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Digitale Gewalt gegen FrauenEs gilt die Schuldvermutung

Lilly Schröder

Kommentar von

Lilly Schröder

Nach dem Fall Ulmen werden Sündenböcke gesucht. Geschlechtsspezifische Gewalt beginnt mitten unter Männern – jetzt müssen sie das Gegenteil beweisen.

Demonstration gegen sexualisierte Gewalt in Hamburg am 26. März Foto: Georg Wendt/dpa

E in weißer Mann verbreitet mutmaßlich aus einem Degradierungsfetisch heraus KI-generierte Deepfake-Pornos von seiner Frau – und offenbart damit eine neue Form digitaler geschlechtsspezifischer Gewalt. Wer ist schuld? Zuwanderer, meint der Bundeskanzler. Die Staatsgewalt, sagen Systemkritiker. Die Betroffenen selbst, meinen fragile Männer und Frauenhasser. Eine Gruppe ist es auf jeden Fall nicht: Männer.

Während die rechtspopulistische Plattform Nius die Beweislage im Fall Ulmen infrage stellt, betont die Süddeutsche Zeitung die Bedeutung der Unschuldsvermutung. Ein Rechtsanwalt argumentiert auf X, dass keine Strafbarkeitslücken geschlossen werden müssten – obwohl bislang kein Straftatbestand für Deepfake-Pornografie existiert. Andere Männer machen die Betroffenen verantwortlich; Collien Ulmen sieht sich aufgrund von Morddrohungen ernsthaften Sicherheitsrisiken ausgesetzt.

In die Reihe fragiler Reaktionen von Männern fügte sich auch die des Bundeskanzlers, der die Debatte um sexualisierte Gewalt für seine rassistische Agenda instrumentalisiert und mit Femonationalismus versucht, die Verantwortung weißer Männer zu leugnen. Merz weiß genau: Patriarchale Gewalt ist kein importiertes Problem, es ist ein Männerproblem.

Während einige wenige Männer online bestehende Machtverhältnisse aktiv verteidigen, nutzen Flinta* ihre Feeds für Solidaritätsbekundungen und kritische Analysen. Doch der patriarchale Arm greift auch in der digitalen Sphäre: Ihre Beiträge wurden durch den Instagram Sichtbarkeitsalgorithmus (Shadowban) massiv eingeschränkt – Menschen könnten die „sensiblen Inhalte“ als „verstörend empfinden“, so die Begründung.

Das Schweigen der Männer ist laut

Der Großteil der Männer schweigt indes. Viele fürchten, als „performativ“ zu gelten – also sich nur zu Selbstvermarktungszwecken feministisch inszenieren. Die Sorge ist nicht unbegründet: In feministischen Debatten wird solidarisches Verhalten von cis-Männern mitunter vorschnell pauschal kritisiert. Gleichzeitig stimmt: Viele Opfer mussten in der letzten Woche Statements von Tätern ertragen, die sich nun als „gute Männer“ darstellen – der Podcaster, der immer 20 Jahre jüngere Freundinnen hat, der Kumpel, der sexistische Witze macht, der Schauspieler, der seine Ex geschlagen hat.

Außerdem drängt sich die Frage auf: Warum fürchten Männer so sehr, „performativ“ wahrgenommen zu werden? Performativ ist man nur, wenn man etwas darstellt, das man nicht praktiziert. Die Männer haben also nichts zu befürchten, wenn sie nicht über sexistische Witze lachen, übergriffige Freunde nicht decken und keinen Anteil an geschlechtsspezifischer Gewalt haben; wenn sie aktiv versucht haben, etwas dagegen zu unternehmen und mit ihren Freunden über ihren Anteil an der Bro-Culture sprechen.

Weil das nur die Wenigsten tun, gilt vorerst die Schuldvermutung – bis sie das Gegenteil beweisen. Wie? Sprecht mit euren Jungs über geschlechtsspezifische Gewalt, geht in den Arbeitskampf für mehr Lohn für Frauen, in den Häuserkampf für Räume für Frauen, setzt euch gegen die ausbeuterische Pornoindustrie und für Kinderbetreuungsmöglichkeiten ein, spendet Geld in Organisationen, die Flinta* helfen, die Gewalt erfahren, geht auf die Straßen. Und: Benennt geschlechtsspezifische Gewalt schon auf der niedrigsten Stufe – sie beginnt bei sexistischen Sprüchen und „Witzen“. Dann fühlt sich ein öffentlicher Kommentar vielleicht auch nicht so performativ an.

Seit Jahren kritisieren Flinta* den vermeintlichen Humor in Christian Ulmens Shows als frauenfeindlich und abstoßend. Ihnen wurde entgegnet: Das sei Satire, sie würden den genialen, Gegenwarts-kritischen Humor von Ulmen nicht begreifen. Heute zeigt sich: Es gibt keine versteckte Botschaft, keinen doppelten Boden.

Der misogyne Humor, den Ulmen als „Kunst“ inszeniert, entspricht eins zu eins seinen privaten Fantasien. Eine frühere Serie von ihm hieß „Who wants to fuck my girlfriend?“. Die Behauptung, man müsse Kunst und Künstler trennen, ist Bullshit. Wir müssen endlich aufhören „Satire“ und „Kunstfreiheit“ als Entschuldigung für Frauenhass zu missbrauchen. Männer, die Flinta* in Witzen, Liedern oder Filmen erniedrigen und entmenschlichen, haben diese Fantasien auch in der Realität. Sie sind es, die bloßgestellt werden müssen.

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Lilly Schröder
Redakteurin für Feminismus & Gesellschaft im Berlin-Ressort Schreibt über intersektionalen Feminismus, Popkultur und gesellschaftliche Themen in Berlin. Studium der Soziologie und Politik.
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60 Kommentare

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  • taz: *Der misogyne Humor, den Ulmen als „Kunst“ inszeniert, entspricht eins zu eins seinen privaten Fantasien. Eine frühere Serie von ihm hieß „Who wants to fuck my girlfriend?“.*

    Der Mann war wohl schon immer etwas merkwürdig.

    Merkwürdig ist aber auch, dass in diesem Land nur etwa 3 Prozent der sexuellen Übergriffe (z.B. Vergewaltigungen) polizeilich angezeigt werden. Es besteht oft die Sorge der Frauen, dass eine Anzeige keine Konsequenzen für den Täter hat oder es an Beweisen mangelt (Aussage gegen Aussage). Dann kommt noch die Angst dazu, das Trauma durch polizeiliche Vernehmungen und Gerichtsprozesse erneut durchleben zu müssen, was viele Frauen abschreckt eine Anzeige zu erstatten.

    Und was sagt unser Bundeskanzler zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen? In einer Regierungsbefragung am 25. März 2026 bezeichnete Merz die Situation als "explodierende Gewalt" und verknüpfte diese primär mit Zuwanderergruppen. Er gab an, ein "beachtlicher Teil" der Täter komme aus diesen Gruppen.

    Unser CDU-Kanzler haut nur noch in die Kerbe der AfD, anstatt das Thema ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass betroffene Frauen durch polizeiliche Vernehmungen nicht noch mehr traumatisiert werden.

    • @Ricky-13:

      @Ricky-13



      Gute Gedanken von Ihnen. Kanzlers Statement war echt sehr von Schwäche dominiert.



      Unser BlackRocky hätte sich aber wirklich auch Larsi, dem Soldatensohn anschließen können und sich der Bevölkerung gegenüber dahingehend äußern können, diese Gewalttaten bestätigen nur, die Bevölkerung hat zuviel Zeit und muss unbedingt mehr arbeiten. 60 / 70 Stunden Woche wäre eine respektable, innovative Maßnahme, um in dieser Gewaltangelegenheit & Machtausübung mal eine sachdienliche Diskussion zuführen.

    • @Ricky-13:

      💯👍👍🏻👍🏽👍🏿 Danke für die gute Zusammenfassung all der Missstände, die ebenfalls nichts zu suchen haben in einer Demokratie. Das darüber noch debattiert werden muss ist echt traurig.

  • Natürlich muss man von einer pauschalen und kollektiven Schuldvermutung ausgehen, bei einem solchen System patriarchaler Gewalt und Herrschaft und dessen offensichtlichen Profiteuren ist das ebenso logisch wie naheliegend. Aber dann kann doch nicht - wie es der Artikel tut - die einzige Strategie zur Überwindung dieser Zustände darin bestehen an diese Profiteure und Täter zu appellieren sie mögen sich doch bitte ändern und solidarisieren. Der Absolutismus wurde ja auch nicht mit einer Bittschrift um Einführung der Demokratie nach Versailles abgeschafft, noch der Kapitalismus durch Appelle zum freiwilligen Verzicht an die Kapitalisten. Wo Herrschaft auf andauernder Gewalt und Unterdrückung gründet bleibt nur sie zu brechen und die Strukturen die sie ermöglichte nachhaltig zu zerstören.

  • Sind die Religiösen Organisationen alle mit ihren Missbrauchsfällen beschäftigt, oder warum ist da, bezüglich gewalttätiger Menschen gegen andere Menschen, ihr Schweigen so laut ?



    Oder ist die Scham so groß ?

    Speziell im Fall Ulmen hilft ein Blick in die Vergangenheit und zeigt uns doch, ich möchte hier an den Fall Kachelmann erinnern, was unrechtmässige Vorverurteilungen gegen einzelne Personen bewirken können. Da sollten wir wirklich Zurückhaltung üben und Schweigen.



    Ansonsten sollten Männer und Frauen gemeinsam gegen jegliche Gewalt und Machtausübung aufbegehren.

  • "Der Großteil der Männer schweigt indes." Es laufen doch jede Menge Männer auf den Demos mit. Muss sich jetzt jeder Mann zum Thema äußern? Wenn ja, warum? Frauen äußern sich auch nicht zu Allem.

    • @migra:

      Frauen benehmen sich auch nicht in der Masse toxisch gegenüber Männern und fallen seltener durch Missbrauch auf.



      Die Tatsache, dass Sie die pauschale Verantwortung abstreiten ist wesentlicher Teil des Problems.

  • Ganz ausgezeichnet formuliert, danke Frau Schröder.

  • Also, ich habe den Artikel noch einmal gelesen. Meines Erachtens spricht die Autorin nicht davon, den juristischen Begriff der Unschuldsvermutung durch den der Schuldvermutung bei Tätern zu ersetzen. Vielmehr geht es wohl darum, dass all diejenigen Männer, die die vermutlichen Taten relativieren, generell leugnen und die Frauen bei ihren berechtigten Anliegen nicht unterstützen, sich (mitschuldig) machen. Statt abzuwiegeln, die Migranten verantwortlich für alles Schlechte in diesem Land zu machen (hatten wir doch schon mal), sollte sie genau hinsehen, was sie selbst und die Männer in ihrem Umfeld den Frauen tagtäglich antun.

  • Es gilt die Dummfugvermutung. Zumindest bei solchen Artikeln, bei denen jemand seinen allgemeinen Weltschmerz in komplizierte Worte fasst.

    Interessant ist, dass man sich ausgiebig über die Milliarden von Männern beschwert, die einfach was anderes zu tun haben, als das Netz vollzuschreiben - obwohl sie das mitmaßliche Verhalten solcher Töter selbstverständlich zum Kotzen finden. Man reduziert aber lieber 5 Mrd Menschen zu Komplizen, Mittätern und Mitläufern. (Aber dass fast genauso viele Frauen sich kaum zu dem Fall äußern wird natürlich übersehen…)

    Das Problem des Netzfeminismus ist die eigene Engstirnigkeit. Es geht darum sich selbst als Oberfeministin mit seiner antipatriachalen, aber durchaus überprivilegierten Schlaumeiersprache in irgendwelchen Zeitschriften, Blogs und Podcast zu kaprizieren - aber nicht darum echte Antworten für ein Zusammenleben und die Lösung von Problemen zu finde .

    • @Sebomark:

      Schönes Beispiel für das oben angesprochene Problem. Danke für die leicht verständlichen Beispiele Ihrerseits. Das ist genau das Problem.

    • @Sebomark:

      Zum einen gibt es nicht 10 Milliarden, sondern nur 8 Milliarden Menschen und die sind bei Weitem nicht alle im Netz unterwegs.



      Zum anderen fordert niemand, dass die jetzt alle Partei für die Frauen ergreifen. W e n n diese aber wenigstens ihre Waffel halten würden und z.B. nicht auch hier beim Kommentieren auf die Seite der Täter träten, dann wäre schon viel gewonnen.

    • @Sebomark:

      Feminismus, generell Menschenrechte, sind ein Wettbewerb: Wer ist der Beste in Ausführen.

      Das ist aber nicht falsch, sondern diese Art von Wettbewerb fördert das Zusammenleben. Anstatt dass fünf Bauarbeiter einer Frau hinterhergaffen und keiner tut etwas dagegen, schaut nur einer und wird von den vier anderen moralisch belehrt, dass das nicht in Ordnung sei. Keiner von denen ist der Oberfeminist, keiner von denen sind Schlaumeier, sondern vertreten nur das Grundgesetz, wie es auch vom Bürger eingefordert wird.

      Doch bis die Menschheit ihre Intelligenz auch vernünftig nutzt, werden wohl noch viele Jahrhunderte vergehen. Besonders in der immer autokratisch werdenen Welt.

  • Da hier so vielen der satirische Ansatz des Artikels nebst Headline mal wieder komplett abgeht (Subtil ist kein Waschmittel 😉) & um die Redaktion nicht in den Wahnsinn zu treiben, lass ich mal das Antworten auf jeden Einzelnen (gendern unnötig 😉) der sich hier massiv stört an dem Konstrukt der „Schuldvermutung“. Erinnern möchte ich an Schuldvermutungen die Frauen in der Historie hinnehmen mussten beginnend bei so ziemlich allen Religionen die Frauen sinnbildlich für die Verkörperung des Bösen & allen Übels für SCHULDIG befunden haben, sie somit degradiert haben auf eine ewig sündiges Leben das sie nur durch untertäniges Sklavendasein kompensieren konnten. Frauen wurden zu Millionen der Hexerei als SCHULDIG überführt gefoltert, verbrannt oder anderweitig getötet, was waren da gleich die Rechtsmittel 🤔 ach ja, sie schwimmt auf dem Wasser, sie muss ein Hexe sein. Im Lauf der Medizingeschichte war die Frau einer mangelhaften Konstitution & ohnehin als minderwertiger Mann verpönt, SCHULDIG all ihrer Leiden, die lediglich histrionischer Natur sein können. Wobei im Lauf der Historie mal der Uterus, mal die Eierstöcke verantwortlich waren, je nach Quacksalber (gendern unnötig) usw usf

    • @Lou Andreas-Salomé:

      Eine wie auch immer geartete Schuldvermutung hat in einem Rechtsstaat, hat in einer Demokratie einfach nichts zu suchen.



      Da bedarf es eigentlich keiner weiteren Debatte.

  • Kein Kommentar zu dem vergewaltigten Mädel in Berlin, aber bei einer Promilady werden hunderte Texte geschrieben.



    Kommt das eigentlich nur mit schräg vor ?

    • @Donni:

      Man kann ja nicht jeden Artikel kommentieren.

      Zudem gibt es in Berlin ja eine "besondere Problemlage", die es für einige im linken Milieu schwer macht, eine Position zu finden oder gar öffentlich zu äußern.

    • @Donni:

      Nein, ich habe in meinem Kommentar ebenfalls darauf hingewiesen. Ich kann nur spekulieren, warum das so ist. Ich vermute, dass es daran liegt, dass sich der Fall in Berlin nicht so leicht in ein "Männer schlecht"-Narrativ pressen lässt, weil in diesem Fall laut Vorwurf des Jugendclubs eine Jugendamtsmitarbeiterin, die der Schirmherrschaft einer zuständigen Linken-Politikerin untersteht, die Vergewaltigung einer Minderjährigen unter den Teppich gekehrt haben soll. Das hieße im Ergebnis, Frauen, deren Aufgabe es gewesen wäre, hätten aus abwegigen Motiven beim Schutz eines Mädchens vor der Gewalt durch Männer (oder in diesem Falle mutmaßlich Jungen) absichtlich versagt. Das wäre eine Geschichte, die darauf hinweist, dass eine "Männer = Täter, Frauen = Opfer" Konstruktion zu simpel ist (so sie denn stimmt) - und das macht es natürlich schwerer, die Problematik sexueller Gewalt als Gesamtes zu einer ausschließlichen Problematik anderer Menschen (nämlich ausschließlich Männern) zu erklären.

    • @Donni:

      Es geht nicht um eine "Promilady", sondern um die Millionen Frauen, die im Internet und im wirklichen Leben tagtäglich beleidigt und herabgewürdigt werden. Die "Promilady" arbeitet übrigens schon seit vielen Jahren daran, diesen Missbrauch zu bekämpfen.

      • @Il_Leopardo:

        Sie haben doch selbst in Ihrem Kommentar von gestern, 22:04 Uhr, geschrieben, dass Ulmens sexistische Performance vermutlich keine Kunst, sondern seinem realen Leben entsprungen sei. Fernandes war mehr als 10 Jahre mit Ulmen verheiratet und hat auch beruflich mit ihm zusammengearbeitet. An seinem öffentlich zur Schau getragenen Sexismus hat sie sich offenbar nicht gestört, solange sie nicht persönlich betroffen war. "Bekämpfen" sieht anders aus.

        • @Budzylein:

          Sie selbst hat dazu gesagt, dass sie lange Jahre nicht im Netz, also in den Sozial Media unterwegs war und erst sehr spät vom Tun ihres Ex erfuhr. Ich habe auch gelesen, dass sie schon seit Jahren gegen "sexistische Gewalt im Netz" einsetzt.

  • "gilt vorerst die Schuldvermutung – bis sie das Gegenteil beweisen."

    "In dubio contra reum"?

    Nach Meinung der Autorin müssen Männer also in Zukunft einen Entlastungsbeweis erbringen.

    Entspringt ganz der Linie einiger Staaten, die dieses Prinzip in anderen Bereichen anwenden und nicht nur in ihren Rechtssystemen die Beweislast umgekehrt haben.

    Kleiner Auszug von Staaten die nach der Praxis des Entlastungsbeweis verfahren: Aserbaidschan, Myamar, El Salvador, Katar, Saudi Arabien, Ägypten.

    In diesen Staaten ist es sehr wahrscheinlich, das selbst der Entlastungsbeweis keine entlastende Wirkung entfaltet, da das Urteil oftmals schon vorher feststeht.

    Gilt auch für den Bereich der öffentlichen Meinung, sofern überhaupt noch vorhanden.

    Ich bezweifel daher doch stark, das sich die Autorin mit diesem Umfeld gemein machen möchte und denke das sie damit ihrem Anliegen nicht gerecht wird.

    Bleibt nur die Empfehlung, sich noch einmal konkret mit Sinn und Zweck des Prinzips der Unschuldsvermutung vertraut zu machen.

  • Ich frage mich immer, was solche Beiträge eigentlich für eine Wirkung erzielen sollen, oder geht es nur um Frustabbau. Dass die "Bier und Schnitzel"-Männer und die BMW-Poser oder die regelmäßigen Bordellbesucher und Ballermann-Touristen damit nicht erreicht werden, ist ja sowieso klar. Aber gibt es überhaupt Männer, die sich auf dies Form des Angriffs hin Gedanken machen und etwas hinterfragen - oder schüren derartige Artikel nicht viel mehr klare Abwehrhaltungen, davon fühlt man sich doch nicht angesprochen.

    Und die meisten Frauen werden darin auch nicht wiederfinden, die sehen "den Mann" nicht als Feind oder als unterlegenes Wesen an, das vom weibilichen Geschlecht lernen muss.

    • @Dr. McSchreck:

      Es ist wichtig, dass die Frauen auf die Straße gehen und die Öffentlichkeit mobilisieren. Wenn dann auch noch ein paar Männer mitmachten, kann das helfen. Wenn dann genügend Öffentlichkeit hergestellt ist, muss auch die Politik das Thema nicht mehr länger ignorieren, sondern muss vielmehr handeln. Auf diesem Weg werden dann am Ende auch die Männer erreicht, die diesen Missbrauch betreiben - und wenn es auch nur die Hand des Gesetzes ist, die sie erreicht.

      • @Il_Leopardo:

        Danke für Ihre regelmäßig sehr feinen Kommentare.

        • @Lotte Huber:

          You just made my day! Oder auch: Das Lob einer klugen Frau ist mir sehr wichtig! Vielen Dank!

      • @Il_Leopardo:

        💯👍👍🏻👍🏽👍🏿

        • @Lou Andreas-Salomé:

          Schön, von Ihnen und Lotte Huber zu hören bzw. zu lesen. Wenn Sie beide nicht wären, würde ich mir hier so manches mal die Haar vor Verzweiflung raufen.

  • Um mit Dieter Nuhr zu sprechen: "Ich erlaube mir keine Position zu beziehen." Danke, daß sie meine Freiheit dazu respektieren. Wenn nicht: auch egal.

  • Ähem, vielleicht schweigen "die Männer", weil sie erstmal abwarten, bis man weiß, was Sache ist. Die Autorin scheint sich ja in der Beziehung dieses Paares auszukennen. Ich nicht. Merkwürdig auch, dass die gleichzeitige nicht-virtuelle Mehrfachvergewaltigung in einem Neuköllner Jugendtreff keinerlei Aufmerksamkeit und Demos bei den Flintas hervorruft.

    • @Georg Uehlein:

      Ja, das hat mich auch gewundert. Die Verletzung von Persönlichkeitsrechten im Digitalen Bereich (zb durch gefälschte Videos / Stimmen etc) ist ein relativ neues Phänomen und muss entsprechend bekämpft werden.



      Dass aber diese Fall aus dem Berliner Jugendtreff nicht eine mindestens genau so grosse Debatte und Empörung ausgelöst hat ist schon befremdlich

  • "Es gilt die Schuldvermutung."



    Soll das der zielführend Ansatz sein?

  • „In die Reihe fragiler Reaktionen von Männern fügte sich auch…“

    das immense und erschreckende Aufkommen, MANNigfaltiger Kommentare unter betreffende Artikel.

    „Doch der patriarchale Arm greift auch in der digitalen Sphäre:... “

    wie zu bemerken, wenn weibliche Kommentare gecancelt werden, während Männer Abwehrmechanismen zu Hauf postulieren können.

    Von daher erwarte ich mit Spannung die Veröffentlichung und danke Frau Schröder für das Bullseye: die scharfe Beobachtungsgabe und präzise Reflektion des gesellschaftlichen Diskurs und seiner Abgründe.

    • @Lou Andreas-Salomé:

      Danke, @Lou Andreas-Salomé. Die meisten kommentierenden "Herren der Schöpfung" lassen sich triggern und eröffnen einen Nebenschauplatz, auf dem sie im gemütlichen Status des Beleidigtseins alles von sich weisen können.

  • Wer aufhört, Kunst und Künstler zu trennen, verabschiedet sich von der Kunst insgesamt. Man könnte sogar sagen, wer sowas fordert hat nicht wirklich verstanden, was Kunst eigentlich sein soll.



    Wobei man natürlich geteilter Meinung darüber sein kann, ob Herr Ulmen "Kunst" produziert hat.

    • @Brobdignag:

      Ich fürchte, im Licht der Erkenntnisse kann man nur einer Meinung sein ob Herr Ulmen Kunst produziert hat oder nicht. Der langjährige Verlauf spricht allerdings gegen Kunst.

    • @Brobdignag:

      Wie es ausschaut, war das nicht Kunst sondern entsprang seinem realen Leben. Ein furchtbar unreifer Mann, von denen es mehr gibt als man allgemein denkt.

      • @Il_Leopardo:

        Und immer mehr blicken neidvoll zu denen hinauf, die sich eine derartige Unreife leisten können.

        • @Erfahrungssammler:

          Dieser sogenannte Schauspieler und Satiriker liebt weder Frauen, noch Männer. Sonst würde er nicht in die Rolle s(einer) Frau Schlüpfen, um andere Männer zu "verarschen". So etwas machen verwirrte Dreizehnjährige, aber doch keine reifen Männer. Und wer zu solchen Gestalten aufblickt, ist auch nicht besser.

  • "Weil das nur die Wenigsten tun, gilt vorerst die Schuldvermutung – bis sie das Gegenteil beweisen.":

    "Die Unschuldsvermutung – der Grundsatz, dass jeder Beschuldigte bis zum Beweis seiner Schuld als unschuldig gilt – ist ein zentrales Element des Rechtsstaates und der Demokratie. In faschistischen Regimen und Diktaturen wird dieser Grundsatz hingegen gezielt außer Kraft gesetzt, um Herrschaft zu sichern und Gegner zu verfolgen." (KI)

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • "Weil das nur die Wenigsten tun, gilt vorerst die Schuldvermutung – bis sie das Gegenteil beweisen."



    Bekomme ich dann eine Lebensberechtigungsurkunde? Wo kann ich die beantragen?

  • Valider Punkt: Männer wie Frauen wie Diverse bekommen bitte die Schnute auf, wenn jemand für seine Abwertungen auch noch Faxengroschen haben möchte. Höflich wie deutlich ein Nein-danke zu so etwas.

    Ich möchte dabei immer noch Hrn. Ulmen erst dann mit bösen Namen belegen, wenn's wirklich geklärt ist. Nichts bitte, was ich nachher bedauern könnte.



    Zwischenzeitlich bleibt der Kampf für universale Rechte eine gute Idee.

  • Die einzige Gruppe, die Schuld ist, sind die Täter (m/w/d). Anders als die Autorin meint, gilt insoweit auch die Unschuldsvermutung.

  • Immerhin hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe das Verfahren gegen den mutmaßlichen Täter* Ulmen wieder aufgenommen. Der "mutmaßliche" Täter sollte sich also warm anziehen.

    *



    Man muss das "mutmaßlich" jetzt immer benutzen, sonst bekommt man Schwierigkeiten mit den Anwälten von Ulmen.

    • @Il_Leopardo:

      Nichts gelernt vom Fall Ofarim oder Gelbhaar? Da wart ihr doch auch ganz schnell mit dem Vorverurteilen und empört über jeden der auch nur das Wort Unschuldsvermutung gesagt hat.

    • @Il_Leopardo:

      Da haben Sie mutmaßlich recht :))

  • Liebe Autorin, wenn Du Dich für das Schweigen ernsthaft interessierst: Melde Dich. Ich kann aus meiner Lebenserfahrung davon erzählen.

  • "Die Behauptung, man müsse Kunst und Künstler trennen, ist Bullshit. Wir müssen endlich aufhören „Satire“ und „Kunstfreiheit“ als Entschuldigung für Frauenhass zu missbrauchen. Männer, die Flinta* in Witzen, Liedern oder Filmen erniedrigen und entmenschlichen, haben diese Fantasien auch in der Realität. Sie sind es, die bloßgestellt werden müssen."



    Daraus folgt:



    - Goethe wollte Kinder töten ("Erlkönig")



    - Büchner wollte Frauen töten ("Woyzeck")



    - Brecht wollte "minderjährige Witwen schänden" ("Moritat von Mackie Messer" aus "Dreigroschenoper")



    - Nabokov fand Pädophilie super ("Lolita")

    Ein solches Verständnis von Kunst und Kultur halte ich für ziemlich vulgär und abwegig. Es deckt sich aber gut mit der Trennschärfe einer "Analyse", die komplexe gesellschaftliche Problematiken auf einfache Zuschreibungen ("Männer sind Täter") reduziert.

    Ich finde es übrigens auch interessant, dass dies schon mindestens der vierte Meinungsbeitrag zur Causa Ulmen/Fernandes ist, den ich hier lese - aber die jüngste Entwicklung zur Vergewaltigung einer 16-jährigen in einem Jugendclub in Berlin bisher noch keinen Meinungsbeitrag wert war. Zählen prominente Opfer mehr als unbekannte Minderjährige?

    • @Agarack:

      Der große Unterschied zwischen den von Ihnen genannten "Giganten" und dem vermutlichen Täter ist, dass die Werke von Goethe, Büchner und Brecht reine Fiktionen sind, während der vermutliche Täter seine Phantasien vermutlich in Taten umgesetzt hat.



      Im übrigen musste ich über Ihren Vergleich der drei größten Dichter mit dem mir bis vor Kurzem völlig unbekannten "Darsteller" lauthals lachen. Sie scheinen den Unterschied zwischen Kunst und Kunst nicht zu kennen.

    • @Agarack:

      Nein, Ihre Schlussfolgerung ergibt sich nicht notwendigerweise aus dem zitierten Absatz. Die reine Behauptung, man habe sich mit einem Thema auf ironische Weise kritisch auseinandergesetzt und könne deshalb nichts Frauenfeindliches produziert haben, ist kein Garant dafür, dass das Produkt tatsächlich der vorgetragenen Intention folgt. Es gab und gibt sehr gute Gründe, "Who wants to fuck my girlfriend?" nicht als Satire oder Kritik einzuordnen.



      Weshalb Sie behaupten, es gäbe noch keinen Kommentar zu den Vorfällen im Jugendclub, erschließt sich mir nicht. Hier ist er: taz.de/Vergewaltig...dzentrum/!6166413/

    • @Agarack:

      Das war keine Kunst, sondern er hat seine Auffassungen dargestellt!

  • Sind das nun Neuigkeiten, Frau Schröder? Immer wird so getan, als ob gerade etwas vom Himmel gefallen sei - na ja - aus der Hölle. "Die Männer..." , ist Blödsinn ... , "...die Frauen" auch. Aber, keine Frage, es gibt Tendenzen... und die sind erheblich. Es gibt eine Masse an sozial frustrieren Menschen, die ihre Kränkungen mehr oder weniger ausleben, Männer und Frauen. Dort müsste man mal ansetzen, möchte man einen Hauch von Realität erwischen...

  • "Männer" ist eine hübsche Verallgemeinerung, die ansonsten verpönt ist. Aber wenn es gewünscht ist, Frauen stellen 50 Prozent der Bevölkerung, wenn sie wirklich etwas gemeinsam verbessern möchten, brauchen sie nicht einen einzigen Mann dafür. Ansonsten wäre es peinlich

    • @Nickalsname:

      Sie scheinen also zum Generalstreik aller Frauen aufzurufen. Gute Idee!!

    • @Nickalsname:

      Schon mal davon gehört, dass es auch unter den Frauen solche gibt, die sich nicht nach "vorne" trauen. Nur wenige haben den Mumm, für ihre ureigensten Interessen einzutreten - vielleicht weil sie die Wut der Männer fürchten.



      Insofern ist es wichtig, dass auch Männer für die Interessen der Frauen eintreten. Sie sollten nicht immer nur behaupten, dass sie ihre Frauen lieben, sondern die berechtigten Anliegen der Frauen unterstützen.

  • Wenn man nun aber nicht dem Ideal der anderen Männer entspricht interessiert es sie nicht, ob man Kontakt mit ihnen will oder sie toll findet. Und die misogynen Typen finden jemanden, der Geschlechtergerechtigkeit unterstützt, sowieso komisch. (Ich bezeichne mich selbst nicht als Feministen - ich erkenne auch nicht-binäre Menschen und denke, dass Gerechtigkeit auch nichts ausschließlich weibliches ist, außerdem sollte der Begriff für mich ausschließlich für die Unterdrückung von Frauen gelten, um hoffentlich historisch Symbol von etwas zu bleiben, das man gut als eine sehr widerliche Zeit einordnen kann. Auch finde ich Ansichten befremdlich, die die verkorksten Rollen nur umdrehen wollen oder damit wieder extreme Rollen verbinden, die sich auch hinter diesem Begriff verstecken, wie TERFs und dergleichen).