdrückter Gruppen immer, aber auch wirklich immer Aufstände gegen Unterdrückung und Fremdherrschaft. Wo waren die weiblichen Aufstände?



        Ist "das Patriarchat" vielleicht deshalb so erfolgreich, weil auch Frauen davon profitieren, in dem Sinne, dass Mitsprache gegen Schutz und Versorgung eingetaucht wird?



        Es sind nicht nur Männer, die das Bild des starken Mannes hochhalten. Es sind ebenso Frauen, die beklagen, dass Männer zu Pussies geworden sind (Originalton). Nicht von progressiven Frauen. Von traditionellen. Das nur mit internalisierter Misogynie zu erklären ist zu einfach.

        • @swordeli:

          Sie stellen gute Fragen die sich leider nicht in 1200 Zeichen beantworten lassen 🙂 wenn es interessiert empfehle ich „Die Wahrheit über Eva: Die Erfindung der Ungleichheit von Frauen & Männern“ von Carel v Schaik & Kai Michel. Auch „Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvior könnte Aufschluss geben. Nur so viel, der „Tausch“ war kein freiwilliger Akt, mit Sesshaftwerdung des Menschen wurde die Frau selbst zum Tauschobjekt. Zu Wanderzeiten war die Frau sehr gut in der Lage sich selbst zu schützen & versorgen, taten die Frauen auch meist. Mit Ackerbau & Sesshaftwerdung, zur Gebietssicherung & Friedenwahrung wurde Frauentausch betrieben, die Frau ihrer Familie beraubt, um einer fremden Sippe Kinder zu gebären. Weiterhin übersehen Sie psychologische Gruppen-Dynamiken, in den Lagern gab es auch Juden die den Nazis in die Hände arbeiteten. Selbstredend sind nicht wenige Frauen auch von Patriarchat indoktriniert. Durch „Pussies“ werden unter enormen Schmerzen tagtäglich neue Menschen gequetscht, diese Organ mit Schwäche gleichzusetzen während Männer bei dem geringsten Kick in die eigenen empfindlichsten Teile sofort zusammenklappen, ist schon absurd… finden Sie nicht?

        • @swordeli:

          Es gab Frauen-Aufstände, Demonstrationen (Blaustrumpf, um zu wählen, um die Uni zu besuchen). Nur weil du das nicht weißt, es zu wenig im Internet steht heißt es nicht, dass es das nicht gab. Wenn du dich wirklich darum sorgen würdest, dann such mal, da gibt es viele Frauen und viele Frauen Bewegungen.

          Außerdem wurden Frauen immer wieder vereinzelt, das ist auch schwer, dann zusammen zu arbeiten.

          Island hat das gut hingekriegt da sind alle Frauen einmal aufgestanden. Eine riesen Frauendemo.

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Das ist recht anschaulich erklärt und leider wahr.

  • Seit einigen Minuten überlege ich, welchen Kommentar ich schreiben soll. Mir fällt zu dieser männlichen Abscheulichkeit einfach nichts geistreiches ein.

  • Wie schrecklich, dass diese Männer auch von sehr vielen Frauen gewählt wurden.

    • @Maradine:

      Ja das wundert mich auch, und auch dass viele Frauen in verantwortlichen Positionen das patriachale Herrschaftssystem gut finden und aktiv unterstützen. Ich denke ds zuallererst an Meloni in Italien. Aber auch die wenigen Frauen in der Bundesregierung scheinen diesen frauenfeindlichen Kurs zu teilen. Ich denke da an Julia Glöckner und Frau Prien unserer Familienministerin. Auch in meinem persönlichen Umfeld habe ich das Gefühl dass vielen Menschen allgemein nicht klar ist dass wir eine Bundesregierung mit autoritären Zügen haben der es wichtig ist die Grundrechte von Minderheiten und eben auch die von Frauen einzuschränken.

      • @Michael Darchinger:

        Eine weibliche Persönlichkeit wie Rita Süssmuth wird es in der christlichen Union vermutlich nicht wieder geben.

      • @Michael Darchinger:

        Bisher werden noch immer die männlichen Eigenschaften favorisiert und Weiblichkeit eher abgewertet.



        Frauen, die in der Männerwelt mitbestimmen wollen, müssen sich oft der bewährten Methoden bedienen = Machtspiele der Männer. Was soll dabei schon rauskommen?

    • @Maradine:

      Es gibt halt Menschen, die Brutalität, Gemeinheit lieben - unabhängig vom Geschlecht.



      Es gibt halt Menschen, die jede Lüge glauben, wenn sie nur dick genug ist - unabhängig vom Geschlecht.



      Es gibt halt Menschen, die alles "Fremde" hassen und vor Freude geifern, wenn es denen an den Kragen geht - unabhängig vom Geschlecht.



      Soll ich aufhören - gut - mach ich.

      • @Il_Leopardo:

        Sie haben aufgehört, aber nur weil Sie wissen dass sie sonst noch ewig hätten weitermachen müssen. Und ewig ist echt lange. Ironie off. Liebe Grüße.

        Ich fühle mit Gorch, das Ausmaß der Problematik ist einfach überwältigend. Und es finden sich immer die zusammen, die gleicher Meinung sind, im Positiven wie im Negativen. Die Kluft bleibt bestehen und vertieft sich. Die von uns aus gesehen anderen bleiben unerreichbar, z.B überzeugte AFD Wähler, und eine Menge sogenannter niederer Beweggründe, fragiles Ego, Angst, soziale und wirtschaftliche Abgehängtheit, suchen weiterhin die einfache, bequeme Lösung. Zu der man nicht mal eigenes Wachstum beitragen muss. Und da ist er, der massive Rechtsruck. Mit all seinen Begleiterscheinungen.

  • Guter Beitrag, aber ich denke vielen Diskussionen liegt ein grundlegendes Missverständnis zu Grunde.

    Es ist kein Erstarken sondern das letzte Aufbäumen des von der Autorin als "Maskulinisten" bezeichneten Klientel.

    Ein letzter Versuch die Uhr zurückzudrehen, dagegen zu steuern und Gleichberechtigung einzudämmen, getrieben von der Angst noch weiter an Bedeutung zu verlieren.

    Aber zumindest in der westlichen Welt werden die Maskulinisten damit keinen Erfolg haben. Gerade erkämpfte Frauenrechte haben in der europäischen Geschichte immer Bestand gehabt, wenn auch teilweise mit Brüchen.

    Es wird noch ein steiniger Weg werden bis der Begriff Gleichstellung auch seinen Namen in Deutschland die Ehre macht, aber aufzuhalten ist es nicht mehr.

    • @Sam Spade:

      Ich hoffe, Sie haben Recht. Die aktuellen Entwicklungen sind aber durchaus Anlass zur Sorge. Der aktuell vorherrschende Irrsinn übergroßer männlicher Egos ist eine große Gefahr. Und Frauenrechte können, wie die beklagenswerte Supreme Court-Entscheidung zur Abtreibung vor einigen Jahren zeigt, durchaus auch längerfristig zurückgedreht werden - wie einst die Rechte der Schwarzen nach dem US-Bürgerkrieg, die nach einer kurzen, hoffnungsvollen Phase schnell wieder weit zurückgedreht wurden und sich im Grunde bis heute davon nicht erholt haben.

    • @Sam Spade:

      Schön wärs.

      Das Problem ist einfach ein anderes: Wir haben unsere Demokratien erodieren gehen lassen. Während unsereiner sich um Gendersternchen und MeToo gekümmert hat, konnten die Rechten sich bei den Zurückgelassenen beliebt machen.

      • @Sebomark:

        Ich verstehe Sie nicht. Warum werten Sie gender-Sternchen und #me too ab. An diesen Dingen ist überhaupt nichts woke. Zum Thema Gendern, Worte schaffen Wirklichkeiten. Es ist wichtig, die Ungesagte Hälfte zu benennen. Und das Ausmaß sexueller Belästigung und Schlimmerem in der Gesellschaft ist extrem. Ich finde es eine unzulässige Verknüpfung Ihrerseits, die Beschäftigung mit diesen beiden Themen implizit als Ursache für den Aufstieg der AFD zu bezeichnen.



        Wobei ich zustimmen kann ist das Thema der Zurückgelassen. Hier hat es von politischer und gesellschaftlicher Seite an allem gefehlt. Und nebenbei hat die Demokratie ein riesiges Problem, in der Demokratie darf nämlich jeder seine Meinung äußern ohne verfolgt zu werden. Und das ist bei destruktiven Meinungen, die einfache Lösungen, (zu denen der ungebildete und mangelhaft sozialisierte Mitmensch keine eigene Anstrengung beitragen muss, und wo im Zweifel an den Problemen irgendwelche verfolgbaren Anderen schuld sind) für hochkomplexe Probleme versprechen, eine ganz gefährliche Sache.

      • @Sebomark:

        Keine Ahnung was sie in diesem Kontext meinen, in meinem Kommentar ging es um hegemoniale Männlichkeit und nicht um zerfallende Demokratien. Welche sollen das denn überhaupt sein?

        Michelle Obama hat treffend formuliert worum es geht „um unseren Wert als Frauen in der Welt“.

        Ich habe vier Töchter im Alter von 13 bis 20 und ich erwarte das sie respektvoll von Männern behandelt werden und zwar in jeder Hinsicht.

        Darauf haben sie ein Anrecht, wie übrigens jede andere Frau auf der Welt auch. Gleiches gilt für LGBTQIA+.

        Und wenn sich einige "zurückgelassene" aus Verzweiflung den Rechten zuwenden oder sich in ihrer Männlichkeit bedroht sehen, dann kann ich da gut mit leben, denn es ändert nichts an dem eingeschlagenen Weg.

        #metoo setzt ein Zeichen gegen Missbrauch und Rassismus. Die Unterstützung dafür ist wichtiger, als sich Gedanken um den Zustand der ewig gestrigen zu machen.

        Zumal selbst mit einem rechten Rand von 20% plus x kann jede Demokratie gut zurecht kommen.

        Man darf den Rechten nur nicht den öffentlichen Diskurs und erst recht nicht den öffentlichen Raum überlassen. Das ist das Kernproblem derzeit in Deutschland, nicht das Wahlverhalten.

    • @Sam Spade:

      Vielen Dank für Ihre wohldosierten Beiträge 🙏





      „Es ist kein Erstarken sondern das letzte Aufbäumen des von der Autorin als "Maskulinisten" bezeichneten Klientel.“

      Ich schätze Ihre Hoffnung, muss aber leider zugeben ich befürchte Schlimmes. Das Rückdrehen der Uhr gelingt gerade unter Einfluss politischer Ideologien und mithilfe digitaler Instrumente momentan wieder besonders gut. Regierungen, zumal kapitalistisch kolportiert, Gesetze und Verfolgungs- sowie Durchsetzungsorgane hinken da hinterher wie der Lahme dem Sprinter.

    • @Sam Spade:

      Vielen Dank für Ihre wohldosierten Beiträge 🙏

      „Es ist kein Erstarken sondern das letzte Aufbäumen des von der Autorin als "Maskulinisten" bezeichneten Klientel.“

      Ich schätze Ihre Hoffnung, muss aber leider zugeben ich befürchte Schlimmes. Das Rückdrehen der Uhr gelingt gerade unter Einfluss politischer Ideologien und mithilfe digitaler Instrumente momentan wieder besonders gut. Regierungen, zumal kapitalistisch kolportiert, Gesetze und Verfolgungs- sowie Durchsetzungsorgane hinken da hinterher wie der Lahme dem Sprinter.

    • @Sam Spade:

      Ob es sinnvoll oder überhaupt möglich ist, so weit in die Zukunft zu sehen? Ich bezweifele das. Die Revolutionäre von, sagen wir mal, 1789, hatten sich schon für das darauf folgende Vierteljahrhundert etwas ganz anderes vorgestellt. Naja...



      Die Uhr der Geschichte lässt sich auch nicht zurückdrehen. Also niemals. Geht nicht. Und Geschichte wiederholt sich auch nicht. Auf Reaktion folgt nur Reaktion und wieder Reaktion. Und das nahezu unberechenbar. Wenigstens dies sollten uns allein die letzten fünf Jahre lehren können.



      Ich denke gerade wiedermal über die Bedeutung der Begriffe "Gleichstellung", "Gleichberechtigung" und "Gleichheit" nach.



      Dem Artikel von Fr. Schmollack stimme ich abzüglich der etwas gereizten Darbietungsweise weitgehend zu.

      • @Vigoleis:

        Nur so als Anmerkung: die Revolutionäre von 1789 haben Frauenrechtlerinnen ganz schnell aufs Schafott geschickt.