US-Verteidigungsministerium umbenannt: Kriegsminister gibt es wieder
In den USA hat Donald Trump das von Pete Hegseth geführte Verteidigungsministerium umbenannt: Es heißt jetzt Kriegsministerium. Richtig so!
E ines muss man Donald Trump lassen: Der Mann ist ehrlich. Ja gut, er sagt nicht immer die Wahrheit, neigt derweil zum Bullshitten – aber ist seine Umbenennung des Verteidigungsministeriums in „Kriegsministerium“ nicht schlicht eine Anerkennung der Wirklichkeit? Eine Absage an Euphemismen?
Der frisch gebackene US-Kriegsminister und Kreuzfahrerfan Pete Hegseth könnte jedenfalls stolzer nicht sein. Ein Blick auf die Seite seines Instagram-Accounts offenbart direkt sieben Referenzen auf den neuen Namen.
Ehrlichkeit, wohin man schaut. Auf Truth Social schrieb Trump, Chicago (jene Stadt, in die der Präsident Truppen der Nationalgarde entsenden will) werde bald herausfinden, „warum es KRIEGSministerium heißt“. Dass der Bürgerkrieg ohne Ansage gekommen wäre, wird man ihm daher auch nicht vorwerfen können.
Oder nehmen wir die US-Drohnenschläge in Lateinamerika. Hier veröffentlicht Trumps Regierung ganz transparent einen Clip, der zeigt, wie das Militär vor der Küste Venezuelas Menschen auf einem Schlauchboot außergerichtlich tötet. Ob die Getöteten wie behauptet Drogenhändler der Gruppe Tren de Aragua waren, werden wir mangels Gerichtsverfahren nie erfahren.
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Trump postet Hinrichtungsvideos
In dem „Krieg gegen den Narcoterrorismus“ vereinen sich zwei vergangene Kriege, die beide nicht gegen klar bestimmte Feinde geführt wurden, sondern gegen Nomen, gegen Konzepte. Und beide hat die USA offensichtlich verloren: Den Krieg gegen „die Drogen“, ausgerufen von Richard Nixon, und den Krieg gegen „den Terror“, ausgerufen von George Bush dem Jüngeren.
Der letztere Krieg gegen das Nomen „Terror“ spielte sich vor allem in Afghanistan und in Irak ab, war aber geografisch entgrenzt. So befahl der Hoffnungsträger der Linksliberalen, Barack Obama, Drohnenhinrichtungen in sieben Ländern und schreckte selbst vor der Tötung von US-Staatsbürgern nicht zurück.
Damals war es noch die Investigativplattform Wikileaks, die US-Kriegsverbrechen öffentlich machte, wie etwa die Bombardierung von Reuters-Journalisten in Bagdad 2007. Im Fall der angeblichen venezolanischen „Narcoterroristen“ heute postet Trump einfach selbst die Snuff-Videos und geilt sich daran auf. Ehrlich halt.
Auch in den Bush-Obama-Jahren hätte ein Kriegsministerium den USA gut zu Gesicht gestanden. Der Schriftsteller Christopher Hitchens hatte eine solche Umbenennung nach dem 11. September 2001 explizit gefordert. Hitchens war da bereits vom Sozialisten und Kritiker des US-Imperiums zum Unterstützer von Bushs Kriegen geworden. Er hatte einige sehr gute Argumente dafür, den Dschihadisten in Afghanistan und dem faschistoiden irakischen Tyrannen Saddam Hussein ein Ende zu bereiten, und einige sehr falsche Vorstellungen davon, was das Ergebnis dieser Kriege sein würde.
Keine Verteidigung in Vietnam
Mit seinem Vorschlag zur Umbenennung war aber auch Hitchens eher spät dran. Oder will heute noch jemand behaupten, dass die USA sich in den 1960er Jahren in Vietnam „verteidigt“ hätten? Für diesen Krieg übernahmen die Vereinigten Staaten vielmehr die Logik der französischen Kolonisatoren, sie kämpften gegen das vietnamesische Volk und gegen sein Selbstbestimmungsrecht.
Obendrein war der Krieg für die verbrannten und verstümmelten Zivilisten in den vietnamesischen Dörfern auch weniger „kalt“, als der Begriff für die große Konfrontation der Supermächte durchscheinen lässt. Wenn man so recht darüber nachdenkt, hätten die USA sich die Umbenennung ihres Kriegsministeriums nach dem Zweiten Weltkrieg einfach sparen können.
Und in Deutschland, dem Land der 99 Luftballons? Hier fordert Boris Pistorius „Kriegstüchtigkeit“, allerdings noch in seiner Funktion als Verteidigungsminister. Eine geplante Umbenennung ist nicht bekannt. Als Faustregel sollte man von einem Land, das zwei Weltkriege begonnen und verloren hat, in dem weder Kriegstreiber noch Radikalpazifisten ohne Hitler- und Holocaustgleichsetzungen argumentieren können, auch nicht allzu viel erwarten. Vor allem keine Ehrlichkeit.
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