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Das bisschen HaushaltSchuld allein ist nicht die SPD

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Der SPD-Finanzminister saniert den Haushalt mit Krediten und Geld für Klimaschutz. Doch die Union verhindert, dass Vermögende einen Beitrag leisten.

I m Haus von Lars Klingbeil versteht man die Welt nicht mehr. Da hat man es trotz Wirtschaftsflaute, Trumpistischer Zollpolitik und Kriegen geschafft, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen – und dann hagelt es nur Kritik. Daran, dass der SPD-Finanzminister ein Viertel der Ausgaben auf Pump finanziert und den Klimafonds als Notgroschen missbraucht. Das ist berechtigt. Aber die Schuldigen sitzen nicht nur im Finanzministerium, sondern vor allem in München und im Konrad-Adenauer-Haus.

Über eine halbe Billion Euro will die Bundesregierung im nächsten Jahr ausgeben, mehr als je zuvor. Ausgabentreiber ist die Landes- und Bündnisverteidigung. Um Russland abzuschrecken und die Nato-Quote von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu erfüllen, wächst der Verteidigungsetat 2027 auf 150 Milliarden Euro, der Großteil finanziert durch Kredite. Das ist bequem, weil die Schuldenbremse für alle Ausgaben, die ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschreiten, nicht mehr gilt. Aber auch solche schnellen Schulden kosten sofort Geld, für Zinszahlungen muss der Bund demnächst über 40 Milliarden Euro ausgeben.

Sicherheit ist wichtig. Doch es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die Rüstungsindustrie Preise in jeder beliebigen Höhe aufrufen darf, etwa 12 Milliarden Euro für acht Fregatten, aber Wohngeldbezieher:innen, Pflegebedürftige, gesetzlich Versicherte, Behinderte akzeptieren sollen, dass bei ihnen gespart wird.

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Das liegt vor allem an der Union, die verhindert, dass die mit Staatsgeld gepamperten Rüstungskonzerne einen Teil ihrer Übergewinne wieder an die Allgemeinheit zurückgeben. Genauso strikt ist die Union dagegen, dass die 5.000 Überreichen in Deutschland, denen die schier unfassbare Summe von rund 3 Billionen Euro gehört, einen klitzekleinen Anteil davon abgeben, damit Deutschland durch die Krisen kommt. Eine Vermögensabgabe in Höhe von 2 Prozent für diese Gruppe brächte etwa 10 bis 30 Milliarden Euro. Aber Beine machen will die Union nur den anderen. Die SPD macht da mit – das ist schon schlimm genug.

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Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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6 Kommentare

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  • Der krasse Vertrauensbruch der SPD wird nicht dadurch gemildert, das die Union den Klimawandel noch mehr leugnet.



    Im Gegenteil: Es gab sicherlich viele WählerInnen, die die SPD als Korrektiv gewählt haben.



    Aber diese SPD ist kein Korrektiv mehr. Sondern eine soziale und klimapolitische Abrißbirne. Und dafür kann und sollte man sie als Linker auch klar kritisieren.



    Whataboutism hilft hier keinem.



    Nur die Abwahl BEIDER Parteien.

  • Es erscheint schon noch, als könne die CDUCSU nicht anders, und es gibt m. E. sehr viele soziale Wohlhabende. Realiter muss man konstatieren, dass es keinen Sinn mehr macht, Politik "für die (wirtschaftlich) ganz oben" zu machen. Die SPD sollte dies nun begreifen. Lieber "den Laden" selbst neu aufbauen, als so weitermachen.

  • ... und was wäre jetzt zu tun?



    Scheinbar lässt sich eine Mehrheit in unserem Land gerne zugunsten Superreicher und einer Union die Gefallen daran findet auspressen.

  • Ja, natürlich verhindert die CDU, dass Vermögende einen stärkeren Beitrag leisten. Und natürlich wäre das die einzige Chance für eine Politik, mit der wieder mehr Menschen zufrieden sind. Und natürlich würde das die AfD enorm schwächen. Und natürlich hat die CDU damit die Hauptschuld dafür, dass die AfD weiter stärker wird.



    Wenn man Milliardäre und Superreiche (also mit mehr als 100 Mio. € Finanzvermögen) um 30-100 Mrd. € pro Jahr stärker besteuern würde, ließen sich alle Probleme lösen und die Menschen wären wieder zufrieden mit der Politik und zufrieden mit dieser Demokratie. Und es würde die noch nicht einmal ärmer machen, sondern nur etwas langsamer reicher. So ist das Vermögen der Milliardäre und Superreichen seit 2024 um ca. 400 Mrd. $ angewachsen, zum großen Teil ohne eigene Leistung, einfach nur, weil sie Aktien in ihrem Besitz hatten und fast alle Aktien gestiegen sind.



    Aber trotzdem hat die SPD ebenfalls einen guten Teil der Schuld, weil bereits 30 entschlossene SPD-Abgeordnete würden dies erreichen können - einfach weil sie 80% der Bevölkerung hinter sich hätten, s. demokratieingefahr...ratie-und-die-spd/

  • In der Tat wir echt gefühlt in jedem 2 Artikel die strukturellen Probleme dadurch gelöst, das vermeintliche Privatvermögen großzügig umzugverteilen.



    Frei nach dem Spruch von Margreth Thatcher: "Hilfe und geht das Geld der Anderen aus"

    Was mich in dem Zusammenhang aber verstärkt sorgen macht ist die Begründung zu deren Abschöpfungslegitimität.

    Der Überreichtum, kurz derjenige hat zu viel weil die anderen zu wenig haben.



    Früher wurde auf linker Seite mit Steuersätzen und klar mathematischen Maßnahmen argumentiert.



    Heute geht's nur noch ums Einsammeln, mit Begriffen tax the rich oder breite Schultern oder noch besser Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten.



    Man gewinnt den Eindruck erst wenn alle das gleiche haben ist es für die linke Seite gerecht genug.

  • Wen wundert das? Die csdU war, ist und bleibt die Partei der Reichen und Superreichen. Aus deren Umgebung finanziert sich die Partei massiv. Das ist auch in diesem Fall der Verschonung dieser Klientel der Hintergrund. Solche fruchtbaren Beziehungen setzt man nicht aufs Spiel nur um dem Plebs zu helfen. Wo kommen wir denn dann hin? Und der Plebs? Wählt die trotzdem wieder und lässt sich zudem von einer noch schlimmeren Partei becircen, die denen noch mehr Fell über die Ohren ziehen wird....



    Und die sPD? Wie in den letzten Jahren gesehen: taucht ab und hat Angst vor Machtverlust und der wird auf diese Weise noch schmerzhafter werden.