Bericht über antimuslimischen Rassismus : Die alltägliche Ausgrenzung
Der Hass auf Muslime gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch Widerspruch dagegen gibt es hierzulande viel zu wenig.
Foto: Britta Pedersen/dpa
E in Mann in Edinburgh läuft mit einer Axt in der Hand durch die Straßen und greift nahe einer Moschee wahllos Menschen an, bis ihn die Polizei überwältigt. Ein 23-jähriges Mitglied der CDU in Krefeld verbreitet in den sozialen Medien, er würde gern alle Muslime „vergasen“. Vor einem Monat greifen zwei jugendliche Terroristen in den USA eine Moschee an und töten drei Menschen. Sie wollten ein Massaker verüben und ihre Tat live im Internet streamen.
Über 4.000 antimuslimische Vorfälle wurden im vergangenen Jahr allein in Deutschland registriert, im Durchschnitt gut 11 Vorfälle pro Tag. Darunter fallen tätliche Angriffe auf Schulkinder, Bombendrohungen gegen Moscheen und sogar Morde, bei denen Gerichte nicht immer ein antimuslimisches Motiv erkennen wollen. Die große Mehrheit bilden aber Vorfälle in der Schule, bei der Wohnungssuche oder bei Behörden sowie, besonders häufig, rassistische Beschimpfungen im Internet: die ganz alltägliche Ausgrenzung.
Sie fällt nicht vom Himmel: Rechtsextreme Influencer von Laura Loomer bis Tommy Robinson verbreiten ihren Hass auf Muslime weltweit millionenfach im Netz, einflussreiche Unterstützer wie Techbillionär Elon Musk verstärken ihn auf ihren Plattformen. Rechte Parteien weltweit schüren Angst vor Muslimen, und rechte Publizisten verbreiten auch in hiesigen Talkshows vor Millionenpublikum die Mär, Deutschland werde von Islamisten „unterwandert“. Widerspruch dagegen gibt es kaum.
Während scharfe Polemik gegen Israels Kriege regelmäßig zum „Antisemitismus-Skandal“ aufgebauscht wird, geht selbst handfester antimuslimischer Rassismus hierzulande häufig als Kavaliersdelikt durch. Diese Gleichgültigkeit erklärt womöglich auch das betretene Schweigen, mit dem große Teile der deutschen Öffentlichkeit auf den Völkermord in Gaza blicken – so, als wäre Deutschland selbst daran nicht beteiligt. Diese Toleranz gegenüber der Intoleranz ist ein Problem, denn sie gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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