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10 Jahre Kölner SilvesternachtDer Schock hallt nach

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Die Kölner Silvesternacht 2015 ist nicht vergessen. Seitdem haben sich Debatten um Migration und Männlichkeit stark verschoben.

Foto: Markus Boehm/dpa

N un ist die Silvesternacht in Köln schon zehn Jahre her. Nach der Party auf der Domplatte erstatteten über 1.300 Personen, vor allem Frauen, wegen sexueller Übergriffe, Vergewaltigung und Diebstahl Anzeige bei der Polizei. Seitdem hat es eine Silvesternacht in dieser Dimension nicht mehr gegeben. Ist Köln 2015 deshalb vergessen? Keineswegs. Denn seit dem Ereignis, das die Republik erschütterte, gab und gibt es nicht nur kontroverse Debatten über Gewalt gegen Frauen und Selbstermächtigung migrantischer Männer, sondern eben auch Diskurse über die Frage, ob dieses Land überhaupt vorbereitet ist auf eine Migration, wie es sie im sogenannten Flüchtlingssommer 2015 gab.

In der Tat kippte die (Willkommens-)Stimmung nach der Silvesternacht deutlich, plötzlich wurden Fragen laut, deren Ergebnisse heute längst in politische Entscheidungen geflossen sind: Abschiebungen sind an der Tagesordnung, unabhängig davon, ob die Abgeschobenen straffällig geworden sind oder nicht. Die Grenzen sind wieder dichter, egal, ob die Geflüchteten ein Recht auf ein Ankommen hier haben. Migrantischen Männern wurde per se sexuelle Gewalt unterstellt. In diesem Zusammenhang veränderte sich auch der Geschlechterdiskurs. Plötzlich wurde gefragt, ob denn deutsche Männer keinen Mumm mehr hätten, „ihre Frauen zu verteidigen“, der Backlash feministischer Erfolge nahm seinen Anfang.

Ja, es waren – neben einigen deutschen – Männer aus Algerien, Irak, Afghanistan, Syrien, Marokko, viele von ihnen Kleinkriminelle und polizeibekannt. Von ihnen aber auf ein migrantischen Männern innewohnendes „Gewaltgen“ zu schließen, ist so falsch wie deutsche Männer als Unschuldsengel zu definieren. Gewalt gegen Frauen – auf der Straße und zu Hause – ist keine Frage der Nationalität, sondern eine toxischer Männlichkeit. Überall auf der Welt.

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Geblieben aus der Silvesternacht 2015 ist aber auch ein Gesetz, das ohne die Ereignisse in Köln sicher nicht so schnell Eingang ins Strafgesetzbuch gefunden hätte: „Nein heißt Nein“. Das war ein Paradigmenwechsel, für den Frauenverbände und Gewaltschutzeinrichtungen jahrelang gekämpft hatten. Seither ist es strafbar, jemanden sexuell zu bedrängen und dessen klare Ablehnung zu missachten, ganz gleich, ob diese verbal, durch Weinen oder mit Gesten verdeutlicht wurde.

So fortschrittlich das Gesetz ist, so kompliziert ist bis heute die Beweislast: Wie kann ein Opfer belegen, dass es ausdrücklich Nein gesagt hat? Schwierig. Trotzdem ist „Nein heißt Nein“ ein deutliches Signal, dass der Intimbereich eines Menschen keine rechtsfreie Zone ist. Das gilt überall, nicht nur bei öffentlichen Silvesterpartys.

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Simone Schmollack
Ressortleiterin Meinung
Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalist:innen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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22 Kommentare

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  • Endlich mal ein sachlicher, nicht unwohlwollender Text, den ich zu dem Thema lese. Danke. Es gibt noch viel zu tun, aber Leidverminderung und -verhinderung sind absolut umsetzbar, bis wir Leidproduktion eines Tages überwunden haben.

  • Doch Frau Schmollack, es hat sehr wohl etwas mit der Herkunft zu tun. Und zwar nicht mit einem Gewaltgen, was meines Wissens auch niemand so jemals behauptet hat, so wie auch andersrum niemand ernsthaft behauptet hat deutsche Männer seinen Unschuldsengel. Aber sehr wohl hat es mit einer kulturellen Prägung in den Herkunftsländern zu tun. Das macht nicht aus allen Männern aus diesen Ländern Vergewaltiger und es macht einen urdeutschen Vergewaltiger nicht einen Deut besser. Aber es ist schlicht dumm die Augen davor zu verschließen, dass in diesen Ländern eine anders Gesellschafts- und Frauenbild vorherrscht, dass in unserer Gesellschaft problematisch ist. Alles allgemein auf eine toxische Männlichkeit zu schieben und dabei kulturelle Aspekte vollkommen zu negieren ist grundfalsch, da ohne eine korrekte Analyse auch keine erfolgreichen Maßnahmen abgeleitet werden können und die Verleugnung des Offensichtlichen am Ende nur der AfD unnötig Futter gibt. Daher finde ich solche Kommentare schlicht ärgerlich.

    • @Fran Zose:

      Es ist nicht die Herkunft. es ist die Prägung. Die hängt mit Herkunft zusammen. Es aber allein auf die (geographische) Herkunft zu beschränken ist genau so unvollständig wie allein auf die Armut zu gehen.

    • @Fran Zose:

      Ich finde Ihren Beitrag korrekt, finde aber vor allem fragwürdig, wie man diese Realität verleugnen kann - dass in verschiedenen Kulturen verschiedene Bilder von Frauen und deren Status durch Erziehung vermittelt werden, wobei es natürlich auch von der "Schicht" abhängt, also ob es um die Familie eines Bildungsbürgers geht, der sich an westlichen Wertvorstellungen orientiert und seine Söhne zum Studieren nach Euroap schickt oder um einen perspektivlosen Mann aus den armen Familien, der sich auf eigene Faust aufmacht.

      Es gibt unendlich viele Studien, die den Zusammenhang belegen, wie kann man das nur bestreiten?

  • Dass man deutsche Männer im Angesicht der Silvesternacht 2015 als Unschuldsengel definieren wollte war und ist immer nur eine Unterstellung linker Medien und Politiker gewesen. Nie hat irgendwer behauptet, deutsche Männer würden keine Sexualdelikte verüben. Wäre ja auch eine ziemlich leicht zu widerlegende Lüge gewesen.

    Aber was man aus arabischen Ländern vorher schon kannte, z. B. aus Ägypten ab 2011 insbesondere auf dem Tahrir-Platz, war das, was man 2025 erleben musste. Und das kannte man vorher hier nicht. Vielleicht hat es nichts mit der Nationalität zu tun, wohl aber mit der kulturellen Prägung.

    Im Übrigen haben Abschiebungen mit dem Thema eigentlich nichts zu tun. Für die Legitimität von Abschiebungen ist Straffälligkeit des Abzuschiebenden keine Voraussetzung. Abzuschieben ist derjenige, der kein Anrecht auf Asyl hat. Straffälligkeit kann dazu führen, dass selbst Asylberechtigte abgeschoben werden können, eben wenn es dem Staat nicht zuzumuten ist, dass diese Person weiterhin dort lebt.

    Aber die Silvesternacht 2015 war definitiv eine Zäsur und die anfangs versuchte Abwiegelung vieler Medien hat große Schäden an der Glaubwürdigkeit verursacht.

  • "Ja, es waren – neben einigen deutschen – Männer aus Algerien, Irak, Afghanistan, Syrien, Marokko, viele von ihnen Kleinkriminelle und polizeibekannt. Von ihnen aber auf ein migrantischen Männern innewohnendes „Gewaltgen“ zu schließen, ist so falsch wie deutsche Männer als Unschuldsengel zu definieren."



    Wie immer krampfhaft versucht wird klar ablesbare Werte zu beschönigen🙄



    Alle Statistiken weisen junge migrantische Männer als überrepräsentiert aus. Zwei Nationalitäten sind 30fach überrepräsentiert - 30fach!!!



    Die Polizeipräsidentin von Berlin, Frau Slowik Meisel, hat jetzt mit Blick auf Silvester in Berlin wieder öffentlich gewarnt, dass bei Gewalttaten mit dem Messer jeder dritte Täter unter 21 Jahre alt ist und ein "deutlich höherer Anteil nicht deutscher junger Menschen im Vergleich zu deutschen Kindern und Jugendlichen" aus der Kriminalstatistik ablesbar ist.



    Ja, migrantische Männer haben kein "innewohnendes „Gewaltgen“", sie stammen aber aus Gesellschaften, die archaischer und noch klar männerdominiert sind, dazu oft in Kombination kriegstraumatisiert. Das ist ein extrem gefährlicher Cocktail.



    Es braucht deutlich mehr psychologische Betreuung zum Schutz unserer Gesellschaft.

  • Die veränderte Rechtslage ist ebenso zu begrüßen wie die klare Kante gegen archaische Männlichkeitsvorstellungen - auch gegenüber zugewanderten Menschen mit Migrationshintergrund. Letzteres war und ist ein schwieriger Lernprozess im linken Milieu.

  • Wir können jetzt von „männlichem Chauvinismus“ (Machismo) sprechen, der sich in der Geringschätzung von Frauen äußert. Geringschätzung von Frauen ist in den meisten Fällen religiös begründet.

    Wir können jetzt auch von patriarchalen Strukturen sprechen, die ebenfalls oft religiös begründet sind.

    Kürzlich las ich eine Definition, die mir gut gefällt:

    "Das Patriarchat bezeichnet ein Herrschaftssystem, in dem „das Männliche“ als das selbstverständliche, normierende und dominierende Prinzip gilt und das die bevorzugte Stellung von Männern aufrechterhält. Patriarchale Werte, Normen und Praktiken gehen mit der Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen und der Unterdrückung oder Verdrängung weiblicher und nicht- heteronormativer Perspektiven einher. Sie erhalten sexistische Strukturen und Muster aufrecht und begünstigen geschlechtsspezifische Gewalt.



    gemeinsam-gegen-se...posts/patriarchat/

    Schauen wir in die Psychologie lernen wir, dass Unterdrückung der Frauen ihre Wurzel in der männlichen Angst vor Frauen hat.

    Selbstbewusste kluge Männer wissen ganz selbstverständlich, dass die Essenz des Menschen, Bewusstheit, jenseits von männlich und weiblich ist.

  • Das schrieb der (eher linksliberale) Tagesanzeiger aus Zürich vorgestern zu diesem Thema:



    "Die Nacht, in der Frauen in Deutschland Freiwild waren

    An Silvester 2015 begingen rund tausend Migranten in Köln sexuelle Übergriffe. Statt über Gewalt gegen Frauen sprach man damals lieber über Rassismus."



    Ein Blick von aussen hilft manchmal, die Situation im eigenen Land besser einzuschätzen.

  • Liebe Frau Schmollack, Sie schrieben: "Ja, es waren – neben einigen deutschen – Männer aus Algerien, Irak, Afghanistan, Syrien, Marokko, viele von ihnen Kleinkriminelle und polizeibekannt."

    Darf ich auch Ihnen die Frage stellen, warum diese Leute, von denen viele offenbar mehr als eine Straftat verübt haben, sonst wären sie nicht "polizeibekannt", nicht schon vor der "Silvesternacht" ausgewiesen worden sind? Kleinkriminelle sind keine "Bereicherung"!

    Zum "Kippen" der Willkommenskultur hat meiner Meinung die Unfähigkeit oder gar Unwilligkeit der zuständigen Leute beigetragen, Straftäter, vor allem Mehrfachtäter auszuweisen.

    Die Bereitschacft, weiter jene Menschen aufzunehmen, die ein Recht darauf hätten, hier Zuflucht zu finden, wäre sicher größer, wenn nicht der Eindruck entstanden wäre, dass Flüchtlinge und Migranten hier bleiben können, egal, wie sie sich verhalten.

    Ebenso, dass die zuständigen Stellen und die Flüchtlingsinitiativen vor allem nach Gründen suchen, die gegen eine Ausweisung sprechen, egal, wie die Flüchtlinge sich hier benehmen. Solange die "Zivilgesellschaft" ihre Haltung hier nicht ändert, wird die Stimmung so ausländerfeindlich bleiben, wie sie ist.

    • @ PeWi:

      Ein bisschen am Artikel vorbeigelesen, ist Ihnen entgangen, dass Fr. Schmollack zurecht die befremdliche Diskursverschiebung angreift, in der die steigenden Zahlen von Gewalt gegen Frauen vermeintlich ein migrantisches Problem seien. Ein absurder Konsens der von Merz zementiert und so nun auch von Ihnen tradiert wird, dabei aber jeglicher Substanz entbehrt. Ehrlich gesagt ermüdet dieser enervierende repetitive Vorwurf, zumal 1200 Zeichen nicht ausreichen um das komplexere Problem, das sich dahinter verbirgt, so zusammenzufassen, dass es sich den schlichteren, gern simplifizierenden Geistern auch erschließt. Daher einfach und klar, Sie liegen falsch wenn Sie das toxische Patriarchat und gewaltverherrlichenden Medien sowie täterschützende Strukturen lediglich bei einer bestimmten Bevölkerungsgruppe lokalisieren möchten. Racial Profiling bei Polizisten und in entsprechenden Studien ist bekannt, Vergewaltigungsnetzwerke und die Unfähigkeit der Justiz diese, oder jegliche anderen Gewalttat an jeder Frau rechtssicher aufzuklären sind bekannt, ein Backlash feministischer Errungenschaften und das Erstarken misogyner Idole und Netzwerke sind bekannt. Informieren Sie sich bitte richtig!

      • @Lou Andreas-Salomé:

        Wenn an meinem Fahrrad das Hinterrad einen Platten hat, dann kann ich sehr, sehr lange darüber reden, dass auch der Mantel am Vorderrad schon sehr rissig ist und der Schlauch zudem Luft verliert. Kann ich machen.

        Was ich damit aber nicht ändere, ist, dass mein Hinterrad nach wie vor - hoppala - einen Platten hat.

  • Niemand hat ein ein Gewaltgen – aber Sozialisation spielt zweifellos eine Rolle.

    Und wenn Männer in einem Kulturkreis, in einem Land, in einem Umfeld aufwachsen, in denen das Patriachat noch viel dominanter ist als in Deutschland, Keuschheitsgebote viel mehr Bedeutung haben, Gleichberechtigung oft ein Fremdwort ist, staatliche Strukturen schwach und das Recht des Stärkeren und Selbstjustiz gilt.... dann hat all das Auswirkungen darauf, wie gefährlich manche Männer sind. Auch für Frauen.

    • @gyakusou:

      Bitte tendenziöse und schlicht falsche Ansichten ablegen und nicht ständig radikale Inhalte verbreiten. Sie sind im Irrtum wenn Sie glauben, Frauen seien bei deutschen Männern sicherer, zum einen sind deutsche Männer viel besser strukturell geschützt und zum anderen ist racial profiling hinlänglich bekannt. Während also hundert Migranten auf der Domplatte wilde Sau gespielt haben, verprügeln, vergewaltigen – bieten betäubte Frau anderen Männern zur Vergewaltigung an – und schlussendlich töten TAUSENDE deutsche Männer ihre (Ex-) Frauen. Gleichberechtigung interessiert auch hier keinen, staatliche Strukturen schützen auch hier die Männer, von allen Übergriffssituationen die ich erlebte, waren nur ein Bruchteil von Migranten verursacht.

  • Frau Schmollak, vielen Dank für Ihren sachdienlichen und auch diskussionswürdigen Artikel. Ich habe mir vielfältig Fotos aus der Silvesternacht angesehen und erkennen müssen, dass leider nicht jede bedrängte Frau einen 'deutschen Mann' zu ihrer Verteidigung an ihrer Seite hatte. Übrigens werden ähnliche Taten auch von urdeutschen Männern verübt, an diesem - leider unvergesslichen -Abend waren jedoch - zumindest nach Augenschein - kaum solche vor Ort. Ansonsten, nochmals danke für Ihren Beitrag.

  • „Nein heißt Nein“ ist sicher ein großer Fortschritt gewesen, aber nur die Hälfte des Weges. Denn nach wie vor muss ja das Opfer nachweisen, dass es „Nein“ gesagt hat.



    Es sollte endlich „Ja heißt Ja“ gelten und der Täter muss nachweisen, dass das Opfer „Ja“ gesagt hat.



    Aber sehr oft werden leider zwei Dinge gelten:



    1. Es werden viel zu wenige Taten angezeigt, weil die „Bearbeitung der Anzeige“ noch viel zu empathielos ist.



    2. Es steht sehr oft eben „Aussage gegen Aussage“

    • @Dirk Osygus:

      So bedauerlich es ist, wenn aufgrund von Mangel an Beweisen viele Täter*innen ungeschoren davon kommen, doch der eherne juristische Rechtsgrundsatz 'in dubio pro reo' wird wohl auch diesbezüglich weiter angewandt werden (müssen). Denn ein Kernprinzip des Strafrechts ist: Es ist besser, einen Schuldigen freizusprechen, als einen Unschuldigen zu verurteilen. Er leitet sich aus dem Rechtsstaatsprinzip und der verfassungsmäßigen Unschuldsvermutung ab, welche u.a. durch die Europäische Meschenrechtskonvention (Art. 6 Abs. 2 EMRK) gedeckt ist.

    • @Dirk Osygus:

      Egal wie man ein Gesetz dreht und wendet oder formuliert. Es kann und darf NIEMALS eine Rechtsprechung geben, in der ein Beschuldigter nachweisen muss etwas nicht getan zu haben. Dieser Grundsatz darf in keinem Fall gelten. Daher ist ihr Grundsatz absolut abzulehnen. Egal wie es gemeint ist, darf diese Rechtsprechung niemals gelten.

      • @Walterismus:

        „Es kann und darf NIEMALS eine Rechtsprechung geben, in der ein Beschuldigter nachweisen muss etwas nicht getan zu haben.“

        Vielleicht ist aber genau das der Paradigmen Wechsel der endlich mal zu einer Abnahme der Gewalt gegen Frauen führen würde. Aktuell und leidlich effizient, da eher täterschützende Strukturen in der Justiz, haben wir eine Überzahl an nicht rechtlich verfolgten Gewalttaten. Wie ausreichend in der taz belegt, werden immer weniger Vergewaltigungen in Berlin wirklich rechtlich geahndet.

        taz.de/Gewalt-gege...Bvergewaltigungen/

        Neben dem Leid, dem Trauma, der körperlichen Verletzung und der Unmöglichkeit sich noch im öffentlichen Raum bewegen zu können, liegt die Beweislast beim Opfer. Während Täter sich entspannt frei bewegen können, auf der Pirsch nach neuen Opfern… DAS kann einfach nicht richtig sein!

    • @Dirk Osygus:

      Ja, in der Tat ist es das grundlegende Prinzip eines Rechtstaats, dass die Jusitz einem Beschuldigten eine Straftat nachweisen muss. Und nicht ein Beschuldigter seine Unschuld nachweisen muss.



      Ansonsten könnte man ja jeden Bürger und jede Bürgerin pauschal aller möglicher Straftaten beschuldigen, und wenn man bei einigen keinen Unschuldsbeweis fürhern kann - dann Pach gehabt. Ein Grossteil der Bevölkerung würde sich bald im Gefängnis wiederfinden.

    • @Dirk Osygus:

      Zitat : und der Täter muss nachweisen, dass das Opfer „Ja“ gesagt hat.

      Dann ändert sich genau eine Sache: heute haben die Frauen das Problem, dann die Männer. Macht nichts besser, löst auch kein Problem.

      Könnte den Umsatz der Prostituierten steigen.

      • @Donni:

        „Dann ändert sich genau eine Sache: heute haben die Frauen das Problem, dann die Männer.“

        Und das in doppelter Hinsicht, da neben dem physischen und psychischen Schaden noch in die Beweissammlung und Dokumentation gegangen werden muss. Zumal für Männer mit „besonderen“ Neigungen das ganze NEIN und JA Konzept keinerlei Hindernisse und bei aktueller Rechtslage immer noch eine WinWin Situation darstellt: Denn bitte wie soll eine EXTRA zum Zwecke der Vergewaltigung betäubte Frau ausdrücken, das keinerlei Konsens stattfindet. Und dass das Treiben der Vergewaltiger Netzwerke trotz mehrfacher Anzeige seit 2023, und gut dokumentierter Recherche munter weitergeht, zeigt STRG+F erst kürzlich auf. Leider ohne großen medialen Aufschrei, der erfolgte nur nach der ersten Recherche, viel schlimmer ist das Verschwinden von Emails im BKA 2023 und im LKA Hamburg, Applaus für ein täterschützendes System. Wenn da der Verursacher vom rätselhaften Verschwinden der Emails nicht selber hin und wieder die Schwester, Mutter, Freundin… ausnockt.

        www.youtube.com/watch?v=khz9WR_gKwQ