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Sturzflut in Nepal und Klimawandel Wer soll das bezahlen?

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Nepal verlangt von den größten CO₂-Emittenten Schadenersatz, da der Klimawandel die Flut ausgelöst hat. Dafür bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof.

K limawandel tötet. Das ist nicht neu. Aber wer auch nur einen Hauch Zweifel daran hatte, hoffte, dass es so schlimm nicht kommen wird, muss sich nur die Videos der gigantischen Flutwelle anschauen, die vor einer Woche durch die Täler des Himalaja raste. Und alles wegspülte, was irgendwo im Weg stand. Blocks großer Häuser. Ortschaften. Und natürlich die Menschen, die dort lebten.

Die durch den CO₂-Ausstoß verursachte dramatische Erderwärmung bedroht alle – von den Inselstaaten, die gerade mal ein paar Meter aus dem steigendem Meeresspiegel herausragen, bis hin zu Ländern im höchsten Gebirge der Welt, denen nicht der Himmel, aber doch der Gletscher auf den Kopf fällt.

Dass dafür der Klimawandel zumindest mitverantwortlich ist, stellt niemand, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, infrage. Infrage steht nicht einmal, wer dafür haftbar ist. Das sind die Industrienationen, die den weitaus größten Teil der Kohlendioxid-Emissionen verantworten. Mehr als 80 Prozent der fossilen CO₂-Emissionen wurden von den G20-Staaten verursacht. Fraglich ist nur, wer dafür tatsächlich haftbar gemacht werden kann.

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„Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld? Wer hat so viel Pinkepinke? Wer hat das bestellt?“, hieß es mal in einem Karnevalsschlager. Und die Regierung von Nepal hat auf all dies eine klare Antwort: China, die USA, Indien und alle anderen großen CO₂-Nationen. Die hätten eine historische Verantwortung, verletzliche Nationen wie Nepal zu entschädigen, sagte Nepals Außenminister Shisir Khanal. Und er geht noch einen Schritt weiter: Denn es gehe nicht um Hilfsleistungen, sondern um Gerechtigkeit. Also nicht um gnädig spendierte Almosen, sondern um Recht.

Wo bleibt der internationale Klimagerichtshof?

Dass der Bergstaat mit seiner absolut berechtigten Forderung Erfolg haben wird, muss leider bezweifelt werden. Denn freiwillig werden die Profiteure der Klimakatastrophe kaum die benötigten Milliarden rausrücken.

Das zeigt schon der bei der Weltbank angesiedelte „Fonds zur Reaktion auf Verluste und Schäden“, der 2022 bei der Weltklimakonferenz mit großem Trara vereinbart und ein Jahr später gestartet wurde. Nicht mal 500 Millionen Dollar wurden dort bisher eingezahlt. Dem gegenüber stehen Hilfsanträge im Wert von fast 3 Milliarden. Kein Wunder, dass die Mittel im Topf bald drohen, zur Neige zu gehen.

Zumal die bis jetzt erlebten Klimakatastrophen ja erst der Anfang sind. Laut neuster Schätzung der Vereinten Nationen läuft es aktuell auf eine Erderwärmung um 2,6 Grad bis zum Jahr 2100 hinaus. Also noch mal ein Grad mehr als heute. Mit noch mehr Lawinen, Fluten, Dürren.

Eigentlich bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof, vor dem Verantwortliche auch verantwortlich gemacht werden könnten. Dabei geht es ja keineswegs nur um Staaten. Die eigentlichen Profiteure sind die Ölkonzerne – und Kohleverheizer, die Flugbranche, die Automobilindustrie, um nur ein paar von denen zu nennen, die die durch sie verursachten Klimafolgeschäden folgenlos auf andere abwälzen können. Die gehörten auf die Anklagebank – gleich neben die Ver­tre­te­r:in­nen der Staaten, die diesen Akteuren erlauben, ihre Geschäfte zu machen.

Das alles trifft keineswegs nur ferne Inselrepubliken und abgelegene Bergstaaten. Auch Mitten in Europa hat in diesem Sommer eine Welle gewütet. Nicht aus Wasser, sondern aus Hitze. Allein in Deutschland hat sie mehr als 15.000 Menschen das Leben gekostet. Ihre Angehörigen hätten jedes Recht, vor Gericht zu ziehen. Fragt sich nur wo.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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48 Kommentare

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  • Tom Tailor

    "Die eigentlichen Profiteure sind die Ölkonzerne – und Kohleverheizer, die Flugbranche, die Automobilindustrie, um nur ein paar von denen zu nennen, die die durch sie verursachten Klimafolgeschäden folgenlos auf andere abwälzen können."

    Achso. Und ich dachte die Flugreisenden, die die Möglichkeit nutzen um z.B. nach Nepal zu fliegen für ein Mount-Everest-Selfie, oder die Automobil-Konsumenten, deren Nachfrage zu global 1,4 Mrd zugelassenen PKW geführt hat. Da Nepal aber zu keinem Zeitpunkt den Tourismus gefördert hat und seine Bevölkerung keinerlei PKW besitzt, muss die Schuld bei der Flugbranche und der Automobilindustrie liegen.

    • Allesheuchler

      @Tom Tailor:

      … und all die Fans von Tom Tailor und anderen Wegwerf- oder Markenklamotten nicht zu vergessen, von Nike, Puma oder adidas, Fans von Formel1, von Grönemeyer und Fischer, Bayern München und allen Bundesligen, die zu Hundertausenden ungebremst durch die Republik reisen, anstatt sich das ganze Spektakel CO2-sparend nur am TV anzusehen, dazu Millionen von Smartphones und PC statt Tontafel, Fahrzeuge aus Industriestahl statt Holzfahrrad und Maultier… schau an dir herunter, Tom Tailer, und sieh dich in deiner Wohnung um, und dann rechne alles mal wenigstens fünf Milliarden… die Liste der CO2-Verursacher durch bequemen Konsum wird dann recht lang… und was dann?

  • Pascal Arn

    Wenn der Mensch weiss, dass der Klimawandel besteht, müsste er auch wissen, dass solche Täler gefährdet sind. Die Gletscher schmelzen nicht erst seit gestern und werden teilweise überwacht. Vor allem China müsste es wissen, das einen Teil der neuen Seidenstrasse durch diese Tal gebaut hat. Eine Gefahr kann aus einem Grund bestehen. Eine Gefahr kann aber auch bekannt sein und muss dementsprechend gehandelt werden.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Ja, es ist richtig, diejenigen, die den meisten Dreck gemacht haben und machen, in die Pflicht zu nehmen.

    Ein Klimagerichtshof ist aber ein Luftschloss. Die großen Dreckspatzen würden nicht mitmachen.

  • Arne Babenhauserheide

    Warum indien?

    Indien hat pro Kopf weniger als 2t CO₂-Emissionen.

    ourworldindata.org...27~CHN~IND~ZAF~DEU

    • Gerhard Krause

      @Arne Babenhauserheide:

      👍 - Gleichwohl ich die Schadenersatzforderungen für richtig halte, sollten sie genauer adressiert werden. Sie müssten sich ebenfalls an Firmen und Einzelpersonen richten.

  • Herbarius Zunichten

    Solange es Berge gibt, gibt es Felsstürze, Lawinen und Sturzfluten.



    Es dürfte Nepal schwer fallen, ausser mit den simplen Allgemeinplätzen aus dem Klimaallgemeinplatzkatalog aus den Kommentaren hier, nachzuweisen, dass jemand mit CO2 Emissionen daran schuld sein könnte.



    Auch in den Alpen gibt es viele Täler und Seen, die aus keinem anderen Grund entstanden sind, und zwar lange von dem aktuellen Klimawandel.

    • nihilist

      @Herbarius Zunichten:

      Alles gab's schon immer. So einfach ist das.

    • Janix

      @Herbarius Zunichten:

      Ja und nein. Auffaltung und Erosion gab/gibt es.



      Dass Gletscher aktuell so rapide abschmelzen, abbrechen, dass Boden so rasch instabil wird, das freilich wird dem menschengemachten Klimawandel zuzuschreiben sein.

      Und das Gute an "menschengemacht" ist: Daran hätten wir etwas ändern können und daran können wir in Zukunft etwas ändern.

    • AndreasM

      @Herbarius Zunichten:

      Ach was, vor der moderne Menschheit gab es keine Bodenerrosion.... /s

  • Jan Schubert

    Auch der schönste und internationale Klimagerichtshof bräuchte eine Anspruchsgrundlage.

  • Ricky-13

    taz: *Eigentlich bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof, vor dem Verantwortliche auch verantwortlich gemacht werden könnten.*

    Der dann aber von den mächtigen Staaten ignoriert wird. Und wer hat den größten Einfluss auf die Politiker solcher mächtigen Staaten? Die großen und noch mächtigeren Konzerne.

    Das "Ding" ist im Grunde schon gelaufen, denn der Mensch hat das Experiment, was die Natur mit ihm durchgeführt hat, nicht bestanden. Er hat mit seiner Intelligenz zwar viel erschaffen, sich aber letztendlich mit seiner unersättlichen Gier selbst den Garaus gemacht. Das kommt halt davon, wenn man sich Homo sapiens nennt und Mathematik und Naturwissenschaften beherrscht, dann aber Leuten die Führung übergibt, die wohl eher einem Homo idioticus entsprechen und die nur alles zu Geld machen wollen.

    Der Mensch hat die Stabilität des Ökosystems zerstört, die er selbst zum Überleben braucht. So dumm ist kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten.

    • Arne Babenhauserheide

      @Ricky-13:

      > So dumm ist kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten.

      Keins, das es heute noch gibt.

  • Astrid Sehnefeld

    "Nepal verlangt von den größten CO₂-Emittenten Schadenersatz, da der Klimawandel die Flut ausgelöst hat."



    Das sehe ich komplett anders.



    Ja, es stoßen einige wenige Staaten deutlich mehr CO2 aus als andere.



    Aber was für mich vor allem gegen JEGLICHE Ausgleichszahlungen spricht, ist, dass ALLE Länder der Welt massiv von den Emittenten profitieren und profitiert haben.



    Errungenschaften wie Medizin 🩺 und Fortschritt kamen allen Ländern zu Gute.



    Stichwort Impfungen zum Beispiel.



    Fazit:



    Ja, ohne den übermäßigen Ausstoß der Emittenten wäre die Katastrophe in Nepal vielleicht nicht geschehen, allerdings wären ohne die Errungenschaften der Emittenten in den letzten 150 Jahren Millionen Nepalesen an Krankheiten wie Masern etc gestorben.



    Durch den Fortschritt den die Industrialisierung mit sich gebracht hat, wurden weltweit Milliarden Leben gerettet beziehungsweise erst ermöglicht - nicht vergessen, zwischen 1900 und 2000 hat sich die Weltbevölkerung vervierfacht, das wäre ohne Industrialisierung völlig unmöglich gewesen.



    Meiner Meinung nach hat der Ausstoß von CO2 unglaublich viel mehr Leben gerettet und ermöglicht, als er kostet und gekostet hat.

    • Nansen

      @Astrid Sehnefeld:

      Dass medizinischer Fortschritt massiv zur Sterblichkeitssenkung beigetragen hat, ist sicherlich korrekt.



      Schlüssig ist ihre Argumentation eher nicht.



      "Industrialisierung/Fortschritt" mit „CO₂-Ausstoß" sind nicht untrennbar miteinander verbunden: Medizinischer Fortschritt und CO₂-Emissionen sind historisch gemeinsam aufgetreten, aber nicht logisch identisch. Das ist, als wenn man behauptet, dass ohne die konkreten Emissionsmengen, die heute für Extremwetter verantwortlich gemacht werden, auch die Impfstoffe ausgeblieben wären.



      Zudem ist es gewagt, zu behaupten, dass global gesehen CO2 insgesamt mehr genützt als geschadet hätte. Selbst wenn es so wäre: Ein globaler Netto-Nutzen über 100 Jahre entlastet nicht automatisch von der Verantwortung für einen spezifischen, heute entstandenen Schaden bei Menschen, die von diesem Nutzen möglicherweise kaum profitiert haben.



      Die Gewinne der Industrialisierung wurden sehr ungleich verteilt (Wohlstand bei den Emittenten) und die Kosten des Klimawandels sehr ungleich verteilt sind (Risiko bei Ländern wie Nepal, die kaum emittiert haben). Diese Verteilungsfrage – nicht ob es irgendeinen Nutzen gab – ist eigentlich der Kern der Reparationsdebatte,

      • Astrid Sehnefeld

        @Nansen:

        "Industrialisierung/Fortschritt" mit „CO₂-Ausstoß" sind nicht untrennbar miteinander verbunden"



        Das sehe ich anders. Ohne Weltraumforschung keine Erkenntnisse über Klima. Ohne Hochtechnologisierung keine modernen Mikroskope für Forschung, keine Hochleistungscomputer, keine Robotik, etc



        Der immense CO2 Ausstoß hat immensen Fortschritt in allen Bereichen gebracht.



        Auch der Individualverkehr ist notwendig - je mobiler eine Nation, desto schneller konnte sie die Industrialisierung durchlaufen.



        Fortschritt ist niemals schädlich.



        Sicher müssten wir aktuell mehr auf Fortschritt denn auf Verweilen setzen.



        Aber derlei Krisen gab es in der Geschichte immer wieder.



        Ich vergleiche die Klimaerwärmung gern mit der Pest: es ist eine globale Herausforderung, sie trifft Schuldige aber vor allem auch Unschuldige, aber hinterher wird die Menschheit in eine neue Blütezeit schreiten so wie nach der Pest.



        Es geht immer weiter. Auch bei 3 oder 5 Grad. Und wir werden Lösungen finden von denen wir heute noch keine Ahnung haben.



        1903 flog der erste Mensch 12 Sekunden über 37 Meter.



        66 Jahre später flogen wir zum Mond...



        So geht es auch mit dem Klimawandel - was heute unmöglich scheint ist morgen ein Klacks.

        • Mondschaf26

          @Astrid Sehnefeld:

          Das CO₂ ist halt nur ein Kollateralschaden. Den nehmen wir in Kauf. Jetzt noch etwas Geoengineering und alles ist wieder gut. Ein Klacks. [/ironie]

        • Sam Spade

          @Astrid Sehnefeld:

          "Fortschritt ist niemals schädlich."

          Sie verwechseln Fortschritt mit Veränderung. Was sie hier aufführen sind überwiegend Innovationen und Entdeckungen.

          Fortschritt liegt immer eine messbare Komponente der Verbesserung zu Grunde. Eine Technologie die mehr Probleme schafft als sie löst, z.B. durch extreme Umweltzerstörung, mag vielleicht moderner sein, gilt aber nicht als fortschrittlich.

          Auch die Industrialisierung sollte ambivalent betrachtet werden. Höhere Lebensstandards gingen einher mit gewaltigen sozialen und ökologischen Problemen.

          Seit der Kernspaltung, welche wissenschaftlich übrigens eine Entdeckung und keinen reinen Fortschritt darstellt, wird in den Wissenschaften das Risiko mitbedacht und in den Fortschrittsgedanken mit einbezogen. Erst danach erfolgt die Feststellung, ob es sich tatsächlich um einen Fortschritt handelt.

          Das wir ohne Satelliten im All deutlich weniger Erkenntnisse über das Klima hätten stimmt zwar, aber aus einer derartigen Entwicklung abzuleiten, das ein hoher Innovationsgrad mit einem hohen CO2 Ausstoß einhergehen muss und beides gegeneinander abzuwägen ist schon eine abenteuerliche Vorgehensweise und mir so auch noch nicht untergekommen.

        • Nansen

          @Astrid Sehnefeld:

          OK. Sie wollen lieber nicht auf die Frage der Verteilung eingehen, sondern geben sich lieber dem Fortschritt hin.



          Nun. Wenn sie den Folgen von 3 oder 5 Grad Klimaerwärmung entgehen wollen, geben sie sich in die Hände des Fortschritts, der das schon richten werde. So weit so gut. Aber sie werden für diesen Fortschritt was benötigen? Genau. Wissenschaft und Forschung.



          Nun ist es dummerweise so, dass Wissenschaft und Forschung seit Jahren sagen, dass die Klimaerwärmung besser zu vermeiden wäre und die Folgen milliardenteuer sind und Millionen bis Milliarden Tote fordern werden.



          Aber damit kommt man gut zurecht, wenn man nur hinreichend ideologieoffen oops sorry technologieoffen ist.



          Nebenbei: Der Pest-Vergleich hinkt. Die Pest hatte keinen Verursacher, den man haftbar machen könnte. Der Klimawandel schon.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Astrid Sehnefeld:

      Ist schon heftig, die Böckchen aufzuzählen, die eher zufällig für den Rest der Welt abgefallen sind, nur um weiter ohne Gewissensbisse Dreck zu machen...

    • Perkele

      @Astrid Sehnefeld:

      Das kann man mit anderen Worten etwa so beschreiben: Wer einen Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat, darf getrost dabei zusehen wie ein anderer Mensch absäuft. Gell??

    • fly

      @Astrid Sehnefeld:

      Zustimmung.

      In den Attribution Studies wird immer berechnet, mit welcher - modellierten - Wahrscheinlichkeitserhöhung die CO2 Emissionen zu einer xy Katastrophe beitragen hat.



      Es wird aber nie berechnet, wie viele, bzw. wie wenige Leute es betreffen würde, wenn es den - energiebehafteten - Fortschritt nicht gegeben hätte. Provokant gefragt, hätte es den Anklagenden überhaupt gegeben oder wären seine Vorfahren schon an Kinderkrankheiten etc verstorben?

      Und es ist illusorisch anzunehmen, man hätte ja auch schon vor 100 Jahren klimaneutrale Energie nehmen können.

      • Arne Babenhauserheide

        @fly:

        Die Entschädigung-Relevanten Emissionen sind seit 1990: seit sicher war, dass weitere Emissionen gefährlich werden, und es gleichzeitig die Technologie gab, viele der Emissionen zu vermeiden.

        Nicht alle waren vermeidbar, viele aber schon. Ohne die Peter Altmaier-, Philipp Rösler- und Katherina Reiche-Kluft, hätte Deutschland z.B. bedeutend weniger emittiert, ohne dafür Wirtschaftsleistung zu verlieren.

    • Janix

      @Astrid Sehnefeld:

      Oft vergessen wir den Fortschritt, und an den erinnern Sie gerade und verknüpfen ihn mit CO2-Ausstoß.

      Jaaa, uuuuund ... es gibt auch Fortschritt mit deutlich weniger CO2-Ausstoß mit Selbstbescheidung, Effizienz, Erneuerbaren, ... und dennoch könnte Seife wie Serum die Dörfer erreichen.



      Das die letzten Jahrzehnte nur sehr bruchstückhaft angegangen zu sein, lässt sich Merkel, Merz & Co. schon vorhalten. Müssten die womöglich auf der Bank vor dem Gerichts sitzen, unten?

  • Janix

    Und wenn Nepal und seine Menschen mal wirklich mehr Priorität erhielten als "Pepal"?



    Wer wie viel CO2 & Co. ausblies und -bläst ist bekannt und modelliert, da lässt sich höchstens über die Zuordnung bei Exporten noch disputieren.



    Nepal legt sich mutig mit den beiden Riesen an seiner Grenze an plus USA. Wer wäre Nummer 4 danach? Der aufmerksame taz-Leser m/d/w wüsste es sofort zu sagen.



    "Du musst Dein Leben ändern" bzw. die völlig falschen Anreize hierzulande, aufgrund derer Energie und Fossil sogar noch angefeuert werden (pun intended).

    • Tom Tailor

      @Janix:

      Naja. Die Regierungen Nepals hatten ironischerweise bis dato noch nie ein Problem damit den Tourismus in ihrem Land zu fördern und damit massive CO2 Ausstöße der Luftfahrt in Kauf zu nehmen. Aber Schuld sind halt die anderen.

      • Janix

        @Tom Tailor:

        Schuld sind halt die anderen, ist ein Spiel, das vor allem einer der historisch wie aktuell größten Emittenten sich versagen sollte, oder?

        Nepal hat im Jahr 2024 0,63 (!) Tonnen CO₂ pro Person emittiert, während Deutschland im gleichen Jahr etwa 11,1 Tonnen CO₂ pro Person ausgestoßen hat.

        Aber ja, mit dem Spaßfliegen ließe sich so langsam mal aufhören bzw. Preisgerechtigkeit wäre ein wichtiger Ansatz.

  • Thomas Kühnelt

    "Infrage steht nicht einmal, wer dafür haftbar ist. Das sind die Industrienationen"



    Diese Aussage ist natürlich vollkommen richtig. Der akkumulierte Ausstoss klimaschädlicher Gase seit der ersten industriellen Revolution ist ursächlich für grosse Teile des jetzigen Klimawandels.



    Und ein nicht unbeträchtlicher Teil der nichtindustriellen Nationen ist betroffen, genauso wie die Industrienationen.



    Doch andersherum ist auch richtig, das diese Staaten Nutzniesser der industriellen Produkte in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sind. Ich will nur nennen Energie, Medizin, Kommunikation, Transport. Wenn sie die Folgen der Produktion anprangern, sollten sie folgerichtig die Produkte selbst nicht nutzen. Dann wäre volle Reparation aller Schäden zwangsläufig.

  • zkktka2z

    Siehe Studie 2021 von Daniel Bressler "The Mortality Cost of Carbon" nach der 4434t CO₂ Äquivalente Emissionen 1 Toten bis 2100 zur Folge haben.



    Aber 4434t sind nicht viel...

  • Dieter Schütt

    Es gibt keine Profiteure. So ein Konzern hat keine Seele, er ist nur Mittel zum was auch immer. Die Aktionäre halten die Aktien nur wenige Monate. Der Vorstansdsvorsitzende vielleicht für die Dauer seines Mandats von wenigen Jahren. Und alle bleiben doch Menschen und müssen schlussendlich den Preis zahlen.



    Aus meiner beruflichen Erfahrung kann ich nur sagen: Die alles beherrschende Macht auf diesem Globus ist die kollektive Dummheit.



    Es ist leicht, alles auf "den Kapitalismus" zu schieben. Oder auf "den Kommunismus" wie bei der Aralsee-Katastrophe. Doch die Dummheit bleibt überall die Gleiche.

  • Goodfella

    Der Autor denkt zu kurz. Auf die Anklagebank des "Internationalen Klimagerichtshofs" gehören auch folgerichtig die Käufer der Produkte der CO2 Emittenten: Autofahrer, Pauschalreiseurlauber und alle die, die Produkte kaufen, in denen Öl enthalten ist. Dass er das nicht fordert ist klar. Dann würde er schnell selbst mit auf der Anklagebank sitzen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Goodfella:

      Wenn Staaten verurteilt werden, zahlt doch nicht der Regierungschef, sondern es zahlen die Steuerzahler. Also die Verbraucher.

    • Arne Babenhauserheide

      @Goodfella:

      Glaubst du wirklich, dem Autor ist das nicht bekannt?

    • Marcelo

      @Goodfella:

      dazu zählt jedes motorisierte Transportmittel die es gibt! Auch Züge und Busse gehören dazu!

  • MarsiFuckinMoto

    „Klimagerichtshof“… DAS ist ja mal eine süße Idee. Wenn die Welt sich nicht mal an Menschenrechtsgesetze hält und schon da jeder macht was er will, wie soll das dann beim Klima funktionieren?! Jedem seine Meinung, aber für mich klingt das wie die Forderung der Jungen Grünen vor zig Jahren, man solle doch das Geld abschaffen und durch „Zeit“ ersetzen. Halt ein ganz kleines bisschen naiv…

  • mumba

    Mal angenommen, es gäbe einen Prozeß: Würden dann die Emissionen, die die unzähligen Touristen in Nepal bei der Anreise verursachen sowie die vom nepalesischem Staat gerne gesehen Devisen verrechnet?

  • Marcelo

    Dann muss man das aber genau nachweisen können welche Länder zu wie viel Prozent dafür verantwortlich ist das das Unglück passieren konnte! Wie will man das nachweisen?

    • Herma Huhn

      @Marcelo:

      Der Nachweis ist einfach, denn es ist bekannt, welches Land wie viel CO2 in die Luft gepustet hat.



      Viel schwieriger ist der Nachweis, wie viel kleiner der Schaden ohne dieses CO2 gewesen wäre.

      • Marcelo

        @Herma Huhn:

        wie will man den nachweisen das Beispiel Deutschland mit 2 % gerade damit diese Klimakatastrophe gerade an diesem Berg ausgelöst hat? So einfach wie sie sich das machen ist das nicht

    • Daniela Scharrer

      @Marcelo:

      Menschen in sogenannten Industrieländern gehören fast schon kollektiv in Haft für den Ökozid, den sie täglich begehen. Jede sinnlose Autofahrt, jeder sinnlose Urlaubsflug, all der sinnlose Konsum- die wirkliche Rechnung zahlen zuerst die ganz Armen und all die Tiere. Unsere Wertewelt ist gruselig, ein einziger Abgrund der Gier.

      • Gerhard Krause

        @Daniela Scharrer:

        Grundsätzlich sehr verständlich, aber wer soll es uns denn beigebracht haben? An dem Punkt, an welchem keine angemessene - das berücksichtigt ebenfalls den Zeitfaktor - Weiterentwicklung mehr möglich ist, muss die Politik eingreifen und Regeln ändern. Dort, bei der Politik und den Herstellern, würde ich zuerst die Kritik anbringen. Alles andere kehrt die Verantwortung um.

      • fly

        @Daniela Scharrer:

        Und wer bestimmt was "sinnlos" ist?



        Ein Leben wäre auch in eine strohgedeckten Lehmhütte möglich, ohne die exorbitante Emission, die bei der Zementherstellung anfällt. Von irgendwelchen modernen Kommunikationsmitteln, zB Internetkommentare, :), ganz zu schweigen. Dabei ist es grundsätzlich richtig, Weniger Ist Mehr. Oft. Aber nicht immer.

  • Sam Spade

    "Eigentlich bräuchte es einen internationalen Klimagerichtshof, vor dem Verantwortliche auch verantwortlich gemacht werden könnten. Dabei geht es ja keineswegs nur um Staaten."

    Frage an den Autor: Wer nimmt denn die Produkte und Dienstleistungen in Anspruch die Automobilkonzerne, Fluglinien oder Energieversorger offerieren? Dürften wohl die Verbraucher sein. Und wer ist der Verursacher? Die Fluglinie die ein Angebot in Form eines Flugzeugs zur Verfügung stellt oder die Personen die mit ihren Buchungen dafür sorgen, das ein klimaschädliches Transportmittel in die Lüfte steigt? Umweltfreundlichere Alternativen gibt es übrigens so gut wie in jeder Sparte.

    In diesem Zusammenhang nur einmal nachgefragt, wie hoch ist der Anteil der E Mobilität in Deutschland?

    Der Markt regelt Angebot und Nachfrage. Werden keine Verbrenner mehr gekauft, dann werden auch keine Verbrenner mehr produziert. Wird kein Kohlestrom mehr abgenommen, dann rechnet sich das Verbrennen von Kohle einfach nicht mehr.

    Gilt übrigens für Konsumenten und Unternehmen. Die einen setzen auf Nutzen- die anderen auf Gewinnmaximierung. Orientieren tun sich beide dennoch am Markt.

    • Herma Huhn

      @Sam Spade:

      Dazwischen gibt es noch die Marketingabteilungen, die dem Verbraucher "Bedürfnisse" einreden, die sie ohne das Produkt nie gehabt hätten.



      Warum ist es momentan ein moralisches Problem, wenn man darauf hinweist, dass Urlaub auf der anderen Seite des Planeten oder jeden Tag Fleisch auf dem Teller nicht zu den Grundrechten gehören?



      Der Markt sorgt dafür, dass die Menschen unterschiedlich viel Geld haben, aber dass sie damit auch unterschiedliche Lebensstile finanzieren können, das darf nicht sein?



      Es ist nicht der einzelne Verbraucher, sondern die Gesamtheit aus den Menschen, repräsentiert durch die Politik und gesteuert durch die Werbung, die den Markt regelt.



      Ja, man braucht kein Auto. Aber wenn sogar das Arbeitsamt darauf besteht, dass ein Arbeitsweg von einer Stunde als zumutbar gilt, was will der einzelne Verbraucher dagegen tun?



      Statt Moralisierung bräuchte es hier eine bessere Marketingstrategie. Aber Werbeleute werben immer für den, der am besten bezahlt.

    • Gerhard Krause

      @Sam Spade:

      Ich nutze einmal abgewandelt den Nick des anderen geschätzten Users - (das ist) Nonsens! Produkthaftung klebt zumindest am Hersteller. Sie können allenfalls noch Staaten - oh, charmant, das wollen wir ja schließlich - verantwortlich dafür machen, welchen Mist sie zulassen. Der Markt, ich brauche das sogar schon nur wörtlich aufzugreifen, ohne mich noch nicht einmal rechtlichen Inhalts über das Wort "regelt", oder die Unbestimmtheit des Wortes "Nachfrage" aufregen zu müssen, regelt überhaupt keine Nachfrage. Allenfalls sind Ressourcen dazu in der Lage. Mal zum Absch(l)uss eine Frage an den Autor des entsprechenden Kommentars: Wer baut denn das Flugzeug wie zusammen und stellt's hin?

    • Nansen

      @Sam Spade:

      Sie bedienen mit dieser Argumentation leider nur die altbekannte Ausredenmaschine "Markt".



      Dabei bleibt zudem gern der "Verbraucher" als Schuldiger zurück und als Nebeneffekt kann man sich zurücklehnen weil "man da ja nichts machen kann".



      Zum "Verbrenner" möchte ich nur sagen, dass hier die Politik - gerade in Deutschland - eine unrühmliche Rolle spielt.



      Die Strompreise und die Zusammensetzung des Stroms kann man dem Verbraucher auch nicht unbedingt zum Vorwurf machen.



      Und wenn es um die Verantwortung in Sachen fossiler Energien geht, sei an die Ölkonzerne erinnert, die seit den 70ern wissen, was passieren würde und alles daran setzten Klimaleugnungskampagnen in die Welt zu setzen.

      • Sam Spade

        @Nansen:

        Ich bediene lediglich die Forderung des Autors nach einem Klimagerichtshof, welcher die Verursacher in die Pflicht nimmt.

        Diese Kostenrechnung erfolgt nach dem Polluter-Pays-Principle, auch als Verursacherprinzip bekannt.

        Dieses besagt, das die gesamten sozialen Kosten einer ökonomischen Aktivität von denjenigen Wirtschaftssubjekten zu tragen sind die sie verursacht haben.

        Hierzu zählen auch die konsumbedingten Umweltauswirkungen. Auch diese müssten gemäß dem Polluter-Pays-Principle den Verursachern zugeordnet werden. Und nicht nur bei Unternehmen, auch bei Konsumenten ist zudem der Vermeidungskostenansatz zu berücksichtigen. Diesem liegt zu Grunde mit einem gesamtwirtschaftlich sparsamen Einsatz der Ressourcen zu wirtschaften. Da sind auch die Konsumenten mit gemeint.

        Allein wenn nur dieser Ansatz berücksichtigt wird, laufen ihre Erklärungen hinsichtlich Strompreise und Verbrenner ins Leere.

        Ein Ausgleich von Umweltschäden kann insofern nur demjenigen zugeordnet werden, der sie auch verursacht hat.

        Einen Ölkonzern können sie daher nur für Umweltschäden und -belastungen rechtlich verantwortlich machen, die bei der Förderung, der Verarbeitung und dem Transport entstehen.

        • Nansen

          @Sam Spade:

          Ich bin kein Jurist und zudem nicht der Auffassung, dass man alles und jeden Punkt streng juristisch auflösen kann. Aber egal.



          Ich finde, sie engen die rechtliche Haftung der Ölkonzerne auf Schäden aus Förderung, Verarbeitung und Transport ein – also auf die klassischen betrieblichen Umweltschäden, nicht auf die Emissionen aus der Verbrennung durch Endverbraucher. Nehmen wir Tobacco her:



          Bei Tabak hafteten die Hersteller ja gerade für Schäden aus der bestimmungsgemäßen Nutzung des Produkts (und Rauchen führt zu Krebs), weil die Konzerne die Risiken kannten und verschwiegen. Wendet man diese Logik konsequent an, müsste sie auch bei Öl für die Verbrennungsemissionen gelten – nicht nur für Förderschäden.



          Ich erinnere da nochmals an deren Wissen um die Auswirkungen und die Klimaleugnungskampagnen.