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Besorgte Bürger, eskalierende Gewalt: Proteste im beschaulichen Loosdrecht vor der Asylunterkunft Foto: Remko de Waal/ANP/imago

Rechtsradikale BewegungHollands Hassbürgertum

In den Niederlanden nehmen Proteste gegen Asylunterkünfte zu. Die Demonstrierenden nennen sich „besorgte Bürger“. Ein Ortsbesuch.

Aus Loosdrecht und Hellevoetsluis

Tobias Müller

A ls die Dämmerung über Loosdrecht fällt, erklingt die zweite Polizeidurchsage. Alle Anwesenden werden aufgerufen, nach Hause zu gehen, ansonsten werde der Platz vor der Notunterkunft mit Gewalt geräumt. Der Wasserwerfer steht in Position, Polizeibusse riegeln das Gebäude ab. Ein Demonstrant mit dunkler Kapuze baut sich in einiger Entfernung vor den Polizisten auf. „Für wen steht ihr dort? Für euer eigenes Volk, eure Familie, eure Kinder?“, ruft er ihnen entgegen. „Niederlande den Niederländern! Das eigene Volk geht vor!“

Es ist Mittwoch, der 13. Mai. Vor dem früheren Rathaus der Kommune, in dem nun für ein halbes Jahr 70 junge Asylbewerber untergebracht werden, gilt eine Notverordnung: Tagsüber ist der Aufenthalt dort beschränkt, nachts zur Sicherheit der Bewohner ganz verboten. Am Vorabend stand hier eine wütende Menge. Rund 400 Personen, die „AZC weg ermee!“ – Asylheim weg damit – skandierten, und „wir sind die Niederlande!“. Irgendwann flogen Fackeln und Feuerwerkskörper über den Zaun, Sträucher, die Hecke, ein hoher Baum fingen Feuer, die Flammen schlugen vor dem Gebäude empor.

Teile der Menge versperrten der Feuerwehr zunächst den Zugang. Trotzdem konnte sie den Brand löschen, bevor er auf das Gebäude übergriff. Von den ersten 15 Asylbewerbern, die am selben Tag dort angekommen waren, und mehreren Be­treue­r*in­nen wurde niemand verletzt. Die Bilder der meterhohen Flammen vor der Fassade tauchten in allen Nachrichtensendungen und auf jeder Titelseite auf. Loosdrecht, knapp 10.000 Einwohner*innen, gelegen an einer romantischen Seenplatte wie aus einem Hollandbilderbuch, ist zum Symbol für die immer heftigeren Proteste gegen Asylunterkünfte geworden.

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Apeldoorn, Den Haag, IJsselstein, Uithoorn bei Amsterdam, Hellevoetsluis bei Rotterdam – Orte, in denen An­woh­ne­r*in­nen in letzter Zeit gegen Asylunterkünfte auf die Straße gingen. In Den Bosch führten Feuerwerkskörper Anfang Mai zu einer Explosion an einem Gebäude, das als Notunterkunft vorgesehen ist. Der Bürgermeister von Lisse, bekannt für seine bunten Tulpenfelder im Frühjahr, erhielt vor einigen Monaten eine Morddrohung von Geg­ne­r*in­nen eines geplanten Wohnheims. Regelmäßig werden Po­li­zis­t*in­nen bei den Protesten mit Steinen oder Feuerwerkskörpern beworfen.

Idylle mit Hassvibes

Hört man sich vor Ort um, stößt man häufig auf Aussagen wie die eines Mannes um die 30, der mit umgehängtem Megafon und ins Gesicht gezogener Kapuze vor der Unterkunft steht. „Wir sind besorgte Bewohner, die Loosdrecht verteidigen wollen.“ Zum Brandanschlag will er sich nicht äußern und seinen Namen für sich behalten. Misstrauen gegenüber Journalist*innen, vor allem solche, die man den sogenannten Mainstreammedien zuordnet, ist bei den AZC-Protesten ausgeprägt. Gegen wen das Dorf verteidigt werden soll? „Gegen das Pack hier hinter uns“, sagt er und weist auf das Wohnheim. „Sie kamen auf dem Weg hierher durch genügend andere Länder. Wegen des Verteilungsgesetzes haben wir sie nun hier.“

Seit dem Brand sind inzwischen fast 48 Stunden vergangen. Am Vorabend beendete der Wasserwerfer den Protest. Jetzt ist es Nachmittag. Bis 18 Uhr darf demonstriert werden. Etwa 100 Personen stehen dort, Frauen, Männer, auch einige Kinder, mit einem großen Aufgebot rot-weiß-blauer Landesfahnen.

Hass auf zwei Rädern: „Asylunterkünfte müssen weg“ steht auf dem Schild Foto: Tobias Müller

Ein Auto hält vor ihnen an, die Fahrerin lässt das Fenster herunter und ruft der Menge etwas von „Faschisten“ entgegen. Umgehend wirft ein Mann ihr sein Telefon in die Heckscheibe, die krachend birst. Die Frau steigt aus, empört. Sogleich wird sie von wütenden De­mons­tran­t*in­nen beschimpft und bedroht, sodass sie es vorzieht, sich zu entfernen.

Für den Mann mit dem Megafon, nennen wir ihn Freek, ist all dies die Schuld der Kommune. Seit 23 Tagen demonstrierten die Loos­drech­te­r*in­nen hier, berichtet er. Genauer gesagt, seit der Interimsbürgermeister reichlich kurzfristig bekanntgab, dass 110 junge Asylbewerber im leerstehenden alten Rathaus untergebracht werden sollten. Viele Menschen im Dorf fühlten sich übergangen. Junge Männer im Wohnheim, diese Vorstellung löst überall im Land Sorge um die Sicherheit von Frauen und Mädchen aus. Ende April fand in Loosdrecht erstmals ein „Frauenmarsch gegen das AZC“ statt.

Gut vernetzt in rechten Kreisen

Auf Freeks Kapuzenpullover steht ein Schriftzug, der in diesen Tagen überall im Dorf zu sehen ist: Defend Loosdrecht. „Eine Nachbarschaftsvereinigung, die wir vor einigen Wochen gegründet haben, um friedlich zu demonstrieren“, erklärt er. Genauso präsentiert sich auch die Gruppierung Defend Netherlands, deren Ak­teu­r*in­nen seit einer großen Demonstration gegen Zuwanderung im September in Den Haag überall auftauchen, wo gegen Asylunterkünfte demonstriert wird. An zahlreichen Orten bildeten sich lokale Defend-Gruppen. Freek betont, dass sie alle unabhängig voneinander operieren. „Direkte Verbindungen zu Defend Netherlands gibt es nicht, aber einzelne Mitglieder unterhalten sicher welche.“

Defend Netherlands selbst weist das Label rechtsextrem entschieden zurück. Auch Keet Meines, die in letzter Zeit als Sprecherin der Gruppe in Erscheinung trat, betont, man habe „nichts gegen die Asyl­be­wer­be­r*in­nen an sich, sondern nur gegen das System. Dagegen, dass so viele Leute hier reinkommen und ihr Leben von unserem Geld fortsetzen wollen“. Laut Meines kann Defend Netherlands auf „30.000 Teilnehmer“ zählen. Die Zahl lässt sich nicht verifizieren, doch klar ist, dass die jeweiligen lokalen Kundgebungen mit ein paar Hundert Ak­ti­vis­t*in­nen die Speerspitze einer breiteren Bewegung sind.

Meines ist an diesem Tag nach Loosdrecht gekommen, um die Protestierenden zu unterstützen. Sie ist eine auffällige Erscheinung, in blauem Kleid, schwarzer Samtjacke mit Landesfahne am Ärmel, um den Hals eine Kette mit Kreuzanhänger. Über die Grundlagen von Defend Netherlands möchte sie nichts sagen. Stattdessen unterstreicht sie: „Es geht um das System. Ich bin einfach eine Bürgerin, die gegen das kämpft, was sich hier abspielt.“

Eine Recherche des Rundfunksenders KRO-NCRV zeigte zuletzt, dass die Bewegung in rechtsextremen Kreisen gut vernetzt ist und in internen Chatkanälen auch entsprechende Rhetorik und Symbolik verwendet wurde. „Seit dem 20.September 2025 waren Defend-Mitglieder bei 21 der 29 Anti-AZC-Demonstrationen präsent“, machte das Investigativformat des Senders, „Pointer“, im März bekannt. Erkennbar seien diese durch entsprechende Kleidung und Symbole. Vor der Notunterkunft in Loosdrecht sind Schriftzug und Logo mit Stadtwappen und niederländischer Flagge allgegenwärtig.

Nicht alle sind rechtsextrem

Auch für Sarah de Lange, Professorin für niederländische Politik an der Universität Leiden und spezialisiert auf den Aufstieg der radikalen und populistischen Rechten, ist klar, dass die Proteste ein Tummelplatz rechtsextremer Ak­teu­r*in­nen sind. „Sie haben sich insofern intensiviert, als dass sie in mehreren Kommunen gleichzeitig stattfinden und es eine deutliche Anwesenheit von Organisationen wie Defend Netherlands gibt“, erklärt sie Mitte Mai telefonisch. „Auch das Maß der angewendeten Gewalt eskaliert, wobei die Ereignisse von Loosdrecht der Tiefpunkt sind.“

Die sprichwörtlichen besorgten Bürger*innen, die an den Demonstrationen teilnehmen, hätten häufig sehr ablehnende Meinungen über Migration, nuanciert de Lange, seien jedoch nicht zwangsläufig rechtsextrem. „Doch sie gehen auch nicht deutlich auf Abstand zu Akteur*innen, die das zweifellos sind und die auch bei diesen Protesten auftauchen. Das sagt wiederum viel aus über die Normalisierung von Rechtsextremismus, die wir in den Niederlanden erleben.“

Vor dieser Tendenz warnte de Lange erst im März, als die Alt-Right-lastige Partei Forum voor Democratie bei den Kommunalwahlen starke Gewinnen erzielte. In der Praxis lässt sie sich am 1. Mai in Loosdrecht erleben. Der Tag der Arbeit ist in den Niederlanden kein Feiertag, doch die De­mons­tran­t*in­nen gegen das AZC, das zu diesem Zeitpunkt noch leersteht, treibt es trotzdem auf die Straße. Ein Protestzug aus dem nahen Hilversum nach Loosdrecht ist angekündigt.

Selbsternannte Verteidiger des Abendlandes in Loosdrecht Foto: Mouneb Taim/Anadolu Agency/imago

Beinahe idyllisch legt sich das Licht des Frühlingsabends über die Prozession. Niederländische Fahnen wehen aus Autos und an Pick-up-Ladeflächen. Auf einem grünen offenen Traktor sitzt ein Bauer im rotkarierten Hemd, links von ihm seine Tochter mit Strohhut, rechts der Sohn, der die eine Hand auf die Schulter des Vaters legt und mit der anderen eine Stange mit niederländischer Fahne umklammert. Mit einem Defend-Loosdrecht-Banner, das hinter dem Bauern flattert, fahren sie der untergehenden Sonne entgegen.

Billige Gassenhauer mit KI

Asyldebatte in den Niederlanden

Das Gesetz: Anfang 2024 führten die Niederlande das sogenannte Spreidingswet ein. Es sieht vor, Asyl­be­wer­be­r*in­nen gleichmäßig über das Land zu verteilen. Kommunen sind demnach dazu verpflichtet, Unterkünfte bereitzustellen. Die rechtspopulistische Partij voor de Vrijheid (PVV), von 2024 bis 2025 treibende Kraft einer rechten Koalition in Den Haag, wollte es wieder abschaffen, doch die Regierung fiel schneller, als sie ihren Plan umsetzen konnte. Die heutige Mitte-rechts-Regierung hält am Gesetz fest.

Die Zahlen: 2025 ersuchten 24.073 in den Niederlanden um Asyl. 2024 waren es 32.175 – ein Rückgang um 25 Prozent, EU-weit waren es 19 Prozent. Obwohl die Zahl der Anträge von Sy­re­r*in­nen deutlich sank, sind sie noch immer die größte Gruppe – knapp vor Eritreer*innen. Laut dem niederländischen Centraal Bureau voor Statistiek (CBS) reisten im letzten Jahr 16.500 Angehörige anerkannter Geflüchteter mittels Familiennachzug ein – 39 Prozent mehr als 2024.

Der Diskurs: Vor allem die PVV hetzt seit Jahren in rabiatem Ton gegen Asylsuchende, ihr Chef Geert Wilders rief die Bevölkerung bereits 2015 zum „Widerstand“ gegen Unterkünfte auf. 2022 sprachen sich 69 Prozent der Teilnehmenden einer Umfrage für einen vorübergehenden Asylstopp, also das Aussetzen jeglicher Anträge, aus. Mit dem Versprechen der „härtesten Asylpolitik aller Zeiten“ landete die PVV 2023 einen Erdrutschsieg. Bei den Neuwahlen 2025 unterlag sie der liberalen D66 knapp. Tobias Müller

Um die hundert Fahrzeuge hat ein Polizist gezählt, vielleicht dreimal so viele Personen nehmen an dem Umzug im Schrittempo teil. Noch deutlich mehr Menschen säumen die Strecke bis Loosdrecht, jung und alt, Mädchen, Jungen, Eltern, Großeltern. Etwas Erwartungsvolles hängt in der Luft, aber auch fröhliche Kirmesstimmung. Kinder winken den Vorbeiziehenden zu, überall stampfen billige landestypische Beats aus Lautsprechern. Ein Refrain klingt dabei wieder und wieder aus den Autofenstern: „Wir sagen nee, nee, nee zum AZC, genug ist genug, voll ist voll, weg damit!“

Das Lied ist das bekannteste eines Genres, das im Zuge der AZC-Demonstrationen immer beliebter geworden ist: KI-generierte Gassenhauer mit eingängigen Melodien und Texten zu „Überfremdung“ und „Verteidigung von Land und Familie“. Der Verfasser von Nee nee nee tegen het ACZ“, der sich JW Broken Veteran nennt, hat es zu landesweiter Bekanntheit gebracht, seit seine musikalische Visitenkarte im Herbst an der Spitze der hiesigen Streaminglisten stand.

JW Broken Veteran, der sich im Herbst gegenüber der Boulevardzeitung Telegraaf als 40-jähriger Afghanistanveteran mit posttraumatischer Belastungsstörung aus Rotterdam ausgab, betont, er sei kein Extremist. Vor dem Gitterzaun des Asylheims in Loosdrecht, an dem neben Anti-AZC-Aufklebern auch zwei von Kindern bemalte Pappschilder mit der Aufschrift „AZC weg damit!“ befestigt sind, taucht Mitte Mai ein Mann auf, der mit JW Broken Veteran zusammenarbeitet. Vaderlandsliefde NL“ nennt sich das Projekt. „Wir sind keine politische Gruppe, es geht um Musik über Politik, Zuwanderung, Klima, Wohnungsnot mit Hilfe von KI.“

Auch dieser Mann will anonym bleiben. Doch er hat eine Visitenkarte von Vaderlandsliefde bei sich. Der QR-Code darauf führt zu einer Streamingliste. Darauf sind Titel wie „Niederlande im Widerstand“, „Nenn mich halt rechtsextrem“ oder „Fickt euch, linke Arschlöcher“ zu finden. In „Der Streit ist noch nicht gestritten“ heißt es: „Sie wollen, dass wir vor ihrer woken Agenda auf die Knie gehen“ und: „Patrioten sind Rassisten, Faschisten voller Hass, weil sie kämpfen für unsere Frauen auf der Straße“.

Frauengruppen gegen Asylbewerber

Der Fokus auf die Sicherheit von Frauen ist bei den AZC-Protesten in den letzten Monaten deutlich in den Vordergrund gerückt. Inhaltlich erinnert dies an das identitäre Frauenkollektiv Nemesis in Frankreich oder die nationalistische britische Bewegung Raise the Colours, die immer wieder betonen, nicht nur das Vereinigte Königreich, sondern auch ihre „Frauen und Kinder“ gegen die Flüchtlingsboote, die über den Ärmelkanal kommen, zu verteidigen.

In den Niederlanden klingt in solcher Argumentation ein nicht allzu fernes, doch inhaltlich verzerrtes Echo der Demonstrationen gegen Femizide und für die Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum mit, die letzten Sommer durch viele Städte zogen. Die Bewegung reichte von feministischen linken Gruppierungen wie Dolle Mina bis weit in die bürgerliche Mitte. In diesem Frühjahr hat das Thema, freilich aus einem sehr spezifischen Blickwinkel, die Anti-AZC-Bewegung erreicht. Dolle Mina äußert sich kritisch über „rassistische Vorurteile“.

Vier Tage nach dem Brand von Loosdrecht ist in Hellevoetsluis, einem Städtchen südwestlich von Rotterdam, ein Frauenmarsch angekündigt. Etwa 100 Personen, vorwiegend, aber bei Weitem nicht nur Frauen, haben sich vor dem Rathaus versammelt, trotz eisigen Windes und Regenschauern. Die Stimmung ist wesentlich ruhiger als in Loosdrecht, doch aus einem Lautsprecher klingen auch hier die bekannten patriotischen KI-Weisen. Eine Frau, die anonym bleiben will, berichtet von Bewohnern des Asylboots, das in der Nähe am Anleger liegt, die Frauen belästigt hätten. Dann verweist sie an „Miranda“, die mehr zum Inhalt des Marschs sagen könne.

Miranda van Driel, Unternehmerin und Kommunalpolitikerin aus Hellevoetsluis mit roten Locken, wird in der Lokalpresse als Organisatorin der Veranstaltung erwähnt. Gegenüber internationalen Medien möchte sie sich jedoch nicht äußern. „Ich glaube den Massenmedien nicht.“ Wenig später erklärt sie in ihrer Rede: „Wir sind nicht gegen alle Asylsuchenden, nur gegen alleinstehende Männer.“ Andere Elemente ihrer Ansprache erinnern an die feministischen Demos des Vorjahrs: etwa Whatsapp-Berichte, in denen Frauen besorgten Angehörigen mitteilen, dass sie nach dem Ausgehen wohlbehalten zu Hause angekommen sind. „Oder der Moment, wenn deine Tochter sagt, dass sie abends lieber abgeholt werden will, als alleine aufs Fahrrad zu steigen.“

Proud Boy als Frauenbeschützer

Als der Marsch sich in Bewegung setzt, wird er von einigen Männern in rosa Westen begleitet. Sie sollen die Sicherheit der Teilnehmenden gewährleisten und gehören der Verbindung für Freiheit an, die in Hellevoetsluis zu Pandemiezeiten gegen die Coronamaßnahmen gegründet wurde. Einer von ihnen trägt unter der Weste eine schwarz-weiße Tarnjacke und einen verwaschenen Kapuzenpullover mit „Proud Boys“-Logo.

Ganz vorne halten Miranda van Driel und einige Mitstreiterinnen ein Banner. „Sind unsere Frauen und Kinder noch sicher?“, steht darauf. Dahinter ragen selbst gemalte Schilder in die Höhe. „Wir sind der Chef in den Niederlanden“, heißt es dort, und: „Das eigene Volk geht vor“. Vor 20 Jahren gehörte dieser Slogan im niederländischen Sprachraum eindeutig zum Repertoire der völkischen Rechten. Heute wähnen sich die, die ihn im Munde führen, in der Mitte der Gesellschaft.

Inwieweit das zutrifft, ist eine Frage der Perspektive. Die mehreren Tausend Menschen, die in Utrecht letzte Woche nach einem Aufruf von unter anderem den feministischen Dolle Minas und Extinction Rebellion gegen die gewaltsamen AZC-Proteste demonstrierten, repräsentieren einen großen Teil der Bevölkerung, die diese entschieden ablehnen. Dem gegenüber steht, dass Parolen wie „Die Niederlande sind voll“ weithin Zustimmung finden und die Forderung, keine Asylanträge mehr anzunehmen, gar mehrheitsfähig ist.

Rob Jetten, der Premierminister, hat unterdessen die Angriffe auf Asylunterkünfte verurteilt und harte Strafen angekündigt. Bart van den Brink, der christdemokratische Minister für Asyl und Migration, sagte, der Nachrichtendienst AIVD werde untersuchen, inwieweit die AZC-Ausschreitungen organisiert seien. In Uithoorn, einer Kleinstadt bei Amsterdam, hat sich für diese Woche der Rechtspopulist Geert Wilders angekündigt, um die dortigen Proteste gegen ein Asylheim zu unterstützen.

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68 Kommentare

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  • In der Tat, ziemlich unsympathisch, diese niederländische "besorgten Bürger:innen".



    Festzuhalten bleibt aber auch, dass das erschreckende Maß an mörderischer rassistischer Gewalt, das wir hierzulande erleben, in den Niederlanden bei Weitem nicht erreicht wird ...

  • Ist spannend und erschreckend, wie sich ein zutiefst liberales Land wie die Niederlande in einem Vierteljahrhundert in ein ausländerhassendes, rassistisches und zu signifikanten Teilen rechtsradikales Land verwandeln konnte, in dem Gewalt gegen Leute, die nicht rechtsradikal bzw. nicht "weiß" sind, im besseren Fall mit einem Schulterzucken quittiert wird.

    • @Kaboom:

      Die Liberalität der Niederlande war immer schon oft nur Gleichgültigkeit zwischen manchmal stark unterschiedlichen Milieus, aus denen sich die gesamtgesellschaft zusammensetzt. Es gab in dieser Hinsicht aber wenigstens einen Grundkonsens dieser Milieus. Wenn nun Communities erscheinen, die diesen Konsens nicht teilen, sorgt das für Schwierigkeiten.

  • Ich finde es fast schon amüsant, dass sich holländische Männer, die sich vielleicht "gestern" noch gegen den Generalverdacht der Gewalt gegen Frauen stemmten, nur weil sie Männer sind, "heute" junge Männer aus fernen Ländern, nur weil einige von ihnen nicht wissen, wie man sich benimmt, allesamt aus dem Land jagen möchten.



    Da kann man ja gleich das Kind mit dem Bade ausschütten!

    • @Il_Leopardo:

      Ja aber man kann eben genauso "gut" andersherum argumentieren: Wenn patriarchale Strukturen das pure Böse und Männer generell schlecht sind, dann wäre es objektiv eine Verbesserung für die Lage der Frauen in den Niederlanden, wenn möglichst wenige Männer - und vor allem möglichst wenige Männer aus reaktionär patriarchalen Kulturen - im Land sind.

      Das ist halt die Krux mit den Pauschalisierungen.

      • @Chris McZott:

        Frage - Wohin schicken wir die holländischen Reaktionäre?

    • @Il_Leopardo:

      Pauschalierung und Stigmatisierung hilft in keinem Fall wirklich weiter, aber sagen Sie das mal den braunen Schlaumeiern (egal welcher Nationalität), da kann man auch den Ochs ins Horn petzen.

      • @FtznFrtz:

        Mit dem Gedanken der „Remigration“ appellieren die Rechten stets an die niederen Instinkte - ob nun in Holland oder hierzulande. Statt für menschenwürdige Unterbringung zu sorgen und so Kriminalität zu verhindern, möchte man die armen Menschen am liebsten in Massen wegschicken.

        • @Il_Leopardo:

          Remigration ist ja ein Euphemismus, es geht konkret um Vertreibung, im Übrigen weit über die Flüchtlinge im engeren Sinne hinaus, die Papiere sind alle bekannt, der Sellnersche Mist wurde ja nie von der AfD konterkariert, im Gegenteil.

        • @Il_Leopardo:

          Das Problem mit menschenwürdiger Unterbringung bedeutet bei Wohnraummangel aber auch gleichzeitig eine gewisse Begrenzung ungeregelter Migration. Mit diesen Vorschlägen werden Sie aber aus einer anderen politischen Ecke gleich mit zu den Rassisten gezählt.

          • @Zippism:

            Der immer gleiche Mist, den Sie da leider auch runterbeten. Es gibt ein Problem in Deutschland, zum Beispiel Wohnungsnot, Lehrermangel usw.



            Die Rechtsextremen nehmen das als Argument für den Abwehr von Migration, es reicht ja schon für die Deutschen nicht. Als wären die Probleme nicht hausgemacht, gehörten ohnehin gelöst und mitnichten Schuld der Migranten.



            Wir sind schon noch ein hoch entwickeltes Industrieland, das mit den Flüchtlingen überfordert sein soll. War schon 2015 nicht so, als in einem Jahr eine Million gekommen sind. Das Problem ist lösbar, es fehlen politischer Wille und leider auch politische Skrupel.

          • @Zippism:

            Darüber kann man diskutieren. Aber nicht über Rassismus.

  • Manchmal wundere ich mich, ob diese Menschen verstehen, dass die heutige Immigration zumeist indirekte Konsequenz des europäischen Kolonialismus, und später westlichen Neokolonialismus, ist. Aber ich vermute es ist wohl zuviel verlangt von Menschen, welche auf stumpfe, populistische Propaganda reinfallen, zu erwarten, dass sie geschichtliche Zusammenhänge und die Verbrechen der eigenen Ahnen intellektuell erfassen.

    • @Okti:

      >die heutige Immigration zumeist indirekte Konsequenz des europäischen Kolonialismus<

      Nahezu alle Herkunftsländer haben hohe Geburtenraten. Wenn sich die Bevölkerung alle 25 bis 30 Jahre verdoppelt sind Irgendwann mehr Menschen im Land als das Land ernähren kann. Die fehlenden Perspektiven in den Herkunftsländern dürfte die Hauptursache der Migrationsbewegung sein.

    • @Okti:

      Es geht bei der neuen Ausländerfeindlichkeit IMO gar nicht um Migration. Es geht auch nicht um "andere Kulturen", was der aktuelle Agitprop-Begriff des rechten Randes ist. Der Beweis ist, dass osteuropäische Arbeitnehmer während der Brexit-Kampagne Gegenstand des Hasses der Rechten waren. Es geht – wie immer – um eine beliebige Minderheit, die random auserkoren wird, Schuld an "allem" zu sein.

    • @Okti:

      Ich halte Ihre Analyse für falsch, dazu ist die koloniale Vergangenheit doch zu lange her, es sei denn, Sie meinen damit vor allem die niedrige Sprachbarriere.



      Ich glaube vielmehr, dass die Migration ein Zeichen für den wirtschaftlichen Aufschwung aktuell in Afrika (Digitalisierung) und zuvor im Nahen Osten (Öl) ist, so wie die meisten Deutschen das Dt. Reich während der schon rasch gallopierenden Industrialisierung Richtung USA verlassen haben. Denn eine Flucht nach Europa zu 8.000 bis 15.000 EUR muss man sich schlussendlich auch erst einmal leisten können, ansonsten reicht das Geld nur bis zum Nachbarland.

    • @Okti:

      Seltsam, dass aus der ehemaligen niederländischen Kolonie Indonesien mit ihren über 200 Millionen Menschen so wenig Immigranten nach Europa kommen.

    • @Okti:

      Die Niederlande ist eines der liberalsten Länder in Europa (gewesen). Der Anstieg der Drogenkriminalität, Geldautomatensprengungen (gerne auch in Deutschland), Banden-/Clankriminalität sorgt dafür, dass die Menschen auf die Straße gehen. Nutznießer sind die Rechten, wie auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Solange die Ängste der Menschen runtergespielt und relativiert werden, wird sich hier nichts ändern.

      • @Ahnungsloser:

        Es gibt in NL keine Automatensprengungen. Drogenkriminalität gibt es dort seit 50 Jahren und mehr, Bandenkriminalität - wie in jedem anderen Land - schon immer.



        Was sehr schön zeigt, was das reale Problem ist.

        • @Kaboom:

          Die Sprengungen in den Niederlanden sind weniger geworden, da Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt wurden. Deswegen wurde das in die Nachbarländer verlagert.

      • @Ahnungsloser:

        "Liberal" - man muss es wertschätzen und darf es nicht missverstehen.

    • @Okti:

      Also die nicht mal 30 Jahre französische Kolonialherrschaft über Syrien - aber nicht die vorherige 300jährige Herrschaft der Türken !! - führt dazu, dass Millionen Syrer nach Deutschland eingewandert sind?

      • @Chris McZott:

        Nicht zu vergessen die 700-jährige Herrschaft Roms/Konstantinopels. Oder die der Perser oder der Seleukiden.

      • @Chris McZott:

        Warum sollte die einstige Herrschaft der Türken über Syrien dazu führen, dass Millionen Syrer nach Deutschland einreisen?!

    • @Okti:

      Europäische Kolonien im heutigen Syrien oder Afganistan wären mir neu. Zudem: Wie lange darf etwas zurückliegen um noch als Ausrede herhalten zu können?

      • @Samvim:

        Afghanistan: Briten und Russen

      • @Samvim:

        "Wie lange darf etwas zurückliegen um noch als Ausrede herhalten zu können?"

        Diese Frage allein zeigt schon wie wenig Verständnis Sie von geschichtlichen Zusammenhänge haben. Ich habe auch keine Lust und Zeit Ihre Bildungslücke zu schließen.

        Es ist auch etwas makaber, dass Sie ausgerechnet Afghanistan erwähnen. Ereignisse von vor ein paar Jahren scheinen Ihnen auch schon zu lange zurückzuliegen.

        Aber Sie haben Glück. Sie brauchen nicht allzuweit zurückschauen. Auch heutzutage beuten westliche Unternehmen, gestützt durch unfaire Handelsabkommen, dessen ungünstige Bedingungen die westlichen Staaten selber geschaffen haben, Länder des globalen Südens aus. Auch gebahren sich Länder wie Frankreich immer noch wie Kolonialherren in einigen afrikanischen Staaten. Kann mensch auch wissen, da die Informationen zur Verfügung stehen.

        Ah, übrigens, Immigration nach Europa findet nicht nur aus Syrien, ehemalig eine französische Kolonie, und Afghanistan statt, aber das ist Ihnen wohl entgangen.

      • @Samvim:

        Syrien hatten Frankreich und England unter sich aufgeteilt, siehe Sykes-Picault. Afghanistan, auch wenn nicht offiziell kolonialisiert, hat 30+ Jahre Stellvertreterkrieg hinter sich, weil den USA nicht passte, dass man sich dort eher kommunistisch sah - die Taliban sind damals von Amerika massiv unterstützt worden. Deren Regierung jetzt ist eine direkte Folge westlicher Intervention.

        • @ANonnyMouse:

          In Afghanistan sah man sich nicht "eher kommunistisch".

          Schon die Sowjets wollten da nicht wirklich rein.

          Sie erkannten nur, dass ein zerfallener Staat für sie noch schlimmer ist.

          Die Amerikaner brauchten zu der Erkenntnis länger.

          Die Anerikaner haben die Taliban nicht " massiv unterstützt ".

          Die USA haben die Volksmujaheddin unterstützt, aus denen die heutigen Warlords hervorgingen.

          Die Taliban sind aus Saudi-Arabien, VAE und Pakistan massiv finanziert worden.

          Bin Laden ist nicht zufällig nach Afghanistan gegangen.

          Ohne diese Unterstützung gäbe es die Taliban heute nicht.

          • @rero:

            Die Volksmujaheddin sind eine Oppositionsgruppe im Iran. Ansonsten: Mudschaheddin kommt von Dschihad.

  • Überall in Europa die selben Parolen, der selbe Hass, die selben Ängste, die selben Taten!



    Der Hass verlässt endgültig die virtuelle Welt der asozialen Medien. Wann endlich werden die Tech-Faschisten in ihre Grenzen verwiesen? Boykott wäre schon mal eine Lösung, um sich nicht aufhetzen zu lassen!

  • Bin auch Vater von Töchtern und wer sich als Elternteil Sorgen macht, wenn eine Aufnahmeeinrichtung für junge Männer aus Afghanistan und Co in der Nachbarschaft aufgemacht wird, ist kein Rechtsextremist.



    Die Rechten können die berechtigten Sorgen der Anwohner auch nur deshalb so gut instrumentalisieren, weil wir uns dafür entscheiden haben alle praktischen Probleme aus ideologischen Gründen für nichtexistent zu erklären. Sowas funktioniert aber immer nur auf Zeit. Sobald die Wirtschaft schwächelt und die Menschen echte Sorgen haben, fällt einem die Strategie dann maximal auf die Füße.

    • @Šarru-kīnu:

      Das Augenmerk abzulenken vom randalierenden rechten Mob („Niederlande den Niederländern! Das eigene Volk geht vor!“„wir sind die Niederlande!“ „Gegen das Pack hier hinter uns“) hin zu den als gefährlich und gewaltbereit etikettierten Migranten - obwohl wenig elegant funktioniert's immer wieder, das sieht man an den Antworten auf Ihren Post.

      Der Begriff "Sorgen" oder "besorgt" verbrämt nur noch schlecht die rassistischen Ressentiments gegen Geflüchtete, die sich in den europäischen Bevölkerungen immer mehr verbreiten. Dagegen hilft nur mehr Begegnung mit realen Menschen und weniger Ausgrenzung und vielleicht einfach mal der Versuch eines Perspektivwechsels. Stellen Sie sich vor, Sie wären derjenige, der in einem Wohnheim sitzt, vor dem ein Mob randaliert. Wie würden Sie sich fühlen?

      • @Klabauta:

        …anschließe mich - das ist alles so lausig daß es echt wehtut

    • @Šarru-kīnu:

      Ich höre Sie, aber ich kann nicht ganz folgen. Denn ich habe viele afghanische Mandanten und erlebe sie durchgehend als gepflegt und zuvorkommend, wenn auch sprachlich sehr unbeholfen, klar. Ich gebe Ihnen zwar zu, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Mandanten ihren Anwalt vergewaltigen, das würde recht wenig Sinn ergeben. Andererseits wünschte ich mir, dass sie Ihre dumpfen Befürchtungen mit etwas mehr verlässlichen Zahlen unterfütterten. Die Kriminalstatistik nämlich weist bei Berücksichtigung von Geschlecht und Alter tatsächlich keinen messbaren Unterschied zu Biodeutschen auf, wobei allerdings innerhalb der Statistik tendenziell Deutsche eher durch Gewaltdelikte auffallen, Afghanen eher durch Drogendelikte.

      • @hedele:

        Meine praktischen Erfahrungen im Frauenleben:



        Erst in der Familie und dann von deutschen Männern bin ich verbal und körperlich belästigt worden.

      • @hedele:

        Ihre Beobachtungen stehen ja nicht im Widerspruch zu denen Ihres Vorredners, es kann ja beides richtig sein: Kein statistischer Unterschied in Bezug auf Sexualstraftaten wenn alle sozioökonomischen Faktoren berücksichtigt werden UND Anlass zur Sorge, wenn in der Nachbarschaft eine Unterkunft für junge Männer aufgemacht wird, die nun mal in Bezug auf eben jene sozioökonomischen Faktoren besonders schlecht dastehen.

        Das ist ein Punkt, der mich allgemein stört in vielen Debattenbeiträgen, die viel zu oft schwarz-weiß sind. Festzustellen, dass Flüchtlinge in vielen Bereichen der Kriminalstatistik überrepräsentiert sind ist ebenso richtig (und eben keinesfalls rassistisch) wie darauf hinzuweisen, dass es nicht an deren Genen liegt, sondern eben an sehr vielen, verschiedenen Faktoren. Die Frage ist nicht und kann nicht sein, ob Flüchtlinge nun bessere oder schlechtere Menschen sind (in erster Linie sind sie Menschen), sondern sollte vielmehr darum gehen wo die Kapazitätsgrenze liegt bis zu der eine vernünftige Integration gelingen kann unter Anerkenntnis das Ressourcen (von Wohnraum über Sprachkurse bis hin zu Psychologen) endlich sind.

    • @Šarru-kīnu:

      Sich Sorgen machen oder mit einem fackeltragenden, gewaltbereiten Mob eine Unterkunft angreifen sind schon zwei Paar Schuhe würde ich mal sagen

      • @PartyChampignons:

        Dies zu verwischen ist exakt die Absicht des rechten Randes.

    • @Šarru-kīnu:

      Im ersten Abschnitt Ihres Kommentares reproduzieren Sie rassistische Vorurteile, die keinerlei faktische Basis haben. Die meisten sexuellen Übergriffe geschehen im privaten Umfeld. Es gibt keine Statistik, die aussagt dass Männer mit Migrationshintergrund über repräsentiert sind. Das einzige was stimmt: Not all men, but always men

      • @Barbara Hinkelmann:

        Das stimmt so nicht! Die polizeiliche Kriminalstatistik besagt, dass Männer mit Migrationshintergrund in Bezug auf die Gesamtbevölkerung in Bezug auf sexuelle Gewalt gegen Frauen deutlich überrepräsentiert sind.

      • @Barbara Hinkelmann:

        Das ist jetzt ja wohl auch etwas verkürzt.

        Noch vor 20 Jahren galt es gerade unter Grünen und Linken als vollkommen ausgemacht, dass Kultur ein entscheidender Faktor beim Verhalten ist. Deswegen gab es z. B. Urteile, bei denen "Ehrenmördern" beim Strafmaß zugute gehalten wurde, dass sie aus ihrer Binnensicht eben gerechtfertigt handelten.

        Mittlerweile ist es bei genau denselben Leuten absolut tabu, Kultur auch nur IRGENDEINE Rolle beim Verhalten zuzusprechen (mit Ausnahme von positiven Aspekten wie Gastfreundschaft und der deutschen Kultur...)

        Afghanistan, Pakistan und Indien gelten als mit die schlimmsten Länder, um eine Frau zu sein. In Indien wird unumwunden zugegeben, dass die lokale Kultur ein massives Problem mit Frauenhass hat. Afghanistan erklärt sich wohl von selbst.

        Aber Sie behaupten nun, es gäbe nicht die geringsten Indizien dafür, dass ein Haus voller junger, beschäftigungsloser Männer, die sich in einem Land wiederfinden, in dem Frauen eine für sie unvorstellbare Freiheit genießen und in dem ihre kulturellen Tabus wie freizügige Kleidung und Nacktheit jeden Tag gebrochen werden, irgendwie zu Problemen führen könnte?

        • @Suryo:

          "Mittlerweile ist es bei genau denselben Leuten absolut tabu, Kultur auch nur IRGENDEINE Rolle beim Verhalten zuzusprechen (mit Ausnahme von positiven Aspekten wie Gastfreundschaft und der deutschen Kultur...)"

          "Kultur" ist nichts weiter als der aktuelle Modebegriff am rechten Rand, nachdem "Rasse" irgendwie nicht mehr so gut als nicht-rechtsextremistisch zu verbrämen ist.

          "Aber Sie behaupten nun, es gäbe nicht die geringsten Indizien dafür, dass ein Haus voller junger, beschäftigungsloser Männer, die sich in einem Land wiederfinden"

          Da ist Ihnen offenbar aus Versehen ein klitzekleines Stückchen Wahrheit durchgerutscht.

          "in dem Frauen eine für sie unvorstellbare Freiheit genießen und in dem ihre kulturellen Tabus wie freizügige Kleidung und Nacktheit "

          Und nun ein kleines Stückchen Selbstentlarvung. Afghanistan war in den 50ern und 60ern bezüglich Annäherung an den Westen wesentlich "weiter" als heute. Als die Sowjetunion einmarschierte, finanzierten die USA religiöse Extremisten, die Mujaheddin massiv. Deren Nachfolger sind die Taliban. Ohne die USA gäbe es diese Leute als Machtfaktor nicht. Ähnliches gilt für den Iran, Indien und Pakistan

          • @Kaboom:

            Natürlich prägt Kultur das Verhalten.

            Männer- und Frauenbilder, die Einstellung zu Sex, zu Alkohol, was auch immer: natürlich ist das kulturgeprägt. Was denn sonst?

            Würden Sie nicht zustimmen, dass zB Afghanen gastfreundlicher sind als Deutsche? Das ist auch Kultur, und das würde niemand bestreiten. Im Gegenteil, gerade unter Linken ist es seit Jahrzehnten Sitte, den Deutschen mehr „mediterrane Gelassenheit“ oder was weiß ich zu empfehlen. Das kann doch kein Mensch bestreiten.

            Und es mag ja in Kabul in den 60ern eine winzige liberale Elite gegeben haben, davon zu sprechen, dass die afghanische Gesellschaft in der Breite und gar auf dem Land irgendwie progressiv gewesen sei, ist aber völlig absurd. Die Burka wurde nicht erst von der CIA erfunden.

        • @Suryo:

          Sie hätten meine Zustimmung, wenn sie auch gleichzeitig sagen würden, dass der meist hohe Alkoholspiegel zusammen mit traditionell hoher Gewaltbereitschaft und zudem noch an Videospielen antrainierter Enthemung ein großes Problem bei biodeutschen Jugendlichen darstellt. Wenn Sie schon negative kulturelle Einflpsse anprangern, dann bitte auch richtig und bei allen.

      • @Barbara Hinkelmann:

        Wie schaffen Sie es, so einen Kommentar zu veröffentlichen, der behauptet, ein anderer Kommentar hätte keine Faktenbasis?

        Und gleichzeitig steht Ihr eigener Kommentar diametral den Fakten gegenüber.

      • @Barbara Hinkelmann:

        "Im ersten Abschnitt Ihres Kommentares reproduzieren Sie rassistische Vorurteile, die keinerlei faktische Basis haben"



        Keinerlei faktische Basis?



        Syrer und Afghanen sind in der Kriminalitätsstatistik, insbesondere im Bereich der Gewalt- und Sexualdelikte, in Deutschland deutlich überproportional vertreten als Deutsche, siehe Daten des BKA.



        Worauf Sie vielleicht hinauswollen, ist, dass diese Überrepräsentation stark mit soziologischen Faktoren zusammenhängt. Der Großteil der Tatverdächtigen dieser Gruppen besteht nunmal aus jungen Männern, zudem spielen Faktoren wie ein unsicherer Aufenthaltsstatus, Perspektivlosigkeit und die Sozialisierung allgemein vom gewalttätigen Patriarchat bis Kriegszustände im Herkunftsland eine Rolle.



        Das ändert aber alles nichts daran, dass von dieser Gruppe eine klar höheres Gefahrenpotential ausgeht.



        So lange der Staat und seine Institutionen dafür nicht genügend psychologische Betreuung und Sozialarbeiter aufbringen können, kann die Lösung nur darin liegen, nicht mehr aufzunehmen als man betreuen kann.



        Andernfalls haben wir auch bald italienische oder niederländische Verhältnisse, ganz einfach.

      • @Barbara Hinkelmann:

        Interessant, wie schnell aus „Sorge eines Vaters“ in Ihrer Replik ein ideologischer Offenbarungseid wird – inklusive Standard-Baukasten: „rassistische Vorurteile“, fertig ist die moralische Schublade.

        Nur ersetzt Etikettenkleben leider keine Argumente. Dass die meisten sexuellen Straftaten im sozialen Nahraum stattfinden, ist keine Meinung, sondern statistischer Mainstream. Trotzdem wird hier so getan, als hätte jemand behauptet, es gäbe eine Excel-Tabelle „Afghanistan = Gefahr“. Hat aber niemand.

        Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2023 zeigt für den Bereich „Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexueller Übergriff“ einen Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger von rund 37 % – bei einem Bevölkerungsanteil, der deutlich darunter liegt. Das ist keine Meinung, sondern Statistik.

      • @Barbara Hinkelmann:

        Statistiken sagen, dass ca. 40% der Täter Migrationshintergrund haben. Bei einem Anteil von 15% an der Gesamtbevölkerung. Also ich finde schon, dass man von einer Überrepräsentation sprechen darf

        • @Ahnungsloser:

          Die Frage ist nur, ob man da Äpfel mit Birnen vergleicht. Oder, um's mal ganz flach zu sagen: Ein Rentner, der seinen Lebensabend im Seniorenheim verbringt, tendiert nun mal weniger zu Gewalttaten als ein 20-Jähriger.

      • @Barbara Hinkelmann:

        Tatsächlich sind Ausländer in den Statistiken zu Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung überrepräsentiert. Das liegt aber, und das wird beim Hetzen gern übersehen, an anderen Faktoren als deren Herkunft. Da ist die Isolation, die erzwungene Langeweile, das Fehlen von Privatsphäre und Selbstbestimmung, die Ablehnung von vornherein, nur weil man Mann ist (oder werden will, sind ja oft noch Teenager) und schwarz, dann das Fehlen eines sozialen Umfelds, der Familie, und nicht zuletzt auch der Fakt, dass Ausländer sehr viel eher angezeigt werden als Onkel Günther. Und die Story von "war doch nur Spaß" wird halt nur von Thomas akzeptiert, nicht von Achmed, da ist das gleiche Vorgehen dann eben sexuelle Belästigung.

        • @ANonnyMouse:

          Das was sie dort als (zum Teil richtige) Erklärung schreiben, gilt für jeden Kriminellen und Nazischläger genauso...

          • @Chris McZott:

            Für all die schwarzen, in Sammelunterkünfte gesperrten, auf ihre Arbeitserlaubnis wartenden, Tausende Kilometer von Familie und gewohntem sozialen Umfeld getrennten, von strukturellem Rassismus betroffenen Kriminellen und Nazischläger trifft das zu. Für die anderen Nazischläger, also die in der Realität, ist das natürlich kompletter Unsinn.

      • @Barbara Hinkelmann:

        Würden Sie so auch Übergriffe deutscher Nazis relativieren?

        "Es gibt keine Statistik, die aussagt dass Männer mit Migrationshintergrund über repräsentiert sind." Das stimmt übrigens nicht...

      • @Barbara Hinkelmann:

        Äh Entschuldigung, Ich würde Ihnen empfehlen Ihre Aussage zum Thema Statistiken zu überfrüfen.



        Es gibt genügend davon aus den letzten Jahren.

      • @Barbara Hinkelmann:

        Äh - doch die gibt es.

        Die PKS.

        Da liegt beispielsweise 2023 der Anteil von Tätern mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit bei Vergewaltigungen, sexuelle Übergriffe und sexuelle Nötigung bei gut 37%.

        Und da sind Leute mit Migrationshintergrund und deutscher Staatsangehörigkeit - Sie sprechen ja von "Männer mit Migrationshintergrund" - nicht mal drin enthalten.

        Einfach googeln.

        Dass die Taten überwiegend im Nahbereich stattfinden, macht nichts wirklich besser, außer Sie wollen den Opfern eine Mitschuld geben.

        Soziale Faktoren soll eine wichtige Rolle spielen.

        Asylbewerberaufnahmeeinrichtungen vereinen diese Faktoren in sich.

        Man kann diese Zahlen unterschiedlich bewerten, sie problematisieren oder nicht.

        Aber es gibt sie nun mal.

        • @rero:

          Die PKS gibt Auskunft über Tatverdächtige, nicht über Verurteilungen. Und nur über die Taten, die angezeigt werden oder auf diecdie Polizei von sich aus stößt.

    • @Šarru-kīnu:

      Und wenn eine vom Jugendamt geförderte Wohngemeinschaft für deutsche junge Männer in der Nähe aufgemacht wird - machen Sie sich dann auch Sorgen um Ihre Töchter?

      • @Il_Leopardo:

        Wenn die unter den gleichen Bedingungen gehslten werden wie die Asylbewerber - ja.

        • @ANonnyMouse:

          Immerhin geben Sie zu, dass mögliches Fehlverhalten etwas mit der Art der Unterbringung zu tun haben könnte. Wer Menschen wie Tier hält, muss sich nicht wundern, wenn einige davon sich am Ende wie Tiere benehmen. Ich sage "einige", denn die meisten bleiben anständig - egal, ob nun deutsch oder nicht-deutsch.

          • @Il_Leopardo:

            Die Frage der Unterbringung ist eng mit der Frage verknüpft, wie viele Menschen ein System tatsächlich unterbringen, versorgen und integrieren kann. Wenn Zuwanderung in kurzer Zeit auf ein Niveau trifft, das mit dem verfügbaren Wohnraum, Personal und den Strukturen nicht mehr sinnvoll bewältigt werden kann, entstehen zwangsläufig Überlastungssituationen – mit allen bekannten Folgen für das Zusammenleben.

            Das hat weniger mit Herkunft oder „Verhalten“ einzelner Gruppen zu tun, sondern mit Kapazitätsgrenzen. Genau deshalb ist es politisch notwendig, Zuwanderung so zu steuern und zu begrenzen, dass Unterbringung und Integration realistisch und geordnet möglich bleiben. Nur so lassen sich problematische Bedingungen vermeiden, die Konflikte überhaupt erst begünstigen.

            • @Zippism:

              Und wenn die Zahl der Migranten abnimmt, werden die Unterkünfte geschlossen. Sie glauben doch nicht, dass dann pro Kopf mehr Geld ausgegeben wird.

              • @Francesco:

                Es geht nicht darum, ob „pro Kopf mehr Geld ausgegeben“ wird, sondern ob Systeme planbar funktionieren. Unterkünfte werden nicht geschlossen, weil Menschen weniger wert wären, sondern weil sie für akute Notsituationen geschaffen wurden. Dauerhafte Integration findet ohnehin nicht in Sammelunterkünften statt, sondern in regulärem Wohnraum, Bildung und Arbeit.

                Wenn Zuwanderung besser gesteuert wird, lassen sich Ressourcen gezielter einsetzen: weniger Notlösungen, weniger Überlastung, mehr Verlässlichkeit für Kommunen und für die Menschen selbst. Das ist kein Sparargument, sondern ein Organisations- und Integrationsargument.

            • @Zippism:

              "Wenn Zuwanderung in kurzer Zeit auf ein Niveau trifft, das mit dem verfügbaren Wohnraum, Personal und den Strukturen nicht mehr sinnvoll bewältigt werden kann, entstehen zwangsläufig Überlastungssituationen – mit allen bekannten Folgen für das Zusammenleben."

              Die Flüchtlinge wurden 2015ff an den Grenzen in Busse gesetzt, irgendwo anders wieder ausgeladen, und den betroffenen Städten und Gemeinden beiläufig mitgeteilt, dass die Flüchtlinge nun das Problem eben dieser Städte seien. Die Arbeit haben dann Ehrenamtler übernommen.



              Relevante Anteile der Probleme sind also dem Komplettversagen des Herrn Demaiziere und seinem Verwaltungsapparat zu verdanken. Weder gab es Konzepte oder Pläne, noch hat man sich - zumindest mehr als ein Jahr - an die neue Situation angepasst.

              • @Kaboom:

                Genau das bestätigt meinen Punkt. Die Überlastung entstand nicht „naturwüchsig“, sondern durch politisches und administratives Versagen. 2015 ff. wurde Zuwanderung faktisch nicht gesteuert, sondern improvisiert weitergereicht – an Länder, Kommunen und letztlich an Ehrenamtliche.

                Dass es dafür weder ausreichende Konzepte noch funktionierende Strukturen gab, ist ein Versäumnis der damaligen Bundesregierung und insbesondere des Innenministeriums unter Thomas de Maizière.

                Gerade diese Erfahrung zeigt doch: Hohe Zuwanderungszahlen ohne Planung, Wohnraum, Personal und Zuständigkeiten führen zwangsläufig zu Überforderung – unabhängig von der Hilfsbereitschaft vor Ort. Daraus folgt nicht Abschottung, sondern die Notwendigkeit, Zuwanderung realistisch zu steuern, statt Kommunen erneut in Notlagen zu bringen.

    • @Šarru-kīnu:

      Das ist genau das Problem. Wer aus ideologischer Überzeugung tatsächliche Missstände nicht ernst nimmt, weil sie statistisch nicht das eigene Narrativ stützen, der stärkt den Anreiz der Volksverhetzer.

      • @Metallkopf:

        Regiert hat damals Frau Merkel. Deren zuständige Minister hatten keine "ideologische Überzeugung", sondern waren schlicht unfähig.

      • @Metallkopf:

        Ja dieser Kommentar ist wunderbar Bildlich. Jemand macht sich Sorgen, diese Sorgen sind in Wahrheit auch statistisch Belegt (bei dieser Art Straftaten sind Migranten überrepräsentiert), und es wird dann einfach so getan als hätte er überhaupt keinen Grund zur Sorge.



        Das ist langsam wirklich Lächerlich.



        Wäre ja fast Lustig, wenn es nicht so Gefährlich wäre...