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Abschaffung des BürgergeldsNoch mehr Härten, noch mehr Demütigungen

Der Bundestag beschäftigt sich mit der Verschärfung der Sanktionen beim Bürgergeld. Im Zentrum der Debatte steht die Figur des „Totalverweigerers“.

Stress und Angst als Begleiter: Insgesamt 5,5 Millionen Menschen beziehen derzeit Bürgergeld Foto: Lisi Niesner/reuters

Von der Abschaffung der Karenzzeit für die Schonung von Angespartem bis zur Komplettstreichung der Leistungen für vermeintliche „Totalverweigerer“: Auf die rund 5,5 Millionen Be­zie­he­r:in­nen des bisherigen Bürgergeldes kommen deutlich härtere Zeiten zu.

Nachdem das Kabinett Mitte Dezember den Weg frei gemacht hat für die „neue Grundsicherung“, wird sich an diesem Donnerstag erstmals der Bundestag mit dem dazugehörigen Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) beschäftigen. Absehbar ist, dass nicht zuletzt Union und AfD erneut das alte Lied der Taiga vom massenhaften Sozialmissbrauch anstimmen werden.

Die Debatte wird bestimmt vom Bild der angeblich so vielen Faulen, die arbeiten könnten, aber lieber Freizeit auf Kosten des Staates machen: den sogenannten Totalverweigerern, die dauerhaft unkooperativ sind und Termine beim Jobcenter schwänzen. Selbst das Arbeitsministerium betont, dass es sich hierbei um ein Zerrbild handelt. Weniger als ein Prozent der Bür­ger­geld­emp­fän­ge­r:in­nen galten zuletzt als „Totalverweigerer“.

Tatsächlich seien häufig psychische Erkrankungen der Grund, weshalb Betroffene nicht zu Terminen beim Jobcenter erscheinen, sagt Nils Wohltmann. Er ist Berater des Berliner Arbeitslosenzentrums der evangelischen Kirchenkreise, kurz BALZ. „Der Anteil von Menschen mit psychischen Erkrankungen in unserer Beratung nimmt zu“, berichtet Wohltmann.

Irren ist amtlich

Mit einem Bus stehen Wohltmann und seine Kol­le­g:in­nen vom BALZ regelmäßig vor den Berliner Jobcentern. Unter dem Motto „Irren ist amtlich“ bieten sie Beratung auf Augenhöhe an, sagt er zur taz. Wenn Betroffene direkt aus einem Termin zu ihm in die Sprechstunde in den Bus kommen, seien sie nicht selten auf 180. Wohltmann sagt mit Blick auf die Arbeitsvermittler:innen: „Es passiert zu viel Demütigung.“

Das BALZ berät, so Wohltmann, „eine sehr heterogene Gruppe“, die eines vereint: prekäre Lebensbedingungen. „Wir begegnen Alleinerziehenden, Personen, die ihre Angehörigen pflegen, chronisch Kranke, Menschen mit Suchtproblemen.“ In der Sprache der Behörden sind das die sogenannten Vermittlungshemmnisse.

Wohltmann legt Wert darauf, dass alle Menschen, denen er begegnet, arbeiten wollen: „Bei uns am Bus sagen die Leute immer: ‚Ich will eine Arbeit finden, ich will ohne Jobcenter leben.‘“ Es seien letztlich persönliche Gründe, die verhindern, dass sie schließlich auch wirklich arbeiten gehen können.

Auf genau diese Gruppe zielt die schwarz-rote Rückabwicklung des Bürgergelds. Menschen sollten „ihren Lebensunterhalt vollständig und möglichst dauerhaft aus eigenen Kräften bestreiten“, heißt es im Gesetzentwurf der Bundesregierung. Dementsprechend werden auch die „Mitwirkungspflichten“ der Betroffenen verschärft, inklusive der Sanktionsdrohungen.

Panik bei Betroffenen

Nach den derzeitigen Regelungen wird man aktuell bei Pflichtverletzungen gestaffelt sanktioniert. Nach der ersten Pflichtverletzung, etwa einem verpassten Termin, kann das Jobcenter das Bürgergeld für einen Monat um 10 Prozent senken. Beim zweiten Verstoß entfallen 20 Prozent für zwei Monate, beim dritten Verstoß 30 Prozent für drei Monate.

Künftig sollen die Gelder bereits nach dem zweiten versäumten Termin um 30 Prozent gekürzt werden. Beim dritten Nichterscheinen werden die Zahlungen für mindestens einen Monat komplett gestrichen. Auch wer eine Fördermaßnahme abbricht oder sich nicht bewirbt, muss mit einer stärkeren Kürzung der Geldleistung rechnen als bislang. Der Regelbedarf soll dann um 30 Prozent für jeweils drei Monate gemindert werden können.

Arbeitsministerin Bas versichert zwar, dass alle, die mit den Jobcentern zusammenarbeiten oder Termine aus wichtigen Gründen nicht wahrnehmen können, nicht mit Kürzungen rechnen müssen. Auch sollen Schutzmechanismen bei Leistungsminderungen für Menschen mit psychischen Erkrankungen gestärkt werden. Betroffene dürfte das wenig beruhigen, zumal CDU und CSU unverändert auf Härte setzen.

Schon eine 30-prozentige Kürzung sei eine sehr hohe Strafe, sagt Berater Wohltmann. „Von so wenig Geld kann man eigentlich gar nicht leben.“ Zugleich beobachtet er, „dass Sanktionen noch nie zur Motivation geführt haben, sondern nur zu Angst“. Die aktuelle Verschärfung der Regeln versetze viele, die sich beim BALZ beraten lassen, schon jetzt in Panik. „In aller Regel löst das eher noch mehr Krisen in den Menschen aus.“

Unverständliche Bescheide

Auch Andreas Wallbaum sagt, er spüre immer wieder den Stress und die Angst bei den Menschen, die in seine Sprechstunde kommen. Im „Südblock“, einer Bar am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg, berät Wallbaum jeden Dienstagnachmittag ehrenamtlich Bürgergeldempfänger:innen. Im Kiez ist er als „Hartzer Roller“ bekannt.

Anfang des Jahrtausends hatte er selbst als „Kunde“ mit Jobcentern zu tun. Nach dieser Erfahrung wurde er zum Berater, zunächst beim Arbeitslosenverband. Als bald darauf die Projektmittel ausblieben, machte er sich selbstständig. Mit einem motorisierten Dreirad tourte er durch die Gegend und bot seine mobile Sozialberatung an. Er wurde zum „Hartzer Roller“. Heute ist er Rentner, die Beratung findet nur noch stationär im „Südblock“ statt.

Die Sorgen, mit denen Menschen in seine Sprechstunde kommen? „Die Menschen erhalten Bescheide, die sie nicht verstehen“, sagt Wallbaum zur taz. „Wir schauen dann gemeinsam darauf und prüfen, was jetzt zu tun ist.“ Etwa, ob ein Widerspruch Sinn ergibt. Denn zum Teil seien die Bescheide „auch einfach fehlerhaft oder unvollständig“.

Behördenkommunikation ist selten einfach verständlich. Nur geht es für Menschen, die auf Leistungen des Jobcenters angewiesen sind, hierbei um die Existenz. Da macht es eben einen großen Unterschied, ob eine Anlage vermeintlich falsch ausgefüllt wurde oder nicht.

Wallbaum berichtet, dass mit der Einführung des Bürgergelds der Stress und die Angst bei Betroffenen etwas nachgelassen habe, weil sie nicht mehr fürchten mussten, in einen prekären Job gedrängt zu werden. Insofern sei es besonders brisant, dass der ursprünglich mit Hartz IV eingeführte und mit dem Bürgergeld abgeschaffte Vermittlungsvorrang nun erneut eingeführt werden soll.

Geht es nach den Plänen der Koalition, werden die Verschärfungen im Frühjahr im Bundestag beschlossen. Nicht nur aufseiten der Grünen, der Linkspartei und der Sozialverbände, auch an der SPD-Basis gibt es große Widerstände gegen die Reformpläne.

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61 Kommentare

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  • Wenn wir uns über ein paar hundert/tausend Menschen aufregen, die den Staat um 600€ im Monat bringen, aber ein paar hundert/tausend Menschen als Leistungsträger bezeichnen und vor ihnen im Staub liegen, die den Staat im Monat um 1000-100000€ bringen, dann ist wohl klar, worum es geht.

  • Die deutschen Bürger wollen das, sonst hätten sie diese Parteien nicht gewählt. In ihrer Ignoranz haben sie aber übersehen, daß sie dem Bürgergeld-Empfänger bedeutend näher sind als dem Millionär. Der sogenannte "Durchschnittsdeutsche" wird nämlich mit fast 100% Wahrscheinlichkeit eher Bürgergeld-Empfänger als Millionär.

  • Typisch CDU, immer auf die Ärmsten der Ärmsten.



    Es ist kein Geheimnis, dass in der CDU Menschen rumlaufen, die den Sozialstaat kategorisch ablehnen.

    Der Sozialstaat ist aber - auch ohne Klassenfrage wie weiter links gestellt - elementarer Bestandteil des Liberalismus. Er ist auch ein Mechanismus das System zu stabilisieren.

    "Neoliberale" sind gar nicht "liberal". "Neo" bedeutet "neu" und hier geht es um eine Neudeutung des Begriffs. Nicht der Mensch soll befreit werden, sondern der Markt und der Mensch ihm unterworfen!

    Die CDU ist eine illiberale Partei. Die Aushöhlung des Sozialstaats ist die Aushöhlung unserer Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung!

  • Nur mal so als Vorstellungshilfe für alle die sich ansonsten schwer tun:







    Sollte man alle Autofahrenden mit viel härteren Sanktionen bedrohen, weil es eine kleine Minderheit gibt, die (z.B.) illegale Autorennen fährt oder zu schnell an Kindergärten vorbei rast..?



    Sprich:



    beim ersten mal 5km/h zu schnell: 500€ Strafe.



    Bei 10km/h zu schnell: 3 monatiges Fahrverbot.



    Bei Wiederholung: Auto weg.



    Und bei nochmaliger Wiederholung: 5 jähriges Fahrverbot.







    ???







    Denn schließlich könnten sich auch alle an die Höchstgeschwindigkeit halten..nicht wahr..







    Diese Analogie ist vlt überzogen, in ihrer Struktur aber durchaus mit dem Ansinnen der GruSi vergleichbar. Vor allem aber der Stigmatisierung von (allen) Leistungsempfänger zu Totalverweigerern.



    Generalverdacht hat noch nie wirklich genutzt.



    Denken Sie mal darüber nach.

  • Man kann nur an alle Parlamentarier mit *Herz und Verstand*, appellieren:



    -> werdet zu *Totalverweigerern*..



    ..verweigert Euch diesem sinnlosen Gesetzesvorhaben, das viel mehr SCHADEN anrichten würde als es nützte..

  • Die SPD hat vor Jahren Harz IV eingeführt und sinkt seit dem stetig in den Wahlumfragen. In der Ampel haben sie minimal gegen gesteuert. Nun gibt es in den Medien die Behauptung, die SPD wäre so klein, da sie seit Jahren nur Politik für Arbeitsverweigerer machen würde und sie glauben es. Ich glaube eher, dass sie durch die jetzige Aktion noch kleiner werden.

  • Das II Sozialgesetzbuch stellt Sanktionen nicht in den Vordergrund, sondern es sollte eigentlich Menschen dabei umfangreich unterstützen, eine Arbeit aufzunehmen, wenn das möglich ist.



    Es geht auch heute im II Sozialgesetzbuch gar nicht darum, Arbeitslose und Arme ständig zu überwachen und nach deren Fehlern oder Nicht-Taten Ausschau zu halten, sondern darum eine Hilfebedürftigkeit zu beenden.



    Das Problem an der Merz-Regierung ist, dass sie nur noch für 10 oder 15 Prozent der Bevölkerung arbeiten will, die Oberschicht, Reiche, Unternehmer, Kapitalbesitzer sollen bedient werden, denen soll noch mehr gegeben werden, damit das nicht als extreme Ungerechtigkeit auftaucht, muss eine Art Kampf gegen Arme stattfinden.



    Das zieht in einem Land mit christlicher Soziallehre aber nur dann, wenn den Armen eine Art Schuld zugewiesen werden kann.



    Darum geht es hier.



    Das SGB II. wird dadruch weder besser, noch effektiver, noch werden mehr Menschen anfangen zu arbeiten oder weniger arbeiten. Es ist eine Show und ein kulturelles Kampfmittel, was hier benutzt wird. Das SGB II. hängt stark davon ab, welcher Vermittler wo sitzt und was er für Beratungen macht. Was er anbieten kann.

  • Von "Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen." bis "unwert(-es Leben)" ist es nur ein ganz ganz kleiner Schritt. Diese und Arten von Umdeutung sehen wir diesseits und jenseits des Atlantiks.

  • Natürlich war das Bürgergeld eine Verbesserung.



    Eine gute Initiative der Ampel.



    Die Ursache des Scheiterns der Ampel war die Finanzierung.



    Die Union hat dieses Scheitern verursacht.



    Nach einem Wahlkampf, in dem die Union keine neuen Schulden, aber mehr Aktion gegen Flüchtlinge und Arme propagiert hat, wurde ein neuer Kanzler gewählt.



    Das mit den notwendigen Schulden hat er dann gleich eingesehen und somit war das Argument für die Zerstörung der Ampel nichtig.



    Die Umbenennung in "Grundsicherung" ist nun der "große Wurf" der Union.



    Bärbel Bas hat schon zu Beginn der Koalition deutlich gemacht, dass sich hier wenig einsparen lässt.



    Schon beim Vorwahlgeplänkel 2024 wurde auch von der SPD deutlich darauf hingewiesen, dass es sich bei den sog. Totalverweigerern um eine verschwinden Minderheit handelt.



    Daran hat sich nichts geändert.



    Die Ministerin betonte bei der Gesetzesinitiative, dass Kranke weiterhin Berücksichtigung finden sollen.



    Aber die neue Koalition ist eben keine linke Wunschkonstellation.



    Die "Regierung" besteht aus Parteien , die sich nicht in Allem einig sind.

  • Was leider mal wieder fehlt: Es ist (rein ökonomisch) gar nicht sinnvoll, alle Menschen in Erwerbsarbeit zu zwingen. Einerseits ist Erwerbsarbeit nicht per se sinnvoll für die Gesellschaft, z.T. sogar schädlich. Andererseits ist die wirklich notwendige Arbeit (z.B. Care oder Demokratiearbeit) zum großen Teil unbezahlte Arbeit.

  • Wenn wir uns anschauen was beim Bürgergeld/Grundsicherung die großen Posten sind die Geld kosten dann sind das die Verwaltung/Personal mit ca. 60% der Gesamtkosten und das über 50 % der Empfänger keinen Deutschen Pass haben, also auch nie in dieses System einbezahlt haben. Ob jetzt einer verweigert oder nicht ist nicht die entscheidende Frage !

    • @Günter Witte:

      Die 50%, die nie einbezahlt haben und mit vorhergehenden Beitragszahlern über einen Kamm geschoren werden, waren mit zuvor bekannt. Verwaltung/Personal bei 60% der Gedamstkosten? Sind Sie sicher?

  • taz: **Noch mehr Härten, noch mehr Demütigungen**

    Vielleicht ist Friedrich Merz gar nicht so dumm, wie man immer annimmt. Der "BlackRock"-Kanzler baut das menschenverachtende System (Hartz4) jetzt zu einem strengen Zuchtmeister aus, damit die Wirtschaft genügend billiges "Menschenmaterial" bekommt und das klimaschädliche Wirtschaftswachstum ungebremst weitergehen kann. Dann kommt noch hinzu, dass die Union sich strikt gegen ein AfD-Verbotsverfahren stellt. Das ist genial von der Union, denn solange das Damoklesschwert AfD über unseren Köpfen schwebt, kann die Merz/Söder-Union den Sozialstaat (Art. 20 GG) fleißig weiterhin demontieren, weil ja niemand es wagt einen Koalitionsbruch zu riskieren. Den (Noch)-Arbeitnehmern wird große Angst vor Arbeitslosigkeit gemacht, damit die keine Forderungen (mehr Lohn etc.) stellen und bei den Reichen blackrockmäßig die Aktien steigen.

    Aber auch hier im taz-Kommentarbereich melden sich sofort wieder die Konservativen und beklatschen den CDU/CSU-SPD-Irrsinn, der nur zeigt, dass unsere überbezahlten konservativ-neoliberalen "Volksvertreter" die zunehmende Arbeitslosigkeit nur noch dazu benutzen, um die Bürger zu Leibeigenen der Reichen zu machen.

    • @Ricky-13:

      Dass Merz und die CDU vorhaben, den Sozialstaat zu demontieren und den Arbeitslosen so viel Angst zu machen, dass die für möglichst für ein Butterbrot und ein Ei arbeiten und damit die Reichen noch viel reicher machen, glaube ich auch.



      Aber dass das genial von der Union ist, glaube ich nicht. Im Gegenteil, das ist ausgesprochen dumm. Denn das wird erstmal dazu führen, dass die AfD noch viel stärker wird. Schon jetzt ist sie ja in vielen Umfragen stärker als die Union. Und damit wird die Union 2029 bestenfalls Junior-Partner der AfD. Schon in den Länderwahlen in diesem Jahr droht ihr ja dieses Schicksal. Und das wird nicht nur für Deutschland sehr schlecht sein, sondern auch für die Union eine Katastrophe.



      Aber es gäbe eine geniale Idee für die SPD, die darauf basiert, dass die CDU im Augenblick keinen Koalitionsbruch riskieren wird, weil sie nicht als Juniorpartner der AfD enden will.



      Die SPD könnte argumentieren, dass im Augenblick die Löcher im Bundeshaushalt so groß sind, dass es nicht mehr ohne Steuererhöhungen für die Superreichen geht (mehr als 100 Mio. €). Selbst das 500 Mrd. € Paket reicht ja nicht. Also könnte die SPD das jetzt durchsetzen und damit erheblich gewinnen.

  • Mal kurz der Blick eines Arbeitsnehmers. Wenn mein Unternehmen einen Termin mit mir wahrnehmen möchte, dann erscheine ich da. Das gleich gilt für meine Kollegen, von denen nicht wenige zum Psychologen gehen. Und genau wie beim Amt kann man einen Termin auch mal einvernehmlich verschieben. Das ist völlig normal. Termine und Arbeit zu verweigern hat klare rechtliche Konsequenzen für Arbeitnehmer. Warum man Menschen, die nicht selbst für ihren Lebenunterhalt sorgen - warum auch immer - eine Freizügigkeit einräumen möchte, die Arbeitnehmer nicht benötigen und nicht haben, ist schwer vermittelbar. Falls es diese "Totalverweigerer" gar nicht geben sollte, dann kann man sich die Aufregung gegen die Neuregelung übrigens auch gerne ersparen - sie findet dann ja ohnehin keine Anwendung.

    • @Nachtsonne:

      Zwei Bespiele von Totalverweigerern könnten so aussehen:



      Person 1 macht brav immer alles und geht zu allen Terminen. Nur leider immer zu spät. Person 1 kommt aus einer Gegend, wo Pünktlichkeit nie eine Rolle spielte und hat es leider auch im sonstigen Privatbereich nie gelernt und lernt es so wenig wie ich, den Bohrhammer zu bedienen...

      Person 2 war ein besonders hochqualifizierter Facharbeiter, kann aber diese Arbeit nicht mehr wegen orthopädischer Probleme. Diese Arbeit entspricht aber dem eigenen Selbstbild, man identifiziert sich damit und nimmt "niedere" Tätigkeiten nicht an, da es an das eigene Selbstbild geht.

      Beide Fälle kriegt man nicht mit Druck hin, sondern mit einem sozialpädagogisch richtigen Rangehen, wenn überhaupt. Dafür hat die Behörde aber zu wenig Zeit, da der Schlüssel pro Person zu hoch ist bei den Arbeitsvermittlern. Und häufig auch die persönliche, sozialpädagogische Qualifikation.

    • @Nachtsonne:

      Wenn man, wie Sie offenbar, arbeitsmäßig und sozial eingebunden ist, ist es einfacher im Takt zu bleiben und auf Herausforderungen aktiv zu reagieren, auch auf unangenehme. Dann ist es auch leicht, seinen eigenen Nabel zum Maßstab für andere zu erklären.



      Wer aber z.B. aus prekären Arbeitsverhältnissen oder aus einer nicht mehr rentablen Selbständigkeit in die Arbeitslosigkeit geraten ist und/oder z.B. psychisch "versagt", evtl. gar behördlich immer wieder auf dieses Versagen gestoßen wird, ohne souverän die Ursachen beheben zu können, tut sich erfahrungsgemäß oft ungleich schwerer damit, ausreichend zu funktionieren.



      Siehe z.B.: taz.de/Depressions...icherung/!6145741/

    • @Nachtsonne:

      Genau so!

    • @Nachtsonne:

      Der Blick eines Arbeitgebers: ich mache keine Milchmädchenrechnungen. Das kostet zuviel Aufwand (sprich Geld), bringt nichts ein und verdirbt die Stimmung im Betrieb. Als Arbeitgeber bin ich gewinnorientiert, die Moralpredigten überließ ich früher den Kirchenkanzeln, heute scheinen es die sogenannten "sozialen " Netzwerke zu sein.

    • @Nachtsonne:

      Sehr geehrter User, ich beginne mit Ihrem Schlusswort: sobald die Regelung da und tatbestandlich erfüllt ist, wird sie angewendet, darum geht es, die 'Anwendungsbereitschaft'. Die 'Vermittlungsproblematik' gegenüber Dritten (hier den gepriesenen Arbeitnehmern) - keine Kritik an Ihnen persönlich - ist ein blödes Argument, schon weil zwei unterschiedliche 'Rechtskreise' und Ausgangssituationen gegeben sind. Und denen, den dies schwer vermittelbar sein soll, möchte ich fragen, welches Problem sie bei der Vermittlung eigentlich haben. Aber recht haben Sie gewiss, dass man sich auch der Anwendungsseite die praktischen Auswirkungen anschauen und dann einen Schluss ziehen kann. Da es jedoch zunächst um die abstrakte Anwendungsmöglichkeit geht, kann man sich und sollte man sich lautstarke Kritik nicht ersparen.

  • "„Wir begegnen Alleinerziehenden, Personen, die ihre Angehörigen pflegen, chronisch Kranke, Menschen mit Suchtproblemen.“

    Diese Menschen gehören meiner Meinung nach alle nicht in die Grundsicherung für Arbeitssuchende. Alleinerziehende erhalten Unterhalt von dem Vater des Kindes, Pflegende erhalten Geld aus den Pflegekassen, chronisch Kranke erhalten Erwerbsminderungsrente, Menschen mit Suchtproblemen zähle ich zu den chronisch Erkrankten, die auch Erwerbsminderungsrente erhalten müssten.

    Für mich zählen die o.g. Personengruppen alle nicht zu den "Erwerbsfähigen", sie müssten Gelder aus anderen Kassen erhalten.

    Davon abgesehen befürworte ich ohnehin ein bedingungsloses Grundeinkommen, für das im Gegenzug andere Leistungen entfallen sollten.

    • @*Sabine*:

      Das Problem besteht darin, dass die Trennung in komplett erwerbsunfähig = Sozialamt und Rentenversicherung und erwerbsfähig = Jobcenter eine recht unrealistische Arbeitsbetrachtung ist. Man ist in der Zuständigkeit der Jobcenter, wenn man nur gelegentlich sitzend, stehend oder gehend arbeiten kann, nicht unter Konzentration oder Kunden, nur körperlich leicht, ohne Schichtarbeit, nicht auf Leitern oder im Freien.... aber das den ganzen Tag und leider noch nie Büroarbeit konnte. Die Frage der Betrachtung der vollen Erwerbsminderung = unter 3 Stunden täglich orientiert sich an einem Arbeitsmarkt, den sich Gewerkschaften in den künsten Träumen nicht erhoffen würden. Das Ergebnis ist dann bei den Jobcentern.

    • @*Sabine*:

      Naja, ein bGE befürworte ich auch, nur sollte es andere Leistungen - auch die Grundsicherung für Arbeitssuchende -- nicht formell ersetzen sondern nur substitutiv von unten bis zu seiner eigenen Höhe als anzurechnendes Einkommen.



      Die Höhe des bGE sollte zudem kein fester Betrag sein sondern immer ein fester Teil des Pro-Kopf-Einkommens, z.B. 50 Prozent, dann bräuchte es nicht ständig angepasst werden. Dafür sollten die Tarife der Einkommensteuer und der Körperschaftsteuer jeweils in eine negative Flat Tax von 50 % umgewandelt werden. Denn die Grundsicherungen werden auch heute schon betragsmäßig von der ESt und der KSt "finanziert".

    • @*Sabine*:

      In vielen Fällen sind die in den Sozialversicherungen erworbenen Ansprüche leider so gering, dass ergänzend Bürgergeld beansprucht werden muss. Möchte man dies ändern, so muss der Staat entsprechend Steuermittel zuschießen. Und ja, das bedingungslose Grundeinkommen würde viele Probleme lösen, insbesondere die menschenunwürdige Stigmatisierung würde dann entfallen.

      • @Flix:

        Den Gedanken BGE finde ich gut, jedoch nicht die mir bislang bekannten Modelle. M.E. auch fraglich, wie sich Preissteigerungen resp. Inflation verhalten (würden). Ebenso: wo soll's BGE herkommen? Die gerechneten Steuer(Einnahme)modelle kenne ich, halte sie indes nicht für tragbar.

  • Nur das es nicht in Vergessenheit gerät:



    Das Gesetz wird von einer SPD Ministerin eingebracht.

    Damit hat sich dann wohl auch das Vorurteil endgültig erledigt, das es sich bei den Sozialdemokraten im Jahr 2026 um eine soziale Partei für die kleinen Leute handelt.

    Schröder und seine neoliberalen Konsorten haben die Partei damals inhaltlich entkernt und ihr hohe Wahlverluste beschert.

    Nachdem es anschließend kurzzeitig mit Fr. Nahles und Fr. Esgen/Borjans so aussah, als hätte die Partei daraus die richtigen Schlüsse gezogen, sind jetzt doch wieder die neoliberalen Kräfte aus Seeheim am Drücker.



    Sie wollen vollenden was Schröder damals nicht ganz geschafft hat: die endgültige Zerstörung der einstmals stolzen Arbeiterpartei.

    Bei den kommenden Wahlen werden wir das (leider!!) erleben.

    • @hsqmyp:

      Sie haben mit ziemlich viel recht. Nur muss am Anfang des letzten Abschnitts nicht stehen "wollen", sondern "werden".



      Ich gestehe Bärbel Bas schon ein, dass sie die SPD nicht zerstören will. Auch die neoliberalen SPDler im Seeheimer Kreis wollen dies nicht. Aber sie tun es. Und bei den kommenden Wahlen werden wir das wohl erleben, falls die SPD nicht noch eine radikale Wende hinlegt.



      Schröder und seitdem ziemlich viele SPD-Vorsitzenden haben geglaubt, dass, wenn Sie eine Politik für die Wirtschaft und die Reichen machen, sich das im Endeffekt auch für die Arbeiter auszahlt. Das ist im Endeffekt die Theorie von Reagan. Man hat vielleicht noch das Bild mit der Pyramide von Champagner-Gläsern im Kopf, wo oben Champagner reingegossen wird und irgendwann kommt der unten an. So funktioniert es aber nicht. Im Prinzip agiert die SPD seit Schröder nach dem Wahlkampfmotto der CDU aus den 70ern "Sozial ist, was Arbeit schafft". Und auch Klingbeil glaubt ja, dass wenn er nur wieder ein bisschen Wachstum hinbekommt, alles wieder gut wird und die Arbeiter aus Dankbarkeit wieder die SPD wählen. Aber so ist die SPD von 44% auf jetzt 15% gefallen und werden auch noch unter 10% fallen.

  • Der bewusste gewiefte „Totalverweigerer“ wird wissen, wie er mit dem System umgeht, damit die Gelder weiter fließen. Den wird es nicht mal treffen.



    Getroffen werden Menschen, die kaum noch in der Lage sind sich selbst zu helfen und wahrscheinlich zusätzliche begleitende Hilfe benötigen.



    Zum Thema Schwarzarbeit: warum werden nicht insbesondere die Unternehmen bestraft und verfolgt, die gewerbsmäßig Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge Menschen beschäftigen?

    • @MaLe:

      Warum sollten Unternehmen bestraft werden, die gewerbsmäßig Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge abführen bzw. gewerbsmäßig Menschen beschäftigen und dafür Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge abführen?

  • 1. Das "Ausspielen" von Superreichen gegenüber Langzeitarbeitslosen führt zu gar nichts. Die einen haben Glück gehabt und sehr viel Geld, meinetwegen können die Steuergesetze angepasst werden. Hat hiermit aber NICHTS zu tun. Es geht darum, dass beim "Fordern und Fördern" wieder mehr Fokus auf das "Fordern" gesetzt wird, sonst nichts.

    2. Ich erkenne nicht das Problem, bei Arbeitslosigkeit sich regelmäßig beim Amt zu melden, bzw. sich ab und zu zu bewerben. Die Anträge für das Arbeitslosengeld konnten ja auch gestellt werden... Und für z.B. psychisch kranke Menschen sollen Ausnahmen gelten. Solange mir diesbezüglich niemand das Gegenteil zeigen kann, habe ich persönlich mit den Maßnahmen kein Problem.

    3. Was ich WIRKLICH problematisch finde, ist das Framing in diesem Artikel gegenüber den Mitarbeitern vom Arbeitsamt. Als ob dies alles Menschen wären, die nur darauf aus sind andere Mitmenschen zu "schikanieren". Das ist schlicht nicht der Fall und sollte meiner Meinung nach auch nicht so dargestellt werden.

    • @MarsiFuckinMoto:

      „Was ich WIRKLICH problematisch finde, ist das Framing in diesem Artikel gegenüber den Mitarbeitern vom Arbeitsamt. Als ob dies alles Menschen wären, die nur darauf aus sind andere Mitmenschen zu "schikanieren". Das ist schlicht nicht der Fall und sollte meiner Meinung nach auch nicht so dargestellt werden.“

      Das wurde in dem Artikel doch auch nicht behauptet. Und doch gibt es diese Mitarbeiter beim Jobcenter (wahrscheinlich auch beim Arbeitsamt) und wenn ein Mensch in existenzieller Not an einen solchen gerät, wirds halt schon schnell mal ziemlich eklig.

    • @MarsiFuckinMoto:

      Es gibt wie überall solche und solche. Allerdings ist immer dringend zu empfehlen, eingereichte Unterlagen mit Kopie und Eingangsstempel quittieren zu lassen.

    • @MarsiFuckinMoto:

      1. Doch, denn die ganze Chose wird von Bild und "Wirtschafts"kreisen ja wohl vor allem hochgekocht, um die wirklichen Arbeitsverweigerer "oben" und die Schäden durch sie zu decken

      2. Wir können uns alle darauf einigen, dass man auch den zuweilen sinnlosen Besuch dort macht, denn so sind die Regeln, und es soll ja niemand in Wirklichkeit in Brasilien, Irkutsk oder Siebenbürgen sein o.ä.



      Psychisch angeschlagen ist nach Schätzungen ein relevanter Anteil. Da kann ein aktivierender Sozialarbeiter, der vorbeikommt, vielleicht noch mehr bewirken. Schikanierung sollte es nie werden, dann wären wir wieder bei der Bild.

      3. Es ist wohl das System und selten die Menschen. Das System zu kritisieren sollte weiterhin möglich sein.

  • Man bekommt den Eindruck, das die Union ein Haufen von Sadisten ist, die grinsend Steuerhinterzieher in Milliarden Höhe durchwinken und sich moralisch aufgebracht auf die Ärmsten im Lande stürzen.

    • @Andreas Flaig:

      Diesen Eindruck habe ich auch seit Längerem. Und es wird bewusst auf die korrekte Handhabung finanzpolitischer Fragen verzichtet.

  • wo ist eigentlich das Problem mit scharfen Sanktionen gegen Totalverweigerern, wenn es doch angeblich kaum welche davon gibt?

    • @Don Geraldo:

      Simpel: wenn man keine findet, wird es die anderen treffen. Schließlich müssen die Einsparungsquoten erreicht werden.

    • @Don Geraldo:

      Zum Beispiel die damit zusammenhängende immense Bürokratie, und Verschwendung von Personal, das an anderer Stelle viel dringender gebraucht würde (Zoll, Steuerfahndung etc.).

    • @Don Geraldo:

      1. Es ist verfassungswidrig 100% der Leistungen zu streichen. Es gibt dazu ein eindeutiges Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Regierung mit diesem neuen Gesetz zu hintertreiben versucht.

      2. Es ist falsch zu glauben, die Sanktionen würden nur diejenigen treffen, gegen die sie tatsächlich ausgesprochen werden. Von der Angst vor Sanktionen sind nämlich so gut wie alle Menschen im SGB II Bezug betroffen, auch die, die vorbildlich mitarbeiten. Die permanente Angst davor, dass der Regelsatz (der ja schon extrem niedrig ist) nicht sicher ist und schon beim kleinsten Anschein eines Fehlverhaltens gekürzt werden könnte, hat einen äußerst schädlichen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Betroffenen. Damit ist am Ende niemandem geholfen, außer denen die ihren Selbstwert darauf aufbauen, auf die Schwächsten in der Gesellschaft einzuprügeln.

    • @Don Geraldo:

      Weil alleine schon die Drohungen viel mehr Menschen Angst machen als es dann hinterher betrifft.



      Und das führt bei sehr vielen, selbst denen, die es nie betreffen wird, zu sehr viel Wut über die Ungerechtigkeit, dass man den ärmsten damit droht, dass sie ihre Wohnung verlieren, während man den Reichsten noch immer mehr Geld in den Rachen schmeisst, in dem man die Steuern für die senkt. so zahlen die Reichsten Inzwischen so wenig Steuern, dass alleine die Reichsten 500 Deutschen ihr Vermögen alleine von 2020-2024 um 500 Mrd. € erhöhen konnten. Während viele der ärmeren 50-70% froh waren, diese Jahre überhaupt irgendwie überstanden zu haben. Und der Staat Hunderte Milliarden an Schulden machen musste.



      Und ein nicht unerheblicher Teil dieser Menschen wird keine der Parteien mehr wählen, die dafür verantwortlich sind, sondern die AfD.



      Wenn man also der AdD weiter Wählerstimmen zutreiben will, dann Ist dies der Weg. Das ist das Problem mit dieserä neuen Regelungen namens "Neue Grundsicherung".

    • @Don Geraldo:

      Steht im Artikel: sorgt für Angst, Krisen, Sanktionen, Dumpinglöhne, Armut und letztendlich für Kriminalität.



      Sorgt nicht für/beeinträchtigt: Motivation, Kooperation, Gesundheit und sozialen Frieden.



      Betroffen sind alle Arbeitnehmer.



      Alles, was mit der Bürgergeldreform verbessert wurde, wird wieder rückgängig gemacht und am Ende ist das Ergebnis wahrscheinlich schlimmer, als HartzIV.

  • Kein Themenwechsel, sondern wirklich zusammenhängend, weil solche Diskussionen ja bewusst davon ablenken sollen:



    Totalverweigerer sind doch zuerst die reichen Erbensöhne, die mit allen unsauberen Tricks und teils Illegalem ihre angemessenen Steuern nicht zahlen, obwohl sie gar nicht mehr laufen können vor vollen Taschen und Ansprüchen.



    Wenn dies geklärt wäre, ist auch mehr Geld da, um Menschen beratend wieder zu integrieren. Die Einzelfälle, wo Sozialkassen systematisch von unten gemolken werden, lassen sich gewiss angehen (ohne das Geld nur noch für Bürokratie zu verbrennen, natürlich).



    Die von oben dabei auch, und da reden wir von ganz anderen Summen. Kurzarbeitergeld etwa aus den allgemeinen Kassen für BMW-Klattens trotz Milliardengewinnen darf auch noch stärker zur Ächtung führen, wenn anderes nicht hilft.

  • Das Absurde ist ja, dass es mehrere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes gibt, wo dieses höhere Kürzungen als 30 Prozent für verfassungswidrig erachtete. Man beruft sich nun auf einen kurzen Halbsatz, wo stand, dass dies eventuell ginge, wenn man nur aus eigener Kraft es abwenden kann durch Arbeitsaufnahme. Allerdings funktioniert nicht einmal das, wenn das Gehalt erst Mitte des nächsten Monats gezahlt wird und man den Job vielleicht gar nicht bekommt.

    Darüber hinaus irrt der Staat auch, wenn er denkt, dass starker Druck eventuell unwillige Menschen in Arbeit führt. Dazu würde man bessere Arbeitsvermittlung brauchen mit Menschen, die gelernt haben mit Menschen umzugehen und die Zeit haben, ergo, einen besseren Schlüssel pro Person.

    Ich kenne viele Menschen mit Leistungsbezug. Noch nie habe ich gehört "oh, ich habe eine Sanktion, dann ändere ich mal mein Verhalten". Wie der Artikel richtig besagt: die meisten haben irgendwelche nachvollziehbaren Gründe. Viele sind krank. Und einige hängen vielleicht an dem, was sie mal waren und nicht mehr können. Jetzt leiden alle an den Änderungen.

  • Die neue Härte für Bezieher von Grundsicherung hört sich an wie ein Freifahrtschein für die Mitarbeiter der Jobcenter, die Leistungsbezieher nach Belieben zu schikanieren. Das kann z. B. in Aktionen ausufern wie das - relativ sinnfreie - Einbestellen von LeistungsbezieherInnen mehrmals in der Woche, die Anforderung von fast denselben Unterlagen in zwei Briefen an zwei Tagen hintereinander usw. Solche Fälle hat es auch bisher immer wieder gegeben. Und das alles wegen weniger Leistungsbezieher, die angeblich arbeitsfähig sind, Arbeit jedoch verweigern. Ganz ehrlich: Lieber zahle ich denen ein paar Almosen, als sie als Mitarbeiter oder Kollegen zu haben.

    • @Aurego:

      Mehrfache Briefe mit derselben Forderung sind in der Regel völlig egal, wenn die Forderung bereits nach dem ersten Brief erfüllt wurde.

      Mehrfaches Einbestellen der Leistungsbezieher ist kein Problem, solange sie arbeitssuchend sind. Da gehört das halt zur Arbeitssuche dazu. Stört höchstens bei Schwarzarbeit.

    • @Aurego:

      "Das kann z. B. in Aktionen ausufern wie das - relativ sinnfreie - Einbestellen von LeistungsbezieherInnen mehrmals in der Woche, ..."

      Das wird in Verdachtsfällen vielleicht gemacht, um Schwarzarbeit zu erschweren. Schwarzarbeit ist meiner Erfahrung nach oftmals mit dem Bezug von (jetzt) Grundsicherung verknüpft. Ich gönne den Leuten das Geld, aber bitter ist es trotzdem für diejenigen, von deren Einkünften Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgehen.

  • Wenn ich das richtig verstehe, muss man als Arbeitsloser (also mit viel Zeit) einfach nur ein Mal pro Monat zum Amt. Das ist jetzt wahrlich keine unmögliche Sache. Und man kann ja immer noch formal Bewerbungen schreiben, diese aber so formulieren, dass man definitiv nicht genommen wird. Dann zählt man auch nicht als "Verweigerer".

    • @Luftfahrer:

      Exakt so ist es. Wer psychisch halbwegs stabil und nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, schafft es sich das Jobcenter vom Hals zu halten, mit den von Ihnen beschriebenen Tricks. Wen die Sanktionen am Ende tatsächlich treffen sind diejenigen, die so starke psychische oder andere Belastungen haben, dass sie es tatsächlich nicht einmal schaffen einmal im Monat im Jobcenter aufzutauchen und gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

      • @Tobsen:

        Ganz genau.



        Treffen wird es Menschen, die nicht bewusst das System ausnutzen.



        Sondern so hilflos oder krank sind, dass der Briefkasten nicht geleert. Das Schreiben nicht beantwortet wird.

        Oder sie weisen wiederum nach, psychisch krank zu sein. Haha. Schon mal jemand versucht für jemanden einen Therapieplatz zu finden?

        DAS ist ein Skandal.

  • Bedenkt man, dass der dem Staat entstehende jährliche Schaden durch Steuerhinterziehung zwischen 50 und 200 Milliarden Euro liegt und dass Superreiche wie die Klattens oder Döpfner Milliardenbeträge verschenken bzw. geschenkt bekommen, ohne dafür eine nennenswerte Steuer zahlen zu müssen, so wird zumindest mir speiübel. Auch bei der Verschwendung von Steuergeld durch die Herren Spahn und Scheuer werden ohne weiteres beide Augen zugedrückt.



    Es ist eben leichter, auf marginalisierte Randgruppen einzuprügeln, als sich um die wirklichen Probleme zu kümmern. Die Union hat dies über Jahrzehnte hinweg perfektioniert, die SPD in den letzten Jahren leider dem angepasst.

    • @Flix:

      Wann genau soll die SPD diesbezüglich anders gewesen sein? In den 1970ern?

    • @Flix:

      Sozialbetrug und Steuerhinterziehung ist kein (alleiniges) Metier der Superreichen. Die vermeiden Steuern eher als direkt kriminell zu werden.

      Man kann doch das Abgreifen von Steuermittel an allen Fronten bekämpfen...

      • @Chris McZott:

        "Die vermeiden Steuern eher als direkt kriminell zu werden."

        Weil sie bekanntermaßen Möglichkeiten genug dazu haben, Steuern zu vermeiden, angefangen vom Steuerberater engagieren.

      • @Chris McZott:

        Die schreiben: "Man kann doch das Abgreifen von Steuermittel an allen Fronten bekämpfen..."



        Man "könnte"... Aber man gut es nicht.



        So wurden mit CUM-CUM 28 Mrd. Steuern hinterzogen. Das ist ca. 1000 Mal so viel, wie durch diese Totalverweigerer hinterzogen wird. Und obwohl das seit 10 Jahren bekannt ist, wird da kaum etwas gemacht. Weniger als 1 Milliarden ist bisher zurückgeholt.a



        Im Gegenteilq: Habeck hatte ein Gesetz erlassen, nach dem das bereits jetzt alles verjährt gewesen wäre.



        Das hat Klingbeil zwar gekippt, aber in weniger als einem Jahr wird man es nicht mehr zurückholen können.ä

  • Was wäre denn die Alternative, einfach Geld ausschütten und hoffen, dass alles gut wird. Die Zahlen für Arbeitsverweigerer sind gar nicht zu erfassen, kaum jemand wird sagen: Ich habe keinen Bock auf Arbeit. Natürlich sagen die Menschen im Jobcenter: Ich suche unbedingt Arbeit, ich will dringend auf das Bürgergeld verzichten. Nur genau den angebotenen Job können oder wollen sie nicht machen, oft auch, weil Bürgergeld und Schwarzarbeit eine lohnend Kombination sind.

    • @FraMa:

      Aus welcher Erfahrung sprechen Sie? Ich meine, gleich für ALLE zu sprechen, ist schon etwas gewagt, oder? Oder können Sie in die Köpfe anderer schauen?



      Wenn Sie richtig gelesen hätten, dann "verweigern" die meisten wegen psychischer Probleme. Kann mir kaum vorstellen, dass das dann die sind, die plötzlich in der Schwarzarbeit aufblühen ...

  • Wenn die Bürgergeldempfänger wirklich mehrheitlich enorme Vermittlungshenmnisse haben, sollten diese Fälle alle raus aus dem System und auf eine dauerhafte Rente umgestellt werden. Dann könnte sich die Verwaltung auf die sinnvollen Fälle konzentrieren um diese wieder in Arbeit bringen. Mit einem Grundeinkommen ließe sich sogar der ganze Komplex komplett einsparen.

    • @Šarru-kīnu:

      "Wenn die Bürgergeldempfänger wirklich mehrheitlich enorme Vermittlungshenmnisse haben, sollten diese Fälle alle raus aus dem System und auf eine dauerhafte Rente umgestellt werden."



      Das ist ja auch das Ziel. Nur über die Rentenhöhe ist man sich nicht einig...

      *sarkasmus off*

  • Es ist schon Bemerkenswert. Voll- und Überversorgte Politiker sind der Meinung, dass Bürgergeldempfänger mehr Druck benötigen, damit es wirtschaftlich in D bergauf geht. Dieser Weg wird sich als Falsch herausstellen.

  • Aus eigener Erfahrung: diese Termine haben i.d.R. nur eine Alibi-Funktion für die Statistik: das Amt hat sich um den Arbeitslosen gekümmert. Inhaltlich war das nur "Ich habe nichts neues" "Ich auch nicht" "Sie müssen eine neue Wiedereingliederungsvereinbarung unterschreiben und Sie sind übrigens selbst schuld, dass Sie noch arbeitslos sind".



    Das sind dann diese wahnsinnig wichtigen Termine, die da versäumt werden.



    Wann streicht die Union endlich das "C" und das "S" aus ihrem Parteinamen.

    • @Frank N. Stein:

      Das "D" am besten auch noch.