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Religiöser Fundamentalismus in den USAKult der Härte

Robert Misik

Kommentar von

Robert Misik

„Katholibans“ wie J. D. Vance und Peter Thiel destillieren aus dem Christentum das Aggressive, das Strafende heraus – und nutzen es für ihre Agenda.

E s ist ein Charakteristikum der Clowns, die uns heutzutage regieren, dass man nicht immer genau weiß, ob sie zum Lachen oder zum Fürchten sind. Neulich gab es beispielsweise einen unterhaltsamen Streit zwischen Donald Trumps Bande und dem Papst. Die Welt wird „von einer Handvoll Tyrannen zerstört“, sagte Papst Leo. Trump und seine Leute brachte das auf die Palme. Vizepräsident J. D. Vance konterte mit drohendem Unterton, der Papst sollte „vorsichtig sein“ wenn er über Theologie spreche.

Wesentliche Teile der MAGA-Bewegung verwandeln die Republikaner in eine fundamentalistisch-religiöse Sekte. Der Journalist Thomas Assheuer hat unlängst in der Zeit den Verdacht geäußert, dass die „Religion gnadenlos zur Waffe umgeschmiedet“ wird. Kriegsminister Pete Hegseth gehört radikalen evangelikalen Gemeinschaften an. Auf seinem Körper hat er sich Kreuzrittersymbole eintätowieren lassen sowie den Gotteskriegerslogan „Deus vult“ („Gott will es“).

Dass es eine reaktionär-fundamentalistische Strömung im US-Protestantismus gibt, die nach politischer Macht greift, ist man schon länger gewohnt. Eher neu ist ein Fundamentalismus in der katholischen Szene. J. D. Vance gehört in dieses eigentümliche Milieu von „Katholibans“. Peter Thiel, der Milliardär, MAGA-Sponsor und Tech-Bro, ist eine der zentralen Figuren. Seit Jahrzehnten widmet er sich schon der Lektüre von René Girard, dessen Buch über „Das Heilige und die Gewalt“ zu den Schlüsselwerken philosophisch-theologischer Literatur zählt und durchaus verschiedene Lesarten zulässt.

Thiel liest auch gern den deutschen NS-Staatsrechtler Carl Schmitt, der in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit „Politische Theologie“ und anderen Schriften zur Polit-Religiösität Texte vorlegte, die bis heute einflussreich sind, wobei Schmitt vor allem ein autoritärer Freund der Ordnung und weniger der fanatischen Ideen war.

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Seine „Politische Theologie“ umkreiste das Weiterleben von theologischen Konzepten in säkularen Begriffen der Gegenwart – so glaubte er, der „Ausnahmezustand“ wäre ein säkulares Äquivalent zum „Wunder“. Thiel hält Vorträge über den „Antichrist“ und über den „Katechon“, jene Macht, die das Diabolische aufhalten könne, was merklich von Schmitt beeinflusst ist. Schmitt sah in der seltsamen Figur des „Katechon“ den „Aufhalter“, der sich gegen das Unheil stemmt.

Der exklusive Wahrheitsbegriff des Monotheismus hat Rhetoriken der Strenge und Kompromisslosigkeit etabliert

Besonders hat es Thiel die Apokalyptik angetan. Dass der Milliardär in einem New York Times-Interview die Überlegung anstellte, jener Antichrist, der der nach der Weltherrschaft greife, könnte sich vielleicht in Greta Thunberg verkörpern, verlieh dem hohen Gedanken allerdings einen Schuss ins Lächerliche.

Das Christentum wird in einen Kult der Härte umgeformt und damit sogar in den Dienst eines extremen Neoliberalismus gestellt. Thiel hat unlängst in einem Talk mit einem rechten Youtube-Format darauf hingewiesen, dass das Christentum mit der Idee der Nächstenliebe aus seiner Sicht schon vor Jahrtausenden auf Abwege geriet, weil es den Opfern, den Losern, den Schwachen zugewandt war. Damit habe man den Starken ein schlechtes Gewissen eingeredet, was die Ursünde des Christentums sei. Lieber hätte er ein Christentum, das sich solcher Konzepte wie der Nächstenliebe entledigt und mit dem extremen Ego-Individualismus der Libertären besser vereinbar wird.

In diesen Milieus versucht man die menschliche Eigenschaft der „Empathie“ schlechtzureden. Die nennt man „Toxic Empathy“.

Für reichlich Gespött sorgte neulich US-Kriegsminister Pete Hegseth, der im Zuge einer Lobrede auf seine Militärs vermeintlich aus einem alttestamentarischen Vers zitierte, in dem er von der „großen Rache“ fantasierte und von der Vollstreckung göttlicher Strafe. Es stellte sich heraus, dass Hegseth eine Nonsens-Variante der Passage vortrug – aus einer Persiflage aus dem Filmklassiker „Pulp Fiction“. Der Missbrauch des Religiösen kommt Gotteslästerung längst verdammt nahe.

Aber zugleich ist das Zornige, das Aggressive, das Strafende in den Religionen angelegt, und besonders in den monotheistischen Religionen, die eine gewalttätige Unbedingtheit ins Feld des Religiösen eingeführt haben.

Viele Gelehrte, wie etwa der verstorbene Religionswissenschaftler Jan Assmann, haben darauf hingewiesen, dass der exklusive Wahrheitsbegriff des Monotheismus, dessen Unterscheidung zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern, Rhetoriken der Strenge und der Kompromisslosigkeit etabliert habe. Der Herr als „verzehrendes Feuer“, als „eifernder Gott“, von dem gesagt wird: „Wen der Herr liebt, den züchtigt er.“ Einer der bekanntesten Sätze der Evangelien lautet schließlich: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“ Das ist eine der furchtbarsten Formeln der Menschheitsgeschichte.

Hegseths Pastor berät

US-Kriegsminister Hegseth sieht die Militärs, die Iran bombardieren, nicht nur in einem geopolitischen Konflikt, sondern in einem Krieg „für Jesus“. Damit wird an eine Sprache angeschlossen, in der Heilserwartung und Vernichtung nah beieinander liegen. Es wird eine „Verbindung von Frömmelei und Blutrünstigkeit“ beschworen, und „militante Maskulinität mit christlicher Gewissheit“ (The Guardian) kombiniert. Hegseths engster religiöser Vertrauter, der Pastor seiner Gemeinde, ist beispielsweise für die Abschaffung des Frauenwahlrechts.

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Der Irrwitz strahlt auf christliche Szenen in Europa aus. Fundamentalisten, die früher ein Schattendasein gefristet haben, gewinnen im rechtsextremen Biotop und in Krawallmedien Aufmerksamkeit und infiltrieren katholische und protestantische Milieus, sie schwingen sich zu Verteidigern des christlichen Europas auf – und empfinden Rückenwind. Was vor wenigen Jahren noch der Narrensaum war, wird selbstbewusster: Sie träumen von einer Theokratie, in der Religion und weltliche Herrschaft nicht mehr getrennt sind.

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Robert Misik

Robert Misik

Geboren 1966, lebt und arbeitet in Wien. Journalist, Sachbuchautor, Ausstellungskurator, Theatermacher, Universaldilettant. taz-Kolumnist am Wochenende ("Der rote Faden"), als loser Autor der taz schon irgendwie ein Urgestein. Schreibt seit 1992 immer wieder für das Blatt. Buchveröffentlichungen wie "Genial dagegen", "Marx für Eilige" usw. Jüngste Veröffentlichungen: "Liebe in Zeiten des Kapitalismus" (2018) und zuletzt "Herrschaft der Niedertracht" (2019). Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik 2009, Preis der John Maynard Keynes Gesellschaft für Wirtschaftspublizistik 2019.
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59 Kommentare

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  • "Einer der bekanntesten Sätze der Evangelien lautet schließlich: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“ Das ist eine der furchtbarsten Formeln der Menschheitsgeschichte."

    Auf den Punkt gebracht.



    Und auch, etwas vorher:

    "dass der exklusive Wahrheitsbegriff des Monotheismus, dessen Unterscheidung zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern, Rhetoriken der Strenge und der Kompromisslosigkeit etabliert habe".

    Ich glaube nicht, dass wir jemals den Geist zurück in die Flasche kriegen.

  • "Sie träumen von einer Theokratie, in der Religion und weltliche Herrschaft nicht mehr getrennt sind."



    Da sind viele schon deutlich weiter als Europa, wo das zwar nicht mehr der "Narrensaum" ist, aber immer noch eine arge Minderheitsmeinung.



    Ich denke da neben USA, Iran und Israel an Afghanistan, Pakistan, Saudi Arabien, Mauretanien, Bahrain, Indonesien, Argentinien, etc...



    Gott als zentrales Element der Verfassung. Zumeist flankiert von einem Glaubenskodex (z.B. Scharia) der direkte Anwendung findet oder die Gewalten maßgeblich prägt.



    Selbst in in England ist Charles der Supreme Governor, also der Chef der englischen Staatskirche. Da ist der Acker bestellt, wächst da mal aus Versehen ein Fundamentalist im Stammbaum nach, dann...💥



    Fundamentalismus war nie tot, die Geschichtsbücher sind voll davon. Dass das ein Revival erlebt war 'so sicher wie das Amen in der Kirche', denn Glaube ist nicht nur Opium fürs Volk, es war auch schon immer die Geißel und damit Lenkrad der Mächtigen über die Masse.



    Darum ist jede Religion anfällig für Fundamentalisten. Weil die Theokratie ist das Upgrade der Diktatur - von Gott legitimiert, sicherer kannst du nicht im Sattel sitzen🤷



    Das lockt Despoten

  • "Thiel hat unlängst in einem Talk mit einem rechten Youtube-Format darauf hingewiesen, dass das Christentum mit der Idee der Nächstenliebe aus seiner Sicht schon vor Jahrtausenden auf Abwege geriet, weil es den Opfern, den Losern, den Schwachen zugewandt war."



    Und das nicht zuletzt gelegentlich auch mit Waffengewalt wie hier:



    "....Wenige Tage vor seinem Tod soll er ein religiöses Gedicht rezitiert haben: "Christus, ich liebe dich … / Du hast uns gelehrt, dass der Mensch ... / ein armer, gekreuzigter Gott ist wie du. / Und dass der zu deiner Linken in Golgatha /der schlechte Dieb / auch ein Gott ist."



    rundfunk.evangelisch.de



    Weiter dort:



    "Mein erster Eindruck war, dass er aussah wie ein Heiliger. Nicht Christus, eher Johannes der Täufer. Er hatte etwas Biblisches, strahlte etwas aus, selbst so voller Blut." (dlf kultur) Das hat ein britischer Fotograf am 9. Oktober 1967 gesagt (Brian Moser). Da steht er vor dem Leichnam von Che Guevara. Der Guerilla-Kämpfer und Held der kubanischen Revolution wurde heute vor 58 Jahren in Bolivien erschossen.



    Die Fotos von dem aufgebahrten Toten haben etwas Ikonisches. Sie ähneln den Gemälden von der Beweinung Christi, einem im Spätmittelalter..."🤔

  • "Dass das Christentum mit der Idee der Nächstenliebe aus seiner Sicht schon vor Jahrtausenden auf Abwege geriet, weil es den Opfern, den Losern, den Schwachen zugewandt wurde".



    Bitte? Vor Jahrtausenden? Ich würde präziser sagen, seit 1993 Jahren, nämlich seit Christi Tod am Kreuz mit 33 Jahren haben wir diese absurden "Abwege" der Schwäche, die schon den entnervten nationalen Eiferer Judas so sehr gegen seinen Rabbi aufgebracht haben, dass er den Versager ans Messer liefern musste.



    Dass ist doch die Essenz des Christentums, dass man Gott mehr als alles andere lieben soll und seine Nächsten wie sich selbst. Sich opfern für andere, die andere Wange hinhalten, Fürsorge für Schwache, für Versager und gar seine Feinde - und Leiden für die Sünden anderer, das ist symbolisiert im Kreuz, ohne Kreuz kein Christentum.



    Wie können absolute Analphabeten meiner Religion denn deren Verfechter sein? Die Bibel ist ja auch nicht etwa ein Mysterienschinken, verfasst in einer fremden Sprache, wie es die Vulgata zu Zeiten des "deus vult" war. Sie liegt heute für jeden in seiner Sprache und überall frei rum, jeder kann also selbst nachlesen, was für einen Nonsens diese Kreuzritter da verbreiten.

  • Der „Katechon“ (der (biblischer Aufhalter der Apokalypse) legitimiert Macht, die Recht bricht, scheinbar Ordnung zu „retten“. Nach NS Notar Carl Schmitts Politischer Theologie steht der Führer über dem Gesetz. Historisch belegt durch den "Röhm-Putsch" 1934: Hitler ermächtigt sich zum Obersten Gerichtsherrn im "Staatnotstand", legitimiert 200 Morde amnestiert Täter ohne Urteil. Der vermeintliche Retter wird Quelle des Terrors. In der Moderne verlagert sich diese Rettungskette ins Ökonomische. Fred Trump rettete seinen Sohn Donald wiederholt mit Millionen vorm Bankrott. Heute agieren MAGA-Bros wie J.D. Vance, Pete Hegseth als Prätorianer: Sie schützen den Leader Donald Trump vor Justiz, Insolvenz Transparenz, indem sie den Rechtsstaat delegitimieren. Der Leader wird zum Katechon verklärt, während er intern als Opfer der Eliten agiert. Diese Dynamik nährt das Dramadreieck globaler Erregungsökonomie: Das Volk als Opfer in Angst gehalten, das System gilt als Verfolger, und der Autokratie Leader Trump inszeniert sich als Retter. Analog volatilen Börsenkursen laufen Gas-, Öl-Wetten auf „Alles oder Nichts“ Krisen bleiben ungelöst, werden medial bewirtschaftet. Erregung wird zur Währung.

  • Und ich habe immer geglaubt, zentraler Lehrsatz des Christentums sei: „Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“ Mt. 20,26) 

    • @Mondschaf26:

      Im Christentum geht's auch um Wandeln,



      Könnte es sich um Aliens handeln,



      Ich mein' hier die Katechon-Bande,



      Wirkt wie aus einem fernen Lande.



      Religion als Destillat,



      Wer das nun erfunden hat,



      Meint hier doch Ideologie,



      Hat verstanden Jesus nie.



      /



      "Dem Leiden der Menschen ein Gedächtnis geben



      In memoriam Johann Baptist Metz



      Johann Baptist Metz, geprägt von seinen Kriegserlebnissen, konfrontierte die Theologie mit der Frage nach dem Leid in der Welt und dem Glauben an einen gütigen Gott. Metz plädierte für eine Theologie, die sich dem Leiden stellt und die christliche Botschaft mit der Suche nach Gerechtigkeit und Solidarität"



      Bei herder.de



      Weiter dort:



      "Die neue politische Theologie, die er zwischen 1965 und 1969 auszuarbeiten beginnt, versucht christliche Impulse zur gesellschaftlichen Humanisierung einzubringen und übt den Schulterschluss mit den Freiheits- und Emanzipationsbestrebungen in der säkularen Welt. Den vorherrschenden Strömungen in der Theologie der 1960er Jahre bescheinigt Metz einen Ausfall der gesellschaftskritischen Dimension. Transzendentale, existentiale und personalistische Theologien, darunter die seines Lehrers Karl Rahner, müssten weiterentwickelt werden..."🤔

    • @Mondschaf26:

      Ja, schon, doch es ist nicht der "größte Lump" gemeint....

  • Klerikalfaschisten - in der Regierung seit Dick Cheney - “…einer der einflussreichsten Vizepräsidenten der US-Geschichte.…



    Den wissenschaftlichen Konsens über den menschengemachten Klimawandel bezeichnete er als nicht eindeutig; es seien weitere Untersuchungen notwendig…



    Die Theologin Dorothee Sölle verwendete den Begriff Christofaschismus zum einen für die „Fernsehreligion“, die mit elektronischen Massenmedien neue Formen der Indoktrination geschaffen habe,[47] zum anderen für die fundamentalistische US-amerikanische Rechte und ihre Opposition zur lateinamerikanischen Befreiungstheologie.



    de.wikipedia.org/w...Klerikalfaschismus

    Soweit mal

    Na Mahlzeit - 🇺🇸 🇮🇱 & Accelerando

  • Zu Thiel, Hegseth, Vance und dem ganzen restlichen evangelikalen und rechtskatholischen Trumpisten-Gschwerl fällt mir tatsächlich nur eines ein: "Otterngezücht" (auch wenn man den echten Ottern damit bitter Unrecht tut).



    Einer, der das Christentum vom Gebot der Nächstenliebe "befreien" will, ist alles Mögliche, aber auf gar keinen Fall ein Christ ...

    • @Volker Scheunert:

      Einverstanden, vor allem mit dem Inhalt der Klammer:



      (auch wenn man den echten Ottern damit bitter Unrecht tut).

    • @Volker Scheunert:

      Das mit der Nächstenliebe ist natürlich eine schöne Sache. Aus Kenntnis der Geschichte(*), muss aber sonnenklar sein, dass die Erzählung von Nächstenliebe und Barmherzigkeit etc.etc. für die Strippenzieher im Vatikan nur Fassade ist, Mummenschanz, leeres Gerede. Dass die Päpste nach 1945 fromm geworden sind, scheint mir wenig plausibel. Ungefähr so plausibel, wie die Überlegung mittelalterlicher Scholastiker, dass ja wohl unbedingt auch die Vorhaut des Heilands in den Himmel aufgefahren sein muss (was sonst) und dort zu den Jupiterringen wurde (das Motiv wird von Marc-Uwe-Kling und dem Känguru verhandelt).

      (*) Es muss ja nicht gleich die 10-bändige "Kriminalgeschichte des Christentums" (von Karlheinz Deschner, ca. 6000 Seiten) sein. Hier was zum Einsteigen:



      www.humanist.de/de...ritt/deschner.html

      • @Bernardo Januar:

        Bin nicht katholisch und habe durchaus Kritik an etwa Sexualethik und Hierarchie der Katholischen Kirche, ungeachtet dessen, wobei aber auch Luther, trotz vieler m. E. richtiger Gedanken, kein grundsympathischer Zeitgenosse gewesen ist, und sich Jahrhunderte später große Teile der Evangelischen Kirche den Nazis angeschlossen haben.



        Aber den aktuellen Papst, und auch die - natürlich protestantische - Bischöfin Mariann Edgar Budde, finde ich dann doch ungleich sympathischer als Vance, Hegseth, Thiel & Co., vom US-Präsidenten mal ganz zu schweigen ...

      • @Bernardo Januar:

        Zuweilen stehen auch die Falschen auf der richtigen Seite und es bleibt nichts anderes als sie als Verbündete im Kampf gegen die Inhumanität zu betrachten. So auch die protestantischen und die katholische Amtskirche in ihrer theologischen und politischen Auseinandersetzung mit dem evangelikalen und rechtskatholischen Klerikalfaschismus.



        Man muss es deshalb überhaupt nicht abfeiern, wenn die großen Konfessionen massiv an Mitgliedern verlieren, andererseits radikale evangelikale und pfingstlerische Gruppierungen an Zulauf gewinnen. Ein Zeichen kirchenpolitischer und spiritueller Regression in der Bevölkerung.



        Und dann bin ich persönlich ziemlich davon überzeugt, dass es auch einen Zusammenhang zwischen Entkirchlichung und dem Aufstieg des Faschismus gibt, der sich in hohen Zustimmungswerten zur AfD ausdrückt, gerade im Osten Deutschlands.



        Über diesen Zusammenhang und seine Ursachen lohnt es sich m.E. zu diskutieren (um nicht nur auf die US-Perspektive zu schauen).

        • @Abdurchdiemitte:

          Na ich weiß nicht, einen Zusammenhang zwischen Entkirchlichung und dem Aufstieg des Faschismus kann ich nicht erkennen. Eher das Gegenteil wurde im dutzendjährigen Reich bewiesen (1933 waren >90% RK oder EV), vor allem auch durch die eifrige Kollaboration der Großkirchen mit den faschistischen Regimen.

          Das verbindende Element zwischen Faschismus und Katholizismus oder jeder autoritären Spielart von Religion, ist der autoritäre Charakter, wie ihn Erich Fromm beschrieben hat. Nach oben "die unsichtbare Macht, die über das Schicksal bestimmt und Anspruch auf Gehorsam, Verehrung und Anbetung hat", nach unten wird ebenso Gehorsam und Unterwerfung verlangt. Nach oben buckeln und nach unten treten ist keine Frage persönlicher Neigung, sondern im autoritären Weltbild strukturell angelegt.

          Auch eine Frage ist es, ob man sich im Kampf gegen die Inhumanität mit Inhumanen verbünden sollte.

          Aber nix gegen Otter!

          • @Bernardo Januar:

            Wenn Menschen ihre Bindungen an alte Glaubensüberzeugungen verlieren oder aufgeben und sich neuen zuwenden, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass sie sich (in ihrer Orientierungslosigkeit) auch inhumanen Ideologien zuwenden.



            Also ich habe das mal aus meiner eigenen Familiengeschichte rekonstruiert: Altvordere mit proletarischem Hintergrund und nachlassender kirchlicher Bindung bei Zuwendung zur Arbeiterbewegung. Noch in der Weimarer Republik standen sich Kirchen und Arbeiterbewegung ideologisch feindselig gegenüber. Als dann materielle Not aufgrund der Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre das Fass zum Überlaufen brachte, boten sich Faschismus und Kommunismus als neue Heilsideologien geradezu an, um einen Ausweg aus Not und Elend zu suchen, nicht nur in materieller Hinsicht. Die Familie spaltete sich in Nazis und Kommunisten.



            Es gab auch Menschen mit althergebrachtem (christlichen) Kompass, die der Nazi-Verlockung widerstanden und es gab (vormals) glühende Kommunisten, die mit wehenden Fahnen zur NSDAP überliefen.



            Hinsichtlich der prägenden autoritären Strukturen gebe ich Ihnen also recht, nur sind diese dann nicht an eine bestimmte Ideologie oder Herrschaftsform gebunden.

        • @Abdurchdiemitte:

          "...Zusammenhang zwischen Entkirchlichung und dem Aufstieg des Faschismus gibt, der sich in hohen Zustimmungswerten zur AfD ausdrückt, gerade im Osten Deutschlands..."



          Ich persönlich (einst ungefragt getaufter Protestant - und das deshalb nicht sehr lange) war im vergangenen Jahr auf 2 Demos gegen das Erstarken der AfterDay. Ich habe dort viele Bekannte getroffen, die ausgesprochen kichenfern aufgewachsen sind. Glauben Sie mir.



          Darüber hinaus: Die Bayern und Badener sind eher unverdächtig, wenn es um enorme Glaubensferne geht. Wie erklären Sie sich dann Freie Wähler, CSU und den Afterday-Aufstieg im Südwesten? Zählt man das alles zusammen ist der Unterschied so groß nicht mehr...

          • @Der olle Onn:

            Was ist den Afterday? Etwas wie die Zeugen Jehovas oder die evangelikalen die auf Armageddon und den Messias warten?

            • @Axel Schäfer:

              Ufff - Af...D.. - Andere schreiben gern AgD oder Ähnliches...



              Aber so weit weg ist das ja auch wieder nicht. Nen Messias hätten die ja auch gern...

    • @Volker Scheunert:

      Waren das nicht Nattern und wenn auch egal.



      Ich habe mit Religion nichts am Hut aber diese Herren sollen auf Ewigkeiten im Fegefeuer schmoren.

    • @Volker Scheunert:

      …anschließe mich

      Du liest Schnackeldidackel …und packst dich an die Nase - träum ich oder echt in echt! Woll



      Dabei isses alles so derart durchsichtig inhuman platt - daß sich die Zehnägel nach innen krümmen. Newahr



      Plattköpfe - unterste Schublade - Klerikalfaschisten halt •



      Normal

  • Witzig ist jedenfalls, dass der katholische Konvertit Vance den (oder besser seinen) unfehlbaren Papst in theologischen Fragen belehren will. Wäre das nicht ein Fall für die Exkommunikation?

  • „Katholibans“ wie J. D. Vance und Peter Thiel destillieren aus dem Christentum das Aggressive, das Strafende heraus ...



    ----



    Ist auch mMn. schlüssig! So wie das aussieht, sind DIE o.a. im Christad oder im Kreuzzug! Nur zu vergleichen mit den im Islam allgemein bekannten Gruppen!



    Der Unterschied! Die sitzen im Westen in einer mächtigen Regierung!



    Btw. Auch eine andere Interpretation scheint mir möglich!



    Nr. 47 & sein Fanclub würden mMn. jede andere Ideologie nutzen, wenn es politisch & finanziell etwas einbringt!



    Denn wenn die Evangelikalen im Bible-Belt Moslems, Nazis, Kommunisten usw. wären, würden mMn. die o.a. deren Lied pfeifen! :-(

    • @Sikasuu:

      Thiel ist kein Katholik, das ist eine urbane Legende (viele glauben das, weil sein Adept Vance publikumswirksam konvertiert ist und Thiel sich auf katholische Denker wie Schmitt und Girard bezogen hat), aber es stimmt nicht. Thiel ist von Hause aus in einem äußerst antikatholischen protestantischen Milieu verwurzelt.

      • @Günter Picart:

        Anyway - sach mal so



        “Zwei feindliche Brüder aus demselben Garten - Arm in Arm!“



        Klerikalfaschisten halt! •

  • Jede Religion ist am Ende mißbrauchbar, sieht man an Thiel und seinen Spießgesellen. Dass am Ende großmäulige und ihr Fähnchen in den Wind hängende Clowns wie Hegseth und Vance dröhnende Dummheit und charakterlosen, machtgierigen Opportunismus verbreiten sollte nicht dazu verleiten, diese Leute auf die leichte Schulter zu nehmen. Sie sind definitiv gefährltich.

    • @FtznFrtz:

      Jede Religion ist am Ende Mißbrauch.

      Den Kommentar konnte ich mir nicht verkneifen, es muss aber eingeschränkt werden:



      * Mit Religion meine ich organisierte Religion mit Obermackern (hier muss nicht gegendert werden), die genau wissen, was Gott will.



      * Mißbraucht wird "Religion als allgemein menschliches Phänomen ... [worunter] ich jedes System des Denkens und Tuns verstehe, das von einer Gruppe geteilt wird und dem Individuum einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der Hingabe bietet" (Erich Fromm in "Psychoanalyse und Religion").

      Da kann ein noch so cooler Prophet seine Lehrern verkünden, spätestens nach 1-2 Generationen ist der Laden gekapert von den üblichen Machtmenschen.

      • @Bernardo Januar:

        Politik wird von Menschen gemacht, nicht vom Allmächtigen, und wenn die ins Spiel kommt wird es immer schwierig, leider. Da haben Sie recht.

  • Geht es nur mir so, dass Hegseth's "unverfängliche Tattoos" mit etwas Abstand recht verfänglich wirken?

  • Religion ist heilbar!

    • @MahNaMahNa:

      Laut dem Pew Research Center gehörten 2020 rund 75,8 % der Weltbevölkerung einer Religion an, während 24,2 % religiös ungebunden waren. Die größten Religionsgemeinschaften sind Christentum, Islam und Hinduismus. Da manche Menschen ohne Religionszugehörigkeit dennoch an eine höhere Macht glauben, liegt der Anteil tatsächlich gläubiger Menschen vermutlich etwas über 75 %.

      Demnach sind 3/4 der Menschheit krank?

      Und "kranke" Dinge machen vor allem konfessionslose Nazis und Koms, wie die Geschichte gezeigt hat.

      • @Pawel_ko:

        „ Und „kranke“ Dinge machen vor allem konfessionslose Nazis und Koms, wie die Geschichte gezeigt hat.“



        Interessante These und ich finde sie nicht ganz abwegig, wenn man an die Kirchenfeindlichkeit und den Nihilismus der führenden Nazis denkt.



        Aber auch nicht ganz richtig: die Kirchen konnten in den vergangenen etwa 300 Jahren auch nicht mehr so intensiv Menschheitsverbrechen begehen wie zuvor, denn sie wurden in ihrer politischen Macht durch die Aufklärung doch wesentlich zusammengestutzt.



        Aber denken Sie bitte auch daran, dass es eine direkte Verbindungslinie vom christlichen Antijudaismus zum modernen völkischen und nihilistischen Antisemitismus gibt.



        Es hat (zur Ehrenrettung des Christentums vielleicht) zu allen Zeiten auch immer aus dem Christentum heraus einzelne dissidente Stimmen gegeben, die sich gegen die Inhumanität der Amtskirche gestemmt haben.



        Ich find‘s nebenbei auch mal spannend und aufschlussreich, über den Zusammenhang zwischen Entkirchlichung breiter Bevölkerungsschichten und dem Aufstieg des Faschismus hierzulande nachzudenken.

    • @MahNaMahNa:

      Na, offenbar ja nicht.

      • @rero:

        Wer sich ein wenig mit Schläfenlappenepilepsie auskennt, der glaubt nicht mehr was die religiösen Führer sagen...

        • @Bernardo Januar:

          Der Satz ist eine Persiflage auf den von Christian Rätsch (im taz-Interview, 2011):

          »Leute, die gute LSD-Erfahrungen gemacht haben, die glauben nicht mehr, was die Regierung sagt.«

        • @Bernardo Januar:

          Ich befürchte, Sie müssten konkreter werden, damit ich Sie verstehe.

          • @rero:

            Temporallappenepilepsie geht öfters einher mit sog. fokal-komplexen Anfällen, die Halluzinationen und visionsartige Bewusstseinsverschiebungen umfassen können.

            • @marilyn.hanson:

              Will sagen - sojet brauchen dafür kein Rezept! 🧐🙀

            • @marilyn.hanson:

              Ja genau: Der Schläfen- oder Temporallappen ist das Zentrum für Bedeutung, Emotion, Erinnerung und Selbstwahrnehmung. Eine ungewöhnliche Erregung dieser Region - durch Epilepsie, Meditation, Psychedelika oder Sauerstoffmangel - wird oft als tief spirituell, erleuchtend oder heilig interpretiert. Oder als Offenbarung. Oder Marienerscheinung usw.. Die Reproduzierbarkeit durch z.B. Psychedelika oder Sauerstoffmangel (->Holotropes Atmen) oder auch eine Elektrode im Hirn, nimmt dem Phänomen den Anspruch auf Göttlichkeit.

              Karlheinz Deschner dazu in "Oben ohne":

              »Die Versenkung nämlich in uns selbst kann nichts zutage bringen als ebendieses Selbst, die Beschäftigung mit unserem Ich, der eigenen Seele, nichts ergeben, als Aufschluß über dieses Ich und diese Seele. Das "innere Erleben" Gottes beweist nicht seine objektive Realität, sondern die Gott-Trunkenheit nur des Menschen, beweist Trunkenheit nur, nicht Gott. Und der so gern ins Gefecht geführte Satz, daß der Gläubige glücklicher sei als der Skeptiker, besagt nach einer im Schwarzen sitzenden Sentenz Bernard Shaws nicht mehr als die Tatsache, daß man betrunken sich glücklicher fühle als nüchtern.«

              • @Bernardo Januar:

                Danke.

  • Und vom vielen OPIUM



    fiel unser alter Opi um.

    • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Opium - Nee Nee sät dee norddütschen Paster!



      “Hei smökt man blot siin ollen Knaster!“



      Tusch geit allwedder opn ollen Busch



      “Krischan lot de Pipen stan!“



      wikisource.org/wik...chan_mit_der_Piepe



      (Als plitscher Bauernenkel -



      Hanf stand im 19.Jhd. auf vielen vielen Feldern - weiß ich mit dem Alten aus Wiedensahl -



      Kaster war dennollen Buuren ehr Labsal! 🧐🙀

      • @Lowandorder:

        Sorry - Dreckfuhler

        “…Knaster war dennollen Buuren ehr Labsal! 🧐🙀

  • Sehr interessanter Artikel. Wenn Thiel fordert, die Nächstenliebe aus dem Christentum zu entfernen, weil man sich damit den Opfern, den Losern und den Schwachen zugewandt habe, dann entkernt er völlig das Christentum. Das wäre so als wenn man sagt, Fußball wäre auf Abwege geraten, als man anfing, den Ball mit dem Fuß zu treten. Es wäre dann Handball und kein Fußball. Ich bin kein gläubiger Christ und ja, die Bibel ist voller Stellen, die sich widersprechen oder unklar sind, aber ein paar Dinge sind in den Überlieferungen zu Jesus doch sehr eindeutig und unmissverständlich.

    Aus dem Christentum eine Religion der Starken machen ist schon eine faszinierende mentale Verformung aller christlichen Lehren.

    • @Leon Kaz:

      Jesus ist in der Tat die größte Schwachstelle des Christentums. Wer die Geschichte und die Glaubenslehren des Frühchristentums kennt und was danach kam, der weiß, dass Jesus von Nazaret eines nicht war: Christ.

      • @Bernardo Januar:

        @ Bernardo



        Jesus war einer der ersten Reformisten -



        " Reformer " wenn man so will.



        Nicht jeder war begeistert, aber eine neue Religion zu gründen lag ihm fern, er wollte nur zum Ursprung zurück. Wohl ganz leichte Übersetzungsfehler in der Geschichte, aber auch da haben mal wieder ein paar Machthungriege ihre Griffel im Spiel gehabt.

        • @Alex_der_Wunderer:

          "Das Märchen von Christus" hat es Goethe genannt.

          Wer sich ernsthaft dafür interessiert, wie dieses Märchen erfunden wurde, wie Jesus schwupps (selber nichtsahnend) zum Gottessohn wurde, wie die Trinität erfunden wurde, die Transsubstantiation, Himmel, Hölle, Tod und Teufel, der lese - es ist auch eine echt irre Story (Triggerwarnung: extreme Gewalt) - "Abermals krähte der Hahn" vom unglaublich tief in die Materie eingedrungenen, großen Aufklärer Karlheiz Deschner.

          • @Bernardo Januar:

            @Bernado Januar



            Dankeschön - ja, schon mega Intressant, wie die missionierenden Religionen aktiv an der Unterdrückung der Bevölkerung agieren. Richtig pervers ist doch, wie die Unterdrückten ihre Unterdrücker auch noch selber finanzieren.



            Interessant auch die ganzen Informationen bezüglich der Kreuzzüge. Politisch schon eine unschöne Hausnummer, diese kirchlichen Organisationen, gerade auch mit Blick auf die USA.

      • @Bernardo Januar:

        Auch keine besonders neue Erkenntnis. An einen ‚heldischen‘ Jesus haben eigentlich nur die sogenannten ‚Deutschen Christen‘ zu Zeiten des Kirchenkampfes geglaubt.



        Für die durch und durch nihilistischen NS-Führungskader waren die DC, die ein germanisches Christentum propagierten, jedoch nichts weiter als nützliche Idioten, um die evangelische (lutherische) Amtskirche zu unterwandern und dann auszuschalten.



        Mit der Bekennenden Kirche hat sich dann ja auch bald der innerkirchliche Widerstand dagegen formiert. Wichtig ist dabei allerdings, dass sich die BK in erster Linie keineswegs als politische Widerstandsgruppe gegen den NS verstanden wissen wollte, sondern lediglich als Opposition gegen die bibelferne Germanentuemelei der DC und deren versuchter Säuberung von allen jüdischen Elementen innerhalb der evangelischen Kirche.

      • @Bernardo Januar:

        Hütchenspieler von der Zeil! Gelle



        Chapeau

    • @Leon Kaz:

      Die mentale Verformung besteht längst seit Jahrhunderten. Durch diese Typen allerdings, wird selbst das noch weiter pervertiert. Mit solchen "Christen" machen wir dann gerne Geschäfte, etwa indem wir Palantir kaufen....

  • Grundsätzlich ein guter Artikel. Zwei Anmerkungen: alttestamentarisch ist ein besser zu vermeidende Bezeichnung. Neztestamentarisch gibt es ja als Äquivalent auch nicht. Alttestamentarisch wird grundsätzlich negativ verbrämt verwendet ( s.a. alttestamentarische Härte) und wäre damit schnell in einer zumindestens antijudaistischen Sicht auf Judentum und AT.



    Assmann hat eine diskursive Theorie aufgestellt, die er teils später selbst modifiziert hat. Seine Thesen immer als Tatsachen hervorzuzaubern stellt sie in eine gewisse Nähe zu Max Webers These der protestantischen Ethik, die bei genauer Betrachtung dann auf wissenschaftlich dünnen Beinchen daherkommt.

    • @Dominik Jürgens:

      Bitte? Unter jedem Artikel über den Islam (oder Muslime) findet man hier herabwürdigende Klischees und darf ganz offen Islam und alles Böse auf der Welt in einen Topf werfen.



      Aber schon der Begriff "alttestamentarisch" soll antijudaistisch sein?



      Die Welt ist wirklich verrückt geworden.

      • @Schleicher:

        Die Verknüpfung ist nur scheinbar logisch. Man kann islamfeondliche Äußerungen kritisieren und antijudaistische Sprachformen anmerken. Das sie beides nicht verknüpft bekommen ist dann ihr persönliches Thema. Ich rate mal: Antisemitismus ist ihnen eher nicht so wichtig. Vielleicht schwappen hier eher Themen des Nahostkonfliktes herein. Die eingefordete Unterscheidung von Antizionismus und Antisemitismus scheitert ja bereits an der praktischen Umsetzung bei den Erfindern dieser Distinktion.

    • @Dominik Jürgens:

      "Alttestamentarisch" passt aber schon sehr gut zu der Pulp-Fiction-Version des angeblichen Bibeltexts.

      Und "Netztestamentarisch" ist witzig, weil in die heiligen Schriften eh jeder rein- oder rausinterpretiert, was gerade gebraucht wird - dafür studiert man schließlich Theologie.

      Bei Douglas Adams gab es mal einen, der logisch bewies, dass weiß=schwarz und schwarz=weiß ist und dann auf (oder neben?) einem Zebrastreifen überfahren wurde.

      • @Bernardo Januar:

        Hmmm, dann haben Sie leider nicht verstanden worauf ich mit der Kritik an alttestamentarisch hinauswollte. Alttestamentarisch wird als Bezeichnung in einem Kontext verwendet, der das Alte Testament und damit auch gleich das Judentum als gewaltätig und racheverliebt abstempelt. Ursprünglich mit christlichem Hintergrund, geht das säkular-uninformiert heute zumeist noch viel besser.



        Netzteszamentarisch....ja gut, alld kulturellen Produkte ziehen Hineininterpreten an. Sich dagegen wehren und sich dabei selbst hinterfragen muss man sich dabei immer:-)

        • @Dominik Jürgens:

          Nach etwas Recherche verstehe ich ihren Einwand: "alttestamentarisch" ist abwertend, allein schon, weil das christliche AT und der jüdische Tanach 2 Dinge sind (höchstwahrscheinlich mit delikaten Unterschieden), und auch, weil der Begriff historisch gezielt abwertend für das Judentum als Ganzes verwendet wurde.

          Das Judentum (und Christentum und Islam und Hinduismus und...) am autoritären Rand des religiösen Spektrums, vertreten durch Fanatiker, die leider, leider im israelischen Parlament das Zünglein an der Waage sind, die verachte ich (natürlich zivilisiert->Carlo Strenger). Im Oktober wird gewählt und ich hoffe auf eine progressive Regierung - nur so kann das Elend in Gaza beendet werden.

    • @Dominik Jürgens:

      Das "Neztestamentarisch" ist zwar nur ein Tippfehler aber mir fällt dazu spontan ein, dass die von Herrn Misik treffend als Clowns bezeichnete Trump Administration ja die religiösen Schriften auf die sie sich berufen doch überhaupt nicht gelesen haben, und ihre (Des-)Informationen aus dem Internet haben. Daher wäre in diesem Zusammengang "Netztestamentarisch" der richtige Begriff für diese wirre Religionsauslegung.

      • @Axel Schäfer:

        Sie haben natürlich recht: neutestamentarisch sollte es heißen:-)