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Überlasteter Hamburger HauptbahnhofOlympia wird uns auch nicht retten

André Zuschlag

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André Zuschlag

Der Hauptbahnhof ist völlig überlastet, die Erweiterung lässt auf sich warten. Ob sie mit Olympia schneller käme oder nicht: Viel bringt sie eh nicht.

Ganz schön voll hier: Hamburger Hauptbahnhof Foto: Hanno Bode/Imago

W o eine Überlastung ist, da klingt die Forderung nach Entlastung uneingeschränkt unterstützenswert. Im Fall des Hamburger Hauptbahnhofs kann das je­de:r nach einem Ein- oder Ausstieg in den täglichen Stoßzeiten unterschreiben. Das Gedränge an Gleis 13 etwa, wenn ein Metronom aus Niedersachsen einfährt, ein paar Hundert Menschen ausspuckt und ebenso viele gleichzeitig hineinwollen für die Rückfahrt gen Süden, sieht eher nach Pogo beim Punkkonzert aus und nicht wie ein geordneter Bahnsteigbetrieb.

Dass da also etwas passieren muss, ist ziemlich unumstritten. Nur will es nicht recht vorangehen. Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) hat nun vor dem anstehenden Olympia-Referendum erneut eingeworfen, dass er am Ausbau festhält. Aber dass es in den kommenden Jahren wenig Hoffnung darauf gibt – außer Olympia kommt. Je nachdem, wie man zu einer Hamburger Olympiabewerbung steht, kann man das als Erpressung oder als nüchterne Analyse des Olympia-befürwortenden Senators deuten:

Ist also, wer gegen Olympia ist, auch gegen eine Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur? Oder ist es nun einmal Fakt, dass in den kommenden Jahren Gelder des Bundes und der Deutschen Bahn dorthin fließen werden, wo Olympia stattfindet – nach München statt in den Norden, wenn Hamburg sich einer Bewerbung verweigert?

Das ließe sich natürlich nun munter diskutieren, doch wichtiger sind andere Fragen: Ist das Tempo der springende Punkt? Wie soll denn der Ausbau aussehen, ob nun in Kürze oder erst in fernen Jahrzehnten?

Entlastung durch Anbau?

550.000 Menschen wuseln täglich im Hauptbahnhof herum, steigen in die städtischen S- und U-Bahnen, pendeln im Regionalverkehr oder gehen auf Fernreise mit dem ICE. Kein Bahnhof in Deutschland hat ein größeres Passagieraufkommen. Rund 2.000 Züge und Bahnen halten hier dafür täglich. Die Deutsche Bahn rechnet damit, dass es Ende des nächsten Jahrzehnts sogar 750.000 Menschen pro Tag sein werden.

Die Idee, wie der Hauptbahnhof angesichts dessen entlastet werden soll, liegt schon eine ganze Weile herum: Das Gebäude soll an zwei Seiten erweitert werden. Im Süden soll eine „fünfstöckig überbaute Plattform“ entstehen, um „neue Zugänge zu den Bahnsteigen, zusätzliche Wegemöglichkeiten und größere Wartebereiche“ zu schaffen.

Auch mit der sogenannten „Osterweiterung“ sollen sich die Menschen besser auf der Fläche verteilen können – „besonders stark frequentierte Bereiche wie die Bahnhofshalle, der Südsteg und die Zugänge zu den Bahnsteigen werden dadurch entlastet“, versprechen Bahn und Stadt, seit sie diese Pläne vor knapp fünf Jahren vorstellten.

Wie damit die ständig steigende Überlastung abgefedert wird, ist völlig schleierhaft, denn nur das Umfeld des Bahnhofs wird erweitert, nicht dessen Kern. Gerade einmal ein neuer Bahnsteig soll im Zuge dieses Umbaus hinzukommen – dabei sind es mit aktuell acht Gleisen für den Fern- und Regionalverkehr und vier S-Bahn-Gleisen schon absurd wenige. Zum Vergleich: An einem deutlich irrelevanteren Bahnhof wie Nürnberg gibt es 21 Gleise zum Halten.

Eine wirkliche Entlastung wird es wohl nur geben, wenn ein paar Stufen größer gedacht wird.

Natürlich kann man sich wie Tjarks über die Bahn und das Bundesverkehrsministerium aufregen, dass sie bislang kein Geld dafür bereitstellen. Aber warum sollten sie auch? Natürlich wäre eine solche Erweiterung ganz nett, aber eben auch nicht der große Wurf, der eine Investition von mindestens 600 Millionen Euro rechtfertigen würde.

Denn der Hamburger Hauptbahnhof ist ein Nadelöhr. Fast alles auf Schienen führt von Norden nach Süden über ihn, weshalb bei der kleinsten Verspätung eines Zuges gleich ein ganzer Pulk wartender Züge feststeckt. Da bringen ein paar zusätzlich überdachte Flächen, auf denen die Menschen zu den wenigen Gleisen rennen können, nahezu nichts.

Eine wirkliche Entlastung wird es wohl nur geben, wenn ein paar Stufen größer gedacht wird – im Sinne eines neuen Fernbahntunnels etwa, der eine neue Gleisebene am Hauptbahnhof schaffen würde, oder eines neuen Hauptbahnhofs an einem anderen Ort.

Ein paar solcher Ideen gibt es ja schon, nur die Verkehrsbehörde wirbt für nichts davon – stattdessen inmitten der heißen Olympia-Wahlkampfphase für etwas, dass den bestehenden Zustand nur ein bisschen besser machen würde. Das heißt aber nicht, dass es dann gut würde. Bestenfalls wäre es dann ein bisschen weniger schlimm, ob mit oder ohne Olympia.

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André Zuschlag
Redakteur taz nord
Jahrgang 1991, hat Politik und Geschichte in Göttingen, Bologna und Hamburg studiert. Von 2020 bis August 2022 Volontär der taz nord in Hamburg, seither dort Redakteur und Chef vom Dienst. Schreibt meist über Politik und Soziales in Hamburg und Norddeutschland.
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