Strafen für Impf­schwän­ze­r:in­nen: Unsolidarisch und zynisch

Mag sein, dass Lauterbachs Forderung, Impfschwänzende zu bestrafen, keine Chance hat. Dennoch hat er Recht. Dieses Verhalten ist inakzeptabel.

Ein Kind wird geimpft

Wegen Impf­schwän­ze­r:in­nen muss Impfstoff weggeworfen werden Foto: David Young/dpa

Mag sein, dass die Forderung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, Impf­schwän­ze­r:in­nen zu bestrafen, keine reale Chance hat. Allein weil die dafür nötige Vorbereitung für eine Ordnungsstrafe oder eine andere finanzielle Konsequenz zu viel Zeit in Anspruch nimmt, um sie rasch umzusetzen.

Mag auch sein, dass der SPD-Mann aus einem Impuls des Ärgers heraus reagiert hat und einfach nur Druck aufbauen will. Denn die hochansteckende und sich auch in Deutschland ausbreitende Deltavariante kann Erfolge bei der Pandemiebekämpfung gefährden. Zur Aussicht auf ein baldiges Corona-Ende zählen in jeder Hinsicht Impfungen – von so vielen Menschen wie möglich.

Wenn diese aber ihren vereinbarten Impfterminen ohne Absage fernbleiben, verzögert das die Impfkampagne. Mitunter müssen Ärz­t:in­nen in den Praxen und den Impfzentren Impfstoff wegwerfen. Sicher nur in kleinen Mengen, aber vergeudet ist der kostbare Stoff dennoch. Das ist nicht nur unsolidarisch gegenüber jenen, die hierzulande noch immer auf einen Impftermin warten. Es ist auch zynisch angesichts des Impfstoffmangels in anderen Teilen der Welt.

Möglicherweise aber ist Lauterbachs Vorstoß unnötig. Derzeit mehren sich Stimmen, den Alltag für Ungeimpfte unbequemer werden zu lassen: weiterhin Schnelltests, bevor ein Restaurant, ein Geschäft, ein Kino betreten werden darf, ohne Impfung kein Einstieg ins Flugzeug, keine Einreise in ein Urlaubsland – so was.

Das mögen die Impf­kri­ti­ke­r:in­nen als „Impfpflicht durch die Hintertür“ verteufeln. Doch am Ende gefährden Ungeimpfte nicht nur sich selbst, sondern vor allem andere. Erkranken sie schwer, belasten sie zusätzlich das ohnehin derzeit stark beanspruchte Gesundheitssystem.

All jene, die ungeimpft bleiben, obwohl weder gesundheitliche noch medizinische Gründe dagegen sprechen, könnten auf lange Sicht die uneingeschränkte Solidarität der Gemeinschaft verlieren. Zu Recht: Sie selbst missachten mit ihrem Verhalten das Gemeinwohl.

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Ressortleiterin taz.de / Regie. Zuvor Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Germanistin, Slawistin, Journalistin.

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