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Merz über Gewalt von MännernBleiben oder gehen?

Derya Türkmen

Kommentar von

Derya Türkmen

Kanzler Merz macht fragwürdige Aussagen über Gewalt und Migration. Daraufhin fragt sich die Oma unserer Autorin, was das für ihr Leben hier bedeutet.

„Alle sagen immer, die AfD, das seien die Nazis, die seien das Problem. Aber der Kanzler redet doch genau so“, sagt meine Großmutter Foto: Annegret Hilse/reuters

D as Telefon klingelt. Meine Großmutter ist dran. „Warum sagt er so was? Warum sind denn wieder die Migranten schuld?“, fragt sie. Gemeint ist Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Worte über „explodierende“ Gewalt von Männern in Deutschland, über einen „beachtlichen Teil“ von Zuwanderern, die diese Gewalt ausübten.

Er hat es im Bundestag auf die Frage gesagt, wie er sich zu der Debatte über Gewalt an Frauen im Internet äußern möchte. Aufgekommen ist die Debatte wegen der Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Bei den Vorwürfen geht es um digitale Gewalt, um das Erstellen von Fake-Profilen und pornografischen Deepfakes, aber auch um körperliche Übergriffe.

Es geht dabei um Macht, Grenzüberschreitungen und Verantwortungsübernahme. Migration spielt in diesem konkreten Fall keine erkennbare Rolle. Merz nimmt diesen gesellschaftlichen Moment, in dem man eigentlich überlegen sollte, wie Gewalt entsteht und sie verhindert werden kann, zum Anlass, um über Migration und Zugehörigkeit zu sprechen. Was bei meiner Großmutter ankommt: das Gefühl, wieder gemeint zu sein.

Sie kamen in den 1970er-Jahren nach Deutschland, wie viele andere. Haben gearbeitet, Familien gegründet, sich ein Leben aufgebaut. Leise und unspektakulär. Für Jahrzehnte leben sie in einer Kleinstadt in Niedersachsen, Fachwerkhäuser, ein ruhiger Alltag.

Auch in den Kleinstädten hat sich was verändert

Heute ist dort politische Realität, dass 27 Prozent die AfD wählen und 28 Prozent die CDU. Auch dort, sagen meine Großeltern, hat sich etwas verändert. Im Ton, im Blick, im Umgang. Deutschland war für sie nie eine offene Frage. Jetzt ist es eine. Verbunden mit Unsicherheit, die sich in dem Anruf meiner Großmutter zeigt: Warum sagt er so was? Was bedeutet das jetzt? Was kommt als Nächstes?

Denn bei solchen Aussagen kommen Erinnerungen auf. Erfahrungen, die sich eingeprägt haben. An die 90er-Jahre, an Brandanschläge von Mölln und Rostock-Lichtenhagen. Die Angst ist nicht neu, sagt meine Großmutter. Aber sie fühlt sich heute anders an.

Diffuse Angst

Die Angst hatte früher ein klareres Gegenüber. Täter, die benannt werden konnten, Ereignisse, die – so erschütternd sie waren – als Ausnahme galten. Was sich jetzt verändert, ist subtiler. Nicht mehr nur die Tat zählt, sondern der Ton. Die Verschiebung vom Einzelfall zur Verallgemeinerung. Wenn Gewalt pauschal mit Migration verknüpft wird, entsteht kein differenziertes Bild, sondern ein Klima – eines, in dem sich auch diejenigen angesprochen und mitgemeint fühlen, die mit dem konkreten Anlass nichts zu tun haben.

Mein Großvater spricht inzwischen vorsichtiger. Leiser. Überlegt, wann er Deutsch spricht.

Und mehr noch: Es entsteht ein Deutungsrahmen. Die Einteilung in gute und schlechte Migranten. Ein Muster, das politisch immer wieder genutzt wird – Menschen werden nach „nützlich“ und „problematisch“ sortiert. Auch innerhalb migrantischer Communitys wirkt das. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Zugehörigkeit, sondern darum, sich von anderen Mi­gran­t:in­nen abzugrenzen – die von der weißen Mehrheitsgesellschaft als „die anderen“ markiert werden. Meine Großeltern können sich dieser Logik nicht entziehen. Sie wissen, dass sie gemeint sein könnten – oder irgendwann vielleicht sogar gemeint sind.

Keine abstrakte Debatte

Mein Großvater spricht inzwischen vorsichtiger. Leiser. Überlegt, wann er Deutsch spricht und wann nicht, erzählt meine Großmutter am Telefon. Es sind kleine Verschiebungen im Alltag, kaum sichtbar – und doch entscheidend. Sie selbst sagt es einfacher: Man will ja nicht negativ auffallen. Und plötzlich steht eine Frage im Raum, die jahrzehntelang keine war: bleiben oder gehen?

Es ist keine abstrakte Debatte mehr. Es ist ihr Alltag. Denn genau das zeigt politische Sprache: Sie verschiebt nicht nur Debatten, sondern auch Lebensrealitäten.

Am Ende bleibt ein Satz meiner Großmutter, ruhig, aber bestimmt: „Alle sagen immer, die AfD, das seien die Nazis, die seien das Problem. Aber der Kanzler redet doch genau so, damit die Leute ihn weiterhin wählen. Dann ist die CDU doch auch ein Teil dieses Problems, oder etwa nicht?“

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Derya Türkmen
Ist seit Oktober 2023 bei der taz, schreibt am liebsten über Gesellschaftthemen, Filmpolitik, Migration und die türkische Diaspora in Deutschland. Hat TV- und Filmproduktion in Hamburg, Angewandte Medien in Mittweida studiert, sowie Asian Cinema und TV-Broadcast in Ayr/Schottland.
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47 Kommentare

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  • Grüße an die Großmutter, sie hat leider recht.



    In der CDU geben die Reaktionären und Postfaschisten aktuell den Ton an.



    Bzw. bestimmen die Tonlage in der gejault wird.



    Und entweder bilden sie auch die Mehrheit in der Partei oder den Anderen ist es einfach egal (oder sie verstehen es nicht), dass ihre Partei gerade zur Vernichtung der freiheitlich demokratischen Grundordnung mißbraucht wird.

  • Ist es denn wirkliche eine Alternative für Ihre Großeltern in die Türkei zugehen? Bei dort herrschen politischen Verhältnissen. Nationalismus, Unterdrückung der Opposition u. v. m

  • Friedrich Merz ist nun einmal Friedrich Merz, der ändert sich auch nicht mehr. Außerdem ist Friedrich Merz 'blackrockmäßig' unterwegs, da kann er sich nicht auch noch um "Frauenprobleme kümmern.

    Der Mann hätte niemals Bundeskanzler werden dürfen, aber jetzt haben wir ihn nun einmal an der Backe und müssen das Beste daraus machen. Man kann eigentlich nur noch hoffen, dass Merz nicht auch noch mit der AfD demnächst Händchenhaltend durch Deutschland läuft.

  • " Bei den Vorwürfen geht es um digitale Gewalt, um das Erstellen von Fake-Profilen und pornografischen Deepfakes, aber auch um körperliche Übergriffe. " letztlich hat Herr Merz doch erreicht, was er wollte. Es wird von vielen jetzt wieder über Migration gesprochen und nicht über sein Versagen bei den Themen, um die es in diesem Fall eigentlich geht ...

    • @Otto Buchmeier:

      Man kann von ihm allerdings auch nicht erwarten zu differenzieren, wenn man selbst gern pauschalisiert. Und das haben bei dem gerade aktuellen Fall doch sehr viele...

  • Sind fragwürdige Aussagen des Kanzlers eigentlich noch eine Schlagzeile wert??

  • Herr Merz, es ist Fernandes, die einen "Zuwanderer"hintergrund hat. "Ulmen" klingt eher nach Rheinland-Pfalz. Fragen Sie aber immer gerne mal Ihre Frau oder so.



    Es ist der missratene Kontext Ihres Satzes, ich dachte, Sie könnten eigentlich reden, oder war das nur als Opposition?



    Tipp: Rufen Sie das nächste Mal zu anständigem Verhalten auf (Unionswählers lieben solche Wörter), und zwar alle. Danach können Sie für verschiedene Gruppen erarbeitete Ideen benennen, wenn Sie das denn für nötig halten. Erarbeitet, Herr Merz. Sie dürfen gerne erarbeiten. Nicht nur Reden schwingen, wo Ihnen der Sauerländer Klepper wieder mal durchgeht.

  • Ihre Oma hat vollkommen Recht, Frau Türkmen. Ich bitte Sie zu bleiben. Es ist schrecklich: Nachbarn die sich nicht mehr grüßen, Kontakte beenden, wegen Vorwürfen im Alltag, wegen Kleinigkeiten. Etwas ausleihen? Nein! nicht mehr.



    Die Volksverhetzung wirkt.



    Merz ist ein eingefleischter Rassist und seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf steigert er eher als dass er irgendwo nachgibt. Genauso agiert die Rechtsfront bei allen anderen Angriffen. Als ob sie durch diese Angriffe Gelder einsparen würden: Demokratie-Bildung 200 Initiativen, Buchhandlungen von der Liste streichen, Deutschkurse, Asylrechtsberatung.



    Allein die Subventionen für die Bayreuther Festspiele jedes Jahr liegen viel höher als alle diese kleinen Beträge zusammen.



    Kalter Zynismus - um die Serie von Angriffen mit Messern und Fahrzeugen 2023-25 geht es schon lange nicht mehr.



    Das Feindempfinden ist so wie bei den Rechtsradikalen in den USA: "ehrenrührig" - das verlangt nach Duell. taz.de/Reaktion-au...ernandes/!6165977/



    Merz' Gehabe ist so überheblich wie es die neue autoritäre Front als selbstverständlich empfindet.

  • Es ist eine infame Verdrehung der Tatsachen: Bundeskanzler Friedrich Merz nutzt das Leid von Frauen, um sein rassistisches Narrativ der „explodierenden Gewalt durch Zuwanderer“ zu befeuern. Wer so tut, als sei Gewalt gegen Frauen ein Importgut, betreibt eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr und verhöhnt jede Frau, die in diesem Land Opfer von struktureller, männlicher Gewalt wird – egal, welcher Pass im Spiel ist.



    ​Statistiken zeigen unmissverständlich: Der gefährlichste Ort für Frauen ist nicht der Park mit „fremden Gesichtern“, sondern das eigene Zuhause. Die Täter sind Väter, Ehemänner und Ex-Partner aus der Mitte der Gesellschaft. Merz’ Fokus auf Migranten ist kein Schutz für Frauen, sondern purer Populismus, der vom echten Problem ablenkt: einem tief verwurzelten Patriarchat, das auch in deutschen Wohnzimmern zuschlägt. Wer Gewalt gegen Frauen nur dann thematisiert, wenn er sie gegen Minderheiten ausschlachten kann, dem geht es nicht um Sicherheit, sondern um Spaltung. Echter Frauenschutz braucht mehr Frauenhausplätze und finanzielle Unabhängigkeit, keine rassistischen Nebelkerzen eines Kanzlers, der den Feminismus für seine Zwecke missbraucht!

    • @amigo:

      "​Statistiken zeigen unmissverständlich: Der gefährlichste Ort für Frauen ist nicht der Park mit „fremden Gesichtern“, sondern das eigene Zuhause. Die Täter sind Väter, Ehemänner und Ex-Partner aus der Mitte der Gesellschaft."

      Nur schließt das eine das andere nicht aus, denn auch migrantische Männer sind Väter, Ehemänner und Ex-Partner.

      Und wenn man sich die Zahlen der Frauenhäuser anschaut und wer dort leider Zuflucht suchen muss, der wird feststellen, dass migrantische Frauen auch hier weit überrepräsentiert sind. Zu Leugnen, dass die Migrantenwellen auch Probleme nach Deutschland bringen ist kein guter Ratgeber. Fühlt sich zwar von Links gut an, ist aber halt genauso Falsch wir Migranten zum Wurzel allen Übels zu erklären.



      Es gibt Gewaltprobleme durch die Migration, das ist schlicht nicht zu leugnen!

      • @Walterismus:

        Ah ne, mit solchen Statistiken kommen Sie nicht weit. Hat auch einen rassistischen Unterton der Kommentar

      • @Walterismus:

        Deine Argumentation ist ein klassisches Ablenkungsmanöver: Wer die Überrepräsentation migrantischer Frauen in Frauenhäusern als Beleg für ein „Migrantenproblem“ anführt, ignoriert bewusst die sozialen Realitäten. Migrantische Frauen suchen dort nicht Zuflucht, weil ihre Männer „migrantisch“ sind, sondern weil sie oft über kein stabiles soziales Netz, keine eigene Wohnung oder gesicherten Aufenthaltsstatus verfügen – Faktoren, die Abhängigkeiten zementieren.



        ​Gewalt gegen Frauen auf die Herkunft zu reduzieren, ist wohlfeiler Kulturpaternalismus. Er dient nur dazu, den „biodeutschen“ Schläger im Reihenhaus moralisch zu entlasten. Wenn wir über Gewalt reden, müssen wir über toxische Männlichkeit und patriarchale Machtstrukturen sprechen, die in allen Milieus existieren. Wer Migration zum Sündenbock macht, instrumentalisiert den Schutz von Frauen für eine rassistische Agenda, statt die Ursachen von Gewalt dort zu bekämpfen, wo sie entstehen: im Kopf der Täter. Gewalt hat keinen Pass, sie hat ein Geschlecht. Wer das leugnet, betreibt Ideologie auf dem Rücken der Opfer!

  • „Alle sagen immer, die AfD, das seien die Nazis, die seien das Problem. Aber der Kanzler redet doch genau so, damit die Leute ihn weiterhin wählen. Dann ist die CDU doch auch ein Teil dieses Problems, oder etwa nicht?“

    Kann man ja aus einer linken (und selbst betroffenen) Perspektive so sehen aber wenn solche Urteile ausgerechnet von Türkischstämmigen kommen, kann man das nicht unkommentiert lassen.

    Die autoritäre und nationalistische Regierung der Türkei steht seit Jahrzehnten rechts von CDU und AfD und die hiesigen Türken und Türkischstämmigen sind deren größten Unterstützer. Bis vor kurzem war die mitgliederstärkste rechtsradikale Vereinigung Deutschlands eine türkisch-nationalistische - mit kräftiger Unterstützung der türkischen Regierung natürlich.

    All das was man am rechten Deutschland kritisieren muss, ist in der Türkei min. genauso vorhanden. Da wo die AfD hin will, ist die Türkei bereits - inkl. Verklärung der eigenen Vergangenheit als kolonisierendes, völkermordendes Sklavenhalterimperium (Türken sind in dieser Beziehung auch "Weiße"!).

    So zu tun als ob völkisch-nationalistisches, minderheitenfeindliches Denken völlig fremd für Türken sei, ist daher schräg.

    • @Chris McZott:

      Vielen Dank für Ihren Kommetar. Diese Doppelmoral ist für mich auch schwer zu ertragen.

  • Die Union ist die Mutter aller Probleme.



    Illegale Grenzkontrollen, Abschaffung von Demokratieprojekten, Klimawandelleugnung und dieses ganze dumme rassistische Geschwätz

  • Geschätzte Mtbürger mit Migrationsgeschichte ... bitte laßt uns nicht mit diesen Faschisten allein!

  • Ich würde die letzte Aussage der Oma ein bisschen einschränken: Teil der CDU sind Teil des Problems. Merz gehört dazu.



    Aber es gibt auch noch die Anderen, die konservative, faktenbasierte Politik in der CDU machen.

  • Merz ist meiner Meinung nach nicht geeignet als Kanzler. Mit diesem Job scheint er stark überfordert. Er zeigt mal wieder, dass er sich nicht mit der Thematik befasst, sondern dass ausolaudert, was in seiner Bubble bzw. an seinem Stammtisch unreflektiert gelabert wird.



    Echt schlimm im Moment.

  • "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" - Für diesen Satz ist ein gewisser Thomas de Maiziere ziemlich ausgelacht worden. Nun ist es andersrum auch nicht richtig. Am beunruhigensden ist für mich, dass sich für die Fakten keiner interressiert.

  • Der Reflex von Merz, in diesem Zusammenhang unmittelbar auf den Zusammenhang zwischen Gewalt und Migration zu kommen, wäre bedenklich, wenn es denn so gewesen wäre. Ich habe kurz recherchiert, aber auch im vorliegenden Artikel steht deutlich das Wort "auch".



    Ich zitiere aus dem oben verlinkten Artikel: "Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt. Auch das gehört zur Vollständigkeit des Bildes dazu."



    Was ist an dieser Aussage falsch?



    Ich denke, man sollte Personen mit Migrationsgeschichte ermutigen und bestätigen, dass sie natürlich nicht gemeint sind, anstatt das diffuse Gefühl zu verstärken.

    Aber dennoch finde ich die grundsätzliche Kritik an Merz in diesem Zusammenhang durchaus nachvollziehbar. Ich zitiere erneut aus dem Artikel:



    "Es geht dabei um Macht, Grenzüberschreitungen und Verantwortungsübernahme. Migration spielt in diesem konkreten Fall keine erkennbare Rolle."



    Auch das ist absolut korrekt und darum sollte es auch in der Diskussion gehen.

  • Friedrich Merz macht Angebote an die USA und Israel wegen des Krieges am Golf, um die globale Wirtschaft in Gang zu halten. Allerdings ist er, von seiner Substanz her, auch gefangen in einer „weiß-rassistischen, völkischen Ideologie“.

    In dieser Hinsicht unterscheidet er sich von Kriegstreibern Trump und Netanjahu – Ideologie nicht wesentlich.



    Er ist wesentlich verklemmter, weil so etwas in Europa noch nicht populär ist.

    Doch wir sehen auch, wohin wir uns als Gesellschaft bewegen – gerade jetzt, wo gestern die UN-Resolution zum Sklavenhandel, gegen die Stimmen der USA, Israels und Argentiniens, als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ deklariert hat.

    Eigentlich gehören Merz und seine Gefolgsleute ebenfalls in diese „Nein“- Kategorie, derjenigen, die sich fleißig in die der Spaltung der Gesellschaften begraben.

    Weiter so Herr Merz!

    • @Okay:

      Ich verstehe den Zusammenhang nicht ganz, daher die kurze Frage: Sind in ihrer Argumentation die semitischen Israelis oder die arischen Iraner rassistisch die Verfolgten oder die Ideologen? Die USA beziehen Sie wahrscheinlich auf DJT, der bekanntlich schottische und bayerische Vorfahren hatte. Und was hat das mit familiärer Gewalt zu tun?



      Danke für die Erklärung!

  • Bei aller Zustimmung dazu, dass Merz ekelhaft populistisch mit Rassismen spielt, kann doch nicht die ernsthafte Überlegung sein in die autokratische, hypernationalistische und fundi-religiös regierte Türkei zurückzugehen?!

  • Ja, klares "ist so". Und alle irgendwie marginalisierten spüren das. Queere Menschen haben die Strömungen schon vor Corona wahrgenommen. Und es beisst sich hart mit dem Narrativ man könnte dies oder das nicht mehr sagen. Es wird ständig gesagt, und immer heftiger. Warum auch nicht, der Algorithmus belohnt es ja mit Reichweite.

    Gleichzeitig die Frage: hat sich was geändert? Gefühlt mussten Schritte näher an die Ideale des Grundgesetzes immer gegen oder zumindest trotz der CDU durchgesetzt werden - Vergewaltigung in der Ehe, Eheöffnung, aber auch schon zurück zur Abschaffung der Rechte des Ehemanns, die Arbeitsstelle der Frau zu kündigen.... die liste ist endlos.

  • Die AfD wird von Bürgern mit Migrationshintergrund nicht signifikant weniger gewählt als vom Biodeutschen.

    • @Tim Hartmann:

      Der erste Versuch derartiger Politik vor knapp hundert Jahren wurde auch von Biodeutschen unternommen.



      Hier ist das Prinzip "Versuch und Irrtum" fehl am Platz, immer mehr glauben das leider nicht.

  • Die Oma hat's kapiert. Zu viele Leitartikler*innen nicht.

  • Es bedarf keine komplexe Erklärung für die Aussagen von Merz, wenn die einfachste ausreicht: Merz ist ein Rassist aus tiefstem Herzen. Damit steht er leider in der Union alles andere als allein.

    • @Flix:

      "Sie sind alle so siewissenschon, und ich bin ihr Chef!"



      (General Strategus)

  • Bei solchen undifferenzierten Statements ( F. Merz ) - kann ich die Fragestellung im Titel verstehen. Sauerländer sind keine Spezialisten für Migration, AfD-ler auch nicht. Aber, sie tun so... laut, undifferenziert, abfällig, herabwürdigend. Dabei haben doch die Gastarbeiter und nachfolgende Migranten den Wohlstand Deutschlands maßgeblich mit erarbeitet.

  • Aha, und was sagt denn die Mutter zu dem Thema?



    taz.de/Sexualisier...gendclub/!6164338/



    Ist auch Merz dafür verantwortlich?

    Und auch wenn ich die CDU nicht wählen würde...finde ich es problematisch hier im Artikel CDU und AfD mehr oder weniger in denselben Topf zu werfen. Man kann als "Linker" die Politik der CDU nicht mögen, aber das gleiche wie die AfD ist es nicht.

  • Also ich weiß nicht, das sehe ich anders. Die Debatte ist doch nicht neu. Auch nicht die Stimmung. Auch nicht, dass innerhalb der "Migrantischen Community" (was soll das sein, gibt es das überhaupt/gab es das je - Nein?!) sich "untereinander" abgegrenzt wird.

    Auch die CDU war schon immer genauso wie sie jetzt ist ("Kinder statt Inder", gegen Anerkennung von Vergewaltigung in der Ehe, gegen Legalisierung von Abtreibung etc.). Offen Richtung rechts. Es gab nur einfach keine so große rechte Partei wie die AfD.



    Was sich wirklich verändert hat in den letzten 40 Lebensjahren der Oma, ist der Neoliberalismus, der alles kapitalisiert und ökonomisiert hat. Alles. Und: der Zugang zu Informationen, die Medienlandschaft, allen voran social media. Nur noch nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit beurteilt zu werden prägt uns Menschen und Gesellschaften. Entfremdet uns gegenseitig und von uns selbst.



    Die Wähler:innen der AfD kommen nicht zufällig vor allem von der SPD, einer ehemaligen Arbeiterpartei, die dieser Entwicklung nichts zu entgegnen weiß...was sagt die Oma dazu?

  • Merz hat nicht verallgemeinert, er sagte: "Ein beachtlicher Teil der Gewalt kommt aus der Gruppe der Zuwanderer." Das sind Fakten, die die Kriminalstatistik seit Jahren präsentiert bei Gewaltdelikten gegen Menschen. Ich gebe zu, dass es schwierig ist das anzunehmen, weil er von der "Gruppe" spricht - als ob es eine solche gäbe.



    Verallgemeinerung passiert in den politischen Debatten ständig. Gerade wegen Ulmen wird von einigen Seiten - zum Beispiel bei der Zeit - Generalverdacht aufgestellt und wird gefordert, dass alle Männer sich zu reflektieren und so und so zu verhalten haben. Egal, ob die etwas gemacht haben in Richtung Ulmen oder nicht usw.



    Das Problem nicht auffallen zu wollen oder sich zu verstecken kennen übrigens auch viele die nicht zugewandert sind, weil offen sprechen in vielen Kontexten und Gruppen Konsequenzen hat, manchmal scharfe Konsequenzen.



    Ich finde übrigens nicht, dass es der Fall ist, dass Merz wie die AFD-Leute spricht. Er spricht aber Dinge überhaupt an z.B. mit dem Stadtbild, die halt wirklich Menschen auffallen, die schon andere Zeiten in ihrer Stadt erlebt haben. ich zum Beispiel. Es ist eben schade, dass es der Kanzler erst tun muss.

  • Bleiben. Bitte bleiben.

  • Die Schlußfolgerung der Oma ist absolut korrekt, und nicht nur wegen der Migration, sondern in allen Bereichen.

  • Die kleinste Geige der Welt spielt eine ganz traurige Melodie. Die arme Omi! Wie kann der böse Merz behaupten, dass männliche Gewalt auch mit Migranten verknüpft ist. Die sind doch alle liberale Pazifisten, die als Speerspitzen der Frauenrechte zu verstehen sind.

    • @FraMa:

      Hätte Merz eine umfassenden Aufruf gemacht: ok. Hier hat er aber ungewollt oder gewollt mal wieder versucht, Unangenehmes den "anderen" zuzuschieben. Also nix "auch mit" oder "alle", wie Sie m.E. falsch überspitzen.

      Ich weiß nicht, was ich als schlimmer bei Hrn. Merz empfinden soll: ungewollt oder gewollt.



      Er könnte ja nachdenken, erarbeiten und anpacken bei Punkten wie ausreichend Frauenhäusern, Aufklärung und Bildung. Er könnte da ja auch Punkte einbauen, die bei Besonderheiten migrantischer Herkunft ansetzen, was das auch wäre.



      Er scheint sich nur leider nicht auf Nachdenken, Erarbeiten und Anpacken gestürzt zu haben, sondern auf eine rhetorisch vergaloppierte Blau-Kopie.



      Ich dachte die letzten Jahre, dass das, was Merz wenigstens kann, das Reden wäre. Dessen sicher bin ich mir nicht mehr, jetzt muss er ja auch verantwortungsvoll reden.

  • Vielleicht sollten Sie - die Reporterin - Ihren Großeltern einfach erklären, das Sie sich keine Sorgen machen müssen?

    Es ist doch so: Das Risiko ist für Ihre Großeltern größer, beim nächsten Bummel über den Weihnachtsmarkt von einen Islam-Terroristen überfahren zu werden, wie das die CDU eine "Abschiebung" für legal hier lebende Ausländer (bzw Deutsche mit Migrationshintergrund) durchführt. Selbst einer CDU/AFD Regierung nach 2028 traue ich das nicht zu (habe selber "Migrationshintergrund"

  • Traurig, dass sich Migranten, die seit 50 Jahren hier leben, nicht mehr zugehörig fühlen und ängstigen. Herr Merz sollte sich schämen.

  • Seit es Frauenhäuser gibt, sind Migrantinnen dort überrepräsentiert. Vor einiger Zeit habe ich wieder einen Aufkleber vom Frauenhaus in der Straßenbahn gesehen. Zweisprachig. Wir haben Migranten aus aller Herren Länder in Deutschland. Welche Sprache außer Deutsch fand Platz auf dem knappen Raum? Immer noch Türkisch. Und jetzt geht hin und unterstellt den Frauen vom Frauenhaus Rassismus. Da fehlt jegliche Selbstkritik in der "community". Von "Catcalling" will ich gar nicht erst anfangen.

    • @Claude Nuage:

      Also endlich mehr Geld für Frauenhäuser? Gut, sofort. Ich weiß nicht, ob die Union das so fördert.



      Also mehr Sprachkurse und Aufklärung über vorhandene Rechte? Gut, sofort. Ich weiß nicht, ob die Union das so fördert.



      Das Thema Vergewaltigung in der Ehe war damals ja schon ein Drama.

      Maßnahmen, die bei Migrant(inn)en besonders wirken, können gerne analytisch angegangen werden. Jau. Mit blaubräunlichen talkshowartigen Zuschreibungen und Wegdrückungen zu den "anderen" machen wir aber Schritte nach hinten, nicht nach vorne.

  • Ich bin auch Migrant. Und wenn ich seh, wie sich manche junge migrantische Männer verhalten, welcher Dominanzanspruch da gestellt wird, dann kann ich eine Mehrheitsgesellschaft schon verstehen, wenn sie das nicht gut findet.

  • Man sollte sich auch die Frage von Frau Hierl anhören, bevor man los schreibt.

    • @FFR:

      Hier in der taz zu finden: taz.de/Reaktion-au...ernandes/!6165977/

      Da findet sich auch der trockene merzkritische Satz: Täter sexualisierter Gewalt finden sich meist im familiären oder sozialen Nahumfeld.

  • Ja, die CDU und Merz sind auch ein Teil des Problems.

  • Die letzten drei Sätze bringen eines der größten Probleme unserer Gesellschaft auf den Punkt.



    Mir ist als ich diesen dummen Spruch von Merz gehört habe auch erstmal die Kinnlade runtergefallen. Wie kommt man auf so etwas, ist das bewusste Provokation, fischen am rechten Rand oder ist der sauerländische Geist in ihm so beschränkt?

    • @Axel Schäfer:

      Zuallererst einmal ist es, um es mit der Linken-Abgeordneten Katrin Gebel zu sagen, „rassistischer Dreck“.

      Und klar ist es Fischen am rechten Rand.