piwik no script img

Landtagswahl in Baden-WürttembergMit Palmer und mit Blaskapelle

Grüne können doch noch Wahlen gewinnen: Cem Özdemir hat einen zweistelligen Rückstand in einen leichten Vorsprung verwandelt. Und Grenzen ausgetestet.

Cem Özdemir wird wohl die Nachfolge von Winfried Kretschmann antreten. Dahinter Boris Palmer, Ex-Grüner OB von Tübingen Foto: Markus Ulmer/imago
Benno Stieber

Aus Stuttgart

Benno Stieber

Cem Özdemir geht es ruhig an. Als die erste Hochrechnung am Sonntagabend die Grünen knapp vor der CDU zeigt, wird der Spitzenkandidat von den Par­tei­freun­d:in­nen in Stuttgart jubelnd empfangen, als zöge er bereits in die Staatskanzlei ein. Özdemir lässt den Beifall zu, dämpft aber, man sei in Baden-Württemberg immer schon ein „bissle skeptisch.“ Und dennoch tritt er kurz nach halb sieben schon auf wie der künftige Ministerpräsident – mit einer begütigenden Adresse an CDU, den künftigen Koalitionspartner: Das werde eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Triumph schwingt nur an einer Stelle mit: „Das war eine fulminante Aufholjagd.“ So war es.

Özdemir hat eine Mission Impossible angetreten – und erfüllt. Es habe nur am Kretschmann-Bonus gelegen, dass ein Grüner länger als jeder andere Ministerpräsident im Südwesten regiert habe, so hieß es lange Zeit. Noch im Herbst lagen die Grünen 14 Prozent hinter der CDU.

Für Özdemir, der als Minister aus der gescheiterten Ampelregierung kommt, und seine Grünen ein schier uneinholbarer Rückstand. Özdemir bekommt von den Grünen die politische Beinfreiheit, die er verlangt: Vom Verbrenner-Aus bis zur Migration testet er die Leidensfähigkeit seiner Partei.

Mit Erfolg: Überall, wo er hinkommt, sind die Säle voll. „Der ist halt ein Popstar“, freuen sich die grünen Kommunalpolitiker und beobachten mit Stolz, dass sich auch die Gemeinderatskollegen der anderen Fraktionen in die Veranstaltung schleichen, weil sie halt mal den Cem sehen wollen.

Während die Grünen im Bund weiterhin bei 14 Prozent liegen, belebt Özdemir in seinem Wahlkampf unbeirrt Habecks totgeglaubten Traum von der Grünen Volkspartei wieder. Der Pragmatiker zeigt der Partei, wie breit sie sein könnte: Er holt den grünen Mitbegründer und ersten Fraktionschef in Baden-Württemberg Wolf-Dieter Hasenclever von der FDP zurück, setzt aber auch ganz bewusst auf die Parteilinke Ricarda Lang. Sie ist eine der wenigen Bundes-Grünen, die für Özdemir wahlkämpfen darf.

„Sein Erfolg, seine Niederlage“

Nach Weihnachten scheint der Özdemir-Zug trotzdem erst mal nicht so richtig in Schwung zu kommen. Die letzte Umfrage ist Monate alt, Plakate und Kampagne erscheinen manchen Parteimitgliedern allzu staatstragend, das grüne Logo muss man mit der Lupe suchen. Langsam scheint auch die Geschichte vom Migrantenkind Cem, der ganz an die Spitze will, auserzählt. In Berlin sagten Parteifreunde hinter vorgehaltener Hand: „Wenn er gewinnt, ist es sein Erfolg, wenn er verliert, seine Niederlage.“

Özdemir hält seinen Kurs und wagt die Provokation, nicht nur für Parteilinke: Er resozialisiert Boris Palmer, den Ex-Grünen Oberbürgermeister von Tübingen. Er lässt sich von ihm am Valentinstag vermählen, und lässt offen, ob er ihn zum Minister machen will. Mit Palmer und Blaskapelle macht er jetzt Veranstaltungen, die wie eine CSU-Karikatur wirken – nur eben auf Schwäbisch.

Es läuft. Bis Ende Januar die Grünen im Europaparlament das Mercosur-Freihandelsabkommen zunächst stoppen, zusammen mit Linken und AfD. Da sind sie wieder, die europafreundlichen Grünen, die aber, wenn's drauf ankommt, kleinliche Bedenkenträger sind. Die CDU reibt sich die Hände. Özdemir nutzt den Vorfall, um klarzumachen, dass er anders ist. Einer, der weltpolitische Folgen immer im Blick hat. Trump, die Ukraine und ein einiges Europa sind jetzt fester Bestandteil seiner Reden. Nicht alle Ideen seiner Parteifreunde seien gut, sagt Özdemir, nicht immer machten sie es einem leicht. Mit einem Anflug von Ironie spricht er von den Bundes-Grünen als „Schwesterpartei“.

Özdemir ist auch ein Kämpfer, der zur Hochform aufläuft, wenn ihm der Wind ins Gesicht bläst. Das ist vielleicht der entscheidende Unterschied zu seinem Mitbewerber Manuel Hagel. Hagel und sein Team werden patzig, als durch die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer ein acht Jahre altes Video von Hagel viral geht, in der der damalige Generalsekretär seiner Partei von einem Schulbesuch und den „rehbraunen Augen“ einer 16-Jährigen schwärmt. Eine „Schlammschlacht“ wirft die CDU nun Özdemirs Team vor. Die gleiche CDU übrigens, die zwei Jahre vorher nichts dabei fand, dass der Aschermittwoch der Grünen in Biberach von gewalttätigen Bauern verhindert wurde, bei dem auch Polizisten verletzt wurden. „Das träfe die Richtigen“, gab damals der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Hauk seinen Kabinettskollegen eine mit.

Alter Hase gegen Newcomer

Während dieser Bauernproteste 2024 hatte Özdemirs Wahlkampf in Baden-Württemberg eigentlich schon begonnen. Im Winter stellte er sich stundenlang auf Traktoranhänger und ließ sich für Entscheidungen, die die Ampelregierung über seinen Ministerkopf hinweg gefällt hatte, ausbuhen. Er hielt flammende Reden und wurde von den Bauern am Ende mit zumindest anerkennendem Applaus verabschiedet. „Da steht einer hin“, sagen sie im Südwesten, wenn jemand bereit ist, auch die Kloppe einzustecken. Auch deshalb konnte das negative Image des „Ampelministers“ nicht mehr recht verfangen.

Alter Hase gegen Newcomer, damit hat Kretschmann die CDU zweimal geschlagen. Aber Özdemirs Wahlkampf hat eine andere Intonation als der des Gymnasiallehrers Kretschmann. Özdemir verbindet die Forderungen nach einem letzten kostenlosen Kita-Jahr mit seinen frustrierenden Erlebnissen als Gastarbeiterkind. Er wisse, wie es ist, wenn man die Prognose hat „nie richtig Deutsch zu lernen“.

Er sagt als Migrantenkind aber auch für Grüne harte Sätze zur Migration und kritisiert das CDU-Justizministerium demonstrativ von rechts. Sie hätten einem kriminellen Familienclan Geld dafür bezahlt, das Land zu verlassen, und gleichzeitig Asylbewerber mit Einser-Abitur abgeschoben. „Bei mir dürfte der Abiturient bleiben und die Familie würde abgeschoben“, so Özdemir.

Der Februar bringt im grünen Wahlkampf die Wende. In der gleichen Woche, in der Hagel durch das „Rehaugen“-Video bundesweit bekannt wird, kommen neue Umfragen. Die Grünen verkürzen den Abstand auf zwei Prozent und das, obwohl die CDU kaum verliert.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Die letzten Wahltermine werden ein kleiner Triumphzug. In Mosbach am nordöstlichen Zipfel von Baden-Württemberg steht Özdemir Anfang März vor der Kneipe „Tante Gerda“. Über 500 Mosbacher sind gekommen: Studenten der dualen Hochschule, Schüler:innen, Rentner. Auf den Balkonen gegenüber haben sie die Handys gezückt, auf dem Stromkasten stehen sie, um ihn besser sehen zu können. Özdemir lobt die Provinz, die hier überall Weltklasseprodukte abliefere, und wird dafür bejubelt, er zitiert den Heidelberger Gelehrten Gadamer. Da herrscht für einen Moment nachdenkliche Stille. Man merkt, da nimmt einer die Leute mit.

Kann er auch regieren? In einem Land, das gerade einen dramatischen Strukturwandel erlebt? Und das mit einer verwundeten CDU? Das wird die nächste Prüfung des Cem Özdemir.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

42 Kommentare

 / 
  • Ein Wort zu Boris Palmer. Man sollte ihm besser auf die Finger sehen als auf das manchmal ungewaschene Maul. Nicht auf sein Reden, sondern auf sein Handeln schauen! Dann wird man an seinen Umwelt- und Migrationspolitik vielleicht doch das eine oder andere gut Haar finden.

  • Eine Story hatte und hat Özdemir. Eine Strategie auch (Rudi Hoogvliet, warst Du das wieder?).



    Jetzt will ich aber auch vier Jahre mehrheitlich grüne Bewerbung für 2030. Die kommende Verbrenner- und Fossilkrise ist ökologisch orientiert anzugehen.

    • @Janix:

      Özdemir hat als Landwirtschaftsminister nichts gestemmt. Da wünschte sich selbst der Nabu wieder die CDU ins Landwirtschaftsministerium zurück.

      "taz: Wenn das jetzt doch so kommt, würden die Umweltvorschriften unter einem grünen Agrarminister dann am Ende schwächer sein als unter seiner CDU-Vorgängerin Julia Klöckner?" - NABU: "Das ist dann so, ja." ( taz.de/Nabu-Chef-u...rpolitik/!5999780/ )

      Özdemir wird da ach als Ministerpräsident nichts bewegen. Özdemir ist das Aushängeschild für eine Wachstumspolitik (auch bei Autos) die den moralischen Ablaß gleich mitliefert. Man hat ja grün gewählt.

      Man wird daher eine voll kompatible Bewerbung für 2030 bekommen und sicher auch ein paar Kilometer neue Radwege.

  • Erfolg ist nicht bereits, Prozente zu holen und Wahlen zu gewinnen.



    Umsetzen von grünen Punkten für Nachhaltigkeit wäre der Prüfstein.



    Was auch als Regierungschef leichter gelingt, und Özdemir wird auch der labilen CDU 'Erfolge' gönnen müssen - nur sollte er den ökologischen Umbau von Verbrennerauto zu Zukunft auch nie verschleppen. Mut zum eigenen Denken und Handeln wäre auch ein wertvolles Erbe Hannah Arendts

    • @Janix:

      Wenn der Prüfstein nach dreißig Jahren Grüne in irgendwelchen Regierungen immer weiter gerollt wird bis er sich gänzlich abgerieben hat, dann wird er - wenn dann endlich die Prüfung kommt - sicher für klein genug und gut befunden werden.

  • Ich bin gespannt, welche Rolle Herr Palmer künftig spielen wird und wie die Grünen darauf reagieren werden. Ich glaube ja noch immer, dass es keine schlaue Idee der Grünen war, Herrn Palmer aus der Partei zu drängen.

    • @Katharina Reichenhall:

      Das Problem: Palmer vertritt Positionen, die in einer Grün-Schwarzen Koalition der CDU zufallen sollten und deren Durchsetzung die CDU auch als Erfolge für ihre Wähler braucht.

      • @FancyBeard:

        Also mehr oder weniger perfekt für eine Grün-Schwarze Regierung?

    • @Katharina Reichenhall:

      Scheint Özdemir und Palmers Wähler auch so zu sehen.

  • Das was man 'Mitte der Vernunft' nennt hat gewonnen.



    Was daraus folgt wird aber sein, dass sowohl Grüne Jugend, Linke, SPD nun sicher, und erst recht, weiter Ihre Parolen von "Umverteilung statt Sozialabbau", "höhere Steuern für Reiche", "neoliberales Kaputtsparen stoppen", "Hausbesitzer enteignen"..... propagieren werden.



    Leute, die klassischen linken Träume, das wollen hier im Lande gerade mal 10%. Das muss jetzt mal ankommen bis Berlin!

    • @Tom Farmer:

      Ich fürchte, dass das die Marschroute der unbelehrbaren SPD sein wird. Zum Schaden des Landes. Eine furchtbare Partei, die, obwohl sie immer kleiner wird, im Abstiegskampf ordentlich Zerstörungspotential entwickelt und die AfD in immer neue Höhen trägt.

    • @Tom Farmer:

      Das glaube ich nicht. Ich glaube nur, niemandem wird zugetraut oder getraut, diese linken Themen wirklich anzupacken.



      SPD und Grüne hatten und haben wieder ihre Chance, stattdessen macht die SPD wieder direkte Kehrtwende mit der Union. Zickzack. Diesmal halt pro Kapital.



      Die Frage, wer die Sanierung der BRD bezahlt (mal davon abgesehen wer das bezahlen kann überhaupt), die geistert durchs Parlament. Und die Antwort der Vielen - nehmt den Reichen - die ist unter den gegebenen Machtverhältnissen und mit der staatstragenden und stets schrumpfenden SPD in der Regierung nicht umzusetzen. Also weiter Sanierungsstau, immer mehr "Eigenverantwortung" was heißt kauft euch Autos udn fahrt selbst von A nach B, schickt eure Kinder auf die Privatschule, schiebt eure Altersvorsorge an die Börse - udn wer es nicht kann der hat halt Pech ("hahaha" wäre der ehrlichste Kommentar!).

    • @Tom Farmer:

      Sicher. Der rechte Flügel der Grünen (die in BaWü die Partei dominieren), der rechte Flügel der SPD (die in BaWü die Partei dominieren), die AfD und die CDU. Alle sind in der "Mitte der Vernunft". Mahlzeit.

      • @Kaboom:

        Schauen Sie das Wahlergebnis an, was Links gefordert hat und ziehen Sie ihre Schlüsse. Mehr will ich nicht. Links ist zumindest hier komplett gescheitert.



        Was ich will spielt keine Rolle, außer: Außer AfD wegbekommen. Und mit dem Quatsch der Großstädter mit Enteignungsphantasien, Erbschaftsteuer ab1 Mio (Haus-) Besitz ,,Eat the Rich T-shirts etc..... wird das nix, bzw. allenfalls in Berlin.

        • @Tom Farmer:

          In Berlin wird das auch nichts.

          Nur sind hier sie Wähler unbelehrbar.

        • @Tom Farmer:

          Nu, die Grünen haben mit ihrem Kurs in BaWü Erfolg. Ich hab kein Problem damit. Die Gesellschaft in Deutschland erlebt gerade einen heftigen Rechtsruck, und die Grünen sind Teil davon. Die anhaltene Schwäche der Sozen führt dazu, dass die Grünen entweder mit der CDU regieren, oder gar nicht. FDP 2.0 sozusagen. Und sind wir mal ehrlich: Davon wird Otto Normalverbraucher wohl eher nicht profitieren. Aber der Wähler will das so. Und dann soll er das auch so bekommen.

  • Der nächste MP ist Cem Özdemir. Baschda.

    • @seiter.mond+sterne:

      Das stimmt, aber es wird ein Novum sein, denn mit seiner Agenda hat er der eigenen Partei die Fäuste in der Hosentasche ballen lassen . Und so hat der neue Ministerpräsident die Opposition nicht wie die Ampel damals am Regierungstisch sondern in Fraktionssaal. Und das Rote Tuch Boris Palmer , das als Zugpferd bestimmt mehr Stimmen geholt hat als manche linientreue Aktivisten verbreitet Angst, weil er in der Regierung seinen Platz finden könnte , selbst die taz hat sich schon Gedanken gemacht wie man ihn einbinden könnte, ohne daser einem aktivistischen Parteimitglied den lukrativen Regierungsjob wegschnappen könnte. Boris Palmer ist nach außen ein Sympathieträger, nach innen eine Hassfigur

  • Alle Baden-Württemberger, denen das Land wichtig ist, haben sich auf Cem Özdemir geeinigt, um einen Manuel Hagel, zu verhindern.

    Das ist gut, weil jemand der nicht einmal die Klimakrise verstanden hat, aber von sich selbst so vollkommen überzeugt ist, dass er diesen Schülern falsch erklärt, ist sicher nicht zu einem Ministerpräsident geeignet. Es muss ja nicht genau sein, aber den Treibhausgaseffekt des CO2, das sollte jeder kapieren. Aber Abgase und CO2 machen die Atmosphäre dünner, nein, das ist furchtbar falsch.

    Verloren hat hingegen katastrophal die SPD, nicht wegen eines schlechten Wahlprogramm oder Kandidaten, sondern nur vor Furcht eines Hagelschadens in Baden-Württemberg.

    Dieser Pyrrhussieg von Cem Özdemir macht mir Angst um die Zukunft unseres Landes. Für nächstes Mal sehe ich radikal schwarz.

    • @Bauer Gerry:

      Das ist der konservativste Grüne Landesverband die ihren historisch konservativsten Wahlkampf geführt hat.

      Und jetzt werden Sie mit der CDU in eine Regierung treten. Und um bei gleich großen Fraktionen trotzdem den MP zu stellen, wird die CDU mehr Ministerien bekommen als die grünen & inhaltlich Zugeständnisse machen.

      Ich glaube dagegen ist die falsche Erklärung des Klimawandels zu ignorieren. Auf so hohem Ross sollte man als Grüner nicht sitzen, man erinnere sich an Baerbock die Strom im Netz speichern will.

    • @Bauer Gerry:

      Als Lehrer m/w/d Hagels hätte ich mich geschämt.



      Dieser hätte es auch ohne Ozonlochverwirrung ja einfach halten können:



      "Je mehr CO2, desto heißer. Das wollen wir nicht, das kostet nämlich. Also würde ich gegen die Beschlüsse meiner Partei als Minischdrbräsdend da tatsächlich mit Energie anpacken. Wir müssen nämlich aus Verbrennerauto, Fossilheizungen und auch in der Industrie klug und rasch raus."

    • @Bauer Gerry:

      Wie man jemanden wählen kann, der in Banken oder Industriekonzernen geprägt wurde, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Genau so wie bei denen, die man erst mal Putin aus dem Siewissenschon ziehen muss, um überhaupt sichtbar zu sein.

      • @Erfahrungssammler:

        Naja, Spahn wurde nach der Sparkasse Ahaus von seiner Partei geschoben. Doch nicht jede(r) aus Banken und Industrie ist dadurch gleich verdreht. Die gesunde Mischung macht's wohl auch hier.

  • Ähm, bin ja nicht so auf der Höhe, aber als es um Özis Auftritt in Mosbach geht, schreibt Ihr "Studenten der dualen Hochschule, Schüler:innen, Rentner" usw..



    Sind denn all diese Studenten und Rentner nur dem männlichen Geschlecht zuzuordnen?

    • @Tante Emma:

      Auch an anderen Stellen im Artikel hätte man früher in der taz noch Wortbinnenzeichen gesetzt.

      "Moosbacher:innen" statt " Moosbacher", " Bäuer*innen" statt " Bauern".

      Der Zenit ist nun seit einiger Zeit überschritten.

      Das spiegelt sich natürlich auch in der taz wieder.

      Der Satz hätte früher vier Wortbinnenzeichen gehabt.

      Ein typisches Negativbeispiel.

      So ist er lesbarer.

      Man wird sich wieder daran gewöhnen, dass der Genus keine Information zum Sexus enthält.

    • @Tante Emma:

      Es ist Plural.

  • Ich freue mich aufrichtig für ihn und die Grünen. Und bin gespannt, wie es weitergeht. Vielleicht gibts ja noch ne Erfolgsstory mit grünen Autos und anderen Innovationen aus dem Ländle... wer weiss?

  • BW-Grüne: Stärkste Partei - ist Volkspartei. Stellt zum 4. mal den Ministerpräsidenten.

    Özdemir in Interview: "Wir sind stolz in BW das Fahrrad und das Auto erfunden zu haben und ich setze mich dafür ein dass Sie beides benutzen können"

    Berliner Grüne - Platz 4 bis Platz 5 - hält sich für eine Volkspartei. Schickt seit 4 Wahlen Bürgermeisterin-Anwärter ins rennen.

    Berliner Grüne unterstützen Volksentscheid der einen nur 12 mal im Jahr innerhalb des S-Bahn-Ringes mit dem Auto lässt - nach vorheriger Anmeldung.

    Finde den Zusammenhang.



    Wer Politik für Ränder macht, der wird entsprechende Wahlergebnisse bekommen.

    • @Tim Hartmann:

      Wenn das stimmt was sie zu den Berliner Grünen sagen dann kann ich nur eins sagen: "Politsatire". Aber eine solche, bei der das Lachen im Halse stehen bleibt, weil die das ernst meinen...

    • @Tim Hartmann:

      Das eine ist nachhaltig: Deutlich weniger Autos. Findet auch in der reinen Großstadt statt, wo es ginge (wobei eine abgespeckte Version wohl praktischer umsetzbar wäre).



      Das andere ist nicht nachhaltig. Immer noch aufs volkswirtschaftlich superteure Auto setzen.

      Man kann auch Wahlen gewinnen, aber - nach vielen Kriterien - falsche Punkte dafür nutzen. Fehler gefunden.

  • Die Tendenz der letzten Jahre bzw. Dekaden setzt sich fort:

    Wer es schafft, seine Person mit dem Land zu identifizieren, wird Ministerpräsident.

    Cem Özdemir hat geschafft, was vor ihm Merkel, Schwesig, Kretschmann, Ramelow, Woidke, Stolpe, Platzeck und viele andere erreicht haben:

    Den Wählenden Heimat zu bieten.

    Das geht nur mit vorhandener persönlicher Integrität, dabei sind Parteizugehörigkeit oder Charisma (das Özdemir auch besitzt) eher sekundär.

    Allein der CSU ist es gelungen, die Identität von Partei UND Land zu verschmelzen. Sie ist aber die große Ausnahme in der Bundesrepublik.

    Der wahrscheinlich zukünftige Ministerpräsident von Baden-Württemberg hat eine politische und strategische Intelligenz an den Tag gelegt, gegen die Manuel Hagel trotz hervorragender Ausgangslage schlicht nicht ankommen konnte.

    • @Stavros:

      Özdemir war sicherlich ein passender Kandidat fürs Ländle. Aber Hagel hat den Grünen natürlich massiv geholfen. Und ich sag mal so: Ohne seine "Vorlesung" über den Klimawandel (man gucke sich das Ergebnis der CDU bei den Jungwählern an) wär die Sache vielleicht anders ausgegangen. Und die Bewertung des Ergebnisses Özdemirs hätte sich bei 0.6 % mehr für die CDU anders dargestellt. Also dünnes Eis. Sehr dünnes.

    • @Stavros:

      Gute Beobachtung!



      Aber es gibt noch Kontext: Die Tiefflüge, die die SPD zunehmend auch in Ländern hinlegt, die sind nicht mehr "natürliche Fluktuation" weil kein Kandidat der eine Heimat anzubieten vermag da ist. Da ist mehr verloren gegangen, da geht etwas zu Ende. Ich würde mit ihrer Terminologie es so ausdrücken: Da hat eien Partei ihre Identität eingebüßt und die neue ist nicht so klar, nicht so stark und nicht so deutlich diskriminierend (designativ gebraucht) wie es "die" alte SPD-Identität war. Die SPD hat sozusagen mehr und mehr ihre Identität eingebüßt. Und die kommt wohl auch nicht mehr zurück. Und die neuen Versuche werden nichts Produktives mehr ergeben. Da geht wirklich etwas Großes hier zu Ende. Und es ist in vielen Staaten auch schon zu Ende gegangen, wo es aber nie so stark wie bei uns war.

    • @Stavros:

      Nichts ist unendlich.



      Selbst das "Wir in NRW" der dortigen SPD unter Rau mit absoluter Mehrheit ist Geschichte.



      Özdemir ist kein Grüner, hat Freimeilen, Lobbyistenkredit in den USA überwintern müssen. Integrität war jetzt nicht sein USP. Die Wahl hat vor allem Hagel verloren, weil er und die Union nicht g'schafft haben.

      PS: Ich bin gespannt, ob Özdemir nun Palmer einbindet. Der ist immer noch das - leider teils auch mal verirrte - größte politische Talent des Ländles. Rudi Hoogvliet sollte es ihm raten.

  • In Baden-Württemberg geht wohl die Angst um. Wirtschaftlich geht es bergab wie nie. Der Verteilungskampf wird immer häßlicher. Nach oben buckeln, nach unten treten ist wohl die Devise des schwäbischen Michel. Die Parteien mit eher reichen Wählern wie Grüne und CDU werden gewählt, in der Hoffnung selbst nicht aus der Mittelschicht abzusteigen in prekäre Schichten. Soziale Parteien wie SPD und Linke haben das Nachsehen. Zu den Parteien mit mehr ärmeren Wählern will man am liebsten nicht mehr zu tun haben. Und was Cem Özdemir als Ministerpräsident besonders qualifiziert weiss ich auch nicht. Als Landwirtschaftsminister in der großen Koalition hat er jedenfalls nicht viel gerissen. Bald werden die Probleme auf Özdemir nur so reinprasseln, die Gewerbesteuer im Ländle bricht ein wie sonst nirgendwo. Dann wird er liefern müssen, bislang konnte er sich Kretschmanns Amtsbonus und die tollpatschige CDU ausruhen.

    • @KLaus Hartmann:

      "Parteien mit eher reichen Wählern", und noch besser, "Grüne und CDU werden gewählt, um nicht aus der Mittelschicht abzusteigen" - ja was denn nun, "eher reiche Wähler" oder "Mittelschicht"? Ach, sie meinen die Grünen sind früher nur von "eher reichen Wählern" gewählt worden und heute auch von einer abstiegsangstvollen Mittelschicht? Ich bin Grünen-Wähler seit über vierzig Jahren. Mann, muss Ich damals reich gewesen sein! Heute, klar, nur noch abstiegsbedrohte Mittelschicht...

    • @KLaus Hartmann:

      Die Partei mit "mehr ärmeren Wählern" ist aber die AfD.

      Die Linke versucht seit einiger Zeit, die besseren und jüngeren Grünen zu sein.

      Durchaus mit einem gewissen Erfolg.

      Aber offenbar nicht in B-W.

    • @KLaus Hartmann:

      Was Cem Özdemir als Ministerpräsident qualifiziert?



      Z.B., dass es eine Mehrheit geholt hat, die er in eine parlamentarische Mehrheit ummünzen kann, so dass er gewählt wird.



      Nach welchen Kriterien sollten denn in eine Demokratie sonst Ämter vergeben werden?

  • Das Wort grün fällt in dem Artikel öfters als im Wahlkampf von Herrn Özdemir. Gratulation.

    • @Hitchhiker:

      Na und ?

  • Ein echter Stehaufschwabe, das muss manchmal lassen. Bin mal gespannt, wie die zwischen Volksgrünen und Vorgesternalternative eingeklemmte CDU ihre neue Rolle als auch zukünftiger Regierungsjunior so füllt. Von den restlichen Sozialdemokraten ganz zu schweigen.

    • @vieldenker:

      "die zwischen Volksgrünen und Vorgesternalternative eingeklemmte CDU"

      - spaßig und treffend formuliert. ;-)