Gewalt bei Schulprotesten : Nur ein Symptom
Die heftigen Ausschreitungen sind eine Folge dessen, dass das Leben immer unbezahlbarer wird. Und einer Hilflosigkeit, anders nicht gehört zu werden.
Foto: Teresa Suarez/AP/dpa
A m Abend vor der Großdemo gingen Emmanuel und Brigitte Macron auf ein Konzert von Céline Dion. Ihre Begleitung: Hélène Arnault, Frau des reichsten Manns Frankreichs. Wäre es nicht die Realität, man könnte es für eine Karikatur halten: hier der Luxus – draußen das wütende, kaputt gesparte Frankreich. Am nächsten Tag zündeten Demonstrant*innen Autos und das Rathaus in Limoges an, schlugen Fensterscheiben ein, plünderten Läden.
Man könnte jetzt anbringen, dass die Proteste vielerorts friedlich verliefen. Dass Protestierende eine Barrikade wegräumten, um die Feuerwehr durchzulassen. Dass Teenager den Cafés halfen, Tische reinzustellen. Dass Plünderer geklaute Hygieneartikel verteilten. Dass ein Mann, der Geschosse in die Menge warf und aussah wie ein Demonstrant, als Polizist enttarnt wurde. Man könnte die enorme Polizeigewalt hervorheben – Jugendliche verloren durch Granaten ein Auge, eine Hand.
All das sind wichtige Kontextualisierungen. Und sie zementieren auch eine scheinbare Dichotomie – diese Gewalt entweder „gut“ oder „schlecht“ finden zu müssen. Falsche Frage. Bessere Frage: Wofür steht die Gewalt? Die Ausschreitungen drücken etwas über die Gesellschaft aus, die sie hervorbringt. Sie sind Symptom eines gewaltvollen Spätkapitalismus, der uns allen die Lebensgrundlagen entzieht. Sie sind Produkt eines undemokratischen Parlamentarismus, in dem man ein Schild hochhalten oder ein Kreuz machen darf, was aber nichts bewirkt.
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Macron regiert per Dekret und hat den linken Sieg der letzten Legislativwahlen übergangen, eine Premierministerin der Umverteilung verhindert. Die Gewalt ist auch Ausdruck einer extremen Marginalisierung etwa in Pariser Vorstädten. Kimberly Jones brachte es bei den Black-Lives-Matter-Protesten auf den Punkt. „Ihr fragt: Warum brennt ihr eure eigene Nachbarschaft nieder? Es ist nicht unsere! Wir besitzen nichts!“ Und: Wem das brennende Rathaus in Limoges mehr wehtut als die Lage der Menschen in den Banlieues, der sollte mal kurz innehalten.
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