Weltwirtschaftsforum in Davos: Trumps „Friedensrat“ scheitert bereits in Gaza
In Davos enthüllen der US-Präsident und sein Schwiegersohn ihren Wiederaufbauplan für Gaza. Doch das Leben dort ist nach wie vor ein Albtraum.
M it dem sogenannten Friedensrat will US-Präsident Donald Trump seinen vergoldeten Hofstaat in Mar-a-Lago zum Prinzip seiner Außenpolitik erheben. Dabei geht es, wie könnte es anders sein, vor allem um Geschäftsdeals und ums Geldmachen.
Dazu passt auch die Zukunftsvision, die sein Schwiegersohn Jared Kushner am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentierte, samt Bildern, die aussehen wie ein KI-generiertes Dubai. Während Trump den Standortwert von Gaza und den Meeresblick pries, beschrieb Kushner seine eigene Haltung als „sehr unternehmerisch“.
Trump hat mit seinem „Board of Peace“ offenbar Großes vor. Derweil gleicht Gaza einem apokalyptischen Albtraum. Seit dem Beginn des Nicht-Friedensschlusses im Oktober hat Israel über 2.500 Gebäude gesprengt. Die ausgebombte Bevölkerung lebt dort bei Regen und Wind in schlammigen Zeltlagern, wo sich Krankheiten rasant verbreiten. Nach wie vor lässt Israel nicht ausreichend Hilfe nach Gaza und verbietet nun auch noch 37 humanitären NGOs die Arbeit vor Ort.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Der Krieg gegen die Bevölkerung geht also weiter – genauso wie die Angriffe auf jene, die ihn dokumentieren. So tötete die israelische Armee erst am Mittwoch die drei Journalisten Anas Ghunaim, Abdul Ra’ouf Shaath und Mohammad Qeshta, die laut Berichten in einem mit dem Logo einer ägyptischen NGO markierten Auto unterwegs waren.
Da hilft es wohl auch kaum, dass mit dem Bulgaren Nikolaj Mladenov ein erfahrener UN-Diplomat die Verhandlungen übernimmt, der Kontakte sowohl in Israel als auch zur Palestinian Authority und zur Hamas hat. Nicht nur die islamistische Gruppe operiert nach wie vor in Gaza. Auch Israels Premier Netanjahu tut alles, um den Fortschritt des Friedensplans zu verhindern. Dabei wird der Zulauf zur Hamas und zu anderen militanten Gruppen kaum versiegen, solange sich Israel nicht bereit erklärt oder dazu gezwungen wird, den Palästinensern ein Leben in Selbstbestimmung zu ermöglichen. Eine KI-generierte Traumwelt ist mit Sicherheit kein Ersatz für einen gerechten Frieden.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert