„Babylon Berlin“-Star Volker Bruch: Schauspieler auf Abwegen

Volker Bruch, Mitinitiator von #allesdichtmachen, hat einen Mitgliedsantrag für „Die Basis“ gestellt. Der Partei eilt ein zweifelhafter Ruf voraus.

Volker Bruch.

Volker Bruch appellierte in seinem Video an die Regierung: Er wolle „mehr Angst“ haben Foto: Skata/imago

Der Schauspieler Volker Bruch dreht derzeit in seiner Hauptrolle als Kommissar Gereon Rath die vierte Staffel der ARD-Premium-Serie „Babylon Berlin“. Aufnahmen vom Set am Roten Rathaus in Berlin zeigen die Filmcrew auch nach Beginn der Ausgangssperre. Bruch dürfte wegen seines Engagements zufrieden sein, sein Lächeln darüber kann wohl je­de*r sehen: Ein ärztliches Attest befreit ihn von der Pflicht zum Tragen einer Maske. Dies sorgte am Set allerdings für Kritik.

Bruchs Motiv aber sei derzeit die Angst. Über die sprach er in seinem Video für die Aktion „Alles dicht machen“, jener vermeintlich ironischen Kritik an der Coronapolitik von Ende April: „Ich will wieder mehr Angst haben, denn ohne Angst habe ich Angst.“ Bruch gehört nicht zu jenen der insgesamt 51 Schauspieler*innen, die die Tragweite ihrer Aktion nicht durchschaut haben.

Er hat die Kampagne zusammen mit dem Regisseur Dietrich Brüggemann und dem Schauspieler Jan Josef Liefers initiiert und damit der Querdenkenszene einen Dienst erwiesen. Und wie Recherchen von Netzpolitik auf Grundlage eines Anonymous-Hacks nun zeigen, ist Bruch bereits Mitte März in die Querdenker-Partei Die Basis eingetreten. Vorläufige Mitgliedsnummer 967.

Ende März gab Bruch schon einmal Einblick in seine Gedankenwelt, in einem Interview mit der Initiative „1bis19“. Deren Initiator Paul Brandenburg – auch mit Brüggemann verbandelt – lädt sonst auch schon mal Neonazis zum Gespräch ein und veröffentlicht in verschiedenen alternativen, eigentlich aber demokratiefeindlichen Medien.

Reichsbürgerideologie nicht fern

Bruch spricht dort über die „Angstmaschinerie, die durch die Presse geht“, über PCR-Tests als „eigentliche Ursache des ganzes Problems“, über „Absurdität und Willkür der Maßnahmen“ und über die Angst, seine Kritik öffentlich zu machen: „Ich mach mir Sorgen, dass ich das nicht frei äußern kann.“ Auch sorge er sich vor den Konsequenzen, nicht mehr engagiert oder in eine Ecke mit Rechten und Aluhüten gestellt zu werden.

Genau da steht Bruch aber als Mitglied der im vergangenen Sommer gegründeten Basis-Partei. In anthroposophischer bis esoterischer Manier strebt die aus dem Vorläufer-Parteiprojekt Widerstand 2020 hervorgegangene Formation eine „neue, menschen- und naturgemäße Gesellschaftsordnung“ an.

Themensprecher, von der Partei „Säulenbeauftragte“ genannt, lassen immer wieder Nähe zu rechtspopulistischer oder Reichsbürgerideologie erkennen; Verschwörungsmythen wie jene über die Gefährlichkeit des 5G-Mobilfunknetzes finden sich in ihrem Programm; die Säulenheiligen der Querdenker-Szenerie, der Arzt Wolfgang Wodarg und der Epidemiologe Sucharit Bhakdi, treten für sie für den Bundestag an.

Der in einem Brandenburger Dorf lebende Bruch hat sich im Spiegel dazu geäußert, was ihn dazu brachte „die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen zu hinterfragen“. So sei er ohne Maske aus einem leeren Supermarkt geworfen worden. Die Heftigkeit der Reaktionen auf „Alles dicht machen“ zeige ihm, „einen wunden Punkt getroffen“ zu haben.

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