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Reform der Riester-RentePrivate Altersvorsorge wird ungerechter

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Die Riester-Rente steht berechtigt in der Kritik. Doch die neue Idee der Bundesregierung für die private Vorsorge geht zu Lasten der Sparer:innen.

Wie viel können zukünftige Generationen für die Rente auf die hohe Kante legen? Foto: iamgo

U nion und SPD haben mit der Reform der privaten Altersvorsorge die Chance vertan, für mehr Gerechtigkeit im Alter zu sorgen. Zwar ist es richtig, dass sie dem Riester-Renten-Debakel ein Ende bereiten. Die Verträge sind nicht nur zu bürokratisch, vor allem kommt für Kun­d:in­nen dabei viel zu wenig heraus, um die von der damaligen rot-grünen Regierung 2002 gerissenen Rentenlöcher zu stopfen. Profitiert hat vor allem die Finanzbranche. Doch jetzt wird die alte Regelung abgelöst von einer neuen Förderung, die Zahlungskräftige mehr begünstigt als all jene, die es wirklich brauchen.

Bei aller Kritik an der Riester-Rente: Die Förderung war einkommensabhängig, Leute mit geringem Verdienst haben gemessen an ihren eigenen Zahlungen dank der Zulagen davon mehr profitiert als diejenigen mit hohen Einkünften. Diese Differenzierung fällt künftig weg. Der Staat wird Spare­r:in­nen unabhängig vom Einkommen bis zu einem Sparbetrag von 360 Euro pro Euro 50 Cent dazugeben. Bei einem Sparbetrag zwischen 361 bis 1.800 Euro sind es 25 Cent. Je mehr Geld Leute haben, desto mehr können sie für den Ruhestand zurücklegen und desto mehr bekommen sie vom Staat.

Die Angst vor Armut bleibt

Besonders gefördert werden müssen aber gerade jene, die es sich kaum leisten können, etwas fürs Alter auf die hohe Kante zu legen. Das Geld, das der Staat in die Förderung für die private Altersvorsorge steckt, wäre als Stütze kleiner Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung besser aufgehoben. Oder für die Finanzierung von Mindestrenten, von denen die Emp­fän­ge­r:in­nen leben können. Das würde vielen die Angst vor Altersarmut nehmen.

Das Risiko am Kapitalmarkt wird auf die Sparer:in­nen verlagert

Ver­brau­cher­schüt­ze­r:in­nen bejubeln die Reform. Vor allem aus einem Grund: Der Staat wird künftig selbst Vorsorgeverträge anbieten. Es soll sogenannte Standardprodukte geben, die einfach und günstig sind. Wie genau das funktionieren wird, ist noch unklar. Fest steht aber, dass die Kostenabzüge gedeckelt werden. Seit Jahrzehnten kämpfen Ver­brau­cher­schüt­ze­r:in­nen gegen die Abzocke der Finanzbranche, die mit intransparenten Verträgen zu viel Geld einsteckt.

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Die Hoffnung ist, dass die neuen Standardverträge zu guten Alternativen werden und Maßstäbe setzen. Aber: Die Finanzbranche darf weiterhin Verträge mit hohen Gebühren verkaufen – und das wird sie auch tun, wenn der Gesetzgeber nicht strengere Regeln erlässt. Abzocke ist für Ver­brau­che­r:in­nen schwer zu durchschauen. Deswegen brauchen sie mehr Schutz.

Doch gerade den Schutz fährt Schwarz-Rot zurück. Bei der Riester-Rente muss der Anbieter garantieren, dass mindestens die eingezahlten Beiträge und Zulagen erhalten bleiben. Bei den neuen Verträgen ist das anders. Kun­d:in­nen können nur zwischen Risikoklassen wählen. Damit verbunden ist das Versprechen, dass Bür­ge­r:in­nen so stärker von den Erträgen an den Kapitalmärkten profitieren können. Faktisch wird das Kapitalmarktrisiko aber auf sie verlagert. Das ist schlecht. Wer ohnehin eine geringe Rente erwartet, kann es sich nicht leisten, etwas von seinem wenigen Kapital zu verzocken.

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Anja Krüger
Parlamentskorrespondentin
Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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34 Kommentare

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  • Das Problem lässt sich nicht lösen.



    Die L ö s u n g wäre die staatliche Rente und dazu per Zwang Beamte und andere zu Einzahlern und Mitgliedern machen.



    Dazu ist diese Regierung nicht in der Lage.



    Ich vermute, dass es k e i n e Lösung sein wird, die hier ausgebrüttet wird. Es ist absurd, ein junger Mensch, der gerade eine Lehre beendet hat oder ein Bachelorstudium, muss eigenständig über ETFs und Fonds, mindestens €200 oder €300 zurück legen, damit er im Rentenalter überleben kann. Derjenige, der das selber macht, der fährt besser, als derjenige, der eine Riester-Rente oder ein anderes gefördertes System nimmt.



    Insofern wird das viel Streit um die Alternative zu Riester geben, weil Riester den Anspruch hatte die Lücke zum alten System zu schließen, das bedeutet meist eine ziemlich Große Lücke zu überbrücken, oftmals €400 bis €700.



    Und das funktioniert nicht, Riester funktioniert bei Menschen mit hohen Einkommen am besten, bei denen mit niedrigen Einkommen am Schlechtesten.



    Also im Grunde genommen, ein Fiasko.



    Dass die Merz-Regierung hier jetzt sozialpolitisch für faire Renten und ein würdevolles Alter eintritt, das glaube sicherlich nur Idioten.



    Es wird schlimmer werden.

  • Kann ich mir eigentlich künftig für einen bestehenden ETF Sparplan Geld vom Staat holen oder muss es ein Neuer sein?

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      „ Kann ich mir eigentlich künftig für einen bestehenden ETF Sparplan Geld vom Staat holen“.



      Natürlich nicht! Sie suchen sich also am besten einen Versicherer, dessen Produkt genau „ihren“ ETF enthält. Dem zahlen Sie erstmal fünf Jahre lang Eintrittsgeld (genannt Abschlussgebühr), dafür, dass Sie bei dieser hochkomplexen ETF-Sparplan-Sache überhaupt mitmachen dürfen, danach nimmt der Versicherer sich für seine hochkomplexe Tätigkeit (Durchführung eines Sparplans) jedes Jahr 1% aus ihrem Depotwert. Spätestens, wenn der Depotwert 54.000 Euro erreicht, kassiert der Versicherer den gesamten staatlichen Zuschuss zu ihrer Sparrate.

  • Der Artikel hat mit der Kritik an Riester, an der schwachen sozialen Zielgenauigkeit der neuen Förderung und an weiter möglichen teuren Produkten schon Punkte. Aber er überzieht. Es stimmt nicht, dass kleine Einkommen jetzt praktisch nichts mehr haben. Gerade kleine Beiträge werden stark bezuschusst. Stimmt auch nicht, dass es nur noch riskante Produkte gibt. Neben dem Depot sollen weiter Garantieprodukte und ein Standardprodukt mit klaren Regeln existieren. Auch die Formulierung, der Staat werde einfach selbst Verträge anbieten, ist so zu grob. Geplant ist ein öffentlich organisiertes Standardangebot, nicht einfach ein direkter Staatsvertrieb.

    Der Kern der Kritik ist also nachvollziehbar: sozial nicht treffsicher genug, weiter Lücken beim Verbraucherschutz, mehr Risiko ohne Garantie. Aber der Text macht aus jeder Schwäche gleich ein Totalversagen.



    Und diese deutsche Haltung zum Aktienmarkt bleibt einfach unerquicklich: Rendite wird hier seit Jahren mit Misstrauen betrachtet, während Kaufkraftverlust auf dem Konto als Seriosität gilt. Genau diese Angst hat Vermögensaufbau in Deutschland massiv ausgebremst.

    • @Eprom:

      Rendite auf der einen Seite wird erkauft mit ungenügend steigenden Löhnen, steigenden Preisen und steigenden Mieten. Oder woher sollen die Renditen kommen? Entweder werden die Kunden geschröpft oder die Mitarbeiter zu wenig an den Erlösen beteiligt.

  • Ist des jetzt pro Monat oder pro Jahr?

  • Schade, Monitor ARD wird vermutlich nicht über diesen Skandal mehr berichten, denn Georg Restle hört ja bei Monitor auf und geht nach Afrika.



    Wird uns sehr fehlen der Georg Restle, einer der wenigen die sich noch Mut und Courage im deutschen Fernsehen erhalten hatten.



    Alles Gute & viel Erfolg & Zufriedenheit in Afrika.

  • Es gibt in der ganzen Thematik leider einen blinden Fleck: wer sich privat absichern möchte und vor Erreichen des Rentenalters, warum auch immer, abhängig von Transferleistungen wird ist gesetzlich gezwungen, seine Altersvorsorge erst zu 'verzehren', wie es genannt wird, bevor er anspruchsberechtigt würde.

    Einzelfälle vielleicht, aber nur, weil es sehr viel unterschiedlich gelagerte Schicksale sind, die davon betroffen sind bzw sein können.



    Riester war die einzige Altersabsicherung, die Pfändungsschutz gewährte...

  • Wenn "Reiche" ihr Aktienvermögen exorbitant an der Börse vermehren, ist das böse...



    Bei der Rentenvorsorge ist es Zocken.



    Das soll ein er verstehen....

  • Die zahlreichen Versicherungslobbyisten haben bestimmt den Abgeordneten die Bude eingebrannt.

  • Bürger:innen und Staat spülen Geld in die Kassen der „Finanzindustrie". Klingbeil meets Blackrock. So geht das.

  • Der beste Schutz vor Altersarmut sind reiche Eltern. Alle anderen müssen für sich selbst sorgen. So ist an alle gedacht und niemandem geholfen. Ach ja, ich vergaß die Geldinstitute und Versicherungsgesellschaften. Da wird jetzt wieder der Schampus kalt gestellt.

    • @Anna Christl:

      Ich halte Bildung für wichtiger. Meine Eltern hatten kaum Geld, zu erben gab es nur sentimental values. Trotzdem geht es mir heute ziemlich gut. Bei meinen Bekannten und früheren Kollegen sieht es ähnlich aus. Rückblickend sind eher die Kinder aus betuchtem Elternhaus als verkrachte Existenz geendet. Das ist jetzt allerdings nur anekdotische Evidenz aus meinem Umfeld.

      • @Oma:

        Vor Bildung muss erst mal Erziehung kommen. Und da fängts schon an zu klemmen.

  • Wenn selbst Verbraucherschützer die Reform bejubeln, kann sie ja nicht ganz verkehrt sein. Wer sich selber umfassend informiert wird darüber stolpern, dass die Kosten von 1% zu hoch sind, da es nbieter gibt, bei denen die Kosten 90% geringer sind - also 0,1%.

    Allen die sowas vorhaben sei geraten: informiert euch vorab auf Verbraucherportalen wie finanztip.de und schliesst dann etwas ab (oder regelt eure Finanzen selber, auch das geht wenn man informiert ist), mit dem ihr ruhig schlafen könnt...

  • 1. Frage: Soll das Rentensystem tatsächlich NOCH ungerechter werden ?

    2. Frage: Sind die Gelder die einige Riester-Anbieter aus dem System gesaugt haben weg oder gibt es eine Chance ?

    3. Frage: Wir den abgezockten Einzahlern in die Riesterrente eine Möglichkeit geboten verlustfrei aus den Verträgen auszusteigen ?

  • Verstehe ich hier irgendwas falsch? Sie erklären:



    »Der Staat wird Spare­r:in­nen unabhängig vom Einkommen bis zu einem Sparbetrag von 360 Euro pro Euro 50 Cent dazu. Bei einem Sparbetrag zwischen 361 bis 1.800 Euro sind es 25 Cent.«

    Das bedeutet für mich, wenn ich weniger sparen kann, gibt der Staat einen höheren Betrag dazu, kann ich mehr weglegen, gibt er weniger.



    Das wäre doch fair.

    • @Christian Jabkowski:

      Wer nur 360€ sparen kann, bekommt 180€ dazu .



      Wer besser verdient und 1800€ sparen kann, bekommt 540€ dazu.



      Das "weniger" betrifft nur den Bereich von 361-1800€, der Finden Sie das immer noch fair?

      • @Frank N. Stein:

        Na ja. Wer später darauf stärker angewiesen ist, bekommt weniger. Der Sparbetrag hängt ja nicht allein vom Willen ab...

      • @Frank N. Stein:

        Und wer nur 180 Euro sparen kann, bekommt nur 90 Euro dazu. Wer nix sparen kann, Null Euro. Alles so unfair!

    • @Christian Jabkowski:

      Der absolute Zuschuss beträgt bei:

      360 € Sparbetrag: 360 * 50 ct = 180 €



      1800 € Sparbetrag: 360 * 50 ct + (1800 - 360) * 25 ct = 540 €

      Wer ein gutes Einkommen hat und ohnehin mehr Rücklagen bilden kann bekommt also mehr als doppelt soviel Geld vom Staat wie jemand der ohnehin knapp ist und wirklich auf Unterstützung angewiesen ist.

  • Geplant ist aber auch, dass Langzeitarbeitslose auch erst ihre Altersvorsorge (bis auf einen kleinen Rest) aufbrauchen müssen, bevor sie Anrecht auf Grundsicherung haben. Es müsste gesichert sein, dass die Altersvorsorge eine Altersvorsorge bleibt und nicht dazu dient, die Ausgaben für die Grundsicherung der Arbeitslosen zu mindern, aber gleichzeitig damit zu erreichen, dass die Anzahl der Rentner, die Grundsicherung benötigen, zu erhöhen.

    Wer in diese Falle tappt, wird sich ärgern, das Geld nicht in Urlaub oder sonstiges gesteckt zu haben. Da hätte man wenigstens etwas davon gehabt.

  • Die gesamte Idee Rentengeld am Kapitalmarkt anzulegen ist Unfug.

    • @nutzer:

      Generationenvertrag weitermachen in einem demographischen Pilz, das scheint viel unsinnigen.

      • @Tom Farmer:

        Das Geld muss immer von zukünftigen Generationen erarbeitet werden. Auch bei Kapitaldeckung.

    • @nutzer:

      Machen andere Länder schon seit Jahrzehnten, aber der Deutsche glaubt ja immer der Schlauste von allen zu sein.

    • @nutzer:

      Ja, besser lässt man es von der Inflation auffressen.

  • Mich wuerde interessieren, wie das Ganze spaeter steuerlich behandelt wird und was passiert, wenn man stirbt. Der Teufel wird wie bei Riester im Detail stecken.

    Ich lass jedenfalls die Finger davon. Privat heisst fuer mich eben, dass der Staat nicht im Spiel ist. Und in der Regel faehrt man damit immer besser.



    Heutzutage kann jeder kostenlos ein Depot eroeffnen, ein ETF-Sparplan kostet ebenfalls keine oder kaum Gebuehren. Durch den Irankrieg bietet sich ein guenstiger Einstiegszeitpunkt. Und nicht vergessen: Kleinvieh macht auch Mist.

    • @elektrozwerg:

      „ Heutzutage kann jeder kostenlos ein Depot eroeffnen, ein ETF-Sparplan kostet ebenfalls keine oder kaum Gebuehren.“



      Dazu ein Freibetrag von 6000 Euro für Kapitalerträge, jährlich um die Inflationsrate erhöht, dann kann, bei ungeschmältertem Zinseszinseffekt, jede(r) seine Zusatzrente kostengünstig selbst ansparen. Oder das Eigenkapital für eine Immobilie, ohne dass der Staats schon in der Ansparphase ständig die Hand aufhält.



      Aber daran verdient die Versicherungsbranche nichts, also wird das nicht passieren.

      • @Barbara Falk:

        @ Barbara Falk



        War doch jedem klar, dass es so kommen musste, haben wir doch schließlich einen BlackRocky als Kanzler von unseren Parlamentariern gewählt bekommen. In den USA liegt die Altersversorgung doch auch in BlackRock Hand - aber so schamlos schnell ist der Friedrich Merz damit, wer hätte es gedacht - wa ?

        • @Alex_der_Wunderer:

          Ich habe Verständnisprobleme bei ihrer Antwort.



          Halten Sie das, was ich geschrieben habe, für Ironie? (war es nicht).



          Haben Sie etwas gegen eigenverantwortliche Geldanlage?



          Halten Sie Black Rock für einen Versicherer?

          • @Barbara Falk:

            Ergänzung, nachdem ich mir meinen ersten Beitrag nochmal durchgelesen habe:



            Ich hätte schreiben sollen, „jeder, der das möchte“.



            Der Staat sollte die GRV stärken und nicht mit Steuergeldern die Versicherungsbranche pimpern.

            • @Barbara Falk:

              Das sehe ich auch so: staatliche Zuschüsse sollten in die gesetzliche Rente gehen, nicht in die private Vorsorge.